Facebook = Face-Boost? Wie stark wirkt sich unser virtuelles auf unser echtes Sozialleben aus?

Facebook

Die meisten von uns können spontan mindestens drei gute Gründe für die Nutzung von Facebook nennen:

Mit alten SchulfreundInnen und Urlaubsbekanntschaften in Kontakt bleiben, aktuelle Themen und witzige Videos mit den FreundInnen teilen usw. Und auch der Begriff „Jäger und Sammler“ hat dank Facebook eine neue Bedeutung bekommen. 1.000 FreundInnen und mehr ist heute keine Seltenheit. Doch wie stark wirkt sich unser virtuelles Sozialleben auf unser echtes aus? Und welche Rolle spielen dabei die Quantität und Qualität der FreundInnen? Diese Fragen sind Wissenschaftler aus Innsbruck nachgegangen.

Sozialleben? Facebook gehört bei vielen längst zum Alltag

Das Aufrechterhalten von Freundschaften und der regelmäßige Austausch mit FreundInnen sind zwei schlagkräftige Gründe für das beliebte soziale Netzwerk. Dies gilt vor allem bei den jungen Facebook-NutzerInnen. Und von ihnen gibt es reichlich: 55% der Internet-UserInnen sind es- um genau zu sein. Facebook gehört bei vielen längst zum Alltag. Aber neben den positiven Interaktionseffekten mit den Facebook-FreundInnen werden auch verstärkt Erfahrungen der Isolation und Zurückweisung gemacht. Erfahrungen, wie das „unfrienden“ negative Emotionen hervorrufen, die sogar an den einfachen Bedürfnissen wie Zugehörigkeit, Anerkennung, Kontrolle und einem positiven Selbstbild rütteln can.

„Wir haben online so viele Freunde, dass wir ein neues Wort für die echten brauchen“

So begann es die Welt Kompakt einmal sehr zu treffen. Ihr Ziel dabei war es, den Fokus weg von den quantitativ hohen und frei zugänglichen Medien im Internet und hin auf die Qualität gedruckter Printmedien zu lenken. Auch in der psychologischen Forschung wurde darauf hingewiesen, dass es nicht allein die Anzahl der FreundInnen in den sozialen Netzwerken ist, die das Selbstbild verstärkt. Eine Forschungsgruppe der Universität Innsbruck hat diese Erkenntnis nun aufgegriffen. Außerdem hat sie um die Annahme erweitert, dass vor allem die Qualität, also die Aufgeschlossenheit im Antwortverhalten der FreundInnen, positiv zur Wunschbefriedigung von Elementen.

ForscherInnen untersuchen die Auswirkungen der Facebook-Nutzung auf das Gefühl von Zugehörigkeit und das Selbstwertgefühl

Hierfür wurden zwei Versuche durchgeführt. Die erste Studie untersuchte dabei, ob es einen Unterschied in der Anforderungsbefriedigung zwischen der Quantität und der Qualität gibt. Die Quantität meint dabei die Anzahl der FreundInnen. Unter Qualität sind die FreundInnen gemeint, die auf Posts, Geburtstage, etc.. Studierende wurden gebeten, die Anzahl der GratulantInnen ihres letzten Geburtstages zu zählen. Darauf folgten sie unter anderem Fragen zu ihren aktuellen Emotionen, ihrem Selbstwertgefühl und dem Gefühl von Einsamkeit. Die Ergebnisse bestätigten die Annahme, dass das Antwortverhalten der FreundInnen eine eindeutige Auswirkung auf die Gefühle und die Anforderungslage der Studierenden hat. Die reine Anzahl an Facebook-FreundInnen wirkt sich dagegen nicht automatisch positiv auf die eigenen Emotionen aus.

In der zweiten Studie wurde zusätzlich die Art und Weise der Antwort untersucht. Dafür wurden die Studierenden gebeten, die Kommentare ihrer FreundInnen zu ihren eigenen letzten drei Posts in negativ und positiv zu unterteilen. Ob die Antwort eher negativ oder positiv war, wirkt sich zwar auch auf den User und seine Emotionen aus, allerdings nicht in großen Maßen getreu dem Motto: „Hauptsache ich bekomme irgendeine Antwort.“

Zusammengefasst – Was kann ich tun?

Die Auswirkungen virtueller Interaktionen auf das Sozialleben eines Einzelnen sind also nicht zu unterschätzen. Daher sollten wir uns der Konsequenzen unserer Handlungen im Internet ebenso bewusst sein, als würden wir unsere FreundInnen auf der Straße treffen. Aber eins hat die Studie noch gezeigt: Effekte realer Begegnungen sind deutlich stärker als die, der virtuellen Zusammentreffen. Sie können daher auch negative Gefühle verbessern. Vielleicht sollten wir daher beim nächsten Geburtstag eines Freundes/einer Freundin unsere Anerkennung lieber gleich durch einen Blumenstrauß zum Ausdruck bringen. …denn Blumen sagen bekanntlich mehr als 1.000 Facebook-Kommentare.

Referenz:

Greitemeyer, T., Mügge, DO, & Bollermann, I. (2014). Ansprechende Facebook-Freunde zu haben wirkt sich stärker auf die Befriedigung psychologischer Bedürfnisse aus als viele Facebook-Freunde zu haben. Grundlegende und angewandte Sozialpsychologie36(3), 252-258.

Was gibt's Neues