Sexsucht oder Hypersexualität: Alles zur Nymphomanie und Satyriasis

 

Ein Leitfaden zur Hypersexualität und Sexsucht bei Männern (Satyriasis), Frauen (Nymphomanie) und Kindern.  Das Hypersexualitätssyndrom, seine Symptome, Ursachen und Folgen. Nützliche Informationen, um mögliche Probleme identifizieren zu können und hilfreiche Tipps, um die Sexsucht zu bekämpfen.

Sexsucht

Blutfluss im Gehirn / Sex – Bild: Radu Jianu, Brown University

Ist Sex für dich, oder eine der Personen die du kennst, ein Problem? Bist du besessen von diesem Thema und weißt nicht, wie du aufhören sollst? Hast du ein hohes Verlangen nach Sex und wiederkehrende Phantasien und glaubst, du könntest an einer Sexsucht leiden? Entdecke im folgenden Artikel wichtige und hilfreiche Informationen.

Was ist die Hypersexualität oder Sexsucht?

Die Sexsucht oder Hypersexualität kann als Störung definiert werden, die sich durch kompulsive (zwanghafte) sexuelle Gedanken und Verhaltensweisen auszeichnet. Genau wie andere Süchte oder Zwänge, verspürt die Person das Bedürfnis ihr Verhalten zu steigern (die Frequenz oder Intensität), um die gleiche Lust oder Befriedigung zu erfahren. Wenn sie das nicht tut, führt das zu starkem Unwohlsein. Wenn die Störung sehr weit fortgeschritten und entwickelt ist, kann es bis zu dem Punkt kommen, an dem das Verhalten zwanghaft wird und für den Betroffenen keinerlei Freude oder Befriedigung mehr bedeutet und das Leben sich nur darum dreht, diesen Reiz zu befriedigen.

Bislang gibt es in der Wissenschaft noch keine Einigung darüber, ob die Hypersexualität beziehungsweise Sexsucht zu den Zwangsstörungen oder anderen Suchterkrankungen gezählt werden sollte.

Eine Studie fand, dass bei 54% der untersuchten hypersexuellen Patienten das Sexualverhalten bereits vor dem 18ten Lebensjahr problematisch war. Bei weiteren 30%, begann es zwischen dem 18ten und 25ten Lebensjahr. Es handelt sich in der Regel also um ein Problem, das bereits in frühem Alter auftritt.

An sich ist es nicht wahrscheinlicher nach Sex süchtig zu sein, als nach irgendeinem anderen Verhalten, das uns Freude bereiten und entspannen kann.

Genau wie bei anderen Suchterkrankungen können hypersexuelle Personen sexuelle Aktivitäten ausführen, um die Lust zu verspüren, welches dieses Verhalten in ihnen auslöst. Genauso aber auch als Ventil, oder Flucht vor negativen Emotionen, welche die Person nicht gut handhaben kann. Beispielsweise Ängste, Stress, Trauer oder Einsamkeit.

Sexsucht: ein polemischer Begriff

Bezüglich des Begriffs “Sexsucht” gibt es zahlreiche Kontroversen. Es herrscht beispielsweise die Meinung, dass man lediglich dann von einer Sucht sprechen kann, wenn es sich um Substanzen handelt, die wir konsumieren können. „Substanzfreie Süchte“ oder „Verhaltensbezogene Süchte“ werden dementsprechend eher als Unfähigkeit der Impulskontrolle angesehen. In diesem Fall wäre der Begriff Hypersexualität der angebrachtere.

Ebenfalls polemisch ist dieses Thema da es in einigen Fällen schwierig ist zwischen einem erhöhten Sexualverlangen und einer hypersexuellen Störung zu unterscheiden.

Ab welcher Frequenz lässt sich Sexualverhalten als problematisch einstufen? Ab wann ist es zu viel? Das hängt stark von der Person ab. Unserer Sexualität Ausdruck zu verleihen ist einzigartig und kann unendlich viele Formen annehmen. Solange der Ausdruck unserer Sexualität unsere körperliche und geistige Gesundheit (oder die anderer Personen) nicht gefährdet, ist sie komplett akzeptabel.

Die Hauptcharakteristik der Sexsucht oder Hypersexualität ist das Unwohlsein, das Schuldgefühl, das Leiden oder die Probleme die im Leben der betroffenen Person auftauchen. Das ist auch der Grund, weshalb diese Störung in Therapien behandelt wird und nicht etwa, weil das Verhalten „andersartig“, „pervers“ oder „moralisch verwerflich“ ist.

Ein weiteres Problem dieses Begriffs ist, dass sich das Wort Sucht stark banalisiert hat. Wir sprechen von Serien und Büchern, nach denen wir süchtig sind, süchtig machenden Lebensmitteln. Der Begriff hat auf gewissen Weise seine eigentliche Bedeutung verloren.

Außerdem gibt es, da Sex weiterhin  -auch in der Forschung- ein Tabuthema ist, wenige renommierte Studien zu diesem Thema. Es fehlt an Konsens was die Symptomatik, die Terminologie und die Formen der Hypersexualität angeht.

Außerdem wird die Sexsucht von manchen Menschen auch als eine Ausrede für Untreue genutzt, was nicht richtig ist.

Die Sexsucht beziehungsweise Hypersexualität existiert, auch wenn nur in geringer Anzahl. Es ist also wichtig die echte Sexsucht von anderen psychologischen, sexuellen oder Paar-Problemen abzugrenzen.

Symptome der Hypersexualität oder Sexsucht

Im Jahre 2010 hat die American Psychological Association (APA) Kriterien aufgestellt, die erfüllt sein müssen, um eine Sexsucht, die formal Hypersexualitätsstörung (hypersexual disorder) genannt wird, zu diagnostizieren. Diese Störung kann nur bei Erwachsenen, also ab dem 18ten Lebensjahr diagnostiziert werden. Die Symptome sind dabei die folgenden:

  • Über einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten erfährt die betroffene Person wiederholte sexuelle Phantasien, sexuelles Verlangen und Sexualverhalten, die mit den nachstehenden Kriterien assoziiert sind:
    1. Hoher Zeitaufwand durch exzessives Auseinandersetzen mit den sexuellen Phantasien und Verlangen , Planung des Sexualverhaltens.
    2. Sich wiederholende Durchführung dieser Phantasien, Verlangen und Verhaltensweisen als Reaktion auf negative Gefühlszustände (Angst, Depression, Langeweile, Irritierbarkeit).
    3. Sich wiederholende Durchführung dieser Phantasien, Verlangen und Verhaltensweisen als Reaktion auf stressige Lebensereignisse.
    4. Wiederholte Anstrengung diese Phantasien, Verlangen und Verhaltensweisen zu kontrollieren- jedoch ohne Erfolg.
    5. Kontinuierliche Ausführung von Sexualverhalten, ohne dabei körperliche oder emotionale Risiken für einen selbst oder andere zu beachten.
  • Die betroffene Person verspürt ein starkes Unwohlsein oder Interferenzen in sozialen Bereichen, im Berufsleben oder anderen Umgebungen – aufgrund der Frequenz und Intensität entsprechender sexueller Phantasien, Verlangen und Verhaltensweisen.
  • Diese Phantasien, Verlangen und Verhaltensweisen sind nicht auf den Konsum von Drogen oder auf eine manische Episode zurückzuführen.

Es muss spezifiziert werden, ob Masturbation, Pornografie, einvernehmliches Sexualverhalten mit Erwachsenen, Internetsex, Telefonsex, Stripperclubs, und weitere Verhaltensweisen gezeigt werden.

Bei diesen Kriterien muss von Therapeutenseite entschieden werden, wie „exzessiv“ das Ganze ist. Genau hierin besteht die Schwierigkeit der Diagnosestellung.

Ursachen der Hypersexualität oder der Sexsucht

Wie bei jeder psychischen Störung gibt es nicht einen Grund alleine für die Entstehung, sondern mehrere Faktoren spielen eine Rolle. Nachstehend werden einige mögliche Ursachen oder Risikofaktoren genannt, die bei der Entwicklung einer Hypersexualitätsstörung einen Einfluss haben können.

  • Chemisches Ungleichgewicht. Zwanghafte Verhaltensweisen können mit einem Ungleichgewicht chemischer Substanzen im Gehirn zusammenhängen. Die Neurotransmitter wie Dopamin, Serotonin und Noradrenalin intervenieren in der Regulation des Gemütszustandes und dem Gefühl der Lust. Aus diesem Grund können einige Betroffene der Hypersexualität von pharmakologischen Behandlungen mithilfe von Antidepressiva und Stimmungsstabilisierern profitieren.
  • Eine Studie legt nahe, dass eine Dysfunktion im medialen präfrontalen Kortex des Gehirns mit der Unfähigkeit der Inhibition des Sexualverhaltens zusammenhängt. Aus diesem Grund erschwert eine Läsion oder eine Fehlfunktion dieses Bereichs die sexuelle Inhibition. Diese Studie wurde an Ratten durchgeführt, sodass die Übertragung auf den Menschen infrage zu stellen ist. Dieser Befund lässt sich aber bei Patienten mit Demenz im Frontallappen beobachten, deren Sexualverhalten unkontrolliert ist.
  • Wie bei allen Befunden die mit dem Gehirn und Verhalten assoziiert sind, wissen wir nicht mit Sicherheit, ob es die Ursachen oder die Folgen der Sexsucht sind.
  • Genetische Vulnerabilität: Unsere Gene können uns mehr oder weniger vulnerabel gegenüber bestimmten Pathologien machen, nicht anders ist das bei der Sexsucht. Einige Personen sind anfälliger für Suchtverhalten oder Zwänge, als andere.
  • Missbrauch in der Kindheit. Eine hohe Anzahl der Personen, die an Hypersexualität leiden wurden in der Kindheit -vor allem sexuell- missbraucht.
  • Dysfunktionale Familien. Eine Familiengeschichte mit Substanzmissbrauch und Abhängigkeiten ist bei Sexsüchtigen geläufig. Dabei kann zum einen die Genetik eine Rolle spielen, aber auch erlerntes Verhalten. Dysfunktionale Familiendynamiken, wie emotionale Ferne, Vernachlässigung oder ein sehr steifer Erziehungsstil können zur Entstehung der Störung beitragen.
  • Andere Suchterkrankungen oder psychische Probleme, wie eine Depression zu haben, können die Vulnerabilität für die Hypersexualität steigern.

Weibliche Hypersexualität (Nymphomanie)

Das Wort Nymphomanie, genau wie das Wort Satyriasis, wird häufig falsch verwendet. Es wird heutzutage gebraucht, um sich allgemein auf die Sexsucht zu beziehen, bezeichnet ursprünglich aber nur die Frauen mit dieser Störung.

Der Begriff Nymphomanie stammt vom griechischen Wort Nymphos ab. Nymphen sind mythologische Fabelwesen, die mit der Natur, der Verführung und der Verfolgung junger Leute mit sexuellen Absichten assoziiert werden.

Die erste “Studie” zur Nymphomanie, welche von M. D. T. Bienville im 18. Jahrhundert durchgeführt wurde, besagt dass viel Essen, viel Schokolade, unreine Gedanken, Romane lesen und Masturbation die delikaten Nerven einer Frau überstimuliere, sodass sich diese zu Nymphomaninnen entwickelten.

Später gab es Gynäkologen die vorgaben die Hypersexualität bei Frauen definitiv „heilen“ zu können, indem sie die Reproduktionsorgane der Frauen operativ entfernten.

In der Viktorianischen Epoche wurde von der Frau erwartet, dass sie so gut wie kein sexuelles Verlangen verspüren zu habe. Das führte bei vielen aufgrund der Unterdrückung der Lust dazu, dass sie bestimmte Impulse und Phantasien hatten, die sie als besorgniserregend einstuften.

Als Nymphomaninnen wurden solche Frauen bezeichnet, die ein größeres sexuelles Verlangen hatten als gesellschaftlich für das weibliche Geschlecht akzeptiert war. Auch wenn dieses Verlangen vergleichbar mit dem eines „normalen“ Mannes war.

Sexsucht

Nymphomanie: Sexsucht bei Frauen

Ob jemand als Nymphomanin galt wurde davon abhängig gemacht, ob diese Frau laszive Blicke zuwarf oder Männer sexuell anmachte. Eine Frau die masturbiert, wurde selbstverständlich ebenfalls als Nymphomanin angesehen.

Zu dieser Zeit war die Konsequenz der als nymphomanisch geltenden Frauen die Prostitution oder Einlieferung in Psychiatrien oder andere sanitäre Einrichtungen.

Heutzutage wissen wir zum Glück, dass das sexuelle Verlangen von Frauen sich mit dem Männern vergleichen lässt und offensichtlich ganz natürlich ist.

Männliche Hypersexualität (Satyriasis)

Traditionellerweise wurde die Hypersexualität von Männern Satyriasis genannt, als männliches Äquivalent zur Nymphomanie.

Der Satyr ist ein Mischwesen aus der griechischen Mythologie, das halb Mann und halb Widder ist. Es besitzt einen lustigen Charakter und ein großes teilweise gewalttätiges sexuelles Verlangen.

Die Ärzte im 18ten und 19ten Jahrhundert glaubten, dass die Satyriasis um einiges harmloser sei als die Nymphomanie, entsprechend wurden auch die Konsequenzen als weniger schlimm eignestuft. Im Gegensatz zu den als hypersexuell angesehenen Frauen, konnten hypersexuelle Männer ein normales Leben führen, wenn sie lernten sich etwas zu kontrollieren.

In Einzelfällen wurde die Kastration als Behandlung dieser Störung angewendet, war aber nur vereinzelt eine Routineintervention.

Die Satyriasis wurde sehr viel weniger häufig diagnostiziert als die Nymphomanie, einzig aus dem Grund, weil man die Überzeugung hatte, ein Mann könne nie genug Sex haben.

Hypersexualität bei Kindern

Wie vorhin bereits erwähnt wurde, lässt sich die Diagnose Hypersexualität erst ab dem 18ten Lebensjahr stellen. Dass die Sexsucht, so wie sie vorhin beschrieben wurde vor der Pubertät auftritt ist extrem selten. Nichtsdestotrotz können in der Kindheit bestimmte sexuelle Verhaltensweisen auftreten, die dem Alter des Kindes weit voraus sind. Darauf bezieht sich in diesem Fall die Hypersexualität in der Kindheit.

Wenn ein Kind sexualisiertes oder verführerisches Verhalten zeigt, das bei Kindern untypisch ist, ist große Vorsicht geboten. Dieses Verhalten kann ein Zeichen für sexuellen Missbrauch sein. Sexuelle Indikatoren, die in diesen Fällen auf Missbrauch hindeuten können sind folgende:

  • Verführerisches Verhalten.
  • Sexuelle Kenntnisse und Verhaltensweisen, die für das Alter des Kindes unangebracht sind.
  • Übertriebenes Interesse an Sexualverhalten von Erwachsenen.
  • Sexuelle Aggression des Kindes gegenüber anderen Kindern.

Nichtsdestotrotz beginnen Kinder relativ früh ihre eigene Sexualität zu erforschen und zu entdecken. Sie berühren sich im Genitalbereich und experimentieren mit anderen Kindern. Dabei gibt es Kinder mit mehr oder weniger sexuellem Interesse, was aber nicht Symptom eines Problems darstellt. Bei manchen Eltern kann dadurch lediglich Schamgefühl ausgelöst werden.

Diese müssen sich der Sexualität ihrer Kinder bewusst sein und ebenfalls akzeptieren, dass sie diese mit Natürlichkeit erforschen. Dabei ist es wichtig mit den Kindern zuhause darüber zu sprechen und ihnen zu erklären, wo die Grenzen liegen (sich nicht in der Öffentlichkeit anzufassen und andere zu respektieren). Es ist wichtig, die Kinder für dieses Verhalten nicht auszuschimpfen oder zu bestrafen, da sie so sonst Scham, Unterdrückung und Aversion all dem gegenüber entwickeln können, das mit Sex zutun hat. Das hätte Unwohlsein und ein nicht befriedigendes Sexleben als erwachsene Person zur Folge.

Die Hypersexualisierung in der Kindheit

Ein anderes Thema ist die Hypersexualisierung in der Kindheit, vor allem von Mädchen.

Wir leben immer noch in einer männlich geprägten Kultur, in welcher Frauen häufig als sexuelle Objekte gesehen werden, die da sind um bewundert zu werden, einen schönen Körper zu haben und gute Liebhaberinnen zu sein. In einigen Fällen werden Mädchen schon von klein an dahingehenden erzogen, um diesem Ideal zu entsprechen. Dabei reicht ein einfacher Blick auf das „für Mädchen“ gemachte Spielzeug, Schönheitswettbewerbe und die Mode, die für kleine Mädchen entworfen wird.

Ein extremes Beispiel ist das Angebot an reizvoller Unterwäsche für Mädchen ab 6 Jahren; Werbeanzeigen mit Mädchen in verführerischen Posen; Mädchen in Kleidung, die für sie wenig angebracht ist, die verführerisch tanzen, so als wären sie Rihanna selbst und dabei Texte singen, deren Inhalt klar für Erwachsene bestimmt ist. Mädchen sind von Kindheit an in vielen Fällen besorgt um ihr Äußeres, um Komplimente zu bekommen und perfekt zu scheinen.

Hypersexualisierung

Hypersexualisierung in der Kindheit. Bild: Educando en salud

Bei Jungen passiert dies auch. Ihnen wird beigebracht „ein echter Mann“ zu sein, der die Mädchen verführt. All das bereits vor der Pubertät.

Diese Hypersexualisierung in der Kindheit hat sehr negative Konsequenzen. Auch wenn die Kinder es wie ein Spiel sehen, kann ihre Sicht auf die Sexualität geschädigt werden. So entstehen falsche Mythen und falsche Glaubenssätze bezüglich der Rollen, die jedes Geschlecht einnehmen „muss“.

Dabei wird den Kindern die Kindheit und Unschuld auf vorschnelle Art geraubt und gleichzeitig werden traditionelle Geschlechterrollen geformt und am Leben erhalten, die in keinster Weise nützlich sind. Geschlechterstereotype werden starr beibehalten, was denen schadet, die diesen nicht gerecht werden.

Deshalb müssen sich sowohl die Eltern als auch die Gesellschaft darüber bewusst werden, wie gefährlich es ist, Kinder von Klein auf zu sexualisieren. Obwohl Kinder oft “Erwachsen” spielen, ist es wichtig zu differenzieren und zu wissen, wo die Grenzen liegen.

Konsequenzen der Sexsucht beziehungsweise Hypersexualität

Die Sucht nach Sex hat für diejenigen die unter dieser Störung leiden und ihrem näheren Umfeld
tiefgreifende Konsequenzen.
Einige der Folgen der Hypersexualität können sein:
Depression, geringes Selbstwertgefühl, Schamgefühl, Selbsthass, Verzweiflung, Einsamkeit, moralische Konflikte… Außerdem können Beziehungen zu Partnern und der Familie geschädigt werden. Auch Suizidgedanken und suizidales Verhalten können auftreten.
Hypersexuelle Personen setzen sich in der Regel auch einem hohen Risiko aus, sich mit Geschlechtskrankheiten zu infizieren. Der Grund sind die hohe Promiskuität, fehlende Impulskontrolle und demzufolge die geringe Nutzung von Schutzmaßnahmen, wie beispielsweise Kondomen.
Es kann aufgrund von übertriebener sexueller Aktivitäten ebenfalls zu körperlichen Schäden im Genitalbereich kommen.
Es ist zudem möglich, dass sich diese Personen mit rechtlichen Folgen auseinandersetzen müssen. Beispielsweise im Falle der Eskalation bei sexuellen Verhaltensweisen wie sexuellem Missbrauch, Exhibitionismus, Voyeurismus, sexueller Belästigung…
Üblich sind außerdem finanzielle Schwierigkeiten, aufgrund des Konsums von sexuellen Dienstleistungen (Pornographie, Prostitution, Lokale) oder aufgrund der Kündigung durch den Arbeitgeber.

Wie lässt sich herausfinden, ob ein Problem der Hypersexualität oder eine Sexsucht vorliegt?

Dieser Artikel beschreibt, wie sich die Hypersexualität manifestiert und bietet somit eine erste Vorstellung der Störung. Nichtsdestotrotz ist das, was man über seine eigene Sexualität denkt sehr subjektiv. In unserer Gesellschaft, in der Sex nach wie vor leider ein Tabuthema darstellt, gibt es viele Menschen mit einer eigentlich gesunden Sexualität, die denken, dass sie sexsüchtig sind. Zum Beispiel weil sie masturbieren oder Pornographische Inhalte konsumieren.
Gleichzeitig kann eine Person aber auch denken ihr Sexualverhalten sei normal, in Wirklichkeit schadet sie aber den Menschen in ihrer Umgebung und Aspekte ihres Lebens werden negativ beeinflusst, auch wenn sich die Person dessen nicht bewusst ist.
Im Internet finden sich unzählige kostenlose Sexsucht-Tests, die versprechen zu bewerten, ob eine hypersexuelle Störung vorliegt. Diese Tests sind aber wenig aussagekräftig, da sie weder den Kontext analysieren, noch die sexuelle Erziehung, moralische Wertvorstellungen etc. berücksichtigen.
Generell gilt: immer dann wenn es zu Leiden bezüglich Sex oder dem Sexualverhalten kommt, ist die Anlaufstelle ein spezialisierter Psychologe oder Sexologe. Diese können am besten helfen und feststellen, ob Hypersexualität oder ein anderes psychisches Problem vorliegt.

Behandlung bei Hypersexualität oder Sexsucht

Die Behandlung bei Sexsucht oder Hypersexualität kombiniert häufig Einzeltherapie mit Gruppen- und Familientherapie sowie Selbsthilfegruppen. In einigen Fällen ist eine Psychopharmakatherapie angebracht.
Aufgrund von Schamgefühlen suchen wenige Betroffene Hilfe. In vielen Fällen kommen Sie aufgrund richterlicher Beschlüsse in Therapie, nachdem sie bereits ein Sexualdelikt oder Verbrechen begangen haben.
Im Gegensatz zum Substanzenmissbrauch ist Ziel der Therapie keine Abstinenz, sondern ein gesundes und lustvolles Sexualleben. Da es für Betroffene schwierig ist zwischen gesundem und pathologischem Sexualverhalten zu unterscheiden, wird bei vielen Therapien eine Abstinenzzeit von zwei oder drei Monaten implementiert.
So lernen Betroffene die Emotionen und Ereignisse zu identifizieren, welche von Sexualverhalten ausgehen.
Bei dieser Therapie wird nicht nur die Sexsucht behandelt, sondern auch alle damit einhergehenden Probleme wie die Depression, Angstsymptome und andere emotionalen Probleme.

Wie besiegt man die Sexsucht?

Sexsucht

Um Hilfe zu bitten, ist der wichtigste Schritt

Die beste Art und Weise eine Sexsucht zu überwinden ist, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dafür sind folgende Punkte wichtig:
  • Ehrlich mit sich selbst und seinem Umfeld zu sein. Das Problem als solches zu erkennen ist fundamental. Leute die an Sexsucht leiden haben sich daran gewöhnt zu lügen und ihr Problem zu verstecken, bis hin sich selbst zu belügen.
  •  Sich auf die Veränderung einlassen. Die therapeutische Hilfe löst nicht auf magische Weise die Probleme, sondern Motivation und Anstrengungen sind für den Verlauf der Therapie ausschlaggebend. Wie bei allen psychischen Problemen ist es wichtig, sich auf die Therapie einzulassen und zu akzeptieren, dass es nicht einfach sein wird, sich auf lange Sicht aber lohnen wird.
  • Den Gedanken nicht zu große Aufmerksamkeit schenken. Genau wie Personen mit Zwangsstörungen, sind viele Sexsüchtige besessen von Sex. Sie geben ihren Gedanken, die sich um Sex drehen, eine große Bedeutung und schämen sich teilweise für sie. Sie versuchen diese zu unterdrücken, was nur dazu führt, dass sie noch häufiger und intensiver auftreten. Das Gehirn produziert permanent Gedanken, viele davon sind nicht beabsichtigt, sondern entstehen automatisch. Wir sollten uns nicht zu sehr mit unseren Gedanken identifizieren, weil wir oft nicht für diese verantwortlich sind. Uns allen kommen manchmal seltsame und unglaubliche Bilder oder Gedanken in den Sinn, wir sollten diesen dann einfach keine große Bedeutung zuschreiben.
  • Die Angst reduzieren. Oft nutzen wir Sex als Ventil, um uns abzulenken oder unsere Anspannung zu reduzieren. Das ist zunächst kein Problem, es gibt aber Fälle bei denen eine verzweifelte Suche nach Linderung des Unwohlseins zu zwanghaftem sexuellem Verhalten führt. Wenn du also glaubst, du könntest an einer Hypersexualitätsstörung leiden, suche nicht nur Hilfe, sondern versuche auch deine Angst zu reduzieren. Dabei helfen beispielsweise Sport als körperliche Betätigung, Entspannungsübungen, Atemübungen und seinen Hobbies nachzugehen.
  • Gefühle nicht unterdrücken. Wie bei anderen Abhängigkeitserkrankungen, entwickelt sich die Sexsucht als eine Form seine Emotionen und schwierige Situationen zu konfrontieren. Es ist eine Flucht vor dem Unwohlsein, um es nicht zu spüren. Es ist wichtig zu lernen, seine Emotionen erkennen zu können, diese adäquat auszudrücken, um Hilfe zu bitten und sich helfen zu lassen.

Übersetzt aus dem Spanischen. Original: Andrea García Cerdán, Psychologin bei CogniFit.

Psicóloga General Sanitaria y sexóloga. Deseosa de mejorar la calidad de vida de las personas mediante la práctica clínica y la comunicación a través de la red.