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Born this way: Geschlechtsidentität und der Versuch der sexuellen Umerziehung

Das Lied „Born this way“ galt als Liebeserklärung von Lady Gaga an ihre LGBT-Gemeinde. Der Appell, sich selbst so zu lieben, wie man geboren wurde, sollte allen gelten – unabhängig von sexueller Orientierung, biologischem Geschlecht und Geschlechtsidentität. Dieser Artikel bietet eine biologische Einführung zur Entstehung von Geschlechtsidentität (gender identity) und Sexualität und diskutiert wissenschaftliche Erkenntnisse und gesellschaftliche Implikationen am Beispiel des John/ Joan bzw. Bruce/ Brenda Falls.

My mama told me when I was young 

We are all born superstars 

She rolled my hair and put my lipstick on

In the glass of her boudoir

(Lady Gaga)

Die Geschlechtsidentität ist nichts, was man/frau einfach mal ablegen kann.

Begriffsdefinitionen: Biologisches Geschlecht, Gender und Geschlechtsidentität

Welches biologische Geschlecht (engl. biological sex) eine Person hat, ist auf die Art der Keimzellen zurückzuführen, die produziert werden. Das biologische Geschlecht ist somit (biologisch) determiniert und ist von dem Begriff Gender abzugrenzen. Mit Gender ist das erlebte bzw. soziale Geschlecht gemeint. Dieses ist konstruiert, das bedeutet es ist erlernt und variabel.

Vor allem der Sexualforscher und Psychologe Dr. John Money prägte den Begriff Gender als soziales Geschlecht in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Unter den Begriff fallen auch die Bezeichnungen gender role und gender identity, letzteres ist die Geschlechtsidentität. Während gender role alle Verhaltensweisen meint, die kulturbedingt als typisch und erwartet für das weibliche bzw. männliche Geschlecht gelten, wird die Geschlechtsidentität eines Individuums, beruhend auf der eigenen Empfindung, als gender identity bezeichnet. Dabei ist nicht nur die persönliche Identifikation mit dem männlichen bzw. dem weiblichen Geschlecht möglich, sondern auch eine Kombination aus beiden bzw. eine Identität, die weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuzuordnen ist.

Geschlechtsidentität: Die Gender Gate Theorie von Dr. J. Money

Dr. John Money gründete im Laufe seiner Karriere die John Hopkins Gender Identity Clinic und entwickelte die gender gate theory – eine Theorie, die besagt, dass die Geschlechtszuweisung bis zum 2. Lebensjahr offen und unter anderem durch operative Eingriffe sowie durch die Erziehung bestimmbar ist.

Als die Kanadierin Janet Reimer, Mutter der eineiigen Zwillinge Bruce und Brian, im Jahr 1966 eine Fernsehsendung sah, in der Dr. Money diese Theorie vorstellte, fühlte sie sich seit langem wieder hoffnungsvoll. Bei einem operativen Eingriff wurde der Penis von Bruce verbrannt. Bruce, zu dem Zeitpunkt des Unfalls ein sieben Monate alter Säugling, würde den Vorfall nicht erinnern. Doch die Zweifel, ob ihr Sohn als „Mann ohne Penis“ zurechtkommen und glücklich werden würde, blieben der Mutter. So nahm sie Kontakt zu dem Spezialisten Dr. Money auf. Dieser sah in dem Fall seine große Chance, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf seine Forschung zu lenken und um zu beweisen, dass das menschliche Geschlecht konstruiert bzw. arbiträr ist. Kurzum lud er die Familie in seine Klinik in Balimore ein.

Der John/ Joan bzw. Bruce/ Brenda Fall

Dr. Money konnte die Eltern von Bruce davon überzeugen, dass es im Sinne des Jungen wäre, ihn als Mädchen großzuziehen. Mit 18 Monaten wurde Bruce einer geschlechtsangleichenden Operation, eine operative Geschlechtsumwandlung der primären Geschlechtsmerkmale, unterzogen und fortan Brenda genannt. Weiterhin mussten die Eltern versichern, dass sie selbst nie an Money’s Methode zweifeln bzw. die Erziehung ändern und den Zwillingen die Wahrheit sagen würden. Von diesem Zeitpunkt an, kleideten die Eltern Brenda in mädchenhafter Weise und gaben ihm/ ihr Puppen und andere Spielzeuge, die für Mädchen dieses Alters üblich waren. Mit Einsetzen der Pubertät wurden Brenda weibliche Hormone verabreicht. Weiterhin mussten die Zwillinge jährliche Gespräche mit Dr. Money wahrnehmen. Zwillings-Studien stellen in der Entwicklungsforschung eine große Besonderheit dar, da entwicklungs- bzw. erziehungsbedingte Unterschiede auf Grundlage identischer Gene untersucht werden können. So kann der Einfluss biologischer bzw. umweltbezogener Unterschiede auf die entwicklungsbedingte Veränderung kontrolliert, also herausgerechnet, werden.

Bereits nach kurzer Zeit zeigten sich erste Anzeichen, die darauf hinwiesen, dass das Experiment zu scheitern schien. Brenda bevorzugte die Spielsachen von Brian und wurde von anderen Kindern gemobbt. Selbst im tiefsten Winter in Kanada musste Brenda Kleider tragen. Dr. Money, der bereits erste erfolgsversprechende Artikel zu dem Fall und seiner nurture-not-nature Theorie (Pflege/ Erziehung nicht Natur Theorie) veröffentlicht hatte, sah sich gezwungen immer extremere Methoden anzuwenden. So mussten die Zwillinge bei den Terminen mit Dr. Money gemeinsam sexuelle Positionen nachstellen, bei denen Brenda die Rolle der untergeordneten, passiven Frau einnehmen sollte. Mindestens einmal wurden die Zwillinge von dem Forscher gezwungen ihre Kleidung abzulegen, um eine „genitale Inspektion“ durchzuführen.

Unglücklich und geplagt von großen sozialen Problemen verkündete Brenda mit 14 Jahren, dass er/ sie sich das Leben nehmen würde, sofern er/ sie noch einmal zu einem Termin mit Dr. Money gezwungen werde. Die Eltern beschlossen die Zwillinge aufzuklären. Während Brenda, die/ der sich von diesem Zeitpunkt an David nannte, eine innerliche Erleichterung verspürte, reagierte Brian verstört auf die Neuigkeiten bzgl. seines Zwillingsbruders.

Der Fall ging unter dem Pseudonym John/Joan in die Geschichte der Geschlechter-Forschung ein.

Geschlechtsidentität: Was ist dran am konstruierten Geschlecht?

Um die Theorie mit ihren dramatischen Folgen aus den 1960er etwas genauer zu beleuchten, soll zunächst Bezug auf die embryonale Entwicklung genommen werden:

Mit der Verschmelzung der Eizelle der Frau und der Samenzelle des Mannes entsteht eine neue Zelle mit 23 Chromosomenpaaren. Der neue Chromosomensatz besteht damit zu 50% aus der mütterlichen und zu 50% aus der väterlichen DNA. Eines dieser Chromosomenpaare enthält bereits die Geschlechtsinformationen des Embyros – die sogenannten Geschlechtschromosomen. Zwei X-Chromosomen liefern das Entwicklungsprogramm für einen weiblichen Organismus. Wohin gegen ein X-Chromosom und ein Y-Chromosom den männlichen Organismus entstehen lassen.

In den ersten sechs Schwangerschaftswochen läuft die Embryonalentwicklung geschlechtsunabhängig ab und die Anatomie unterscheidet sich trotz unterschiedlicher Geschlechtschromosomen nicht. Erst ab der 10. Woche beginnt eine differenzierte Ausbildung der Gonoden (Keimzellen) und der sogenannten Wolff- und Müller-Gängen. Das SRY-Gen (sexdeterminierende Region von Y) befindet sich ausschließlich auf dem Y-Gen und ist für die Entwicklung der Hoden zuständig. Die angelegten Hoden produzieren wiederum das bekannte Sexualhormon Testosteron. Dieses Hormon ist unter anderem für die Weiterentwicklung der Wolff-Gänge zuständig, woraus sich letztendlich die männlichen Genitalien bilden. Bei dem weiblichen Organismus degenerieren hingegen die Wolff-Gänge, stattdessen entwickeln sich die Müller-Gänge zu Vagina und Uterus. Die Hoden und Eierstöcke stellen wichtige Drüsen für die Hormonproduktion dar, die wiederum u.a. während der Geschlechtsreife (Pubertät) eine wichtige Rolle spielen.

Der Einfluss der Sexualhormone ist aber nicht auf die primären und sekundären Geschlechtsmerkmale beschränkt, es gibt auch Belege dafür, dass sowohl bestimmte Gehirnstrukturen als auch kognitive Leistungen geschlechtsbedingt sind.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es anatomische und hormonelle Unterschiede zwischen den biologischen Geschlechtern gibt, die sich bereits pränatal entwickelt haben und die über das Vorhandensein primärer Geschlechtsmerkmale hinausgehen. Eine postnatale Beeinflussung von außen, wie eine operative geschlechtliche Umwandlung oder die Gabe von Sexualhormonen, kann daher nur bedingt wirksam werden. Was also geschah mit David?

Das Leben nach dem Experiment

David unterzog sich mehreren operativen und hormonellen Behandlungen, um wieder als Mann leben zu können. 1990 heiratete er seine Frau Jane Fontaine und adoptierte ihre drei Kinder. David’s Bruder Brian litt stark unter den Folgen des Experiments und entwickelte eine Schizophrenie. Im Jahr 2002 verstarb er an einer Überdosis Antidepressiva.

David konnte den Tod seines Zwillingsbruders nur schwer verkraften. Als ihm 2004 seine Frau mit der Scheidung drohte und er seinen Job verlor, nahm sich David Reimer das Leben. Er wurde 38 Jahre alt.

Janet Reimer ließ später über die New York Times veröffentlichen, dass sie glaube, dass ihr Sohn heute noch Leben würde, wäre er nicht Opfer des „katastrophalen Experiments“ von Dr. John Money geworden.

Geschlechtsidentität (gender identity) und sexuelle Orientierung: Ein Ausblick

Es gibt einige Befunde, die darauf hinweisen, dass die sexuelle Identität und Orientierung bereits vor der Geburt feststeht. So ist es nicht nur unmöglich einen Jungen als Mädchen zu erziehen, sondern auch sexuelle Präferenzen „umzuerziehen“ oder zu therapieren. Studien zeigen z.B. dass gewisse Hirnareale (deren Entwicklung bereits im Mutterleib abgeschlossen wurde) von homosexuellen Männern denen von heterosexuellen Frau ähneln.

Die Erkenntnisse zu gender identity und sexuellen Orientierung sind noch jung und bei weitem nicht abgeschlossen.

Bis 1992 galt beispielsweise auch die Homosexualität laut WHO noch als Krankheit, die eine psychotherapeutische Behandlung bedarf. Und noch heute haben lesbische und schwule Jugendliche in Deutschland eine vier- bis siebenmal höhere Suizidrate als Jugendliche allgemein.

Bei dem Thema Transgender ist das ähnlich. Glücklicherweise werden auch hier Fortschritte gemacht. So wurde beispielsweise die Geschlechtsidentitätsstörung aus dem amerikanischen Diagnosemanual DSM entfernt. Eine fehlende Identifikation mit dem biologischen Geschlecht ist nicht einer psychischen Störung gleichzusetzen. Der Begriff kann leicht missverstanden werden. Eine Störung meint eine Normabweichung psychischer Funktionen, die das Denken, Wahrnehmen, Fühlen und/ oder Verhalten der betroffenen Person und damit deren Alltagsbewältigung negativ beeinflussen. Trans*- Menschen haben also keine Störung der Geschlechtsidentität. Vielmehr kann das Leiden an einer Geschlechtsdysphorie diagnostiziert und behandelt werden. Diese beschreibt den Leidenszustand einer Person, wenn diese bemerkt, dass ihr biologisches Geschlecht im Konflikt mit der eigenen geschlechtlichen Identität steht.

Abgesehen davon kommt es, genau wie bei Homosexuellen, bei Trans*-Menschen ebenfalls häufig zu psychischen Belastungen aufgrund von gesellschaftlichen Hürden und Reaktionen des sozialen Umfelds. In diesen Fällen ist es selbstverständlich ebenfalls wichtig, dass Betroffene psychologische Hilfe erhalten.

Ein großer Faktor ist und bleibt dabei die gesellschaftliche Aufklärung und Akzeptanz sowohl zur Geschlechtsidentität als auch der sexuellen Identität und sexuellen Orientierung.

Es gibt aber auch einige Positiv-Beispiele zur Entwicklung des gesellschaftlichen Umgangs mit Geschlechtsidentifikation. So bietet Facebook mittlerweile über 50 Auswahlmöglichkeiten zur Angabe des eigenen Geschlechts. Weiterhin erkannten die australischen Behörden die erste Person als androgyn (weiblich UND männlich) an und stellten dementsprechend den Pass mit dieser Geschlechtsbezeichnung aus.

Lerntheorien: Wie lernen wir eigentlich?

Ab dem ersten Tag unseres Lebens beginnen wir zu lernen. Gerade in den ersten Jahren machen wir fast täglich Fortschritte und erweitern unser Können. Doch wie funktioniert das Lernen eigentlich? Es gibt eine Vielzahl an Lerntheorien, welche die Lernvorgänge beschreiben und erklären. Im Folgenden Artikel findet sich eine Übersicht und Zusammenfassung bekannter Lerntheorien.

Lerntheorien: Wie lernen wir?

Definition Lernen

Der Begriff Lernen hat indogermanische Wurzeln, deren Bedeutung “Furche, Spur oder Bahn” ist. Bereits die Wortherkunft deutet also darauf hin, dass Lernen etwas damit zutun hat “Spuren zu hinterlassen”.

Lernen beschreibt den bewussten oder unbewussten Vorgang der Aneignung oder Änderung von kognitiven Strukturen oder Verhaltensweisen. Das Lernen ist also ein Prozess der Verhalten, Denken und Fühlen formt und den Erwerb von Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten beschreibt.

Welche Lerntheorien gibt es?

Es gibt eine Vielzahl an Modellen und Hypothesen, die versuchen den Prozess des Lernens zu beschreiben. Bei den meisten dieser lerntheoretischen Ansätze wird eine einzelne, besondere Form des Lernens beschrieben und erklärt. Im Folgenden geben wir eine Übersicht über die klassischen Lerntheorien.

Klassische Lerntheorien:

Die klassischen Lerntheorien lassen sich in zwei Hauptzweige unterteilen:

  • Bei den behavioristischen Lerntheorien steht das beobachtbare Verhalten im Vordergrund des Lernprozesses, wobei die mentalen Prozesse im Gehirn nicht von Interesse sind.
  • Dem gegenüber stehen die kognitivistischen Lerntheorien, bei welchen die Kognitionen und Emotionen mit in das Modell des Lernprozesses eingebunden werden.

Im nächsten Abschnitt werden die bekanntesten Lerntheorien des Behaviorismus und Kognitivismus beispielhaft erklärt.

Behavioristische Lerntheorien

Bei diesen lerntheoretischen Ansätzen steht der Mensch, als Ergebnis seiner Umwelt, im Fokus. Es wird zunächst das beobachtet, was das lernende Wesen aufnimmt (einen Reiz) und anschließend die Antwort auf den Reiz in Form von Verhalten. Was dazwischen passiert, also wie der Reiz im Gehirn bearbeitet wird, ist nicht von Bedeutung.

Klassische Konditionierung

Die klassische Konditionierung, die von dem russischen Physiologen Iwan Pawlow begründet wurde, wird auch als Reiz(Stimuli)-Reaktion(Response)-Lernen bezeichnet. Diese Lerntheorie besagt, dass zwei Reize aneinander gekoppelt werden können.

Das Experiment von Iwan Pawlow

Pawlow führte sein Experiment mit Hunden durch. Dabei ließ Pawlow Hunden Essen bringen (US: unconditiones stimulus – Unbedingter Reiz: löst ohne Konditionierung eine Reaktion aus), wodurch diese beim Anblick und Geruch des Essens Speichel produzierten. (UR: unconditioned response – Angeborene Reaktion: wird durch den US ausgelöst). Dieser Reiz ist von Natur aus mit dieser Reaktion verbunden.

Nun wurde das Erklingen eines Glöckchen vor der Essensausgabe hinzugefügt (NS: neutral Stimulus, Neutraler Reiz: zieht keine spezifische Reaktion mit sich). Das Erklingen des Glöckchens löste zu Beginn des Experiments keine Reaktion bei den Hunden aus, sie nahmen das Erklingen der Glocke jedoch wahr. Pawlow wiederholte nun den Ablauf einige Male, zuerst ließ er die Glocke erklingen, dann folgte die Essensausgabe. Nach einiger Zeit begannen die Hunde bereits beim Erklingen der Glocke Speichel zu produzieren. Sie hatten also gelernt, dass auf die Glocke das Essen folgte. Aus dem neutralen Reiz wurde demnach ein bedingter Reiz (CS: conditioned Stimulus: ehemals neutraler Reiz löst durch mehrmalige Koppelung an den US eine Reaktion aus) auf den eine bedingte Reaktion folgte (CR: conditioned response: erlernte Reaktion).

Klein Albert: Das Experiment von J.B Watson

Kurze Zeit nach dem Experiment von Pawlow wurde die klassische Konditionierung erstmals am Menschen untersucht. Das Experiment wurde mit einem 9 Monate alten Jungen namens Albert durchgeführt. Albert wurden mehrere Tiere präsentiert (eine weiße Ratte, ein Kaninchen, ein Affe…) und seine Reaktion beobachtet. Albert zeigte keine Angst und keine besondere Reaktion auf diese Reize (NS). Daraufhin wurde Albert die weiße Ratte in Verbindung mit einem lauten Knall (US) präsentiert, woraufhin Albert sich erschrak und anfing zu weinen (UR). Jedes Mal wenn Albert nach der Ratte griff wurde der laute Knall ausgelöst. Nach dieser Konditionierungsphase wurde Albert die Ratte wieder, diesmal ohne Knallen, präsentiert. Albert begann beim bloßen Anblick der Ratte zu weinen und versuchte sich von ihr zu entfernen. Der vorher neutrale Reiz wurde also zu einem konditionierten Angstreiz (NS-> CS) und löste Furcht (CR) bei Albert aus. Im Anschluss fürchtete sich Albert nicht nur vor der Ratte, sondern vor ähnlichen weißen pelzigen Gegenständen. Die Forscher glaubten, dass sie eine generalisierte Angstreaktion bei dem kleinen Albert konditioniert hatten.

Beispiel Klassischer Konditionierung im Alltag: Beim Anblick einer Zitrone, zieht sich einem der Mund zusammen. Obwohl man nur an etwas Saures denkt oder es sieht, entsteht das Gefühl, etwas Saures zu sich zu nehmen

 

Was kann die klassische Konditionierung nicht erklären? Es kann mithilfe der klassischen Konditionierung nicht die Entstehung von neuen Verhaltensweisen erklärt werden. Ebenso wenig lassen sich Verhaltensänderungen erklären, die unabhängig von vorangehenden Bedingungen des Reizes sind.

Operante Konditionierung

wird auch als Lernen durch Belohnung oder Bestrafung bezeichnet. Bei dieser Lerntheorie werden Reiz-Reaktions-Muster aus zunächst spontanem Verhalten gebildet. Die Häufigkeit des Verhaltens wird durch eine anschließende positive oder negative Konsequenz nachhaltig verändert. Die operante Konditionierung stellt im Vergleich zur klassischen Konditionierung einen selektiven Lernprozess dar. Hierbei können das Verhalten oder Handlungen auf Dauer geändert werden.

Das Experiment von Skinner

Frederik Skinner sperrte jeweils zwei Ratten in seine sogenannte “Skinner-Box”. In dieser Box befand sich ein Hebel und ein Fressnapf. Für beide Ratten hatte der Hebel eine unterschiedliche Funktion. Für die erste Ratte wurde durch das Betätigen des Hebels Futter in den Fressnapf gelassen und die zweite Ratte erhielt durch betätigen des Hebels einen Stromschlag. Die erste Ratte betätigte regelmäßig den Hebel, während die zweite Ratte den Hebel nach anfänglichem Ausprobieren nicht wieder antastete.

Die Ratten hatten also gelernt, dass nach dem Betätigen des Hebels eine Reaktion folgte und wussten dadurch, welche Funktion der Hebel hat. Bei einer positiven Reaktion (Futter) wurde das zunächst spontane Verhalten des Betätigen des Hebels verstärkt, wobei es bei einer negativen Reaktion (Stromschlag) verringert, beziehungsweise unterbunden wurde. Skinner bezeichnet diesen Lerneffekt auch als “Lernen am Erfolg” oder als “Lernen durch Verstärkung”. Der bei der zweiten Ratte ausgelöste Effekt wird auch als bedingte Hemmung bezeichnet.

Kognitivistische Lerntheorien

Zentraler Punkt des Kognitivismus ist die individuelle Informationsverarbeitung der lernenden Person. Dazu gehören sowohl die Verarbeitungs- und Denkprozesse. Die kognitivistischen Lerntheorien nehmen an, dass das Lernen von Prozessen beeinflusst wird, die zwischen dem Reiz und der Reaktion stattfinden. Im Gegensatz zum Behaviorismus sind die mentalen Prozesse und innerpsychischen Vorgänge also von zentraler Bedeutung. Dem Lernenden kommt außerdem eine aktivere Rolle zu. Der Prozess der Imitation hängt stark mit den Spiegelneuronen zusammen.

Die Sozial-kognitive Lerntheorie (Modelllernen)

Die auch Lernen am Modell genannte Lerntheorie von Albert Bandura beschreibt Lernvorgänge, die auf der Verhaltensbeobachtung von Vorbildern (Modellen) beruhen. Bandura spezifiziert in seiner Theorie des Modell-Lernens zwei verschiedene Phasen und vier Prozesse:

1. Aneignungsphase (Kompetenz, Akquisition): 

  • Aufmerksamkeitsprozesse: Die lernende Person richtet ihre Aufmerksamkeit auf die für sie wichtigen Bestandteile des Verhaltens des Modells. Die Aufmerksamkeitsprozesse sind einerseits abhängig von Eigenschaften des Modells (ist es sympathisch? ist die Handlung deutlich? ist die Handlung erfolgreich?) und zudem von Eigenschaften des Beobachters (seinen Fertigkeiten, seinen Erwartungen und seinem Erregungsniveau)
  • Gedächtnisprozesse, Behalten: Die Information wird dabei vom Beobachter sowohl sensorisch als auch symbolisch kodiert. Um diese Information zu behalten wird sie entweder kognitiv oder aktional wiederholt. Die symbolische als auch die motorische Nachahmung des Gelernten ist förderlich für das Erinnern.

2. Ausführungsphase (Performanz)

  • motorische Reproduktionsprozesse: Die lernende Person erinnert sich an das beobachtete Verhalten und ahmt dabei ihr vorteilhaft erscheinende Verhaltensweisen nach. Wie gut die Nachahmung gelingt hängt von ihren Fähigkeiten ab. Die Einübung des Modellverhaltens erfolgt dabei auch durch Selbstbeobachtung und es erfolgen Korrekturen, die auch von Feedback aus der Umgebung abhängen.
  • Verstärkungs- und Motivationsprozesse: Ob ein Verhalten überhaupt beachtet und imitiert wird, hängt von der Motivation ab. Diese spielt sowohl in der Aneignungs- als auch Ausführungsphase eine Rolle. Nur wenn eine Person davon ausgeht, dass ihr ein Verhalten einen Vorteil bringt, wird sie das entsprechende Verhalten nachahmen. Die Motivation hängt also eng mit der Verstärkung des Verhaltens zusammen. Es lassen sich nach Bandura vier verschiedene Arten der Verstärkung unterscheiden:
    • Externe Verstärkung: Das Verhalten wird belohnt oder dadurch wird einer Bestrafung entgangen.
    • Stellvertretende Verstärkung: Das Modell wurde für sein Verhalten belohnt (Hatte Erfolg). Die beobachtende Person nimmt dies wahr.
    • Direkte Selbstverstärkung: Die beobachtende Person belohnt sich selbst.
    • Stellvertretende Selbstverstärkung: Das Modell belohnt sich selbst für sein Verhalten. Die beobachtende Person nimmt dies wahr.

Im Folgenden Video ist das bekannte Rocky-Experiment von Bandura mit einer Puppe, exemplarisch für das Erlernen von aggressivem Verhalten am Modell, zu sehen.

Lerntheorie: die kognitive Entwicklung nach Piaget

Die Grundlage Piagets Theorie der kognitiven Entwicklung ist die Annahme zweier angeborener Tendenzen. Piaget geht davon aus, dass der Mensch sich an seine Umgebung anpasst (Adaptation). Um diese Anpassung zu erreichen kann entweder die Umwelt an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden (Assimilation) oder das eigene Verhalten an die Umwelt (Akkomodation). Die zweite Tendenz ist die zur Organisation, also die Einordnung des eigenen Verhaltens in kohärente Systeme. Der Mensch kann also zwei Verhaltensweisen integrieren. Ein Baby kann zunächst ein Objekt angucken oder nach ihm greifen, später kann es diese beiden Prozesse in einen integrieren und beides gleichzeitig ausführen. Menschen streben laut Piaget durch Adaptation und Assimilation ein Gleichgewicht an. Durch die grundlegenden Tendenzen schreitet nach Piagets Theorie die kindliche Entwicklung in Stufen voran. Die Theorie von Piaget kann hier im Detail nachgelesen werden.

Weitere Lerntheorien:

Neben den Lerntheorien des Behaviorismus und des Kognitivismus gibt es weitere lerntheoretische Ansätze, die sich vor allem im pädagogischen Rahmen wiederfinden. Von diesen sind vor allem die beiden folgenden Lerntheorien hervorzuheben:

Instruktionistische Lerntheorie:

Beim Instruktionalismus wird die lernende Person dazu aufgefordert etwas zu tun. Der Person wird Wissen vermittelt, was passiv aufgenommen wird. Das Wissen wird entsprechend durch Üben vertieft. Dabei wird häufig auf Methoden wie “Vormachen, Erklären, Nachmachen, Üben” zurückgegriffen. Die instruktionistische Lerntheorie folgt den Modellen des Behaviorismus. Auf einen bestimmten Reiz folgt eine bestimmte Reaktion. Die Vorteile an dieser Art des Lernens ist die Einfachheit des Prozesses. Es muss kaum Eigenverantwortung getragen werden, der Lernprozess ist vorgegeben und gut kontrollierbar, wovon gerade im akademischen Bereich sehr profitiert wird. Nachteilig an diesem Lernmodell ist, dass individuelle Erfahrungen, Stärken und Vorwissen kaum berücksichtigt werden. Das erlernte Wissen ist also sehr wenig individuell, wodurch es schlechter erinnert werden kann.

Konstruktivistische Lerntheorie:

Beim Konstruktivismus wird das menschliche Lernen als etwas gesehen, das bestimmten Konstruktionsprozessen unterworfen ist. Dabei beeinflussen soziale, neuronale, kognitive und Wahrnehmungs- Prozesse die Konstruktionsprozesse. Die lernende Person erschafft sich von der Welt eine individuelle Repräsentation. Der Lernprozess hängt also, im Gegensatz zum Lernmodell des Instruktionalismus, stark von der lernenden Person und ihren bisherigen Erfahrungen ab. Im Sinne des Konstruktivismus ist Lernen dann am effektivsten, wenn die Lernenden den Lernprozess selbst steuern können.

Konstruktivistische Lerntheorien: Die Lehrkraft berät den Lernprozess

Lerntheorien in der Pädagogik: Anwendung im Unterricht

Das Schulsystem wurde lange Zeit von instruktionistischen Verfahren dominiert. Doch seit Ende des 20. Jahrhunderts finden in Deutschland pädagogische Umstrukturierungen statt, bei welchen konstruktivistische Verfahren in allen Schulfächern und in jedem Schultyp implementiert werden. Der Konstruktivismus plädiert vor allem für Unterrichtsformen in denen die Lehrkraft nicht als bloße Wissensvermittlung dient, sondern vielmehr den Lernprozess berät. Dabei verändert sich die Aufgabe der Lehrkraft dahingehend, dass sich diese, im Vergleich zum Frontalunterricht, eher im Hintergrund hält. Die Lehrkraft soll Lehrangebote und Wissensquellen schaffen, beziehungsweise bereitstellen und den Lernprozess beobachten und unterstützen. Die Schüler lernen durch diese offenen Unterrichtssituationen das selbst konstruierte Wissen zu festigen und vor allem auch zu abstrahieren.

Lernen durch Lehren

Eine sehr bekannte konstruktivistisch Methode, die sich in Deutschland an großer Beliebtheit erfreut und daher redlich Anwendung findet, ist das Lernen durch Lehren. Bei dieser handlungsorientierten Unterrichtsmethode lernen die Schüler indem sie sich den Stoff gegenseitig vermitteln. Hierbei wird der Unterricht so strukturiert, dass sich das Wissen kollektiv konstruiert. Neben dem reinen Wissenserwerb werden durch diese Lernform auch die Empathie und das Miteinander gestärkt.

Umgang mit individuellen Stärken und Schwächen oder Lernschwierigkeiten im Unterricht

Obwohl konstruktivistische Lernverfahren das Lernen im Allgemeinen erleichtern, gibt es verschiedene Lernbehinderungen, durch welche die akademische Leistung einzelner Schüler beeinträchtigt werden kann. Dabei können beispielsweise gerade bei Kindern mit Legasthenie oder Dyskalkulie große Schwierigkeiten auftreten, wenn diese nicht individuell gefördert werden. CogniFit bietet spezielle kognitive Bewertungs- und Stimulationsprogramme an, von denen diese Kinder profitieren können. CogniFit bietet außerdem die Möglichkeit für Schulen und Lehrkräfte die kognitiven Fähigkeiten ihrer Schulklassen zu bewerten und speziell zu trainieren. Als Lehrkraft die Stärken und Schwächen der eigenen Schüler einschätzen zu können, kann helfen auf Grundlage des Konstruktivismus individuelle Lernerfahrungen für die Schüler zu schaffen.

Erlernte Hilflosigkeit – Lernen wir, depressiv zu sein?

Einigen psychischen Krankheiten, vor allem der Depression, liegt ein Gefühl des Kontrollverlusts und der Hilflosigkeit zugrunde. Tatsächlich ist dieses Gefühl nicht einfach nur eine Begleiterscheinung, sondern laut der Theorie des amerikanischen Psychologen Martin Seligman ist die erlernte Hilflosigkeit sogar eine Ursache für diese Krankheiten.

Erlernte Hilflosigkeit

Erlernte Hilflosigkeit bei Tieren – die Shuttlebox

Seligmans Theorie der erlernten Hilflosigkeit beruht auf einer Reihe von Tierexperimenten, deren Ergebnisse anschließend auf den Menschen übertragen wurden.

Versuchsaufbau

Die Tiere, zumeist Hunde, wurden dabei in eine sogenannte Shuttle Box gesetzt. Diese besteht aus zwei aneinandergrenzenden Boxen, welche über einen Durchgang miteinander verbunden sind. Der Boden dieser Boxen besteht aus Draht, welcher eingeschaltet werden kann und Elektroschocks verabreichen kann.
Für das Experiment gab es drei Gruppen von Tieren, die unter verschiedenen Bedingungen getestet wurden.

  • Gruppe 1:  Die Tiere wurden in der ersten Phase des Experiments Elektroschocks ausgesetzt, konnten jedoch mit der Pfote einen Hebel betätigen, der den Durchgang zur anderen Box öffnete und ihnen so die Möglichkeit zur Flucht vor den Elektroschocks gab. Die Tiere erlernten dieses Verhalten sehr schnell und wendeten es unmittelbar nach Eintreten der Schocks an.
  • Gruppe 2: Tiere in Gruppe zwei erhielten genauso viele Elektroschocks wie die Tiere der ersten Gruppe, sie konnten diesen Schocks jedoch nicht ausweichen. Ihr Verhalten hatte keinerlei Auswirkung auf die Schocks, sie konnten also lediglich ausharren und abwarten, bis die Schocks vorbei waren.
  • Gruppe 3: Bei Gruppe drei handelte es sich um die sogenannte Kontrollgruppe, welche während der ersten Versuchsphase zwar in einer Shuttle Box eingeschlossen war, aber keinerlei Schocks erhielt.

In Phase zwei, der eigentlichen Experimentalphase, wurden die Tiere aus allen drei Gruppen nun Elektroschocks ausgesetzt. Alle drei Gruppen hatten jetzt die Möglichkeit, durch das Drücken eines Hebels den Durchgang zwischen den zwei Boxen zu öffnen und den Schocks zu entfliehen.

Ergebnisse

Die Tiere der ersten Gruppe, welche ja bereits an die Situation und das Hebeldrücken gewöhnt waren, zeigten dieses Verhalten auch wie erwartet in der Experimentalphase. Sie erlernten teilweise sogar, den Hebel schon vor dem nächsten Schock zu drücken, und vermieden damit effektiv jeden Schock.
Tiere der Kontrollgruppe, also Gruppe 3, brauchten etwas länger, bis sie das Hebeldrücken erlernten, doch sobald sie verstanden, dass das Drücken des Hebels eine Flucht vor den Elektroschocks ermöglicht, zeigten auch sie dieses Verhalten unmittelbar nach Beginn eines jeden Schocks.
Interessant ist jedoch das Verhalten der zweiten Gruppe, welche in der ersten Phase die Erfahrung machte, dass ihr Verhalten keinerlei Auswirkungen auf die Elektroschocks hat. Die Tiere dieser Gruppe lernten das Hebeldrücken entweder enorm langsam, oder aber größtenteils gar nicht. Die meisten dieser Tiere blieben, obwohl sie jetzt die Möglichkeit hatten, den Schocks zu entfliehen, lethargisch am Boden der Box liegen und ließen die Elektroschocks über sich ergehen. Dies liegt daran, dass sie vorher gelernt hatten, dass sie mit ihrem Verhalten an den negativen Auswirkungen der Situation nichts ändern können – sie gingen also auch jetzt davon aus, dass sie nach wie vor hilflos waren und das Geschehen außerhalb ihrer Kontrolle liegt.

Bei den Ergebnissen des Experiments handelt es sich um ein eindrückliches Beispiel zur erlernten Hilflosigkeit.

Depression – erlernte Hilflosigkeit bei Menschen?

Die Ergebnisse der Shuttle Box Experimente lassen sich gut auf depressive Personen übertragen. Durch die Erfahrung, dass die Ergebnisse einer Situation außerhalb ihrer Kontrolle liegen und ihr Verhalten keinerlei Auswirkungen hat, haben die Hunde aus Gruppe 2 nach einer gewissen Zeit aufgegeben und sich der Situation hilflos ausgesetzt.

Martin Seligman sieht in dieser erlernten Hilflosigkeit eine mögliche Erklärung von Depression.

Er überträgt die Ergebnisse seiner Experimente auf uns Menschen und geht er davon aus, dass Menschen depressiv werden, wenn sie das Gefühl haben, keine Kontrolle mehr über die Ereignisse in ihrem Leben zu haben.

Geschieht also im Leben einer Person ein negatives Ereignis, welches sie nicht kontrollieren kann, so lernt die betroffene Person beim Auftreten einer Mehrzahl dieser Ereignisse, dass ihr Verhalten nichts an den Ereignissen ändern kann – sie fühlt sich also hilflos.
Diese erlernte Hilflosigkeit entsteht bei uns Menschen also, wenn wir gefühlt keine Möglichkeit haben, eine Situation zu verändern oder zu verhindern. Dadurch entwickeln wir die Erwartung, dass wir auch keine Kontrolle mehr über zukünftige Ereignisse haben.

Wichtig für die erlernte Hilflosigkeit ist jedoch, dass sich die betroffenen Personen für den Kontrollverlust und den Ausgang der Situationen selbst verantwortlich machen. Denn nicht alle Personen, denen im Leben negative Situationen begegnen, werden depressiv. Seligman und seine Kollegen gehen demnach davon aus, dass die Depression nicht nur von der erlernten Hilflosigkeit selbst kommt, sondern vor allem auch vom sogenannten Attributionsstil der betroffenen Person.
Die Attribution, das heißt die Zuschreibung von Verantwortlichkeit, von depressiven Personen ist vermehrt pessimistisch, sie machen also sich selbst und ihre scheinbar mangelnden Fähigkeiten für den Ausgang der Situation verantwortlich. Damit es zu einer Depression kommt, muss die Attribution laut der Theorie von Seligman drei Merkmale erfüllen:

  • Sie muss intern sein, d.h. die Person muss in sich selbst das Problem sehen, und nicht in möglichen äußeren Umständen
  • Sie muss global sein, d.h. das Problem ist allumfassend und nicht auf eine bestimmte Situation beschränkt
  • Sie muss stabil sein, d.h. das Problem ist überdauernd und nicht zeitlich begrenzt.

Wenn jemand seine Freunde zum Grillen zu sich nach Hause einlädt und dann feststellt, dass es an genau dem Nachmittag regnet, würde sich diese Person gemäß den oben genannten Attributionen also selbst für den Regen verantwortlich machen: „Ich bin ja auch immer dumm, warum habe ich genau diesen Tag ausgewählt? Ich mache immer alles falsch.“

Erlebt eine Person also negative Ereignisse, die außerhalb ihrer Kontrolle liegen und für die sie sich selbst verantwortlich hält, kann sie in einen Zustand der erlernten Hilflosigkeit verfallen, in dem sie ihr eigenes Verhalten für nutzlos hält und sich so keinerlei Mühe mehr gibt, an zukünftigen Situationen etwas zu ändern. Die Person geht also davon aus, dass ihre Anstrengungen ohnehin vergebens sind, gibt sich den negativen Ereignissen kampflos hin und verfällt in depressive Stimmungen und Denkmuster.

Erlernte Hilflosigkeit – wie verlerne ich sie wieder?

Um die Depression zu vermeiden oder zu überwinden gibt es eine Vielzahl von Therapieansätzen, von Psychopharmaka bis hin zur Verhaltenstherapie.
Geht man allerdings davon aus, dass die erlernte Hilflosigkeit, wie Seligman sie vorschlägt, wirklich die Grundlage der Depression ist, so ist es vor allem wichtig, die Selbstwirksamkeitserwartung der Betroffenen zu erhöhen. Selbstwirksamkeit ist dabei ein Begriff, der die Erwartung einer Person beschreibt, dass sie kompetent genug ist, ein bestimmtes Verhalten auszuführen und damit den Ausgang einer Situation zu beeinflussen. Eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung geht also mit dem Gefühl von Kontrolle einher, welches depressiven Personen fehlt. Sie setzt sich der pessimistischen Attribution von erlernt hilflosen Personen entgegen und zielt darauf ab, dass die Person selbst handlungsfähig ist und die Kraft hat, sich mit ihrer Handlung gegen andere Umstände durchzusetzen.

Um die erwartete Selbstwirksamkeit der betroffenen Personen zu erhöhen, eignet sich besonders die kognitive Verhaltenstherapie, bei der vor allem Wert darauf gelegt wird, schädigende Verhaltensweisen und Denkmuster zu löschen und durch positive zu ersetzen.
Indem man der Person also dabei hilft zu erkennen, dass ihr Verhalten durchaus zum Ausgang einer Situation beitragen kann oder es nicht unbedingt ihr eigener Fehler ist, wenn sie die Situation nicht beeinflussen kann, kann man ihr helfen, die erlernte Hilflosigkeit nach und nach wieder zu verlernen und Ereignissen mit freudigeren Erwartungen entgegenzublicken.

Spiegelneuronen: Imitation als Basis des Lernens

Spiegelneuronen. Die Imitation als wirksamste Form des Lernens. Das menschliche Gehirn verfügt über verschiedene Mechanismen, die es uns erlauben Handlungen nachzuahmen. Babys sind in der Lage Gesichtsausdrücke nachzumachen, später in der Entwicklung imitieren wir auch grundlegende Verhaltensweisen. Lachen ist ansteckend, ein emotionaler Film stimmt uns traurig… Es scheint so, als wären wir dafür gemacht, das zu fühlen was andere fühlen, um mit ihnen empathisch zu sein und sie besser zu verstehen. Was passiert in unserem Gehirn, damit es dazu kommt? Die Antwort liegt in den Spiegelneuronen.

In diesem Artikel wird erklärt, was die Spiegelneuronen sind, welche Rolle sie bei der Erziehung und der Empathie spielen, was passiert wenn uns die Gefühle anderer anstecken, Pathologien die mit einem Defizit in der Struktur der Spiegelneuronen zusammenhängen, und vieles mehr. 

Spiegelneuronen

Definition: Was sind Spiegelneuronen?

Im Gehirn des Menschen und des Affen finden sich sogenannte Spiegelneuronen. Diese Gehirnzellen werden aktiviert, wenn wir jemanden dabei beobachten, wie er etwas tut. Beispielsweise werden sie aktiviert, wenn ein Schimpanse seine Mutter beobachtet und sie später imitiert und es so schafft eine Nuss mit einem Stein zu öffnen. Die Spiegelneuronen stehen in Zusammenhang mit empathischem, sozialem und imitierendem Verhalten und bilden ein grundlegendes Werkzeug für das Lernen.   

“Wir sind soziale Wesen. Unser Überleben hängt davon ab, Handlungen, Intentionen und Emotionen von den anderen zu verstehen. Die Spiegelneuronen erlauben uns das Gegenüber zu verstehen. Das geschieht nicht nur durch konzeptuelles Denken, sondern ebenso anhand der direkten Simulation. Fühlend, nicht denkend”.
(frei übersetzt nach G. Rizzolatti)

In den 90’er Jahren entdeckte die Forschungsgruppe unter Leitung von Giacomo Rizzolatti der Universität von Parma in Italien etwas Erstaunliches. Eine bestimmte Gruppe von Neuronen in den Gehirnen von Makaken wurden nicht nur dann aktiviert, wenn ein Affe selbst eine Handlung ausführte, sondern auch dann, wenn er einen anderen Affen bei der Ausführung einer Handlung beobachtete. 

Spiegelneuronen lassen sich als eine Gruppe von Neuronen definieren, die bei Primaten und Menschen aktiviert werden wenn diese eine Handlung ausführen oder jemanden dabei beobachten, wie er diese Handlung ausführt.

Spiegelneuronen sind eine Schlüsselfunktion für das Lernen, sie sind unentbehrlich um andere imitieren zu können. 

Von Geburt an sind diese Gruppen von Neuronen aktiv, die es uns erlauben Essen und Sprechen zu lernen oder uns selbstständig anzuziehen. Die Spiegelneuronen sind ebenfalls sehr wichtig bei der Handlungsplanung und wenn es darum geht die Intention hinter einer Tat einer anderen Person zu verstehen.  

Im folgenden video erklärt der Neurowissenschaftler Ramachandran was Spiegelneuronen sind und weshalb diese so wichtig sind. 

Spiegelneuronen und Erziehung

Die Spiegelneuronen ermöglichen es durch Imitation zu lernen. Sie erlauben es, die Körpersprache, Gesichtsausdrücke und Emotionen widerzuspiegeln. Spiegelneuronen spielen eine zentrale Rolle in unserem Sozialleben. Sie sind für die kindliche Entwicklung, zwischenmenschliche Beziehungen und das Lernen unabdingbar.

Wir Menschen sind soziale Wesen und dafür geschaffen von anderen zu lernen. Wir alle kommen schneller und weiter voran, wenn wir mit anderen kooperieren. Zu sehen wie unsere Eltern, Lehrer oder andere Schüler eine kognitive Fähigkeit oder Fertigkeit zeigen, schafft uns eine viel komplettere Lernerfahrung, als es eine theoretische Erklärung tun würde. Deswegen sollten wir in der Erziehung immer mit Beispielen arbeiten. 

Wie greifen die Spiegelneuronen in unseren Alltag ein? 

  • Die Spiegelneuronen sind dafür verantwortlich, dass wir anfangen zu gähnen, wenn wir jemanden beobachten, der gähnt.
  • Diese Neuronen sind für das Gefühl der Trauer verantwortlich, die wir verspüren, wenn wir jemanden leiden oder weinen sehen.
  • Gleiches passiert, wenn wir anfangen zu lachen, weil wir jemanden lachen sehen, auch wenn wir den Grund gar nicht wissen. 
  • Einigen Studien zufolge wird eine bestimmte Hirnregion (die anteriore Insula) sowohl dann aktiviert wenn man Ekel verspürt, als auch wenn man eine andere Person mit dem Ausdruck von Ekel sieht. Die anteriore Insula ist für die Verarbeitung von Gerüchen verantwortlich.
  • Weitere Studien zeigen, dass sich ein Bereich des somatosensorischen Kortex bei den Studienteilnehmern aktiviert, wenn diese berührt wurden oder wenn sie jemanden anderen beobachteten, wie dieser berührt wurde.

8 Ratschläge: Wie beeinflussen die Spiegelneuronen die Erziehung? 

Dank der Spiegelneuronen haben die Emotionen die wir zeigen einen direkten Einfluss auf die Menschen, die uns umgeben. Dabei bilden das Klassenzimmer oder Wohnzimmer keine Ausnahme. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Lehrkräfte und Eltern ihre Emotionen kontrollieren, um die Spiegelneuronen als Verbündete nutzen zu können, der die Erziehung erleichtert – statt das Gegenteil zu tun. 

  1. Freude und Optimismus zeigen, da sich diese Gefühle auf die Kinder oder Schüler übertragen (Gefühlsansteckung).
  2. Negative Emotionen kontrollieren und vermeiden. Jeder hat mal schlechte Laune, man sollte aber versuchen den Einfluss auf die Kinder dabei so gering wie möglich zu halten, da sich das negativ auf deren Gemütszustand auswirkt. Dabei sollte man aber auch darauf achten, nicht die Unterdrückung der Gefühle zu fördern. Die Emotionen der Kleinen wahrnehmen und ihnen dabei helfen diese zu erkennen und so gut wie möglich zu kontrollieren.  
  3. So oft wie möglich visuelle Darstellungen und “Lernen durch Nachmachen” ermöglichen. Theorie im Unterricht oder zuhause durch beispielhafte Vorführungen begleiten und den Kindern erlauben diese nachzumachen. 
  4. Die Interaktion der Kinder mit so vielen Menschen wie möglich fördern. Die Spiegelneuronen werden sich dadurch deutlich mehr aktivieren und erhöhen das Erlernen von sozialen Fähigkeiten und Empathie.
  5. Das Vorstellungsvermögen bei jeder Aktivität nutzen, welche die Kinder erlernen sollen (die Zähne zu putzen, das Zimmer aufzuräumen…)
  6. Gewalt vermeiden. Kinder lernen das was sie sehen. Wenn sie in einer Umgebung groß werden, in der gewalttätiges Verhalten geäußert wird, werden die entsprechenden Spiegelneuronen aktiviert und es wird wahrscheinlicher, dass die Kinder das Verhalten nachahmen.
  7. Kindern beibringen, dass es wichtig ist auf die Körpersprache der anderen zu achten. So lernen Kinder, wann jemand etwas mit anderen teilen möchte oder wann jemand Hilfe braucht. Spiegelneuronen sind der Schlüssel für die Empathie
  8. Kindern beibringen ihre eigenen Gefühle und die der anderen zu identifizieren.

Spiegelneuronen und die Gefühlsansteckung

Bist du glücklich, wenn dich fröhliche Menschen umgeben? Deprimiert es dich, wenn du mit pessimistischen und negativen Personen zusammen bist? Das ist auf die Gefühlsansteckung zurückzuführen, die durch die Spiegelneuronen erleichtert wird.

Die Gefühlsansteckung ist ein Prozess durch welchen eine Person oder eine Gruppe die Emotionen und das affektive Verhalten einer anderen Person oder Gruppe, durch die bewusste oder unbewusste emotionale Induktion, beeinflusst.

Wir tendieren dazu die Gesten und die Mimik der Leute zu imitieren mit denen wir kommunizieren und in vielen Fällen fühlen wir das, was diese fühlen.

Obwohl sich der Einfluss der Gefühlsansteckung auf persönliche und arbeitsbezogene Beziehungen bestätigt hat, sind wir uns immer noch nicht darüber bewusst, welche Fähigkeit wir eigentlich besitzen. 

Die Spiegelneuronen erlauben uns wortwörtlich das zu spüren, was die andere Person spürt, ihre Emotionen “zu leben”. Spiegelneuronen sind die Basis der Empathie.

Die Empathie ist die Fähigkeit, welche die meisten Menschen besitzen, sich in die Situation einer anderen Person zu versetzen und zu verstehen was sie aus ihrer Perspektive heraus fühlt.

Sie ermöglicht es uns, die anderen als “nicht anders als wir selbst” anzusehen. Ein weiterer Beleg dafür, dass wir soziale Wesen sind. Die Empathie war schon immer grundlegend für das Überleben unserer Spezies, welche ohne die Bindung und den Schutz der anderen nicht in der Lage gewesen wäre zu überleben.

Wie können wir uns die Gefühlsansteckung zu Nutze machen?

Man kann es sich zum Vorteil machen, dass sich Emotionen auf andere übertragen lassen und sich von anderen auf uns übertragen.

  • Glücklicherweise ist Freude ansteckender als Trauer, weshalb es gut ist, sich mit fröhlichen Personen zu umgeben. Traurige oder depressive Person sollte man  deshalb aber nicht vermeiden, denn diese Leute brauchen die Unterstützung und Hilfe von nahestehenden Menschen, um gesunden werden zu können.
  • Imitiere fröhliche und glückliche Menschen. Tu das, was sie machen. Treibe Sport und lache mehr (obwohl du vielleicht keine Lust hast – im Anschluss wirst du dich besser fühlen). 
  • Denke nach bevor du handelst, vor allem dann, wenn du etwas Negatives über jemanden sagen wirst. Sag es auf ruhige und diplomatische Art, denn dein Ärger kann sich leicht auf das Gegenüber übertragen.
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Eine Filmaufnahme aus der Berliner U-Bahn. Siehe hier, wie ansteckend Lachen sein kann:

https://www.youtube.com/watch?v=fM45JMTpkBU

Spiegelneuronen und Kultur

Hat die Kultur in der wir aufwachsen einen Einfluss auf unser Gehirn? Die Frage scheint sich mit “ja” beantworten zu lassen. 

Gemäß einer Studie, die an der Universität von Kalifornien – Los Angeles durchgeführt wurde, reagiert unser Netz an Spiegelneuronen unterschiedlich, je nachdem ob das Gegenüber aus der gleichen Kultur wie man selbst stammt, oder nicht. 

Die Forscher nutzten zwei Schauspieler, einen kaukasischen Amerikaner und einen Nicaraguaner, um einer Gruppe von amerikanischen Teilnehmern einige Gesten zu zeigen. (Amerikanische, nicaraguanische und andere Gesten ohne Bedeutung)

Mithilfe der Magnetresonanztomographie untersuchten die Wissenschaftler die Neuronenaktivität. Dabei zeigte sich, dass die amerikanischen Teilnehmer eine höhere Aktivität der Spiegelneuronen aufwiesen, wenn sie den Amerikaner im Vergleich zu dem Nicaraguaner die Gesten vollführen sahen. Wenn letzerer amerikanische Gesten vorzeigte sank die Aktivität der Spiegelneuronen drastisch.

Hier zeigt sich, dass die Kultur einen messbaren Einfluss auf unser Gehirn hat und sich folglich auch in unserem Verhalten widerspiegelt. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass wir besser darauf vorbereitet sind Personen unseres eigenen Kulturkreises zu verstehen und empathisch mit ihnen zu sein als bei Mitgliedern fremder Kulturen. Das erklärt auch, wieso wir leichter Beziehungen zu Personen aus der gleichen Kultur aufbauen.

Spiegelneuronen, Empathie und Psychopathie

Die Psychopathie ist eine Persönlichkeitsstörung (schwere Form der antisozialen Persönlichkeitsstörung) die sich durch einen oberflächlichen Charme, pathologisches Lügen und eine deutlich verringerte Kapazität Reue oder Empathie zu spüren, auszeichnet.

Es sticht hervor, dass viele psychopathische Personen eine kriminelle Laufbahn einschlagen, aber natürlich nicht alle. Viele sind sozialisiert und führen ein ganz normales Leben.

Aber wenn Psychopathen nicht in der Lage sind Empathie zu verspüren, funktionieren dann ihre Spiegelneuronen? Eine Studie hat dies untersucht.

In der Studie wurde die Gehirnaktivität von zwei Gruppen untersucht. (18 Teilnehmer mit Psychopathie, 26 Gesunde) während sie kurze Videos anschauten. Dabei wurde ein Hand gezeigt, die auf zärtliche, schmerzvolle, soziale Weise eine andere berührte, abwies oder neutral behandelte. Zunächst sahen die Teilnehmer das Video, anschließend erhielten sie die Instruktion, sich in die Lage der Person zu versetzten und zu versuchen, das zu spüren, was die Person spürt. Im dritten Teil der Studie wurden die Teilnehmer mit einem Lineal auf die Hand geschlagen, um die Gehirnregion zu lokalisieren, die bei Schmerzen aktiviert wird.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Gruppe der Personen mit Psychopathie nur dann eine Reaktion der Spiegelneuronen zeigte, wenn diese die Instruktion erhielten, empathisch zu sein. Dann zeigte sich ein Aktivierungsmuster der Spiegelneuronen, das genauso stark wie bei der Gruppe der Gesunden war. Ohne Instruktion jedoch, zeigten sie eine sehr geringe Aktivierung der Gehirnregionen, die mit Schmerzen assoziiert sind.

Daraus kann man schließen, dass Menschen mit Psychopathie nicht empathielos sind, sondern so etwas wie einen Schalter haben, der die Empathie aktiviert und deaktiviert. Dabei scheint diese normalerweise deaktiviert zu sein.

Spiegelneuronen und Autismus

Personen mit Autismus haben neben weiteren Symptomen einen verspäteten Spracherwerb und Probleme in der Emotionserkennung. Für sie ist es schwierig ihre eignen Gefühle und die Gefühle anderer Menschen zu erkennen.

Deshalb wurde in der Wissenschaft angenommen, dass bei Personen mit Autismus das System der Spiegelneuronen “kaputt” ist. Mittlerweile weiß man, dass dem nicht so ist. Das System ist nicht kaputt, es ist jedoch in seiner Entwicklung verzögert. Während die meisten von uns eine sehr hohe Aktivierung der Spiegelneuronen in der Kindheit haben, ist diese Aktivierung bei Kindern mit Autismus viel schwächer. Diese Aktivität steigt aber mit dem Alter bei Menschen mit Autismus an.

Andere Studien jedoch zeigen, dass diese Neuronengruppe bei Kindern mit Autismus nicht weniger aktiviert ist. Wenn das Experiment mit Personen durchgeführt wird, welche die Kinder kennen, ist die Aktivität ihrer Spiegelneuronen ganz normal.

Vielen Dank fürs Lesen! Bei Fragen oder Anregungen kann gerne ein Kommentar hinterlassen werden.

Übersetzt aus dem Spanischen. Original: Andrea García Cerdán, Psychologin bei CogniFit.

Referenzen:

Molnar-Szakacs, I., Wu, A. D., Robles, F. J., & Iacoboni, M. (2007). Do you see what I mean? Corticospinal excitability during observation of culture-specific gestures. PLoS One, 2(7), e626.

Meffert, H., Gazzola, V., den Boer, J. A., Bartels, A. A., & Keysers, C. (2013). Reduced spontaneous but relatively normal deliberate vicarious representations in psychopathy. Brain, 136(8), 2550-2562.

Verhaltensmodifikation: 5 Techniken ungewolltes Verhalten bei Kindern zu unterbinden

Die Verhaltensmodifikation hat das Ziel, “unangepasste” oder ungehorsame Verhaltensweisen zu minimieren oder zu verändern. Es kommt immer häufiger vor, dass Kinder nicht gehorchen, lügen, beleidigen, sich aggressiv und herausfordernd geben, etc. Diese Verhaltensweisen sind ein klares Zeichen dafür, dass ein Verhaltensproblem existiert. Sowohl als Eltern als auch als Lehrer sollten wir versuchen, diese unsozialen Verhaltensweisen in der Kindheit zu korrigieren und zu kontrollieren, wenn wir nicht wollen, dass sie sich im Jugendalter verstärken. Entdecke diese 5 Techniken und Strategien zur Verhaltensmodifikation, die dir helfen können, aggressives und herausforderndes Verhalten unter Kontrolle zu halten. Wie du von der körperlichen Bestrafung Abstand nimmst und ohne Gewalt erziehst.

Verhaltensmodifikation

Eine Verhaltensmodifikation wird nicht durch Gewalt erreicht. Allen Eltern und Lehrern sollte klar sein, dass Gewalt nicht in die Erziehung gehört. Gewalt als disziplinarische Maßnahme ist nutzlos, da sie der Entwicklung des Kindes nur schadet. Die Verhaltensmodifikation wird nur durch “Regeln” erlangt, die den Kindern helfen, sich besser kennenzulernen und zu verstehen, was von ihnen erwartet wird und was sie machen dürfen oder auch nicht.

Die Verhaltensmodifikation strebt eine Verhaltensänderung durch psychologisch Techniken und Strategien an, die auf eine Verbesserung des Verhaltens der Kinder ausgerichtet sind. Dabei basieren die Techniken beispielsweise auf der Desensitivierung, dem operanten Konditionieren, Regellernen, der Verhaltensformung und den Tokenstrategien.

Diese Strategien können dabei helfen, dass die Kleinen ihr ganzes Potenzial entwickeln, die Frustration bewältigen können, sich an Veränderungen anpassen und sinnvolle Verhaltensweisen wählen, um ihre Ziele zu erreichen. Die Anwendung dieser Methoden, die wir weiter unten auflisten, wird dabei helfen, das Verhalten in der Kindheit zu kontrollieren und das Wohlbefinden, die Zufriedenheit und die persönliche Kompetenz in der Kindheit zu fördern.

Techniken zur Verhaltensmodifikation

Wenn es darum geht, Verhaltensweisen bei ihren Kindern zu ändern, fühlen sich viele Eltern verloren. Im Folgenden schlagen wir einige nützliche Techniken zur Verhaltensmodifikation vor, die zuhause oder in der Schule angewendet werden können, um zu erreichen, dass die Kindern unsoziale Verhaltensweisen kontrollieren oder korrigieren.

Wenn diese Techniken auf angemessene Art und Weise genutzt werden, können gute Resultate von jungem Alter an erzielt werden. Es ist wichtig auszuwerten, welche Technik in jedem Moment genutzt werden sollte und keine Mischung aus verschiedenen zu machen, ohne an das vorgenommene Ziel zu gelangen. Das Wichtigste bei der Verhaltensmodifikation der Kinder ist es, ihnen so wenig Unzufriedenheit wie möglich zu verschaffen und ihnen die Möglichkeit zu geben, die von ihren Eltern erbetenen Normen angemessen zu erfüllen, ohne sich durch täglich unterzogene Strafen oder Standpauken entmutigt zu fühlen.

1. “Time-Out”-Technik zur Verhaltensmodifikation

Die erste Technik zur Verhaltensmodifikation ist simpel und leicht anwendbar. Das “Time out” ist eine Technik, die sich anwenden lässt, um viele Verhaltensweisen zu ändern. Die Essenz dieser Technik liegt darin, das Kind an einen Ort zu bringen, der keine positiven Reize für sie/ihn bietet, einen Ort, wo es keine Spiele oder Gesellschaft gibt, mit denen er/sie sich unterhalten kann. Es geht nicht darum, einen feindlichen Ort zu suchen, sondern einen Ort, den er/sie langweilig findet. Wir sollten es schaffen, ihn/sie an diesem Ort des Missfallens für eine Zeit verweilen zu lassen.

Ein Beispiel: Ein Kind sieht schon länger fern, sein Vater beschließt, den Fernseher auszuschalten, woraufhin der Kleine einen Wutanfall bekommt. Wie können wir mit dieser Situation umgehen? Um die Technik des “Time outs” richtig anzuwenden, müssen wir das Kind an einen Ort bringen, der wenig bereichernd für ihn/sie ist. Das machen wir, sobald sich das unerwünschte Verhalten einstellt. Ohne mit ihm zu streiten und auf pausierte und ruhige Art und Weise erklären wir ihm detailliert, dass, wenn es seine Verhaltensweise korrigiert, wir da sein werden, um mit ihm zu spielen oder einer erfüllenden und lustigen Tätigkeit nachzugehen.

Diese Technik zur Verhaltensmodifikation ist sehr einfach, aber sie beinhaltet einen sehr wichtigen, zu berücksichtigenden Faktor, dabei handelt es sich um die Zeit, die das Kind in der “Time-Out”-Situation verbringen sollte. Die Zeit sollte proportional zum Alter des Kindes sein, das heißt, für jedes Jahr, dass das Kind alt ist, wird eine Minute berechnet, somit gilt für 5-jährige Kinder 5 Minuten “Time out”. Diese Information ist sehr wichtig, denn wenn sie nicht auf diese Weise durchgeführt wird, kann die Technik aversiv auf das Kind wirken und somit nicht die Vorteile erbringen, die wir uns von ihr versprechen. Das Alter in der Entwicklung des Kindes spielt eine große Rolle beim Verhalten des Kindes. Entdecke hier die Entwicklungsphasen des Kindes.

2. Technik der “Auslöschung” zur Verhaltensmodifikation

Eine weitere wichtige Technik, die aber normalerweise nicht korrekt angewendet wird, ist die “Auslöschung”. Diese Technik zur Verhaltensmodifikation besteht darin, die Belohnungen zu streichen, die das Kind sich von seinem Verhalten erwartet. Die meisten von uns schenken Verfehlungen Aufmerksamkeit, wir haben Schwierigkeiten damit, sie zu ignorieren, und die Kleinen wissen das und nutzen es zu ihrem Vorteil. Wenn unser Kind aufmüpfig wird, erhält es unsere Aufmerksamkeit: Wir beginnen eine Diskussion, versuchen, uns zu erklären, es zur Vernunft zu bringen und zu überzeugen … Die Technik der Auslöschung besteht darin, alles zu beseitigen, dass das unerwünschte Verhalten des Kleinen belohnt.

Beispielsweise erpresst ein Kind seine Mutter emotional, um nicht zur Schule zu gehen, mit Kommentaren wie “Du bringst mich zur Schule, um mich loszuwerden”, “Möchtest du etwa keine Zeit mit mir verbringen?”, etc. Bei dieser Gelegenheit wenden wir die Technik zur Auslöschung von Verhaltensweisen an und ersetzen diese Kommentare durch etwas Erfüllendes. Eine angemessene Praktik wäre zum Beispiel, das Kind etwas zu seinen Lieblingszeichentrickfilmen zu fragen und den Kommentar zu ignorieren, den es vorher abgegeben hat. So tun, als ob wir es nicht gehört hätten und ein Gespräch mit ihm beginnen wollten.

Bei der “Auslöschung” ist es sehr wichtig, dass immer ein erfüllender Ersatz gegeben wird, da sich das Kind, wenn diese Technik ohne die Begleitung eines positiven Reizes ausgeführt wird, ignoriert fühlen kann und sich dies negativ auf seine Emotionen niederschlagen kann. Diese Technik sollte nicht bei gefährlichen Verhaltensweisen angewendet werden.

3. Technik der “Modellierung” zur Verhaltensmodifikation

Eine andere sehr nützliche Technik wie Praktik, die in verschiedenen Bereichen angewendet werden kann, ist die “Modellierung”. Diese Technik zur Verhaltensmodifikation besteht darin, die andere Person zu imitieren, indem man das Gleiche macht, was sie zuvor getan hat. Hierbei spielen die Spiegelneuronen eine große Rolle.

Ein nützliches Beispiel, bei dem wir diese Technik der Verhaltensmodifikation verwenden können, ist beim Beibringen einer neuen Fähigkeit, wie zum Beispiel dem Tischdecken. Zunächst sollte die Mutter oder der Vater die Aufgabe durchführen und dabei jeden Schritt erklären, vom Decke auf den Tisch legen bis zum hinsetzen und auf das Essen warten. Die sollte möglichst didaktisch geschehen, damit das Kind aufpasst.

Beispielsweise kann sich ein Kind, das Zeichentrickfilme über Superhelden mag, vorstellen, dass jedes Element, das es auf den Tisch stellt (Gläser, Besteck, Servietten, …) ein Superheld ist, das sich auf der Basis (dem Tisch) mit dem Rest seiner Freunde versammelt. Die Eltern sollten mit derselben Begeisterung dabei sein wie das Kind, damit es unterhaltsamer wird. Sobald der Vater oder die Mutter die Modellierung durchgeführt hat, sollte er oder sie alles aufräumen, was er/sie auf den Tisch gestellt hat und dem Kind überlassen, es nun selbst ohne Hilfe zu wiederholen.

Wenn der/die Kleine sich bei etwas irrt, ist es besser ihn/sie nicht zurechtzuweisen und abzuwarten, ob er/sie sich beim nächsten Mal daran erinnert, was er/sie das letzte Mal nicht gut gemacht hat. Wichtigkeit der Motivation beim Lernen.

4. Technik der “Punkte-Wirtschaft” zur Verhaltensmodifikation

Die “Punkte-Wirtschaft” ist eine weitere Technik zur Verhaltensmodifikation, die sehr unterhaltsam sowohl für Kinder als auch für Erwachsene sein kann. Es geht darum, ein Belohnungssystem aufzustellen, in dem das Kind, um eine Belohnung (Lieblingsessen, Spielzeug, Ausflug, Denkspiele, etc.) zu erhalten, bestimmte erwünschte Verhaltensweisen entwickeln sollte (Hausaufgaben, sein Zimmer aufräumen, Zähne putzen, beim Tischdecken helfen, etc.) und andere lassen sollten, die konkretisiert werden sollten.

Als nützliches Beispiel, jedes Mal, wenn das Kind die erwünschte Verhaltensweise ausführt, gibt man ihm direkt eine Belohnung (Spielstein, Punkt, etc.). Das Kind sammelt diese Belohnungen bis zu einer Zahl, die wir vereinbart haben; in diesem Moment überreichen wir ihm den Endpreis. Das Wichtigste an dieser Strategie zur Verhaltensmodifikation ist, dass das Kind merkt, dass es viel mehr Vorteile und Privilegien erlangt, wenn es sich gut benimmt.

Es ist wichtig, dass wir eine Tafel oder ein Stück Pappe besitzen, dass für alle Familienmitglieder gut sichtbar ist, wo man den Status der wöchentlich erhaltenen Punkte sehen kann. Wir sollten im Voraus festlegen und vereinbaren, welche Preise wir übergeben. Es sollten klare Belohnungen sein, die dem Kind wirklich attraktiv erscheinen, und sie sollten auf der Tafel erscheinen.

Jedes Mal, wenn wir einen Spielstein oder einen Punkt überreichen, sollten wir die Übergabe mit positiven Kommentaren begleiten: “Ich bin sehr zufrieden, weil du dir Mühe gegeben hast”. Entdecke die verschiedenen Formen zu loben, die das Selbstwertgefühl von Kindern steigern.

In diese Technik kann man außerdem den Punkteverlust mit aufnehmen, wenn das Kind das Ziel nicht erreicht, das festgelegt wurde. So kontrolliert man sehr gut, dass das Kind seine Verpflichtungen erfüllt und nicht mit etwas Aversivem bestraft wird, wenn es das nicht tut. Das System ist sehr nützlich in Schulen und in den meisten wird es angewendet, aber es ist auch zuhause sehr effizient.

5. Technik der “paradoxen Absicht” zur Verhaltensmodifikation.

Die letzte Technik der Verhaltensmodifikation, über die wir sprechen werden, ist die der “paradoxen Absicht”. Es ist eine Technik mit sehr guten Resultaten, aber sie ist komplex, da man das Kind darum bittet, genau das zu tun, was wir eigentlich vermeiden wollen.

Zum Beispiel, wenn ein Kind ständig die Anordnung missachtet, sein Spielzeug wegzuräumen, und sich systematisch weigert, aufzuräumen. Das Kind beginnt Tag für Tag eine Dynamik der Provokation. Was würde passieren, wenn die Eltern ihm sagen würden: Heute möchte ich nicht, dass du aufräumst, ich möchte, dass du absolut gar nichts machst.

Das erste Gefühl, was in dem Kind auftauchen wird, wird Zufriedenheit sein, denn es muss sich keine Mühe geben, etwas zu tun, was ihm nicht gefällt. Jedoch sollten die Eltern dann eine lustige Aktivität mit dem Rest der Kinder oder unter ihnen beginnen. Dies könnte zum Beispiel das Kochen eines Rezeptes sein, Geschichten erzählen, viel lachen. Das Kind wird mitmachen wollen, aber die Eltern sollten ihm dies verweigern und ihm sagen, dass es weiter nichts tun soll, da das ja das sei, was es wolle.

Diese Technik hat einige Beschränkungen und sollte vorher auf die Eignung für das Profil des Kindes bewertet werden, da sie die gegensätzliche Handlung verursachen kann und deshalb nicht komplett sinnvoll sein könnte.

Wenn nach dem Anwenden dieser Techniken zur Verhaltensmodifikation das Kind immer noch nicht richtig reagiert, kann man sich immer noch an Experten wenden, damit diese eine komplette neuropsychische Untersuchung durchführen und neurologische Störungen ausschließen können.

Das Wohlbefinden und die Entwicklung des Verhaltens in der Kindheit hängt von den Eltern und Erziehern ab. Die Kinder reagieren nicht wie Erwachsene, weswegen immer alle Verhaltensmodifikationen darauf angepasst werden sollten, was sie brauchen.

Wie Jean Jacques Rousseau sagte:Die Kindheit hat ihre eigene Art zu sehen, zu denken und zu fühlen; es gibt nichts Törichteres, als vorzugeben, sie durch unsere Art ersetzen zu wollen”.

Vielen Dank fürs Lesen, zögere nicht, unten deine Kommentare mit Fragen oder Zweifel oder Techniken zur Verhaltensmodifikation, die bei dir funktionieren, zu hinterlassen 🙂

Quelle: Noemí de la Cruz Belerda, Psychologin bei CogniFit.

Alles über die Neurodidaktik: Was ist das, wozu dient sie und wie können wir sie zuhause und in der Schule anwenden

Was ist die Neurodidaktik und wozu dient sie? Die Neurodidaktik ist eine neue Erziehungssichtweise, die darauf basiert, erzieherische Strategien und Technologien beizusteuern, die sich auf die Funktionsweise des Gehirns konzentrieren. Diese neue erzieherische Disziplin vereint die Kenntnisse aus Neurowissenschaften, Psychologie und Erziehung mit dem Ziel, den Vorgang des Unterrichtes und des Lernens zu optimieren. Im Folgenden erklären wir alles über die Neurodidaktik: Was bedeutet dieser Begriff und wozu dient sie? Wir geben außerdem einige Tipps, die sich im Unterricht und Zuhause anwenden  lassen. Die Neurodidaktik verändert die Art und Weise, wie Kinder lernen. Nutze die Kenntnisse darüber wie unser Gehirn lernt, um eine bessere Erziehung zu gewährleisten!

Was ist die Neurodidaktik? Definition und Konzept

Man kann die Neurodidaktik als eine Brückendisziplin zwischen der Neurologie und den Erziehungswissenschaften definieren, bei der die didaktische Psychologie eine wichtige Rolle spielt.

Es handelt sich um ein wissenschaftlich entwickeltes Projekt, bei welchem die Kenntnisse, die wir über die Funktionsweise des Gehirns haben mit dem Wissen über didaktischen Prozesse verknüpft werden sollen. Dabei konzentriert sich die Neurodidaktik auf die Erziehung im schulischen und akademischen Bereich.

Die Neurodidaktik ist ein sehr aktuelles Handlungsfeld, an dem sowohl Erzieher als auch Neurowissenschaftler mitarbeiten. In diesem neuen Feld werden Fachgebiete wie die Neurowissenschaft, die Psychologie, die kognitiven Wissenschaft und die Erziehung zusammengeführt, um die Unterrichtsmethoden und schulischen Programme zu verbessern. Dies ist eine Lerndynamik, die auf Neurowissenschaften basiert und deren Ziel es ist, Kenntnisse über die Lernweise des Gehirns zu applizieren und Dinge welche die Gehirnentwicklung im Schulumfeld stimulieren zu identifizieren.

Wichtige Faktoren der Neurodidaktik

In der Neurodidaktik werden alle Kenntnisse angewendet, die in den letzten 25 Jahren in den Bereichen der kognitiven Wissenschaften und der Neurowissenschaft gesammelt wurden.

1- Die Gehirnplastizität und Neurogenese

Die Gehirnplastizität war eine der relevantesten Entdeckungen im Feld der Neurowissenschaft. Das Gehirn ist “plastisch”, das heißt, es besitzt das ganze Leben über eine grße Anpassungsfähigkeit. Außerdem ist es dazu fähig, ständig neue Neuronen und Nervenverbindungen zu schaffen, wenn man das Gehirn entsprechend stimuliert.

2- Die Spiegelneuronen

Die Spiegelneuronen sind eine Gruppe von Gehirnzellen, die sich sowohl aktivieren, wenn wir selbst eine Handlung ausführen, als auch wenn wir jemanden bei der Ausführung einer Handlung beobachten. Diese Aktivierung findet nicht nur bei dem Beobachten einer Handlung statt, sondern auch bei emotionalen Ausdrücken. Aus diesem Grund wird angenommen, dass die Spiegelneuronen die Basis für die Empathie und den Spracherwerb sind. Die Kenntnisse über Spiegelneuronen sind sehr wichtig für die Neurodidaktik.

3- Emotionen und Lernen

Die Emotionen interagieren mit den kognitiven Prozessen, deswegen besteht ein wichtiger Teil der Neurodidaktik in der Emotionsregulation, damit die Emotionen den Lernprozess nicht nur nicht stören, sondern sich positiv auf ihn auswirken. Man bewirkt damit, den Kindern beizubringen, bewusst auf ihre Gefühle zu achten und sie und ihr Verhalten zu kontrollieren. Es ist wichtig, dass sie lernen zu erkennen, wenn sie wütend oder traurig sind und diese Emotionen regulieren. Außerdem erschwert ein hohes Stressniveau das Lernen. Deshalb ist es wichtig, ein gutes Lernklima ohne Stress zu schaffen und den Kindern zu zeigen, wie man mit seinen Ängsten umgeht. Das Verwalten der negativen Emotionen hilft uns nicht nur dabei, die akademischen Leistungen zu verbessern, sondern trägt auch zur Erleichterung des Lernens bei. Man weiß, dass Material, das Emotionen hervorruft, leichter gelernt wird und sich länger im Gedächtnis hält. Dies nennt man Lernen mit Bedeutung.

4- Legasthenie und Lernstörungen

Die Fortschritte in puncto Lernstörungen ermöglichen es uns nicht nur, den betroffenen Kindern individuelle Unterstützung zu gewährleisten, sondern auch, ihnen die besten Werkzeuge an die Hand zu geben, damit sie ihre Schwierigkeiten überwinden können. Werkzeuge der Neurodidaktik, um Legasthenie im Unterricht zu behandeln.

5- Sowohl Erfahrungen als auch die Gene beeinflussen uns

Beinahe seit den Anfängen der Psychologie gab es eine heftige Debatte darüber, ob das, was wir sind, von unserer Erfahrung oder an unseren Genen bestimmt wird. Heutzutage sind sich die meisten Experten darüber einig, dass beide Aspekte fundamental für unsere Entwicklung sind. Die Genetik setzt die Grundlagen unserer Fähigkeiten und Talente, aber die Erfahrung wirkt darauf ein. Kinder können eine Reihe von mehr oder weniger festgelegten Fähigkeiten haben, etwas fällt ihnen leichter als anderes. Doch diese lassen sich stets schulen und verändern. Andere Forschungsfelder, die auf die Bildung angewendet werden, sind die Schulung der Logik, die Verbesserung des Arbeitsgedächtnisses, die Festigung der Erinnerungen, das Abrufen von Erinnerungen und die Behandlung von Lernproblemen. Im folgenden Video wird erklärt, wie die verschiedenen Kenntnisse der Psychologie und Neurowissenschaft auf das Lernen der Kinder einwirken und was die Neurodidaktik im Unterricht leisten kann.

CogniFit: Führende Bildungsplattform für Neurodidaktik im Unterricht

Die Neurowissenschaft und die Neurodidaktik spielen eine immer größere Rolle in den Schulen, die ihre Lehrprozesse optimieren möchten. Die pädagogische Technologie von CogniFit, die auf der Neurodidaktik basiert, wird in diversen Schulzentren auf der ganzen Welt eingesetzt und erbringt den Schülern effektive Resultate, vor allem denjenigen, die besondere Bedürfnisse oder Lernschwierigkeiten haben.

CogniFit Neurodidaktik im Klassenraum ist ein wissenschaftliches Werkzeug für Lehrkräfte, das geschaffen wurde, um dabei zu helfen, einige der neurologischen Ursachen, die mit dem schulischen Versagen zu tun haben, zu identifizieren und die wichtigsten kognitiven Funktionen der Kinder wiederherzustellen.

Wie funktioniert es? Zunächst müssen die Schüler die kognitive Bewertung absolvieren. Alle Denkspiele von CogniFit Neurodidaktik wurden erschaffen und klinisch validiert, um kognitive Schwächen und Stärken im Lernprozess zu erkennen: Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Wahrnehmung und Logik. Auf Basis der Ergebnisse der ersten Bewertung, erstellt CogniFit ein dynamisches personalisiertes Gehirntraining, um die kognitiven Bedürfnisse eines jeden Schülers zu verbessern. Das schulische Versagen ist eine der größten Sorgen im Bildungssystem. Deswegen ist es wichtig, das Wissen über das Gehirn auf die Bildung anzuwenden und in den schulischen Zentren neurodidaktische Werkzeuge und Initiativen zur Verfügung zu haben, die es ermöglichen, Vorgänge zu integrieren, damit alle Schüler ihr Lernpotential richtig entwickeln können.

Neurodidaktik für Erzieher

Der direkteste Anwendungsbereich der Neurodidaktik liegt selbstverständlich in der Schule. Die Schule ist das Hauptumfeld, in dem die Kinder lernen. Anhand der Kenntnisse darüber wie das Gehirn ist, wie es die Information erlernt, verarbeitet, registriert, speichert und abruft, können die Erzieher ihren Unterrichtsstil mit dem Zweck, den Lernprozess zu optimieren, anpassen. Sie sollten auch verstehen, dass der Aufbau des Unterrichts, ihre Einstellungen, Worte und Emotionen einen enormen Einfluss auf die Entwicklung der Gehirne ihrer Schüler und ihre Art zu lernen, haben. Wir wissen, dass die Kenntnisse der Neurowissenschaft uns im Unterricht sehr helfen, aber wie wenden wir die Neurodidaktik im Zusammenhang mit der Bildung an? Die Grundlage ist, dass die Schüler sich nicht darauf beschränken, die Information passiv aufzunehmen, sondern dass sie diese behandeln und sie aktiv an ihrer Erarbeitung teilhaben.

1. Ein emotional positives Klima im Klassenraum schaffen

Es ist sehr wichtig, dass die Lehrkräfte und Erziehende ein positives Klima im Klassenraum fördern, indem sie sich gegenüber ihren Schülern freundlich und empathisch zeigen. Sie müssen ihren emotionalen Ausdruck kontrollieren, um Positivität auszustrahlen und so auf ihre Schüler zu übertragen. Man sollte übermäßigen Stress im Klassenraum vermeiden. Ein Minimum an Stress ist notwendig, um die Schüler motiviert und aktiv zu halten. Dennoch sind hohe Stresslevel schädlich für die Leistungen. Es kann auch viele Vorteile bringen, den Schülern zu zeigen, ihren eigenen Stress und andere negative Emotionen zu regulieren, nicht nur auf akademischem Niveau, sondern auch auf allen anderen Ebenen.

2. Verwende CogniFit Neurodidaktik im Klassenraum

Diese pädagogische Technologie wurde spezifisch für Lehrkräfte entwickelt. Sie ermöglicht es Erziehern ohne fachliche Ausbildung in Neurowissenschaft oder Psychopädagogik die Lernprozesse im schulischen Bereich zu analysieren und zu verbessern. Wobei kann CogniFit Neurodidaktik helfen?

  • Die beim Lernen und der Neuroentwicklung beteiligten Gehirnprozesse kennenzulernen und vertiefen
  • Bessere Methoden und Didaktik einzusetzen
  • Die Schüler mit wissenschaftlicher Objektivität zu bewerten, um kognitive Schwächen zu erkennen, die mit Lernschwierigkeiten zusammenhängen können und schulischem Versagen vorzubeugen
  • Bessere Methoden und Didaktik einzuführen, um den Unterricht zu optimieren und die Aktivität der Lehrkraft zu bereichern
  • Lernschwierigkeiten zu korrigieren und neu zu orientieren

3. Verstärke das emotionale Lernen

Die Emotion ist eng mit dem Gedächtnis verknüpft. Wir lernen viel besser, wenn die Information Emotionen in uns hervorruft. Deswegen ist eine gute Strategie der Neurodidaktik, emotionale Winkel im Zusammenhang mit dem zu lernenden Thema zu bilden. Diese Verbindungen können mit besonderen Aktivitäten erschaffen werden, die die Schüler emotional mit den Inhalten verbinden. Zum Beispiel können die visuellen und interpretativen Künste verknüpft werden, damit sie emotionale Reaktionen hervorrufen und so förderlich für den Lernprozess sind.

4. Mit unterschiedlichen Stilen und auf vielfältige Arten unterrichten

Wir können das Lernen eines jeden Schülers fördern, indem wir unterschiedliche Unterrichtsstile verwenden und die Aktivitäten und Materialien variieren. Nicht alle Schüler lernen gut auf die gleiche Art. Einige sind visueller, andere körperlicher, etc. Wenn wir Bilder, Videos, experimentelle, interaktive Aktivitäten, Musik etc. verwenden, benutzen wir die Neurodidaktik, um alle Sinne anzusprechen. So werden die Kinder vollständiger lernen und diese Art von Unterricht nützt allen Schülern.

5. Eine optimale Umgebung schaffen

Wie kann man Strategien der Neurodidaktik im Klassenraum einsetzen? Die Schüler lernen besser in bestimmten Umgebungen. Wir haben großartige visuelle Fähigkeiten und achten mehr auf neuartige Reize als auf andere. Deswegen wird eine Dynamik der Veränderung den Schülern helfen, besser aufzupassen. Gleichzeitig wird Ordnung und Schönheit, in jeder Lerneinheit integriert, den Lernprozess begünstigen. Eine ruhige Hintergrundmusik kann den Schülern auch dabei helfen, sich zu konzentrieren, zu entspannen und wohlzufühlen. Eine möglichst natürliche Beleuchtung trägt auch zu einem optimalen Ort für das Lernen bei. Dunkelheit im Klassenraum und Neonleuchten, die für eine künstliche Beleuchtung sorgen, sind nicht besonders passend.

6. Führe Wiederholungen auf unterschiedliche Arten durch

Eine der besten Arten, Informationen aufzunehmen und im Langzeitgedächtnis zu speichern ist die Wiederholung dieser Information. Wenn das Lernmaterial jedoch immer wieder auf die gleiche Art wiederholt wird, kann das für die Schüler extrem langweilig sein. Deshalb ist es eine gute Strategie der Neudidaktik, die Wiederholung des Materials auf unterschiedliche Arten zu gestalten, mit einer Vielzahl an Aktivitäten und Erfahrungen. So können sie die Information auf verschiedene Weisen bearbeiten.

Wiederholung auf unterschiedliche Arten

7. Fördere das Lernen mit Bedeutung

Für das Lernen auf lange Sicht und das Beibehalten der Motivation in der Schule ist es fundamental, dass die Kinder den Sinn dessen begreifen, was sie gerade lernen. Es handelt sich darum, die Kenntnisse auf die reale Welt anzuwenden, das „Wozu brauche ich das?“. Eine gute Strategie der Neurodidaktik im Unterricht ist die Verwendung von Aktivitäten in der realen Welt, wie forschen, Experimente erstellen, Metaphern und Analogien schaffen, Ursache-Folge-Muster untersuchen, die Sichtweise zu analysieren und künstlerische Aktivitäten durchzuführen, die das kreative Denken stimulieren.

8. Gib Feedback

Das Feedback oder die Rückmeldung ist essentiell für die Neurodidaktik und den Lernprozess. Ein Feedback zu geben, zu sagen was gut gemacht wurde und was sich verbessern lässt, ist grundlegend für die Orientierung des Lernens. Es ist nicht genug, eine Note in Ziffernform unter die Tests zu setzen, sondern man sollte auch darauf hinweisen, was gut gemacht wurde. So motivieren wir die Schüler und geben ihnen konkrete Richtlinien, damit sie besser werden.

Neurodidaktik für Eltern

Die Eltern sind die andere Säule der Erziehung der Kinder. Deshalb wird ihnen die Kenntnis von der Funktionsweise des Gehirns dabei helfen, eine Bindung auf erzieherischem und emotionalem Niveau mit ihren Kindern herzustellen. Sie werden ihre Kinder dazu motivieren können zu lernen, ihr ganzes Potential zu entfalten und eine optimale psychische Gesundheit zu behalten. Es gibt Werkzeuge zur kognitiven Stimulation für die gesamte Familie.

1. Fördere ihren Lernprozess, indem du ihr Selbstwertgefühl steigerst

Neurodidaktik für Eltern: Ein gesundes Selbstwertgefühl ist fundamental für einen optimalen Lernprozess. Zu wissen, dass sie fähig sind, dass sie es wert sind, wird ihre Motivation zu lernen und sich anzustrengen aufrechterhalten. Es ist wichtig, sie nicht mit anderen Kindern oder Geschwistern zu vergleichen, da das ihr Selbstwertgefühl verletzt und sie sich ständig unter Druck gesetzt fühlen werden, sich so zu verhalten, wie sie eigentlich nicht sind. Motiviere und hilf ihm/ihr stattdessen, sich in bestimmten Aspekten zu verbessern. Entdecke hier Arten zu loben, die das Selbstwertgefühl bei Kindern steigern.

2. Bremse sie nicht in ihrer Kreativität

Was ist Kreativität? Wir merken es nicht, aber manchmal bremsen wir unsere Kinder in ihrer Kreativität. Unterbrich dein Kind nicht, wenn es alleine spielt oder sehr aufmerksam und motiviert bei etwas ist. Erlaube ihm, mit anderen Kindern zu spielen und lass sie Aktivitäten an der frischen Luft machen. Es ist auch nicht angemessen, sie ständig zu bewachen, denn wenn sie sich beobachtet fühlen, verschwindet der kreative Impuls und ihre Freiheit zu experimentieren, wird beschnitten. Wichtigkeit des kreativen Denkens.

3. Hilf ihnen, das Wissen in die Realität umzusetzen

Eine gute Strategie der Neurodidaktik zuhause ist folgende: Wenn du deinem Kind bei den Hausaufgaben hilfst, hilf ihm zu sehen, wie man das, was es gerade lernen, in der Realität anwenden kann. So lernen sie nicht nur besser, sondern entdecken auch den Sinn dieser Kenntnisse.

4. Versichere dich, dass sie genug schlafen, um besser zu lernen

Die Eltern sollten lernen, dass ein qualitativ hochwertiger Schlaf fundamental für optimale Leistung und optimales Lernen ist. Im Schlaf erholen wir uns und erneuern unsere Zellen, aber zusätzlich festigen wir alles Erlernte. Also ist eine gute Strategie der Neurodidaktik sich zu vergewissern, dass das Kind nicht nur genug schläft (ein Kind sollte zwischen 9 und 10 Stunden schlafen), sondern auch Schlaf von Qualität bekommt. Es kann sein, dass dein Kind viel schläft, aber sich nicht gut erholt. Achte auf Zeichen wie Apathie, Unlust, Reizbarkeit, die von ungenügendem Schlaf kommen können.

5. Ein aktiver Körper lernt besser

Körperliche Tätigkeit fördert das Lernen. Wenn dein Kind sich gern bewegt, während es lernt, lass es. Es wird ihm dabei helfen, sich zu entspannen und besser zu lernen. Körperlichen Aktivitäten nachzugehen ist eine gute Strategie der Neurodidaktik, da sie dabei hilft, besser zu lernen, weil das Gehirn aktiviert und mit Sauerstoff versorgt wird. Lass dein Kind laufen, springen oder einfach spazieren gehen, bevor oder nachdem es die Lektion gelernt hat. Sportliche außerschulische Aktivitäten können eine gute Möglichkeit sein und außerdem helfen sie ihm dabei soziale Beziehungen zu finden, Spaß zu haben, sich zu entspannen und das Risiko für kindliches Übergewicht wird verringert.

Neurodidaktik und Lernschwierigkeiten

Die Neurodidaktik kann den Schülern mit Lernschwierigkeiten helfen. Die Kenntnisse der Neurowissenschaft helfen uns nicht nur dabei zu wissen, wie das Gehirn lernt, sondern auch dabei, wie die Gehirne mit Lernschwierigkeiten funktionieren. Es gibt diverse Arten von Lernschwierigkeiten, von Legasthenie über ADHS bis zu Autismus. Über CogniFit können kognitive Bewertungen und Stimulationen durchgeführt werden, um Lernschwierigkeit zu identifizieren und eine Unterstützung zu bilden.

Mithilfe der Neurodidaktik lässt sich der Unterricht anpassen, um Lernmöglichkeiten für die Kinder zu maximieren, denen es schwer fällt optimale Leistungen in der Schule zu erreichen. Sowohl in der Schule als auch zuhause ist es für Kinder mit Lernproblemen fundamental, sich gut über den individuellen Fall zu informieren. Dadurch können die Schwierigkeiten des Kindes identifiziert werden und man weiß, wie das Gehirn lernt. Dadurch sind wir mit Werkzeugen ausgestattet, um den Unterricht anzupassen und verfügen ebenfalls über Strategien zur Förderung des Lernprozesses.

Mythen in der Neurowissenschaft

Eins der Ziele der Anwendung von neurowissenschaftlichen Kenntnissen in der Bildung ist, eine Reihe von Mythen und Überzeugungen aufzubrechen, die Lehrer und Erzieher anhand der Gehirnentwicklung von Kindern haben. Einige dieser Mythen sind folgende:

  • Es gibt kritische Phasen, in denen wir bestimmte Dinge lernen MÜSSEN.
  • Wir nutzen nur 10% unseres Gehirns. Viele Menschen denken sogar, dass wir, wenn wir 100% unseres Gehirns nutzen würden, Superkräfte hätten. Dieser so verbreitete Glaubenssatz ist total falsch. Wir nutzen unser gesamtes Gehirn.
  • Ich benutze die rechte Hirnhälfte, du die linke. Auch wenn wir zwei Gehirnhälften haben, heißt das nicht, dass wir die eine oder die andere mehr benutzen. Es ist bekannt, dass jede unterschiedliche Funktionen hat, aber wir benutzen beide Gehirnhälften gleich.
  • Mozart zu hören wird dein Kind intelligent machen. Viele Studien, wie diese, zeigen, dass das falsch ist.
  • Multitasking ist eine gute Art, die Arbeit durchzuführen. Wir wissen, dass das nicht immer so ist und sehr von der Person, ihren Fähigkeiten und ihrem Charakter abhängt.

Quelle: Andrea García Cerdán, Psychologin bei CogniFit.