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Farbpsychologie: Wie beeinflussen uns Farben und was bedeuten sie?

Die Bedeutung der Farben hat einen großen Einfluss darauf, wie wir bestimmte Dinge in unserem Alltag wahrnehmen. Was ist die Farbpsychologie? Wie beeinflussen die Farben unsere Emotionen? Was vermitteln die einzelnen Farben in unterschiedlichen Kulturen? Wir alle verbinden mit jedem Farbton ein bestimmtes Gefühl und verschiedene Konzepte. In diesem Artikel werden die Grundsätze der Farbpsychologie näher beleuchtet, die Anwendung dieser in der Praxis erklärt und praktische Tipps zur eigenen Anwendung genannt.

Farbpsychologie

Farbpsychologie: Was ist das und wozu ist sie gut?

Die Farbpsychologie untersucht, wie uns die Farben beeinflussen. Farben können die Wahrnehmung verändern, unsere Emotionen beeinflussen, Gefühle in uns auslösen, usw… Farben haben die Macht unsere Aufmerksamkeit und unser Gedächtnis zu verbessern und können uns sogar davon überzeugen, bestimmte Entscheidungen zu treffen. Die Bedeutung der einzelnen Farben zu kennen ist also ein wichtiger Schlüssel, um unser eigenes Verhalten besser zu verstehen.

Der Einfluss der Farben kann komplett unsere Vorstellung zu einem bestimmten Element oder Raum verändern. Stelle dir einmal ein Spielzeug für kleine Kinder vor. Wahrscheinlich denkst du an knallige bunte Farben mit starken Kontrasten, die lebendig und energetisch wirken. Wenn wir uns das gleiche Objekt jetzt komplett schwarz mit silbernen Elementen vorstellen … Stößt uns das vor den Kopf?

Es kann sein. Es gibt für bestimmte Elementgruppen sowas wie einen Farbkodex. Wir knüpfen im Laufe unseres Lebens bestimmte Assoziationen. Dabei stützen wir uns auf das, was wir täglich sehen ohne uns darüber ernsthaft Gedanken zu machen. Wenn wir aber auf einmal eine blaue Banane sehen, gelbe Erbsen oder einen neongelben Baum, können wir nur staunen.

Die Farbpsychologie ist ein Forschungsfeld, das sich ständig weiterentwickelt. Sie zu beherrschen ist wichtig für alle Kreative oder Firmen, wenn sie neue Produkte entwickeln und vermarkten wollen. Die Bedeutung der Farben zu kennen kann aber jedem dabei helfen, nicht in eine spezielle Falle zu tappen, das beste Geschenk für eine Freundin in Abhängigkeit ihrer Persönlichkeit auszusuchen oder um sich in seinem eigenen Zuhause wohlzufühlen.

Farben beeinflussen deine Emotionen und deine Laune. Farbpsychologie: Gehirn und Emotionen.

Wir sind einer großen Menge von Reizen ausgesetzt und führen viele verschiedene Aufgaben aus. Unser Gehirn ist zu jeder Tageszeit mit verschiedensten Herausforderungen konfrontiert. Wir haben dabei nicht die Zeit, all die Reize zu verarbeiten, die wir über unsere Sinnesorgane aufnehmen.

Aus diesem Grund sparen uns die Assoziationen viel Zeit, die wir über so grundlegende Aspekte wie Farben oder Formen entwickeln,  da diese Verarbeitung automatisch geschieht.

Außerdem sind wir unglaublich emotional. Die Farben interagieren mit unserem Gedächtnis, wecken unsere Gefühle und geben der Vernunft eine Richtung. Sie erinnern uns an angenehme Dinge, wie diese knallgelben Gummistiefel, die wir als kleines Kind hatten oder es irritiert uns ein T-Shirt in der Lieblingsfarbe unsere Exfreundin zu sehen.

Es ist gar nicht notwendig die Theorien der Farbpsychologie in aller Tiefe zu kennen, um zu wissen, dass Farben wie rot und rosa mit der romantischen Liebe und Erotik assoziiert werden (wenn der Valentinstag im Anmarsch ist, dominiert diese Farbe jedes Kaufhaus).  Wenn wir eine Einrichtung betreten, welche in diesen Farben dekoriert ist, (in angemessener Form)kann es vorkommen, dass wir uns daran erinnern, wie verliebt wir doch gerade sind und dass wir dieser Person eine Aufmerksamkeit schenken könnten.

Was bedeutet jede einzelne Farbe in der Psychologie?

Über dieses Thema wurden schon hitzige Debatten geführt. Experten wie Psychologinnen, Soziologen, Sprachwissenschaftlerinnen, oder Marktforscher untersuchen und interpretieren die Bedeutung der Farben. Sie untersuchen Ausdrücke wie “grün vor Neid zu sein” oder “das Leben durch eine rosarote Brille zu sehen”. Sie untersuchen die häufigsten Farben für eine bestimmte Produktkategorie oder führen unzählige Studien mit verschiedenen Bevölkerungsgruppen durch.

Was bedeutet die Farbe Weiß

Die Farbe des Schnees, der Milch, der Baumwolle oder dem Hochzeitskleid. Weiß steht für einen Neuanfang, Leichtigkeit, Perfektion, Reinheit, Frieden, Unschuld, usw.

Im Krankenhaus ist Weiß eine vorherrschende Farbe, sie wirkt steril und vermittelt Ruhe. Die weißen Kittel werden eingesetzt, um einen guten Eindruck zu hinterlassen. Weiß ist eine makellose Farbe, sie ist neutral und sauber.

Ein weißes unbeschriebenes Blatt zu sein eröffnet uns eine Welt voller Möglichkeiten, kann aber auch Unwohlsein auslösen, wenn wir nicht wissen, wie wir es füllen sollen.

Farbpsychologie: Was bedeutet die Farbe Weiß

Was bedeutet die Farbe Gelb?

Die Farbe Gelb wird mit positiven Konzepten wie Optimismus, Jugend, Vertrauen und Kreativität assoziiert. Lächelnde Gesichter wie das Smiley sind gelb und es ist unwahrscheinlich, dass wir uns an einem traurigen Tag ein gelbes T-Shirt anziehen. Es ist die Farbe der Sonne, des Goldes, oder liebenswerter Tiere wie Giraffen oder Küken.

Gleichzeitig ist Gelb aber auch eine widersprüchlich Farbe. Sie ist mit Verrat, Habsucht, Lügen, Verrücktheit oder Warnungen assoziiert. Die Farbe wurde außerdem mit aus der Gesellschaft ausgeschlossenen und verstoßenen Gruppen in Verbindung gebracht, wie den Juden oder Prostituierten. In China jedoch ist Gelb die Farbe, welche am meisten wertgeschätzt wird, weshalb sie hier so gut wie keine negative Bedeutungen hat.

Was bedeutet die Farbe Orange?

Die Farbe Orange erregt sofort Aufmerksamkeit. Diese Farbe findet sich einigen Früchten und Gemüsesorten und erscheint uns bei Rothaarigen auch so besonders.

Viele Dinge, die wir als rot bezeichnen sind eigentlich orange, wie das Feuer oder Dächer. Laut der Farbpsychologie steht Orange für Extravaganz, Energie, Transformation und das Einzelne.

Was bedeutet die Farbe Rot?

Rot ist die leidenschaftlichste aller Farben, sie alarmiert uns und zieht unmittelbar die Aufmerksamkeit auf sich. Gemäß der Farbpsychologie wird Rot mit Liebe, Blut, der Freude, Strafen, der Nähe, Krieg oder dem Verbotenen verbunden. Sie erscheint auf den Ampeln, den Rabattschildern auf den Preisschildern, oder dem Essen. Sie ist die Farbe des Notfalls.

Es ist unmöglich ihr zu entgehen, wir können die Korrekturen in einer Aufgabe nicht übersehen und nicht verhindern einem roten Lippenstift Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn du eine unfehlbare Nachricht verbreiten willst und Aufmerksamkeit erlangen willst, nutze die Farbe Rot. Sich in dieser Farbe zu kleiden zieht ebenfalls mehr Blicke auf sich und beeinflusst die sexuelle Anziehungskraft, sowohl bei Menschen als auch bei Tieren.

Was bedeutet die Farbe Rosa?

Laut der Farbpsychologie steht Rosa für Weiblichkeit, Zärtlichkeit, Feinheit, Sanftheit, Sensibilität, Höflichkeit, Freude, Erotik, usw. Sie kann auch infantil wirken und mit der Kindheit und Jugend in Verbindung gebracht werden. 

Von einer großen Anzahl an Personen wird Rosa geradezu geliebt, diese Leute kaufen sich alles was sie nur können in dieser Farbe, andere wiederum verabscheuen die Farbe, sehen sie als irritierend, sexistisch oder kitschig an.

Farbpsychologie: Was bedeutet die Farbe Rosa

Was bedeutet die Farbe Violett

Die Farbe Violett ist unüblich und rätselhaft. Der Farbpsychologie zur Folge, wird diese Farbe der Luxuswelt, der Religion und der Sexualität zugeschrieben. Violette Gegenstände strahlen etwas attraktives und ambivalentes aus. Es ist keine sehr häufige Farbe in der Natur und steht bei richtiger Verwendung über dem Rest.

Die Farbe wurde mit Homosexualität assoziiert und vom Feminismus adaptiert. Sie reflektiert Nostalgie, Phantasie, Banalität, Ehrgeiz, Eitelkeit, Unbeständigkeit, usw. Wie man sehen kann handelt es sich um eine Farbe mit vielen ambivalenten Bedeutungen, was ihr viel Potential verleiht, wenn man sie kreativ nutzen möchte.

Was bedeutet die Farbe Blau

Blau ist die Farbe, die am häufigsten als Lieblingsfarbe genannt wird. Laut der Farbpsychologie symbolisiert Blau Harmonie, Treue, Sympathie, Frieden, Fassung, Vertrauen, Ehrlichkeit, Kommunikation, usw. Es sollte einen also nicht verwundern, dass viele soziale Netzwerke und Firmen diese Farbe in ihrem Logo tragen.

Aber es gibt auch negative Konnotationen, so scheint Blau kalt und distanziert. Die Farbe ist für Essen beispielsweise unangebracht und lässt uns misstrauisch werden. Die meisten Menschen würden darauf verzichten ein blaues Püree zu essen. Trotzdem erscheint die Farbe für viele Dinge sehr geeignet, wie beispielsweise seine Wand in einem beruhigenden blauen Farbton zu streichen.

Farbpsychologie: Was bedeutet die Farbe Blau

Was bedeutet die Farbe Grün

Grün ist die Farbe die am meisten mit der Natur in Verbindung steht. Sie erinnert uns an Gras, Jugend, Hoffnung, Gesundheit, Fruchtbarkeit, Geld, usw. Gemäß der Farbpsychologie ist Grün frisch und harmonisch, strahlt Jugend, Ruhe und Frieden aus. Leute mit einem Umweltbewusstsein bezeichnen sich als “grün”.

Es ist aber auch keine komplett unschuldige Farbe, so wird sie mit Gift assoziiert (giftgrün), die meisten Bedeutungen sind jedoch durchaus positiv.

Was bedeutet die Farbe Braun

Braun steht für Faulheit, Schmutz, Vulgarität, Hässlichkeit. Braun kann fad und altmodisch wirken. Braun ist eine der am wenigsten wertgeschätzten Farben.

Nichtsdestotrotz steht Braun auch für Holz und den Herbst, die Farbe erinnert uns an gemütliche, warme und angenehme Orte. Die Farbe findet sich auch in Lebensmitteln wieder, wie Schokolade oder Fleisch. Im Sommer gebräunt zu sein ist auch gerade sehr angesagt. Braun ist eine Farbe, die in unserer Umgebung sehr präsent ist und verschiedenste Assoziationen auslöst.

Farbpsychologie: Was bedeutet die Farbe Braun

Was bedeutet die Farbe Grau

In der Farbpsychologie repräsentiert Grau hauptsächlich Alter und Nüchternheit. Sie kann dunkel sein, für Mittelmaß stehen und Dinge verbergen wie die “Grauzone”. Andererseits erinnert uns die Farbe auch an die “graue Substanz” oder die Eleganz in der Mode.

Was bedeutet die Farbe Schwarz

Genau wie bei der Farbe Weiß gibt es eine offene Debatte darüber, ob Schwarz überhaupt eine Farbe ist oder nicht. Laut der Farbpsychologie steht Schwarz in Verbindung mit der Nacht, Macht und dem Tod. Sie steht für Ablehnung, Mysterium, Trauer, Hass, Grausamkeit, usw. Die Leute assoziieren schwarze Katzen mit Pech und niemand hat gerne einen schwarzen Tag. Schwarz steht für ein schweres und gewaltvolles Ende.

Trotzdem ist Schwarz eine grundlegende Farbe in jedem Kleiderschrank und umgibt uns überall. Die Farbe ist sehr praktisch für eine Abendveranstaltung, oder um elegant zu wirken.

Farbpsychologie: Was bedeutet die Farbe Schwarz

In dem Buch Wie Farben wirken von Eva Heller werden die Bedeutungen der Farben sehr detailliert beschrieben. Es diente auch als Grundlage für diesen Artikel. 

Die Bedeutung der Farben in den verschiedenen Kulturen

Es gibt Untersuchungen dazu, ob die Einteilung der Farben etwas natürliches ist oder durch die Gesellschaft definiert wird. Berlin und Kay kommen nach Untersuchungen in verschiedenen Kulturen zu dem Schluss, dass es allgemeine Tendenzen in allen Kulturen gibt, die Farben zu kategorisieren. Es wird davon ausgegangen, dass es 6 Grundfarben gibt, um die sich die restlichen gruppieren. Bei den Grundfarben herrscht Einigkeit, bei der Anordnung der weiteren Farben gibt es jedoch Unterschiede.

Bezüglich der Bedeutung von Farben ist es beispielsweise in unserem Kulturkreis nicht gut angesehen mit knalligen oder hellen Farben auf eine Beerdigung zu gehen. In Asien hingegen ist die Farbe der Trauer Weiß. Diese Farbe passt besser zur Vorstellung der Wiedergeburt. Doch auch in Europa wurde diese Farbe vor vielen Jahren bei Frauen verwendet, die sich in große weiße Gewänder hüllten.

Auch in unserer eigenen Kultur sind die Bedeutungen von Farben nicht unumstößlich. Die Tradition, das Mädchen in Rosa und Jungs als Babys in Hellblau gekleidet werden, begann erst etwa 1920. In den letzten Jahren wird dieser Brauch deutlich kritisiert. Im Laufe der Zeit werden die Bedeutungen von Farben neu definiert und neue Konventionen entstehen, die eines Tages vielleicht in Vergessenheit geraten oder sich je in Abhängigkeit der aktuellen Mode verändern.

Die Bedeutung der Farben variiert auch zwischen den einzelnen Personen. Wir können eine Farbe auf eine bestimmte Art wahrnehmen oder auf eine andere. Das hängt von aktuellen Trends, unserem emotionalen Zustand oder der Lebensphase in der wir uns gerade befinden, ab. Die Farbe Schwarz gut zu finden nimmt mit dem Alter ab (ohne kleine Kinder mitzuzählen), da diese im Laufe der Zeit immer mehr mit Negativem assoziiert wird.

Nicht alle sehen wir die Farben gleich. Man darf die Menschen nicht vergessen die eine Farbfehlsichtigkeit besitzen oder jene, die auch die kleinsten Farbnuancen unterscheiden. Es gibt auch Menschen mit Synästhesie, die Farben “hören” oder “schmecken” können. Das bedeutet aber nicht, dass die Farbpsychologie besonders variabel oder subjektiv ist. Wenn man den Kontext gut analysiert, kann sie sehr hilfreich sein.

Farbpsychologie: Ihre Anwendung

Farben wurden verwendet, um Krankheiten zu heilen; sie sind Teil von fast allen Beschreibungen, die wir machen und es wurde viel darüber spekuliert, welche Beziehung es zwischen Farben und der Persönlichkeit gibt. Tatsächlich tendieren wir dazu Farben auszuwählen, die im Einklang mit unserer aktuellen Stimmung sind und bei denen wir glauben, dass sie uns repräsentieren. Im Folgenden wird die alltägliche und professionelle Anwendung erläutert.

Die Bedeutung der Farben für Kreative

Es ist möglich, dass die ersten Berufe die uns einfallen, wenn wir an Farben und Farbpsychologie denken, mit der Kreativität zusammenhängen. Designer (Grafikdesigner, Modedesigner, Innenarchitekt, Produktdesigner, usw.) Künstler, Leute aus der Werbebranche, usw. Bei all diesen ist es wichtig, zu wissen wie die Leute ticken, um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen und mit ihnen zu kommunizieren. Die visuellen Kommunikationsmittel sind voller Beispiele. Es ist nicht schwer zu erkennen, dass sich die Farben eines Nachrichtenprogramms von denen unterscheiden, die für eine Sendung für Kinder verwendet wird.

In einer Gesellschaft herauszustechen, die so Reiz überflutet ist, ist eine schwierige Mission. Dank der Farbpsychologie ist es jedoch möglich sich besser mit seinem Publikum in Verbindung zu setzen und Emotionen in ihm auszulösen. Die Reaktionen des Publikums zu bestimmten Farben hervorzusagen ist unabdingbar, um eine Nachricht richtig und effektiv zu überbringen. Wenn du über die Prävention von Autounfällen sprechen wollen würdest, welche Farbe würdest du verwenden?

Die Bedeutung der Farben für Unternehmen

Das Image eines Unternehmens ist grundlegend für dessen Erfolg. Wenn man von einem Erfrischungsgetränk und der Farbe rot spricht, brauchen wir keine weiteren Hinweise, um zu wissen welche Marke gemeint ist. Um ein kohärentes Bild abzugeben und sich in unser Gehirn einzubrennen, repräsentieren Marken in ihrem Logo und den restlichen visuellen Elementen ihre Persönlichkeit mithilfe von Farben. Diese sind grundlegend für Marketingstrategien.

Man stelle sich vor eine Restaurantkette würde auf Unternehmensfarben verzichten und sich in jedem Restaurant anders präsentieren, unsere Erinnerung an diese Kette wäre viel schwächer und unorganisierter. Folglich würden sie viele Möglichkeiten verpassen neue Kunden zu gewinnen und zu halten. Das Image ist nicht alles, aber es hilft auf jeden Fall. Gerade in der heutigen wettbewerbsstarken und sich rasant ändernden Zeit.

Tatsächlich verändern auch einige Unternehmen ihre Farben, in Abhängigkeit von dem Zielpublikum und den aktuellen sozialen Tendenzen. Es ist kein Zufall, dass einige Marken ihre gewöhnlichen Farben zu Grün hin verändern, die Farbe die wie keine andere für ökologisch, gesund und umweltbewusst steht.

Farben sind nicht nur für das Publikum wichtig. Auch Mitarbeiter können ihr Wohlbefinden und ihre Produktivität steigern, wenn sie an einem Ort arbeiten, an dem sie sich wohl fühlen. Ein geschlossener Ort mit viel Schwarz und wenig Licht kann dazu führen, dass sich die Leute eingeengt fühlen und so wenig Zeit wie nur möglich an diesem Schreibtisch verbringen möchten.

Wenn man diese Wände aber weiß streicht und ein paar grüne, blaue und noch warme Farbreflexe hinzufügt, wird es vielleicht zu einem gemütlicheren Ort.

Die Bedeutung der Farben im Alltag

Farben beeinflussen uns auch bei unseren ganz alltäglichen Entscheidungen. Seit wir klein sind, werden wir nach unserer Lieblingsfarbe gefragt und jeder hat dabei seine eigenen Präferenzen. Die meisten Objekte und Gegenstände sind in mehreren Farben verfügbar. Das heißt wenn wir beispielsweise eine Tasse kaufen wollen, ist es wahrscheinlich, dass wir ohne groß zu zögern die nehmen, deren Farbe uns am besten gefällt.

In anderen Situationen müssen wir aber mehrere Variablen beachten. Wenn wir ein Auto kaufen, sollten wir sicher gehen die richte Entscheidung zu treffen. Wir werden es wahrscheinlich lange benutzen und viel Zeit mit ihm verbringen. Es kann sein, dass wir etwas Gewagtes wollen wie Orange, dann ist es aber möglich, dass es uns irgendwann nicht mehr gefällt und wir ganz verrückt werden, wenn wir das Auto sehen.

Andererseits kann ein Auto in einer diskreteren Farbe wie Schwarz oder Dunkelblau Nachts schlechter gesehen werden. Bei einem weißen Auto bemerkt man sofort das kleinste bisschen Schmutz und vielleicht wollen wir doch lieber etwas fröhlicheres? Über dieses Dilemma wird sich meistens lange der Kopf zerbrochen und das Thema mit Freunden und Familie ausdiskutiert.

Nützliche Empfehlungen für die Anwendung der Farbpsychologie

1 Unsere Lieblingsfarbe ist nicht immer die Beste für alles

Es kann sein, dass uns Violett unglaublich gut gefällt, wir uns aber irgendwann unwohl in unserem Zimmer fühlen, wenn so gut wie alles darin Violett ist. Bei der Kleidung hingegen kann man mit Violett auf jeden Fall Aufmerksamkeit erregen. Vor allem dann, wenn man sie mit Komplementärfarben wie Orange kombiniert. Man sollte sich überlegen, welche Funktion das besagte Objekt oder der Raum haben wird, bevor man eine Farbe wählt.

2 Der Kontext ist enorm wichtig, um Farben auszuwählen und zu interpretieren

Wir wissen nun bei der Farbauswahl von kulturellen Faktoren und den Umständen einer Situation. Einen Kandidaten für eine Stelle als Anwalt in einem knall-grünen Anzug zum Vorstellungsgespräch erscheinen zu sehen, könnte uns komisch vorkommen. Trotzdem kann man neue Farbkombinationen oder gewagtere und extravagantere Farben ausprobieren.

3 Der Schlüssel liegt in der Kombination einzelner Farben

Vielleicht müssen wir einen Brief schicken oder ein Schild gestalten und haben alle Elemente der Farbpsychologie bereits beachtet. Doch noch weitere Aspekte müssen gut abgewogen werden, beispielsweise den Effekt die bestimmte Farben haben, wenn man sie kombiniert. Braun zusammen mit Gold, Gelb oder Orange repräsentiert den Herbst. Wenn man Braun jedoch mit Grau und Schwarz kombiniert, verwandelt es sich in eine trostlose, wenig ausdrucksstarke und konservative Farbe.

4 Farben müssen auch funktional sein

Wer hat es nicht schon mal bereut mit dem neuen weißen Oberteil Spaghetti Bolognese zu essen? Es gibt Farben die sind resistenter gegenüber Schmutz, andere angebrachter bei Hitze und wiederum andere so unauffällig, dass man mit ihnen in der Masse untertauchen kann.

Wenn wir beispielsweise ein Schild gestalten oder einen Brief schreiben, müssen wir uns vergewissern, dass die Schrift auf dem ausgewählten Hintergrund gut lesbar ist. Auch wenn es uns wunderschön erscheint mit hellrosa Schrift auf einem weißen Blatt zu schreiben, so lässt sich eine gelbe Schrift auf schwarzem Hintergrund tausend Mal besser lesen. Das ist übrigens die Kombination, die sich am allerbesten wahrnehmen lässt.

5 Verwende Farben, um dein Gedächtnis zu verbessern

Wenn man sich auf eine Prüfung vorbereitet und dabei nicht weiß, wie man sich diese langweilige Liste merken soll, versuche mal jeden Abschnitt mit einer bestimmten Farbe in Verbindung zu bringen. Eselsbrücken und Assoziationen sind die Basis für unser Lernen. Wenn du beispielsweise eine Präsentation machst, kannst du mithilfe von Farben auch die Erinnerungen deines Publikums verbessern. Nutze die Farbpsychologie, um Wichtiges hervorzuheben und bringe einzelne Farben mit einer bestimmen Bedeutung in Verbindung.

6 Sei kohärent

Wenn du ein Unternehmen hast oder darüber nachdenkst eines zu gründen, überlege dir gut, was du vermitteln möchtest. Wenn du das gut analysiert hast, evaluiere, was deine Marke tun muss, um dies zu erreichen. Es ist wichtig, dass all deine Markenelemente untereinander kohärent sind. Ein professioneller Designer, welcher diese Aspekte beachtet, kann dabei helfen eine Geschäftsidee erfolgreich in die Tat umzusetzen.

Vielen Dank für das Lesen des Artikels. Bei Fragen und Anregungen kann gerne ein Kommentar hinterlassen werden.

Übersetzt aus dem Spanischen. Original: Ainhoa Arranz Aldana, Autorin bei CogniFit.

CogniFit bewertet die kognitiven Fähigkeiten der Astronauten der Raumfahrtmission Poland Mars Analogue Simulation 2017 (PMAS 2017)

CogniFit ist Teil des “Space Race” zum Mars und bewertet die kognitiven Fähigkeiten der Astronauten unter widrigen Bedingungen. 

  • CogniFit, führendes Programm neuropsychologischer Bewertgungen, der kognitiven Stimulation und Gehirntrainings, nimmt an der internationalen Raumfahrtmission Poland Mars Analogue Simulation 2017 (PMAS 2017) teil. CogniFit bewertet die kognitiven Fähigkeiten der Besatzung unter widrigen Bedingungen, wie sie auf dem Mond oder Mars vorherrschen.
  • Die innovative Technologie von CogniFit trägt dazu bei, die Ankunft der Menschen auf dem roten Planeten vorzubereiten. Für den Erfolg einer echten Mars-Mission ist es unabdingbar zu erforschen und zu verstehen wie sich der Mensch unter den gegebenen Bedingungen verhält.
CogniFit – kognitive Bewertung und Gehirntraining für Astronauten 

Die Organisation Space Generation Advisory Council, unterstützt von verschiedenen Institutionen (wie den vereinten Nationen), schickt sechs Astronauten auf eine simulierte Mond- und Mars-Mission. Das Projekt wird in Polen durchgeführt, hierher auch der Name: Poland Mars Analogue Simulation 2017 (PMAS 2017).

Die Teilnehmer müssen während der Mission einem strengen Plan zur Weltraumforschung folgen. Die ersten drei Tage der Mission leben und arbeiten die Astronauten in einem Habitat, das die Atmosphäre des Mondes simuliert. Die restlichen 11 Tage ist der simulierte Lebensraum der Mars. Die Astronauten werden ununterbrochen durch ein Team aus mehr als 25 Mitgliedern unterstützt. Sobald sich die Astronauten “auf dem Mars” befinden, verzögert sich die Kommunikation zu diesem Team um 15 Minuten. Dadurch werden die echten Bedingungen, würden sich die Astronauten auf dem Mars befinden, simuliert.

CogniFit, führendes Programm neuropsychologischer Bewertgungen, der kognitiven Stimulation und Gehirntrainings, nimmt an der internationalen Raumfahrtmission teil, indem es jeden Tag die kognitiven Fähigkeiten der Astronauten und des Teams bewertet.

Zu erforschen wie sich der Mensch unter gegebenen Umständen verhält ist grundlegend für den Erfolg der Mission.

Für eine echte Mission zum roten Planeten ist es notwendig zu wissen, wie sich die Isolation und andere auf dem Mond und Mars herrschende widrige Umstände auf den Menschen auswirken. In einer Simulation können diese wichtigen Kenntnisse erlangt werden.

 

Die Teilnehmer der Mission stammen aus über 27 Ländern, darunter USA, Spanien, Frankreich, Indien, Israel, Puerto Rico.

Während der zwei Wochen führt ein wissenschaftliches Forschungsteam interdisziplinäre Studien durch, die Bereiche der Astrophysik, Psychologie, Geologie, Biologie und dem Ingenieurwesen umfassen.

Das macht die Poland Mars Analogue Simulation 2017 zu einer der interdisziplinärsten, internationalsten und multikulturellsten Simulationsmissionen, die jemals durchgeführt wurden.

Die innovative Technik von CogniFit trägt dazu bei Geschichte zu schreiben und die Wissenschaft zu verändern, indem es hilft das menschliche Gehirn besser zu verstehen und die Reise auf den roten Planten vorbereitet. Jeder kann seine kognitiven Fähigkeiten so bewerten und trainieren wie diese Astronauten: Registriere dich hier.

CogniFit – Poland Mars Analogue Simulation 2017

Hemineglect: Wenn die Hälfte der Welt verloren geht

Die Aufmerksamkeit ist einer der wichtigsten kognitiven Prozesse der menschlichen Entwicklung. Veränderungen in diesem Aufmerksamkeitsprozess beispielsweise nach einer Läsion oder einem Hirnschaden kann schwerwiegende Folgen haben. Dies zeigt sich beispielsweise bei dem Hemineglect. Im Folgenden wird diese Aufmerksamkeitsstörung näher beschrieben: Was bedeutet sie genau, welche neurologische Basis liegt ihr zugrunde, welche Formen gibt es und wie lässt sich diese Störung diagnostizieren und behandeln?

Was ist das Hemineglect?

Eine der bekanntesten Aufmerksamkeitsstörungen ist das Hemineglect. Wie Mesualam 1981 beschrieb, verhalten sich Personen, die an der Aufmerksamkeitsstörung Hemineglect leiden so, als würde die gegenüberliegende Seite des halben Wahrnehmungsfeldes nicht existieren. Wenn sich der Gehirnschaden in der rechten Hemisphäre zugetragen hat, kann der Patient der linken Hälfte von dem was seine Augen sehen, keine Aufmerksamkeit schenken. Das Hemineglect tritt in der Regel nach einseitigen Gehirnläsionen auf, vor allem nach solchen in der rechten Hemisphäre. Diese Störung äußert sich konkret in der Unfähigkeit auf die Reize im kontraläsionären Raum zu reagieren, sich auf diese zu beziehen oder sich ihnen zuzuwenden. Bei einem Schaden in der rechten Hemisphäre hört die Umgebung auf der linken Seite des Patienten also sozusagen auf “zu existieren”.

Hemineglect und Aufmerksamkeit

Es gibt verschiedene Theorien, die alle gemeinsam haben, dass das Hemineglect nicht als ein einzelnes Defizit zu verstehen ist, sondern bei diesem verschiedene kognitive Bereiche beeinträchtigt sind.

Ein Versuch diese Aufmerksamkteisverzerrungen zu erklären erfolgt mithilfe der “Theorie der Abkupplung”, aufgrund der Auswirkungen bei der Aufmerksamkeitslenkung. Diese Verzerrung tritt vor allem dann auf, wenn Mechanismen involviert sind, die eine exogene Aufmerksamkeit implizieren. Die Reize die auf der ipsilateralen Seite präsentiert werden (also die, die rechts dargestellt werden, bei Läsion der rechten Hemisphäre) beeinflussten die Zeit, welche die Patienten mit Läsionen des rechten Parietallappens benötigen, um Stimuli auf der linken Seite wahrzunehmen.

Es lässt sich hervorheben, dass Betroffene des Hemineglects die gesamte Information in ihrer Umgeben wahrnehmen, das Problem liegt also nicht in der Wahrnehmung, sondern sich dieser bewusst zu werden. Es gibt eine Veränderung in der Aufmerksamkeitsverlagerung (die Fähigkeit diese von einem auf den nächsten Reiz zu wechseln). Der Patient empfängt ein sensorisch vollständiges und komplettes Bild, richtet sich aber nur auf eine der beiden Hälften.

Zusammenfassend bedeutet das, dass eine Person mit Hemineglect das bevorzugt, was von der unbeschädigten Gehirnhälfte kontrolliert wird.

Hemineglect und Aufmerksamkeit

Formen des Hemineglects

Im Folgenden werden die verschiedenen Formen dieser Störung genauer beschrieben:

  • aufmerksamkeitsbezogenes oder sensorisches Hemineglect: tritt auf, wenn die selektive Aufmerksamkeit nicht dazu in der Lage ist, die Aufmerksamkeit auf die externen Reize (extrakorporalen) oder die des eigenen Körpers (personal) zu verteilen. Es manifestiert sich durch die Schwierigkeit auf einen Reiz zu reagieren, der sich auf der gegenüberliegenden Seite der zerebralen Läsion befindet.
  • Hemiasomatognosie: auch als Anton-Babinski-Syndrom bekannt. Dieses Defizit ist auf den eigenen Körper bezogen. Es handelt sich also um das halbseitige Nichtwahrnehmen des eigenen Körpers. Dabei treten Symptome auf wie, sich nur auf einer Seite des Körpers zu rasieren, zu schminken oder zu kleiden.
  • intentionales Hemineglect oder motorisches Neglect: auch bekannt als Hemiakinesie. Hier besteht die Schwierigkeit die Aufmerksamkeit auf die Aktionen oder Intentionen des eigenen Körpers im Raum zu verteilen. Es kann auch zur Verlangsamung oder zum Fehlen von Bewegungen kommen, was einer Hemiparese (halbseitige Lähmung des Körpers) ähnelt.
  • Motorische Impersistenz: besteht aus der Unfähigkeit eine durch den Versuchsleiter vorgegebene Körperposition mehr als 10 Sekunden halten zu können.
  • Affektives Hemineglect: das Verhalten des Patienten ist so, als würde nichts Wichtiges passieren (Anosognosie oder Defizitsbewusstsein). In einigen Fällen weiß der Patient von seiner Hemiplegie, aber sie ist ihm egal (Anosodiaphorie), bei anderen ist die Störung stärker ausgeprägt und es besteht eine Abweisung und Misshandlung gegenüber einer Körperhälfte (Misoplegie).
  • repräsentatives Hemineglect: Ist die Vernachlässigung der Hälfte eines Objekts, einer Repräsentation, eines mentalen Bildes oder einer realen Situation.

Neurologische Basis des Hemineglects

In den allermeisten Fällen ist die Ursache des Hemineglects eine Läsion oder Schädigung in der rechten Hemisphäre des Gehirns.

Man geht davon aus, dass Ausfälle in der mittleren Gehirnschlagader, die in Zusammenhang mit dem Parietal- und Frontallappen steht, eine wichtige Rolle in der Symptomatologie dieser Patienten spielt.

Neuere Studien zeigen, dass der geschädigte Hirnbereich bei Patienten mit Hemineglect der mediale Gyros Temporalis superior ist, der sich auf der seitlichen Oberfläche des inferioren Parietallappen befindet und bei 50% der untersuchten Fälle beschädigt ist. Diese Hirnregion ist bei Personen mit bilateralen Schädigungen mit Defiziten in der Raumwahrnehmung assoziiert.

Die beim Hemineglect am meisten betroffenen Hirnregionen sind folgende:

  • Gyrus angularis: ist mit der Raumwahrnehmung und dem Erhalte der Aufmerksamkeit auf räumliche Anordnungen assoziiert.
  • Lobulus parietalis superior: an den Veränderungen der räumlichen Aufmerksamkeit beteiligt.
  • temporoparietaler Übergang: für die räumliche Neuorientierung und die Detektion ausgehender Reize verantwortlich. In den angrenzenden Arealen kann die Ursache für sekundäre Defizite liegen, die einige Patienten äußern, wie die Neuorientierung der Aufmerksamkeit oder der Detektion der Salienz eines Reizes.

Bewertung des Hemineglects

Die größte Schwierigkeit bei der Bewertung des Hemineglects besteht darin, dass es aufgrund der hohen Variabilität zwischen den Betroffenen, wenige Tests gibt, welche die Patienten auf vergleichende Weise bewerten können.

Die Paradeaufgabe zur Bewertung des Hemineglects ist die Reizentfernung. Der Patient muss einen Reiz in Mitten von Distraktoren finden. Typisch ist, dass es bei den Reizen zu Detektionsfehlern kommt, die im linken Blickfeld positioniert sind.

Der am meisten genutzte Test ist der BIT (Behavioral Inatention Test), der aus sechs verschiedenen Untertests besteht: Linien Durchstreichen, Buchstaben entfernen, Figuren abzeichnen, Sterne entfernen, Linien zweiteilen und repräsentative Zeichnungen.

Die Zweiteilung von Linien ist neben dem Durchstreichen eine der am häufigsten angewendeten Aufgaben. Dem Patienten werden horizontale Linien präsentiert, bei denen er den Mittelpunkt dieser markieren soll. Die Patienten tendieren dazu die Markierung viel weiter rechts zu setzen, als richtig wäre.

Ebenfalls werden Zeichenaufgaben mit den Patienten gemacht. Dabei müssen Figuren abgezeichnet oder spontan geometrische Figuren von der Mitte ausgehend gezeichnet werden. Es kommt in der Regel zur Verfälschung oder Auslassung von Teilen des Bildes.

Es hat sich gezeigt, dass die Patienten ohne visuelles Feedback, also wenn sie mit geschlossenen Augen zeichnen sollen, weniger Fehler machen und die Aufgabe besser durchführen.

Eine weitere typische Aufgabe ist der Uhrentest, bei dem die Ziffern in der richtigen Reihenfolge in eine Uhr eingetragen werden müssen, entweder geschieht dies aus dem Kopf (wie in dem Anfangsbild zu sehen) oder soll abgezeichnet werden.

Rehabilitierung des Hemineglects

Die Wiederherstellung bei Patienten mit Hemineglect ist wichtig, vor allem da erlernt werden kann die geschädigte Zone zu kompensieren.

Hierzu werden Suchaufgaben gestellt, die sich auf den Teil beziehen, dem keine Aufmerksamkeit geschenkt wird. Mit einigen Übungen steigt das Bewusstsein der Patienten und sie können Lernstrategien entwickeln, um eine systematischere Suche zu realisieren.

Eine weitere Technik ist die der Kompensation. Beispielsweise wird mit bunten Farben eine Linie auf der linken Seite gezeichnet, um sie darauf hinzuweisen dort anzufangen zu lesen. Es dient also der Erlangung ihrer Aufmerksamkeit.

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass die effektivsten Techniken diejenigen sind, die das Visuelle Scanning fördern, beispielsweise die Suche nach Unterschieden, Bilder abzeichnen oder Lesen.

Übersetzt aus dem Spanischen. Original: Sara Morales Alonso, Neuropsychologin bei CogniFit.

Die Posttraumatische Belastungsstörung und das Gedächtnis

Wie Traumata unsere Erinnerung löschen: „Es war das schlimmste Ereignis meines Lebens – und ich habe es vergessen.“ Einige Personen, die schreckliche Situationen erlebt haben, können sich an diese oft nicht mehr genau erinnern – dies liegt nicht nur Verdrängung zugrunde. Das Erleben eines traumatischen Ereignisses und eine darauf folgende posttraumatische Belastungsstörung löst heftige Stressreaktionen in unserem Körper aus, die sogar so weitreichende Folgen haben können, dass sie unser Gedächtnis verändern.

Eine Posttraumatische Belastungsstörung hat weitreichende Folgen für das Gehirn

Was ist eine posttraumatische Belastungsstörung?

Eine posttraumatische Belastungsstörung (kurz: PTBS) entsteht, wie der Name bereits nahelegt, nach dem Erleben oder Beobachten eines extrem traumatischen Ereignisses. Dieses Ereignis wird von den Betroffenen in der Regel als lebensbedrohlich wahrgenommen und geht oft mit schweren Verletzungen einher. Solche traumatischen Ereignisse können beispielsweise Krieg, Naturkatastrophen, schwere Unfälle, Geiselnahmen oder Missbrauch sein.

Man unterscheidet zwischen zwei verschiedenen Ursachen und somit Typen der posttraumatischen Belastungsstörung:

  • Typ I: einmalige, eher kurzfristige Ereignisse (z.B. Unfall, Vergewaltigung, Naturkatastrophe
  • Typ II: wiederholte, länger andauernde Stressoren (z.B. körperliche und sexuelle Misshandlungen, Krieg, Gefangenschaft

Bei einer rein akuten posttraumatischen Belastungsstörung halten die Symptome in der Regel weniger als 3 Monate an. Danach nehmen sie aus eigener Kraft oder mithilfe von Therapie ab.

Halten die Symptome jedoch länger an, kann sich eine chronische PTBS entwickeln, welche wesentlich schwieriger zu bewältigen ist.
In einigen Fällen tritt die Posttraumatische Belastungsstörung nicht unmittelbar nach dem traumatischen Ereignis ein, sondern folgt später mit verzögertem Beginn; so können Monate oder auch Jahre vergehen, bis ein Ereignis oder eine Situation, die der ursprünglichen traumatischen Situation ähnelt, den Betroffenen an das Trauma erinnert und eine heftige Reaktion auslöst.

Symptome der posttraumatischen Belastungsstörung

Vermeidungsverhalten bei einer posttraumatischen Belastungsstörung

Nach dem Erleben und Überleben der traumatischen Situation versuchen die Betroffenen in der Regel, sich den neuen Umständen ihres Lebens anzupassen, und entwickeln hierzu Strategien wie dissoziatives Abspalten vom Geschehen oder emotionales Abstumpfen, um ihren Schmerz zu vermindern. Durch diese teilweise vollkommene Unterdrückung von Emotionen und Schmerz kann es zu einer tiefgreifenden Veränderung der gesamten Persönlichkeit der Person kommen, die nur noch darauf bedacht ist, ihre Emotionen zu unterdrücken und somit ihre gesamte Energie darauf ausrichtet.

Betroffene zeigen daher oft ein stark vermindertes Interesse an Alltagsaktivitäten und berichten von einem Gefühl der Entfremdung vom Leben, an dem sie kaum noch bewusst teilnehmen. Mit diesem emotionalen Abstumpfen geht oft eine eingeschränkte Affektbandbreite wie zum Beispiel die Unfähigkeit, zärtliche Gefühle zu empfinden und zu zeigen, einher. Viele Betroffene verlieren und vermeiden daher soziale Kontakte und werden einsam.

Verdrängung und posttraumatische Belastungsstörung

Die Bewältigung und Verarbeitung des traumatischen Ereignisses wird dabei häufig über viele Jahre hinweg durch wiederkehrende und stark belastende Erinnerungen an das Ereignis, Halluzinationen, Alpträume oder Flashbacks erschwert.

Um diese quälenden Erinnerungen zu umgehen entwickeln viele Betroffene ein geradezu phobisches Vermeidungsverhalten, um allen Hinweisreizen, die die Erinnerung an das Geschehene wieder wecken könnten, auszuweichen. Dieses Vermeidungsverhalten kann das gesamte alltägliche Leben der Person einschränken und belastet ihre Beziehungen zu Familie und Freunden stark.
Sollte eine Person, die unter der PTBS leidet, trotzdem einer Situation begegnen, die sie an das belastende Ereignis erinnert, so kann es zu heftigen psychischen Belastungen und körperlichen Reaktionen wie beispielsweise Panikattacken kommen.

Körperliche und emotionale Symptome der PTBS

Weitere körperliche Reaktionen, die oft mit einer Belastungsstörung einhergehen, sind Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, und ein ständiger Zustand der Aktivierung und Erregung, welcher zu teilweise übertrieben starken Schreckreaktionen führen kann.

Viele Patienten, die ein traumatisches Ereignis überstanden haben, berichten von teilweise qualvollen Schuldgefühlen, zum Beispiel da sie überlebt haben und andere Menschen nicht. Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung und ein ständiges Gefühl der Bedrohung sind weitere Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung, die teilweise in selbstschädigendem Verhalten enden können.

Posttraumatische Belastungsstörung: Diagnose

Um eine posttraumatische Belastungsstörung sicher diagnostizieren zu können muss die beschriebene Symptomatik länger als einen Monat andauern, da diese sich nach einem traumatischen Ereignis oft innerhalb eines Monats zurückbildet.
Wenn einige der Symptome wie Vermeidung, Empfindungslosigkeit oder erhöhte Angst schon vor dem traumatischen Ereignis auffällig waren, sind die Kriterien für eine PTBS ebenfalls nicht erfüllt; es kann eventuell eine andere affektive Störung oder Angststörung vorliegen.

Die soziale Unterstützung durch Familie und Freunde, positive und stärkende Erfahrungen sowie verschiedene Persönlichkeitsmerkmale der Betroffen, wie zum Beispiel ihre Belastbarkeit und Nervenstärke, können die Entstehung und auch die Dauer einer Belastungsstörung sowohl positiv als auch negativ beeinflussen.

Die Posttraumatische Belastungsstörung und das Gedächtnis

Wie zuvor bereits erläutert sind Vermeidungsverhalten und das Verdrängen von Gedanken an das Ereignis verschiedene Möglichkeiten für Betroffene, mit dem traumatischen Ereignis umzugehen. Während manche Personen, die eine solche Situation überstanden haben, von Flashbacks und Erinnerungen geradezu gejagt werden, berichten andere jedoch von einer schwammigen oder teilweise völlig fehlenden Erinnerung an das Ereignis selbst; sie können sich an die Situation kaum noch zurückerinnern.
Um zu verstehen, wie dieser Gedächtnisverlust zustande kommt, ist es wichtig, einen Blick auf unser Gehirn und Hormonsystem zu werfen und zu untersuchen, wie der Körper auf solche belastenden Ereignisse reagiert.

Die Rolle des Hippocampus bei PTBS

Der Hippocampus ist eine Struktur, die sich relativ mittig im Temporallappen (auch Schläfenlappen genannt) des Gehirns befindet; jeder von uns hat zwei von ihnen – in jeder Gehirnhälfte einen. Gemeinsam mit einigen anderen Strukturen bildet er das sogenannte limbische System, welches unter anderem eine große Rolle bei Emotionen spielt.
Der Hippocampus selbst hat viele verschiedene Aufgaben, besonders wichtig ist er allerdings für das Gedächtnis. Durch seine weiten Verbindungen zu vielen anderen Bereichen des Gehirns erhält er diverse Informationen, die hier vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis übertragen werden. Unsere Erinnerungen werden zwar nicht nur im Hippocampus, sondern auch in diversen anderen Bereichen des Gehirns gespeichert, wie zum Beispiel in der Großhirnrinde, aber der Hippocampus ist enorm wichtig, um diese Erinnerungen zu speichern und wieder aufzurufen.

Posttraumatische Belastungsstörung – die Lage des Hippocampus im Gehirn.

Posttraumatische Belastungsstörung: Das Hormonsystem

Durch ein traumatisches Ereignis und die darauffolgenden Belastungen wie Angst und Trauer stehen Betroffene oft unter starkem, langanhaltendem Stress.
Dieser Stress führt zu einer vermehrten Aktivierung des menschlichen Hormonsystems und einige Hormone werden in großen Mengen produziert – unter anderem das Stresshormon Cortisol. Bei der Posttraumatischen Belastungsstörung spielt dieses Hormon dementsprechend eine wichtige Rolle.

Die sogenannte HPA – Achse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse) ist eine Verbindung zwischen verschiedenen Strukturen unseres Körpers, die vor allem bei Stress aktiviert wird.
Der Hypothalamus, eine Struktur im Gehirn, die zur Steuerung unseres Körpers und enorm wichtig ist, wird bei starkem Stress aktiviert und sendet seine Botenstoffe in den Körper. Diese Botenstoffe aktivieren weitere Bereiche im Körper, unter anderem die Nebennierenrinde.
Die Nebenniere ist eine hormonproduzierende Drüse, die bei uns Menschen auf den eigentlichen Nieren aufsitzt und verschiedene Hormone produziert, unter anderem Cortisol.

Cortisol ist in der Medizin allgemein als Entzündungshemmer bekannt und wird dafür oft vom Arzt verschrieben. Dies liegt daran, dass Cortisol vor allem die Eigenschaft hat, Stoffwechselvorgänge zu aktivieren, die zum Abbau von bestimmten Stoffen in unserem Körper führen.

Das Gedächtnis unter Stress – Was passiert bei einer posttraumatischen Belastungsstörung?

Der Hippocampus hat viele Bindungsstellen für dieses Cortisol. Wird also durch den Stress, der mit einer posttraumatischen Belastungsstörung einhergeht, viel Cortisol im Körper ausgeschüttet, so gelangt auch viel davon in den Hippocampus – wo durch die übergroße Menge an Cortisol die Nervenzellen absterben indem sie abgebaut werden.
Der dauerhaft hohe Cortisolspiegel verhindert dabei ebenfalls die Neubildung von Nervenzellen, sodass das Volumen des Hippocampus um bis zu über 20% reduziert werden kann.

Berichtet also eine Person, die ein traumatisches Ereignis erlebt hat, davon, dass sie sich an dieses Ereignis nicht erinnern kann, hängt dies nicht nur mit der bewussten Verdrängung der Situation zusammen, sondern gibt es tatsächlich eine neuronale Erklärung für diesen Gedächtnisverlust im Gehirn.
Durch die Zerstörung von Nervenzellen im Hippocampus wird es dem Gehirn unmöglich gemacht oder zumindest erschwert, auf das Gedächtnis zuzugreifen und die Erinnerungen hervorzuholen.
Untersuchungen von Soldaten haben beispielsweise gezeigt, dass die Größe ihrer Hippocampi abgenommen hat, je länger sie im Einsatz waren und je mehr traumatische Ereignisse und Stress sie somit erlebt haben.

Posttraumatische Belastungsstörung: Vergessen oder Flashbacks – wem passiert was?

Die aktuelle Forschung liefert viele verschiedene Berichte zu posttraumatischen Belastungsstörungen, mit teilweise völlig entgegengesetzten Ausgängen. Während einige Personen von Alpträumen und qualvollen Flashbacks heimgesucht werden, erinnern sich andere kaum an das Ereignis – was bleibt ist jedoch die Angst und Panik und der innere Druck, ähnlichen Situationen aus dem Weg zu gehen.

Doch wie entscheidet sich genau, wie eine Belastungsstörung verläuft?

Es gibt verschiedene individuelle Risiko – und Schutzfaktoren, die den Umgang mit einem traumatischen Ereignis erleichtern oder erschweren können.
Viele Faktoren wie das Geschlecht oder die kognitive Verarbeitungskapazität wurden untersucht, aber auch Merkmale des Ereignisses selbst, zum Beispiel Intoxikation, die Art des Ereignisses, emotionale und physiologische Reaktionen auf das Geschehen sowie der Umgang mit dem entstandenen Trauma (soziale Unterstützung, Persönlichkeitsmerkmale).
Keiner dieser untersuchten Faktoren konnte jedoch eine ausreichende und eindeutige Erklärung liefern für die Unterschiede, die bei der Entstehung einer posttraumatischen Belastungsstörung vorliegen. Es scheint eine Mischung aus verschiedenen Faktoren der Person und der Situation zu sein, die bestimmt, wie verschiedene Menschen auf ein traumatisches Ereignis reagieren.

Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung

Gut zu wissen ist jedoch, dass die posttraumatische Belastungsstörung trotz all ihrer Unterschiede zu den gut therapierbaren Störungen zählt. Viele verschiedene Therapieformen schlagen gut an, unter anderem die sogenannte kognitive Verhaltenstherapie, bei der es vor allem um die Konfrontation der belastenden Erinnerung und eine strukturierte Veränderung der damit einhergehenden schädigenden Verhaltensweisen geht.

Zunächst ist es bei der Behandlungs einer akuten posttraumatischen Belastungsstörung jedoch wichtig, bei den Betroffenen das Gefühl von Schutz und Sicherheit wiederherzustellen und die erste, unmittelbare Schockreaktion zu überwinden. Erst danach kann gemeinsam mit dem Therapeut an Copingstrategien gearbeitet werden, um potenzielle Flashbacks und Angstzustände zu reduzieren und ein Zurückkehren zum Leben vor dem Traumata zu ermöglichen.

Vor allem aber auch ein unterstützendes soziales Umfeld ist enorm wichtig für das erfolgreiche Überwinden der Belastungsstörung und kann Betroffenen dabei helfen, ihr Trauma zu überwinden und ihr Leben wieder ohne Angst und Stress zu gestalten.

Priming: Wie beeinflusst es uns, welche Formen gibt es?

In der Psychologie nennt man Priming den impliziten Gedächtniseffekt, bei dem ein präsentierter Stimulus die Antwort auf einen nachfolgenden Reiz beeinflusst. Im Folgenden werden die nachstehenden Fragen geklärt: Welche Formen des Priming gibt es? Welchen Effekt hat es auf das Gedächtnis und wie beeinflusst Priming unseren Alltag?

Ein dargebotener Reiz kann die Reaktion auf einen späteren Reiz beeinflussen

Was ist Priming ? – Definition 

In der Psychologie ist Priming die unbewusste Verarbeitung eines dargebotenen Reizes, welche zur schnelleren Verfügbarkeit eines Ereignisses, eines Items oder einer Person führen kann, wenn ein zweiter Reiz präsentiert wird. Die meisten Menschen sind sich im Moment des Primings nicht darüber bewusst, dass es passiert. 

Wenn viele Interpretationen und Verhaltensmöglichkeiten zur Verfügung stehen, kann die durch Priming bestimmte Zugänglichkeit zu einem Gedächtnisinhalt die Wahrnehmung, Kognition und Handlung einschränken.

Priming Beispiele

Wenn man Radio hört und dort in der Werbung ein Getränk angepriesen wird, man sich später in einem Café etwas zu trinken bestellt und Lust auf dieses Getränk bekommt,…

Wenn ein Freund von seinem letzten Urlaub in Thailand erzählt und man im Anschluss Lust hat, Thai Essen zu gehen,…

… ist das auf Priming zurückzuführen.

Das Gehirn wurde in diesen Fällen darauf programmiert, Verlangen nach etwas zu verspüren und kleine Dingen zu bemerken, die einem normalerweise nicht aufgefallen wären, oder denen man keine Beachtung geschenkt hätte – wäre man nicht im Vorhinein einem bestimmten Stimulus ausgesetzt worden. Die Reaktion auf den darauffolgenden Reiz kann sowohl positiv als auch negativ sein und wird dabei durch den vorherigen präsentierten Stimulus beeinflusst.

Das Denken und Handeln kann auf verschiedenste Arten beeinflusst werden

Formen von Priming

Es lassen sich verschiedene Formen unterschieden, die auf unterschiedliche Weise funktionieren und verschiedene Auswirkungen haben.

  • Positiv versus Negativ: Diese Eigenschaft des Primes hängt direkt mit der Verarbeitungsgeschwindigkeit zusammen. Verzögert oder beschleunigt der Prime die Verarbeitung des nachfolgenden Reizes? Während der positive Prime die Verarbeitungsgeschwindigkeit beschleunigt, bremst der negative Prime diese ab. Die Beschleunigung der Verarbeitungsgeschwindigkeit durch einen positiven Prime ist auf die Voraktivierung bestimmter Assoziationsmuster zurückzuführen. Das bedeutet, dass der Stimulus eine bestimmte Erinnerung oder Assoziation vor der Handlungsausführung aktiviert. Weil der Gedanke oder die Assoziation bereits voraktiviert ist, braucht man im Anschluss weniger Aktivierung um auf den späteren Zielreiz zu reagieren. Beim negativen Prime ist ein anderes Assoziationsmuster aktiviert, das deaktiviert werden muss, um eine adäquate Antwort zu geben. 
  • Semantisch: Der Prime und der Zielreiz sind aus der gleichen semantischen Kategorie und besitzen ähnliche Eigenschaften. Das bedeutet, wenn eine Person an ein einzelnes Item einer bestimmten Kategorie denkt, werden ähnliche Items in verschiedenen Gehirnregionen voraktiviert. Beispielsweise ist Löwe ein semantisches Wort für Tiger, da es sich um ähnliche Items handelt.
  • Konzeptuell und perzeptuell: Ein konzeptueller Prime basiert auf der Bedeutung des Stimulus und wird durch seine semantische Funktion verstärkt. Als Beispiel ist das Wort Gabel, das einen Effekt auf das Wort Löffel ausübt, weil sie zu der gleichen Kategorie gehören. Konzeptuelles und semantisches Priming sind sich sehr ähnlich. Perzeptuelles Priming bezieht sich auf die äußere Form des Stimulus und ist sehr sensitiv bezüglich seiner exakten Form und Beschaffenheit. 
  • Wiederholung: ist der positiven Form sehr ähnlich, wenn auch nicht das Gleiche. Es wird auch als direktes Priming bezeichnet, bei welchem der erlebte Stimulus selbst als Prime fungiert. Wenn dieser Reiz im Anschluss nochmals präsentiert wird, lässt sich dieser schneller im Gehirn verarbeiten und die Reaktionszeit verkürzt sich.
  • Freundlichkeit: Wenn eine Person einer freundlichen Geste oder einer freundlichen Tat ausgesetzt wird ist diese anfälliger für den Priming-Effekt, da der Schwellwert für die Aktivierung sinkt. Interessanterweise steigt die Resistenz gegenüber negativen Stimuli temporär an, wenn diese Art von Priming stattfindet.
  • Assoziatives Priming: Diese Kategorie ähnelt der des positiven oder semantischen Primings. In diesem Fall ist der Zielreiz ein Wort, das normalerweise mit dem Prime assoziiert ist, aber nicht zwangsläufig die gleichen semantischen Eigenschaften teilt. Der Zielreiz und der Prime sind zwei Dinge, die für gewöhnlich in einer Verbindung stehen und zusammen gesehen werden. Ein Beispiel sind Stift und Papier. Sie haben nicht die gleichen semantischen Eigenschaften, wie ein Tiger und ein Löwe, treten aber gemeinsam in Erscheinung. 
  • Response-Priming:  Bei einem klassischen Computerexperiment müssen bestimmte Tasten gedrückt werden, sobald bestimmte Formen auf dem Bildschirm erscheinen. Beispielsweise: Drücke die linke Pfeiltaste, wenn ein Kreis erscheint; die rechte Pfeiltaste, wenn ein Quadrat erscheint. In diesem Fall wird häufig das Response-Priming angewendet und wenige Millisekunden vor dem Zielreiz ein Prime dargeboten. Bei diesen Aufgaben wird anschließend die Zeit gemessen, die eine Person benötigt, um auf den Stimulus zu reagieren. 
  • Maskiertes Priming: Das maskierte Priming wird als “reinste” Form bezeichnet. Das 1984 von Forster & Davis vorgestellte Paradigma wird auch als Sandwich-Technik bezeichnet. Der Prime wird hierbei zwischen den Zielreiz und eine Maske eingebettet. Beispielsweise: ####, Prime: spielen, Zielreiz: FLIEGEN. 

Messung der verschiedenen Arten

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Psychologen die Priming-Effekte im Gehirn messen können. Dabei hängen die verschiedenen Messmethoden jeweils von dem zugrunde liegenden Typen bzw. Subtypen ab. Um beispielsweise die Effekte von maskiertem Priming zu messen, verwendet man eine andere Methode, als die Effekte positiven oder negativen Primings zu messen. 

Im Folgenden finden sich als Beispiel ein paar Methoden, welche entsprechend verwendet werden:

  • Positives und negatives Priming: wird anhand des ereigniskorrelierten Potentials (Event-related potential; ERP) im Elektroenzephalogramm (EEG) gemessen. Dieses im Gehirn ausgelöste Potential ist das direkte Ergebnis eines spezifischen sensorischen, kognitiven oder motorischen Ereignisses. Anhand diesen Potentials kann die Verarbeitungsgeschwindigkeit bestimmt werden, wodurch Rückschlüsse auf einen positiven oder negativen Priming-Effekt gezogen werden können.
  • Perzeptuelles Priming – Messung: Hier findet ein wahrnehmungs-bezogenes Verfahren Anwendung. Dabei kann die Aufgabe der Wortstamm-Vervollständigung verwendet werden. Hierbei muss in der Regel eine Liste mit Wörtern gelernt werden. Anschließend werden Silben präsentiert, die man entsprechend zu Wörtern ergänzen muss. Die Teilnehmer sind sich in der Regel nicht bewusst, dass sie die Silben zu den vorher präsentierten Wörtern ergänzen sollen. Hier verwenden die Teilnehmer ihr implizites Gedächtnis, wenn sie die Silben zu einem vorher präsentierten Wort ergänzen. Je nach Anzahl der Wörter die entsprechend der vorherigen Liste ergänzt wurden, kann man die Stärke des Priming-Effekts bestimmten.
  • Konzeptuell und Wiederholung – Messung: die lexikale Entscheidungsaufgabe (Lexical decision task; LDT) wird für psycho-linguistische Experimente verwendet. Hiermit wird gemessen, wie lange eine Person benötigt, festzustellen, ob eine Reihe von Buchstaben ein reales Wort ergeben, oder nicht.

Priming-Effekte aus der Sozialpsychologie 

Es gibt viele Möglichkeiten, das Verhalten durch Priming zu beeinflussen und sogar die Einstellung bestimmten Dingen gegenüber zu verändern.

  • So laufen Leute beispielsweise langsamer einen Flur entlang, wenn sie vorher auf das Wort “Alt” geprimet wurden.
  • Bringt man Leute dazu zu nicken oder den Kopf zu schüttel (indem man ihnen beispielsweise Kopfhörer aufsetzt und behauptet, man soll ihren Halt auf dem Kopf testen, indem man den Kopf entsprechend bewegt) hat dies einen Einfluss auf die affektive Bewertung von Dingen, die einem währenddessen angeblich zusammenhangslos präsentiert werden. So bewerten die Personen, die den Kopf schütteln während sie einen Schokoriegel sehen diesen im Anschluss als weniger appetitlich als Personen, die während sie den Schokoriegel sahen nickten.
  • Auch in der Werbung wird sich der Priming-Effekt zu Nutze gemacht. So werden die umworbenen Artikel mit positiven Dingen in Zusammenhang gebracht, die teilweise ganz offensichtlich nichts miteinander zutun haben. Das umworbene Produkt wird so aber als positiver wahrgenommen.

Priming ist ein interessantes Phänomen, das uns alle im tagtäglichen Leben beeinflusst, dieser Prozess lässt sich mit dem eigenen Verhalten und dem Verhalten von anderen Personen in Zusammenhang bringen. Das nächste Mal, wenn Du dir also einen Film anguckst, der an einem traumhaften Strand spielt und du danach beginnst dir anzugucken, wann es günstige Flüge ans Meer gibt, bist du nicht verrückt, sondern wurdest vorher lediglich greprimet.

Bei Fragen oder Anregungen kann die Kommentarfunktion direkt unter dem Artikel genutzt werden!

Dieser Artikel ist eine Übersetzung des englischen Artikels von Jessica Taylor, Psychologin bei CogniFit.

Vorteile der Zweisprachigkeit: 10 Vorteile des Zweitsprachenerwerbs

Vorteile der Zweisprachigkeit. Du bist am Überlegen eine zweite Sprache zu lernen, aber bist noch nicht ganz sicher? Möchtest du ein Kind zweisprachig erziehen, aber hast Zweifel, ob das gut für seine Sprachentwicklung ist? Die Gesellschaft, in der wir leben, wird immer kompetitiver und fordert immer mehr Voraussetzungen, unter denen sich Sprachkenntnisse befinden. Falls du nicht von den Vorteilen überzeugt bist, die dir durch das Erlernen einer neuen Sprache verschafft werden können, wollen wir dich von dieser Organisation aus vollständig überzeugen, indem wir dir die vielen Vorzüge für den Erwerb einer neuen Sprache, zeigen. Darunter befinden sich sowohl kognitive als auch soziale. Finde heraus, wie ein zweisprachiges Gehirn funktioniert!

Vorteile der Zweisprachigkeit

1. Zweisprachigkeit: Intelligenter?

Jein. Obwohl die Intelligenz ein breit gefächertes Konzept ist und es sein kann, dass die Tatsache, zweisprachig zu sein, sich auf einige ihrer Aspekte positiv auswirkt, gibt es keine Studie, die vollständig beweist, dass die Tatsache, eine zweite Sprache zu sprechen, die Person, die sie spricht, intelligenter macht. Nichtdestotrotz beweisen die bisher durchgeführten Studien, dass, wenn uns auch das Sprechen von zwei Sprachen nicht intelligenter macht, es unser Gehirn jedoch dazu zwingt, gewisse Prozesse durchzuführen, die eine Extraübung darstellen und somit einen Vorteil bei jeder geistigen Anstrengung. 

2. Zweisprachigkeit: Effizienter denken durch neue kognitive Strategien

Man verbindet kognitive Strategien mit der Ausarbeitung von Plänen und Programmen zum Erreichen eines Ziels. Die Sprache ist ein weiteres Instrument zur Organisation in unserem Kopf, sie erlaubt uns, eine Reihe von Ideen über die Grammatik zu organisieren und Konzepte zu sortieren, um sie zu verstehen und sie über die Semantik und den Wortschatz miteinander zu verknüpfen. Wenn ein Mensch zwei Sprachen zur Verfügung hat, um sich zu organisieren, hat er einen doppelten Vorteil gegenüber Personen, die nur eine Sprache sprechen, da er so mit logischeren Gedankengängen und einem breit gefächerterem Klassifizierungssystem ausgestattet ist.

3. Zweisprachig zu sein verbessert dein Erinnerungsvermögen

Unter den zuvor erwähnten Vorteilen der Zweisprachigkeit befindet sich das Erinnerungsvermögen, die Aufmerksamkeit und das Lernen. Eine zweite Sprache zu sprechen zwingt das Gehirn nämlich dazu, andere Gehirzonen zu benutzen, die Einsprachige nicht benutzen. Dies führt zu einem flexibleren und effizienteren Denken. Zwei Sprachen zu sprechen begünstigt die Schaffung von neuen Wegen zur Verknüpfung der Information, was wiederum in neuen Wegen für eine Erinnerung zum Ausdruck kommt. Das bedeutet, dass Menschen, die eine Zweitsprache sprechen, besser dazu fähig sind sich zu erinnern und somit ein besseres Erinnerungsvermögen haben.

4. Zweisprachigkeit kommt deiner Aufmerksamkeit und Konzentration zugute

Ein weiterer der Faktoren, die sich daran bereichern, eine zweite Sprache zu lernen, ist unsere Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit. In mehreren Studien wurde nachgewiesen, dass zweisprachige Personen gegenüber einsprachigen Personen mehr Begabung dafür haben unwichtige Information zu filtern. Relevante Information aufnehmen zu können und irrelevante vermeiden zu können ist ein Faktor, der die Aufmerksamkeit und Konzentration auf ein bestimmtes Ziel sehr erleichtert.

5. Zweisprachigkeit sein hilft dir dabei, deine eigene Sprache besser zu kennen

Das Erlernen einer Zweitsprache wird dazu führen, dass wir merken, dass unsere Sprache nicht die einzige Art ist, die Welt zu konzeptualisieren, in der wir leben. Jedes Wort unserer Sprache ist mit einem Konzept verbunden, einem mentalen Begriff. Nichtsdetrotrotz kann das erwähnte Wort ein gleiches Konzept auf eine eigene Art und Weise einschliessen, oder es können Konzepte existieren, denen kein Wort zugeschrieben wurde. Zum Beispiel beschreibt der französische Ausdruck “l’esprit de l’escalier” (der Geist der Treppe oder Treppengeist) den Akt des Denkens an eine geistreiche Antwort, wenn es schon zu spät ist, um sie zu geben, ein Konzept, dem beispielsweise in der spanischen und in der englischen Sprache kein Wort zugeschrieben ist.

6. Zweisprachigkeit: das Gehirn altert langsamer

Vorteile der Zweisprachigkeit? Mehrere Studien haben gezeigt, dass das Sprechen von mehr als einer Sprache den Gehirnverschleiss verzögert, indem Krankheiten wie Demenz oder Alzheimer verzögert oder vermieden werden.

Die in der Zeitschrift “Annals of Neurology” veröffentlichte, an der Universität von Edinburgh von Thomas Bak durchgeführte Studie deckt einige Geheimnisse über die Vorzüge von Zweisprachigkeit auf. Zunächst einmal bestätigt sie, dass Menschen, die mehr als eine Sprache sprechen, einen geringeren Gehirnverschleiss im Laufe der Zeit aufweisen. Ausserdem beweist die Studie bessere kognitive Fähigkeiten bei zweisprachigen Testpersonen im Vergleich zu den einsprachigen, besonders hervorgehoben werden die Lesefähigkeit und die allgemeine Intelligenz. Zu guter Letzt offenbarte genannte Studie die Tatsache, dass das Sprechen von zwei Sprachen die Alterung des Gehirns verzögert, unabhängig vom Alter, in dem man die Zweitsprache erlernt hat. Daher ist es keine Ausrede nicht jetzt mit dem Sprachenlernen anzufangen, wenn man es als Kind verpasst hat.

7. Zweisprachigkeit eröffnet dir Arbeitsmöglichkeiten

Obwohl dies kein Geheimnis ist, ist es sicher, dass ein weiterer Vorteil vom Zweisprachigsein ist, dass Sprachen ein Schlüssel zum Türöffnen in der Arbeitswelt sind. Nicht nur weil sie bei fast allen Arbeitsplätzen sehr begehrt sind, sondern auch, weil sie dir die Türen zu einem umfangreicheren Arbeitsgebiet öffnen, indem sie dir die Gelegenheit dazu geben, im Ausland zu arbeiten.

Manchmal sind Sprachen das, was in einem Lebenslauf am meisten vermisst wird.

8. Zweisprachigkeit: Verbesserung der sozialen Beziehungen

Arbeitsbeziehungen sind nicht der einzige Bereich, in dem eine Sprache nützlich sein kann. Ein weiterer Vorteil der Zweisprachigkeit ist, dass sie die sozialen Bindungen in gleichem Masse erweitern. Es ist klar, dass eine Sprache Probleme wie Schüchternheit nicht lösen wird, aber sie wird dir die Möglichkeit geben, dein Sozialleben zu verbessern, aus zwei Gründen. Der erste ist ziemlich klar, bei mehr Sprachen gibt es auch mehr Leute, mit denen du Kontakt aufnehmen kannst. Aber der zweite wird vielleicht etwas nützlicher sein, denn eine zweite Sprache zu sprechen kann mehr Sicherheit und Selbstvertrauen mit sich bringen.

9. Zweisprachigkeit ermöglicht es dir neue Kulturen und neue Ideen kennenzulernen

Ein weiterer Vorzug davon, eine andere Sprache sprechen zu können, ist die Möglichkeit neue Kulturen kennenzulernen, was sich wiederum im Lernen ausdrückt. Obwohl wir es nicht wahrnehmen, sind die Kultur und Eigenheiten des eigenes Landes manchmal ein grosser Ballast für die Entwicklung. Wie wir vorhin über die Art des Konzeptualisierens der Welt, die unsere Sprache hat, gesprochen haben, so unterscheidet sich auch jede Kultur in ihrer Art die Welt zu sehen.

Eine neue Sichtweise kann der notwendige Brennstoff sein, um eine neue Idee fertig zu entwickeln.

10. Lässt deine Kreativität in die Höhe schießen

Zweisprachige sind kreativer

Wenn wir alle vorherigen Absätze miteinander verknüpfen, können wir verstehen, wie die Tatsache zweisprachig zu sein unserer Kreativität nützt. Durch den Besitz eines flexibleren, trainierteren Gehirns mit mehr Plastizität, mit mehr Zugriff auf Erinnerungen, das aufmerksamer ist und sich besser konzentriert, mit mehr Verbindungswegen und breit gefächerteren kognitiven Strategien, ist es nicht verwunderlich, dass die Kreativität sich besser in einem zweisprachigen Gehirn als in einem einsprachigen Gehirn entwickelt.

Zweisprachige Personen können flüssiger komplizierte Übungen durchführen, ausserdem sind sie kreativer bei der Problemlösung. Man kann sagen, dass das “Thinking out of the box”, oder in anderen Worten, das unkonventionellere Denken, häufiger bei polyglotten Personen vorkommt.

Quelle: Mario de Vicente, Psychologe bei CogniFit