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Toxische Beziehung: Lerne, sie zu identifizieren und dich den Personen gegenüber richtig zu verhalten

Kraftlos, demotiviert, mit Kopfschmerzen … so können wir uns fühlen, wenn wir eine toxische Beziehung haben. Eltern, Geschwister, Partner, Freunde, Arbeitskollegen … Jeder von uns kann toxische Personen und somit eine toxische Beziehung haben.

Mairena Vázques, Psychologin, hilft dir, eine toxische Beziehung zu identifizieren, erläutert dir die Charakterzüge von toxischen Personen und zeigt dir die beste Art, ihnen die Stirn zu bieten. Lies weiter!

Toxische Menschen.

Wie identifizieren wir toxische Personen und eine toxische Beziehung?

Laut Stamateas ist eine toxische Person eine Person “die sich den Luxus erlaubt zu beurteilen, was du sagst und tust, und sogar, was du nicht sagst und tust”. Von deinem Partner, deinen Eltern, Geschwistern, Freunden, Arbeitskollegen, Chefs, … bin hin zu dir selbst kann jeder ein toxischer Mensch sein.

Achtung! Alle Menschen können gewisse toxische Züge haben, was nicht bedeutet, dass wir alle “toxische Personen” sind und mit diesen eine toxische Beziehung führen. Der Hauptunterschied besteht darin, dass wir unsere toxischen Gewohnheiten nicht zu unserem Lebensstil machen. Wenn wir wissen, dass es Dinge gibt, die wir machen können und Dinge, die wir nicht machen können, haben wir nicht das Risiko, eine toxische Beziehung zu entwickeln.

Eine toxische Person versucht andere zu kontrollieren und zu beherrschen, indem sie  ihr Opfer einschüchtert, beschuldigt und verachtet. Solche Menschen benutzen die anderen oft als Werkzeuge und stützen sich vor allen Dingen auf Menschen mit wenig Selbstachtung.

Das Wort “toxisch” kommt von “toxon”, was sich früher auf das Gift bezog, womit man die Pfeile einrieb, die man auf die Feinde schoss. Dieses Gift war gefährlich, genau wie die toxischen Personen.

Wenn wir etwas Zeit mit einer toxischen Person verbringen, können wir gewisse Symptome  wie Frustration, Energieverlust und Demotivation, Bauch- oder Kopfschmerzen und sogar Depression und Kummer bemerken. Personen in einer toxischen Beziehung können dir das Gefühl geben, du seist schlecht und egoistisch, sie können dich sogar von deiner Umgebung isolieren und auf deine Persönlichkeit einwirken.

Auch wenn es am Anfang schmerzt, solltest du einsehen, dass eine toxische Person in deiner Umgebung dich nicht respektiert, dich nicht für wichtig hält und dich auch überhaupt nicht liebt und du diese toxische Beziehung besser meiden solltest.

Wie können wir toxische Personen und eine toxische Beziehung erkennen?

Wir können toxischen Menschen in jeder Situation begegnen, denen wir uns Tag für Tag stellen. Von einer toxischen Person können wir nichts Gutes erwarten. Unter den wichtigsten Charaktereigenschaften finden wir:

Toxische Personen sind sehr negative Menschen.

Ihr Motto ist “wenn etwas schiefgehen kann, wird es schiefgehen” und das denken nicht nur sie, sondern sie versuchen außerdem, dich davon zu überzeugen, dasselbe zu denken. “Ah, du fährst in Urlaub? Wozu? Zum Schwitzen, um einen Unfall zu bauen oder dir irgendwas einzufangen?” Zwischen toxischen Menschen kann man häufig beobachten, wie sie darum kämpfen, wer der Unglücklichste oder Gescheitertste ist. Sie führene eine toxische Beziehung.

Toxische Personen beschweren sich über absolut alles.

Sie sind vom Wesen her Nonkonformisten und sehen alles schwarz, auch wenn es scheint, dass die Dinge gut laufen. Damit beeinflussen sie ihr ganzes Umfeld und vergiften es mit Negativität. Obwohl sie sich über alles beschweren, sind sie für gewöhnlich stolz, denn sie müssen auf irgendeine Art ihr Selbstvertrauen erhalten.

Toxische Personen vergleichen sich ständig mit den anderen.

Im Regelfall handelt es sich um Menschen, die frustriert von ihrem Leben sind und deswegen dazu neigen, sich unentwegt mit anderen zu vergleichen, die anderen geringzuschätzen und zu verachten, was diesen das Gefühl gibt, dass sie nichts wert sind. Die toxische Beziehung von toxischen Menschen zeichnet sich dadurch aus, dass sie es lieben im “Mittelpunkt zu stehen” und versuchen dies so oft wie möglich zu erreichen. Deswegen müssen sich die Gespräche immer um sie selbst drehen und in jeder Angelegenheit mit ihnen zusammenhängen.

Wie wir toxische Menschen erkennen können

Toxische Personen haben ein pessimistisches Wesen.

Sie sind nicht mutig genug, um neue Dinge auszuprobieren oder neue Projekte in Angriff zu nehmen. Sie neigen dazu zu denken: Warum sollte ich das tun, wenn es eh nicht funktionieren wird? Sie haben schreckliche Angst, aus ihrer Komfortzone zu treten und zu scheitern.

Sie können dafür sorgen, dass du Mitleid mit ihnen hast, flieh, bevor es zu spät ist!

Toxische Personen sind Schuld an gar nichts, die anderen sind schuld.

Toxische Menschen gehen gegen alles und jeden an, sie haben immer recht (auch wenn sie nicht recht haben) und denk nicht mal daran ihnen einen Tipp zu geben, denn es handelt sich für gewöhnlich um arrogante und überheblich Personen. Gewöhn dich an die Idee, dass der Schuldige einen Namen hat und es tut mir leid, aber das ist deiner (laut ihnen, natürlich).

Toxische Personen sind falscher als ein 3-Euro-Schein.

Diese Art von Menschen liebt es, sich als Opfer zu verkleiden und würde alles tun, damit du der Böse im Film bist. Wie schon das Sprichwort sagt “Herr, erlöse mich von den stillen Wassern, denn von den stürmischen löse ich mich selbst” … Sei besonders vorsichtig mit den “Opfern der Gesellschaft”, unverstanden und angeblich so gute Menschen.

Toxische Beziehung: Toxische Menschen sind unglaublich neidisch und mittelmässig.

Ihre Freizeit verbringen sie damit, das Leben der anderen zu kritisieren, zu vergleichen und zu verurteilen. Das tun sie, da sie so viel Angst haben, für ihr eigenes Leben zu kämpfen und da sie ein Leben frei von Träumen und Hoffnung führen. 

Toxische Personen beißen sich auf die Zunge und speien Gift.

Toxische Menschen sind in der Regel ironisch und sarkastisch, sie schreien gerne um dich unterzujochen und einzuschüchtern.

Wir können sie als Schlangenbeschwörer bezeichnen.

Toxische Personen können Schlangen oder Schlangenbeschwörer sein

Toxische Personen sind für gewöhnlich manipulativ und neurotisch. 

Sie suchen pausenlos nach Zustimmung oder Anerkennung der anderen und so können sie dich manipulieren, bis du kaputt gehst. Sie sind dazu fähig, alles so zu manipulieren, dass sie jede Situation so herumdrehen können, dass du und nur du der Schuldige bist. Du Arme/r, am Ende wirst du dich schlecht fühlen.

Toxische Personen lieben es zu lügen und unfair zu spielen.

Sie lügen mehr als sie sprechen und das Schlimmste ist, dass sie ihre Lügen so begründen können, dass du zweifelst und sie am Ende glaubst. Sie haben kein Problem damit, Dritte ins Spiel zu bringen und Spannungen gegen dich zu schaffen. Sie sind dazu fähig, dass du dich wie die schlechteste Person der Welt fühlst.

Toxische Personen lieben es zu lügen und unfair zu spielen

Wie geht man mit toxischen Menschen um?

Wenn du bis hierhin gekommen bist und denkst, dass sich eine toxische Person in deiner Umgebung befindet, sei es innerhalb einer Familie, der Arbeit … sollte der erste Schritt zur Verbesserung deiner persönlichen und psychischen Gesundheit sein zu FLIEHEN.

Natürlich ist es nicht dasselbe, vor einer Person in deinem engsten Familienkreis zu fliegen wie vor deinem Nachbarn aus dem 5. Stock, aber jedes Problem hat eine Lösung. Denk daran, dass grosse Übel grosser Heilmittel bedürfen.

Wenn du die toxische Beziehung zu dieser Person aus diversen Gründen nicht abbrechen kannst, flieh nicht, aber bau Distanz auf und setze gewisse Grenzen. Versuch mit dieser Person zu sprechen und zeig ihr, dass sie sich in einem Spinnennetz befindet, das sowohl für die selbst als auch für diejenigen, die ihr nahestehen, zerstörerisch ist.

Es ist ratsam, dass du dir eine Liste mit den möglichen toxischen Personen in deinem Leben machst und nicht zulässt, dass sie Einfluss auf dich haben. Du hast das Glück, so zu sein, wie du bist und solltest nicht zulassen, dass nichts oder niemand dich negativ werden lässt. Du solltest dein Selbstwertgefühl aufbessern und, auch wenn das am Anfang Mühe kostet, ist es die beste Entscheidung dich von den toxischen Menschen in deiner Umgebung zu befreien.

Wenn du einer negativen Person begegnest, solltest du lernen, ihr keine Aufmerksamkeit zu schenken, wenn du siehst, dass sie ihre “toxische Seite” ausspielt. Lerne einige Tricks der Positiven Psychologie, um glücklicher und optimistischer zu werden und wenn du denkst, dass das Gespräch aus dem Ruder läuft, ändere subtil das Thema. Wenn du merkst, dass er/sie beginnt sich aufzuregen, gib ihm/ihr Zeit sich zu beruhigen.

Das Ratsamste ist es, den Kontakt zu toxischen Personen zu reduzieren, das heisst, dich nach und nach von ihnen zu entfernen. Du solltest dich selbst kennen und wissen, was du vom Leben möchtest, was du an deiner Seite haben möchtest und was besser nicht dort sein sollte.

Du kannst Entspannungstechniken wie Achtsamkeit ausprobieren, die dir dabei helfen dich zu beruhigen, den Sinn für Humor behalten und versuchen, netter und selbstsicher zu sein und vor allem, dich mehr selbst zu lieben.

Du kannst dich auch immer an einen Psychologen wenden, um zukünftige Probleme zu vermeiden.

Flieh vor toxischen Personen

Denk immer dran, dass du die Person bist, die die Zügel deines Lebens in der Hand hast und somit frei bist, deine eigenen Entscheidungen zu treffen und dich mit Personen zu umgeben, die ähnlich wie du denken. Wenn sie optimistisch sind und ihre Freude zeigen, noch besser …

Weißt du eigentlich, dass sowohl positive als auch negative Gefühle ansteckend sind? Wenn du glücklich sein willst, umgebe dich mit glücklichen Leuten und sorge so dafür, dass du jeden Tag ein bisschen glücklicher wirst.

Wenn euch das Theme interessiert und ihr mehr darüber erfahren wollt, empfehle ich euch die folgenden Bücher von Bernardo Stamateas:

  • “Toxische Typen: Wenn andere Gift für uns sind und was wir dagegen tun können”.
  • “Toxische Gefühle: Wie wir emotionale Verletzungen heilen können und inneren Frieden finden”.

“Toxische Menschen sind Traumdiebe”.

Quelle: Mairena Vázquez, Psychologin bei CogniFit.

Positive Psychologie: Was ist das und wie lässt sie sich anwenden? Ein nützlicher Leitfaden

Nützlicher Leitfaden: Positive Psychologie. Finde heraus, was dieses Konzept bedeutet, welche Autoren sich mit ihr befassen und wie man Techniken und Strategien im Alltag anwenden kann. In diesem Artikel werden wir interessante Dynamiken vorstellen, die man zu Hause, am Arbeitsplatz und in der Kindererziehung nutzen kann. Es fördert persönliche Stärken, den Optimismus und die Kreativität. Lerne unterhaltsame Spiele und Übungen der positiven Psychologie für Kinder und Erwachsene kennen. Das psychische Wohlbefinden und das eigene Glück zu verbessern ist einfacher, wenn man weiß wie. 

Positive Psychologie Manual: Hilfreicher Leitfaden

Die positive Psychologie ist ein Zweig der Psychologie, der sich mit dem Glück beschäftigt. Was macht uns glücklich? In diesem Artikel erklären wir, was die positive Psychologie ist und geben Ratschläge und Übungen zur Anwendung der positiven Psychologie.

Experten sagen, dass das Glück von drei Faktoren abhängt: 50% hängt es von unserem Charakter ab, welcher genetisch bedingt ist, zu 10% hängt es von den Ereignissen in unserem Leben ab und zu 40% davon, was wir tun, um glücklich zu sein. Bei diesen 40% der Fälle greift die positive Psychologie ein.

Was ist die positive Psychologie? Definition und Konzept

Nachdem der Fokus der Psychologie jahrzehntelang auf Störungen, Psychopathologien, Verhaltensproblemen, Krankheiten, usw… lag, hat man allmählich begonnen, sich Gedanken darüber zu machen, was uns gut tut. Es geht nicht mehr nur um die Suche nach einer Behandlung, um Krankheiten zu heilen, sondern auch um die Suche nach Antworten auf das, was uns aufblühen lässt und uns glücklich machen kann. In der positiven Psychologie werden die Probleme nicht ignoriert, aber es wird auch vor allem nach dem gesucht, was uns Befriedigung schenkt.

Die positive Psychologie könnte man als die wissenschaftliche Erforschung dessen definieren, was unser Leben lebenswert macht, ohne dabei jedoch die persönlichen Probleme zu vergessen.  

Die positive Psychologie fördert auf ausgewogene Weise unserer Stärken und die Vermittlung eines objektiveren Selbstverständnisses. Dies ist notwendig, da einige Stärken nicht zwangsläufig gut sind und auch im Übermaß nicht vorteilhaft sind, wie zum Beispiel die Positivität. Zu positiv zu sein, kann uns glauben machen, dass wir unverwundbar sind. Wir können dadurch zu der Annahme gelangen, dass wir alles erreichen werden. Das kann dazu führen, dass wir zu viele Risiken eingehen und mehr Dinge auf einmal in Angriff nehmen, als wir realistisch gesehen durchführen können. Wenn wir hingegen negativ sind, werden wir schwerlich in der Lage sein, das Gute was das Leben mit sich bringt zu genießen.

Was ist die positive Psychologie nicht?

Die positive Psychologie wird oft unterschätzt, weil sie das Bild vermitteln kann, dass es sich um eine billige Form der Selbsthilfe handelt. Die wirklichen Probleme der Menschen werden dadurch jedoch nicht übergangen. Es wird sich um Stärken und Schwächen gekümmert, indem auf das Beste im Leben aufgebaut und das Schlimmste repariert wird. Das macht das Leben der Menschen zufriedener und behandelt so auch Pathologien. Es geht auch nicht darum, allen Menschen universelle Lösungen des Glücks anzubieten. Jeder Mensch ist einzigartig, und was der eine mag, muss dem anderen nicht gefallen. Und ihr Ziel ist es ebenso wenig, uns immer freudig und glücklich zu stimmen. Glücklich zu sein bedeutet zu akzeptieren, dass es traurige Momente gibt, dass wir wütend und enttäuscht werden und auch streiten. Aber es hilft uns dabei, uns nicht auf das Schlechte zu konzentrieren und das zu finden, was unser Wohlbefinden fördert.

Glücklichsein kann man trainieren.

Warum konzentrieren wir uns auf das Negative? Die selektive Wahrnehmung

Es ist wahr, dass in unserem täglichen Leben positive Dinge oft vergessen werden, sie bleiben oft unbemerkt und wir konzentrieren uns nur auf die negativen Ereignisse. Es kann sein, dass man denkt: “Ich steckte in einem furchtbaren Stau”, “das Wasser beim Duschen war eiskalt”, “ich habe wieder zugenommen, ich bin furchtbar”, “ich hatte einen Streit mit meinem Kollegen”, usw. Im Gegensatz dazu vergessen wir oft die “kleinen Freuden”, die in unserem täglichen Leben passieren: Eine Mahlzeit zu genießen, die wir mögen; ein angenehmes Gespräch; eine warme Dusche….

Diese Tendenz, dass die meisten von uns den negativen Aspekten im Leben mehr Aufmerksamkeit schenken und sich besser an diese erinnern und das Positive unterschätzen, nennt man selektive Wahrnehmung.

Einige Experten halten die selektive Wahrnehmung für einen adaptiven Mechanismus, der für unser Überleben von Vorteil ist. Dies liegt daran, dass negative oder ungünstige Ereignisse eine Reaktion von uns erfordern, um sie zu konfrontieren und zu lösen. Positive Ereignisse, die unser Überleben nicht gefährden, bedürfen jedoch keiner Reaktion und bleiben für unsere Aufmerksamkeit und unser Gedächtnis unbemerkt.

Wenn wir uns jedoch auf das Negative konzentrieren, verschlechtert sich unsere Stimmung und wir laufen Gefahr an Angstzuständen, Depressionen und anderen psychologischen Problemen zu leiden.

Seligman und die positive Psychologie

Martin Seligman gilt als Begründer der positiven Psychologie. Er war einer der ersten, der das Glück aus wissenschaftlicher Sicht untersuchte.

Seligman selbst erklärt in dem folgenden Video, wie sich die psychologische Sicht vom medizinischen Modell der Heilung von Krankheiten, hin zur positiven Psychologie entwickelt hat. Er erklärt auch, was positive Psychologie ist.

Seligman zufolge gibt es drei Dimensionen des Glücks, die bearbeitet werden können: ein angenehmes Leben, ein gutes Leben und ein sinnvolles Leben. Im folgenden werden diese Bereiche weiter erläutert:

Angenehmes Leben

Es besteht darin, die Freuden des Lebens zu suchen, so viele positive Emotionen wie möglich zu erleben, jeden Moment zu genießen. Das Problem ist, dass die Fähigkeit, positive Emotionen zu erleben und zu verstärken, nicht gut beeinflussbar ist und zum Teil von der Genetik abhängt. Aber wir können lernen, mehr aus ihnen herauszuholen.

Gutes Leben

Dieses erreichen wir, indem wir unsere Tugenden und Stärken entdecken und sie nutzen, um unser Leben zu verbessern. Wir spüren es, wenn wir eigentlich nichts fühlen, uns auf eine Aufgabe konzentrieren und von allem anderen abstrahieren. Es ist das, was Csikszentmihalyi Flow nennt.

Sinnvolles Leben

Laut Seligman ist der dritte Schritt des Glücks, ein tiefes Gefühl der Erfüllung und Zufriedenheit zu finden, indem wir unsere Kräfte für einen Zweck nutzen, der größer ist als wir selbst.

Praktische Übungen und Techniken der positiven Psychologie

Eine Studie replizierte Seligmans Annahmen, um herauszufinden, ob Übungen der positiven Psychologie funktionieren. Sie fanden heraus, dass Interventionen der positiven Psychologie in der Tat glücklicher machen. Obwohl die Auswirkungen auf Menschen mit Depressionen geringer sind, als man durch vorherige Untersuchungen annahm, scheinen sie eine Nützlichkeit zu haben.

Wenn du also glaubst an einer Depression zu leiden, findest du hier Informationen wie die neuropsychologische Stimulation von CogniFit in Kombination mit einer Psychotherapie dir helfen kann, sie zu bekämpfen.

Wie wenden wir positive Psychologie an?

1. Übungen der positiven Psychologie: Stärken

Nach Seligman ist ein sehr wichtiger Teil der positiven Psychologie, zu lernen, die positiven Aspekte unseres Lebens zu genießen, um unsere Stärken zu erkennen. Im folgenden findet sich eine Tabelle, die dabei hilft, diese zu identifizieren. Wenn du Schwierigkeiten hast, kann man eine nahestehende Person um Hilfe bitten. Manchmal sehen andere unsere Tugenden deutlicher.

1.      Weisheit und Wissen 
KreativitätÜber neue und produktive Wege etwas zu tun nachzudenken
NeugierdeSich für all die stattfindenden Erfahrungen zu interessieren
OffenheitTiefgründig und aus anderen Blickwinkeln über Dinge nachzudenken
Wunsch zu lernenNeue Fähigkeiten zu entwickeln und sich Wissen anzueignen
PerspektiveIn der Lage zu sein anderen weise Ratschläge zu erteilen
2.      Mut 
TapferkeitKeine Angst vor Bedrohungen, Herausforderungen, Schwierigkeit oder Schmerz zu haben
AusdauerDas zu beenden, was man sich vorgenommen hat
Integrität/AuthentizitätDie Wahrheit zu sagen und sich authentisch zu präsentieren
VitalitätDem Leben voller Energie und mit Spannung zu entgegnen
3.      Menschlichkeit
LiebeEnge Beziehungen zu anderen schätzen
GüteGefallen zu tun und anderen zu helfen
Soziale IntelligenzSich der Motive und Gefühle von sich selbst und anderen bewusst zu sein
4.      Gerechtigkeit
Gemeinschaftssinn und GruppenarbeitGut als Mitglied eines Teams oder einer Gruppe zu arbeiten
Gelassenheit/GerechtigkeitAlle Menschen gleich zu behandeln im Sinne der Gerechtigkeit und Fairness
FührungGruppenaktivitäten zu organisieren und zu schaffen, dass diese ausgeführt werden
5.      Mäßigung/Contención
Fähigkeit zu VerzeihenDenen zu verzeihen, die uns weh getan haben
Güte/BescheidenheitDie eigenen Taten und Leistungen sprechen zu lassen
UmsichtVorsichtig bei eigenen Entscheidungen zu sein; keine Dinge zu tun oder zu sagen, die man später bereuen könnte
SelbstregulationDas was man fühlt und macht zu regulieren
6.      Übertragung
Schönheit wertschätzenSchönheit und Exzellenz in allen Lebensbereichen wahrzunehmen und wertzuschätzen
DankbarkeitSich der schönen Dinge im Leben bewusst zu sein und dankbar dafür zu sein
HoffnungDas Beste zu hoffen und dafür zu arbeiten, es zu erlangen
HumorGefallen am Lachen und Späßenzu haben; Bei anderen ein Lächeln zu erzeugen
Spiritualität/Religiösitätkohärente Überzeugungen über einen höheren Zweck und Sinn des Lebens zu haben

2. Übungen der positiven Psychologie: Soziale Beziehungen

Menschen, die zumindest eine enge Freundschaft haben, sind glücklicher. Es ist wichtig, dass man Menschen hat, auf die man sich verlassen kann, von denen man sich geliebt und unterstützt fühlt. Es ist wichtig, dass wir uns frei mit unseren Liebsten ausdrücken können, dass wir zeigen, wie wir uns fühlen und was wir wollen. Dabei scheint es nicht so bedeutend zu sein, wie viele Freunde wir haben, jedoch ist die Häufigkeit der Interaktionen und Aktivitäten, die wir mit ihnen teilen, von Wichtigkeit. Es ist wichtig, die Fähigkeit zu pflegen, Interesse an dem auszudrücken, was andere uns sagen, und ermutigend zu reagieren.

Psicología positiva: cultiva las relaciones sociales

3. Übung zur positiven Psychologie: Körperliche Aktivität

Das körperliche Wohlbefinden ist wichtig für unser seelisches Wohlbefinden. Bewegung und gesunde Ernährung kann uns helfen, unsere Stimmung zu verbessern. Körperliche Bewegung hat einen großen Einfluss auf die Depression.

Oft hat man beim Sport jedoch das Ziel im Sinn, Gewicht zu verlieren und einen attraktiveren Körper zu bekommen. Das sollten sekundäre Motive sein und die Übungen sollten besser aus reinem Vergnügen ausgeführt werden. Viele Leute mögen keinen Sport einfach weil “es ihnen nicht gefällt”. Aber es gibt eine große Vielfalt an unterschiedlichsten Aktivitäten, die man je nach Geschmack gestalten kann. Selbst bei zügigem Tempo spazieren zu gehen, kann sich positiv auf Organismus auswirken. Entdecke hier, wie man sich zum Sport animieren kann.

4. Übung zur positiven Psychologie: Humor

Humor steigert unser Wohlbefinden, verlängert das Leben und macht uns glücklicher. Es ist wichtig, einen Sinn für Humor zu haben, aber wie alles andere kann man auch das trainieren.

  • Umgib dich mit Menschen mit Sinn für Humor, es ist ansteckend.
  • Lerne, Dinge weniger ernst zu nehmen und lache über dich selbst (natürlich ohne Spott).
  • Lerne, Humor intelligent und nicht wahllos einzusetzen. Nicht in jedem Moment ist er richtig angebracht.

5. Übung zur positiven Psychologie: Dankbarkeit

Dankbarkeit zu praktizieren ist eines der Dinge, die den Menschen am meisten Wohlbefinden bringen. Manchmal merken wir es nicht, aber wir haben immer etwas, wofür wir dankbar sein können. Im Folgenden finden sich drei positive psychologische Übungen, die sehr nützlich sind, um Dankbarkeit zur Gewohnheit werden zu lassen:

  • Ein Dankbarkeitstagebuch zu führen und jeden Abend vor dem Zubettgehen mindestens drei Dinge aufzuschreiben, für die man an diesem Tag dankbar war.
  • Einen Dankesbrief an eine besondere Person zu schreiben. Aufzuschreiben wie man sich fühlt, dank dem, was der andere für einen getan hat. Wenn möglich, kann man den Brief der Person persönlich vorlesen. Die positiven Gefühle und Emotionen die dabei entstehen sollte man zulassen und genießen.
  • In jedem Moment dankbar sein. Man sollte es sich zur geistigen Gewohnheit machen immer und zu jeder Zeit dankbar zu sein. Dafür sucht man am besten aktiv nach den Details und Handlungen anderer, um sich selbst zu helfen und/oder sich ein gutes Gefühl zu geben, und diesen Menschen dankbar zu sein.

6. Übung zur positiven Psychologie: Drei positive Dinge

Diese Übung der positiven Psychologie besteht darin, ein “Genuss-Tagebuch” zu führen. Schreibe jeden Abend drei positive Dinge auf, die dir Freude, Glück und Zufriedenheit gebracht haben… Denke darüber nach, was du empfunden hast und weshalb. Urteile nicht und sei nicht negativ. Dies wird dir helfen, dich der guten Zeiten des Tages bewusster zu werden, und dadurch kannst du herauszufinden, was dir Glück gebracht hat und du wirst in der Lage sein, diese Dinge in den folgenden Tagen zu wiederholen.

Positive Psychologie auf der Arbeit

Wie kann man die positive Psychologie am Arbeitsplatz anwenden? Für viele ist der Arbeitsplatz ein Ort der Folter. Es ist dieser schreckliche Ort mit furchtbaren Menschen, denen man nicht entkommen kann, weil man ein Gehalt braucht, um sich zu ernähren. Und selbst wenn es nicht der begehrenswerteste Ort der Welt ist, kann man ihn zu einem weniger feindseligen Ort machen.

1. Dankbar sein

Wie in der Übung zur positiven Psychologie weiter oben vorgeschlagen, kann man auch auf der Arbeit Dankbarkeit praktizieren. Denk an eine Person, die etwas für dich getan hat, was du wirklich zu schätzen weißt. Schreib ihr einen Brief und lies ihn laut vor. Diese Übung vermittelt das Gefühl des Wohlbefindens und stärkt gleichzeitig deine Beziehung zu dieser Person.

2. Gib deinen Aufgaben eine Richtung

Wenn wir unserer Arbeit einen Sinn geben, der über die Pflicht hinausgeht, ist es möglich, unser Glück und unsere Zufriedenheit zu steigern. Versuche dir vorzustellen, wie diese Aufgaben zum Wohl der Allgemeinheit beitragen. Vermeide dabei Gedanken wie “ich tue das nur, damit der Chef reich wird”. Dieser Gedanke hilft nicht. Denke darüber nach, was du den Menschen bietest und wozu er notwendig ist. Und wenn du nichts finden kannst, denk darüber nach, was er dir selbst bringt (ökonomische Sicherheit, Mittel für deine Kinder…).

3. Denk an das Positive deines Arbeitstages

Wie schon vorher genannt, kann man sich auch hier drei positive Dinge vor Augen führen, die einem bei der Arbeit passiert sind. Es kann ein “Dankeschön” und ein Lächeln von jemandem sein, es kann ein Kaffee mit einem Kollegen oder ein Kompliment von jemandem gewesen sein.

4. Verbringe Zeit mit deinen Arbeitskollegen

Bemühe dich, deine Arbeitskollegen kennenzulernen, mit ihnen zu sprechen, einen Kaffee zu trinken oder Aktivitäten außerhalb der Arbeit zu planen.

5. Nutze deine Stärken

Das Wissen um unsere Stärken und deren tägliche Anwendung in unserer Arbeit steigert unser Glück und Erfolgserlebnis.

Übungen der positiven Psychologie für Kinder

Wie können wir positive Psychologie auf Kinder anwenden? Die Einbeziehung positiver Psychologie in das Leben der eigenen Kinder kann sehr einfach sein. Man muss dafür nur die oben genannten Übungen an das Kind anpassen.

Ejercicios de psicología positiva para niños

1. Liste der Dankbarkeit

Eine positive Psychologie Übung für Kinder ist es, das Kind zu ermutigen, drei Dinge aufzuschreiben, für dass es jeden Tag dankbar ist. Diese Übung kann man gut als Familie praktizieren. Am Ende der Woche, liest man sich das Ergebnis gemeinsam durch und reflektiert über die wunderbaren Dinge, die man im Leben schätzt.

2. Akt der Freundlichkeit

Hilf deinem Kind, jeden Tag einem anderen Menschen gegenüber freundlich zu sein. Hilf ihm herauszufinden, wie gut es sich anfühlt, andere gut zu behandeln. Ebenfalls kannst du mit deinem Kind gemeinsam planen, welche positiven Dinge es für andere in der kommenden Woche tun kann und diese aufschreiben.

3. Drei positive Dinge

Eine weitere interessante Übung der positiven Psychologie für Kinder ist es, ihm zu helfen drei positive Dinge, die ihm am Tag passiert sind zu reflektieren. Vielleicht ein Kompliment des Lehrers oder eines Freundes, eine lustige Zeit beim Mittagessen oder ein gemütlicher Spaziergang.

4. Liste der Stärken

Entdeckt gemeinsam welche Stärken dein Kind hat und überlegt euch wie es diese Stärken im Alltag unterbringen kann, um sein eigenes Wohlbefinden und das der anderen zu verbessern.

5. Genießen

Statt durch den Alltag zu hetzen, verlangsamt euren Rhythmus und versucht eine angenehme Aktivität oder einen Moment zu genießen. Achtsamkeit mit dem eigenen Kind zu praktizieren, kann das Bewusstsein in der heutigen Zeit erhöhen und Sorgen und Ängste verringern.

6. Soziale Beziehungen

Sinnvolle soziale Beziehungen tragen wesentlich zum allgemeinen Wohlbefinden bei. Achte darauf, dass dein Kind die ganze Woche über eine gute Zeit mit einem guten Freund oder einem besonderen Familienmitglied verbringt. Oder das Kind kann sogar einen neuen Freund aus seinem Umfeld besser kennenlernen.

7. Zielliste

Eine gute Übung der positiven Psychologie bei Kindern kann sein, dem Kind dabei zu helfen eine Liste der kurz-und langfristigen Ziele zu erstellen. Die Ziele sollten machbar und nicht zu kompliziert sein. Wenn man sieht, wie man das erreicht, was man sich vorgenommen hat, fühlt man sich gut und wird ein bisschen glücklicher.

Übersetzung aus dem Spanischen. Originalartikel: Andrea García Cerdán, Psychologin bei CogniFit.

Zirkadianer Rhythmus: Deine innere Uhr

Warum tendieren wir eigentlich dazu eher spät zu Bett zu gehen und morgens zu verschlafen? Und warum ist der Jetlag, wenn wir nach Amerika reisen nicht so schlimm, wie wenn wir nach Russland fliegen? Der zirkadiane Rhythmus (auch circadiane Rhythmik: cR), unsere innere Uhr, ist ein Biorhythmus und gibt einen inneren 24-Stunden-Takt vor, der den Tagesablauf von Mensch und Tier maßgeblich beeinflusst. Einen Einblick darin, wie er genau funktioniert und was passiert, wenn unsere biologische Uhr nicht intakt ist, gibt dieser Artikel.

“Everything in the universe has a rhythm, everything dances.” 

Maya Angelou

Die innere Uhr: Warum gehen wir eigentlich oft zu spät ins Bett?

Wir tanzen alle zum gleichen Beat

Ebbe und Flut wechseln sich innerhalb von etwa 25 Stunden zwei Mal ab. Das hängt zu einem großen Teil mit dem Mond zusammen. Ein Mondphasenzyklus von Neumond zu Neumond beträgt in der Regel 29,5 Tage. Der Mond kreist nämlich um die eigene Achse und auch um die Erde. Die Erde braucht übrigens 23 Stunden und 56 Minuten, um sich einmal um sich selbst zu drehen und dann kreist sie dabei auch noch um die Sonne. Dafür braucht sie ein Jahr. Das Universum scheint einem Rhythmus zu folgen und jedes Element tanzt dabei im eigenen Beat. Und so beeinflusst der Beat eines Elements ein anderes Element. So dirigiert und tanzt das Universum also vor sich hin. Und wir? Wir tanzen auch. Die Neuronen in unserem Gehirn schwingen zum Beispiel und mit jedem Atemzug weiten sich unsere Lungen und ziehen sich dann wieder zusammen – mal schnell, mal langsam, aber immer folgen sie dabei einem Rhythmus – den unserer inneren Uhr.

Fast alle physiologischen Funktionen unterliegen dem sogenannten zirkadianen Rhythmus (cR)

Im Gegensatz zu den beschriebenen Umweltrhythmen werden die Rhythmen, die von einem Lebewesen aus gehen, als Biorhythmen bezeichnet. Auch der Schlaf-Wach-Rhythmus, Schlafstadien, Bewegung und Sprache gehören dazu. Diese Rhythmen betreffen nicht nur uns Menschen, sondern sind auch bei Tieren und Pflanzen zu finden. So sind Eichhörnchen in der Regel tagesaktiv, Rotwild ist besonders während der Dämmerung aktiv und Hamster sind bekanntlich nachtaktive Tiere. Weiterhin lassen sich Biorhythmen nach ihrer Länge unterteilen. So wird die circadiane, infradiane und ultradiane Rhythmik unterschieden.

Die cR, unsere innere Uhr, bezieht sich auf einen inneren 24-Stunden-Rhythmus. Das beste Beispiel ist der Schlaf-Wach-Rhythmus des Menschen, aber auch der vieler Tiere. Infradiane Rhythmen sind deutlich länger, wie zum Beispiel der Vogelzug und der Winterschlaf bei anderen Tieren. Auch der weibliche Menstruationszyklus gehört zu der Kategorie der infradianen Rhythmik. Ultradiane Rhythmen sind hingegen deutlich kürzer als der 24-Stunden-Rhythmus. Ein leicht nachvollziehbares Beispiel ist wohl der Herzschlag. Ein Herz schlägt in der Regel zwischen 60 und 100 Mal die Minute, das sind 100.000 Herzschläge pro Tag. Aber zurück zur cR, um die es in diesem Artikel gehen soll…

Die innere Uhr: Wieso uns eigentlich eine Stunde am Tag fehlt

Schlägt man “circadiane Rhythmik” im Lexikon nach, steht da so etwas wie “[eine] 1954 von F. Halberg eingeführte Bezeichnung für eine biologische Dynamik, die durch endogene Oszillationen metabolischer oder physiologischer Aktivität oder des Verhaltens mit einer Periodizität von ungefähr 24 (20-28) Stunden verursacht wird”. Damit ist gemeint, dass die Schwingungen innerhalb des Körpers entstehen und nicht äußerlich “angestoßen” werden. Durch diese Schwingungen kommt es dann zu Aktivität. Nahezu alle körperlichen Funktionen unterliegen der circadianen Rhythmik, so auch die Körpertemperatur und der Cortisol-Spiegel. Spannend ist, dass (Tages)Licht zwar einen Einfluss als Zeitgeber hat – das ist gerade jetzt im Übergang zur Herbst/ Winterzeit wieder zu spüren – allerdings bleibt der Zyklus auch dann erhalten, wenn Licht als Taktgeber fehlt. Das weist daraufhin, dass die Rhythmen und Länge des Zyklus biologisch determiniert sind.

Funfact: Auch ohne externe Zeitgeber, wie zum Beispiel Tageslicht, steuert die cR unsere sogenannte “biologische Uhr”. Allerdings folgen Menschen natürlich (ohne externe Informationen) eher einem 25-Stunden- als einem 24-Stunden-Rhythmus. Deshalb tendieren wir eher dazu immer etwas später zu Bett zu gehen und aufzuwachen. Auch verkraften wir einen Jet-Lag in Richtung Westen (der Tag bekommt zusätzliche Stunden) besser, als eine Reise in Richtung Osten (der Tag verkürzt sich).

Der Hypothalamus stellt eine wichtige Quelle für die cR dar. Der dort lokalisierte suprachiasmatische Kern (engl. suprachiasmatic nucleus, kurz: SCN) gilt damit als einer der Schrittmacher des cR bzw. der inneren Uhr. Es wird davon ausgegangen, dass es noch weitere innere Uhren im System des Menschen gibt, die unabhängig oder auch unter Einfluss des SCN arbeiten. Dieser Kern hat gerade einmal eine Größe von < 0.3 mm3. Untersuchungen haben gezeigt, dass sie bei elektrischer Stimulation des Kerns die cR verschiebt. Bei Läsion des SCN werden körperliche Funktionen und Verhalten, wie Schlaf-Wach Rhythmus oder Hunger maßgeblich beeinflusst.

Was passiert, wenn die innere Uhr aus dem Takt kommt

Nicht nur eine physische Verletzung, z.B. des SCN, kann zu einer Störung der cR führen. Auch äußerliche Faktoren, wie Schichtarbeit, Lichtmangel im Winter und künstliche Lichtreize, wie zum Beispiel durch Mobiltelefone, Fernseher und Computer, am Abend führen kurz- oder langfristig zu einer Beeinflussung des Biorhythmus. Folge sind häufig Schlaf- und Essstörungen sowie Leistungseinbrüche und Energieverlust bis hin zu depressiven Verstimmungen und psychischen Erkrankungen. Äußerlich können beschleunigte Altersprozesse und Übergewicht die Folge sein.

Was wir tun können & was gerade in der Welt passiert

Es lohnt sich daher die innere Uhr durch aktive Maßnahmen zu unterstützen. Die beste Möglichkeit ist es dabei, Schlaf- und Essrhythmen beizubehalten. Die Zeiten des Zubettgehens und Aufstehens am Wochenende sollten sich daher nicht zu sehr von den Zeiten unter der Woche unterscheiden. Insgesamt sollte aber darauf geachtet werden, dass der Körper täglich ca. 8 Stunden Schlaf bekommt. Weiterhin sollten Mahlzeiten regelmäßig eingenommen werden, das hilft der Verdauung und dem Schlaf-Wach-Rhythmus. Gerade in der Winterzeit sollte die Licht- sowie Vitamin-D-Zufuhr aktiv geregelt werden. Das einfachste Mittel ist es, während der Sonnenstunden mehr Zeit an der frischen Luft zu verbringen. Das lässt sich durch Spaziergänge während der Mittagspause und am Wochenende integrieren. Auch Tageslichtlampen können unterstützend wirken. Bevor Präparate eingenommen werden, die den Vitamin-D-Haushalt regulieren, sollte Rücksprache mit einem Arzt gehalten werden, um zu überprüfen, ob tatsächlich ein Vitamin-D-Mangel vorherrscht. Nicht Zuletzt sollte am Abend der Gebrauch von elektronischen Medien eingegrenzt werden, die artifizielles Licht (Blaulicht) abgeben und damit den Melatoninspiegel senkt. Melatonin ist auch als Schlafhormon bekannt, das der Körper vermehrt zum Abend hin ausschüttet und das für eine wichtige Rolle für erholsamen Schlaf und somit die innere Uhr spielt

Übrigens ging der diesjährige Nobelpreis für Medizin an eine Gruppe von Forschern aus den USA, die wichtige Erkenntnisse zu der Kontrolle der cR durch molekulare Mechanismen lieferten.

Weitere Quellen: http://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/circadianer-rhythmus/2197

Farbpsychologie: Wie beeinflussen uns Farben und was bedeuten sie?

Die Bedeutung der Farben hat einen großen Einfluss darauf, wie wir bestimmte Dinge in unserem Alltag wahrnehmen. Was ist die Farbpsychologie? Wie beeinflussen die Farben unsere Emotionen? Was vermitteln die einzelnen Farben in unterschiedlichen Kulturen? Wir alle verbinden mit jedem Farbton ein bestimmtes Gefühl und verschiedene Konzepte. In diesem Artikel werden die Grundsätze der Farbpsychologie näher beleuchtet, die Anwendung dieser in der Praxis erklärt und praktische Tipps zur eigenen Anwendung genannt.

Farbpsychologie

Farbpsychologie: Was ist das und wozu ist sie gut?

Die Farbpsychologie untersucht, wie uns die Farben beeinflussen. Farben können die Wahrnehmung verändern, unsere Emotionen beeinflussen, Gefühle in uns auslösen, usw… Farben haben die Macht unsere Aufmerksamkeit und unser Gedächtnis zu verbessern und können uns sogar davon überzeugen, bestimmte Entscheidungen zu treffen. Die Bedeutung der einzelnen Farben zu kennen ist also ein wichtiger Schlüssel, um unser eigenes Verhalten besser zu verstehen.

Der Einfluss der Farben kann komplett unsere Vorstellung zu einem bestimmten Element oder Raum verändern. Stelle dir einmal ein Spielzeug für kleine Kinder vor. Wahrscheinlich denkst du an knallige bunte Farben mit starken Kontrasten, die lebendig und energetisch wirken. Wenn wir uns das gleiche Objekt jetzt komplett schwarz mit silbernen Elementen vorstellen … Stößt uns das vor den Kopf?

Es kann sein. Es gibt für bestimmte Elementgruppen sowas wie einen Farbkodex. Wir knüpfen im Laufe unseres Lebens bestimmte Assoziationen. Dabei stützen wir uns auf das, was wir täglich sehen ohne uns darüber ernsthaft Gedanken zu machen. Wenn wir aber auf einmal eine blaue Banane sehen, gelbe Erbsen oder einen neongelben Baum, können wir nur staunen.

Die Farbpsychologie ist ein Forschungsfeld, das sich ständig weiterentwickelt. Sie zu beherrschen ist wichtig für alle Kreative oder Firmen, wenn sie neue Produkte entwickeln und vermarkten wollen. Die Bedeutung der Farben zu kennen kann aber jedem dabei helfen, nicht in eine spezielle Falle zu tappen, das beste Geschenk für eine Freundin in Abhängigkeit ihrer Persönlichkeit auszusuchen oder um sich in seinem eigenen Zuhause wohlzufühlen.

Farben beeinflussen deine Emotionen und deine Laune. Farbpsychologie: Gehirn und Emotionen.

Wir sind einer großen Menge von Reizen ausgesetzt und führen viele verschiedene Aufgaben aus. Unser Gehirn ist zu jeder Tageszeit mit verschiedensten Herausforderungen konfrontiert. Wir haben dabei nicht die Zeit, all die Reize zu verarbeiten, die wir über unsere Sinnesorgane aufnehmen.

Aus diesem Grund sparen uns die Assoziationen viel Zeit, die wir über so grundlegende Aspekte wie Farben oder Formen entwickeln,  da diese Verarbeitung automatisch geschieht.

Außerdem sind wir unglaublich emotional. Die Farben interagieren mit unserem Gedächtnis, wecken unsere Gefühle und geben der Vernunft eine Richtung. Sie erinnern uns an angenehme Dinge, wie diese knallgelben Gummistiefel, die wir als kleines Kind hatten oder es irritiert uns ein T-Shirt in der Lieblingsfarbe unsere Exfreundin zu sehen.

Es ist gar nicht notwendig die Theorien der Farbpsychologie in aller Tiefe zu kennen, um zu wissen, dass Farben wie rot und rosa mit der romantischen Liebe und Erotik assoziiert werden (wenn der Valentinstag im Anmarsch ist, dominiert diese Farbe jedes Kaufhaus).  Wenn wir eine Einrichtung betreten, welche in diesen Farben dekoriert ist, (in angemessener Form)kann es vorkommen, dass wir uns daran erinnern, wie verliebt wir doch gerade sind und dass wir dieser Person eine Aufmerksamkeit schenken könnten.

Was bedeutet jede einzelne Farbe in der Psychologie?

Über dieses Thema wurden schon hitzige Debatten geführt. Experten wie Psychologinnen, Soziologen, Sprachwissenschaftlerinnen, oder Marktforscher untersuchen und interpretieren die Bedeutung der Farben. Sie untersuchen Ausdrücke wie “grün vor Neid zu sein” oder “das Leben durch eine rosarote Brille zu sehen”. Sie untersuchen die häufigsten Farben für eine bestimmte Produktkategorie oder führen unzählige Studien mit verschiedenen Bevölkerungsgruppen durch.

Was bedeutet die Farbe Weiß

Die Farbe des Schnees, der Milch, der Baumwolle oder dem Hochzeitskleid. Weiß steht für einen Neuanfang, Leichtigkeit, Perfektion, Reinheit, Frieden, Unschuld, usw.

Im Krankenhaus ist Weiß eine vorherrschende Farbe, sie wirkt steril und vermittelt Ruhe. Die weißen Kittel werden eingesetzt, um einen guten Eindruck zu hinterlassen. Weiß ist eine makellose Farbe, sie ist neutral und sauber.

Ein weißes unbeschriebenes Blatt zu sein eröffnet uns eine Welt voller Möglichkeiten, kann aber auch Unwohlsein auslösen, wenn wir nicht wissen, wie wir es füllen sollen.

Farbpsychologie: Was bedeutet die Farbe Weiß

Was bedeutet die Farbe Gelb?

Die Farbe Gelb wird mit positiven Konzepten wie Optimismus, Jugend, Vertrauen und Kreativität assoziiert. Lächelnde Gesichter wie das Smiley sind gelb und es ist unwahrscheinlich, dass wir uns an einem traurigen Tag ein gelbes T-Shirt anziehen. Es ist die Farbe der Sonne, des Goldes, oder liebenswerter Tiere wie Giraffen oder Küken.

Gleichzeitig ist Gelb aber auch eine widersprüchlich Farbe. Sie ist mit Verrat, Habsucht, Lügen, Verrücktheit oder Warnungen assoziiert. Die Farbe wurde außerdem mit aus der Gesellschaft ausgeschlossenen und verstoßenen Gruppen in Verbindung gebracht, wie den Juden oder Prostituierten. In China jedoch ist Gelb die Farbe, welche am meisten wertgeschätzt wird, weshalb sie hier so gut wie keine negative Bedeutungen hat.

Was bedeutet die Farbe Orange?

Die Farbe Orange erregt sofort Aufmerksamkeit. Diese Farbe findet sich einigen Früchten und Gemüsesorten und erscheint uns bei Rothaarigen auch so besonders.

Viele Dinge, die wir als rot bezeichnen sind eigentlich orange, wie das Feuer oder Dächer. Laut der Farbpsychologie steht Orange für Extravaganz, Energie, Transformation und das Einzelne.

Was bedeutet die Farbe Rot?

Rot ist die leidenschaftlichste aller Farben, sie alarmiert uns und zieht unmittelbar die Aufmerksamkeit auf sich. Gemäß der Farbpsychologie wird Rot mit Liebe, Blut, der Freude, Strafen, der Nähe, Krieg oder dem Verbotenen verbunden. Sie erscheint auf den Ampeln, den Rabattschildern auf den Preisschildern, oder dem Essen. Sie ist die Farbe des Notfalls.

Es ist unmöglich ihr zu entgehen, wir können die Korrekturen in einer Aufgabe nicht übersehen und nicht verhindern einem roten Lippenstift Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn du eine unfehlbare Nachricht verbreiten willst und Aufmerksamkeit erlangen willst, nutze die Farbe Rot. Sich in dieser Farbe zu kleiden zieht ebenfalls mehr Blicke auf sich und beeinflusst die sexuelle Anziehungskraft, sowohl bei Menschen als auch bei Tieren.

Was bedeutet die Farbe Rosa?

Laut der Farbpsychologie steht Rosa für Weiblichkeit, Zärtlichkeit, Feinheit, Sanftheit, Sensibilität, Höflichkeit, Freude, Erotik, usw. Sie kann auch infantil wirken und mit der Kindheit und Jugend in Verbindung gebracht werden. 

Von einer großen Anzahl an Personen wird Rosa geradezu geliebt, diese Leute kaufen sich alles was sie nur können in dieser Farbe, andere wiederum verabscheuen die Farbe, sehen sie als irritierend, sexistisch oder kitschig an.

Farbpsychologie: Was bedeutet die Farbe Rosa

Was bedeutet die Farbe Violett

Die Farbe Violett ist unüblich und rätselhaft. Der Farbpsychologie zur Folge, wird diese Farbe der Luxuswelt, der Religion und der Sexualität zugeschrieben. Violette Gegenstände strahlen etwas attraktives und ambivalentes aus. Es ist keine sehr häufige Farbe in der Natur und steht bei richtiger Verwendung über dem Rest.

Die Farbe wurde mit Homosexualität assoziiert und vom Feminismus adaptiert. Sie reflektiert Nostalgie, Phantasie, Banalität, Ehrgeiz, Eitelkeit, Unbeständigkeit, usw. Wie man sehen kann handelt es sich um eine Farbe mit vielen ambivalenten Bedeutungen, was ihr viel Potential verleiht, wenn man sie kreativ nutzen möchte.

Was bedeutet die Farbe Blau

Blau ist die Farbe, die am häufigsten als Lieblingsfarbe genannt wird. Laut der Farbpsychologie symbolisiert Blau Harmonie, Treue, Sympathie, Frieden, Fassung, Vertrauen, Ehrlichkeit, Kommunikation, usw. Es sollte einen also nicht verwundern, dass viele soziale Netzwerke und Firmen diese Farbe in ihrem Logo tragen.

Aber es gibt auch negative Konnotationen, so scheint Blau kalt und distanziert. Die Farbe ist für Essen beispielsweise unangebracht und lässt uns misstrauisch werden. Die meisten Menschen würden darauf verzichten ein blaues Püree zu essen. Trotzdem erscheint die Farbe für viele Dinge sehr geeignet, wie beispielsweise seine Wand in einem beruhigenden blauen Farbton zu streichen.

Farbpsychologie: Was bedeutet die Farbe Blau

Was bedeutet die Farbe Grün

Grün ist die Farbe die am meisten mit der Natur in Verbindung steht. Sie erinnert uns an Gras, Jugend, Hoffnung, Gesundheit, Fruchtbarkeit, Geld, usw. Gemäß der Farbpsychologie ist Grün frisch und harmonisch, strahlt Jugend, Ruhe und Frieden aus. Leute mit einem Umweltbewusstsein bezeichnen sich als “grün”.

Es ist aber auch keine komplett unschuldige Farbe, so wird sie mit Gift assoziiert (giftgrün), die meisten Bedeutungen sind jedoch durchaus positiv.

Was bedeutet die Farbe Braun

Braun steht für Faulheit, Schmutz, Vulgarität, Hässlichkeit. Braun kann fad und altmodisch wirken. Braun ist eine der am wenigsten wertgeschätzten Farben.

Nichtsdestotrotz steht Braun auch für Holz und den Herbst, die Farbe erinnert uns an gemütliche, warme und angenehme Orte. Die Farbe findet sich auch in Lebensmitteln wieder, wie Schokolade oder Fleisch. Im Sommer gebräunt zu sein ist auch gerade sehr angesagt. Braun ist eine Farbe, die in unserer Umgebung sehr präsent ist und verschiedenste Assoziationen auslöst.

Farbpsychologie: Was bedeutet die Farbe Braun

Was bedeutet die Farbe Grau

In der Farbpsychologie repräsentiert Grau hauptsächlich Alter und Nüchternheit. Sie kann dunkel sein, für Mittelmaß stehen und Dinge verbergen wie die “Grauzone”. Andererseits erinnert uns die Farbe auch an die “graue Substanz” oder die Eleganz in der Mode.

Was bedeutet die Farbe Schwarz

Genau wie bei der Farbe Weiß gibt es eine offene Debatte darüber, ob Schwarz überhaupt eine Farbe ist oder nicht. Laut der Farbpsychologie steht Schwarz in Verbindung mit der Nacht, Macht und dem Tod. Sie steht für Ablehnung, Mysterium, Trauer, Hass, Grausamkeit, usw. Die Leute assoziieren schwarze Katzen mit Pech und niemand hat gerne einen schwarzen Tag. Schwarz steht für ein schweres und gewaltvolles Ende.

Trotzdem ist Schwarz eine grundlegende Farbe in jedem Kleiderschrank und umgibt uns überall. Die Farbe ist sehr praktisch für eine Abendveranstaltung, oder um elegant zu wirken.

Farbpsychologie: Was bedeutet die Farbe Schwarz

In dem Buch Wie Farben wirken von Eva Heller werden die Bedeutungen der Farben sehr detailliert beschrieben. Es diente auch als Grundlage für diesen Artikel. 

Die Bedeutung der Farben in den verschiedenen Kulturen

Es gibt Untersuchungen dazu, ob die Einteilung der Farben etwas natürliches ist oder durch die Gesellschaft definiert wird. Berlin und Kay kommen nach Untersuchungen in verschiedenen Kulturen zu dem Schluss, dass es allgemeine Tendenzen in allen Kulturen gibt, die Farben zu kategorisieren. Es wird davon ausgegangen, dass es 6 Grundfarben gibt, um die sich die restlichen gruppieren. Bei den Grundfarben herrscht Einigkeit, bei der Anordnung der weiteren Farben gibt es jedoch Unterschiede.

Bezüglich der Bedeutung von Farben ist es beispielsweise in unserem Kulturkreis nicht gut angesehen mit knalligen oder hellen Farben auf eine Beerdigung zu gehen. In Asien hingegen ist die Farbe der Trauer Weiß. Diese Farbe passt besser zur Vorstellung der Wiedergeburt. Doch auch in Europa wurde diese Farbe vor vielen Jahren bei Frauen verwendet, die sich in große weiße Gewänder hüllten.

Auch in unserer eigenen Kultur sind die Bedeutungen von Farben nicht unumstößlich. Die Tradition, das Mädchen in Rosa und Jungs als Babys in Hellblau gekleidet werden, begann erst etwa 1920. In den letzten Jahren wird dieser Brauch deutlich kritisiert. Im Laufe der Zeit werden die Bedeutungen von Farben neu definiert und neue Konventionen entstehen, die eines Tages vielleicht in Vergessenheit geraten oder sich je in Abhängigkeit der aktuellen Mode verändern.

Die Bedeutung der Farben variiert auch zwischen den einzelnen Personen. Wir können eine Farbe auf eine bestimmte Art wahrnehmen oder auf eine andere. Das hängt von aktuellen Trends, unserem emotionalen Zustand oder der Lebensphase in der wir uns gerade befinden, ab. Die Farbe Schwarz gut zu finden nimmt mit dem Alter ab (ohne kleine Kinder mitzuzählen), da diese im Laufe der Zeit immer mehr mit Negativem assoziiert wird.

Nicht alle sehen wir die Farben gleich. Man darf die Menschen nicht vergessen die eine Farbfehlsichtigkeit besitzen oder jene, die auch die kleinsten Farbnuancen unterscheiden. Es gibt auch Menschen mit Synästhesie, die Farben “hören” oder “schmecken” können. Das bedeutet aber nicht, dass die Farbpsychologie besonders variabel oder subjektiv ist. Wenn man den Kontext gut analysiert, kann sie sehr hilfreich sein.

Farbpsychologie: Ihre Anwendung

Farben wurden verwendet, um Krankheiten zu heilen; sie sind Teil von fast allen Beschreibungen, die wir machen und es wurde viel darüber spekuliert, welche Beziehung es zwischen Farben und der Persönlichkeit gibt. Tatsächlich tendieren wir dazu Farben auszuwählen, die im Einklang mit unserer aktuellen Stimmung sind und bei denen wir glauben, dass sie uns repräsentieren. Im Folgenden wird die alltägliche und professionelle Anwendung erläutert.

Die Bedeutung der Farben für Kreative

Es ist möglich, dass die ersten Berufe die uns einfallen, wenn wir an Farben und Farbpsychologie denken, mit der Kreativität zusammenhängen. Designer (Grafikdesigner, Modedesigner, Innenarchitekt, Produktdesigner, usw.) Künstler, Leute aus der Werbebranche, usw. Bei all diesen ist es wichtig, zu wissen wie die Leute ticken, um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen und mit ihnen zu kommunizieren. Die visuellen Kommunikationsmittel sind voller Beispiele. Es ist nicht schwer zu erkennen, dass sich die Farben eines Nachrichtenprogramms von denen unterscheiden, die für eine Sendung für Kinder verwendet wird.

In einer Gesellschaft herauszustechen, die so Reiz überflutet ist, ist eine schwierige Mission. Dank der Farbpsychologie ist es jedoch möglich sich besser mit seinem Publikum in Verbindung zu setzen und Emotionen in ihm auszulösen. Die Reaktionen des Publikums zu bestimmten Farben hervorzusagen ist unabdingbar, um eine Nachricht richtig und effektiv zu überbringen. Wenn du über die Prävention von Autounfällen sprechen wollen würdest, welche Farbe würdest du verwenden?

Die Bedeutung der Farben für Unternehmen

Das Image eines Unternehmens ist grundlegend für dessen Erfolg. Wenn man von einem Erfrischungsgetränk und der Farbe rot spricht, brauchen wir keine weiteren Hinweise, um zu wissen welche Marke gemeint ist. Um ein kohärentes Bild abzugeben und sich in unser Gehirn einzubrennen, repräsentieren Marken in ihrem Logo und den restlichen visuellen Elementen ihre Persönlichkeit mithilfe von Farben. Diese sind grundlegend für Marketingstrategien.

Man stelle sich vor eine Restaurantkette würde auf Unternehmensfarben verzichten und sich in jedem Restaurant anders präsentieren, unsere Erinnerung an diese Kette wäre viel schwächer und unorganisierter. Folglich würden sie viele Möglichkeiten verpassen neue Kunden zu gewinnen und zu halten. Das Image ist nicht alles, aber es hilft auf jeden Fall. Gerade in der heutigen wettbewerbsstarken und sich rasant ändernden Zeit.

Tatsächlich verändern auch einige Unternehmen ihre Farben, in Abhängigkeit von dem Zielpublikum und den aktuellen sozialen Tendenzen. Es ist kein Zufall, dass einige Marken ihre gewöhnlichen Farben zu Grün hin verändern, die Farbe die wie keine andere für ökologisch, gesund und umweltbewusst steht.

Farben sind nicht nur für das Publikum wichtig. Auch Mitarbeiter können ihr Wohlbefinden und ihre Produktivität steigern, wenn sie an einem Ort arbeiten, an dem sie sich wohl fühlen. Ein geschlossener Ort mit viel Schwarz und wenig Licht kann dazu führen, dass sich die Leute eingeengt fühlen und so wenig Zeit wie nur möglich an diesem Schreibtisch verbringen möchten.

Wenn man diese Wände aber weiß streicht und ein paar grüne, blaue und noch warme Farbreflexe hinzufügt, wird es vielleicht zu einem gemütlicheren Ort.

Die Bedeutung der Farben im Alltag

Farben beeinflussen uns auch bei unseren ganz alltäglichen Entscheidungen. Seit wir klein sind, werden wir nach unserer Lieblingsfarbe gefragt und jeder hat dabei seine eigenen Präferenzen. Die meisten Objekte und Gegenstände sind in mehreren Farben verfügbar. Das heißt wenn wir beispielsweise eine Tasse kaufen wollen, ist es wahrscheinlich, dass wir ohne groß zu zögern die nehmen, deren Farbe uns am besten gefällt.

In anderen Situationen müssen wir aber mehrere Variablen beachten. Wenn wir ein Auto kaufen, sollten wir sicher gehen die richte Entscheidung zu treffen. Wir werden es wahrscheinlich lange benutzen und viel Zeit mit ihm verbringen. Es kann sein, dass wir etwas Gewagtes wollen wie Orange, dann ist es aber möglich, dass es uns irgendwann nicht mehr gefällt und wir ganz verrückt werden, wenn wir das Auto sehen.

Andererseits kann ein Auto in einer diskreteren Farbe wie Schwarz oder Dunkelblau Nachts schlechter gesehen werden. Bei einem weißen Auto bemerkt man sofort das kleinste bisschen Schmutz und vielleicht wollen wir doch lieber etwas fröhlicheres? Über dieses Dilemma wird sich meistens lange der Kopf zerbrochen und das Thema mit Freunden und Familie ausdiskutiert.

Nützliche Empfehlungen für die Anwendung der Farbpsychologie

1 Unsere Lieblingsfarbe ist nicht immer die Beste für alles

Es kann sein, dass uns Violett unglaublich gut gefällt, wir uns aber irgendwann unwohl in unserem Zimmer fühlen, wenn so gut wie alles darin Violett ist. Bei der Kleidung hingegen kann man mit Violett auf jeden Fall Aufmerksamkeit erregen. Vor allem dann, wenn man sie mit Komplementärfarben wie Orange kombiniert. Man sollte sich überlegen, welche Funktion das besagte Objekt oder der Raum haben wird, bevor man eine Farbe wählt.

2 Der Kontext ist enorm wichtig, um Farben auszuwählen und zu interpretieren

Wir wissen nun bei der Farbauswahl von kulturellen Faktoren und den Umständen einer Situation. Einen Kandidaten für eine Stelle als Anwalt in einem knall-grünen Anzug zum Vorstellungsgespräch erscheinen zu sehen, könnte uns komisch vorkommen. Trotzdem kann man neue Farbkombinationen oder gewagtere und extravagantere Farben ausprobieren.

3 Der Schlüssel liegt in der Kombination einzelner Farben

Vielleicht müssen wir einen Brief schicken oder ein Schild gestalten und haben alle Elemente der Farbpsychologie bereits beachtet. Doch noch weitere Aspekte müssen gut abgewogen werden, beispielsweise den Effekt die bestimmte Farben haben, wenn man sie kombiniert. Braun zusammen mit Gold, Gelb oder Orange repräsentiert den Herbst. Wenn man Braun jedoch mit Grau und Schwarz kombiniert, verwandelt es sich in eine trostlose, wenig ausdrucksstarke und konservative Farbe.

4 Farben müssen auch funktional sein

Wer hat es nicht schon mal bereut mit dem neuen weißen Oberteil Spaghetti Bolognese zu essen? Es gibt Farben die sind resistenter gegenüber Schmutz, andere angebrachter bei Hitze und wiederum andere so unauffällig, dass man mit ihnen in der Masse untertauchen kann.

Wenn wir beispielsweise ein Schild gestalten oder einen Brief schreiben, müssen wir uns vergewissern, dass die Schrift auf dem ausgewählten Hintergrund gut lesbar ist. Auch wenn es uns wunderschön erscheint mit hellrosa Schrift auf einem weißen Blatt zu schreiben, so lässt sich eine gelbe Schrift auf schwarzem Hintergrund tausend Mal besser lesen. Das ist übrigens die Kombination, die sich am allerbesten wahrnehmen lässt.

5 Verwende Farben, um dein Gedächtnis zu verbessern

Wenn man sich auf eine Prüfung vorbereitet und dabei nicht weiß, wie man sich diese langweilige Liste merken soll, versuche mal jeden Abschnitt mit einer bestimmten Farbe in Verbindung zu bringen. Eselsbrücken und Assoziationen sind die Basis für unser Lernen. Wenn du beispielsweise eine Präsentation machst, kannst du mithilfe von Farben auch die Erinnerungen deines Publikums verbessern. Nutze die Farbpsychologie, um Wichtiges hervorzuheben und bringe einzelne Farben mit einer bestimmen Bedeutung in Verbindung.

6 Sei kohärent

Wenn du ein Unternehmen hast oder darüber nachdenkst eines zu gründen, überlege dir gut, was du vermitteln möchtest. Wenn du das gut analysiert hast, evaluiere, was deine Marke tun muss, um dies zu erreichen. Es ist wichtig, dass all deine Markenelemente untereinander kohärent sind. Ein professioneller Designer, welcher diese Aspekte beachtet, kann dabei helfen eine Geschäftsidee erfolgreich in die Tat umzusetzen.

Vielen Dank für das Lesen des Artikels. Bei Fragen und Anregungen kann gerne ein Kommentar hinterlassen werden.

Übersetzt aus dem Spanischen. Original: Ainhoa Arranz Aldana, Autorin bei CogniFit.

Ich träume, also kann ich. Luzides Träumen als Lebenshilfe

Luzides Träumen, auch “klar träumen” genannt, bezeichnet das Phänomen sich darüber bewusst zu sein, dass man sich in einem Traum befindet und diesen wiederum steuern zu können. Im folgenden Artikel werden das luzide Träumen und die wissenschaftlichen Erkenntnisse hierzu näher beleuchtet. Außerdem wird Schritt für Schritt erklärt, wie man das luzide Träumen lernen kann.

Luzides Träumen

Wenn der Lebensstil zur Therapie wird: Klarträumen als Problemlösung

Klarträumen (Luzides Träumen, lucid dreaming) – Was ist das?

Ein Klartraum (lucid dream) ist ein Traum, in dem man weiß, dass man gerade träumt. Diese Erkenntnis kann man nutzen, um den Trauminhalt zu beeinflussen und den Traum nach seinen Wünschen zu gestalten. Träume, was du träumen willst! Im Klartraum kann man fliegen, durch Wände gehen oder Gegenstände telekinetisch bewegen – abseits von physikalischen und sozialen Gesetzeszwängen kann man alles tun, was man sich vorstellen kann. Die Klarheit darüber, dass man träumt, ist dabei ein Kontinuum und nicht etwa an oder aus. Man kann während man träumt genauso fast klar sein (präluzid) wie richtig trüb (unwissend) und völlig klar (hellwach) sowie alles dazwischen. Klarheit ist dabei zu unterscheiden von Kontrolle. Beides hängt miteinander zusammen, aber es ist möglich, völlig klar zu sein und überhaupt keine Kontrolle (Macht) über den Trauminhalt zu haben, als auch völlig trüb zu sein und trotzdem in der Lage, die Traumumgebung zu beeinflussen. Klarträumer nennen sich auch Oneironauten, von griechisch „oneiros“= Traum und „nautes“=Seefahrer, also Traumreisende übersetzt.

Ein “Funny Fact” ist: Man kann sich nie sicher sein, dass man wach ist. Man kann sich nur sicher sein, dass man träumt.

Empirische Evidenz oder wie der Laie fragt: „Ist das wissenschaftlich bewiesen?“

Vorneweg: Man kann wissenschaftlich nichts beweisen. Das wissen (fast) alle Wissenschaftler, aber sie hängen es verständlicherweise nicht so gern an die große Glocke. Man kann nur Wahrscheinlichkeitsaussagen machen. Das können Sie in der nächsten Diskussion anbringen, wenn sich mal wieder jemand hinstellt und behauptet XY wäre doch aber wissenschaftlich bewiesen. Sollte das nicht helfen, habe ich hier eine zweite Keule für Sie: wissenschaftliche Aussagen sind immer falsch, wenn nur genügend Zeit ins Land geht. Das ist ja das Gute an der Wissenschaft: sie entwickelt sich und stellt sich bestenfalls selbst in Frage und auf den Kopf.

Aber nun zur Frage, was die Wissenschaft zum Klarträumen (Luzides Träumen) sagt. Lange Zeit galt in der Wissenschaft und insbesondere in der Schlafforschung luzides Träumen als Mythos und Legende. Es wurde als esoterisch abgetan und nicht beachtet. Einige Wissenschaftler wie Keith Hearn und Stephen LaBerge wussten es aus eigener Erfahrung besser. Aber wie sollten sie „beweisen“, dass Klarträume existieren? Es brauchte einen Pionier-Oneironauten, der ein Signal aus der Traumwelt in die Wachwelt senden würde – und genau das setzten beide um: Ende der 70er Jahre (Keith Hearn) und Anfang der 80er (Stephen LaBerge) wurde der „Beweis“ erbracht – ein Oneironaut funkte zum ersten Mal Signale aus der Traumwelt in die Wachwelt.

Wie war das möglich? Während der REM-Phase (rapid eye movement – Phase), in der für gewöhnlich die lebhaftesten und buntesten Träume auftreten, ist die gesamte Muskulatur bei gesunden Menschen gelähmt – die gesamte Muskulatur außer der Atem- und der Augenmuskulatur (Das soll wahrscheinlich verhindern, dass die Traumbewegungen in real ausagiert werden). Die Augen springen in dieser Phase oft wild umher, so wie im Wachleben auch, wenn Menschen die Umgebung abscannen. Normalerweise folgen diese Augenbewegungen keinem Muster. Diese REM-Phase wurde mithilfe des von Berger 1929 entwickelten EEGs von Aserinsky und Kleitman 1953 entdeckt. Man war also in der Lage, einigermaßen genau und verbindlich festzustellen, ob jemand schlief und träumte, wenn man ihn an ein EEG anschloss. Das machten sich Hearn und LaBerge zu Nutze und trugen ihren Oneironauten auf, sobald sie klar werden würden, die Augen rhythmisch von links nach rechts und wieder zurück zu bewegen. Diese im EEG (und im EOG) erkennbaren Muster (LRLR) gab es vorher nicht. Somit war das Signal gesendet und das luzide Träumen „bewiesen.“ Trotzdem wollte die Fachwelt davon nichts wissen. LaBerge hatte damit zu kämpfen, dass seine Erkenntnisse publiziert wurden. Aber letztlich wurden sie es. [Aktualierung vom 02.09.2017 17:09 h Ich habe gerade mit dem Co-Autor des Werkes “Schöpferisch Träumen” Kaleb Utecht telefoniert. Nach seiner Aussage stammt die Idee für die Versuchsachanordnung weder von LaBerge noch von Hearn, sondern von Paul Tholey, der die Idee zu diesem Experiment schon 1975 in “Gestalttheory” veröffentlicht haben soll. Aktualisierung Ende] Und dann kam in Deutschland der legendäre Paul Tholey, hier zu sehen in einem der seltenen Fernsehauftritte, welche kontrovers diskutiert werden. Er lernte seinerzeit an der Uni, dass Träume immer schwarz-weiß wären. Das glaubte er nicht und brachte sich selbst das Klarträumen bei, um (für sich selbst) den Gegenbeweis anzutreten.

Heute weiß man, dass die Nachkriegsgeneration oft in schwarz-weiß träumt, wahrscheinlich, weil diese Generation das Fernsehen in der Kindheit so erlebte. Der Professor von Tholey war offensichtlich einer dieser Schwarzweißträumer und schlussfolgerte von sich auf alle Menschen.

Paul Tholey entwickelte strenge Klarheitskriterien. Ich muss gestehen, dass ich wahrscheinlich noch keinen einzigen Klartraum hatte, auf den alle diese Kriterien gleichzeitig zutrafen.

Die Kriterien für luzides Träumen sind:

  1. Der Träumer ist sich darüber im Klaren, dass er träumt.
  2. Der Träumer ist sich über seine Entscheidungsfreiheit im Klaren.
  3. Das Bewusstsein ist klar, es gibt keine traumtypische Verwirrung oder Bewusstseinstrübungen.
  4. Die Wahrnehmung der fünf Sinne ist genau wie im Wachzustand.
  5. Es besteht Klarheit über das Wachleben, also darüber, wer man ist oder was man sich für den Klartraum vorgenommen hat.
  6. Nach dem Traum gibt es eine klare Erinnerung.
  7. Der Träumer ist sich über den Sinn des Traums im Klaren.

Vor allem Punkt 3 und Punkt 7 sind meines Erachtens nur schwer zu erfüllen. Ich stelle mir das Klartraumbewusstsein wie eine farbige Brille vor. Wenn das Wachbewusstsein eine Sonnenbrille wäre, welche die Farbe Gelb hätte, und das Traumbewusstsein eine Sonnenbrille mit der Farbe Blau wäre, dann stelle ich mir vor, das Klartraubewusstsein wäre eine Mischung: also grün, weil sich Wachbewusstsein und Traumbewusstsein übereinander schieben. Nach diesem Modell wäre es unmöglich, Tholeys Punkt 3 (keine traumtypische Verwirrung oder Bewusstseinstrübung) überhaupt zu erreichen.

Heute weiß man dank MRT-Studien, dass im Klartraum Teile des präfrontalen Kortexes zugeschaltet werden, gleichsam einer Kamera, die das Geschehen filmt (siehe Bild).

Elisa Filevich und ihr Team fanden außerdem heraus, dass bei Klarträumern das Brodmannareal 10 im präfrontalen Kortex vergrößert ist. Das Bordmannareal 10 macht man für Metakognition (also das Denken über das Denken) verantwortlich. Es ist allgemeiner Konsens, dass, wenn das Bewusstsein irgendwo im Gehirn lokalisiert ist, es wohl im Kortex sein muss – dem evolutionsbiologisch jüngsten Teil des Gehirns. Vor allem der präfrontale Kortex (hinter der Stirn) ist da ein heiß gehandelter Kandidat.

Heute arbeiten brilliante Wissenschaftler an der weiteren Erforschung des Klarträumens, die noch in den Kinderschuhen steckt – zum Beispiel Martin Dresler in Nijmegen, Daniel Erlacher in Bern, Melanie Schädlich in Heidelberg, Michael Schredl in Mannheim und Brigitte Holzinger in Wien.

Wozu ist luzides Träumen gut?

Luzides Träumen: Therapeutische Zwecke

“Mein erster Klartraum (und das ist nicht unüblich) entstand aus einem Alptraum; Geister kreisten mich ein und bedrohten mich, indem sie den Kreis immer enger zogen. In diesem Moment sprang zum ersten Mal eine Metakognition an und flüsterte mir zu: „Das hier ist zu schrecklich! Das muss ein Traum sein!“ Ich dachte mir, wenn das ein Traum ist, dann kann ich mich vielleicht daraus wecken. Ich versuchte, mit meinen Fingern meine Augenlider auseinanderzuziehen, damit ich im realen Leben meine Augen öffnen würde – und siehe da: ich wachte auf. Zu diesem Zeitpunkt war ich Vorschuldkind oder gerade erst eingeschult; hätte ich gewusst, dass ich auch im Traum bleiben kann und angenehm weiterträumen kann – dann wäre ich heute ein weitaus geübterer und erfahrener Klarträumer als ich es jetzt bin. Aber diese wertvolle Information erhielt ich erst im Jahr 2013, im Alter von 37 Jahren.”

Wenn Sie jünger sind und das hier lesen, können Sie sich freuen, dass Sie die frohe Botschaft früher erfahren. Wenn Sie älter sind, machen Sie sich keine Sorgen: es ist selten zu früh und nie zu spät! Ich denke nicht, dass das Alter irgendeine einschränkende Funktion hat, das Klarträumen zu erlernen. Gut, man lernt generell schneller, wenn man jung ist – das will ich nicht abstreiten, aber das Alter sollte nicht als Ausrede herhalten müssen, diese wunderbare Möglichkeit an sich vorbeiziehen zu lassen. Meine Oma hat immer gesagt: „Ich bin alt wie eine Kuh und lerne immer noch dazu!“

Nach der überaus wirksamen Bekämpfung von Alpträumen könnte man das luzide Träumen auch therapeutisch bei der sogenannten PTBS (posttraumatischen Belastungsstörung) einsetzen. Darüber liegen leider noch keine Studien vor und es ist Vorsicht geboten – eine Retraumatisierung sollte natürlich beim Einsatz des Klarträumens vermieden werden.

Und zu guter Letzt könnte das luzide Träumen endlich eine wirksame psychologische Intervention bei Schizophrenie zu sein. Darüber existieren auch noch keine Studien, aber der Schluss liegt nahe, dass bei Schulung der Metakognition auch die Einsicht in Wahnzustände verbessert werden kann. Außerdem legen MRT-Studien nahe, dass das Zusammenspiel dreier Netzwerke im Gehirn durch das Klartraumtraining verändert und damit auch verbessert werden kann. Das ist zum einen das Ruhezustandsnetzwerk DMN (default mode network), das beim Tagträumen aktiviert ist. Bei einigen Erkrankungen kommt es zu Veränderugnen im DMN, hierunter auch die Schizophrenie.  Das “dorsal attention network“ ist sozusagen der Gegenspieler und wird aktiviert, wenn das Gehirn extern zugeführte Reize und Aufgaben verarbeiten muss. Das „frontoparietal(e) control system“ ist das dritte Netzwerk im Bunde, das die Aktivität der anderen beiden Netzwerke steuert. Scannerbefunde führen zu der Vermutung, dass luzides Träumen das Zusammenspiel dieser Netzwerke positiv beeinflussen kann.

Wie gesagt: bis jetzt sind das alles nur unbestätigte Hypothesen basierend auf der Annahme, dass Psychosen und Träume ähnliche neurophysiologische Korrelate haben und dass eine Psychose quasi ein „fehlgeleiteter“ Traum im Wachzustand ist, aber dieser Ansatz ist vielversprechend und es wäre möglich, dass so endlich ein Heilmittel gegen Schizophrenie gefunden werden kann.

Luzides Träumen: Effekte

Im Netz finden sich viele Spiele, die vorgeben das Gehirn zu trainieren, das sind meist kleine Spiele oder Denk-, Merk- oder Rechenaufgaben, die das Gehirn trainieren sollen und so einen positiven Effekt auf die Gehirnleistung oder sogar das Wohlbefinden haben sollen. Vielen von diesen Übungen fehlt jedoch jegliche wissenschaftliche Grundlage, da sie weder wissenschaftlich validiert wurden, noch in einen therapeutischen Rahmen eingebettet sind. Bei diesen Spielen ist es wie wenn man Intelligenztests übt, dann besser abschneidet und dann behauptet, intelligenter zu sein – ist man aber nicht, sondern nur geübter in Intelligenztests.

Luzides Träumen hat Auswirkungen auf Selbstwirksamkeitserwartung, Wohlbefinden, Verbindung zur Intuition, Achtsamkeit und Metakognition. Ähnlich wie Yoga oder Entspannungsübungen hat das Luzide Träumen also positive Auswirkungen – es dauert nur länger, bis diese eintreten, dafür erhält man diese dann aber geballt und nicht so allmählich wie beim Yoga.

Fazit: Sport, Yoga, luzides Träumen – das alles sind mühsame Tätigkeiten, die viel Überwindung des inneren Schweinehundes erfordern (Erfahre hier, wie man Motivation für Sport aufbringen kann). Das erzeugt kognitive Dissonanz, die wiederum Kognitionen erzeugt wie: „Das ist alles nicht wirksam, nicht für mich, viel zu anstrengend, mache ich irgendwann mal, wenn ich Zeit und Muße habe.“ Oder „Ich bin zu alt, zu ungeeignet, zu irgendwas.“

Warum sonst wird Sporttherapie in den meisten Psychiatrien angeboten, kognitives Training aber nur vereinzelt? Das hat einen Grund. Und die Patienten sind oft nicht motiviert, sich in der Sporttherapie anzustrengen – davon können die Therapeuten und das Klinikpersonal ein Lied singen. Dabei ist es die Interventionsmethode mit der größten Effektstärke und mit dem besten Aufwand-Nutzen-Verhältnis.

Luzides Träumen: Nicht-klinische Anwendungen

Luzides Träumen hat viele andere Auswirkungen. Man kann im Traum Sportarten und Bewegungsabläufe trainieren und es hat einen positiven Effekt auf den Gleichgewichtssinn. Man kann Instrumente schneller lernen. Man kann seine Kreativität steigern. Klarträumen kann beim Problemlösen helfen. Es steigert die Selbstwirksamkeit und das Wohlbefinden. Wenn Traumyogis und Buddhisten sagen, die Wirklichkeit wäre ein Traum, dann meinen sie, so denke ich, diese Selbstwirksamkeit und die Plastizität der Realität. Die Wirklichkeit ist plastischer und damit traumähnlicher als wir denken.

Bewusstseinsforschung

Das Bewusstsein ist ein Mysterium. Klartraumforschung könnte helfen, dieses Mysterium wenigstens teilweise aufzuhellen. Der Begriff Bewusstsein wird oft mehrdeutig verwendet. Wenn wir etwas als bewusst bezeichnen, können wir intensiv, metakognitiv, absichtlich, aufmerksam und mit sich selbst identifizierend oder reflexiv meinen oder alles zusammen. In der Psychologie galt lange Zeit alles als bewusst, was verbalisierbar war und dementsprechend war ein notwendiges aber nicht hinreichendes Merkmal des Unbewussten die Unaussprechlichkeit. In der aktuellen Bewusstseinsforschung teilt man das Bewusstsein ein in „basal“ und „higher-order“. Zum basalen oder primären Bewusstsein gehören zum Beispiel Wahrnehmungen und Emotionen, wie sie im normalen Trübtraum auftreten. Higher-order Bewusstsein wie Metakognition und Traumeinsicht (bzw. die Einsicht in den aktuellen Bewusstseinszustand) treten im luziden Traum und im Wachbewusstsein bei Menschen auf.

Wie lerne ich das luzide Träumen (Klarträumen)?

4 Schritte zum ersten Klartraum

Schritt 1: Ein Muss für jeden Oneironauten ist das Traumtagebuch. Damit fängt alles an und damit hört es auf, wenn man es vernachlässigt. Nehmen Sie Stift und Schreibblock und legen Sie beide neben ihr Bett, um der „Traumlöschfunktion“ zuvorzukommen. Alternativ können Sie die Träume in ein Diktiergerät oder eine entsprechende App sprechen, Hauptsache, sie zeichnen Sie irgendwie auf. Das übt die Traumerinnerung und fördert die Erinnerung an das Traumbewusstsein und wie es sich „anfühlt“.

Schritt 2: Setzen Sie sogenannte Wachposten, heißt, trainieren Sie das prospektive Gedächtnis. Autosuggerieren Sie sich, aufzuwachen sobald Sie geträumt haben, nehmen Sie sich vor, sich an Ihre Träume zu erinnern und natürlich: nehmen Sie sich vor, den Traum als solchen zu erkennen. Üben Sie das Setzen von Wachposten im Alltag. Nehmen Sie sich vor, das nächste Mal, wenn Sie am Punkt X vorbeikommen, sich an Y zu erinnern. Das ist ein Wachposten. Ihr Gehirn speichert das ab und wird Sie mit erhöhter Wahrscheinlichkeit wissen lassen, dass Sie und was Sie sich vorgenommen haben. Einen gut gesetzten Wachposten erkennt man daran, dass er vorher schon immer wiederauftaucht, um sich aufzufrischen, bevor der Ernstfall dann eintritt.

Schritt 3: Machen Sie sogenannte Reality Checks (RCs). Ein RC testet, ob Sie gerade träumen. Es gibt eine Vielzahl von RCs – suchen Sie sich Ihren Liebling aus! Ich zähle gern meine Finger, denn im Traum sind es meistens mehr oder weniger als 5 – keiner weiß warum, aber es ist so. Eine andere Möglichkeit ist, sich die Nase zuzuhalten und zu versuchen, durch die geschlossene Nase zu atmen. Im Traum wird das funktionieren, weil Sie sich ja nur „virtuell“ die Nase zu halten und tatsächlich weiteratmen. Sie können etwas lesen, wegschauen und es erneut lesen. Im Traum sollte es sich verändert haben (das ist der Lieblingsrealitycheck von LaBerge).  Sie können versuchen zu schweben oder den Lichtschalter betätigen. Im Traum sollte das Licht nicht angehen. Oder fragen Sie sich, wo Sie vor Kurzem waren – im Traum fehlt Ihnen diese Erinnerung.

Schritt 4: Unterbrechen Sie Ihren Schlaf (sogenanntes Wake-back-to-Bed (WBTB)). Schlafunterbrechungen führen nachweislich zu vermehrten Klarträumen. Aber achten Sie darauf, mindestens einmal pro Nacht mindestens 4 Stunden zu schlafen, weil sonst das Somatropin (ein wichtiges Hormon für den Knochenerhalt) nicht ausgeschüttet werden kann und es wichtig für die Gesundheit ist, genug Schlaf zu bekommen.

Kombinieren Sie diese Methode mit Schritt 2, nehmen Sie sich vor, nach einem Traum aufzuwachen. Gelingt dies, schreiben Sie ihn auf und dann tun Sie Folgendes: Legen Sie sich wieder ins Bett und versuchen, möglichst lange bewusst zu bleiben. Bewegen Sie sich nicht. Nach einiger Zeit sollten Lichtblitze vor Ihrem inneren Auge entstehen. Beobachten Sie diese. Sie werden zu Mustern, werden bunt und plastischer (sogenannte Hypnagogien) und wenn Sie Glück haben, können Sie auf diese Weise den gesamten Einschlafprozess bis in den Traum hinein bewusst verfolgen. Irgendwann in diesem Prozess setzt die Schlafparalyse ein, heißt, Sie spüren, dass Ihre Muskeln völlig erschlaffen. Kann sein, dass es sich wie ein Fallen oder wie ein Sog in den Traum anfühlt. Dann haben Sie es geschafft: Gratulation zu einem erfolgreichem WILD (wake-induced-lucid-dream)! Aber seien Sie nicht enttäuscht, wenn es nicht klappt. Kein WILD-Versuch ist umsonst, denn er steigert die Wahrscheinlichkeit enorm, dass Sie später im Traum bewusst werden.

Für Interessierte gibt es ein deutsches Klartraumforum.

Luzides Träumen: Zusammenfassung/Fazit

Die meisten Menschen haben schon mal erlebt, dass es möglich ist, im Traum zu wissen, dass man träumt. Einige wenige können sich diesen Zustand gar nicht vorstellen, andere – noch wenigere – kennen gar nichts anderes. Aber: Luzides Träumen kann man trainieren. Die Menschen, die sich diesem Hobby verschrieben haben, nennt man auch Oneironauten (griechisch von: oneiros = Traum und nautēs  = Seefahrer) also übersetzt: Traumreisende.

Ein Klartraumtraining kann in vielerlei Hinsicht sinnvoll sein; am offensichtlichsten  – und auch schon erforscht – ist der Einsatz gegen Alpträume. Niemand muss unter Alpträumen leiden – das ist eine frohe Botschaft, die gar nicht so bekannt ist, wie man annehmen würde. Außerdem hat das Max-Planck-Institut in Berlin mithilfe von MRT-Studien herausgefunden, dass Hirnareale im präfrontalen Kortex, die für Metakognition zuständig scheinen, bei Klarträumern vergrößert sind. Metakognition ist das Denken über das Denken (und Fühlen) und erinnert stark an den Begriff der Achtsamkeit. Und Achtsamkeit ist bekanntermaßen ein adäquates Mittel bei psychischen Problemen oder generell bei der Lebensbewältigung.

Ein Klartraumtraining erfordert einigen zeitlichen Aufwand, Anstrengung und Willenskraft, aber eines soll hier nicht unerwähnt blieben: es macht auch einen heiden Spaß. Besonders wenn sich erste Erfolge einstellen, berichten viele von euphorischen Erlebnissen und ungeheurer Motivation und Energie über das nächtliche Erlebnis hinaus, die über Stunden bis Tage anhalten. Stellen Sie sich vor, wie es sein wird, über das Donautal zu fliegen einfach kraft Ihres Bewusstseins und Ihres Willens. Wie wird es sich körperlich anfühlen, das erste Mal durch eine Wand zu gehen? Wie fühlt es sich an, das Geschlecht zu wechseln? Oder als Tiger durch den Urwald zu streifen und von Fels zu Fels zu springen? All das und viel mehr – im Prinzip alles, was Sie sich vorstellen können – wird möglich sein…

Antisoziale Persönlichkeitsstörung – zur Manipulation geboren?

Manipulativ, gefühlskalt und rücksichtslos, sie überrennt andere Personen und ihre Bedürfnisse geradezu, ohne dabei auch nur die geringste Reue zu empfinden – die antisoziale Persönlichkeitsstörung ist eine anerkannte Persönlichkeitsstörung, die noch weit über das typische Klischee des heimtückischen Managers oder manipulativen Vermögensberaters hinausgeht. Doch wo liegt die Grenze zwischen egozentrisch-berechnend und einer Persönlichkeitsstörung?

Personen mit einer antisozialen Persönlichkeitsstörung sind oft egozentrisch und manipulativ

Antisoziale Persönlichkeitsstörung – Symptome und Diagnose

Besonders auffällig und bezeichnend für die antisoziale Persönlichkeitsstörung – auch dissoziale Persönlichkeit genannt –  ist eine überdauernde Tendenz, mit dem eigenen Verhalten die Rechte anderer zu missachten oder zu verletzen. Mit Rechten sind dabei nicht unbedingt juristische Grundrechte gemeint, sondern es geht vor allem um gesellschaftliche Werte und Normen, die mitmenschliche Interaktionen regeln und den Umgang in sozialen Situationen regulieren.
Diese Tendenz ist in der Regel bereits in der Kindheit erkennbar, indem das Kind schon im Kindergarten oder in der Schule auffällig häufig Regeln missachtet, Unterricht schwänzt, zum eigenen Vorteil lügt, randaliert oder stiehlt.

Die antisoziale Persönlichkeitsstörung zieht sich häufig bis ins Erwachsenenalter durch, wo sie in schwerwiegenderer Kriminalität und Gewalt enden kann, aber nicht muss. Viele antisoziale Persönlichkeiten sind gut sozial eingebettet und sehr erfolgreich, da sie risikofreudig sind und es ihnen aufgrund ihrer Rücksichtslosigkeit nicht schwerfällt, andere Personen zu manipulieren oder zu übergehen. Dies wird dadurch erleichtert, dass betroffene Personen durchaus sehr charmant sein können, wenn es ihrem Vorteil dient, und die Emotionen anderer leicht wahrnehmen, auch wenn ihr eigenes Gefühlsspektrum eher beschränkt ist.

Im DSM-V, einem Klassifikationssystem von psychischen Störungen, ist die antisoziale Persönlichkeitsstörung dem 2. Teilbereich B zugeordnet, welcher dramatische und emotionale Persönlichkeitsstörungen beschreibt. Die hier klassifizierten Merkmale der antisozialen Persönlichkeitsstörung, von denen mindestens 3 zur Diagnose der Störung erfüllt sein müssen, lauten wie folgt:

  • Verletzung der Rechte anderer; hiermit ist vor allem die fehlende Rücksicht auf gesellschaftliche Normen und Regeln gemeint
  • Impulsivität oder Versagen, vorausschauend zu planen
  • mangelndes Verantwortungsbewusstsein, Verantwortungslosigkeit vor allem in Bezug auf finanzielle, berufliche oder soziale Verpflichtungen
  • Gefühllosigkeit, fehlende Reue
  • Reizbarkeit, erhöhte Aggressivität und häufige Beteiligung bei körperlichen Übergriffen
  • Rücksichtslosigkeit, keine Beachtung der Gefühle, Rechte und Sicherheit anderer Menschen
  • Falschheit, in der Regel ausgedrückt durch wiederholtes Lügen, falschen Identitäten oder Manipulation anderer zum eigenen Vorteil

Charakteristisch ist für Personen mit einer antisozialen Persönlichkeitsstörung, dass sie lediglich ihren eigenen Vorteil zu erfüllen versuchen. Sie empfinden kaum Schuldgefühle, wenn sie sich über Normen hinwegsetzten und andere Menschen dabei vor den Kopf stoßen, da sie sich kaum für die Empfindungen anderer verantwortlich fühlen – auch, wenn sie mit ihrem Verhalten erst für diese Empfindungen sorgen.

Nicht jeder, der ab und zu aufgrund einer rücksichtsloseren und manipulativeren Art sozial aneckt, leidet aber unter einer antisozialen Persönlichkeitsstörung.

Derzeit schätzt man, dass etwa 3% aller Männer und ca. 1% der Frauen die genannten Symptome ausreichend erfüllen und an einer antisozialen Persönlichkeitsstörung leiden. Besonders hoch ist die Konzentration antisozialer Persönlichkeiten aufgrund ihrer Reizbarkeit und der niedrigen Aggressionsschwelle unter Gefängnisinsassen; verschiedene Studien schätzen, dass zwischen 25 und 40% der Strafgefangenen darunter leiden.

Doch woher kommt diese extreme Ausprägung der Symptome überhaupt, die so weit geht, dass sie sogar als Persönlichkeitsstörung anerkannt ist?

Wie entsteht eine antisoziale Persönlichkeitsstörung?

Es gibt verschiedene Theorien, die die Entstehung einer antisozialen Persönlichkeitsstörung zu erklären versuchen. Die wahrscheinlichste und umfassendste Erklärung bietet dabei das Zusammenspiel von biologischen, sozialen/umweltbezogenen und psychischen Faktoren.

Verschiedene Untersuchungen legen nahe, dass die antisoziale Persönlichkeit genetisch beeinflusst zu sein scheint. Eine große Rolle wird hier dem sogenannten MAO-A-Gen zugesprochen, welches das Vorkommen verschiedener Stoffe wie Serotonin, Dopamin und Noradrenalin im Gehirn reguliert. Liegt dieses Gen in einer besonders schwachen Form vor, so kann es vermehrt zur Entwicklung einer antisozialen Persönlichkeitsstörung kommen.
Weiterhin stellten einige Forscher die These auf, dass Personen mit einer antisozialen Persönlichkeit Anomalien im Gehirn, vor allem im Frontalhirn, aufweisen. Diese Anomalien betreffen unter anderem das limbische System, die Amygdala, den Hippocampus und weitere Bereiche des Frontalhirns.
Familiäre Häufung spricht ebenfalls für einen genetischen Einfluss auf die antisoziale Persönlichkeitsstörung, da sie oft gehäuft bei mehreren Personen innerhalb einer Familie auftritt und auch Zwillingsstudien einen starken genetischen Einfluss bestätigen.

Diese familiäre Häufung und genetische Basis scheint durch Risikofaktoren aus der Umwelt weiter begünstigt zu werden. Es gibt demnach einige Umweltfaktoren, die die Entstehung einer antisozialen Persönlichkeitsstörung fördern. Dazu zählen unter anderem Missbrauch, elterliche Vernachlässigung und geringe Erziehungskompetenz, sowie das Aufwachsen in einer eher kriminellen Umwelt. Diese Umweltfaktoren können über Lernprozesse und Imitation dazu führen, dass das Kind eine antisoziale Persönlichkeit entwickelt. Mangelnde Liebe und Zuwendung in der Kindheit führt gemäß einiger psychoanalytischer Theorien dazu, dass kein Grundvertrauen zu anderen Menschen aufgebaut wird und deswegen kaum Beziehungen, Emotionen oder Mitgefühl entwickelt werden. Empfindungen anderer Menschen werden daher ebenso übergangen, wie die eigenen Gefühle in der Kindheit übergangen wurden.

Einige Forscher klassifizieren die antisoziale Persönlichkeitsstörung oft als eine Unterform der Psychopathie, wobei die beiden nicht identisch sind, sondern durchaus zu unterscheiden sind, da die Psychopathie eine noch sehr viel ausgeprägtere Form der antisozialen Persönlichkeit darstellt und noch weitere Diagnosekriterien enthält.

Die antisoziale Persönlichkeitsstörung tritt häufig zeitgleich mit anderen Störungen auf und geht oft mit Alkohol– und Drogenkonsum einher.

Therapie der antisozialen Persönlichkeitsstörung

Wie vorher erwähnt, findet sich ein Teil der Personen mit antisozialen Persönlichkeitsstörungen im Gefängnis wieder – dies ist für die Behandlung der Störung jedoch keine gute Alternative. Das einfache Wegsperren der Betroffenen hilft ihnen nicht zu lernen, wie sie mit ihren Charakterzügen umgehen können. Da Betroffene grundsätzlich wenig Reue empfinden bringen negative Erfahrungen, die aus dem gezeigten Verhalten resultieren, in der Regel keinerlei Lerneffekte mit sich, sondern erhöhen lediglich die mit der Störung einhergehende Aggression.
Bisher sind kaum Psychopharmaka bekannt, die bei dieser Störung zuverlässig und dauerhaft wirken.

Die Therapie der antisozialen Persönlichkeitsstörung gestaltet sich grundsätzlich als schwierig, da die Betroffenen – gegeben durch die Natur und die Merkmale der Störung – schlecht mitarbeiten, impulsiv und aggressiv reagieren, eine schlechte Compliance und hohen Widerstand gegen eine Therapie aufbringen und nur selten selbst eine Krankheitseinsicht zeigen – sie schätzen ihr Verhalten selbst eher als sehr normal und angemessen ein. Personen mit antisozialer Persönlichkeitsstörung haben daher in der Regel wenig Motivation, sich überhaupt für eine Therapie anzumelden – sie werden eher z.B. vom Arbeitgeber oder vom Gefängnispersonal dafür eingetragen –  geschweige denn dabei aktiv mitzuarbeiten.

Ist eine Person mit antisozialer Persönlichkeit doch willig, sich in therapeutische Behandlung zu begeben, ist vor allem Verhaltenstherapie, gezielt ausgerichtet auf spezifische Bereiche, sinnvoll, um die Persönlichkeitseigenschaften der Betroffenen langfristig zu modifizieren, Verhaltensmuster zu durchbrechen und so aggressive und gewalttätige Tendenzen zu reduzieren, damit ein besseres Sozialleben möglich ist. Diese spezifischen Bereiche umfassen zum Beispiel Trainings zu Aggressions – und Ärgerkontrolle, Problemlösetraining, Empathietraining und ethisches Training, um die soziale Kompetenz zu verbessern. Das Ziel ist hierbei ebenfalls, den Betroffenen alternative Handlungsmöglichkeiten nahezulegen, auf die sie in kritischen Situationen zurückfallen können.

Der Therapieerfolg ist daher abhängig von der Motivation der betroffenen Person, der Ausprägung der Störung, und der Art der Therapie – im Gegensatz zu vielen anderen psychischen Krankheiten und Störungen sind die Ergebnisse einer Therapie der antisozialen Persönlichkeitsstörungen jedoch leider von wenig Erfolg gekrönt.

Das Prämenstruelle Syndrom (PMS): Das Leiden vor der Periode

Das prämenstruelle Syndrom (PMS): gehört haben fast alle schon mal davon. Doch oft wird das Leiden der Betroffenen belächelt, da “ja nur die Hormone ein bisschen verrückt spielen”. Bei einigen Frauen ist das prämenstruelle Syndrom jedoch so stark ausgeprägt, dass man hier besser von der prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDS) sprechen sollte. Eine Störung, die es bis jetzt noch nicht in das in Deutschland verwendete Klassifikationssystem für medizinische Diagnosen ICD geschafft hat und auch in den USA erst seit kurzer Zeit als eigenständige Störung im dortigen DSM zu finden ist. Im Folgenden wird erklärt, was das prämenstruelle Syndrom bzw. die prämenstruelle dysphorische Störung eigentlich ist, welche Symptome die Betroffenen zeigen, welche Ursachen dahinter stecken und welche Möglichkeiten der Behandlung es gibt. 

Das prämenstruelle-Syndrom: psychische und/oder körperliche Beschwerden in der zweiten Zyklushälfte

Während der Periode klagen Frauen häufig über Bauchkrämpfe oder müssen sich zumindest mit lästigen Hygieneartikeln wie Binden und Tampons herumschlagen (ein Hoch auf die Menstruationstasse als Alternative). Doch nicht nur das. Bereits vor der Menstruation leiden zahlreiche Frauen an körperlichen und psychischen Beschwerden: dem prämenstruellen Syndrom (PMS) – auch bekannt als die “Tage vor den Tagen”.

Was ist das Prämenstruelle Syndrom (PMS)?

Das prämenstruelle Syndrom (PMS) zeichnet sich durch akute körperliche und psychische Beschwerden aus, die bei einer Frau unmittelbar vor ihrer Regelblutung auftreten. Fast die Hälfte aller Frau nimmt Veränderungen in der zweiten Zyklushälfte, also nach dem Eisprung, wahr. Wie ausgeprägt diese Veränderungen sind, und ob diese mehr psychischer oder physischer Natur sind, variiert hierbei sehr zwischen den betroffenen Frauen. Etwa 35% aller Frauen berichten davon, Anzeichen von PMS zu verspüren und etwa 5% leiden so sehr darunter, dass sie sich in ihrem Alltag stark beeinträchtigt fühlen. Da jedoch nicht genau festgelegt ist, welche Beschwerden nun das prämenstruelle Syndrom definieren, gibt es sehr verschiedene Zahlen darüber, wie viele Frauen betroffen sind.

Fest steht, dass einige Frauen lediglich über leichte Stimmungsveränderungen, Wassereinlagerungen oder Heißhunger klagen, während andere unter starken psychischen Symptomen leiden. Betroffene Frauen haben auch nicht zwangsläufig jeden Zyklus diese Beschwerden und leiden nicht unbedingt jedes Mal unter den gleichen Symptomen. Die Beschwerden des prämenstruellen Syndroms verschwinden normalerweise beim Eintreten der Monatsblutung und sind somit von den Beschwerden der Menstruation abzugrenzen. Es ist jedoch auch möglich, dass die Symptome darüber hinaus anhalten. Unter dem prämenstruellen Syndrom leiden am häufigsten Frauen zwischen 30 und 40 Jahren. Die Symptome verstärken sich später bis hin zu den Wechseljahren, nach Ausbleiben der Regelblutung verschwinden diese dann vollständig.

Prämenstruelles Syndrom (PMS) Symptome

Die Symptome sind sehr vielfältig und auch die Symptomstärke variiert von Frau zu Frau. Die Dauer dieser Symptome unterscheidet sich ebenfalls zwischen den Betroffenen. Einige Frauen klagen nur wenige Tage über zwei bis drei Beschwerden, andere leiden die gesamte zweite Zyklushälfte unter einer Reihe von Symptomen. Die geläufigsten Beschwerden lassen sich grob in die folgenden körperlichen und psychischen Symptome unterteilen:

  • Körperliche Beschwerden: Gewichtszunahme; Veränderungen der Haut (bspw. Akne); Wassereinlagerungen im Körper; Magen-Darm-Beschwerden; Durchfall; Unterleibskrämpfe; Müdigkeit, Erschöpfungssymptome, Abgeschlagenheit; Übelkeit und Kreislaufbeschwerden; Rücken- und Kopfschmerzen; Völlegefühl; Migräne; Extreme Sensibilität der Brüste,…
Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen können physische Symptome von PMS sein.
  • Psychische Beschwerden: Stimmungsschwankungen; Antriebslosigkeit; Konzentrationsprobleme; Interessenverlust; Hyperaktivität oder Ruhelosigkeit; Depressionen; Gefühl des Kontrollverlusts; geringes Selbstwertgefühl; Reizbarkeit; Aggressivität; Angstzustände; Heißhunger oder Appetitlosigkeit; grundloses Lachen oder Weinen,…

Bei etwa 3-8% der Frauen sind die psychischen Beschwerden sehr extrem ausgeprägt. Diese Frauen leiden unter der prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDS).

Die prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS)

Die schwerste Form des prämenstruellen Syndroms wird als prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS) bezeichnet. Im Gegensatz zu dem PMS gilt die PMDS als generell behandlungsbedürftig. Denn hier sind die psychischen Symptome Wut, Aggressivität, Reizbarkeit, Depression und Angst so massiv, dass sie die betroffenen Frauen sowohl sozial, familiär und beruflich belasten und einschränken.

In dem für Deutschland gängigen diagnostischen Klassifikiationssystem ICD-10 ist die prämenstruelle dysphorische Störung bislang nicht aufgeführt. Aus diesem Grund ist der Begriff PMDS in Deutschland bislang auch weitgehend unbekannt, was gerade für Betroffene problematisch sein kann. Das im Jahre 2013 veröffentlichte DSM-5 (der in den USA von der Amerikanischen psychiatrischen Gesellschaft herausgegebene diagnostische und statistische Leitfaden psychischer Störungen) listet zum ersten mal die prämenstruelle dysphorische Störung als eigene Störung auf.

Prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS) nach DSM-5

Im DSM-5 ist die PMDS folgendermaßen definiert:

A.
Während mindestens neun der vergangenen zwölf Zyklen bestanden wenigstens fünf der folgenden Symptome (und mindestens eines der Beschwerden eins bis vier) an den meisten Tagen der letzten Woche vor der Menstruation, während sie in der ersten Zyklushälfte nicht vorhanden waren:

  1. Depressive Verstimmungen, Selbstzweifel, Hoffnungslosigkeit
  2. Angst, innere Anspannung, Gereiztheit
  3. Plötzliches, grundloses Weinen, extreme Empfindlichkeit gegenüber Zurückweisungen
  4. Andauernde Wut, aggressives Verhalten
  5. Kaum Interesse für übliche Aktivitäten (Freizeit, Beruf, Schule, Familie, Freunde)
  6. Subjektives Gefühl der Konzentrationsschwäche
  7. Lethargie, Energieverlust
  8. Starke Veränderung des Appetits (unter anderem Verlangen nach bestimmten Lebensmitteln)
  9. Änderung des Schlafverhaltens (Schlafstörungen, deutlich gesteigertes Schlafbedürfnis)
  10. Subjektive Empfindung, außer Kontrolle zu geraten, Überwältigungsgefühl
  11. Körperliche Symptome wie Brustspannen, Kopfschmerzen, Ödeme, Gewichtszunahme

B.
Die Symptome führen zu einem deutlichen beruflichen oder schulischen Leistungsabfall, soziale und andere Aktivitäten werden vermieden.

C.
Die Symptome sind nicht nur eine Verstärkung einer anderen bestehenden psychischen Erkrankung, etwa einer Major Depression, einer Angst- oder einer Persönlichkeitsstörung.

D.
Anhand einer täglichen Einschätzung mithilfe eines PMS-Kalenders über mindestens zwei Menstruationszyklen werden die Punkte A, B und C überprüft.

Mithilfe eines Symptom-Kalenders werden die Beschwerden des prämenstruellen Syndroms dokumentiert

Das prämenstruelle Syndrom (PMS) – Ursachen

Die Ursachen für das prämenstruelle Syndrom (PMS) und der prämenstruellen dysphorische Störung (PMDS) sind nicht vollständig geklärt.

Das prämenstruelle Syndrom (PMS) – Geschlechtshormone

Fest steht, dass die weiblichen Geschlechtshormone Progesteron und Östrogen eine Rolle spielen, denn Frauen, welche diese Hormone nicht produzieren (etwa nach den Wechseljahren, nach einer Entfernung der Eierstöcke), zeigen auch keine PMS oder PMDS Symptomatik. Frauen während der Schwangerschaft ebenso wenig.

Doch die Hormonkonzentration von Progesteron und Östrogen alleine kann die Störung ebenfalls nicht erklären, denn symptomfreie Frauen weisen die gleichen hormonellen Schwankungen auf, wie es Betroffene tun. Denkbar ist, dass betroffene Frauen sensibler auf die natürlichen hormonellen Schwankungen im Zyklus reagieren.

Möglich ist auch, dass die Bindungsstellen des Östrogens an den Nervenzellen bei den betroffenen Frauen defekt sind. Das würde zu einer gestörten Signalübertragung zwischen einzelnen Nervenzellen führen. Somit wäre kein hormonelles Ungleichgewicht für die Beschwerden verantwortlich, sondern eine gestörte Übertragung der Informationen. Das würde auch in Einklang mit den Befunden stehen, dass symptomfreie Frauen den gleichen hormonellen Schwankungen unterliegen wie betroffene Frauen.

Das prämenstruelle Syndrom (PMS) – Der Einfluss des Serotoninspiegels

Es gibt Studien, die darauf hinweisen, dass die Hormone Progesteron und Östrogen einen Einfluss auf den Neurotransmitter Serotonin haben. Die genauen Zusammenhänge zu dem PMS und der PMDS sind jedoch weiterhin unklar. Es wird aber aus diesem Grund gemutmaßt, dass ein gestörter Serotoninstoffwechsel die psychischen Symptome des PMS und PMDS auslöst. Dieser spielt auch bei anderen affektiven Störungen wie der Depression eine wichtige Rolle. Neben einigen Untersuchungen stützt vor allem die Wirkung bestimmter Antidepressiva bei PMS und PMDS, die den Serotoninspiegel im Gehirn erhöhen, diese These.

Das prämenstruelle Syndrom (PMS) – weitere Einflussfaktoren

Neben den Geschlechtshormonen und dem Serotoninspiegel gibt es weitere Faktoren, die einen Einfluss auf das Auftreten der PMS/PMDS-Symptomatik haben können:

Langanhaltender Stress und eine psychische Belastung können die Symptomatik verstärken und zu einem Ungleichgewicht im Hormonhaushalt der Frauen führen.

Ebenso haben die Ernährung und der Verzehr von Alkohol und Nikotin eine Auswirkung. Eine schlechte Ernährung kann bestimmte Symptome verschlimmern (Beispielsweise kann eine sehr salzhaltiger Ernährung die Wassereinlagerungen verstärken). Der Konsum von Alkohol und Nikotin kann dazu führen, dass die Symptome wie Angstzustände oder Kopfschmerzen stärker werden.

Das prämenstruelle Syndrom (PMS) – Behandlung

Für die Behandlung des prämenstruellen Syndroms gibt es keine spezifische Medikation. Da die Ursachen und Zusammenhänge nicht vollständig geklärt sind und ebenfalls verschiedene Auslöser auf komplexe Weise zusammenhängen zu scheinen, erfolgt die Behandlung individuell in Abhängigkeit der jeweiligen Symptome.

Bei weniger starken Beschwerden lassen sich die körperlichen Symptome des prämenstruellen Syndroms oft bereits durch Verhaltensänderungen deutlich lindern. Der Verzicht auf Alkohol und Nikotin in der zweiten Zyklushälfte, eine ausgewogene gesunde Ernährung, sowie körperliche Bewegung und viel frische Luft können das Wohlbefinden deutlich verbessern. Ein geregelter Schlafrhythmus ist ebenfalls förderlich. Bei leichten Beschwerden helfen außerdem Entspannunsübungen, autogenes Training, Yoga oder Massagen.

Auch kognitives Training kann helfen Symptome wie Konzentrationsprobleme oder andere Einschränkungen, die mit depressiver Symptomatik einhergehen können, zu bekämpfen. CogniFit bietet zahlreiche Trainingsprogramme, unter anderem eine neurokognitive Stimulation zur Behandlung von Depressionen. Das kann dabei helfen, die psychischen Beschwerden durch PMS zu lindern.

Medikamentöse Behandlung des prämenstruellen Syndroms:

Am häufigsten werden PMS-typische Symptome mit hormonellen Verhütungsmitteln, wie beispielsweise der Pille, behandelt. Welche dieser Präparate bei PMS wirklich helfen können ist nicht ausreichend erforscht. In den meisten Fällen verschreibt die zuständige Frauenärztin oder der Frauenarzt eine der verfügbaren Pillen mit einer bestimmten Hormonkombination, welche die betroffene Frau dann einfach ausprobiert und guckt, ob die Symptome dadurch nachlassen. Doch auch die Pille und andere hormonelle Verhütungsmittel haben Nebenwirkungen und kommen für Frauen mit Kinderwunsch beispielsweise nicht infrage.

Bei Kopf- Rücken- oder Bauchschmerzen kommen in der Regel klassische nicht-rezeptpflichtige Schmerzmittel zum Einsatz. Klassischerweise sind das Ibuprofen oder Aspirin, die beide schmerzlindernd und entzündungshemmend wirken.

Bei sehr starken Wassereinlagerungen und Spannungsgefühlen in der Brust können auch Diuretika (entwässernde Medikamente) eingenommen werden. Aufgrund von bestimmten Nebenwirkungen und einem Gewöhnungseffekt sollte die Einnahme jedoch unbedingt zuvor mit einem Arzt abgeklärt werden.

Neben diesen Medikamenten kommen teilweise auch Hormonpräparate wie GnRH-Analoga oder Progesteron zum Einsatz. Deren Wirkung bei PMS ist jedoch umstritten, von ihrer Anwendung wird deshalb und auch aufgrund der zahlreichen Nebenwirkungen mittlerweile meistens abgeraten.

Behandlung der prämenstruellen dysphorischen Störung:

Bei der prämenstruellen dyphorischen Störung kommen zur Behandlung auch Medikamente infrage, die sonst bei Depression eingesetzt werden: Antidepressiva. Das geschieht oft dann, wenn die psychischen Beschwerden wie Angstgefühle, Verzweiflung und depressive Verstimmungen das Leben der Betroffenen stark einschränken. In der Regel finden hier selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) Anwendung. Diese Antidepressiva erhöhen die Verfügbarkeit des Serotonins im Gehirn (genauer im Synaptischen Spalt zwischen den Zellen), indem sie die Wiederaufnahme des Serotonins durch die Zellen hemmen. Man geht davon aus, dass Serotonin die Wirkung anderer Hormone beeinflusst, die in der zweiten Zyklushälfte vermehrt ausgeschüttet werden. Es gilt als wissenschaftlich belegt, dass SSRI bei PMS oder PMDS die psychischen Symptome lindern. Dabei werden SSRI teilweise auch nur gezielt in der zweiten Zyklushälfte eingenommen.

Neben einer medikamentösen Behandlung der prämenstruellen dysphorischen Störung können Betroffene auch psychotherapeutische Unterstützung suchen. Gerade ergänzend mit anderen Maßnahmen kann dies sehr hilfreich sein und außerdem zum Verständnis der Störung beitragen. Da gerade in Deutschland die prämenstruelle dysphorische Störung weniger bekannt ist, oder Betroffene oftmals belächelt werden und “die Hormone wohl einfach nur mal wieder verrückt spielen”, kann es sehr erleichternd für die Frauen sein, die körperlichen und psychischen Veränderungen während ihres Zyklus nachvollziehen und verstehen zu können. Viele Frauen wissen lange nicht, was eigentlich mit ihnen passiert und sind dann froh, diese Veränderungen besser einordnen zu können und eine Erklärung für ihr zyklisch immer wiederkehrendes Leid zu haben.

Wenn man also das Gefühl hat, man könnte an PMDS oder einer schweren PMS leiden und sich dadurch eingeschränkt fühlt, sollte man sich unbedingt Hilfe suchen – gerade auch um etwas gegen die psychischen Beschwerden unternehmen zu können.

Bei Fragen oder Anregungen kann gerne die Kommentarfunktion genutzt werden.

Vigilanz: Wachsamkeit bei eintönigen Tätigkeiten

Der Urlaub ist vorbei und man fährt nach Hause. Noch 5 Stunden liegen vor einem. Obwohl die Autobahn komplett leer ist, muss man wachsam sein, jederzeit könnte ein Hindernis auftauchen. Die hier benötigte Wachsamkeit wird auch Vigilanz genannt. Nicht nur bei langen Autobahnfahrten, sondern auch bei anderen eintönigen Tätigkeiten, bei denen adäquat auf selten auftretende Reize reagiert werden muss, ist die Vigilanz unabdingbar. Im folgenden Artikel wird erklärt, was die Vigilanz ist, wie man sie misst, welche Vigilanzstufen es gibt, welche Störungen auftreten können und welche Bedeutung die Vigilanz im Zeitalter der Automatisierung hat. 

Vigilanz bei langen Autobahnfahrten

Vigilanz Definition

Der aus dem Latein stammende Begriff vigilantia bedeutet so viel wie “Wachheit”. Die Wachheit selbst ist ein Teilaspekt des Bewusstseins.

Der Begriff Vigilanz beschreibt in der Medizin, Physiologie und Psychologie Zustände andauernder Aufmerksamkeit bei eintöniger Reizfrequenz. Die Vigilanz bezeichnet den Zustand der Aktivierung des zentralen Nervensystems und kann verschiedene Ausprägungen haben. Sie ist immer ungerichtet, die Aufmerksamkeit konzentriert sich also nicht auf einen bestimmten Reiz, sondern beschreibt einen generellen “Wachheitszustand”, bei welchem ein irgendwann auftretender Reiz wahrgenommen werden muss.

Ein gutes Beispiel ist das Autofahren auf der Autobahn: Bei wenig Verkehr sind die Reize sehr eintönig (eintönige Reizfrequenz) und der Autofahrer muss sich nicht nur auf einen bestimmten Reiz konzentrieren, sondern eine allgemeine und andauernde Aufmerksamkeit zeigen, um so einen plötzlich erscheinenden Reiz (beispielsweise ein Gegenstand auf der Straße) wahrnehmen zu können.

Die Vigilanz unterscheidet sich somit von der Daueraufmerksamkeit, die eine andauernde Aufmerksamkeit bei hoher Reizfrequenz beschreibt, also beispielsweise beim Lesen, wo kontinuierlich neue Reize aufgenommen und verarbeitet werden müssen.

Was ist die Vigilanz?

Eine gesunde wache Person, die sich auf keine bestimmte Sache konzentriert verfügt über einen Bereitschaftszustand, sie ist wach. Das bedeutet, dass plötzlich auftretende Reize die Aufmerksamkeit der Person erregen können. Vigilant zu sein, bedeutet also die Fähigkeit einen willkürlichen, auch schwächeren Reiz wahrnehmen und auf ihn reagieren zu können. Bei bewusster Entspannung geht man in einen bewussten Ruhezustand über, schläft eventuell ein und tritt in die unterschiedlichen Schlafphasen ein. Hier verändert sich die Vigilanz. Welche Vigilanzformen es gibt, wird im nächsten Abschnitt näher erläutert.

Wie sich hieraus bereits schließen lässt unterliegt die Vigilanz individuellen Tagesschwankungen. Diese Schwankungen hängen mit dem zirkadianen Rhythmus und der persönlichen biologischen Uhr zusammen. In den meisten Fällen ist die Vigilanz im Laufe des Vormittags am höchsten ausgeprägt. Aus diesem Grund werden kognitive Funktionstests häufig in diesem Zeitraum durchgeführt. Dadurch lassen sich Störfaktoren und Vigilanzschwankungen reduzieren und die Leistungsfähigkeit einer Person einschätzen.

Welche Formen der Vigilanz lassen sich unterscheiden?

Wie bereits erwähnt ist die Vigilanz keine kategoriale Eigenschaft, die entweder vorhanden oder nicht vorhanden ist, sondern eine graduell ausgeprägte Aktivierung des Gehirns.

Die Hirnaktivität lässt sich also durch verschiedene Vigilanzstadien beschreiben, die sich graduell unterscheiden. Dabei gibt es zwei Extrempole der Vigilanz:

  1. Zum einen die höchstmögliche Erregung, wie sie beispielsweise in einer Schrecksituation auftritt.
  2. Der andere Pol wäre der Zustand eines traumlosen Tiefschlafs. 

Zwischen diesen beiden Polen befinden sich also alle möglichen Zwischenstadien der Aktivierungszustände. Hierbei seien beispielsweise die kritische Aufmerksamkeit, Entspannung, Dösen und leichter Schlaf mit raum-zeitlicher Orientierungslosigkeit und das Träumen genannt.

Jedem der beschriebenen Wachheitszustände kann eine Reihe elektrophysiologischer Befunde gegenübergestellt werden. Mittels Elektroenzephalogramm-(EEG)-Bildern kann ein bestimmtes Stadium der Wachheit gemessen werden. Es lässt sich mithilfe des EEG dementsprechend erkennen, wie stark die ungerichtete Aktivierung einer Person ausgeprägt ist.

Der Hirnfoscher und Psychologe Donald B. Lindsley unterschied anhand von EEG-Leitbildern drei verschiedene Wachheitszustände, bei denen die ersten beiden als passive Wachzustände und der letzte als aktiver Wachzustand bezeichnet wird:

  1. Relaxierter Wachzustand (relaxed wakefulness). Dieser Vigilanzzustand zeichnet sich durch eine spannungsniedrige, niederfrequente, unregelmäßige Grundaktivität des Hirnstrombildes bei verschlossenen Augen auf.
  2. Wache Aufmerksamkeit (alert attentiveness). Ist eine höhere synchrone Grundaktivität des EEG bei geschlossenen Augen.
  3. Starke Erregung (strong excited emotion). Bei diesem Vigilanzzustand zeigt sich ein asynchrones Hirnstrombild mit spannungsniedrigen Erregungsabläufen. 

Steuerung der Vigilanz im Gehirn

Für die Steuerung der Vigilanz ist unter anderem das aufsteigende retikuläre Aktivationssystem (ARAS) verantwortlich. Das ARAS ist ein Kontroll-Modulations-System welches sich im Hirnstamm befindet. Dort werden die Neurotransmitter Noradreanalin, Dopamin und Serotonin gebildet. Diese aktivieren sowohl den Hypothalamus als auch den Thalamus. Die Aktivität des ARAS unterliegt dem zirkadianen Rhythmus. Das ARAS besitzt einen Einfluss auf weite Teile des Körpers. Neben der neuronalen Informationsverarbeitung  beeinflusst die Vigilanz auch die Hormonregulation des Organismus.

Die Amygdala scheint ebenfalls eine wichtige Rolle in der Regulierung der Vigilanz zu spielen. Diese Hirnstruktur, die Teil des limbischen Systems ist, spielt eine entscheidende Rolle bei der Erkennung von emotionalen Reizen.

Vigilanztest: Wie misst man die Vigilanz?

Ein klassischer Test zur Vigilanzmessung wird am Computer ausgeführt. Diese Tests sind so aufgebaut, dass sie monoton und lang andauernd sind, während auf seltene Reize angemessen reagiert werden muss.

Ein Beispiel ist der Mackworth-Clock-Vigilanztest (Mackworth-Uhrentest): Bei diesem Test muss ein Bildschirm beobachtet werden auf dem 24 Kreise kreisförmig, ähnlich einer Uhr angeordnet sind. Ein schwarzer Punkt wandert nun diese “Uhr” entlang von einem Kreis zum nächsten. Ab und zu überspringt der schwarze Punkt einen dieser weißen Kreise. Die Teilnehmer müssen, wenn der Punkt einen Kreis überspringt, einen Knopf drücken. Der eingänglich für Piloten der Royal Air Force entwickelt Test dauert in seiner Ursprungsform zwei Stunden. Die Schwierigkeit des Tests ist es nicht, die Doppelsprünge an sich wahrzunehmen, sondern über längere Zeit wachsam zu sein, wichtig ist also die langanhaltende Belastung.

Vigilanzminderung und Vigilanzstörung 

Aufgrund von psychischen oder körperlichen Krankheiten kann es zur Verringerung der Vigilanz kommen. Neurologisch werden folgende Schweregrade der Vigilanzminderung unterschieden:

Benommenheit: Bewusstsein ist erhalten, aber die Vigilanz ist reduziert. Das Reaktionsvermögen, die Wahrnehmung und Gedächtnisleistung sind herabgesetzt.

Somnolenz: abnorme Schläfrigkeit. Jedoch bleibt die Person ansprechbar und erweckbar.

Sopor: Die betroffene Person ist nicht mehr voll weckbar und befindet sich in einem tiefen Schlaf. Nur sehr starke Reize, wie Schmerzen, lösen eine meist ungezielte Abwehrreaktion aus.

Koma: Ist der schwerste Grad einer Bewusstseinsstörung. Betroffene sind nicht ansprechbar und reagieren nicht auf Außenreize. 

Eine Verminderung der Vigilanz kann auch künstlich eingeleitet werden. Dies ist beispielsweise bei Operationen der Fall, die unter Narkose geschehen. Hier wird die Vigilanz durch Medikation vermindert, damit bei den Patienten keine Empfindungen und Reaktionen auf Schmerzreize erfolgen.

Vigilanz im Alltag: Welche Bedeutung hat die Vigilanz in der automatisierten Welt?

Für Privatpersonen ist der Bereich, in welchem die eigene Vigilanz eine wichtige Rolle spielt, das lange Autofahren. Bestehen hier Defizite bringt man sich selbst als auch andere in Gefahr. Doch wie sieht das eigentlich in anderen Bereichen aus? In vielen Berufen werden Prozesse immer weiter automatisiert. Was früher noch von Hand ausgeführt oder zumindest eingestellt werden musste, wird heutzutage von Computern erledigt. Das ist beispielsweise bei Piloten der Fall, die selbst bei Start und Landung hauptsächlich Prozesse überwachen und während des Flugs so gut wie keine Handlungen ausführen müssen und nur im Notfall eingreifen. Ebenso spielt die Vigilanz für Tätigkeiten in Kontrollzentren von Fabriken, Atomkraftwerk, etc. eine wichtige Rolle. Doch die Automatisierung nimmt nicht nur bei diesen Berufen, sondern auch im Alltag immer weiter zu. Projekte wie selbstfahrende Autos sind mittlerweile keine Vision mehr.

Doch was passiert, wenn unser Alltag weiter automatisiert wird?

Ganz richtig: Durch die Automatisierung nimmt die Zahl der Situationen in denen Prozesse überwacht werden müssen immer weiter zu. Somit wird die Bedeutung der Vigilanz für die Sicherheit im Alltag immer größer. Es ist also extrem wichtig, einen Reiz schnell erkennen, ihn zu verarbeiten und auf diesen reagieren zu können, um bei automatisierten Prozessen im Notfall richtig eingreifen zu können.

Kognitive Fähigkeiten wie die Verarbeitungsgeschwindigkeit oder die Reaktionszeit, die hierbei eine wichtige Rolle spielen, können unter anderem mit den computergestützten Programmen von CogniFit gemessen und trainiert werden. Neben der Verarbeitungsgeschwindigkeit und der Reaktionszeit misst und bewertet CogniFit eine Vielzahl weiterer wichtiger kognitiver Fähigkeiten. Durch das gezielte personalisierte Training können Defizite ausgeglichen werden, was bei der Bewältigung des Alltags und den Anforderungen bei Überwachungsprozessen für eine bessere Leistung sorgen kann.

Kognitive Fähigkeiten spielen eine wichtige Rolle im Alltag

Evaluative Konditionierung: Das Wie und Warum der Meinungsbildung ohne Wissensbasis

Es heißt, man soll ein Buch nicht nach seinem Umschlag beurteilen. Doch weshalb tun wir das und vor allem wie? Ein Prozess namens evaluativer Konditionierung gibt eine Erklärung weshalb das Buch mit dem hübschen Umschlag besser geschrieben ist.

Evaluative Konditionierung

Täglich sind wir einer Vielzahl von Eindrücken, darunter oftmals neue, ausgesetzt. Dies ist nicht weiter verwunderlich, schließlich leben wir in einer komplexen und dynamischen Welt mit den unterschiedlichsten Sachen, Zuständen und Situationen. Und dann ist morgen alles wieder ein Stückchen anders. Gerade gestern hat drei Blöcke weiter ein neuer Laden aufgemacht, Katie ist nun übrigens mit einem neuen Freund zusammen und das neuste Album unseres Lieblingsmusikers wurde endlich nach langem warten veröffentlicht. Doch diesmal ertappen wir uns dabei, wie wir mit selbstsicher Überzeugung und ohne jegliche faktische Grundlage behaupten: „Ich sag‘s dir, dieser neue Laden wird nicht länger als sein Vorgänger durchhalten bevor er pleite geht. Dafür ist Katies neuer Freund bestimmt ein sehr hübscher Bursche und das neue Album? Oh, das wird bestimmt unglaublich gut!“ Doch stimmt das? Werden sich unsere Prophezeiungen als wahr erweisen? Und auf welcher Basis äußern wir diese Behauptungen so selbstsicher? Für die psychologische und industrielle Wissenschaft sind diese Fragen von Interesse, denn die Bewertung unserer Umwelt beeinflusst unser Verhalten ihr gegenüber. Wer also den zugrunde liegenden Mechanismus der Bildung von Bewertungen versteht und es schafft ihn aktiv zu lenken, könnte entweder einen Patienten dazu bringen pathologisches Verhalten aufzugeben, oder einen Kunden dazu lenken ein bestimmtes Produkt zu kaufen.

Klassische Konditionierung: Lernen anhand von Erfahrungen

Klassische Konditionierung

Ein relevanter Mechanismus der Bildung von Bewertungen wurde evaluative Konditionierung getauft. Sie wurde in Anlehnung an die zuvor schon etablierte klassische Konditionierung nach Pavlov benannt. Die letztere beschreibt einen Lernprozess der Erwartungen auf der Basis wiederkehrender Muster generiert. Wenn auf ein bestimmtes Geschehen immer das selbe Ereignis folgt, reicht nach einiger Zeit schon das Erste als Indiz, dass das Zweite gleich folgt.

Wann immer wir zum Beispiel das Lichtsignal des linken Blinkers eines Autos wahrnehmen, wissen wir automatisch, dass dieses Auto gleich nach Links abbiegen wird. Wir sind erfahren genug um zu sagen: Wenn ein fahrendes Auto an einer Kreuzung blinkt, dann wird es in die Richtung abbiegen. Das ist die natürlich Abfolge: blinken, dann abbiegen.

Klassische Konditionierung

Die ersten empirischen Belege für diesen Mechanismus wurden wie folgend an Hunden erhoben: Vor jeder ihnen servierten Mahlzeit ertönte das selbe Klingeln einer Glocke. Die Hunde begrüßten die Nahrung natürlich freudig, schließlich ließ der bloße Anblick des Essens Ihnen den Speichel im Munde zusammenlaufen. Doch nach einiger Zeit wurde etwas Interessantes beobachtet. Schon der einfache Klang der Glocke brachte deren Speichel zum fließen. Sie hatten mit der Zeit gelernt, dass ihnen kurze Zeit nach dem ertönen der Glocke die nächste Mahlzeit serviert werden würde. Der Klang der Glocke wurde hinterher als konditionierter Stimulus (conditioned stimulus, CS) und das Essen als unkonditionierter Stimulus (unconditioned stimulus, US) kategorisiert. Die Funktionsweise der klassischen Konditionierung wurde so beschrieben: Sobald eine belanglose Sache, ein neutraler Stimulus, zuverlässig oft vor einem bedeutsamen Ereignis, einem unkonditionierten Stimulus, auftritt, wird die Bedeutung des folgenden unkonditionierten Stimulus auf den vorherigen neutralen Stimulus übertragen. Durch diesen Transfer löst der neutrale Stimulus nun auch die selbe Reaktion im Organismus aus, den der unkonditionierte Stimulus auslösen würde. Sobald diese Assoziation geknüpft ist wird der neutrale Stimulus als konditionierter Stimulus bezeichnet. Wenn wir dies nun auf unser Beispiel mit dem Auto übertragen, dann sieht das so aus: Das wenden des Autos ist der unkonditionierte Stimulus. Das wiederholte aufleuchten des Lichts eines Autoblinkers ist ein neutraler Stimulus. Da es aber vor jedem Wenden eines Autos erscheint, und somit zu einem Vorboten des Wendens wird, wird es zu einem konditionierten Stimulus. Würde dieses Lichtsignal jedoch nie vor dem Wenden eines Autos erscheinen, wäre das Leuchten vollkommen Bedeutungslos für uns.

Hinterher wurden mehrere Studien durchgeführt um die Eigenschaften der klassischen Konditionierung zu ergründen. Es stellte sich heraus, dass die Stimuli nicht jedes einzelne Mal in der gemeinsamen Kombination auftreten müssen damit konditioniert wird, jedoch oft genug. Wie häufig das sein muss hängt von der Natur der Stimulation ab. Manche Signale sind stärkere Indikatoren als andere. Auch wurde gezeigt, dass die Assoziation wieder getrennt werden kann, wenn die Stimuli zu selten gemeinsam erscheinen. Ab diesem Moment ist der konditionierte Stimulus wieder ein neutraler Stimulus.

Evaluative Konditionierung: Bewertung anhand von Erfahrungen

Evaluative Konditionierung

Obwohl die evaluative Konditionierung auf der Klassischen basiert, reicht ihre Geschichte weiter zurück. Sie geht aus der Erforschung von Einstellungen hervor und ist zu einem eigenständigen Forschungsthema geworden, als feststand, dass sie einen Einfluss auf die Bildung und Änderung von Einstellungen haben könnte. Die evaluative Konditionierung zeigt einige Parallelen zur klassische Konditionierung. Beide Mechanismen haben einen konditionierten und unkonditionierten Stimulus, jedoch treten bei der evaluativen Konditionierung beide Stimuli gleichzeitig auf, anstatt in zeitlicher Abfolge. Auch wird kein unmittelbares Ereignis vorhergesagt um die entsprechende Reaktion darauf vorzubereiten. Hier wird ein langfristiger Einfluss prophezeit und die entsprechende Haltung demgegenüber ausgewählt.

Wertungen beeinflussen das Verhalten

Die Bewertung einer Sache anhand einer zweidimensionalen Skala (z.B.: gut und schlecht, angenehm und unangenehm), die sogenannte Valenz die etwas für uns hat, beeinflusst unser Verhalten dem gegenüber. Wir nähern uns dem was uns gefällt und distanzieren uns von dem was uns missfällt. Da auch Verteidigungs- und Selbsterhaltungsmechanismen einen Einfluss auf das Verhalten des Individuums haben, müssen direkt schädliche oder sogar lebensbedrohliche Situationen in der gesamten Betrachtung außen vorgelassen werden, da sonst keine fehlerfreie Analyse der evaluativen Konditionierung möglich wäre. Wir fassen zusammen: Man nähert sich oder distanziert sich von Sachen die einen längerfristigen positiven oder negativen Einfluss auf einen haben könnten. Um dies zu verdeutlichen nehmen wir nun also an, wir hätten kürzlich einen Thomas kennen gelernt, mit dem wir uns leider nicht so gut verstehen. Er vertritt Ansichten die unseren widersprechen. Fairerweise sollte ich erwähnen, dass er keine Ansichten vertritt die gegen irgendein Grundrecht verstößt, trotz dessen denken wir, dass er einen „schlechten“ Einfluss auf uns haben könnte. Logischerweise versuchen wir also von ihm fern zu bleiben. (Ich bitte jeden Thomas um Verzeihung, dies ist nur ein Beispiel, nehmt es also nicht persönlich.)

Grundlose Annahmen?

Erscheint nun solch eine bereits bewertete Sache oder Situation gemeinsam mit einem neuen und unbekannten Faktor, so wird im Laufe der evaluativen Konditionierung die Wertung des Bekannten herangezogen um eine Vorhersage über den langfristigen Einfluss des Neuen zu generieren. Mit anderen Worten, anhand der Kategorisierung eines bekannten Sachverhalts wird ein damit zusammenhängender, aber neuer Reiz in die selbe subjektive zweidimensionale Skala eingeordnet (Also gut und schlecht, angenehm und unangenehm).

Um eine gewisse Vergleichbarkeit zu schaffen wurden die jeweiligen Aspekte der evaluativen Konditionierung ähnlich denen der klassischen Konditionierung benannt. So gibt es sowohl einen unkonditionierten Stimulus mit positiver oder negativer Valenz als auch einen konditionierten Stimulus mit einer neutralen Valenz, oder zumindest einer schwächeren positiven oder negativen Valenz als sein unkonditionierter Mitwirker. Sobald beide Stimuli zusammen erscheinen, und somit den Eindruck vermitteln miteinander verbunden zu sein, wird die Wertung des unkonditionierten Stimulus auf den Konditionierten übertragen.

Erneut muss ich mich bei Dir entschuldigen, Thomas, denn wir kommen auf unser vorheriges Beispiel zurück. Leider wird dieses Mal eine weitere unschuldige Seele hineingezogen, denn, wie wir unschwer erkennen, unterhält sich Thomas eifrig mit einem Freund. Wir werden wahrscheinlich nicht erpicht darauf sein, den zweiten im Bunde kennen zu lernen. Vermutlich vertritt er ähnliche Ansichten wie Thomas und würde demnach bestimmt auch ein „schlechter“ Einfluss auf uns sein. Folglich ist er uns genauso unlieb wie Thomas und auch von ihm halten wir uns fern. Dem zu Grunde liegt eine kognitive Assoziation zwischen den zweien, die den Fremden ähnlich kategorisiert wie den uns bekannten Thomas. Dadurch wird das selbe Verhaltensschema in uns ausgelöst. Trotz alledem gilt: Wir haben keine faktische Basis, dass dieser Unbekannte genauso „schlecht“ wäre, wie sein Kamerad. Nicht nur das, wir können nicht einmal nachweisen, dass Thomas für uns schädlich wäre.

Eigenschaften der evaluativen Konditionierung

Weiteren Analysen zu folge wird die Wertung extremerer Valenz auf die neutralere übertragen. Ein leicht negativer Stimulus wird hinterher positiver gewertet, wenn er mit einem starken positiven Stimulus gekoppelt wird. Sollte uns unsere beste Freundin Rebecca auf einmal einen neuen Bekannten vorstellt, überraschender Weise derselbe Fremde der sich vorhin kameradschaftlich mit Thomas unterhalten hat, werden wir wahrscheinlich unsere Meinung ändern und ihm eine Chance geben. Rebecca ist wirklich wunderbar! Unmöglich, dass er dann eine Enttäuschung ist. Klar, mit Thomas schien er sich zwar auch zu verstehen, aber da er auch mit Rebecca verkehrt muss er respektabel sein.

Vor allem in Anbetracht unseres Beispiels mit dem armen Thomas sollte man aber bedenken, dass die Frage ob die Änderung der Valenz bewusst oder unbewusst stattfindet zurzeit noch immer heiß diskutiert wird. Auch steht die Frage offen, ob man dem Prozess bewusst entgegenwirken kann. Es wurden auch keine stichhaltigen Beweise geliefert, wie positiv oder negativ konditionierte Stimuli nach wiederholter Präsentation mit neutralen Stimuli bewertet werden, also nach der sogenannten Extinktionsphase. Leider zeigten einige Studien, dass konditionierte Stimuli nach wiederholter Kopplung mit neutralen Stimuli wieder als neutral empfunden wurden, während andere Studien eine Stabilität der Wertung gegenüber der Extinktionsphase fanden. Zumindest scheint aber ein zeitlicher Aspekt eine Rolle zu spielen. Es wurde gezeigt, dass die Konditionierung am besten funktioniert, wenn beide Stimuli gleichzeitig präsentiert werden. Trotzdem kann noch konditioniert werden, wenn der konditionierte Stimulus kurz vor oder nach dem unkonditionierten Stimulus gezeigt wird.

Ausblick

Evaluative Konditionierung

Das Bewerten und Ändern von Wertungen ist ein ernst zu nehmendes Thema und muss, wie viele Andere, verantwortungsvoll gehandhabt werden. Wahrscheinlich forschen private Firmen schon in diesem Bereich, da das effiziente assoziieren eines Produktes mit etwas Angenehmen die Verkaufszahlen enorm steigern könnte. Hierbei ergeben sich jedoch zwei Hauptprobleme:

  1. Zum einen sind die hierbei erlangten Erkenntnisse sowohl für die Öffentlichkeit als auch für andere Wissenschaftler nicht einsehbar.
  2. Zum anderen können die Resultate der Forschung ungehindert angewendet werden um die Masse zu beeinflussen.

Da ein unvollständiges Bild der Eigenschaften der Konditionierung im nicht-industriellen Forschungssektor vorliegen, würde jeglicher Einsatz und dessen Folgen auch dem Auge eines Spezialisten entgehen. Nehmen wir an es stelle sich heraus, die evaluative Konditionierung finde nur unbewusst statt. In diesem Fall würden Werbungen in einem kleinen Nebenfenster parallel zur Fernsehserie laufen, anstatt zwischen den Programmen, oder Produkte würden vermehrt im Hintergrund eines Filmes auftauchen. Die Auswirkungen dieser kleinen Änderungen würden in den Augen eines unwissenden Betrachters nicht auffallen, während sie den Verkauf stark beeinflussen könnten. In Anbetracht dessen sollten Forschungsgelder in Themen wie diese fließen, um einen Missbrauch für persönliche Zwecke (in dem Fall sogar ein mögliches Propaganda-Werkzeug) zu verhindern.

Gleichzeitig könnte man sich dadurch deren enormes Potenzial zu nutze machen. Bedenken wir den therapeutischen Zugewinn. Durch die entsprechenden Assoziationen könnte ungesundes Verhalten (zum Beispiel verschiedene Abhängigkeiten) geheilt oder die Produktivität und Motivation einer Person erhöht werden. Sollte jemand also an einer schrecklichen Phobie leiden die seine Lebensqualität deutlich einschränkt, zum Beispiel der arme Botaniker Stefan mit seiner plötzlichen Spinnenphobie nach einem unerwarteten Urlaubsereignis, so könnten simple Assoziationen mit stark positiven Themen eine schnelle Heilung seiner unvorteilhaften Situation bewirken. Einsatz könnten diese Erkenntnisse auch an unserer heutigen Jugend finden. Da Mediale Abhängigkeit ein zunehmendes Problem darstellt, könnte man die Einstellung gegenüber realen Erfahrungen graduell verbessern und dadurch erneute Lebensfreude in den jungen Herzen entfachen. Auch könnten die Ergebnisse eine Gegenmaßnahme zu Vorurteilen bergen, wodurch der gesamten Menschheit ein Vorteil zu Nutze kommen würde.

Nichtsdestotrotz haben wir bis dahin noch einen langen Weg vor uns. Die derzeitigen Ergebnisse sind teilweise mehrdeutig oder widersprechen sich. Die meisten Versuche wurden an Menschen durchgeführt wodurch risikoreiche Ergebnisse zustande kommen. Wenn Teilnehmer zum Beispiel ahnen was von Ihnen verlangt wird, und entsprechend handeln, entstehen artifizielle Resultate. Im Englischen nennt man diesen Risikofaktor „demand awareness“, was so viel heißt wie „Bewusstsein über das Verlangte“. Studien aus anderen Bereichen wiederum betonen, dass auch Tiere Angenehmes und Unangenehmes empfinden und über das Können verfügen, darüber zu berichten. Deshalb schlage ich vor, zusätzliche Versuche am Tiermodell durchzuführen. Dadurch würde man einige Risiken umgehen und die Studien sowohl mit parallel laufenden Experimenten evaluativer Konditionierung, als auch mit bereits erhobenen Versuchen der klassischen Konditionierung vergleichbarer machen. Trotz allem müssen wir die bisherigen Erkenntnisse Wert schätzen und die Wissenschaftler dieses Bereiches weiterhin anfeuern bei deren fleißiger Arbeit zu bleiben, Kreativität zu bewahren und nicht aufzugeben, wenn alles wieder mal anders läuft als erwartet. Der erste Schritt den Weg zur oben genannten Vision zu verkürzen und den Missbrauch wichtiger Erkenntnisse zu verhindern ist ein Bewusstsein über dieses Thema zu vermitteln. Dadurch könnten weiteren Wissenschaftlern Gelder bereitgestellt werden um tiefer in die Materie einzudringen.

 

Schaut Euch folgende Artikel an, falls Ihr mehr über das Thema erfahren wollt und ihr den tapferen Wissenschaftler/innen die hart für diese Ergebnisse gearbeitet haben Anerkennung schenken möchtet:

Referenzen

Bethell, E. J. (2015). A “how-to” guide for designing judgment bias studies to assess captive animal welfare. Journal of applied animal welfare science, 18 Suppl 1, S18-42. doi:10.1080/10888705.2015.1075833

Bohner, G., & Dickel, N. (2011). Attitudes and attitude change. Annual review of psychology, 62, 391–417. doi:10.1146/annurev.psych.121208.131609

Davey, G. C. (1994). Is evaluative conditioning a qualitatively distinct form of classical conditioning? Behavior research and therapy, 32(3), 291–299.

De Houwer, J., Thomas, S., & Baeyens, F. (2001). Association learning of likes and dislikes: A review of 25 years of research on human evaluative conditioning. Psychological bulletin, 127(6), 853–869. doi:10.1037//0033-2909.127.6.853

Field, A. P. (2000). Evaluative conditioning is pavlovian conditioning: Issues of definition, measurement, and the theoretical importance of contingency awareness. Consciousness and cognition, 9(1), 41–49. doi:10.1006/ccog.1999.0412

Gawronski, B., & Bodenhausen, G. V. (2006). Associative and propositional processes in evaluation: An integrative review of implicit and explicit attitude change. Psychological bulletin, 132(5), 692–731. doi:10.1037/0033-2909.132.5.692

Havermans, R. C., & Jansen, A. (2007). Evaluative conditioning: A review and a model. Netherlands journal of psychology, 63(2), 31–41. doi:10.1007/BF03061060

Rozin, P., Wrzesniewski, A., & Byrnes, D. (1998). The elusiveness of evaluative conditioning. Learning and motivation, 29(4), 397–415. doi:10.1006/lmot.1998.1012

Erlernte Hilflosigkeit – Lernen wir, depressiv zu sein?

Einigen psychischen Krankheiten, vor allem der Depression, liegt ein Gefühl des Kontrollverlusts und der Hilflosigkeit zugrunde. Tatsächlich ist dieses Gefühl nicht einfach nur eine Begleiterscheinung, sondern laut der Theorie des amerikanischen Psychologen Martin Seligman ist die erlernte Hilflosigkeit sogar eine Ursache für diese Krankheiten.

Erlernte Hilflosigkeit

Erlernte Hilflosigkeit bei Tieren – die Shuttlebox

Seligmans Theorie der erlernten Hilflosigkeit beruht auf einer Reihe von Tierexperimenten, deren Ergebnisse anschließend auf den Menschen übertragen wurden.

Versuchsaufbau

Die Tiere, zumeist Hunde, wurden dabei in eine sogenannte Shuttle Box gesetzt. Diese besteht aus zwei aneinandergrenzenden Boxen, welche über einen Durchgang miteinander verbunden sind. Der Boden dieser Boxen besteht aus Draht, welcher eingeschaltet werden kann und Elektroschocks verabreichen kann.
Für das Experiment gab es drei Gruppen von Tieren, die unter verschiedenen Bedingungen getestet wurden.

  • Gruppe 1:  Die Tiere wurden in der ersten Phase des Experiments Elektroschocks ausgesetzt, konnten jedoch mit der Pfote einen Hebel betätigen, der den Durchgang zur anderen Box öffnete und ihnen so die Möglichkeit zur Flucht vor den Elektroschocks gab. Die Tiere erlernten dieses Verhalten sehr schnell und wendeten es unmittelbar nach Eintreten der Schocks an.
  • Gruppe 2: Tiere in Gruppe zwei erhielten genauso viele Elektroschocks wie die Tiere der ersten Gruppe, sie konnten diesen Schocks jedoch nicht ausweichen. Ihr Verhalten hatte keinerlei Auswirkung auf die Schocks, sie konnten also lediglich ausharren und abwarten, bis die Schocks vorbei waren.
  • Gruppe 3: Bei Gruppe drei handelte es sich um die sogenannte Kontrollgruppe, welche während der ersten Versuchsphase zwar in einer Shuttle Box eingeschlossen war, aber keinerlei Schocks erhielt.

In Phase zwei, der eigentlichen Experimentalphase, wurden die Tiere aus allen drei Gruppen nun Elektroschocks ausgesetzt. Alle drei Gruppen hatten jetzt die Möglichkeit, durch das Drücken eines Hebels den Durchgang zwischen den zwei Boxen zu öffnen und den Schocks zu entfliehen.

Ergebnisse

Die Tiere der ersten Gruppe, welche ja bereits an die Situation und das Hebeldrücken gewöhnt waren, zeigten dieses Verhalten auch wie erwartet in der Experimentalphase. Sie erlernten teilweise sogar, den Hebel schon vor dem nächsten Schock zu drücken, und vermieden damit effektiv jeden Schock.
Tiere der Kontrollgruppe, also Gruppe 3, brauchten etwas länger, bis sie das Hebeldrücken erlernten, doch sobald sie verstanden, dass das Drücken des Hebels eine Flucht vor den Elektroschocks ermöglicht, zeigten auch sie dieses Verhalten unmittelbar nach Beginn eines jeden Schocks.
Interessant ist jedoch das Verhalten der zweiten Gruppe, welche in der ersten Phase die Erfahrung machte, dass ihr Verhalten keinerlei Auswirkungen auf die Elektroschocks hat. Die Tiere dieser Gruppe lernten das Hebeldrücken entweder enorm langsam, oder aber größtenteils gar nicht. Die meisten dieser Tiere blieben, obwohl sie jetzt die Möglichkeit hatten, den Schocks zu entfliehen, lethargisch am Boden der Box liegen und ließen die Elektroschocks über sich ergehen. Dies liegt daran, dass sie vorher gelernt hatten, dass sie mit ihrem Verhalten an den negativen Auswirkungen der Situation nichts ändern können – sie gingen also auch jetzt davon aus, dass sie nach wie vor hilflos waren und das Geschehen außerhalb ihrer Kontrolle liegt.

Bei den Ergebnissen des Experiments handelt es sich um ein eindrückliches Beispiel zur erlernten Hilflosigkeit.

Depression – erlernte Hilflosigkeit bei Menschen?

Die Ergebnisse der Shuttle Box Experimente lassen sich gut auf depressive Personen übertragen. Durch die Erfahrung, dass die Ergebnisse einer Situation außerhalb ihrer Kontrolle liegen und ihr Verhalten keinerlei Auswirkungen hat, haben die Hunde aus Gruppe 2 nach einer gewissen Zeit aufgegeben und sich der Situation hilflos ausgesetzt.

Martin Seligman sieht in dieser erlernten Hilflosigkeit eine mögliche Erklärung von Depression.

Er überträgt die Ergebnisse seiner Experimente auf uns Menschen und geht er davon aus, dass Menschen depressiv werden, wenn sie das Gefühl haben, keine Kontrolle mehr über die Ereignisse in ihrem Leben zu haben.

Geschieht also im Leben einer Person ein negatives Ereignis, welches sie nicht kontrollieren kann, so lernt die betroffene Person beim Auftreten einer Mehrzahl dieser Ereignisse, dass ihr Verhalten nichts an den Ereignissen ändern kann – sie fühlt sich also hilflos.
Diese erlernte Hilflosigkeit entsteht bei uns Menschen also, wenn wir gefühlt keine Möglichkeit haben, eine Situation zu verändern oder zu verhindern. Dadurch entwickeln wir die Erwartung, dass wir auch keine Kontrolle mehr über zukünftige Ereignisse haben.

Wichtig für die erlernte Hilflosigkeit ist jedoch, dass sich die betroffenen Personen für den Kontrollverlust und den Ausgang der Situationen selbst verantwortlich machen. Denn nicht alle Personen, denen im Leben negative Situationen begegnen, werden depressiv. Seligman und seine Kollegen gehen demnach davon aus, dass die Depression nicht nur von der erlernten Hilflosigkeit selbst kommt, sondern vor allem auch vom sogenannten Attributionsstil der betroffenen Person.
Die Attribution, das heißt die Zuschreibung von Verantwortlichkeit, von depressiven Personen ist vermehrt pessimistisch, sie machen also sich selbst und ihre scheinbar mangelnden Fähigkeiten für den Ausgang der Situation verantwortlich. Damit es zu einer Depression kommt, muss die Attribution laut der Theorie von Seligman drei Merkmale erfüllen:

  • Sie muss intern sein, d.h. die Person muss in sich selbst das Problem sehen, und nicht in möglichen äußeren Umständen
  • Sie muss global sein, d.h. das Problem ist allumfassend und nicht auf eine bestimmte Situation beschränkt
  • Sie muss stabil sein, d.h. das Problem ist überdauernd und nicht zeitlich begrenzt.

Wenn jemand seine Freunde zum Grillen zu sich nach Hause einlädt und dann feststellt, dass es an genau dem Nachmittag regnet, würde sich diese Person gemäß den oben genannten Attributionen also selbst für den Regen verantwortlich machen: „Ich bin ja auch immer dumm, warum habe ich genau diesen Tag ausgewählt? Ich mache immer alles falsch.“

Erlebt eine Person also negative Ereignisse, die außerhalb ihrer Kontrolle liegen und für die sie sich selbst verantwortlich hält, kann sie in einen Zustand der erlernten Hilflosigkeit verfallen, in dem sie ihr eigenes Verhalten für nutzlos hält und sich so keinerlei Mühe mehr gibt, an zukünftigen Situationen etwas zu ändern. Die Person geht also davon aus, dass ihre Anstrengungen ohnehin vergebens sind, gibt sich den negativen Ereignissen kampflos hin und verfällt in depressive Stimmungen und Denkmuster.

Erlernte Hilflosigkeit – wie verlerne ich sie wieder?

Um die Depression zu vermeiden oder zu überwinden gibt es eine Vielzahl von Therapieansätzen, von Psychopharmaka bis hin zur Verhaltenstherapie.
Geht man allerdings davon aus, dass die erlernte Hilflosigkeit, wie Seligman sie vorschlägt, wirklich die Grundlage der Depression ist, so ist es vor allem wichtig, die Selbstwirksamkeitserwartung der Betroffenen zu erhöhen. Selbstwirksamkeit ist dabei ein Begriff, der die Erwartung einer Person beschreibt, dass sie kompetent genug ist, ein bestimmtes Verhalten auszuführen und damit den Ausgang einer Situation zu beeinflussen. Eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung geht also mit dem Gefühl von Kontrolle einher, welches depressiven Personen fehlt. Sie setzt sich der pessimistischen Attribution von erlernt hilflosen Personen entgegen und zielt darauf ab, dass die Person selbst handlungsfähig ist und die Kraft hat, sich mit ihrer Handlung gegen andere Umstände durchzusetzen.

Um die erwartete Selbstwirksamkeit der betroffenen Personen zu erhöhen, eignet sich besonders die kognitive Verhaltenstherapie, bei der vor allem Wert darauf gelegt wird, schädigende Verhaltensweisen und Denkmuster zu löschen und durch positive zu ersetzen.
Indem man der Person also dabei hilft zu erkennen, dass ihr Verhalten durchaus zum Ausgang einer Situation beitragen kann oder es nicht unbedingt ihr eigener Fehler ist, wenn sie die Situation nicht beeinflussen kann, kann man ihr helfen, die erlernte Hilflosigkeit nach und nach wieder zu verlernen und Ereignissen mit freudigeren Erwartungen entgegenzublicken.

Kognitive Dissonanz: warum dem Fuchs die Trauben nicht schmecken

Haben Sie sich schon mal gefragt, warum Sie Ihre kostbare Zeit in einer (womöglich kostenpflichtigen) Warteschleife einer Hotline verbringen und es so schwierig ist aufzulegen? Warum finden die meisten Raucher Rauchen gut? Wieso gibt es quasi keine Eltern, die bereuen Kinder bekommen zu haben? Weshalb hört man diesen Satz von Autofahrern so gut wie gar nicht: „Ich habe ein schlechtes Auto gekauft.“? Die Antwort ist: kognitive Dissonanz. Doch was ist das?

In diesem Artikel wird übersichtsartig geklärt: 1. kognitive Dissonanz – was ist das? Beispiele 2. bekannte Experimente in der Forschung zur kognitiven Dissonanz 3. Was bedeutet das Wissen über kognitive Dissonanz für mich? 4. kognitive Dissonanz und Freud 5. Fazit zur kognitiven Dissonanz

Kognitive Dissonanz

Kognitive Dissonanz – was ist das? Beispiele

Kognitionen im engeren Sinn sind Gedanken. Im weiteren Sinn sind es auch Einstellungen, Wertvorstellungen, Wahrnehmungen, Absichten und Motivationen, also quasi alle inneren mentalen Zustände und Vorgänge, die man nicht als Emotion oder Intuition bezeichnen kann. (Im Lateinischen bedeutet cognoscere „erkennen“, „erfahren“). Dissonanz kommt aus der Musik und bedeutet das Gegenteil von Konsonanz oder Harmonie, bezeichnet also etwas, das in der Kompositionslehre der Auflösung bedarf. Kognitive Dissonanz könnte man also als „gedanklichen Spannungszustand“ übersetzen.

Kognitive Dissonanz ist ein unangenehmer mentaler Spannungszustand, der entsteht, wenn man sich widersprechende Gedanken, Einstellungen oder Motivationen hat.

Die Dissonanz ist um so größer, je vielzähliger oder/und wichtiger die Kognitionen sind, die sich widersprechen. Nehmen wir das Beispiel Telefonwarteschlange. Sie haben die Kognition(en) „Ich rufe da jetzt an und kläre mein Problem. Danach gehe ich Einkaufen.“ Sie wählen die Nummer und warten, warten und bezahlen. Es läuft Wartemusik. Irgendwann taucht eine widersprüchliche Kognition auf: „Das dauert zu lange. Die Geschäfte schließen um acht.“ Wir kennen alle diese unangenehme Gefühl, das dann entsteht. Wir nennen es gern Ungeduld. Wir sind im Zwiespalt: sollen wir weiter Zeit und Geld investieren oder die Aktion unter „sinnlos“ verbuchen und abbrechen. Diese Ungeduld gepaart mit diesem Zwiespalt (mache würden sagen: nur dieser Zwiespalt)  – das ist die kognitive Dissonanz. Nun gibt es 4 mögliche Folgen, wie wir diesen Spannungszustand auflösen:

  1.  Verhaltensänderung: wir legen auf.
  2. Einstellungsänderung: Trotzreaktion – jetzt erst recht!
  3. Addition oder Subtraktion von Kognitionen: „Ich muss heute nicht einkaufen.“ „Es ist wichtig, dass ich das Problem jetzt löse, denn dann weiß ich auch, wie ich mit xy umgehe.“
  4. Ersetzen von Kognitionen: „Ich habe jetzt so viel investiert, da muss ich jetzt dranbleiben. Einkaufen kann ich auch morgen.“

Merken Sie was? Wir haben schon rein quantitativ mehr Möglichkeiten, das Problem „innerlich“ zu lösen als „äußerlich“. Und wir alle kennen uns: wir lösen es innerlich und bleiben länger in der Leitung als gut ist. Warum ist das so? Dieses Beispiel zeigt im Kleinen, wie wir auch mit großen Lebensentscheidungen umgehen: Wenn wir einmal etwas investiert haben, soll das nicht umsonst gewesen sein. Wir bleiben länger bei dem Investment, hängen länger an der alten Situation als gut für uns und andere ist. Soll ich mit 40 meinen Job hinschmeißen und noch mal studieren? Oder soll ich die Beziehung nach 16 Jahren und 2 Kindern wirklich beenden? Soll ich in diesem Land bleiben? Wie Engelchen und Teufelchen auf der Schulter tauchen die unterschiedlichsten Kognitionen auf, um diese Dissonanz aufzulösen und in Harmonie umzuwandeln.

Das Paradebeispiel sind dabei die Kognitionen von Rauchern.

Nehmen wir an, Sie rauchen. Warum auch immer (Wahrscheinlich mussten Sie irgendwann mal der Umwelt signalisieren, dass sie alt genug für Sex sind, aber das ist nebensächlich). Sie sind also Raucher. Dann sehen Sie im Kino eine Werbung, dass Rauchen Gehirnzellen tötet oder sehen die schrecklichen Bilder auf den Zigarettenpackungen, die eindeutig zeigen, dass Rauchen gesundheitsschädlich ist. Sie erleben Dissonanz.

Einerseits haben Sie die Kognition „Rauchen ist cool! Ich bin alt und cool genug zu rauchen!“ andererseits haben Sie nun die Kognition „Rauchen ist ungesund.“ Das erzeugt Spannung. Wieder ist Verhaltensänderung eine Option, die selten gewählt wird. Welcher Raucher hört schon auf, weil er eine Raucherlunge auf der Zigarettenpackung sieht? Viel wahrscheinlicher ist, dass Sie sich „überzeugen“ mit zusätzlichen Kognitionen: „So ungesund kann es gar nicht sein: mein Opa ist über 90 geworden und hat geraucht!“ oder „Rauchen ist ja nicht nur cool, sondern es entspannt auch!“ oder „Mich wird es schon nicht treffen, ich höre irgendwann rechtzeitig auf!“

Ein anderes Beispiel ist die Frau, die 10 Jahre mit dem gleichen Mann zusammen ist und sich nach Abwechslung sehnt.

Die wenigsten wissen, dass das normal ist und als Coolidge-Effekt bekannt. Sie hat die Kognition „Ich bin eine treue Frau.“ und „Ich betrüge meinen Freund nicht.“, andererseits sehnt sie sich nach neuen sexuellen Abenteuern und geht fremd. Hier passt das Verhalten nicht zum Selbstbild und erzeugt die Dissonanz. Was ist der Ausweg? Sie bildet ein neues Wertesystem und damit neue Kognitionen. Sie äußert sich feministisch und polyamor. „Treue ist ein überkommenes, patriarchalisches Konzept zur Unterdrückung der Frau!“ oder „Eifersucht ist eine ungesunde Reaktion des Egos!“ oder „Wer weiß, mit wem mich mein Freund betrügt.“

Und zum Schluss wieder ein Paradebeispiel: der Autokauf.

Viele Autokäufer lesen nach dem Kauf die Werbebroschüren über ihr erworbenes Modell, um sich selbst davon zu überzeugen, dass ihre Entscheidung richtig war. Oder kennen Sie jemanden, der jemals erzählt hätte: „Mein Autokauf war ein Reinfall – ich hätte besser ein anderes Modell gekauft.“? Das gibt es zwar, aber es ist eher der Ausnahmefall und kommt relativ selten vor.

Bekannte Experimente in der Forschung zur kognitiven Dissonanz

Die Theorie der kognitiven Dissonanz stammt von Leon Festinger, Schüler des Psychologiepioniers Kurt Lewin. Was bisher unerwähnt blieb: es ist wichtig, dass die Person, die die Dissonanz erlebt, das Gefühl hat, freiwillig zu entscheiden. Fehlt diese Freiwilligkeit, tritt das Phänomen (in der Psychologie spricht man gern vom „Effekt“) nicht auf. Denn dann kann man seine Kognitionen leicht in ein harmonisches System bringen: „Ich tue das, weil ich muss. Eigentlich will ich etwas anderes, aber die Umstände zwingen mich dazu.“ Das ist zwar auch kein angenehmes Gefühl, aber immerhin angenehmer als die kognitive Dissonanz aufgrund von Widersprüchlichkeiten zwischen Verhalten und Selbstbild oder verschiedenen Kognitionen.

Die frühen Experimente von Festinger in den 50er Jahren liefen folgendermaßen ab:

Studenten wurden gebeten, an einem Experiment teilzunehmen. Die Versuchspersonen bekamen eine langweilige und langwierige Aufgabe. Danach wurden sie gebeten, weitere Studenten von der Teilnahme an dem Experiment zu überzeugen. Aber ein Teil der Studenten bekam für diese „Anwerbung“ 20 Dollar. Der andere Teil bekam einen Dollar. Nun sollten die Studenten noch schnell die Langweiligkeit bzw. die Interessantheit des Experimentes einschätzen.

Und was glauben Sie, wie sich die beiden Gruppen unterschieden, nachdem was Sie über kognitive Dissonanz gelernt haben?

Genau. Die Gruppe, die für die „Anwerbung“ bezahlt wurde, fand das Experiment signifikant langweiliger als die Gruppe, die vergleichsweise wenig bekam. Warum? Die Theorie besagt: Die Studenten, die bezahlt wurden, logen bei ihrer Anwerbung dissonanzfreier als die andere Gruppe. Sie hatten ja einen Grund für ihr Verhalten: die Bezahlung. Die Gruppe, die ohne Bezahlung anwarb, musste eine kognitive Dissonanz bewältigen, nämlich aufgrund der Kognitionen: „Das Experiment war stinklangweilig.“ und „Ich lüge nicht.“ und „Ich muss meine Kommilitonen jetzt überzeugen, daran teilzunehmen.“ Um so interessanter Sie das Experiment fanden, um so weniger logen sie; also fanden sie das Experiment einfach interessanter – unbewusst.

Zahlreiche Experimente beschäftigten sich mit dem Unsinn harter und noch härterer Strafen.

Man denke hier an populistische Forderungen, die immer wieder durch das Netz gejagt werden. Oder gar an die Todesstrafe. Die kognitive Dissonanztheorie sagt: sinnlos. Warum? Weil die Leute eine externe Rechtfertigung haben, warum sie nicht zu schnell fahren, bei der Steuer nicht betrügen, etc. Das bedeutet aber auch: wenn sicher ist, dass sie nicht erwischt werden, machen sie es trotzdem. Haben sie diese Rechtfertigung nicht, müssen sie ihre Einstellung ändern. Sie bauen Kognitionen auf wie „Ich bin ein ehrlicher Mensch.“ oder „Ich bin ein besonnener, vernünftiger Autofahrer.“ Das tun sie bei drakonischen Strafen mit geringerer Wahrscheinlichkeit.

Investition und kognitive Dissonanz

Ein anderes Experiment (Axsom und Cooper, 1985)  beschäftigt sich mit der Investition und der damit verbundenen kognitiven Dissonanz (siehe Telefonwarteschleife). Es wurde eine Anzeige aufgegeben, dass VersuchspeIrsonen gesucht werden, die eine neuartige Methode ausprobieren könnten, Gewicht zu verlieren. Diejenigen, die sich meldeten wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe erhielt schwierige, langwierige und komplizierte kognitive Aufgaben (die Psychologie hat davon Batterien voll im Schrank) und Ihnen wurde gesagt, dass die Vermutung bestünde, sie würden dadurch abnehmen, was totaler Quatsch war, aber die Leute glaubten es wohl. Und die andere Gruppe erhielt leichte, kurze Aufgaben, mussten sich also viel weniger anstrengen, viel weniger investieren. Nach 6 Monaten wurde gemessen, ob und wie viel Gewicht die Gruppen verloren hatten und siehe da: die Gruppe mit dem höheren (kognitiven) Aufwand hatte tatsächlich mehr Gewicht verloren. Erklärt wird das so: Sie hatten die größere kognitive Dissonanz, die aus den Kognitionen bestand: „Boah, ist das hier anstrengend!“ und „Ich will Gewicht verlieren.“ Das Ziel, abzunehmen gewann an Bedeutung, man hatte ja investiert. Also blieb man in der Folgezeit auch mehr am Ball.

Was bedeutet das Wissen über kognitive Dissonanz für mich?

Es bedeutet zweierlei: zum einen: seien sie nachsichtig mit ihren Mitmenschen. Üben Sie sich in Toleranz um Empathie, denn die anderen haben – und da können sie sicher sein – ein ausgeklügeltes System von konsonanten Kognitionen, die ihre Einstellungen und ihr Verhalten rechtfertigen, auch wenn Ihnen das schräg und unglaubwürdig vorkommt.

Es gibt in der Politik viele Lügen, aber als der Stasichef Erich Mielke 1989 in der Volkskammer sagte: „Ich liebe doch alle!“, war das wahrscheinlich ernst gemeint. Zu dieser Zeit revoltierten die Ostdeutschen gegen eine Militärdiktatur und einen Bespitzelungsstaat, in dem es extrem gefährlich war, eine von der Norm abweichende Meinung zu vertreten. Niemand konnte sicher sein, dass nicht der beste Freund oder Verwandte für die sogenannte Staatssicherheit (Stasi) arbeitete und Informationen nach „oben“ weitergab. Und der Chef dieser menschenverachtenden Stasi stellte sich hin und sagte, er würde doch alle (auch die Abweichler) lieben. Das erntete viel Hohn und Verachtung in der Bevölkerung. Aber wir können mit einiger Sicherheit sagen, dass Mielke ein ausgeklügeltes System (wirrer) Kognitionen hatte, die diesen Satz mit seinem Selbstbild vereinbaren ließen.

Oder nehmen wir Ihre Eltern. Viele Menschen werfen Ihren Eltern zu Recht vor, Fehler in der Erziehung gemacht zu haben. Aber kommt das bei den Eltern an? Es kann gar nicht ankommen. Ein Leben lang Investitionen, ein über Jahrzehnte geschaffenes Selbstbild können gar nicht umgestoßen werden, ohne dass es für die Eltern lebensbedrohlich wäre, würden sie die kognitive Dissonanz zulassen. Lassen Sie Ihre Eltern leben. Immerhin leben Sie durch sie.

Meinen Sie, der Pharmavertreter hätte nicht seinen Weg aus der kognitiven Dissonanz gefunden, wenn er damit konfrontiert würde, dass bei depressiven Jugendlichen und Kindern einige Antidepressiva die Suizidalität erhöhen können und oft gar keine Hauptwirkung haben? (Bei Erwachsenen dürfte das nicht anders sein.)

Seien Sie also nachsichtig. Zum anderen: seien Sie selbstreflexiv! Beobachten Sie sich! Machen Sie nicht die Fehler Ihrer Eltern. Versuchen Sie, sich bei kognitiver Dissonanzreduktion zu ertappen! Woran hängen Sie, weil sie vermeintlich schon viel investiert haben, was Sie aber zukünftig gesehen nur noch behindert? Seien Sie entscheidungsfroh! Sie werden sich Entscheidungen schon schön reden, um so endgültiger diese sind, um so wahrscheinlicher ist das. Haben Sie den Mut, glücklich zu sein!

Kognitive Dissonanz und Freud

Und noch etwas können Sie aus diesem Artikel mitnehmen: Sie kennen die falschen Namen! Haben Sie schon mal etwas von Kurt Lewin oder Leon Festinger gehört? Nein? Aber von Freud, oder? Lassen Sie die kognitive Dissonanz zu: in einem gerechten Universum wäre das umgekehrt. Warum? Freuds große Leistung besteht unbestritten in der Postulation der verschiedenen Abwehrmechanismen. Leider hört es dann aber auch schon auf.

Der ganze andere theoretische Überbau, das Instanzenmodell der Psyche (Es, Ich und Über-Ich), die Triebtheorie, die Katharsis und Karthexis, dass Träume Wunscherfüllung seien, dass geistige Prozesse Energie verbrauchen, – die Liste ist lang und ebenso unbelegt – ist hoch spekulativ. Seine Theorie ist ebenso populär wie esoterisch. Trotzdem gibt es Gemeinsamkeiten und Überschneidungen zur kognitiven Dissonanztheorie. Durch Mechanismen wie Rationalisierung, Verdrängung, Projektion und Sublimierung können wir kognitive Dissonanz reduzieren. Und das tun wir auch. Regelmäßig. Behalten Sie also diese 4 Begriffe und vergessen Sie, was Sie sonst von Freud gelernt haben.

Fazit zur kognitiven Dissonanz

Ich hoffe, ich habe sie gleichsam unterhalten und aufklären können mit diesem Artikel. Die Fabel mit dem Fuchs und den Trauben kennen Sie!? Der Fuchs befand sie für zu sauer, nachdem er vegeblich versucht hatte, sie zu ergattern. So sind so manche Trauben, die zu hoch hängen, sauer…

Sie müssen nicht in Allem meiner Meinung sein, ich freue mich über Kritik und andere Meinungen. Lassen Sie Ihrer Reaktanz freien Lauf! Jede Reaktion ist eine gute Reaktion!

Denken Sie daran: Wenn unsere Enkel uns einst fragen werden, wie wir die Überwachung und Einmischung in unsere Selbstbestimmung durch NSA, Google und Facebook dulden konnten, dann werden wir alle eine plausible Ausrede haben – kognitiver Dissonanzreduktion sei Dank!

In diesem Sinne! Es grüßt: Ihr Uwe Krüger.

Was ist Aberglaube? Die Psychologie hinter abergläubischem Verhalten

Horoskope, schwarze Katzen, kaputte Spiegel, auf Holz klopfen, vierblättrige Kleeblätter… Der Aberglaube umgibt uns und beeinflusst bei vielen Menschen den Alltag. Aber wieso sind wir abergläubisch? Im folgenden Artikel beschreiben wir was Aberglaube ist und welche psychologischen Mechanismen abergläubischem Verhalten zugrunde liegen.

Aberglaube: vierblättrige Kleeblätter bringen Glück

Bist du eine abergläubische Person? Die meisten von uns sind es zumindest teilweise, die einen mehr, die anderen weniger. Abergläubische Verhaltensweisen finden sich überall. Jede Kultur hat dabei seine eigenen. In China bringt beispielsweise nächtliches Fingernagelschneiden Unglück, da dadurch Geister angezogen werden sollen. Neben der Kultur kann jede Person ihren eigenen Aberglauben entwickeln, der auf den eigenen Erfahrungen basiert.

Unter Symbolen, die Glück bringen sollen, also für positiven Aberglauben stehen, ist Folgendes bekannt:

  • Vierblättrige Kleeblätter; auf Hochzeiten etwas Neues, Altes, Ausgeliehenes und etwas Blaues zu tragen; auf Holz zu klopfen; die Daumen zu drücken; Geldstücke in einen Brunnen zu werfen; sich bei einer herausgefallenen Wimper, einer Sternschnuppe oder beim Ausblasen von Geburtstagskerzen etwas zu wünschen…

Pech bringt dagegen:

  • ein schwarzer Kater; unter einer Leiter durchzugehen; einen Spiegel kaputt zu machen; Freitag der 13; einen Regenschirm innerhalb eines geschlossenen Raumes zu öffnen…

Was ist Aberglaube?

Aberglaube ist der Glaube, dass ein Ereignis (Ereignis 1) auf irgendeine Art und Weise ein anderes Ereignis (Ereignis 2) beeinflusst, ohne dass diese bewiesenermaßen miteinander in Verbindung stehen. Im Folgenden einige Beispiele von Aberglaube:

  • Wir können beispielsweise überzeugt davon sein, dass wir durch das Tragen unseres Glückspullovers (Ereignis 1) einen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit haben, dass ein romantisches Date erfolgreich verlaufen wird (Ereignis 2).
  • Oder wir glauben, dass durch das Ausblasen der Kerzen am Geburtstag (Ereignis 1) unser Wunsch in Erfüllung geht (Ereignis 2).
  • Ebenfalls können wir davon überzeugt sein, dass ein vierblättriges Kleeblatt in unserem Geldbeutel (Ereignis 1) uns vor dem Eintreten einer schlimmen Situation schützt (Ereignis 2).
Sich beim Kerzen ausblasen etwas zu wünschen ist ein abergläubisches Ritual

Wie entsteht Aberglaube? Die Theorie von Skinner: Operante Konditionierung

Dem Aberglaube liegt ein sehr bedeutendes psychologisches Phänomen zugrunde, das sich operante Konditionierung nennt und erstmals von B.F. Skinner untersucht wurde.

Skinner führte ein Experiment mit Tauben durch. Während ein paar Minuten am Tag wurde in regelmäßigen Abständen in ihrem Käfig automatisch Futter ausgegeben. Was sich dann beobachten ließ war folgendes: Die Tauben entwickelten einen Aberglauben, weil sie glaubten, dass sie selbst durch ein bestimmtes Verhalten den Mechanismus der Futterausgabe aktivierten. Nach Studienende waren dreiviertel der Tauben abergläubisch.

Wie konnte das passieren? Wieso entwickelten Skinners Tauben Aberglaube? 

In dem Moment in welchem das Essen ausgegeben wurde, zeigten die Tauben irgendein Verhalten, beispielsweise bewegten sie zufälligerweise den Kopf oder ähnliches. Durch das Erscheinen des Essens wurde dieses Verhalten verstärkt. Auf diese Art und Weise entstand eine Verbindung zwischen beiden Ereignissen (dem Essen und der Kopfbewegung). Das ließ die Tauben glauben, dass die Kopfbewegung der Grund dafür war, dass das Essen erschien. Die Tauben bewegten also weiterhin den Kopf, in dem Glauben, dass daraufhin Essen erscheinen würde.

Das gleiche Phänomen lässt sich beim Menschen beobachten. Wenn ein romantisches Date gut lief und wir dabei unseren Lieblingspullover trugen, kann es dazu kommen, dass wir schlussfolgern, dass der Pullover der Grund für das erfolgreiche Date gewesen sei. Das führt dazu, dass wir in diesen Situationen den Pullover zukünftig öfter tragen, damit das Date positiv verläuft.

Es gibt noch ein weiteres Phänomen, welches den Aberglauben unterstützt. Der sogenannte Bestätigungsfehler (confirmation bias). Aufgrund dieser Wahrnehmungsverzerrung tendieren wir dazu, den Dingen Beachtung zu schenken, die unsere Theorie oder unseren Aberglauben unterstützen und gegenteilige Erfahrungen eher zu ignorieren. Auf diese Weise “vergessen” wir die Male bei denen eine schwarze Katze an uns vorbeigelaufen ist und nichts passiert ist und erinnern die Male bei denen uns danach etwas Schlechtes widerfahren ist.

Das trägt zum Erhalt des Aberglaubens bei.

Wieso sind wir abergläubisch?

Laut einer Studie der Universität von Kansas gibt es drei Gründe weswegen Menschen Aberglaube entwickeln:

  •       Um Kontrolle über unsichere Situationen zu gewinnen (beziehungsweise zu glauben, die Kontrolle zu haben).
  •       Um Gefühle der Machtlosigkeit zu reduzieren.
  •    Weil es einfacher ist abergläubisches Verhalten zu zeigen, anstatt Konfrontrationstechniken zu erlernen und anzuwenden.

Wie sind abergläubische Personen?

Diesen Wissenschaftlern zufolge ist es wahrscheinlicher, dass Leute abergläubisch sind, die an ein Schicksal glauben und dass dieses die Kontrolle über sie hat.

Der Aberglaube zeigt sich häufiger bei Personen mit einer externalen Kontrollüberzeugung. Diese Menschen attribuieren den Grund für Ereignisse auf externe Ursachen (andere Personen, die Situation).

Personen mit einer internalen Kontrollüberzeugung sind im Vergleich weniger häufig abergläubisch. Sie gehen davon aus, dass sie selbst verantwortlich für das sind, was passiert.

Frauen tendieren häufiger zu Aberglaube als Männer. Das könnte auf die traditionelle kulturelle Rolle der Frau zurückzuführen sein. Traditionell gesehen waren Frauen auf den Haushalt beschränkt und standen in Abhängigkeit ihrer Ehemänner. Die fehlende Autonomie eigene Entscheidungen treffen zu können führt dazu, dass Frauen eine Art Kontrollverlust über ihr eigenes Leben verspüren.

Eine schwarze Katze bringt Unglück – heißt es im Volksmund.

Probleme von Aberglaube

In den meisten Fällen ist der Aberglaube harmlos, er kann sogar dazu beitragen bestimmte Ängste unter Kontrolle zu bringen. Nichtsdestotrotz kann der Aberglaube, ab einer bestimmten Intensität zu Vorurteilen führen

  • Aberglaube kann dazu führen, dass wir von einem Objekt abhängig werden, wie einem Amulett oder einem ähnlichen Glücksbringer. Wenn wir dieses vergessen oder verlieren, kann das zu immenser Angst führen.
  • Wenn man daran gewöhnt ist dieses Objekt bei wichtigen Terminen bei sich zu tragen, wie einem Vorstellungsgespräch oder einer Prüfung, es dann aber einmal nicht mitnehmen zu können, kann das zu deutlichen Leistungseinbußen führen. Diese sind lassen sich darauf zurückzuführen, dass geglaubt wird, ohne den Glücksbringer nicht mehr in der Lage sein zu können, die Situation zu bewältigen.
  • Aberglaube kann auch dazu führen, dass man glaubt, sogenannte Pseudo-Therapien und Pseudowissenschaften würden funktionieren, wenn sie es in Realität nicht tun. Das ist beispielsweise bei der Homöopathie oder der Bachblüten-Therapie der Fall. Problematisch werden diese Therapien, wenn Leute mit ernst zu nehmenden Krankheiten eine schulmedizinische Therapie ablehnen und nur Pseudotherapien machen. Dabei riskieren sie ihre Gesundheit und in vielen Fällen auch ihr Leben.

Wie verhindert man abergläubisches Verhalten?

Laut dem Wissenschaftler Donald Saucier gibt es Dinge, die man tun kann, um abergläubisches Verhalten zu unterbinden.

1- Ergreife die Kontrolle in deinem Leben

Um abergläubisches Verhalten zu unterbinden, sollte man aufhören an Unglück oder Pech zu glauben und versuchen die Kontrolle über die Dinge zu gewinnen, die man tut und annehmen, die Situation selbst unter Kontrolle zu haben. Manchmal nutzt man Sätze wie “ich habe halt immer Pech” als Entschuldigung für das, was im eigenen Leben passiert. Selbstverständlich kann man nicht auf alle Aspekte des Lebens direkten Einfluss nehmen, es ist aber hilfreich sich auf das zu konzentrieren was man beeinflussen und verändern kann, um schwierige Situationen zu vermeiden.

2- Entscheide dich und sei proaktiv

Entscheidungsunfreudige Personen haben mehr Probleme mit ihren Entscheidungen und neigen häufiger zu abergläubische Annahmen. Proaktive und entscheidungsfreudige Personen ergreifen im Gegensatz dazu die Initiative und sind in der Regel weniger abergläubisch. Durch aktives Handeln hat man sein Glück selbst in der Hand, nicht mithilfe von Ritualen und Glücksbringern.

3- Kontrolliere deine Ängste auf andere Art

Löse dich von deinen abergläubischen Verhalten und Ritualen. Wenn die Tatsache, dass du nicht dein Glücks-T-Shirt oder deinen Glücks-Kugelschreiber bei dir hast, dich nervös macht, probiere Entspannungstechniken oder Achtsamkeitsübungen aus, um deine Angst zu kontrollieren.

Übersetzt aus dem Spanischen. Original: Andrea García Cerdán, Psychologin bei CogniFit.

Priming: Wie beeinflusst es uns, welche Formen gibt es?

In der Psychologie nennt man Priming den impliziten Gedächtniseffekt, bei dem ein präsentierter Stimulus die Antwort auf einen nachfolgenden Reiz beeinflusst. Im Folgenden werden die nachstehenden Fragen geklärt: Welche Formen des Priming gibt es? Welchen Effekt hat es auf das Gedächtnis und wie beeinflusst Priming unseren Alltag?

Ein dargebotener Reiz kann die Reaktion auf einen späteren Reiz beeinflussen

Was ist Priming ? – Definition 

In der Psychologie ist Priming die unbewusste Verarbeitung eines dargebotenen Reizes, welche zur schnelleren Verfügbarkeit eines Ereignisses, eines Items oder einer Person führen kann, wenn ein zweiter Reiz präsentiert wird. Die meisten Menschen sind sich im Moment des Primings nicht darüber bewusst, dass es passiert. 

Wenn viele Interpretationen und Verhaltensmöglichkeiten zur Verfügung stehen, kann die durch Priming bestimmte Zugänglichkeit zu einem Gedächtnisinhalt die Wahrnehmung, Kognition und Handlung einschränken.

Priming Beispiele

Wenn man Radio hört und dort in der Werbung ein Getränk angepriesen wird, man sich später in einem Café etwas zu trinken bestellt und Lust auf dieses Getränk bekommt,…

Wenn ein Freund von seinem letzten Urlaub in Thailand erzählt und man im Anschluss Lust hat, Thai Essen zu gehen,…

… ist das auf Priming zurückzuführen.

Das Gehirn wurde in diesen Fällen darauf programmiert, Verlangen nach etwas zu verspüren und kleine Dingen zu bemerken, die einem normalerweise nicht aufgefallen wären, oder denen man keine Beachtung geschenkt hätte – wäre man nicht im Vorhinein einem bestimmten Stimulus ausgesetzt worden. Die Reaktion auf den darauffolgenden Reiz kann sowohl positiv als auch negativ sein und wird dabei durch den vorherigen präsentierten Stimulus beeinflusst.

Das Denken und Handeln kann auf verschiedenste Arten beeinflusst werden

Formen von Priming

Es lassen sich verschiedene Formen unterschieden, die auf unterschiedliche Weise funktionieren und verschiedene Auswirkungen haben.

  • Positiv versus Negativ: Diese Eigenschaft des Primes hängt direkt mit der Verarbeitungsgeschwindigkeit zusammen. Verzögert oder beschleunigt der Prime die Verarbeitung des nachfolgenden Reizes? Während der positive Prime die Verarbeitungsgeschwindigkeit beschleunigt, bremst der negative Prime diese ab. Die Beschleunigung der Verarbeitungsgeschwindigkeit durch einen positiven Prime ist auf die Voraktivierung bestimmter Assoziationsmuster zurückzuführen. Das bedeutet, dass der Stimulus eine bestimmte Erinnerung oder Assoziation vor der Handlungsausführung aktiviert. Weil der Gedanke oder die Assoziation bereits voraktiviert ist, braucht man im Anschluss weniger Aktivierung um auf den späteren Zielreiz zu reagieren. Beim negativen Prime ist ein anderes Assoziationsmuster aktiviert, das deaktiviert werden muss, um eine adäquate Antwort zu geben. 
  • Semantisch: Der Prime und der Zielreiz sind aus der gleichen semantischen Kategorie und besitzen ähnliche Eigenschaften. Das bedeutet, wenn eine Person an ein einzelnes Item einer bestimmten Kategorie denkt, werden ähnliche Items in verschiedenen Gehirnregionen voraktiviert. Beispielsweise ist Löwe ein semantisches Wort für Tiger, da es sich um ähnliche Items handelt.
  • Konzeptuell und perzeptuell: Ein konzeptueller Prime basiert auf der Bedeutung des Stimulus und wird durch seine semantische Funktion verstärkt. Als Beispiel ist das Wort Gabel, das einen Effekt auf das Wort Löffel ausübt, weil sie zu der gleichen Kategorie gehören. Konzeptuelles und semantisches Priming sind sich sehr ähnlich. Perzeptuelles Priming bezieht sich auf die äußere Form des Stimulus und ist sehr sensitiv bezüglich seiner exakten Form und Beschaffenheit. 
  • Wiederholung: ist der positiven Form sehr ähnlich, wenn auch nicht das Gleiche. Es wird auch als direktes Priming bezeichnet, bei welchem der erlebte Stimulus selbst als Prime fungiert. Wenn dieser Reiz im Anschluss nochmals präsentiert wird, lässt sich dieser schneller im Gehirn verarbeiten und die Reaktionszeit verkürzt sich.
  • Freundlichkeit: Wenn eine Person einer freundlichen Geste oder einer freundlichen Tat ausgesetzt wird ist diese anfälliger für den Priming-Effekt, da der Schwellwert für die Aktivierung sinkt. Interessanterweise steigt die Resistenz gegenüber negativen Stimuli temporär an, wenn diese Art von Priming stattfindet.
  • Assoziatives Priming: Diese Kategorie ähnelt der des positiven oder semantischen Primings. In diesem Fall ist der Zielreiz ein Wort, das normalerweise mit dem Prime assoziiert ist, aber nicht zwangsläufig die gleichen semantischen Eigenschaften teilt. Der Zielreiz und der Prime sind zwei Dinge, die für gewöhnlich in einer Verbindung stehen und zusammen gesehen werden. Ein Beispiel sind Stift und Papier. Sie haben nicht die gleichen semantischen Eigenschaften, wie ein Tiger und ein Löwe, treten aber gemeinsam in Erscheinung. 
  • Response-Priming:  Bei einem klassischen Computerexperiment müssen bestimmte Tasten gedrückt werden, sobald bestimmte Formen auf dem Bildschirm erscheinen. Beispielsweise: Drücke die linke Pfeiltaste, wenn ein Kreis erscheint; die rechte Pfeiltaste, wenn ein Quadrat erscheint. In diesem Fall wird häufig das Response-Priming angewendet und wenige Millisekunden vor dem Zielreiz ein Prime dargeboten. Bei diesen Aufgaben wird anschließend die Zeit gemessen, die eine Person benötigt, um auf den Stimulus zu reagieren. 
  • Maskiertes Priming: Das maskierte Priming wird als “reinste” Form bezeichnet. Das 1984 von Forster & Davis vorgestellte Paradigma wird auch als Sandwich-Technik bezeichnet. Der Prime wird hierbei zwischen den Zielreiz und eine Maske eingebettet. Beispielsweise: ####, Prime: spielen, Zielreiz: FLIEGEN. 

Messung der verschiedenen Arten

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Psychologen die Priming-Effekte im Gehirn messen können. Dabei hängen die verschiedenen Messmethoden jeweils von dem zugrunde liegenden Typen bzw. Subtypen ab. Um beispielsweise die Effekte von maskiertem Priming zu messen, verwendet man eine andere Methode, als die Effekte positiven oder negativen Primings zu messen. 

Im Folgenden finden sich als Beispiel ein paar Methoden, welche entsprechend verwendet werden:

  • Positives und negatives Priming: wird anhand des ereigniskorrelierten Potentials (Event-related potential; ERP) im Elektroenzephalogramm (EEG) gemessen. Dieses im Gehirn ausgelöste Potential ist das direkte Ergebnis eines spezifischen sensorischen, kognitiven oder motorischen Ereignisses. Anhand diesen Potentials kann die Verarbeitungsgeschwindigkeit bestimmt werden, wodurch Rückschlüsse auf einen positiven oder negativen Priming-Effekt gezogen werden können.
  • Perzeptuelles Priming – Messung: Hier findet ein wahrnehmungs-bezogenes Verfahren Anwendung. Dabei kann die Aufgabe der Wortstamm-Vervollständigung verwendet werden. Hierbei muss in der Regel eine Liste mit Wörtern gelernt werden. Anschließend werden Silben präsentiert, die man entsprechend zu Wörtern ergänzen muss. Die Teilnehmer sind sich in der Regel nicht bewusst, dass sie die Silben zu den vorher präsentierten Wörtern ergänzen sollen. Hier verwenden die Teilnehmer ihr implizites Gedächtnis, wenn sie die Silben zu einem vorher präsentierten Wort ergänzen. Je nach Anzahl der Wörter die entsprechend der vorherigen Liste ergänzt wurden, kann man die Stärke des Priming-Effekts bestimmten.
  • Konzeptuell und Wiederholung – Messung: die lexikale Entscheidungsaufgabe (Lexical decision task; LDT) wird für psycho-linguistische Experimente verwendet. Hiermit wird gemessen, wie lange eine Person benötigt, festzustellen, ob eine Reihe von Buchstaben ein reales Wort ergeben, oder nicht.

Priming-Effekte aus der Sozialpsychologie 

Es gibt viele Möglichkeiten, das Verhalten durch Priming zu beeinflussen und sogar die Einstellung bestimmten Dingen gegenüber zu verändern.

  • So laufen Leute beispielsweise langsamer einen Flur entlang, wenn sie vorher auf das Wort “Alt” geprimet wurden.
  • Bringt man Leute dazu zu nicken oder den Kopf zu schüttel (indem man ihnen beispielsweise Kopfhörer aufsetzt und behauptet, man soll ihren Halt auf dem Kopf testen, indem man den Kopf entsprechend bewegt) hat dies einen Einfluss auf die affektive Bewertung von Dingen, die einem währenddessen angeblich zusammenhangslos präsentiert werden. So bewerten die Personen, die den Kopf schütteln während sie einen Schokoriegel sehen diesen im Anschluss als weniger appetitlich als Personen, die während sie den Schokoriegel sahen nickten.
  • Auch in der Werbung wird sich der Priming-Effekt zu Nutze gemacht. So werden die umworbenen Artikel mit positiven Dingen in Zusammenhang gebracht, die teilweise ganz offensichtlich nichts miteinander zutun haben. Das umworbene Produkt wird so aber als positiver wahrgenommen.

Priming ist ein interessantes Phänomen, das uns alle im tagtäglichen Leben beeinflusst, dieser Prozess lässt sich mit dem eigenen Verhalten und dem Verhalten von anderen Personen in Zusammenhang bringen. Das nächste Mal, wenn Du dir also einen Film anguckst, der an einem traumhaften Strand spielt und du danach beginnst dir anzugucken, wann es günstige Flüge ans Meer gibt, bist du nicht verrückt, sondern wurdest vorher lediglich greprimet.

Bei Fragen oder Anregungen kann die Kommentarfunktion direkt unter dem Artikel genutzt werden!

Dieser Artikel ist eine Übersetzung des englischen Artikels von Jessica Taylor, Psychologin bei CogniFit.

Déjà-vu: Was bedeutet das und wie entsteht dieses Phänomen?

“Das hab ich doch schonmal gesehen”. Hattest du schon einmal das Gefühl eine Situation bereits erlebt zu haben? …Oder das Gefühl einen Ort zu kennen, obwohl du ihn in diesem Moment zum ersten Mal sahst? Was versteckt sich hinter einem Déjà-vu? Hier findest du wissenschaftliche Erklärungsansätze. 

Um das Phänomen des Déjà-vus ranken sich viele sagenumwobene Erklärungen. Manche behaupten, dass es sich um Zukunftsvisionen handelt, Erinnerungen aus vergangenen Leben, außerkörperliche Erfahrungen der Seele oder dass es sogar Außerirdische sind, die mit uns kommunizieren.

Déjà-Vu: Das Gefühl etwas schon vorher gesehen oder erlebt zu haben

Neben diesen mysteriösen Ansätzen bietet die Wissenschaft ihre eigenen Theorien zu der Entstehung des Phänomens.

Was ist ein Déjà-vu?

Das Wort Déjà-vu kommt aus dem Französischen und bedeutet “schonmal gesehen” und beschreibt das Gefühl, dass einem eine Situation so bekannt vorkommt, als hätte man sie bereits erlebt, obwohl sie vollkommen neu ist. Etwa 60 bis 80% der Menschen erleben zumindest einmal in ihrem Leben dieses Phänomen.

Es lassen sich verschiedene Typen von Déjà-vus unterscheiden.

Déjà Senti (bereits gefühlt), Déjà Vecu (bereits gelebt) une Déjà Visité (bereits besucht). Diese Formen des Déjà-vus überlappen zum Großteil und sind sich sehr ähnlich.

Was verursacht ein Déjà-vu?

1 Theorie zum Déjà-vu

Obwohl es sich beim Déjà-vu um ein weit verbreitetes Phänomen handelt, ist es in der wissenschaftlichen Welt noch weitgehend unverstanden. Dadurch dass es keinen genauen Stimulus gibt, der das Déjà-vu auslöst, ist es sehr schwierig, es im Labor zu untersuchen.

Schon seit jeher hat man versucht das Auftreten des Déjà-vus zu erklären:

  • Bereits im Jahre 1878 wurde in einer deutschen psychologischen Zeitschrift Erschöpfung als mögliche Ursache genannt.
  • William H. Burnham postulierte 1889 das genaue Gegenteil. Ihm zufolge findet das Gehirn, im komplett ausgeruhten Zustand, eine Referenz zu den neuartigen Charakteristika der Situation, wodurch das Gefühl der Vertrautheit ausgelöst wird.
  • 1884 glaubten einige Psychologen, dass die Ursache des Déjà-vus in einer Art “Doppeltem Gehirn” liegt. Eine Hemisphäre empfängt die Information kurz vor der anderen Hemisphäre, was das Gefühl der Vertrautheit schafft.
  • 1895 postulierte Frederic Myres, dass die Ursache darin liegt, dass das Unterbewusstsein vor dem Bewusstsein die Information registriert.
  • Arthur Allin (1896) ging davon aus, dass ein Déjà-vu deshalb entsteht, da wir kurz die Aufmerksamkeit verlieren, wenn mir mit einem neuen Bild konfrontiert sind.
  • Die Psychoanalyse geht davon aus, dass es sich um einen Schutzmechanismus des Ichs handelt um sich vor dem Über-Ich und dem Es zu schützen.
  • Nach Carl Jung ist ein Déjà-vu das Produkt eines “kollektiven Bewusstseins”, das Fragmente der menschlichen Erfahrung zeichnet, um so von Generation zu Generation zu überdauern.

Was die Wissenschaft über Déjà-vus sagt

Fehlfunktion in der Gehirnaktivität

Die Episoden des Déjà-vu scheinen sehr stark damit zusammenzuhängen, wie das Gehirn die Information abspeichert. Das Behalten von Erinnerungen über lange Zeiträume, autobiographische Erlebnisse und Sachverhalte werden in bestimmten Bereichen der Temporallappen (die über den Ohren situiert sind) gespeichert. Die Temporallappen sind auch dafür zuständig Vertrautheit und die Erkenntnis von Ereignissen zu detektieren.

Die Verbindung zwischen den Déjà-vus und den Temporallappen ist nicht genau bekannt. Trotzdem konnten Untersuchungen mit Epilepsie-Patienten Hinweise auf Zusammenhänge aufzeigen. Bei der Epilepsie kommt es zu einer exzessiven und ungeordneten Neuronenaktivität im Hippocampus und der Amygdala. Die Erkenntnisse weisen darauf hin, dass ein Déjà-vu auf eine abnormale elektrische Aktivierung des Gehirns zurückzuführen ist.

Viele Patienten mit Epilepsie berichten, dass sie ein Déjà-vu vor einem epileptischen Anfall erleben, sozusagen wie ein Vorzeichen.

Wie ist das aber bei gesunden Menschen? Man geht davon aus, dass ein Déjà-vu bei Personen ohne Pathologien eine Art momentane Fehlfunktion des Gehirns ist. Die Aktivität der Neuronen, welche die Erinnerung und Vertrautheit verarbeiten, feuern in diesem Moment, was dazu führt, dass das Gehirn die Vergangenheit mit der Gegenwart verwechselt. Auch bei gesunden Menschen finden sich solche abnormalen elektrischen Impulse, die zur Epilepsie beitragen. Ein Beispiel hierfür sind die physiologischen Mykolonien, das Muskelzucken, das einige Menschen kurz vor dem Einschlafen erleben.

Gefühl der Vertrautheit

Laut einer Studie haben Déjà-vus mit dem Fehlen von Erinnerung und der Vertrautheit der Situationen zutun. Die Versuchspersonen wurden instruiert aufmerksam eine Zeichentrickserie anzugucken. Im Anschluss wurden den Teilnehmern eine Zeichentrickserie mit anderen Elementen gezeigt, aber in ähnlicher Anordnung wie zuvor präsentiert. Die meisten Teilnehmer hatten das Gefühl eines Déjà-vus. Dies war umso deutlicher ausgeprägt je weniger sich die Teilnehmer an die vorherige Serie erinnerten.

Als Menschen besitzen wir eine sehr gute und viel bessere Erinnerungsfähigkeit für Objekte als für Gesamtsituationen. Wenn wir beispielsweise ein Déjà-vu haben während wir die Pflanze in der Wohnung eines Freundes betrachten, kann die Ursache hierfür sein, dass unsere Großmutter eine ähnliche Pflanze hatte, wir uns aber schlicht nicht daran erinnern. Wir erinnern uns nur, das schonmal gesehen zu haben.

Somit wäre ein Déjà-Vu auf das Gefühl der Vertrautheit etwas schonmal gesehen zu haben zurückzuführen, aber ohne die spezifische Erinnerung daran.

Entdecke, wie du dein Gedächtnis mit diesen 10 Tipps verbessern kannst.

Déjè-vu: Ein Gedächtnisfehler?

Verzögerung in der Verarbeitung

In dem System der sensorischen Informationsverarbeitung gelangt das, was wir wahrnehmen gleichzeitig über verschiedene Kanäle ins Gehirn. Eine andere Möglichkeit zur Erklärung für ein Déjà-vu ist, dass die Information eines dieser Kanäle verspätet ankommt und somit als eigenständiges Ereignis wahrgenommen wird. Wenn diese Information ankommt ist die restliche Information bereits verarbeitet, was das Gefühl entstehen lässt das Ereignis schon einmal erlebt zu haben.

Es gibt Menschen die ständig Déjà-vus erleben. Das kommt meistens bei älteren Menschen vor, die an einer Art von Demenz leiden. Diese Personen sind in der Regel deprimiert und niedergeschlagen, weil sie das Gefühl ereilt, alles schon gesehen und erlebt zu haben.

Im folgenden Video findet sich eine Zusammenfassung der verschiedenen Theorien zur Entstehung des Phänomens des Déjà-Vu.

Übersetzt aus dem Spanischen. Original: Andrea García Cerdán, Psychologin bei CogniFit.

Heuristik – Die Basis für schnelle Entscheidungen in komplexen Umwelten

Jeden Tag müssen wir unzählige Entscheidungen treffen, oft ohne viel Zeit zu haben über sie nachzudenken. Doch welche Strategie wenden wir an, um uns in diesen Fällen zu entscheiden? Oft nutzen wir dafür eine sogenannte Heuristik. Umgangssprachlich als Daumenregel oder Faustregel bezeichnet, bieten diese heuristischen Strategien die Möglichkeit schnell und adaptiv auf die Umwelt reagieren zu können. Im folgenden Artikel wird erklärt, was eine Heuristik ist, Beispiele genannt und welche Vor- und Nachteile durch Heuristiken entstehen können.

Heuristik – Die Basis für schnelle Entscheidungen in komplexen Umwelten

Stellen wir uns einmal vor, wir stehen auf einem Platz und spielen Baseball. Das Gegenüber schießt den Ball hoch in die Luft – ein sogenannter Flyball –  daraufhin rennen wir über den Platz und fangen den Ball auf. Doch wie machen wir das? Berechnen wir die komplexe mathematische Flugkurve des Balles in unserem Gehirn in Sekunden schnelle? Nein, das tun wir nicht.

Die Lösung: eine Heuristik

Wir nutzen eine Heuristik – eine mentale Daumenregel – um den Ball zu fangen. In diesem Fall fixieren wir den Ball mit unseren Augen hoch oben am Himmel und rennen los. Dabei laufen wir so schnell, dass der Blickwinkel zwischen Auge und Ball gleich bleibt. Wenn wir sehen, dass der Ball sich nach unten bewegt, laufen wir nach vorne. Bewegt sich der Ball nach oben, laufen wir rückwärts. Dabei passen wir die Laufgeschwindigkeit so lange an, bis sich der Ball scheinbar nicht mehr bewegt und nur noch größer wird. Tun wir das kommen wir nämlich genau dort an, wo der Ball aufkommt und können ihn auffangen. Die Blick-Heuristik hat in diesem Fall geholfen die richtige Entscheidung zu treffen (uns in eine bestimmte Richtung zu bewegen) und das Ziel zu erreichen (den Ball aufzufangen).

Wir haben es geschafft mithilfe weniger Informationen (wir wissen weder wie viele Meter unser Gegenüber entfernt steht, noch den Abschusswinkel, die Geschwindigkeit des Balles oder den genauen Luftwiderstand) eine adäquate Lösung für unser Problem zu finden. Dank einer Heuristik!

Definition Heuristik

Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie auffinden oder entdecken und bezeichnet die Fähigkeit mit unvollständigen Informationen, begrenztem Wissen und wenig Zeit oder Motivation dennoch zu einer guten und passenden Entscheidung zu kommen. In der Psychologie werden einfache aber effiziente Regeln als Heuristik bezeichnet.

Heuristiken kommen eben dann zum Einsatz, wenn wir nicht alle Informationen über die Situation kennen und es somit unmöglich ist, eine perfekte Entscheidung zu treffen. Im Alltag haben wir so gut wie nie die Möglichkeit alle Handlungsalternativen abzuwägen oder alle Informationen über unsere Umwelt zu sammeln, sondern müssen spontan und schnell handeln. Eine Heuristik liefert uns in den meisten dieser Fälle ein gutes Ergebnis. Durch die Verwendung von Heuristiken können aber auch systematisch verzerrte Schlussfolgerungen entstehen.

Eigenschaften von Heuristiken

Wodurch zeichnen sich Heuristiken aus?

  1. Eine Heuristik nutzt intuitive oder erlernte kognitive Fähigkeiten. Das bedeutet, dass eine Heuristik einfach anzuwenden ist, weil sie auf einer individuell und evolutionär erworbenen Fähigkeit basiert. Beispielsweise ist es für uns Menschen verhältnismäßig einfach ein Objekt mit unseren Augen zu verfolgen. Diese Fähigkeit ist die Grundlage der Blick-Heuristik.
  2. Eine Heuristik macht sich die Struktur der Umwelt zu Nutze. Eine Heuristik ist nicht entweder gut oder schlecht, sondern funktioniert in Abhängigkeit der gegebenen Umwelt. Sie sind nicht per se rational, sondern ökologisch rational. Heuristiken lassen sich nur für bestimmte Situationen gut anwenden und sind bis zu einem bestimmten Punkt bereichsspezifisch.
  3. Durch Heuristiken lässt sich Verhalten vorhersagen. Würde man davon ausgehen, dass die Person die Flugbahn berechnet, um den Ball fangen, würde sich die Person in direktem Weg zu der Aufschlagstelle begeben, um dort auf den Ball zu warten. Bei der Verwendung der Blick-Heuristik ist die Grundlage jedoch die Konstanthaltung des Blickwinkels was zur Folge hat, dass der Ball im Laufen gefangen wird. Diese Annahme entspricht dem real gezeigten Verhalten.

Heuristiken sind sowohl mit der Umwelt, als auch mit unserem Gehirn und unseren kognitiven Fähigkeiten verbunden.

Heuristiken Beispiele

Im folgenden Abschnitt werden zwei bekannte und intensiv erforschte Heuristiken vorgestellt. Zusätzlich werden die kognitiven Verzerrungen (systematischen Fehler), die im Zusammenhang mit ihrer Verwendung häufig auftreten anhand von Beispielen erläutert.

Die Verfügbarkeitsheuristik

Diese Heuristik wird verwendet, um die Häufigkeit oder Wichtigkeit eines Ereignisses zu schätzen, wenn nicht auf statistische Daten zurückgegriffen wird. Die Entscheidung wird in diesem Fall auf Basis der Verfügbarkeit eines Ereignisses in unserem Gedächtnis getroffen. Ereignisse, die wir schnell aus unserem Gedächtnis abrufen können, oder bei denen wir eine hohe Anzahl an Beispielen kennen, erscheinen uns wahrscheinlicher als solche, an die wir uns nur mit Mühe erinnern, oder wir nur wenige Beispiele kennen. Für Schlussfolgerungen ziehen wir also bevorzugt die Ereignisse heran, die wir besonders leicht aus unserem Gedächtnis abrufen können.

Möglicher systematischer Fehler: Durch persönliche Erfahrungen oder den Konsum von Medien kann es dazu kommen, dass wir die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Ereignisses über- oder unterschätzen.

Beispiele: 

  • Ein Rettungssanitäter wird aufgrund seiner Arbeit die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Unfalls eher überschätzen, ein regulärer Verkehrsteilnehmer diese eher unterschätzen.
  • Nach dem 11 September 2001 wurde die Wahrscheinlichkeit eines Terroranschlags von vielen Menschen aufgrund der enormen Medienpräsenz deutlich überschätzt, sodass viele auf die Alternative Auto umstiegen. In Folge dessen kamen im Jahr nach dem Anschlag über Tausend Menschen mehr in den USA bei Autounfällen ums Leben als das Jahr zuvor.

Die Repräsentativitätsheuristik

Bei dieser Urteilsheuristik wird die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses danach bewertet, wie sehr dieses einem Prototypen entspricht. Auf Grundlage dieser prototypischen Information werden entsprechende Schlussfolgerungen gezogen.

Möglicher systematischer Fehler:  
Da bei Anwendung der Repräsentativitätsheuristik Basisraten und statistische Eintrittswahrscheinlichkeiten missachtet werden, kann es zu Fehleinschätzungen kommen.

Beispiele: 

  • Wenn wir Lotto spielen, erscheint uns die Kombination “12, 5, 33, 26, 17, 1” eine übliche und repräsentative Ziehung. Die Kombination “1, 2, 3, 4, 5, 6” erscheint uns dagegen wenig prototypisch, obwohl ihre Ziehung genauso wahrscheinlich ist. Die letzte Zahlenkombination wird entsprechend auch deutlich seltener getippt.
  • Kahnemann und Tversky (1983) übergaben ihren Probanden eine schriftliche Beschreibung einer Frau, in welcher ihre Tätigkeit als Frauenrechtlerin und ihr Kampf für Emanzipation beschrieben wurde. Im Anschluss mussten die Probanden die Wahrscheinlichkeit angeben, mit welcher sie glaubten, dass die Frau eine Bankangestellte, eine Feministin oder eine Bankangestellte und Feministin sei. Hierbei schätzen die meisten, dass es wahrscheinlicher sei, dass sie Bankangestellte und Feministin ist, als nur Bankangestellte. Dies ist jedoch falsch. Die Wahrscheinlichkeit für zwei gleichzeitig auftretende Ereignisse kann nicht höher sein, als die Eintrittswahrscheinlichkeit für nur eines der beiden Ereignisse.

Heuristik – eine gute Strategie?

Sowohl die Verfügbarkeitsheuristik als auch die Repräsentativitätsheuristik können bei ihrer Anwendung zu kognitiven Verzerrungen führen und somit zu weniger guten Entscheidungen. Die Blick-Heuristik dagegen scheint uns in unserem Beispiel auf effektive und akzeptable Art und Weise zu unserem Ziel zu führen. Diese Beispiele erwecken den Eindruck, dass Heuristiken generell zu einer schlechteren oder höchstens gleich guten Lösung führen, im Gegensatz zu einer Entscheidungsfindung bei der alle verfügbaren Informationen einbezogen werden.

In der Psychologie wurden Heuristiken lange Zeit hauptsächlich als verzerrende und fehleranfällige Daumenregeln angesehen, weil sie einen großen Teil der verfügbaren Information ignorieren. Wie kommt es dann aber dazu, dass wir Menschen im Alltag gut zurechtkommen?

Die Strategie, Informationen zu ignorieren und nur einen Teil dieser in die Entscheidungsfindung einzubeziehen kann mitunter zu besseren Ergebnissen führen.

Gerd Gigerenzer untersucht am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin schnelle und einfache Heuristiken. Die von ihm vorgeschlagene Wiedererkennungsheurisitk verdeutlicht, dass das Fehlen oder Ignorieren bestimmter Informationen sogar zu einer besseren Leistung führen kann.

Die Wiedererkennungsheuristik (Rekognitionsheuristik)

Wir stellen uns einmal vor wir säßen in einer Quizshow und müssten folgende Frage beantworten:

Welche dieser beiden Städte hat mehr Einwohner? San Diego oder San Antonio?

Da diese Städte in Amerika liegen, sollten Amerikaner eine gute Chance haben diese Frage richtig zu beantworten. In der Tat beantworteten etwa zwei Drittel der in einer Studie befragten Studenten aus Chicago diese Frage richtig.

Wie sieht es mit der gleichen Frage in Deutschland aus?

Die meisten Deutschen wissen wenig über San Diego und von San Antonio hat kaum jemand jemals gehört. Das scheint die Chancen auf eine richtige Antwort zu verringern.

Doch das Gegenteil ist der Fall, von den Befragten Deutschen gaben 100% die richtige Antwort – und das obwohl sie es eigentlich nicht wussten. Wie kann das sein?

Die Rekognitionsheuristik: “Wenn von zwei Objekten nur eines wiedererkannt wird, dann hat dieses Objekt einen höheren Wert auf dem Kriterium”

Ganz einfach, sie konnten auf die Rekognitionsheuristik (Wiedererkennungsheuristik) zurückgreifen, die es in dem Fall erlaubt eine richtige Entscheidung zu treffen. Wenn es zwischen dem Wiedererkennen und dem Kriterium (hier Einwohnerzahl) einen positiven Zusammenhang gibt, kann diese Heuristik nützlich sein.

In unserem Beispiel gibt es eindeutig einen positiven Zusammenhang. Je mehr Einwohner eine Stadt hat, desto wahrscheinlicher ist es, dass wir von dieser schon einmal gehört haben. Die meisten Amerikaner kennen in diesem Beispiel hingegen beide Orte, sodass sie zur Beantwortung der Frage ein anderes Kriterium heranziehen müssen, wobei es häufiger zu Fehlern kommt oder sie neben der Wiedererkennung keine anderen Kriterien haben und einfach raten müssen.

Fehlende Information kann zu besseren Entscheidungen führen

Gerd Gigerenzer und seine Forschungsgruppe gingen sogar noch einen Schritt weiter: Sie verglichen den Vorhersagewert zu Investitionen an der Börse. Dabei verglichen sie die Prognosen von Straßenpassanten, die einfach ihnen bekannte Börsenunternehmen nannten mit den Prognosen von Finanzexperten und Börsenanalytikern. Es zeigt sich, dass Passanten die Börsenentwicklung besser vorhersagen konnten als die Experten.

Heuristiken ignorieren einen Teil der verfügbaren Informationen

Heuristiken sind Strategien, die dabei helfen, zeitsparend und ohne ohne große Mühe, Entscheidungen zu treffen. Dies geschieht, indem Heuristiken Teile der Informationen ignorieren und sich basale Umwelt- und Gehirnstrukturen zu Nutzen machen. Durch die schnelle Verarbeitung und das Ignorieren von Informationen können kognitive Verzerrungen auftreten, was zu schlechten Entscheidungen führen kann. Andererseits gibt es auch Fälle, in denen Heuristiken zu besseren Ergebnissen führen, als Strategien, die alle verfügbaren Informationen mit einbezieht.

Es ist dementsprechend gut, sich bestimmte Heuristiken bewusst zu machen, um Fehler zu vermeiden. Andererseits verdanken wir Heuristiken die Tatsache, dass wir im Alltag mühelos Entscheidungen treffen können und teilweise mit weniger Information sogar bessere Leistungen erzielen.

Referenzen:

Gigerenzer, Gerd. “Einfache Heuristiken für komplexe Entscheidungen.” (2006).

Gigerenzer, Gerd, Peter M. Todd, and the ABC Research Group. Simple heuristics that make us smart. Oxford University Press, 1999.

Hertwig, Ralph. “Strategien und Heuristiken.” Handbuch der Psychologie. Hogrefe, 2006. 461-469.

Sivak, Michael, and Michael J. Flannagan. “Consequences for road traffic fatalities of the reduction in flying following September 11, 2001.” Transportation Research Part F: Traffic Psychology and Behaviour 7.4 (2004): 301-305.

Tversky, Amos, and Daniel Kahneman. “Extensional versus intuitive reasoning: The conjunction fallacy in probability judgment.” Psychological review 90.4 (1983): 293.

Intrinsische Motivation: Was uns antreibt, unsere Ziele zu verwirklichen

Was bringt uns dazu gerne zu Fotografieren oder uns in einem Tanzkurs anzumelden? Wieso beschäftigen sich manche Menschen mit Dingen, aus denen sie keinerlei finanziellen Nutzen ziehen? Und was gibt uns die Energie unsere Ziele zu verfolgen? Eine wichtige Rolle spielt die intrinsische Motivation. In dem folgenden Artikel wird über diese antreibende Kraft gesprochen. Sie trägt dazu bei, dass wir nicht aufgeben, um unsere persönlichen Ziele zu erreichen. 

intrinsische Motivation

Was ist die intrinsische Motivation?

Motivation ist ein psychischer Prozess, der es uns ermöglicht nach einer bestimmten Art und Weise zu handeln. Wir können motiviert sein an einem Wettbewerb teilzunehmen, einen Mittagsschlaf zu machen oder vor einer unangenehmen Situation zu fliehen. Die Motivation hilft uns, uns an die Umwelt anzupassen und den Herausforderungen unterschiedlicher Situationen zu begegnen.

Gründe für die motivationalen Prozesse sind hierbei je nach Person sehr verschieden. Auch innerhalb einer Person variieren diese je nach Situation und Umständen.

Definition Motivation

Es lassen sich zwei grundlegende Arten der Motivation unterscheiden, die intrinsische Motivation und die extrinsische Motivation.

Die intrinsische Motivation hat ihren Ursprung in unserem Inneren, wenn wir wirklich Interesse haben uns auf eine bestimmte Weise zu verhalten ohne dafür eine Belohnung zu erwarten. Ein Beispiel der intrinsischen Motivation wäre es, unsere Zeit einer NGO zu widmen, obwohl diese Tätigkeit weder vergütet ist noch sonst irgendeinen Vorteil für uns bringt – abgesehen von der persönlichen Zufriedenheit.

Im Gegensatz dazu ist die extrinsische Motivation auf äußere Anreize (oder der Vermeidung von Bestrafung) zurückzuführen. Ein Beispiel dafür ist eine hart arbeitende Person, die so eine Gehaltserhöhung bekommt.

Es gibt zahlreiche Unterschiede zwischen der extrinsischen und intrinsischen Motivation, der Hauptunterschied liegt aber darin, dass die extrinsischen Motivation an die Erwartung einer Belohnung oder die Vermeidung einer Bestrafung geknüpft ist.

Ein und dieselbe Aufgabenausführung kann sowohl durch extrinsische als auch intrinsische Gründe motiviert sein. So kann jemand regelmäßig ins Fitnessstudio gehen um eine Belohnung wie Gewichtsverlust zu erhalten, andere Leute treiben hingegen Sport des Sportes Willens.

Im Folgenden wird auf die intrinsische Motivation genauer eingegangen. Dabei werden die zentralen Aspekte beleuchtet und gezeigt, wie sich diese Art der Motivation erhöhen lässt.

Intrinsische Motivation: Charakteristika 

  • Wir können unsere intrinsische Motivation beeinflussen: Ab und zu fällt es uns schwer die Ziele zu identifizieren, bei denen wir das beste von uns geben würden. Nichtsdestotrotz sind wir allgemein in der Lage Tätigkeiten zu finden, die unsere Neugierde wecken.
  • Belohnung kann dazu führen, dass die intrinsische Motivation verschwindet: Es hat sich in mehreren Studien gezeigt, dass in verschiedenen Kulturen die materielle Belohnung bestimmter Tätigkeiten zu einer schlechteren Leistung der Personen führt. Wie ist das möglich? Gemäß der Theorie der Überrechtfertigung sinkt das Interesse für eine bestimmte Aufgabe, wenn man dafür extrinsisch belohnt wird. Wenn jemand gerne zeichnet, dann aber dafür bezahlt wird als Illustratorin zu arbeiten, ist es möglich, dass anschließend das Zeichnen mehr als Pflicht und nicht mehr als Leidenschaft wahrgenommen wird.
  • Ebenfalls gibt es Formen der Belohnung, welche die intrinsische Motivation erhöhen: Im Gegensatz zur eben genannten materiellen Belohnung, können gezeigte soziale Unterstützung oder Anerkennung geschätzter Personen sehr wohl die intrinsische Motivation erhöhen. Eine erwartete materielle Belohnungen ist jedoch das, was uns uns am meisten daran hindert unsere Fähigkeiten zu entwickeln und uns den Aufgaben zu widmen, die uns wirklich begeistern.
  • Der Schwierigkeitsgrad hat Auswirkungen auf die intrinsische Motivation: Unsere Ziele laden uns dazu ein unsere Fähigkeiten maximal zu entwickeln und zu erhalten. Nichtsdestotrotz müssen wir davon überzeugt sein, den entsprechenden Herausforderungen gewachsen zu sein. Andererseits erscheinen uns zu einfache Aufgaben langweilig und interessieren uns nicht. Wenn wir ein perfektes Gleichgewicht des Schwierigkeitsgrades finden und voll und ganz in unserer Aufgabe aufgehen, dann spricht man vom sogenannten Flow, wie Csikszentmihalyi ungarischer Psychologe, bestätigt.

Intrinsische Motivation: Anwendung und Beispiele

Intrinsische Motivation in der Schule

Während der schulischen Ausbildung werden wir regelmäßig mit Inhalten konfrontiert, die uns langweilig oder sogar unangenehm erscheinen. Doch selbst wenn wir uns dem widmen, was uns wirklich motiviert, stoßen wir auf Hindernisse. Was lässt sich tun, um nicht aufzugeben?

Erst einmal ist es wichtig das Lernverhalten des Kindes zu stärken, ohne dabei direkt auf materielle Verstärkung zurückzugreifen, wenn es beispielsweise die Hausaufgaben erledigt. Eine Bestrafung anzudrohen ist ebenfalls keine wirksame Methode. Grundlegend sollte dem Kind beigebracht werden, dass es sich um eine befriedigende Aktivität handelt und kein Mittel zum Zweck ist. Die Motivation ist im Lernprozess elementar wichtig.

Es ist einfacher signifikativ zu lernen, wenn wir: Wissen wertschätzen; Neugierde fördern; uns hilfreiche Lernmethoden angewöhnen; Verbindungen zwischen Lerninhalten und unserem Alltagsleben herstellen und so entdecken, dass die Lerninhalte eine praktische Relevanz haben, usw.

Intrinsische Motivation bei der Arbeit

Die intrinsische Motivation ist im Arbeitsleben ein Schlüssel zum Erfolg. Wir alle kennen das Gefühl, dass wir ständig auf die Uhr gucken und die Zeit nicht vergeht, weil die Aufgabe, die wir zu erledigen haben uns keinen Spaß macht und wir endlich etwas Schönes unternehmen wollen. Gleichzeitig wissen wir, dass wir mit diesem Verhalten nicht zu erfolgreichen Ergebnissen kommen. Diese Umstände führen dazu, dass wir noch weniger Lust haben weiterzuarbeiten.

Es ist nicht immer einfach die Möglichkeit zu haben seinen Traumjob auszuüben. Dennoch gibt es Wege, in unserem Arbeitsleben motiviert zu sein: indem wir adäquate Pausen machen; mit unseren Arbeitskollegen eine gute Beziehung aufbauen; nicht in der Routine stecken bleiben, indem wir neue Lösungsansätze für unsere Probleme finden; etc.

Am Arbeitsplatz freiwillig Aufgaben zu übernehmen, kann die allgemeine Arbeitsbereitschaft und Motivation aller Mitarbeiter zur Folge haben. Diese kooperative soziale Verantwortlichkeit erzeugt somit sowohl Vorteile für die Leute die sie empfangen, als auch für die Person, die sie sendet.

Es gibt noch weitere Techniken, die von Unternehmen angewandt werden, um die Motivation ihrer Mitarbeiter zu steigern: von Zeit zu Zeit den Raum für eigens entwickelte Projekte zu bieten; ihre Aus- und Weiterbildungen zu finanzieren und ihre Stärken anzuerkennen. Das ist äußerst nützlich, um zu erreichen, dass die Mitarbeiter zufriedener sind und sich anstrengen – anstatt die Minuten bis zum Feierabend zu zählen.

Intrinsische Motivation im Alltag

Es existieren unzählige Alltagsaufgaben die wir um einiges besser ausführen, wenn wir eine intrinsische Motivation verspüren. Wir kochen aufwendiger und besser, wenn uns die Tätigkeit an sich Freude bereitet und nicht ausschließlich dazu dient uns zu ernähren.

Persönliche Beziehungen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle für unsere intrinsischen Motivation. Eine Verbindung zu Leuten aufzubauen, kann entscheidend dazu beitragen uns für eine bestimmte Aktivität zu motivieren. Mit Freunden zusammen eine Wanderung zu unternehmen oder ins Museum zu gehen, kann unsere Lust nach Bewegung und Kultur deutlich steigern.

Intrinsische Motivation: Vorteile 

  • Steigert unsere Produktivität: Die intrinsische Motivation fördert unsere Assoziationsfähigkeit und Originalität bei der Lösung von Problemen. Das führt dazu, dass wir weniger schnell ermüden und eine positive Einstellung unseren Aufgaben gegenüber aufrechterhalten können.
  • Erhöht das Wohlbefinden: Zu Wissen welche Aufgaben uns Freude bereiten und diesen Zeit widmen zu können, ist eine unversiegbare Quelle persönlicher und professioneller Zufriedenheit.
  • Steigert unser Selbstbewusstsein und Selbstwirksamkeit: Der Aufwand, den wir für uns motivierende Aufgaben aufwenden, ist in der Regel durch große Fortschritte gekennzeichnet. Dies führt dazu, dass wir uns kompetent und zufrieden fühlen. Wen erfüllt es nicht mit Stolz und Freude, wenn er Fortschritte in der Aufgabe macht, die ihm gefällt?
  • Erleichtert die Autonomie: die intrinsische Motivation treibt uns dazu an unser Wissen in den Bereichen zu erweitern die uns interessieren; eine Aufgabe zu bearbeiten ohne dass uns jemand darum bittet; Eigeninitiative zu ergreifen, um eigene Werke zu erschaffen.
  • Ist stabiler als die extrinsische Motivation: Wenn eine Entlohnung für unsere Aufgabe erhalten, hören wir in zahlreichen Fällen auf das Ziel zu verfolgen, das wir hatten. Wenn beispielsweise unser Ziel war, die Biologieprüfung zu bestehen und wir eine 4 als Endnote bekommen, ist es sehr wahrscheinlich, dass wir, sobald wir unsere Note erfahren, dieses Fach vergessen. Wenn uns der Inhalt hingegen mitreißt, werden wir versuchen weitere Sachen zu lernen, auch wenn wir keine Prüfungen mehr haben.

Obwohl die intrinsische Motivation positiver erscheint als die extrinsische, ist diese trotzdem notwendig. Es ist beispielsweise nicht möglich, den Mitarbeitern im Unternehmen kein Gehalt mehr auszuzahlen, wenn sich ihre Leistung verringert.

Außerdem ist es möglich, beide Motivationsformen zu kombinieren. Beispielsweise kann es sein, dass wir beginnen in eine Yoga-Klasse zu gehen, um unsere Rückenschmerzen loszuwerden und am Ende gehen wir dorthin, weil es uns unheimlichen Spaß bereitet. Wichtig ist, die externe Belohnung nicht als Hauptziel anzusehen.

Wie lässt sich die intrinsische Motivation entwickeln? 5 grundlegende Tipps

1. Vermeide Routine

Das Gefühl von Monotonie führt zu Müdigkeit und Langeweile. Wenn du beispielsweise gerne morgens joggen gehst um aktiv zu werden, kannst du versuchen deine Route zu variieren und so neue Alternativen zu entdecken. Herausforderungen motivieren uns, Engagement für Aktivitäten aufzubringen, die uns begeistern.

2. Nimm eine positive Haltung ein

Grundlegend ist es wichtig, sich auf den Prozess zu konzentrieren ohne dabei Druck auf sich auszuüben perfekte Ergebnisse erzielen zu müssen. Uns selbst zu vertrauen und uns positiv zu bewerten, ist fundamental für unser Wohlbefinden. Des Weiteren sollten wir nicht vergessen, dass das Ziel der Aufgabe sein sollte, diese ohne Druck und negative Gedanken zu genießen, wenn wir diese durch intrinsische Motivation heraus begonnen haben.

3. Sei nicht zu anspruchsvoll mit dir selbst 

Uns unerreichbare Ziele zu setzen oder unsere Ergebnisse negativ zu bewerten, ist kontraproduktiv für unsere intrinsische Motivation. Trotzdem ist es gut, kritisch mit uns selbst zu bleiben, wir sollten versuchen uns objektiv zu bewerten. Dabei ist es von Vorteil, sich auf das zu konzentrieren was wir verbessern können und dabei konkrete Bereiche vor Augen haben, anstatt nur an unsere Fehler zu denken und uns für diese zu bestrafen.

4. Belohne deine Fortschritte

Obwohl angemerkt wurde, dass die intrinsische Motivation nicht auf Belohnung beruht, ist es wichtig, dass wir unsere Verdienste anerkennen. Ebenso sollten wir uns für das was wir erreicht haben loben. Dabei können wir uns kleine Pausen oder Gelüste für unsere geleistete Arbeit gewähren.

5. Umgebe dich mit Personen, die ähnliche Interessen haben wie du selbst 

Wenn wir an sich schon gerne Tanzen und zusätzlich aber auch noch einen Freundeskreis haben, der gerne neue Choreographien einstudiert, steigt mit Sicherheit unser Interesse. Es ist wichtig, dass wir unsere Erfahrungen mit Menschen teilen können, die sich für die gleichen Dinge begeistern wie wir. Heutzutage ist es glücklicherweise relativ einfach Leute zu finden, bei denen dies der Fall ist.

Intrinsische Motivation: Autoren

– Abraham Maslow

Maslow ist einer der bekanntesten Theoretiker der Motivationslehre. Dieser humanistische Psychologe ist vor allem für seine Bedürfnispyramide bekannt, in welcher die menschlichen Bedürfnisse hierarchisch angeordnet sind. Die intrinsische Motivation ist hierbei vor allem mit der Spitze der Pyramide assoziiert, basierend auf dem Bedürfnis der Selbstverwirklichung. In der Selbstverwirklichung erreicht unsere Existenz ihren maximalen Sinn und unser gesamtes Potential lässt sich verwirklichen.

– Albert Bandura

Dieser Psychologe entwickelte das Konzept der Selbstwirksamkeitserwartung. Es bezeichnet die Idee, dass die Meinung einer Person über eine Aufgabenausführung von der Erfolgserwartung, Ausdauer und wie viel Zeit sie dieser widmet, abhängt. Wenn wir zum Beispiel merken, dass wir durch große Anstrengungen unser Englisch verbessern können, werden wir uns stolzer und fähiger fühlen unsere Sprachkenntnisse zu perfektionieren. Personen, die an ihre eigenen Kompetenzen glauben, zeigen eine höhere Ausdauer bei der Aufgabenbewältigung.

– Eduard Deci und Richard Ryan

Die von diesen Autoren postulierte Selbstbestimmungstheorie geht davon aus, dass wir uns den Aufgaben widmen die uns interessieren, statt jenen die in uns kein Interesse hervorrufen. Diese Theorie ist besonders für den sportlichen Bereich wichtig. Wir müssen eine gewisse Autonomie besitzen wenn wir unsere Entscheidungen treffen. Unsere Vorlieben sind sehr verschieden und jede Person handelt entsprechend ihrer Präferenzen.

– Mihaly Csikszentmihalyi

Dieser Spezialist der positiven Psychologie untersucht den Zustand des Flows, der entsteht, wenn wir uns in eine Aufgabe vertiefen, die weder zu leicht noch zu schwierig für uns ist. In diesem Zustand konzentrieren wir uns ganz auf die Aufgabe und vergessen die Zeit und alles andere um uns herum. Ein Beispiel können Künstler sein, die in ihre Arbeit versunken ihre Werke erschaffen.

Csikszentmihalyi ist Experte auf dem Gebiet der Kreativität und untersucht mit seiner Forschung den Zustand des Flows. In dem folgenden Video erklärt er einen Teil seiner Entdeckungen und die entscheidende Rolle, welche die intrinsische Motivation darin spielt.

Falls Fragen oder Anmerkungen zum Artikel bestehen, kann gerne die Kommentarfunktion genutzt werden.

Übersetzt aus dem Spanischen: Ainhoa Arranz Aldana, Psychologin bei CogniFit.

Prokrastination. Schiebst du alles auf? 20 hilfreiche Tipps für’s Prokrastinieren

Hörst du nicht auf, ein wichtiges Projekt aufzuschieben oder eine wichtige Aufgabe zu vertagen? In diesem Artikel wird erklärt, was es bedeutet zu prokrastinieren, welche Gründe und Folgen es hat und welche Vor- und Nachteile dieses Verhalten bietet. Außerdem haben wir 20 wertvolle Tipps, die helfen, die Prokrastination zu überwinden.

Prokrastination

Prokrastination überwinden: Was bedeutet Prokrastinieren?

Prokrastination stammt aus dem Latein und bedeutet so viel wie “vertagen” oder “aufschieben”. Wen führt es nicht in Versuchung die unangenehmen Aufgaben vor sich herzuschieben? Dabei ist es egal, ob wir eine E-Mail beantworten müssen, die Garage aufgeräumt werden sollte, ein Missverständnis geklärt oder eine andere Aufgabe erledigt werden muss. Immer gibt es irgendetwas, das uns ablenkt. Uns fällt ein, dass wir die Glühbirne wechseln wollten, dass noch ein leckeres Stück Kuchen im Kühlschrank wartet oder unsere Freunde im Gruppenchat lustige Bildchen geschickt haben, die wir uns unbedingt angucken wollen.

Diese Situationen kommen wahrscheinlich jedem von uns bekannt vor (gut möglich, dass du gerade in diesem Moment auch dabei bist zu prokrastinieren…?). Die Mehrheit von uns wünscht sich im Nachhinein, die Aufgabe ohne Prokrastination erledigt zu haben, um in der Nacht vor der Abgabe ruhigen Gewissens schlafen zu können. Im Folgenden erfährst du, was du gegen dieses Phänomen unternehmen kannst und was du tun kannst, damit Prokrastination deiner Vergangenheit angehört.

“Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.”

Prokrastination überwinden: Gründe für Prokrastination

Die Gründe weshalb wir einen Teil unseres Lebens damit verbringen Aufgaben vor uns herzuschieben sind zahlreich und liegt in der Natur des Menschen. Obwohl niemand ohne Unterbrechungen den ganzen Tag arbeiten kann, gibt es große Unterschiede darin, wie viel Zeit wir damit verbringen zu prokrastinieren. Es gibt Leute die hierfür anfälliger sind als andere. Bei einigen ist es eine Angewohnheit in kurzen Momenten etwas anderes zutun (diese Leute prokrastinieren nicht wirklich), für andere wiederum entstehen dadurch ernst zunehmende Probleme und die Arbeit wird über Stunden hinauszögert.

Die Gründe, die uns in die Prokrastination treiben sind vielzählig. Einige die dazu beitragen sind Langeweile, Konzentrationsprobleme, Erschöpfung, Konzentrationsmangel, Angst vor Versagen, etc.

Kennst du jemanden, der noch nie prokrastiniert hat? In unserem Leben müssen wir unzählige Aufgaben erledigen auf die wir keine Lust haben, die uns womöglich sogar sehr unangenehm sind. Da erscheint es natürlich viel verlockender die Fliesen auf dem Boden zu betrachten oder lustige Katzenvideos im Internet anzugucken. Manchmal motivieren wir uns sogar, eine andere Aufgabe anzufangen, verschieben sie dann aber doch, weil wir nicht wissen, wie wir sie beginnen sollen oder weil wir Angst haben uns mit dem Ergebnis selbst zu enttäuschen.

Obwohl wir eigentlich wissen, dass es besser ist sich Aufgabe in kleine Teilaufgaben zu unterteilen und Arbeit Ruhe und Zeit benötigt, scheinen wir das alles zu vergessen, sobald wir die unzähligen Ablenkungsmöglichkeiten vor uns finden. Sei es der Computer, das Handy oder sogar ein weißes Blatt Papier.

Durch die neuen Technologien wie Smartphone und Laptop ist die Anzahl der Möglichkeiten uns von den eigentlichen Aufgaben abzulenken ins Unermessliche gestiegen.

Prokrastination überwinden: Folgen der Prokrastination

  • Schuldgefühle: Sehr häufig kommt es zu Gedanken wie “Ich hätte nicht so viel Zeit verlieren sollen”.
  • Stress: Nachdem wir den Berg an Aufgaben betrachten, der sich nach einer Woche Prokrastination angesammelt hat, treten die Anzeichen und Symptome von Stress auf und erinnern uns daran, dass wir endlich ernsthaft anfangen müssen zu arbeiten. (So bewältigt man Stress)
  • Geringere Leistung: Ganz offensichtlich kommt es zu Leistungseinbußen, wenn wir zu viel Zeit damit verbringen lustige Videos im Internet anzugucken, oder anfangen unsere Kassenbons zu sortieren. Es bleibt uns dann nur noch ein kostbarer Moment, um die eigentliche Aufgabe zu erledigen, was dazu führt, dass unsere Aufmerksamkeit und Motivation schwindet.
  • Vorwürfe von Arbeitskollegen oder Vorgesetzten: Üblicherweise sind Leute, die prokrastinieren am Arbeitsplatz nicht beliebt, vor allem wenn sich das negativ auf ihre Leistung auswirkt. Das führt in der Regel zu Kritik und Antipathie. Im Extremfall kann Prokrastination sogar dazu führen, dass wir unseren Arbeitsplatz verlieren.
  • Schamgefühl: Wenn uns andere Leute verurteilen, löst das in der Regel ein Schamgefühl bei uns aus. Diese negative Selbstbewertung und das Bedürfnis uns zu verstecken, kann dazu führen, dass wir unsere Aufgaben unterbrechen. Außerdem kann es ernstzunehmende Folgen für unsere mentale Gesundheit haben.
  • Prokrastinationsspirale: Wenn wir aufgrund mangelnder Anstrengung keine positive Rückmeldung auf der Arbeit erhalten, kann das zur Folge haben, dass wir noch mehr der Gewohnheit verfallen zu prokrastinieren. Das kann zu einer Spirale voller Selbstvorwürfe, Selbsthass, einem geringen Selbstwertgefühl und  Selbstwirksamkeit führen.

Prokrastination ist in vielen Bereichen des Lebens präsent. Selbst im Alltag kann es sein, dass wir Aufgaben vor uns herschieben, die langfristig eigentlich unser Wohlbefinden verbessern würden, wie Beziehungsprobleme anzusprechen oder uns im Fitnessstudio anzumelden. Im Folgenden werden zwei grundlegende Bereiche vorgestellt, in denen es zu Prokrastination kommt..

Prokrastination im Unternehmen

Die Gewohnheit der Prokrastination in Unternehmen ist ein großes Problem für jegliche Art von Organisation. Über die E-Mail-Adresse der Arbeit persönliche Nachrichten zu schreiben, während der Arbeitszeit mit der Familie zu telefonieren oder uns anderen arbeitsfernen Dingen zu widmen sind Gewohnheiten die den Arbeitsablauf verzögern. Das Unternehmen kann hierbei Geld verlieren und wir verpassen vielleicht die Chance einer Beförderung, oder werden sogar für dieses Verhalten bestraft. Offensichtlich ist es kein Problem, wenn wir in einem bestimmten Rahmen andere Dinge erledigen, aber wenn wir diese nicht unter Kontrolle haben, so kann dies schnell zur Routine werden, die anschließen schwierig zu durchbrechen ist.

Prokrastination in der Schule

Welche Auswirkungen hat die Prokrastination auf die schulische Leistung? In der Schule oder Universität zu prokrastinieren ist sehr üblich. Oft ist es so, dass wir das was wir lernen sollen langweilig finden oder es uns schwer fällt den Inhalt zu verstehen. Nicht selten kommt es vor, dass wir von anderen hören “Ich habe nur letzte Nacht für die Prüfung gelernt”. Wenn wir so vorgehen, vergessen wir das Gelernt in der Regel sehr schnell.

Manchmal geht diese Strategie auf, dass wir 24 Stunden fast ohne zu Schlafen da sitzen und uns das Wissen in den Kopf pressen, indem wir ohne Pausen zu machen schreiben, markieren und lesen. Selten führt das Ganze jedoch zu wirklich guten Ergebnissen und vor allem kommt es nicht zu einem signifikanten Lernerfolg.

Gute Lernstrategien sind ein Schlüssel zum Erfolg für alle Studierenden. Die Prokrastination im akademischen Bereich kann dazu führen, dass die Aufgabenausführung behindert wird, was oft zur Folge hat, dass die betroffene Person davon ausgeht, dass “studieren nichts für sie sei”. Das führt oft zu negativen Gefühlen, welche die Motivation zu Lernen ausbremsen.

In diesem Video erklärt der Blogger Tim Urban auf lustige Art und Weise welche Ursachen und Folgen die Prokrastination hat.

Prokrastination überwinden: 20 Tipps

Uns beeindrucken die Leute, die ihre Aufgaben zügig und deutlich vor Ablauf der Frist abgeben und gleichzeitig nebenbei noch ins Fitnessstudio gehen, Musikunterricht nehmen und Zeit haben ihre Freunde zu sehen. Wie erreichen sie diesen Grad an Organisiertheit? Sind sie besser als wir?

Dadurch, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass diese Leute über Superkräfte verfügen, ist es wohl eher so, dass diese Leute es schaffen dem Impuls zu prokrastinieren Stand zu halten und so Zeit für die wichtigen Dinge im Leben zu finden. Du kannst es ebenfalls schaffen die Prokrastination zu überwinden! Im Folgenden werden dir einige Vorschläge und Tipps gegeben, um unnötige Ablenkung zu vermeiden.

1. Mach dir klar, dass es ohne Anstrengung nicht klappt

Es existiert kein Geheimnis, das uns auf einmal erlaubt alle Aufgaben in der Hälfte der Zeit ohne Ablenkung zu erledigen und dabei nicht zu prokrastinieren. Ebenso wenig werden wir dabei auf einmal wahnsinnig Spaß haben, ohne dafür einen Aufwand betreiben zu müssen. Was wir aber tun können, ist unsere Einstellung unseren Aufgaben gegenüber zu verändern und ihnen anders zu begegnen.

Vielleicht schaffen wir es dadurch am Ende sogar unsere Aufgaben nicht als Pflicht wahrzunehmen, sondern als machbare Herausforderung anzusehen, was uns ein Gefühl von Kompetenz bei der Ausführung gibt.

2. Notiere deine Prioritäten

Wenn wir gleichzeitig daran denken, dass wir ein Haustier wollen, die Wäsche waschen müssen, bis morgen 20 Seiten schreiben sollen und Kaugummis kaufen werden, usw…. ist es gut möglich, dass uns die Vielfalt an Vorhaben erdrückt und wir nicht wissen, wo wir anfangen sollen. Wenn wir jedoch eine Hierarchie bilden (und uns anschließend an den Ablauf halten) haben wir den Eindruck, dass es viel leichter ist unsere Vorhaben in die Tat umzusetzen.

3. Sei realistisch

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass du zwei Wochen nach China gehst und anschließend die Sprache fließend beherrscht. Ebenso wenig schaffen wir es das beste Projekt zu entwerfen, wenn wir die Vorgaben nicht verstanden haben. Es ist genauso wichtig zu wissen was wir wollen, wie uns realistische Ziele zu setzen. Außerdem kann es von Vorteil sein Teile der Aufgaben an andere abzugeben und dadurch auf realistischere Art zum Ziel zu gelangen.

4. Erinnere dich daran, was dich motiviert

Es ist wichtig, dass wir wissen was wir erreichen möchten. Dabei genügt es nicht eine vage oder widersprüchliche Idee zu haben, ob wir unsere Hausarbeit fertigstellen wollen oder lieber eine Webseite erstellen. Es ist wichtig uns selbst den Weg zu weisen, um nicht vom eigentlichen Ziel abzukommen. Dabei kann es hilfreich sein sich Notizzettel in Sichtweite des Schreibtisches aufzuhängen. Wichtig ist, dass das Ziel keine Traumvorstellung bleibt.

5. Hab kein Angst beim Versuch zu scheitern

Besiege die Angst vor dem Versagen. Oft erreichen wir unsere Ziele nach dem “Trial and Error” Prinzip. Beim Problemlösen ist es wichtig verschiedene Dinge auszuprobieren, um die beste Lösung zu finden. Wenn wir scheitern,können wir kreative Ideen finden und den Impuls verspüren, das Beste geben zu wollen.

Wenn du andererseits wirklich nicht für eine bestimmte Aufgabe vorbereitet bist oder die Aufgabe dich unglücklich macht, hab keine Angst die Aufgabe sein zu lassen. Wichtig ist, dass du diese Entscheidung weise und in Ruhe triffst und nicht aus Frustration oder Angst.

6. Plane deine Aufgaben

Es reicht nicht die Aufgabe zu planen, denn das kann eine weitere Form von Prokrastination sein, wenn wir nur vage darüber nachdenken was und wie wir es tun könnten und schlussendlich nicht so handeln. Es ist wichtig einige Aufgaben vorab zu konkretisieren, nachdem wir entschieden haben: “Welches sind die relevantesten?”, “Wie schwierig sind die Aufgaben ungefähr?”, “Wie lange werden wir für sie brauchen?”, usw. Es ist dementsprechend empfehlenswert unsere Arbeit in kleine Schritte zu unterteilen, um die vorangegangenen Fragen besser beantworten zu können. Durch diese Überlegungen können wir unsere Arbeit in kleine Schritte unterteilen.

Wenn dein Vorhaben beispielsweise ist, den Führerschein zu machen, reicht es nicht zu denken “eines Tages bestehe ich die Prüfung” oder “wie sehr ich mich darauf freue mit meinem eigenen Auto in den Urlaub zu fahren”. Um aufzuhören zu prokrastinieren musst du dich in der Fahrschule anmelden, die Theoriestunden absolvieren, dich auf die Prüfung vorbereiten, usw. Setze dir kleine Ziele, die dich Schritt für Schritt leiten.

7. Setze dir einen Zeitrahmen

Das ist eine schwierige Aufgabe für Leute die professionell prokrastinieren. Aber wir können versuchen uns mit kleinen Tricks zu überlisten, indem wir beispielsweise das Abgabedatum im Kalender vorrücken. Wenn wir davon ausgehen, dass wir eine Aufgabe schon am Montag abgeben müssen, haben wir vor Ende der echten Deadline mehr Zeit Fehler zu korrigieren.

8. Reflektiere deine Taten und Emotionen

Wenn du am Ende eines Tages kurz Inne hältst und bewertest, was du schon geschafft hast und was du noch erledigen musst, hast du eine adäquatere Vorstellung davon, was am nächsten Tag auf dich zukommen wird und wie du dich verbessern kannst. Wenn du außerdem über deine Emotionen nachdenkst, kann dir das helfen diese besser zu steuern und deine Selbstkontrolle zu steigern.

Es kommt häufig vor, dass wir einer Person begegnen, die prokrastiniert, die nicht weiß bis zu welchem Punkt sie ihre Aufgaben eigentlich hinauszögert, was wiederum zur Aufrechterhaltung dieses Verhaltens führt. Es raubt uns kaum Zeit kurz zu rekapitulieren welches unsere Fortschritte sind, was außerdem dazu führt, dass wir unser Ziel noch präziser erreichen können.

9. Belohne dich für gut gemachte Arbeit

Nach der eigenen Bewertung des Fortschritts gibt es bestimmt Dinge die uns mit Stolz erfüllen. Wir können uns für unsere erreichten Ziele auf verschiedene Art und Weise belohnen: Ein Eis oder Konzertkarten können unsere Laune heben und uns motivieren weiter hart zu arbeiten. Indem wir Bewusstsein über unsere geleistete Arbeit schaffen, steigern wir unser Selbstbewusstsein und unsere Selbstwirksamkeit.

10. Versuche Spaß an der Arbeit zu haben

Nicht immer finden wir unseren Traumjob, ebenso wenig können uns alle Fächer Spaß machen, die wir in der Schule besuchen. Nichtsdestotrotz kann ein angenehmes Arbeitsklima und die Auflistung der Vorteile des Arbeitsplatzes dazu beitragen, dass wir aufhören zu prokrastinieren und uns dazu motivieren unsere Aufgaben zu erfüllen. Wenn man damit erstmal angefangen hat, ist es meistens gar nicht so schwierig und läuft vielleicht sogar besser als erwartet.

11. Mache richtige Pausen

Zu versuchen unsere Arbeit zu machen wenn wir erschöpft sind ist kontraproduktiv und führt dazu, dass wir noch mehr prokrastinieren. Es ist wichtig ausreichend zu schlafen und dabei einen geregelten Rhythmus einzuhalten. Ein erholsamer Schlaf führt außerdem zu einer besseren Gedächtnisleistung.

12. Erhole dich von Zeit zu Zeit

Selbst wenn wir nur noch wenig Zeit haben um eine Aufgabe zu beenden, ist es wichtig, dass wir uns die Zeit nehmen einen Schritt zurück zu treten um anschließend Fehler besser entdecken zu können, oder neue Perspektiven zu erlangen. Andererseits ist es wichtig eine maximale Pausenzeit zu definieren. Wenn wir nicht kontrollieren wie häufig und wie lange wir pausieren, führt das in der Regel nur dazu, dass wir weiterhin prokrastinieren.

13. Lege Essenszeiten fest

Unser Dienst- oder Stundenplan lässt manchmal wenig Spielraum unsere Essenszeiten einzuhalten. Um die Prokrastination zu überwinden ist es aber wichtig Essenszeiten festzulegen, damit wir dem Kühlschrank nicht mehr Besuche abstatten als notwendig.

14. Ordne deinen Arbeitsplatz

Wenn sich auf unserem Schreibtisch der Schlüsselbund, die Postkarte unserer Freunde, Notizen von vor drei Jahren, die neuen Strümpfe und ein paar Stifte in kompletter Unordnung befinden ist es sehr wahrscheinlich, dass wir die entscheidenden Objekte nicht griffbereit haben oder uns am Anblick an diesem Chaos stören und dadurch ablenken lassen.

Sich anzugewöhnen Dinge nach der Benutzung wieder an einen bestimmten Ort zu legen, kann schwierig erscheinen. Doch auch wer diese Gewohnheit bisher nicht pflegt, sollte damit beginnen. Dies bedarf einer gewissen Anpassungszeit, offensichtlich lassen sich Gewohnheiten nicht an einem Tag ändern. Um uns das Prokrastinieren abzugewöhnen sollten wir jedoch versuchen unseren Arbeitsplatz ein wenig zu entrümpeln.

15. Entferne Ablenkungsmöglichkeiten aus deinem Sichtfeld

Mit einem aufgeräumten und angenehmen Arbeitsumfeld ist es noch nicht getan. Es ist auch wichtig zu wissen, welche Dinge uns davon abhalten zu arbeiten. Müssen wir wirklich all diese Tabs in unserem Browser geöffnet haben? Und dieses Spiel hier stehen zu haben was uns geschenkt wurde? Sehr wahrscheinlich nicht. Dinge aus dem Sichtfeld zu schaffen kann nicht verhindern, dass wir anfangen uns mit ihnen abzulenken, verringert aber die Wahrscheinlichkeit.

16. Lenke dich nicht dadurch ab, dass du mit Leuten sprichst

Unsere sozialen Kontakte zu pflegen ist wichtig für eine gute Leistungsfähigkeit. Gleichzeitig ist es aber elementar, dass wir uns konzentrieren,wenn wir müssen. Bei Gruppenarbeiten ist es sinnvoll ein paar Grundregeln aufzustellen und uns bewusst darüber zu sein welches die gemeinsamen Ziele sind.

Übrigens ist soziale Unterstützung fundamental um Ziele zu erreichen. Unsere Freunde, Familie und Partner werden Verständnis dafür haben, dass wir ein Ziel verfolgen und im Anschluss an die Arbeit sprechen können, ohne uns schlecht zu fühlen dass wir prokrastinieren. Wenn wir unsere Ziele mit anderen Leuten teilen, werden sie uns selbst bewusster, was unser eigenes Pflichtbewusstsein schärft.

17. Schalte dein Handy auf lautlos

Das Handy ist eines der häufigsten Ablenkungsquellen und sollte deswegen gesondert in Betracht gezogen werden. Wenn wir einen wichtigen Anruf erwarten, erscheint uns dies unmöglich, in den meisten Fällen lenken uns aber Nachrichten von Freunden ab, die uns erzählen was sie gestern Abend unternommen haben oder wir erhalten Nachrichten von sozialen Netzwerken. Um Ablenkung zu vermeiden kann es helfen das Handy lautlos zu schalten, den Flugmodus zu aktivieren, wenn wir beschäftigt sind.

18. Finde deine eigene Methode

Von den genannten Techniken kannst du alle möglichen Kombinationen ausprobieren und die sein lassen, die nicht funktionieren. Jeder muss dabei seine eigenen kleinen Tricks herausfinden. Mach dir bewusst welche Strategien dir helfen deine Ziele zu erreichen und das Prokrastinieren zu unterlassen und welche nicht.

19. Bestrafe dich nicht zu sehr fürs Prokrastinieren

Vielleicht versuchst du seit Monaten deine Bachelorarbeit zu schreiben, einen Job zu suchen oder du schiebst irgendeine andere Aufgabe vor dir her. Wir wir mittlerweile wissen kann das schwerwiegende Konsequenzen für uns und unser Wohlbefinden haben.

Es ist empfehlenswert uns auf die Zukunft zu konzentrieren. Was in der Vergangenheit passiert ist lässt sich nicht mehr ändern. Wir können uns jedoch auf neue Ziele und Herausforderungen konzentrieren und unsere Einstellungen ihnen gegenüber verändern.

20. Konsultiere einen Spezialisten, wenn du Hilfe brauchst

Prokrastination kann die Folge eines anderen psychologischen Problems, wie einer Depression oder Angststörung, sein. Wenn du das Gefühl hast zu stark zu prokrastinieren und die negativen Konsequenzen dieser Angewohnheit zu spüren bekommst, obwohl du wirklich versucht hast dem entgegen zu wirken, ist es empfehlenswert einen Spezialisten aufzusuchen.

Wenn diese Gewohnheit zu einem Hindernis wird unsere persönlichen und Beruflichen Ziele zu verfolgen und uns weiterzuentwickeln, kann uns ein Experte helfen, den Ursachen des Problems auf den Grund zu gehen und das Problem zu lösen.

Prokrastination: Gibt es Vorteile?

Prokrastination überwinden: Vorteile und Nachteile der Prokrastination

In diesem Artikel haben wir uns auf die negativen Folgen der Prokrastination konzentriert. Wir wissen also bereits, dass es zahlreiche negative Konsequenzen hat und wie tiefgreifend sie bestimmte Lebensbereiche beeinflussen können. Wir wollen an dieser Stelle aber auch die positiven Seiten dieser Angewohnheit kurz beleuchten. Es gibt auch Vorteile. Im Folgenden findest du die wichtigsten Vorteile der Prokrastination:

  • Manchmal ist es notwendig Druck zu verspüren: In Momenten wenn nur noch wenig Zeit bis zur Deadline bleibt, geben wir am meisten und arbeiten oft sehr effektiv.
  • Prokrastination kann uns Zeit zum Denken geben: Indem wir eine Arbeit unterbrechen, können wir uns darüber bewusst werden, dass wir nicht den richtigen Weg eingeschlagen haben. Sich von einer Arbeit zu distanzieren ist wichtig um eine objektivere Sicht zu erlangen.
  • Fördert unsere Kreativität: Manchmal kann es dazu kommen, dass wir eine Idee für unsere Arbeit bekommen, während wir dabei sind unseren Sitznachbarn zu zeichnen.
  • Ermöglicht uns Spaß: Einen Teil unserer Zeit Dingen zu widmen, die uns Freude bereiten, hilft uns produktiver zu sein. Dabei ist es wichtig nicht zu übertreiben und unsere Pflichten nicht zu vergessen.

Wichtig ist, dass wir die Prokrastination soweit unter Kontrolle haben, dass sie unser Leben nicht negativ beeinflusst. 

Vielen Dank, dass du diesen Artikel gelesen hast. Falls du eine Frage hast oder uns deine Tipps gegen Prokrastination mitteilen möchtest, hinterlasse einen Kommentar!

Übersetzt aus dem Spanischen. Original: Ainhoa Arranz Aldana, Psychologin bei CogniFit.

Der Hypothalamus: Die Bedeutung der Hormone im Gehirn.

Was ist eigentlich der Hypothalamus? Setzen wir ihn erstmal in einen Kontext: Dir knurrt der Magen. Seit heute morgen hast du nichts gegessen und dich überkommt ein Gefühl von Hunger. Dir fallen unzählige Dinge ein, die du jetzt gerne essen würdest. Dir fällt es schwer, dich auf das zu konzentrieren was du eigentlich machst und in deinem Kopf ist nur Platz für Essen. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem du dich entscheidest etwas zu essen, fühlst du dich unwohl. Kommt dir das bekannt vor…?

Der Verantwortliche in diesem Prozess ist der Hypothalamus, eine kleine subkortikale Struktur, die sich in der Mitte des Gehirns befindet. Obwohl nur erbsengroß, übernimmt er die Regulation verschiedenster essentieller Überlebensfunktionen, um das Gleichgewicht (die Homöostase) im Körper zu erhalten. Dabei reguliert er wie in unserem Beispiel auch das Gefühl des Hungers. Würde uns der Hypothalamus nicht mitteilen, dass wir hungrig sind, wüssten wir nicht wann wir etwas essen müssen und würden im schlimmsten Fall verhungern.

Falls du gerne noch mehr Details über den Hypothalamus erfahren möchtest, solltest du auf jeden Fall in den Abschnitt “Was noch interessant ist…” am Ende dieses Artikels gucken!

Der Hypothalamus reguliert die Nahrungsaufnahme. Er steuert das Hunger- und Sättigungsgefühl.

Was ist der Hypothalamus?

Er ist eine Gehirnstruktur die zusammen mit dem Thalamus das Zwischenhirn, das sogenannte Diencephalon, bildet. Er ist Teil des limbischen Systems und enthält die größte Neuronen Vielfalt im ganzen Gehirn. Er kontrolliert das autonome Nervensystem und das endokrine System. Als endokrine Drüse setzt er Hormone frei, die Verhalten modulieren, das dem Erhalt der menschlichen Spezies dient. Außerdem reguliert er die Sekretion der Hypophysenhormone und formt somit die Hypothalamus-Hypophysen-Achse. Im Hypothalamus gibt es zwei Arten von sekretorischen Neuronen: Die parvozellulären (welche Peptidhormone absondern) und die magnozellulären (welche die neurohypophysischen Hormone Oxytocin und Vasopressin absondern).

Wo befindet sich der Hypothalamus? Eine gute Lage zu haben ist wichtig.

Der Hypothalamus liegt unter dem Thalamus (daher stammt sein Name) und direkt über dem Hirnstamm und wird medial vom dritten Ventrikel begrenzt. Mit der Hypophyse ist er über den so genannten Hypophysenstiel verbunden. Eine so zentrale Lage im Gehirn erlaubt es ihm perfekt zu kommunizieren, dabei erhält er Informationen aus verschiedenen Bereichen (Afferenzen) des Körpers und schickt wiederum Information in andere Bereiche (Efferenzen).

Wie funktioniert der Hypothalamus? Wie hält er uns am Leben? 

Die Funktionen, die der Hypothalamus ausführt sind überlebenswichtig. Er regelt das Hunger- und Sättigungsgefühl, hält die Körpertemperatur aufrecht, reguliert den Schlaf, steuert das Paarungsverhalten und die Aggression, außerdem ist er in der Emotionsregulation beteiligt. Die meisten dieser Funktionen regulieren sich durch eine Reihe an Hormonen die sich entweder gegenseitig inhibieren oder erregen.

  • Hungergefühl: Wenn unser Körper bemerkt, dass wir nicht mehr genug Energiereserven zur Verfügung haben, wird Ghrelin (ein Hormon) an den Hypothalamus gesendet, um zu signalisieren, dass wir etwas essen sollten. Auf diese Art und Weise setzt er das Neuropeptid Y frei, welches das Hungergefühl auslöst. In unserem Eingangsbeispiel setzte diese Hirnregion große Mengen des Neuropeptids Y frei, was für unser Hungergefühl verantwortlich ist.
  • Sättigungsgefühl: Im Gegensatz dazu, muss unser Körper unserem Gehirn mitteilen, dass wir keine Nahrung mehr brauchen und zu essen aufhören sollten, sobald wir genug Nahrung aufgenommen haben. Wenn wir etwas essen produziert unser Körper Insulin, welches die Produktion des Hormons Leptin erhöht. Das Leptin gelangt durch das Blut bis in den ventromedialen Nucleus und inhibiert dort, sobald es an seinen Rezeptoren andockt, die Produktion des Neuropeptids Y. Durch den Produktionsstopp des Neuropeptids Y, verlässt uns das Hungergefühl und wir fühle uns satt.
  • Durst: Auf eine dem Hunger ähnliche Art und Weise, reguliert er unseren Durst wenn unser Körper Wasser benötigt. Hierbei sondert der Hypothalamus das Antidiuretische Hormon (auch Vasopressin genannt) ab, das den Wasserverlust verhindert und die Aufnahme von Flüssigkeiten begünstigt.
  • Körpertemperatur: Die Temperatur mit der das Blut im Hypothalamus ankommt, entscheidet darüber, ob unsere Körpertemperatur gesenkt oder gesteigert wird. Wenn die Temperatur zu hoch ist, müssen wir an Wärme verlieren. Folglich inhibiert der anteriore Teil den posterioren Teil und leitet dadurch eine Reihe an Reaktionen ein, die für die Senkung der Körpertemperatur zuständig sind (wie das Schwitzen). Wenn im Gegensatz dazu die Temperatur zu gering ist, muss unser Körper Wärme erzeugen. In diesem Fall inhibiert der posteriore Teil den anterioren Teil. Über die Hypothalamus-Hypophysen-Achse wird das stimulierende Hormon Thyreotropin (TSH) und das Hormon Adrenocorticotropin (ACTH) ausgeschüttet, welche zur Wärmespeicherung beitragen.
  • Schlaf: Der Grund dafür, dass es uns schwer fällt bei eingeschaltetem Licht zu schlafen findet sich ebenfalls in dieser Hirnregion. Die Schlaf-Wach-Phasen werden durch den circadianen Rhythmus reguliert. Die Struktur, welche für die Regulierung des circadianen Rhythmus zuständig ist, ist eine Einheit von Neuronen des medialen Hypothalamus, der Nucleus suprachiasmaticus. Der Nucleus suprachiasmaticus erhält seine Information von den Ganglienzellen der Retina (Netzhaut), die über den Tractus Retinohypothalamicus dort hingeleitet werden. Die Retina nimmt Lichtveränderungen der Umgebung war und sendet die Information an den Nucleus suprachiasmaticus. Diese Einheit von Neuronen verarbeitet die ankommende Information und leitet sie an die Zirbeldrüse (Epiphyse) weiter. Sobald die Retina kein Licht mehr detektiert, schüttet die Zirbeldrüse Melatonin aus, was müde macht und den Schlaf begünstigt. Fällt jedoch Licht auf die Retina, reduziert die Zirbeldrüse die Melatoninproduktion, wodurch die Wachheit gesteigert wird.
  • Paarungsverhalten und Aggressivität: Obwohl diese beiden Verhaltensweisen gegensätzlich erscheinen, stehen sie in der Tierwelt in großem Zusammenhang und werden durch den gleichen Bereich im Hypothalamus reguliert (dem ventromedialen Nucleus). Dabei gibt es Neuronen die nur während dem Paarungsverhalten aktiviert werden und andere die nur bei aggressivem Verhalten aktiv sind. Es existiert aber auch eine Einheit von Neuronen, die bei beiden Verhaltensweisen aktiv ist. In diesem Fall sendet die Amygdala aggressionsbezogene Informationen an den Nucleus preopticus, eine Region des Hypothalamus, der entsprechend die zuständigen Hormone ausschüttet um sich an die gegebene Situation anpassen zu können.
  • Emotionen: Das Erleben von Emotionen wird von einigen physiologischen Veränderungen begleitet. Wenn wir nachts alleine im Dunklen über eine Straße laufen und auf einmal ein seltsames Geräusch hören, ist es sehr wahrscheinlich dass wir Angst verspüren. Unser Körper muss auf jede Begebenheit vorbereitet sein, weshalb der Hypothalamus Informationen in verschiedene Bereiche des Körpers sendet (er erhöht die Atemfrequenz, die Herzfrequenz, kontrahiert die Blutgefäße, erweitert die Pupillen und spannt die Muskulatur an). Diese Veränderungen setzen uns in Alarmbereitschaft und erlauben es uns im Falle einer Bedrohung zu fliehen oder uns zu verteidigen. Der Hypothalamus ist demnach für die physiologischen Veränderungen bei Emotionen zuständig.

Welche Rolle spielt der Hypothalamus bei der Liebe?

Die Emotionen werden im Gehirn vom Limbischen System gesteuert. Der Hypothalamus ist ein Teil des limbischen Systems und ist dafür zuständig dem Körper klarzumachen, welches die aktuell dominierende Emotion ist. Obwohl es kompliziert ist zu sagen was genau im Gehirn passiert, wenn wir bestimmte Gefühle verspüren, wissen wir, dass der Hypothalamus für das Gefühl der Liebe so wie wir es kennen, verantwortlich ist. Er produziert Phenethylamin, ein Neurotransmitter der ähnlich wie Amphetamine wirkt. Das erklärt das angenehme Gefühl und die euphorische Stimmung wenn wir verliebt sind. Außerdem steigt die Produktion von Adrenalin und Noradrenalin, was zu einer Erhöhung der Herzfrequenz, dem Sauerstoffgehalt im Blut und dem Blutdruck führt und für die “Schmetterlinge im Bauch” verantwortlich ist. Gleichzeitig erhöht unser Gehirn den Dopaminspiegel, was uns erlaubt unsere Aufmerksamkeit zu steigern und sie der Person zu widmen, für die wir die Liebesgefühle hegen.

Für unseren guten Gemütszustand beim Verliebtsein sorgt das Serotonin. Wenn wir also erklären wollen, weshalb der Hypothalamus so wichtig ist, reicht es fast schon zu erwähnen, dass wir ohne ihn nicht in der Lage wären uns zu verlieben!

Ohne den Hypothalamus wären wir nicht in der Lage uns zu verlieben.

Welcher Verbindungen weist der Hypothalamus zur Hypophyse auf?

Der Hypothalamus reguliert die Hormonsekretion der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) mit der er über den Hypophysenstiel (Infundibulum) verbunden ist. Die Hypophyse ist ebenfalls eine endokrine Drüse direkt unter dem Hypothalamus und wird vom Türkensattel (Sella turcica, eine knochige Struktur in der Schädelbasis) umhüllt und geschützt. Ihre Funktion ist es die Hormone in den Blutkreislauf zu bringen, die unser Körper für die Regulierung der Homöostase braucht. Dadurch kann ein Mangel oder Überschuss an Substanzen ausgeglichen werden um die Körpertemperatur anzupassen. Welche Hormone von der Hypophyse ausgeschüttet werden, reguliert der Hypothalamus. Die Verbindung zwischen dem Hypothalamus und der Hypophyse ist so eng, dass sie die Hypothalamus-Hypophysen-Achse bilden. Keine der beiden Strukturen könnte in vollem Maße ohne die andere funktionieren. Die Hypophyse erlaubt es dem Hypothalamus seine Effekte auf den ganzen Körper auszuweiten, wodurch er außerhalb seines eigenen Wirkbereichs seine Effekte zeigt.

Was passiert wenn sich der Hypothalamus verändert? Bei welchen Störungen oder Krankheiten ist dies der Fall?

Aufgrund seiner großen Relevanz kann jede Art der Verletzung dieser Hirnregion fatale Folgen haben. Wenn beispielsweise das Zentrum des Sättigungsgefühls verletzt wird und wir dementsprechend nicht in der Lage dazu sind uns satt zu fühlen, würden wir unerlässlich Hunger verspüren und nicht aufhören zu Essen. Dies hätte schwerwiegende Konsequenzen für unsere Gesundheit.

Einige der häufigsten Pathologien des Hypothalamus sind:  

  • Diabetis insipidus (Wasserharnruhr): Die Ursache dieser Krankheit ist die Läsion des Nucleus supraopticus, des Nucleus paraventicularis, und des Tractus supraopticohypophysialis. Die Läsionen führen zu einer geringen Produktion des Antidiuretischen Hormons (Vasopressin) wodurch es zu einem gesteigerten Durstgefühl und einer erhöhten Wasseraufnahme kommt.
  • Läsion des kaudolateralen Hypothalamus: Wenn diese Region beschädigt ist, sinken sowohl die Aktivitäten des Sympathikus als auch die Körpertemperatur.
  • Läsion des rostromedialen Hypothalamus: Bei Verletzungen in diesem Bereich sinken die parasympathischen Aktivitäten und die Körpertemperatur erhöht sich.
  • Das Korsakow-Syndrom (Morbus Korsakow): Durch Veränderungen des Corpus mamillare (eng mit dem Hippocampus, und somit dem Gedächtnis, verbunden) kommt es zur sogenannten anterograden Amnesie, bei welcher es zum Verlust der Fähigkeit kommt, sich neu Erlebtes zu merken. Außerdem tendieren Betroffene dazu ihre Gedächtnislücken mit Phantasieinhalten aufzufüllen. Dadurch versuchen sie den Verlust ihrer Gedächtnisinhalte zu kompensieren. Obwohl diese Störung mit chronischem Alkoholismus im  Zusammenhang steht, kann sie auch in Verbindung mit Veränderungen des Corpus mamillare und seinen Verbindungen (wie die zum Hippocampus und dem mediodorsalen Nucleus des Thalamus) auftreten.

Was noch interessant ist...

Welche Hormone werden im Hypothalamus produziert?

Der Hypothalamus führt seine Funktionen mit der Hilfe der Ausschüttung von Hormonen aus. Deshalb ist es wichtig zu wissen, welche Art von Hormonen hier produziert werden:

  • Effekthormone mit direktem Stoffwechseleffekt: Das Antidiuretische Hormon (Vasopressin) und Oxytocin.
  • Weitere Hormone: Angiotensin II (AGT), Prolactin-Inhibitions-Hormon, Prolaktostatin (PIH), Wachstumshormon- Releasing-Hormon, Somatoliberin (GHRH); Corticotropin-releasing Hormone, Corticoliberin (CRH); Gonadotropin-Releasing Hormon, Gonadoliberin (GnRH); Thyreotropin-Releasing-Hormon, Thyreoliberin (TRH) und Wachstumshormon- Inhibierungs-Hormon, Somatostatin (GHIH).

Aus welchen Nuclei besteht der Hypothalamus. Wofür sind sie zuständig?

Wir wir bereits bei seinen Funktionen sehen konnten, besteht der Hypothalamus aus verschiedenen Nuclei (Ansammlungen von Neuronen) und jeder von ihnen hat eine mehr oder weniger spezielle Funktion. Die wichtigsten sind:

  • Nucleus Arcuatus: Ist bei den emotionalen Funktionen beteiligt. Der Nucleus Arcuatus hat außerdem die wichtige Funktion Peptide und Neurotransmitter des Hypothalamus zu synthetisieren. Der Nucleus Arcuatus ist an der Freisetzung des Hormons Gonadoliberin (GNRH) beteiligt
  • Der anteriore Hypothalamus: ist für den Verlust von Wärme durch die Schweißproduktion beteiligt. Außerdem ist er an der Inhibition der Freisetzung des Hormons Thyreotropin in der Hypophyse verantwortlich.
  • Der posteriore Hypothalamus: seine Funktion ist es die Körperwärme aufrechtzuerhalten wenn wir frieren.
  • Der laterale Hypothalamus: reguliert das Hunger- und Durstgefühl. Wenn der laterale Nucleus einen Zucker- oder Wassermangel detektiert, versucht er das Gleichgewicht mithilfe der Nahrungs- oder Flüssigkeitsaufnahme wiederherzustellen.
  • Die Nuclei corporis mamillaris: Aufgrund der Verbindungen zum Hippocampus sind diese Bereiche mit dem Gedächtnis assoziiert.
  • Der Nucleus paraventricularis: reguliert die Sekretion der Hypophyse mit hilfe der Hormonsynthese wie Oxytocin, Vasopressin und das Corticotropin Releasing-Hormon CRH.
  • Der Nucleus preopticus: beeinflusst parasympathische Funktionen die mit der Ernährung, der Fortbewegung und dem Paarungsverhalten assoziiert sind.
  • Der Nucleus supraopticus: Durch die Produktion des antidiuretischen Hormons (ADH) reguliert er den Blutdruck und das Gleichgewicht der Flüssigkeitskonzentration.
  • Der Nucleus suprachiasmaticus: reguliert den circadianen Rhythmus.
  • Der ventromediale Hypothalamus: hemmt das Hungergefühl und steuert somit das Sättigungsgefühl.

Woher bekommt der Hypothalamus seine Informationen? Und wohin schickt er sie?

Durch seine günstige Position im Gehirn besitzt er eine große Anzahl an Verbindungen. Einerseits erhält er Informationen (Afferenzen) aus anderen Strukturen, andererseits sendet er Informationen (Efferenzen) in andere Bereiche des Gehirns.

Afferenzen: Der Hypothalamus enthält seine Afferenzen aus verschiedenen Bereichen:

    • Aus dem limbischen System: vom Hippocampus über den Fornix, von der Amygdala über die Stria terminalis, von dem Septum und der Riechrinde über das mediale Vorderhinbündel.
    • Aus sensiblen Zentren des zentralen Nervensystems wie der Retina, der Inselrinde, dem Hinterhorn des Rückenmarks und sensiblen Hirnnervenkernen.
    • Aus der Formatio reticularis.

EfferenzenDer Hypothalamus sendet seine Informationen in verschieden Bereiche, hierbei werden aufsteigende und absteigende Efferenzen unterschieden.

    • Absteigende Afferenzen gelangen vor allem in die viszeromotorischen (parasympathischen) Kerne und zum Seitenhorn des Rückenmarks (Sympathikus und Parasympathikus).
    • Aufsteigende Afferenzen werden in den Kortex, zum Thalamus und zum limbischen System gesendet.

Übersetzt aus dem Spanischen: David Asensio Benito, Neuropsychologe bei CogniFit.

Alles über Serotonin: Welche Funktionen erfüllt es im Gehirn?

Was ist Serotonin? Ist es das Glückshormon? Diese vom Körper produzierte Substanz, wird als verantwortlich für unser Glück und unsere Stimmung gesehen. Niedrige Serotoninwerte können zu Depressionen führen. Entdecke alles über diese Substanz: Ihre Funktion; Störungen, die mit einem Mangel an Serotonin zusammenhängen; und wie wir auf natürliche Weise unsere Serotoninwerte erhöhen können.

Was ist Serotonin? Photo by Nighia Le, Unsplash.com

Was ist Serotonin?

Es ist ein Neurotransmitter. Neurotransmitter sind Substanzen, die dabei helfen, chemische Signale von einem Bereich zur anderen im Gehirn zu senden. Es gibt verschiedene Arten von Neurotransmittern mit unterschiedlichen Funktionen in unserem Organismus. Serotonin im Konkreten wird für gewöhnlich mit der Regulierung des Gemütszustandes verbunden. Wie wir im Laufe des Artikels sehen werden, ist seine Funktion recht komplex.

Wie wird Serotonin produziert? Diese Substanz bildet sich durch einen einzigartigen biochemischen Umwandlungsprozess. Die Zellen, die es produzieren, verwenden das Enzym Tryptophan Hydroxylase. Das mit diesem Enzym kombinierte Tryptophan bildet 5-Hydroxytryptophan, auch als Serotonin bekannt.

Es gibt Substanzen, die mit den Rezeptoren interagieren und den selben Effekt erzeugen. LSD oder Lysergsäure hat durch die Interaktion mit Serotonin halluzinogene Wirkungen. Dasselbe geschieht mit anderen Drogen wie MDMA oder Ecstasy. Der Effekt auf das Serotonin ist auch verantwortlich für die kognitiven Defizite, die der Konsum der genannten Drogen auf lange Sicht erzeugen. Fenfluramin ist eine Substanz, die ähnlich mit dem Organismus interagiert. Fenfluramin wird häufig bei der Behandlung von Fettleibigkeit verwendet.

Welche Funktionen hat Serotonin?

Von den 40 Millionen Gehirnzellen werden viele direkt oder indirekt von dieser Substanz beeinflusst.

Es ist in viele gesundheitliche Vorgänge verwickelt: Die Kontrolle des Appetits und des Schlafs, die Regulierung der Stimmung, der Aktivierung, es vermittelt bei der sexuellen Erregung und der Schmerzregulierung.

  • Regulierung der Stimmung. Ein Serotoinmangel sorgt dafür, dass wir uns mehr ärgern. Man nimmt an, dass bei sogenannten “Morgenmuffeln” ein Abfall des Serotoninspiegels am morgen für die schlechte Laune verantwortlich ist.
  • Kontrolle des Appetits.  Bei angemessenen Serotoninwerten fühlen wir Sättigung und hören auf zu essen. Wenn die Werte dagegen niedrig sind, fühlen wir das Bedürfnis, Kohlenhydrate und andere kalorienreiche Lebensmittel zu uns zu nehmen.
  • Reguliert den Schlaf. Der Biorhythmus wird durch Serotonin, welches die Produktion von Melatonin reguliert, gesteuert. Ein Gleichgewicht der Werte ist hierbei angemessen, andernfalls entstehen Schlafstörungen.
  • Vermittler beim sexuellen Verlangen. Das Serotonin hat eine direkt proportionale Beziehung zum sexuellen Verlangen. Wenn ein Serotoninmangel besteht, verringert sich das sexuelle Verlangen, während die Libido bei einem hohen Serotoninspiegel steigt.
  • Schmerzregulierung. Das Gefühl von Schmerzen mit Serotonin zu assoziierten scheint erstmal kontraintuitiv. Diese Substanz erzeugt Hyperalgesie, ein sehr starkes Schmerzgefühl; gleichzeitig vermittelt es chronische Schmerzen. Bis jetzt haben wir Serotonin hauptsächlich mit dem Vergnügen assoziiert, allerdings ist es auch bei der neuronalen Signalübertragung von Schmerzen beteiligt.
  • Serotonin und Mutterschaft. Forscher haben Nachweise für eine Verbindung des Serotonins mit der Produktion von Muttermilch gefunden. Zudem kann der Mangel an Serotonin, neben anderen Ursachen, mit dem plötzlichen Kindstod zusammenhängen.

Die Verbindung zwischen Serotonin und psychischen Krankheiten

Dank seiner Eigenschaften, die für Wohlbefinden sorgen, das Selbstwertgefühl verbessern und für Entspannung und Konzentration sorgen wird Serotonin auch als “Glückshormon” bezeichnet. Schwankungen des Serotoninspiegels haben verschiedenste Auswirkungen auf unsere psychische Gesundheit. Medikamente, die mit dieser Substanz interagieren, werden bei einer Vielzahl an Störungen verwendet. Einige dieser Störungen sind: Depression, Soziale Phobie, Zwangsstörung, Panikstörung, Störungen der Impulskontrolle, Demenz und das Serotoninsyndrom.

Depression und Serotonin

Man glaubt, dass die Ursache der Depression ein Ungleichgewicht in den Serotoninwerten ist. Der verantwortliche Prozess ist die Neuronenerneuerung, in dem Serotonin eine wichtige Rolle spielt. Laut dem Neurologen Barry Jacobs entstehen Depressionen, wenn die Neuronen nicht genügend erneuert werden. Die Antidepressiva SSRI (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) helfen dabei, neue Gehirnzellen zu produzieren und die Stimmung zu heben. Obwohl es ideal wäre, den Serotoninspiegel im Gehirn messen zu können, ist dies nicht möglich. Die Werte lassen sich jedoch im Blut messen und es hat sich gezeigt, dass Betroffenen einer Depression geringere Werte aufweisen. Selbst wenn der Serotoninspiegel im Gehirn messbar wäre, wüssten wir nicht ob dies der Auslöser oder die Folge der Depression ist. Es ist jedoch bestätigt, dass die Antidepressiva SSRI und SSNRI (Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer) funktionieren, man weiss nur nicht genau warum.

Soziale Phobie und Serotonin

Ein Ungleichgewicht in den Serotoninwerten kann das Entstehen von angstbezogenen Störungen auslösen. Einige Beispiele sind: Panikstörung, Zwangsstörung, Soziale Angststörung oder Soziale Phobie, Generalisierte Angststörung, etc. Es ist nicht klar, ob die Angstsymptome durch einen Mangel oder Überschuss am Neurotransmitter Serotonin ausgelöst werden. Bis jetzt glaubte man, dass niedrige Serotoninwerte die Ursache seien, aber aktuelle Untersuchungen scheinen dies zu widerlegen. JAMA Psychiatry hat eine Studie veröffentlicht die zeigen konnte, dass Menschen mit Sozialer Phobie erhöhte Serotoninwerte haben. Eine andere Studie der Universität Uppsala fand heraus, dass es bei Patienten mit sozialer Phobie in der Amygdala (eine an der Angst beteiligte Gehirnstruktur) zu einem Überschuss an Serotonin kommt. Noch ist nicht bekannt, ob diese Befunde exklusiv für die soziale Phobie gelten, hier sind weitere Studien notwendig.

Zwangsstörung und Serotonin

Aufgrund der Verbesserung der Zwangssymptome bei der Gabe von den Antidepressiva SSRI, weiss man dass es eine Verbindung zwischen der Zwangsstörung und Serotonin geben muss. Die SSRI sind Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, welche die Serotoninverfügbarkeit erhöhen und somit die Werte des Neurotransmitters nicht zu sehr sinken. Da jedoch bei einer Erkältung die Ursache nicht ein Acetylsalicylsäuremangel (Aspirin) im Körper ist, können wir nicht bestätigen, dass die Zwangsstörung durch einen Mangel an Serotonin entsteht. Dennoch scheint es eine Funktion im Verlauf dieser Störung zu haben. Serotonin würde dementsprechend bei Symptomen wie schlechter Laune, Impulsivität und Aggressivität helfen.

Panikstörung und Serotonin 

Die Ursache der Panikstörung ist, ebenso wie die der Zwangsstörung, unbekannt. Obwohl man niedrige Serotoninwerte bei Patienten mit Panikattacken gefunden hat, weiss man nicht, was Ursache und was Konsequenz ist. Das einzige was auch in diesem Fall gilt, ist die Tatsache, dass auch bei Menschen mit Panikstörungen die Gabe von SSRI hilft. Bis es weitere Untersuchungen in diesem Bereich gibt, können wir nur sagen, dass Psychopharmaka, die den Serotoninspiegel erhöhen, dazu beitragen Angstsymptome zu lindern.

Störungen der Impulskontrolle und Serotonin

Störungen der Impulskontrolle zeichnen sich durch unbegründete Wutausbrüche aus. Der Neurotransmitter Serotonin hilft die Stimmung zu regulieren und trägt dazu bei, diese Ausbrüche in Zahl und Intensität zu verringern. Bei der medikamentösen Behandlung dieser Störungen werden die Antidepressiva SSRI verwendet, die mit dem Serotonin interagieren. Man nimmt an, dass Störungen der Impulskontrolle ohnehin nicht gut heilbar sind. Aber man kann den Patienten mithilfe von Psychotherapie und Medikamenten behandeln, sodass sich das aggressives Verhalten und die Gefühl von Frustration verringern lassen.

Demenz und Serotonin 

Als Folge des Alters findet eine kognitive Beeinträchtigung statt, die mit dem Verlust von Neuronenverbinungen einhergeht. Die Aktivität der Neurotransmittern, die für die Übertragung der neuronalen Informationen verantwortlich ist, wird reduziert. Das Altern ist kein Synonym für Demenz, auch wenn es Fälle gibt, in denen eine bedeutende kognitive Beeinträchtigung zu beobachten ist. Die bekannteste Demenz ist die Alzheimer-Krankheit. In einer internationalen Studie aus dem Jahre 2006 fanden Wissenschaftler auf der ganzen Welt einen Serotoninmangel bei Alzheimer-Patienten. Sie stellten die Hypothese auf, dass die Gedächtnisprobleme bei Alzheimer durch eine Fehlfunktion der Serotoninrezeptoren entstünden. Die Rezeptoren sind die Zellen, die dazu fähig sind, die Übertragungen der Neurotransmitter zu empfangen. Es gibt keine Belege dafür, dass eine Erhöhung der Serotoninwerte Alzheimer verhindert oder verzögert. Dennoch ist es wichtig in diesem Bereich weiter zu forschen, um einer Lösung zur Bekämpfung der Demenz näher zu kommen. Wie man Demenz vorbeugt.

Serotoninsyndrom

Ein Überschuss an Serotonin kann schädlich sein. Die Antidepressiva SSRI werden zwar prinzipiell als sicher beurteilt, dennoch können sie das Serotoninsyndrom aufgrund erhöhter Konzentration dieses Neurotransmitters auslösen. Dies geschieht für gewöhnlich, wenn zwei Medikamente gleichzeitig angewendet werden, die in den Serotoninhaushalt eingreifen. Die Probleme treten zu Beginn der Behandlung oder bei Erhöhung der Dosis des Medikaments auf; wenn MAOIs (Monaminooxidase-Hemmer, welche den Abbau von Serotonin durch Enzyme hemmen) mit SSRI verwendet werden; oder beim Konsum von LSD oder Ecstasy. Die Symptome sind Unruhe, Halluzinationen, Erhöhung der Körpertemperatur, Herzrasen, Schwitzen, Koordinationsverlust, Spasmen, Schwindel, Erbrechen, Durchfall und Veränderungen des Blutdrucks. Es wird nicht als gefährlich betrachtet, sollte aber behandelt werden, falls sich der medizinische Zustand sehr verschlechtert. Die Behandlung besteht aus dem Entzug des Medikaments, Muskelrelaxantient auf intravenösem Wege und Hemmern der Serotoninproduktion.

Können wir unsere Serotoninwerte verändern?

Wenn du denkst: Wie kann ich es vermeiden, chronisch niedrige Serotoninwerte zu haben? zeigen wir dir im Folgenden mehrere natürliche Arten, deine Serotoninwerte zu erhöhen.

Ernährung

Das Serotonin kommt in keinem Nahrungsmittel vor. Um seine Werte zu erhöhen, müssen wir auf das Tryptophan zurückgreifen. Dies ist die Aminosäure, aus der Serotonin produziert wird. Eine tryptophanreiche Ernährung erhöht die Werte dieses Stoffes. Es wird nicht von unserem Körper hergestellt, deshalb müssen wir es in unsere Ernährung aufnehmen. Ergänzungsmittel dieser Aminosäure sind ein guter Zusatz, aber niemals ein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung. Lebensmittel wie Soja, mageres Fleisch (Pute und Hähnchen), Thunfisch, Lachs, Ananas, Banane, Artischocke, Ei, Schokolade und Käse liefern eine notwendige Tryptophanquelle, um die Serotoninwerte zu erhöhen. Eine andere Art, zur Erhöhung der Werte beizutragen ist Vitamin B-6. Vitamin B-6 kann Einfluss auf die Geschwindigkeit haben, mit der sich das Tryptophan in Serotonin umwandelt. Lebensmittel, die reich an Vitamin B-6 sind, sind Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide, Hähnchen, Pute, Thunfisch und Lachs. Vitamine für das Gehirn.

Bewegung

Sport ist ein Hebel für die Serotoninwerte. Studien haben gezeigt, dass regelmäßige Bewegung so effektiv sein kann wie eine psychopharmazeutische oder psychotherapeutische Behandlung gegen Depressionen. Man glaubte, dass es notwendig wäre, über mehrere Wochen hinweg Sport zu treiben, um die antidepressive Wirkung von Serotonin beobachten zu können. Jedoch hat nach einer Studie der Universität von Texas in Austin schon eine Zeitspanne von 40 Minuten einen positiven Effekt auf die Gemütslage. Auch wenn man den Mechanismus dafür nicht kennt, scheint das Serotonin eine Rolle zu spielen. Wie man beginnt, Sport zu machen.

Entspanne dich und meditiere

Genauso wichtig wie es ist, den Körper zu bewegen um die Serotoninwerte zu erhöhen, ist es den Verstand zu beruhigen und Inne zu halten. Yoga oder Meditation sind zwei Praktiken, die dazu beitragen, die Stimmung zu verbessern und zusätzlich zu entspannen. Was ist Achtsamkeitsmeditation?

Starte neue Projekte

Es hat einen positiven Effekt auf das serotoninerge System, Neuigkeiten in unser Leben zu bringen. Wenn wir ein neues Projekt beginnen, fühlen wir uns motivierter und besser gelaunt. Diesen angenehmen Effekt auf unser Nervensystem produziert das Serotonin. Wie man über den eigenen Tellerrand schaut.

Gute Laune herbeiführen

Die Verbindung des Serotonins mit der Stimmung ist doppelseitig. Wir können unsere Stimmung verbessern, indem wir das Serotonin erhöhen, aber auch umgekehrt. Das Herbeiführen von guter Laune durch Psychotherapie ist üblich, die Lachtherapie ist vielleicht die Bekannteste. Eine Alternative sind Theaterstunden, Treffen mit Freunden, eine Comedysendung zu sehen oder sich an angenehme Ereignisse zu erinnern.

Serotonin bei Männern und Frauen

Nach aktuellen Studien haben Männer eine höhere Menge an Serotonin im Organismus als Frauen. Dieser Unterschied ist so klein, dass er kaum von Bedeutung ist.

Dennoch wurde 2007 eine Studie veröffentlicht, die versucht diesem Befund nachzugehen. Eine Studie der Zeitschrift Biological Psychiatry zeigte, dass es Geschlechtsunterschiede darin gibt, wie auf einen Serotoninmangel reagiert wird. Bei einer Reduzierung des Neurotransmitters im Gehirn handeln Männer für gewöhnlich impulsiver und zeigen seltener depressive Symptome. Frauen hingegen erleben häufiger eine depressive Stimmungslage und werden in der Regel vorsichtiger. Dieser Unterschied könnte für die Tatsache verantwortlich sein, dass Frauen eher an Depressionen erkranken. Gleichzeitig könnte dies auch die Ursache dafür sein, weshalb Frauen häufiger unter Stimmungsstörungen (Angst und/oder Depression) leiden, während Männer anfälliger für Alkoholismus, ADHS und Störungen der Impulskontrolle sind (alle hängen mit der Impulsivität zusammen).

Es gibt Belege dafür, dass die Hormone, welche mit den oben beschriebenen Merkmalen zusammenhängen, mit dem Serotonin interagieren. Diese Interaktion kann die Ursache dafür sein, dass depressive Symptome und die Stimmung sich in bestimmten Phasen verschlimmern. Phasen wie vor der Menstruation, nach der Geburt und in den Wechseljahren sind Zeitspannen, in denen die Hormone Veränderungen unterliegen. Dagegen erleben Männer bis zum mittleren Alter konstante Werte der Hormonsekretion.

Serotonin könnte die Geduld erhöhen

Aktuelle Studien der Stiftung Champalimaud von Lissabon zeigen, dass eine mögliche Funktion des Serotonins eine Erhöhung der Geduld sein könnte. Dies bedeutet eine wichtige Wendung im Konzept, das man bisher von diesem Neurotransmitter hatte.

Nach einer in der Zeitschrift Current Biology veröffentlichten Studie, gibt es einen grösseren Zusammenhang zwischen Serotonin mit der Geduld als mit dem Wohlbefinden. Durch eine an Mäusen durchgeführten Untersuchung gelangen die Wissenschaftler zu diesen Erkenntnissen. Die Mäuse mussten in der Untersuchung eine Zeit lang warten, bevor sie eine Belohnung erhielten. Unter dem Effekt von Serotonin, warteten die Mäuse länger.

Laut Zachary Mainen, der die Untersuchung leitet: “Es herrscht die allgemeine Annahme, dass Serotonin Glück verursacht, aber unsere Untersuchungen zeigen, dass diese Aussage widersprüchlich ist”.

Momentan gilt es weitere Untersuchungen abzuwarten, um die genauen Effekte des Serotonins besser zu verstehen und ob dieser Neurotransmitter eher mit dem Glück selbst, oder der Geduld in Verbindung gebracht werden kann.

Quelle: Irene García Calvo, Psychologin bei CogniFit.

Entwicklungsstufen nach Piaget – Entwickelt sich mein Kind seinem Alter entsprechend?

Woher weiß ich, ob mein Kind seinem Alter entsprechend gewisse Fähigkeiten entwickelt? Wie denken Kinder und was sind die Phasen ihrer Entwicklung? Ist es normal, dass sie sprachliche oder logische Fehler machen? Die Entwicklungsstufen nach Piaget erklären die Phasen der Kindesentwicklung auf verständliche Art und Weise. Finde in diesem Post heraus, ob dein Kind sich seinem Alter entsprechend entwickelt. Wir klären all deine Zweifel!

Piagets Theorie: Entwicklungsstufen von Kindern

Piaget ist aufgrund seiner Erkenntnisse über die Kindheit und die Intelligenzentwicklung von Kindern einer der berühmtesten Psychologen der Geschichte. Sein Leben lang widmete er sich der Erforschung der verschiedenen Wachstumsphasen und wie sich in diesen Phasen unsere Lern-, Denk- und kognitiven Entwicklungsmodelle verändern. Dieser Artikel erläutert die Theorie Piagets zu den Entwicklungsstufen und bietet eine Erklärung zu den verschiedenen Phasen der Kindesentwicklung.

Piaget: Theorie

Piagets Theorie besagt, dass Kinder gemäß ihres Intellekts und ihrer Fähigkeit, reife Beziehungen wahrzunehmen, spezifische Phasen durchlaufen. Diese Phasen der Kindesentwicklung treten bei jedem Kind in jedem Land in einer festen Reihenfolge auf. Allerdings kann das Alter in welchem die Phasen auftreten von einem Kind zum anderen leicht variieren.

Es kommt häufig vor, dass Kinder in jungen Jahren sich nicht so in andere einfühlen können, wie es ein Erwachsener machen würde und “egozentrisch denken”. Dies tun sie ihrem Alter und Fähigkeiten entsprechend, genauso wie es normal ist, dass Kinder Fehler begehen.

In der Kindheit findet eine natürliche Entwicklung statt, bei der die Kinder “zu denken beginnen”, oder besser gesagt, mit der Welt, in der sie leben, zu interagieren. Das bedeutet eine Reihe von Entwicklungsveränderungen im Leben des Kindes, gekennzeichnet durch Phasen während der gesamten Kindheit, von der Geburt an bis zur Präadoleszenz. Diese Phasen, in denen sie gewisse Fertigkeiten entwickeln, sind gegenwärtig in die “Entwicklungsstufen von Piaget” unterteilt.

Was ist Piagets Theorie? Jean Piaget (schweizer Psychologe und Biologe) führte zahlreiche Studien zur Kindheit durch und teilte diese in Phasen ein, sogenannte Stadien. Piagets Theorie nimmt an, dass sich die Entwicklung des Kindes in entsprechende Phasen unterteilen lässt, die vom Alter des Kindes abhängen.

Piagets Stadien beschreiben eine Gesamtheit an relevanten Gegebenheiten im frühkindlichen Entwicklungsprozess. Beispielsweise kann die Sprechweise, die Kinder benutzen, mit dem Alter sehr stark variieren (Gebrabbel, erfundene Wörter, Pseudo-Wörter, in der dritten Person von sich selbst sprechen …), genau wie die Art des Denkens (egozentrisches Denken, bei dem alles sich um das dreht, was das Kind sieht oder glaubt), oder auch körperliche Fertigkeiten (Reflexe benutzen, krabbeln, dann gehen, laufen …). Diese komplette Entwicklung findet in den Stadien von Piaget kontinuierlich und fortschreitend in einem ungefähren Altersabschnitt statt.

Die Grundannahmen Piagets. Als Basis seines Entwicklungsmodells geht Piaget davon aus, dass wir Menschen mit zwei grundlegenden Tendenzen auf die Welt kommen. Die erste dieser beiden Tendenzen ist die Adaptation, sprich unsere Anpassungsfähigkeit an die Umwelt. Diese Fähigkeit gliedert sich wiederum in zwei komplementäre Prozesse: die Assimilation, hier verändert man die Umwelt um diese an die eigenen Wünsche und Bedürfnisse anzupassen und die Akkommodation, bei der das eigene Verhalten an die Umwelt angepasst wird. Laut Piagets Theorie streben alle Menschen danach durch Assimilation und Adaptation ein Gleichgewicht zwischen sich und ihrer Umwelt herzustellen um harmonisch leben zu können. Die zweite Tendenz die Piaget als Basis seiner Theorie postuliert ist die Organisation, bei der die eigenen Prozesse in kohärente Systeme integriert werden. Das bedeutet beispielsweise, dass ein Kleinkind nachdem es die Augen-Hand-Koordination gelernt hat, Beobachtungen und Handlung in ein System integrieren kann und nach etwas bestimmtem greift, während es danach schaut. Dies ist ein Prozess den Kinder erst erlernen müssen, Neugeborene können diese Integration noch nicht. Diese Annahmen bilden die Basis des Lernens und somit die Grundsteine für die Entwicklungsstufen Piagets.

Tritt in Piagets Theorie jede Entwicklungsphase oder jedes Entwicklungsstadium in einem exakten Moment auf?

Nein, sie müssen nicht in einem exakten Moment auftreten, aber wir können davon ausgehen, dass es sensible Zeiträume in jedem Alter gibt, in denen es wahrscheinlicher und üblicher ist, dass sich bestimmte Fähigkeiten entwickeln können. Es ist wahrscheinlicher, dass sich eine bestimmte Fähigkeit in einem bestimmten Alter entwickelt, zum Beispiel beim Spracherwerb wären das die ersten Worte, wenn das Kind in etwa 1 Jahr alt ist, aber die Sprache wird sich bis zum siebten Lebensjahr nicht vollständig entwickeln und auch dann noch einen beschränkten Wortschatz besitzen, der in den folgenden Jahren ansteigen wird.

Entwicklungsstufen des Kindes nach der Theorie von Piaget

Piaget schlug 4 Entwicklungsstufen von Kindern vor: 1. Stadium der sensomotorischen Intelligenz (Kinder von 0-2 Jahren), 2. Stadium der präoperationalen Intelligenz (Kinder von 2-7 Jahren), 3. Stadium der konkret-operationalen Intelligenz (Kinder von 7-11 Jahren), 4. Stadium der formal-operationalen Intelligenz (Kinder und Jugendliche ab 11 Jahren, bis ungefähr 19 Jahre). Im Folgenden beschreiben wir die Entwicklungsstufen von Piaget näher.

1. Kindesentwicklung: Stadium der sensomotorischen Intelligenz (Kinder von 0-2 Jahren)

Dieses Entwicklungsstadium Piagets zeichnet sich dadurch aus, dass das Kind ein Verständnis für seine Umwelt, in der es sich bewegt, entwickelt. Es koordiniert die sensorische Erfahrung mit seiner körperlichen Bewegung, diese Prozesse werden im Gehirn integriert. In diesem Zeitraum ereignet sich eine Weiterentwicklung der angeborenen Reflexe.

  • Es ist erwiesen, dass Kinder in diesem Alter eine Vorliebe für bunte Reize haben, die glänzen, sich bewegen und hohe Kontraste aufweisen.
  • Außerdem bilden sie Konzepte, indem sie ein Ereignis mit ihrem eigenen Körper nachzuahmen versuchen, zum Beispiel, indem sie ein Geräusch machen, während sie auf ein Spielzeug schlagen, einen Gegenstand werfen, oder an einer Decke ziehen um an einen Gegenstand, der auf der Decke ist, zu gelangen, etc. In diesem Alter ahmen die Kinder auf zufällige Art und Weise Ereignisse nach und experimentieren so mit ihrem eigenen Körper und es schärfen sich die Sinne.
  • Erster Kontakt des Babys mit der Sprache: Der erste Kontakt des Babys mit der Sprache findet im Mutterleib statt, während der Schwangerschaftsmonate beginnt es, sich an die elterlichen Stimmen zu gewöhnen. Untersuchungen belegen, dass sie den Klang der menschlichen Stimme in ihren ersten Lebenstagen allen anderen Geräuschen vorziehen. Es ist verwunderlich wie sehr sie an Sprache gewöhnt sind, denn von dem Moment an, in dem das Baby zur Welt kommt, hat es die erstaunliche Fähigkeit den Klang der Stimme zu erkennen. Untersuchungen von Casper und Spence zeigten außerdem, dass sich die Kinder besonders von der Sprechweise ihrer Mutter angezogen fühlen, die sie identifizieren, bevor sie die Stimme von Fremden erkennen.
  • Wie kommunizieren Kinder von 0 bis 2 Jahren? Direkt nach der Geburt ist die beste Art der Kommunikation des Babys das Weinen, da es keine anderen Laute von sich geben kann (es ist körperlich nicht dafür ausgestattet). Während der ersten Monate benutzt es unbeabsichtigt prälinguistische Ausdrücke durch Lächeln und Weinen, die später zielgerichtet werden, wenn sie lernen, diese zur Kommunikation zu nutzen. Auf alle Fälle interpretieren die Eltern, was das Kind macht, wenn es weint oder lächelt, und so findet eine erste nicht beabsichtige Kommunikation vom Baby aus statt. Mit etwa 6 Monaten kommt das erste Gebrabbel mit Konsonant-Vokal, zum Beispiel “bababa”. Die ersten flüssigen Worte bringt das Baby hervor, wenn es ungefähr 12 Monate alt ist.

2. Kindesentwicklung: Stadium der präoperationalen Intelligenz (Kinder von 2-7 Jahren)

Dies ist die zweite Entwicklungsstufe von Piagets Theorie. Ab 3 Jahren geschieht etwas Wichtiges im Leben des Kindes, die Einschulung bzw. die Aufnahme in den Kindergarten. Dies setzt eine sehr wichtige soziale Komponente voraus.

  • Das Kind beginnt mit anderen, besonders Gleichaltrigen, in Beziehung zu treten, da vor diesem Moment seine einzigen Beziehungen die zur Familie waren.
  • Wie kommunizieren die Kinder von 2 bis 7 Jahren? Obwohl zwischen 3 und 7 Jahren eine riesige Steigerung des Wortschatzes stattfindet, werden die Kinder in der frühen Kindheit durch ein “egozentrisches Denken” gelenkt, das heißt, das Kind denkt auf seine individuellen Erfahrungen bezogen, was verursacht, dass sein Denken noch statisch, intuitiv und nicht logisch ist. Deshalb kommt es häufig vor, dass Kinder bis 6 Jahre sowohl beim Interpretieren als auch beim Ausdrücken eines Ereignisses Fehler machen.
  • In der dritten Person zu sprechen während von sich selbst gesprochen wird ist ganz normal in dieser Phase, denn das “Ich”-Konzept, das es von dem Rest der Welt trennt, ist noch nicht ganz definiert.
  • Kinder in diesem Alter, zwischen 2 und 7 Jahren, sind sehr neugierig und lernfreudig, deshalb fragen sie ihre Eltern oft nach dem “Warum”.
  • In dieser Phase schreiben Kinder Gegenständen menschliche Gefühle oder Gedanken zu. Dieses Phänomen nennt man Animismus.

Das “egozentrische Denken” nach Piagets Theorie: Warum können sich die Kinder in dieser Entwicklungsstufe nicht in andere hineinversetzen? Diese Tatsache hängt mit der “Theory of Mind” zusammen, die sich auf die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen bezieht. Kinder haben diese Fähigkeit bis zum Alter von 4 oder 5 Jahren nicht. Deshalb denkt das Kind bis zu diesem Alter, dass “die anderen genau so wie es selbst sehen und denken”. Diese Theorie hilft uns zu erklären, warum Kinder bis 5 Jahre nicht lügen oder Ironie benutzen können.

Jede dieser Beschränkungen im prä-logischen Stadium wird nach dem 6. oder 7. Lebensjahr in der nächsten Entwicklungsstufe überwunden und festigt sich bis zum Alter von 14 oder 15 Jahren.

3. Kindesentwicklung: Stadium der konkret-operationalen Intelligenz (Kinder von 7-11 Jahren)

In diesem vorletzten Stadium von Piagets Entwicklungsstufen beginnen die Kinder logisches Denken in konkreten Situationen anzuwenden. In dieser Phase können sie Aufgaben, wie mathematische Vorgänge, auf komplexerem Niveau anhand von Logik ausführen. Nichtsdestotrotz, obwohl sie große Fortschritt im Vergleich zum prä-logischen Stadium gemacht haben, können sie in diesem Entwicklungsstadium die Logik nur mit gewissen Begrenzungen anwenden: Das Hier und Jetzt ist immer einfacher für sie. Das abstrakte Denken wird in diesem Alter noch nicht genutzt. Das bedeutet, es ist weiterhin kompliziert für Kinder in diesem Alter Kenntnisse auf ein Thema anzuwenden, dass sie nicht kennen.

4. Kindesentwicklung: Stadium der formal-operationalen Intelligenz (Kinder und Jugendliche ab 11 Jahren)

Diese letzte Phase der Entwicklungsstufen von Piaget zeichnet sich durch den Erwerb des logischen Denkens unter allen Umständen, inklusive des abstrakten Denkens, aus.

  • Die Neuheit in dieser letzten Phase im Bezug auf die Intelligenz des Kindes ist, wie Piaget hervorhebt, die Möglichkeit Hypothesen aufzustellen über etwas, was sie nicht konkret so gelernt haben.
  • Hier beginnt sich das Lernen als “ein Ganzes” zu etablieren, und nicht, wie im vorherigen Stadium, auf eine konkrete Art und Weise.

Phasen der Kindesentwicklung nach Piaget

Laut Piaget Verzögerung in der Entwicklung meines Kindes – Muss ich mir Sorgen machen?

  • Zuallererst: Geduld. Es ist wahr, dass es sensible Phasen für den Spracherwerb (entdecke hier die Vorteile von Zweisprachigkeit) gibt, genau wie für andere Arten von Fähigkeiten, wie Motorik, kognitive Entwicklung, Lesen etc. Aber nach Piagets Theorie darf man nicht vergessen, dass alles nach einem kontinuierlichen Prozess abläuft, der sich nach und nach bildet. Dabei können manche Kinder etwas länger brauchen um etwas zu lernen, andere hingegen etwas frühreif sein. Obwohl dies nur eine Zusammenfassung von Piagets Theorie ist und den verschiedenen Phasen der Kindesentwicklung, muss angemerkt werden, dass das angegebene Alter nur ein Richtwert ist um statistische Vergleiche anstellen zu können. Manchmal brauchen Kinder etwas länger, um eine Fähigkeit zu erlernen, dies muss keine negativen Konsequenzen zur Folge haben.
  • In anderen Fällen, wenn das Kind zum Beispiel eine längere Zeit nach der Einschulung wirklich Schwierigkeiten bei der Kommunikation, beim Spielen oder beim generellen Zurechtkommen mit den anderen hat oder auch sich auf eine ganz andere Weise Kenntnisse aneignet, als die anderen, ist es angebracht, das Kind zu einem Spezialisten zu bringen (Psychologe sowohl in der Schule als auch außerhalb und Kinderarzt zur Orientierung).
  • Sollte das Kind aber weder Probleme haben noch Pathologien aufweisen, sondern einfach etwas länger brauchen oder Schwierigkeiten in einem bestimmten Bereich haben, ist es wichtig das Kind zuhause und in der Schule zu motivieren und ihm die Hilfe zu bieten, die es braucht. Wenn das Kind länger braucht um seine Aufgaben zu erledigen oder in gewissen Momenten Schwierigkeiten hat oder seine Entwicklung nicht genau mit den Entwicklungsstufen von Piaget übereinstimmt, kein Grund zur Panik. Das bedeutet keinesfalls, dass das Kind in der Zukunft Probleme haben wird oder seine Fähigkeiten nicht erfolgreich ausbilden wird, wenn es dabei Hilfe bekommt und sich anstrengt.
  • Denk daran, dass ein dreijähriges Kind nicht lügen kann (daher kommt die Redensart “Kindermund tut Wahrheit kund”), sie teilen nur ein Stückchen ihrer Weltsicht mit, von “ihrem eigenen Fenster” aus. Deswegen ist es wichtig zu verstehen, dass sie keine Erwachsenen sind und erst lernen müssen sich in einer Welt zurechtzufinden in der sie Schritt für Schritt immer unabhängiger werden. Aber von Geburt machen Kinder große Fortschritte um etwas Neues zu lernen, und wir Erwachsenen sollten alles dafür tun um mehr über ihre Welt lernen und ihnen dabei zu helfen, voranzukommen und jede Hürde zu meistern.
  • Dabei können Eltern auch das Selbstwertgefühl ihrer Kinder fördern und ihnen so zu einer starken Persönlichkeit helfen.

Piagets Theorie der Entwicklungsstufen beschreibt neben der sehr vollständigen Erklärung der verschiedenen Entwicklungsstadien von Kindern auch die Magie die von Kindern ausgeht, mit ihrem egozentrischen Denken, ihrer Neugierde auf ihre Umwelt und ihre Unschuld. All dies sollte uns dazu anregen darüber nachzudenken, dass wir Erwachsenen lernen sollten, Kinder zu verstehen, zu unterstützen, zu motivieren und jede Phase mit ihnen zu genießen.

 

Quelle: Eva Rodriguez Weisz, Psychologin bei CogniFit.

 

 

Was ist Dopamin und welche Funktion erfüllt es? Fragen und Antworten

Heute beantworten wir einige Fragen, die dir vielleicht schon einmal durch den Kopf gegangen sind. Was ist Dopamin und welche Funktion erfüllt es? Entdecke es hier! Wir alle haben schon einmal vom diesem Hormon gehört. Es heißt, es sei das Glückshormon, das angeblich für die Lust aber auch für die Sucht verantwortlich ist … Aber, wenn wir Mythen und Legenden einmal beiseite lassen: Was wissen wir über Dopamin?

Was ist Dopamin und welche Funktion erfüllt es?

Was ist Dopamin und welche Funktion erfüllt es?

Dopamin ist ein Molekül das von unserem Körper hergestellt wird. Diese Substanz steckt hinter unserer Lust und unseren geheimsten Wünschen. Das Dopamin ist Begehren, Liebe, Untreue, Motivation, Aufmerksamkeit, Feminismus, Lernen und Sucht.

Dopamin ist ein Neurotransmitter, der als chemischer Botenstoff bezeichnet werden kann und sich darum kümmert, die Anweisungen des zentralen Nervensystems (des Gehirns) weiterzuleiten. Dopamin ist demnach für das Weitergeben von Informationen von einem Neuron zum nächsten verantwortlich.

Die Wirkung, die das Dopamin in unserem Gehirn erzeugt, hängt von zahllosen Faktoren ab unter anderem mit welchen Neurotransmittern es kombiniert wird. Obwohl man anfänglich glaubte, dass diese Substanz mit dem wirklichen Vergnügen (dem “Mögen”) assoziiert sei, geht man seit Kurzem davon aus, dass sie mehr mit der Vorfreude und der Motivation (dem “Wollen”) in Zusammenhang steht.

Dopamin ist an der Aktivierung der Belohnungssysteme in unserem Gehirn beteiligt, vor allem im Nucleus accumbens. Dieses Gehirnareal ist eine Schlüssel-Kernstruktur für das Entfalten von Verhaltensweisen bei emotionalen Reizen, sowohl positiven als auch negativen, und wird als das Hauptzentrum der Lust im Gehirn gesehen. Der Nucleus accumbens ist mit anderen Gehirnarealen verbunden, die für Emotionen und Erinnerung zuständig sind. Deshalb spielt er auch beim Lernen eine wichtige Rolle, wie wir im nächsten Abschnitt sehen werden.

Die Reize, die den Belohnungskreislauf des Gehirns am meisten aktivieren, sind neue Reize, also alle Sachen die wir nicht gut kennen beziehungsweise die unerwartet auftreten.

Wie funktioniert Dopamin?

Dopamin hat viele Funktionen. Es ist hauptverantwortlich für Glücksgefühle, unsere Motivation und Neugierde für Dinge. Aber vor allem hat Dopamin mit der Bewegungskoordinierung, der Entscheidungsfindung und der Regulierung des Lernen und Gedächtnisses zu tun. Im Weiteren gehen wir auf jede einzelne Funktion ein.

Wie funktioniert Dopamin?

1. Dopamin und das Glücksgefühl

Wenn das Dopamin in den Belohnungszentren des Gehirns freigesetzt wird, fühlen wir Glück, Wohlgefühl und Entspannung. Es spielt bei unseren Grundbedürfnissen für das Überleben wie beim Sex, dem Essen, dem sozialen Status etc. eine Rolle.

2. Dopamin, Lernen und Gedächtnis

In mehreren Studien wie dieser wird erklärt, dass diese Substanz der Schlüssel zum Lernen und Gedächtnis ist. Dopamin hilft uns dabei, uns an Informationen zu erinnern. Es stärkt die Verbindungen zwischen dem Nucleus accumbens und Bereichen, die mit dem Gedächtnis zusammenhängen. Es ist sogar erwiesen, dass Erlerntes, das eine emotionale Komponente aufweist am längsten bestehen bleibt. Es spielt eine wichtige Rolle bei diesem Prozess.

Dopamin ist auch ein Schlüsselfaktor beim assoziativen Lernen. Eine Studie zeigt, dass die Stimulation der Dopaminkanäle in der Substantia nigra im Gehirn der Teilnehmer, während diese eine Belohnung erhielten, sie dazu bewegte, die Stimulation die der Belohnung vorausging, zu wiederholen.

3. Dopamin und Motivation

Viele Studien, wie diese untersuchen die motivierende Funktion des Dopamins. Es scheint, als ob dieser Neurotransmitter uns nicht nur belohnt wenn wir eine genussvolle Tätigkeit ausgeführt haben, sondern schon vorher aktiv ist. Dopamin wird freigesetzt, um etwas Gutes zu erreichen und etwas Schlechtes zu vermeiden. Ein Dopaminmangel, der bei vielen Erkrankungen wie beispielsweise der Depression vorkommt, spiegelt sich in Symptomen wie Motivationsmangel oder Anhedonie wider.

4. Dopamin und Neugierde

Die Neugierde ist die Art von intrinsischer Motivation, die uns dazu bewegt, Antworten auf Rätsel oder unbekannte Dinge zu suchen. Die Neugierde ist der emotionale Aspekt, der uns zur Entdeckung, Forschung und zum Lernen motiviert. Neugierde kann als Existenzmechanismus bezeichnet werden.

Diese Aspekte scheinen auch mit der Neugierde zusammenzuhängen. Normalerweise entiwcklen wir Neugierde bei Dingen, die wir nicht kennen und die nicht in unsere mentalen Konzepte passen. Außerdem ist die Neugierde eine Art von Motivation und wird demnach durch Dopamin reguliert (wie die intrinsische Motivation). In einer aktuellen Arbeit von Grubber über die Neugierde und das Gedächtnis kann man lesen, dass die Verbindungen und Strukturen, die mit den Belohnungsmechanismen zusammenhängen, wie das dopaminerge Netz und die Aktivierung des Nucleus accumbens, auf die Neugierde einwirken. Menschen erinnern sich besser an Informationen, bei der sie Neugierde empfinden, auch wenn diese Information irrelevant ist.

5. Dopamin und Kreativität

Wissenschaftliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass eine Beziehung zwischen dem dopaminergen Kreislauf und der Kreativität besteht. Die Dopaminrezeptoren von gesunden sehr kreativen Menschen ähneln denen von Personen mit Schizophrenie. Dopaminrezeptoren sind eng mit dem divergenten Denken verbunden.

Sowohl kreative als auch von Schizophrenie betroffene Menschen besitzen eine geringere Dichte an Dopaminrezeptoren im Thamalus, welcher die Informationen filtert die uns erreichen und beeinflusst somit die Wahrnehmung und das logische Denken. Das bedeutet, dass die Signale weniger stark gefiltert werden und somit ein großer Informationsfluss in das Bewusstsein gelangt. Das erklärt, weshalb kreative Menschen zahlreiche ungewöhnliche Assoziationen bei der Lösung von Problemen finden und sich bei Personen mit psychischen Störungen seltsame Verbindungen finden lassen.

6. Dopamin und Persönlichkeit

Ein Persönlichkeitsmerkmal, das uns am meisten definiert, ist unser Grad an Extravertiertheit. Die Extraversion hat zwei Hauptbestandteile: den Gefallen an sozialer Interaktion und die Impulsivität. Dieses Merkmal hängt stark mit dem Dopamin zusammen.

Einigen Studien zufolge neigen Menschen mit hoher Impulsivität und Offenheit für neue Erfahrungen (normalerweise extravertiert) dazu, ihre Dompaminkreisläufe besser aktivieren zu können. Sie sind für gewöhnlich auch anfälliger für Suchterkrankungen oder Risikoverhalten.

Was geschieht, wenn ich an Dopaminmangel oder Dopaminüberschuss leide?

Es gibt einige Krankheiten, die durch den Mangel oder Überschuss an Dopamin entstehen:

Wenn uns diese Substanz fehlt, fühlen wir uns eventuell demotiviert, gelangweilt, deprimiert oder sogar betrübt.  Es ist auch möglich, dass wir Anhedonie verspüren, dass es uns schwerfällt, Glück zu empfinden und zu genießen. Einige Krankheiten, die sich durch einen Dopaminmangel auszeichnen sind die Depression, die Sozialphopie, ADHS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit Hyperaktivität) und die Parkinson-Krankheit. Deswegen führen die Medikamente, die zur Behandlung dieser Krankheiten für gewöhnlich eingesetzt werden, zu einer Steigerung des Dopamingehalts im Gehirn. Dies geschieht jedoch in geringen und regulierten Dosen, da sie anderweitig, genau wie andere Drogen, abhängig machen können.

Abgesehen von Parkinson, ist bei diesen Störungen die Ursache der Erkrankung nicht der Dopaminmangel, sondern der Rückgang in positiven Verstärkern, also die aktive Suche nach genussvollen Reizen und ein Rückgang der Motivation. Der Verlust der positiven Verstärker führt zu einem Rückgang der Dopaminproduktion. Bei der Parkinson-Krankheit hingegen degeneriert der Gehirnbereich, der Dopamin produziert, die Substantia nigra.

Ein erhöhter Dopamingehalt hängt hingegen mit psychischen Krankheiten wie der Schizophrenie und der bipolaren Störung zusammen. Bei diesen Störungen hemmen die verwendeten Medikamente normalerweise die Wirkung dieser Substanz. Sie sorgen dafür, dass sie weniger lange im synaptischen Spalt verbleibt und somit die Informationsweitergabe von einem zum nächsten Neuron gehemmt wird.

Welchen Einfluss hat Dopamin auf Suchterkrankungen?

Eine Sucht beinhalten den intensiven Wunsch nach etwas, den Kontrollverlust über den Konsum und der kontinuierliche Gebrauch, trotz ungünstiger Folgen. Die Sucht verändert das Gehirn, indem sie die Art mit der Vergnügen registriert wird verändert und die normale Funktionsweise des Lernens und der Motivation zerstört.

Zusätzlich zur Steigerung der Dopaminproduktion hemmen Drogen auf künstliche Weise die Dopaminwiederaufnahme und den Dopaminabbau. Das bedeutet, dass sich über einen langen Zeitraum große Mengen im synaptischen Spalt (mehr als 150% des normalen Wertes) ansammeln.

Jedoch nicht nur Drogen, die auf künstliche Weise den Dopamingehalt im Gehirn steigern, begünstigen eine Suchterkrankung. Viele Verhaltensweisen, die eine Steigerung des Dopamingehalts im Gehirn verursachen, machen einen anfälliger für Abhängigkeit von diesem Verhalten, wie beispielsweise bei der Sex-, Spiel-, Kauf-, Videospiel-, und Fast-Food-Sucht.

Sich wiederholt einer süchtig machenden Substanz oder Verhaltensweise auszusetzen verursacht eine Kommunikation der Nervenzellen im Nucleus accumbens und des Präfrontalen Cortex (der für Planung und Entscheidungsfindung zuständige Bereich). So vereint sich, dass “uns etwas gefällt” mit dem “wir wollen es haben” und bringt uns dazu, dem Wunsch nachzugehen. Dieser Prozess motiviert uns dazu, die Quelle des Vergnügens zu suchen.

Dieser Mechanismus hat sich als adaptiv und evolutionär vorteilhaft herausgestellt, da wir das Vergnügen mit für unser Überleben und unsere Gene notwendigen Verhaltensweisen assoziieren, wie die Nahrungssuche und dem Geschlechtsverkehr.

Die Ansammlung von Dopamin im Gehirn sorgt dafür, dass sich neue Rezeptoren für dieses Hormon bilden. Mit der Zeit passt sich das Gehirn an und der Effekt des Dopamins lässt nach. So verringert sich das Gefühl des Vergnügens oder Glücks, das eine Substanz oder eine Verhaltensweise verursacht. Deswegen brauchen süchtige Menschen immer höhere Dosen, um den gleichen Effekt zu erreichen. Dies nennt man Toleranz.

Süchte ohne Drogen

Dies sind die sogenannten Störungen der Impulskontrolle, die zu den Verhaltensstörungen gehören. Es handelt sich um die Sucht nach Verhaltensweisen, wie Spontaneinkäufe, der Computer- oder Handysucht, der Sucht nach Arbeit, Sex, oder Spielen. Diese Störungen haben viele Gemeinsamkeiten mit dem Drogenmissbrauch.

Genau wie bei einer Drogenabhängigkeit wird erlernt, dass bei Unwohlsein, Anspannung oder Unruhe, die Verhaltensweise diese negativen Gefühle verschwinden lässt und Vergnügen schafft. Deshalb wird es wahrscheinlich, dass dieses Verhalten wiederholt wird. Dennoch ist der Dopamingehalt, der beim Ausführen dieses Verhaltens entsteht, zwar erhöht, liebt aber im normalen Bereich, da er nicht, wie beim Drogenkonsum, künstlich erhöht wird. Deshalb kann es bei solchen Suchterkrankungen zu keiner körperlichen Abhängigkeit kommen und sie sind nicht so schädlich für das Gehirn.

Also, kann uns Dopamin zur Sucht führen? 

Trotz seines schlechten Rufes durch den Zusammenhang mit Abhängigkeiten kann die Substanz per se nicht zur Sucht führen.

Beispielsweise ist es schwierig, nach Neugierde süchtig zu werden. So setzt das Gehirn zwar viel Dopamin frei wenn wir Neugierde verspüren, jedoch baut der Körper es in einem konstanten Rhythmus ab und behält so ein Gleichgewicht bei.

Gleichzeitig hängt es sehr von den Eigenschaften und der Fähigkeit zur Impulskontrolle einer jeden Person ab.

Dopamin dient dem Erhalten der Motivation und begünstigt das Lernen. Außerdem ermöglicht es uns, uns zu verlieben, gerührt zu werden und es zu genießen, wenn wir einen schönen Sonnenuntergang sehen, oder wenn wir mit dem Auto fahren, das wir so lieben. Die kleinen Vergnügen des Lebens werden durch Dopamin vermittelt, und wer würde schon gerne darauf verzichten? Dopamin ist nicht schlecht, aber wie bei allem braucht man ein Gleichgewicht. Wir können nicht immer “voller” Dopamin sein, da es in  uns eine Sucht auslösen würde. Dennoch verursacht Dopamin allein keine Suchterkrankung. Das tun die zwanghaften Verhaltensweisen, mit denen wir nach einem erhöhten Dopamingehalt suchen, die uns zur Sucht führen.

Ist das Glücksgefühl, das wir empfinden, wirklich oder falsch?

Wenn das Gehirn Dopamin als Reaktion auf natürliche Reize freisetzt, ist das Glück, was wir empfinden, echt. Wenn im Gegensatz dazu, die Dopaminfreisetzung das Produkt einer Droge ist, kann man  von einem künstlichen “Glück” sprechen und ist somit eher falsch.

Beim Glücksgefühl spielen auch andere Hormone außer dem Dopamin, wie Serotonin und die Endorphine, eine Rolle. Dopamin hängt am engsten mit dem Vergnügensgefühl und der Motivation, diese Gefühl zu suchen, zusammen. Serotonin wird auch das Vergnügens- oder Stimmungshormon genannt. Und Endorphine erhöhen unser Wohlgefühl, verbessern die Stimmung und erzeugen Zufriedenheit.

Quelle: Andrea García Cerdán, Psychologin bei CogniFit.

Impulsivität: “Gründe für impulsives Verhalten”

“Ich musste es einfach kaufen! … Ich konnte nicht widerstehen! … Ich bereue es, gesagt zu haben, was ich gesagt habe! …” Dies sind geläufige Aussagen, die wir täglich hören und vielleicht auch schon mehr als einmal selbst gesagt haben. Sie hängen mit der Art zusammen, wie wir uns selbst regulieren oder unsere Worte, Handlungen und Verhaltensweisen zu steuern. Mit anderen Worten geht es darum, bis zu welchem Punkt wir fähig sind, zu widerstehen und die Dringlichkeit unserer Impulse und Emotionen herauszuzögern. Entdecke in diesem Artikel, was Impulsivität ist und welche die Ursachen für impulsives Verhalten sind, ihre Symptome und wie man die Impulsivität bewertet.

Was ist Impulsivität? Man kann Impulsivität als eine besondere Art die Welt wahrzunehmen definieren, wobei eine Veranlagung zu schnellen, unkontrollierten Reaktionen vorherrscht. Bei der Präsenz eines Ereignisses oder eines besonderen Moments außerhalb oder innerhalb des Individuums fehlt es an einem analytischen Urteil  und die Folgen der eigenen Handlungen werden nicht abgewägt.

Ursachen des impulsiven Verhaltens

Die Neurowissenschaften haben eine Hirnverbindung identifiziert (mithilfe von PET-Bildern: Positron emission Tomography) durch die ein Impuls und eine Idee sich in ein sichtbares Verhalten umwandelt und eventuell in einen unkontrollierbaren Zwang mit Tendenz zur Wiederholung und die Schwierigkeit einiger Menschen, den Impuls im Austausch einer Belohnung oder eines Ziels auf längere Sicht hin zu unterdrücken, aufzeigt.

Was sind die Ursachen des impulsiven Verhaltens? Das impulsive Verhalten hängt eng mit dem Neurotransmitter Dopamin zusammen, eine Substanz, die mit den Lern- und Belohnungsvorgängen verknüpft ist.

Forscher wie Idit Shalev von der Universität von Yale und Michael Sulkowski von der Universität von Florida haben beschrieben wie Fehler in den Rezeptoren des Frontallappens und insbesondere im Präfrontalen Cortex des Gehirns, um den Entscheidungsfindungsprozess zu orientieren und ein angemessenes Urteil zu fällen als Teil der exekutiven Funktionen dieser Hirnstruktur, der physiologische Weg sind, der das impulsive, augenblickliche und sich wiederholende Verhalten erklärt.

Mit anderen Worten: In uns entsteht eine Art Umleitung der Gehirnnuklei, wo die an die Realität angepassten Entscheidungen mit einem hohen Niveau an Analyse getroffen werden, um die Belohnung zu erhalten, die wir schnell und unbedacht suchen. Andere Forscher wie Yoshua Buckholtz von der Universität Vanderbilt schlugen 2009 vor, dass impulsive Menschen eine geringere Menge an aktiven Dopaminrezeptoren in der Mittelregion des Gehirn haben könnten, die mit der Fähigkeit, logische und gut überlegte Entscheidungen treffen zu können, zusammenhängen und dass die Tendenz zur Depression und persönlichem Risiko als Teil dieser Art zu handeln, sich erhöhen kann.

Es tritt häufig ein Bereuen der Handlung ein, ohne dass dieses das Fortbestehen auf wiederholte oder zwanghafte Art anhält, wie im Falle der Süchte nach Substanzen, dem pathologischen Spiel, den Zwangskäufen, dem Tabakkonsum und dem Alkoholismus, unter anderem und mit dem folgenden Nachteil und adaptiver Affektation.

Symptome der Impulsivität

Dagegen beziehen sich Untersuchungen wie die von Michalczuk, Bowden-Jones, Verdejo García, y Clark 2011 auf die 4 Grundkomponenten der Impulsivität:

  • Unfähigkeit zur Planung und Voraussicht: Wenn wir von den Impulsen gedrängt handeln, können wir keine erwarteten und logischen Folgen voraussehen, dagegen ist die Überraschung charakteristisch, wo “alles bei rauskommen kann”.
  • Geringe Kontrollfähigkeit: Noch eine Zigarette, noch ein Stück Torte, noch ein unangemessner und unverschämter Kommentar zur Situation. Ohne Bremse oder Selbstkontrolle.
  • Begrenzte Ausdauer: Aufgaben prokrastinieren, weil sie wenig attraktiv erscheinen. Man folgt dem Weg der verstärkten Emotion.
  • Permanente Suche nach neuen Erfahrungen und Drang danach, sie zu bekommen, dies wird als Tendenz, den positiven oder negativen emotional intensiven Zuständen zufolge zu handeln verstanden, die die Fähigkeit alternative Handlungen zu planen und zu bewerten und somit das folgende Bereuen zu vermeiden, welches typisch und nachfolgend bei den Menschen eintritt, die von nicht zu bremsenden Impulsen beherrscht handeln.

Es ist anzunehmen, dass die Impulse diverser Art sein können und diverse Folgen haben können, von dem Essen eines Stücks Torte oder Kuchen, wenn wir es nicht tun sollten bis zum Stehlen, Zerstören von Dingen oder Selbstverletzung. Im Sturm der Impulse ohne Masse kann sogar das eigene Leben oder das Leben der anderen in direkte Gefahr geraten.

Wir sehen, dass der emotionale Zustand ein Schlüsselpunkt bei diesem Thema ist, da der erwähnte Vorgang im Gehirn Emotionen auslöst, die die Wahrnehmung der Realität nuancieren, da diese mit einer so unwiderstehlichen Kraft erlebt werden, dass sie unmittelbar von der Person beachtet werden müssen.

Man kann sagen, dass der rationale Prozess oder Fluss, durch den die Folgen der eigenen Handlungen abgewägt werden, unterbricht und somit die Unterdrückung oder Einschränkung von für die Situation oder den speziellen Moment unangemessenen Impulsen.

Wie wird Impulsivität diagnostiziert?

Wenn wir diese Gemütszustände erleben und unter ihren Konsequenzen leiden und ausschliessen können, dass diese durch schwerere Störungen wie Demenz, ADHS oder Parkinson verursacht werden, können wir uns an die Experten wenden, die heutzutage über diagnostische Werkzeuge verfügen, die die Art und das Niveau des impulsiven Verhaltens feststellen, um effektive therapeutische Massnahmen vorzuschlagen (einige mit Psychopharmaka) und spezialisierte Instrumente und Tests wie CogniFit mit seiner Batterie zur Bewertung vom Inhibitionslevel, unter anderem, die Hilfe bieten, um unsere Gedanken zur Vernunft und zum angemessenen Urteil zurückbringen können.

Quelle: Reinaldo Barbero, Psychologe bei CogniFit.

Literaturangaben

Celma Merola, Jaume. Bases teóricas y clínica del comportamiento impulsive. Colección digital Profesionalidad. Ed. San Juan de Dios. Barcelona (2015).

Shalev, I., & Sulkowski, M.L. (2009). Relations between distinct aspects of self-regulation to symptoms of impulsivity and compulsivity. Personality and Individual Differences, 47,84-88.

Why Are You so Impulsive? Self-regulation and symptoms of impulsivity. Timothy A Pychyl Ph.D. Don’t Delay.  Psychology Today, Posted Jun 23, 2009

Emotionale Intelligenz Test: 24 Fragen zum Messen des emotionalen Intelligenzquotienten

Der Intelligenzquotient spiegelt nur 20% des Arbeitserfolgs der Menschen wieder, die emotionale Intelligenz tut dies jedoch zu 80%“. Dieser Emotionale Intelligenz Test erlaubt dir mithilfe von 24 einfachen Fragen, deine emotionalen Fähigkeiten zu entdecken.

Daniel Goleman, einer der Fachmänner für Emotionen, veröffentlichte 1995 seinen Bestseller namens “Emotionale Intelligenz”. Warum wurde dieses Buch ein Bestseller? Weil es die Faktoren aufdeckte, die bestimmten, dass der Erfolg einer Person nicht so sehr von ihrem Intelligenzquotienten sondern mehr von ihren emotionalen Fähigkeiten abhängt.

Diese Information sorgte für Bewunderung und Aufruhr bei vielen und zog die gegenwärtigen Grundlagen des Bildungssystems in Zweifel, ein System, dass auf dem Intelligenzquotienten basiert, der die emotionale Intelligenz nicht berücksichtigt. Würdest du gerne deine emotionale Intelligenz messen? Dieser Emotionale Intelligenz Test kann dir dabei helfen, deinen Erfolg bei der Arbeit vorauszusagen 😉

Emotionale Intelligenz Test. Fragen zum Messen deines emotionalen Intelligenzquotienten.

Emotionale Intelligenz Test

Im Folgenden zeige ich euch einen Test, damit ihr eure emotionale Intelligenz kennenlernt und, wenn ihr wollt, könnt ihr ihn auch dazu nutzen, um mehr über die emotionale Intelligenz eurer Familienmitglieder und Freunde herauszufinden.

Der emotionale Intelligenz Test misst drei Schlüssel-Dimensionen:

  1. Aufmerksamkeit: Ich kann meine Gefühle wahrnehmen und angemessen ausdrücken
  2. Klarheit: Ich verstehe meine Zustände gut
  3. Ausgleich: Ich kann meine emotionalen Zustände gut regulieren

Emotionale Intelligenz Test: 24 Fragen zur Auswertung deiner emotionalen Intelligenz

Zunächst solltet ihr die folgenden Aussagen über eure Emotionen und Gefühle lesen und den Grad der Zustimmung oder Ablehnung im Bezug auf dieselbigen angeben.

1

2 3 4 5
Gar nicht einverstanden Etwas einverstanden Ziemlich einverstanden Sehr einverstanden

Komplett einverstanden

Vergesst nicht, dass es keine richtigen oder falschen Antworten gibt, markiert die, die sich euren Vorlieben am besten anpasst und verbringt nicht zu viel Zeit mit jeder einzelnen!

1. Ich richte viel Aufmerksamkeit auf meine Gefühle. 1 2 3 4 5
2. Ich kümmere mich normalerweise darum, was ich fühle. 1 2 3 4 5
3. Normalerweise widme ich den Gedanken an meine Emotionen Zeit. 1 2 3 4 5
4. Ich denke, es lohnt sich, auf meine Emotionen zu achten. 1 2 3 4 5
5. Ich lasse meine Gefühle meine Gedanken beeinflussen. 1 2 3 4 5
6. Ich denke ständig an meinen Gefühlszustand. 1 2 3 4 5
7. Ich denke oft an meine Gefühle. 1 2 3 4 5
8. Ich achte sehr darauf, wie ich mich fühle. 1 2 3 4 5
9. Meine Gefühle sind mir klar. 1 2 3 4 5
10. Ich kann meine Gefühle häufig definieren. 1 2 3 4 5
11. Ich weiss fast immer, wie ich mich fühle. 1 2 3 4 5
12. Normalerweise kenne ich meine Gefühle gegenüber Personen. 1 2 3 4 5
13. Oft bemerke ich meine Gefühle in unterschiedlichen Situationen. 1 2 3 4 5
14. Ich kann immer sagen, wie ich mich fühle. 1 2 3 4 5
15. Manchmal kann ich sagen, was meine Emotionen sind. 1 2 3 4 5
16. Ich erreiche es manchmal, meine Gefühle zu verstehen. 1 2 3 4 5
17. Obwohl ich mich manchmal traurig fühle, habe ich normalerweise eine positive Sichtweise. 1 2 3 4 5
18. Obwohl ich mich schlecht fühle, versuche ich an schöne Dinge zu denken. 1 2 3 4 5
19. Wenn ich traurig bin, denke ich an alle Vergügen im Leben. 1 2 3 4 5
20. Ich versuche positiv zu denken, obwohl ich mich schlecht fühle. 1 2 3 4 5
21. Wenn ich zu sehr über Dinge nachdenke und sie verkompliziere, versuche ich mich zu beruhigen. 1 2 3 4 5
22. Ich mache mir Sorgen darüber, guter Stimmung zu bleiben. 1 2 3 4 5
23. Ich habe viel Energie, wenn ich mich glücklich fühle. 1 2 3 4 5
24. Wenn ich verärgert bin, versuche ich, meine Stimmung zu ändern. 1 2 3 4 5

Sobald ihr den Fragebogen ausgefüllt habt, kommt der Moment, indem ihr ihn auswerten müsst, um eure Punktzahl im Test zur emotionalen Intelligenz herauszufinden.

Bereiten wir uns auf die Auswertung des Emotionalen Intelligenz Tests vor!

Um auszuwerten und eine Punktzahl in den drei Faktoren der emotionales Intelligenz zu erlangen, müsst ihr die Punkte 1 bis 8 addieren, um die Punktzahl vom Faktor emotionale Aufmerksamkeit zu erlangen, die Punkte von 9 bis 16 für den Faktor emotionale Klarheit und die Punkte von 17 bis 24 für den Faktor Ausgleich der Emotionen.

Danach solltet ihr eure Punktzahl in den Tabellen, die ich euch zeige, nachschauen und dabei beachten, dass ihr auf die Punktzahlen auf der linken Seite schaut, wenn ihr männlich seid und auf die auf der rechten Seite, wenn ihr weiblich seid.

Aufmerksamkeit
Punktzahlen Männer Punktzahlen Frauen
Sollte seine Aufmerksamkeit verbessern: Ist zu wenig aufmerksam < 21 Sollte ihre Aufmerksamkeit verbessern: Ist zu wenig aufmerksam < 24
Angemessene Aufmerksamkeit 22 bis 32 Angemessene Aufmerksamkeit 25 bis 35
Sollte seine Aufmerksamkeit verbessern: Ist zu aufmerksam > 33 Sollte ihre Aufmerksamkeit verbessern: Ist zu aufmerksam > 36
Klarheit
Punktzahlen Männer Punktzahlen Frauen
Sollte seine Klarheit verbessern < 25 Sollte ihre Klarheit verbessern < 23
Angemessene Klarheit 26 bis 35 Angemessene Klarheit 24 bis 34
Exzellente Klarheit > 36 Exzellente Klarheit > 35
Ausgleich
Punktzahlen Männer Punktzahlen Frauen
Sollte seinen Ausgleich verbessern < 23 Sollte ihren Ausgleich verbessern < 23
Angemessener Ausgleich 24 a 35 Angemessener Ausgleich 24 a 34
Exzellenter Ausgleich > 36 Exzellenter Ausgleich > 35

Kann man emotionale Intelligenz entwickeln?

Unabhängig von der erhaltenen Punktzahl ist die gute Nachricht, dass sich die emotionale Intelligenz entwickeln lässt und wir im Laufe unseres Lebens an ihr arbeiten können.

Vorteile der emotionalen Intelligenz

Durch zahlreiche Studien hat man herausgefunden, dass die Vorteile der emotionalen Intelligenz sich nicht nur auf den Arbeitsbereich beschränken, sondern sich auf eine Menge an Bereiche verteilen.

Die Forscher haben herausgefunden, dass Personen mit hohen Punktzahlen bei der emotionalen Intelligenz folgende Merkmale aufweisen:

 

  1. Höhere akademische Leistungen
  2. Bessere Familien- und Liebesbeziehungen
  3. Bessere soziale Beziehungen
  4. Niedrigere Nervositäts- und Stresslevel
  5. Niedrigere Depressionslevel
  6. Eine geringere Wahrscheinlichkeit für Drogenkonsum
  7. Eine geringere Wahrscheinlichkeit für zwischenmenschliche Konflikte

 

Einige Referenzen zur Benutzung der Skala: Carranque, G.A., Fernández-Berrocal, P., Baena, E., Bazán, R., Cárdenas, B., Herraiz, R., y Velasco, B. (2004). Extremera, N. y Fernández-Berrocal, P. (2002). Relation of perceived emotional intelligence and healthrelated quality of life in middle-aged women. Psychological Reports, 91, 47-59. Extremera, N., Fernández-Berrocal, P., y Durán, A. (2003). Extremera, N., y Fernández-Berrocal, P. (2003). La inteligencia emocional en el contexto educativo: hallazgos científicos de sus efectos en el aula. Revista de Educación, 332, 97-116. Inteligencia emocional y depresión. Encuentros en Psicología Social, 1, 251-254. Fernández-Berrocal, P., Extremera, N. y Ramos, N. (2004). Validity and reliability of the Spanish modified version of the Trait Meta-Mood Scale. Psychological Reports, 94, 751-755. 

 

Quelle: Beatriz Marques, Psychologin bei CogniFit.

Was sind Wolfskinder oder wilde Kinder? Fälle von Kindern, die von Tieren aufgezogen wurden

Was sind Wolfskinder oder wilde Kinder? … Kannst du dir vorstellen, wie es wäre, von Wölfen, Affen, Hunden oder andere Tieren aufgezogen worden zu sein? Wie es wäre, mit ihnen aufzuwachsen? Wenn dir jetzt irgendein Disney-Film in den Kopf kommt, liegst du ganz schön falsch. Die wahren Geschichten von Wolfskindern oder wilden Kindern haben nichts mit den Zeichentrickfilmen zu tun. Finde in diesem Artikel heraus, wie sich Kinder entwickeln, die von Tieren aufgezogen wurden und lerne mehr über einige Geschichten und echte Fälle.

Was sind Wolfskinder oder wilde Kinder?

Was sind Wolfskinder oder wilde Kinder?

Die “Wolfskinder” sind jene Kinder, die ohne jeglichen menschlichen Kontakt aufgewachsen sind, auch wenn sie vielleicht mit anderen Tieren zusammengelebt haben (Affen, Wölfe, …). Die “wilden Kinder” sind jene Kinder, die ebenso wie die “Wolfskinder” keinen Kontakt zu Menschen hatten, aber auch nicht von Tieren aufgezogen worden sind, sondern in Einsamkeit und Isolation gelebt haben.

Man kennt sie unter dem Begriff “wild”, denn wenn man sie findet und nachdem sie so lange fern von jeglichen sozialen Kontakten gelebt haben, wirken sie nicht mehr wie Menschen, sondern wie Raubtiere.

Einige Merkmale der Wolfskinder. Entwicklungsprobleme

Fehlen von der dem menschlichen Wesen eigenen Sozialkompetenz.

Da sie ohne menschlichen Kontakt aufgewachsen sind, hatten sie keine soziale Stimulierung und beweisen deshalb ein Verhalten, das typisch für Tiere ist.

Fehlen der Sprache.

Wie wir alle wissen, ist die Sprache die Grundlage der Integration und Kommunikation. Eins der größten Hindernisse für die Anpassung der Wolfskinder ist ihre Unfähigkeit sich auszudrücken.

Warum? Ohne den sozialen Faktor ist es unmöglich, das Sprechen zu erlernen, und wenn man nicht frühzeitig sprechen lernt (mit 0-3 Jahren), ist es schwierig, dass sich dies noch ergibt.

Hochentwickelte Sinne.

Gehör, Nachtsicht und Geruchssinn sind hoch entwickelt, sie riechen an allem, was sie auf ihrem Weg finden. Was den Geschmackssinn angeht, passen sie sich der Ernährung der Tiere an, mit denen sie zusammenleben (zum Beispiel rohes Fleisch). Bezüglich des Tastsinns haben sie kein Gespür für Kälte, Regen oder Hitze.

Fähigkeit, das Verhalten der Tiere, mit denen sie zusammengelebt haben, zu wiederholen und zu imitieren.

Zum Beispiel neigen die Kinder, die mit Wölfen zusammengelebt haben, dazu zu heulen, rohes Fleisch zu essen … Deswegen sind sie auch nicht dazu fähig, aufrecht zu gehen. Sie gehen für gewöhnlich wie Tiere und besitzen eine unglaubliche Fähigkeit dazu, sehr schnell zu rennen.

Warum geschieht das mit den “Wolfskindern” oder “wilden Kindern”?

Diese Phänomene spielen sich in der Kindesentwicklung ab und fallen mit den sogenannten “kritischen Phasen” zusammen.

Die kritischen Phasen sind Momente, in denen das Nervensystem sensibler für das Lernen ist. Diese treten ab 2 Jahren bis zur Pubertät auf. Wenn in diesem Moment keine angemessene Stimulierung über die Umwelt stattfindet, ist ein späteres Erlernen dieses Verhaltens kompliziert. Die intellektuellen Funktionen, das Sozialverhalten und die Persönlichkeit werden am meisten durch die Umweltdeprivation geschädigt.

Kritische Phasen bei Wolfskindern oder wilden Kindern

Laut Itard: “Unsere Spezies ist besonders, weil sich ihre Mitglieder untereinander brauchen”. Wenn das Kind isoliert oder ohne Stimulierung aufwächst, schwächen sich seine Hirn- und Entwicklungsfunktionen und Folgendes kann geschehen:

  1. Das Gehirn wächst nicht und so verkümmert der Körper. Es entsteht ein Fehlen an Materie im Gehirn.
  2. Dies beeinflusst die Art, in der sie die Information verarbeiten, wie zum Beispiel, wenn sie Leute sprechen hören oder Dinge sehen, die sich bewegen.
  3. Sie sind nicht dazu fähig, zu handeln wie sie nach den Anforderungen ihrer Umgebung sollten.
  4. Wenn sie sich bewusst werden, dass sie nicht so reagieren, wie sie sollen, können sie aggressiv werden oder im Gegensatz dazu, verstummen.
  5. All diese Umstände lösen negative Gefühle und sowohl emotionale Probleme als auch Verhaltensprobleme in ihnen aus.

Echte Fälle von Wolfskindern und wilden Kindern

Im Laufe der Geschichte sind viele Fälle von Wolfskindern beschrieben worden, darunter befinden sich sowohl reale als auch erfundene.

Ja, ich weiss, dass all dies unglaublich erscheint, deshalb werde ich euch stark zusammengefasst einige Fälle zeigen, die wirklich passiert sind, so unglaubwürdig sie auch erscheinen.

Die Geschichte von Viktor von Aveyron, dem kleinen Wilden

Französischer wilder Jugendlicher, der in der Nähe der Pyrenäen von drei Jägern entdeckt wurde. Der Doktor Itard übernahm das Studium seiner Entwicklung und seines Verhaltens. Obwohl er intensiv mit ihm arbeitete, gelangen ihm keine großen Fortschritte und man schaffte es nicht, ihm ein mehr oder weniger zivilisiertes Verhalten beizubringen. Er starb mit etwa 40 Jahren.

Die Geschichte von Kamala und Amala, den “Wolfsmädchen”

Man kennt sie als zwei Mädchen (keine Schwestern, da man sagt, dass sie zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufgenommen wurden), die um 1920 von einem Wolfsrudel in Indien aufgezogen wurden. Als man sie entdeckte, war ihr Verhalten dem der Wölfe ähnlich, sie heulten, hatten hochentwickelte Sinne und Schwierigkeiten, aufrecht zu gehen und waren außerdem nicht fähig zu sprechen. Man beobachtete, dass sie sich sogar die Kleidung mithilfe ihrer Münder auszogen.

Die Geschichte, von Genie, dem wilden Mädchen

Im Fall von Genie handelt es sich um ein “wildes Mädchen“, das nicht von Tieren aufgezogen wurde, sondern seine Kindheit in Isolation unter schrecklichen Bedingungen und vom Vater misshandelt verbrachte. Als man sie fand, entdeckte man, dass sie nur unter großen Schwierigkeiten gehen konnte, einen Wortschatz von etwa 20 Wörtern hatte und sich wie ein Tier verhielt (sie spuckte, kratzte, etc …).

Ist die Rehabilitation von Wolfskindern oder wilden Kindern möglich?

Die Herausforderungen für die Rehabilitation der Wolfskinder oder wilden Kinder sind sehr groß. Man versucht sie, wieder in die Gesellschaft einzugliedern, aber es ist kompliziert, ihnen das Sprechen und das “zivilisierte” Zusammenleben beizubringen.

Aus all dem kann man schliessen, dass wir sind, was wir erleben, und von den Situationen, die Teil unseres Lebens sind, geformt werden.

Beziehungen zu anderen Menschen in den ersten Lebensjahren sind unerlässlich, um alle Fähigkeiten zu erlernen, die unsere Umwelt von uns für unser Überleben fordert.

Daher rührt die Wichtigkeit des Lebens in Gemeinschaft und der Kultur, um uns als Personen zu bilden. “Wir sind Menschen, weil wir in Gesellschaft leben”.

Oder mit Aristoteles Worten: “Der Mensch ist von Natur aus ein soziales Wesen und der Asoziale von Natur aus und nicht aus Zufall ist entweder ein schlechter Mensch oder mehr als menschlich … Die Gesellschaft ist natürlich und geht dem Individuum voraus … derjenige, der nicht in Gesellschaft leben kann oder nichts zu seiner eigenen Hinlänglichkeit braucht, ist kein Mitglied der Gesellschaft, sondern eine Bestie oder ein Gott”.

Wenn euch das interessant erscheint, liste ich hier einige Filme auf, damit ihr eure eigenen Schlüsse ziehen könnt:

  • Tarzan
  • Das Dschungelbuch
  • Wolfsbrüder (2010)
  • Der Wolfsjunge
  • Mama (2013)

Quelle: Mairena Vázquez, Psychologin bei CogniFit.