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Kommunikationsfähigkeit: Wie kann man sie verbessern?

Wolltest du schon immer besser kommunizieren? Fühlst du dich unsicher, wenn Du in der Öffentlichkeit sprichst? Hast du Probleme bei Formulierungen? Weißt du manchmal nicht, was du sagen sollst? In diesem Artikel werden wir erklären, was die Kommunikationsfähigkeit bedeutet, welche Art von kommunikativen Kompetenzen es gibt und was deren praktische Anwendung ist. Wir zeigen auch, wie sich diese verbessern lassen.

Kommunikationsfähigkeit

Kommunikationsfähigkeit: Definition und wofür wir sie benötigen

Die Kommunikationsfähigkeit hängt von den kommunikativen Kompetenz ab, die als eine Reihe von Fähigkeiten definiert werden, die es einer Person ermöglichen, angemessen zu kommunizieren. Die kommunikative Kompetenz besteht laut Hymes darin, zu wissen “wann man spricht, wann man nicht spricht, worüber man spricht, mit wem, wann, wo, und auf welche Weise”.

Wir stehen in ständigem Kontakt mit anderen Menschen und können nicht anders, als uns auszudrücken. Diese Fähigkeiten gut zu beherrschen ist daher für unsere persönliche und soziale Entwicklung von grundlegender Bedeutung. Wir nutzen sie beim Sprechen, Hören, Lesen und Schreiben.

Heutzutage ist es schwierig, sich von den Bildschirmen der Computer und Mobiltelefone zu lösen. Die Art der Kommunikation ändert sich mit rasender Geschwindigkeit und wir müssen uns auf diese Veränderungen einstellen. Die Kommunikationsfähigkeit setzen wir aber unabhängig vom Kommunikationskanal jederzeit ein.

Wir alle wissen, wie ärgerlich Missverständnisse sind. Ebenso kennt jeder das unangenehme Gefühl (oder kann es sich zumindest vorstellen), dass einem keine Beachtung geschenkt wird, während man spricht. Es ist unvermeidlich, dass das Gesagte manchmal nicht von Interesse ist oder dass es zu Fehlern im kommunikativen Prozess kommt. Im Folgenden finden sich jedoch einige Richtlinien, um diese Situationen so weit wie möglich zu vermeiden. Entdecke hier, wie du deine Kommunikationsfähigkeit verbessern kannst.

Kommunikationsfähigkeit: Andwendung der Kompetenzen

Wir können nicht aufhören zu kommunizieren, selbst wenn wir es versuchen. Eine einzige Geste verrät uns. Selbst wenn wir allein sind, reden wir mit uns selbst. Die richtigen Worte zu finden und die eigenen Gedanken auf eine kohärente Weise zu entfalten, ist für alle Lebensbereiche förderlich. Nachstehend werden die drei wichtigsten Bereiche erläutert.

1. Kommunikationsfähigkeit am Arbeitsplatz

Nicht immer erntet die Person die Lorbeeren, die am härtesten arbeitet. Manchmal kommt es darauf an, wie man die Ideen verkauft und die Überzeugungskraft mit derm an diese rüberbringt. Die Kommunikationsfähigkeit ermöglicht es Techniken weiterzuentwickeln und bei seinem Publikum besser anzukommen.

Auf professioneller Ebene ist es wichtig, mit den Kollegen richtig zusammenzuarbeiten, um auch in angespannten Situationen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Dies ist einer der Gründe, warum eine gute Kommunikationsfähigkeit im Lebenslauf zunehmend geschätzt wird.

Eine gute Kommunikationsfähigkeit zu haben ist praktisch genauso wichtig wie das Beherrschen von Fremdsprachen oder bestimmten Computerprogrammen. Eine Person mit guten Kommunikationsfähigkeiten hebt sich in einigen Bereichen von anderen ab und sticht bei Vorstellungsgesprächen heraus.

2. Kommunikationsfähigkeit in der Erziehung

Wir können diese Fähigkeiten und Kompetenzen von der Kindheit an trainieren. Dies ist auch der geeignetste Weg, um sie auf natürliche Weise zu entwickeln und sich optimal an die Umwelt anpassen zu können. Eine gute Kommunikation verbessert unsere persönlichen Beziehungen und unser Wohlbefinden. Wir fühlen uns dadurch kompetent.

Das Erlernen dieser Fähigkeiten sollte unbedingt in den Unterricht einbezogen werden. Wenn man sicherstellt, dass Kinder ohne Probleme kommunizieren können, werden sie zu unabhängigen, problemlösenden und zufriedenen Menschen. Dadurch lässt sich auch die Interaktion mit den Kindern verbessern, da sie das Gesagte besser verstehen, es verinnerlichen und lernen auch ihre eigenen Gedanken klar auszudrücken.

Um anderen eine gute Kommunikationsfähigkeit beizubringen, muss man selbst auch ein guter Kommunikator oder eine gute Kommunikatorin sein. Es ist unmöglich, dieses Wissen gut zu vermitteln, wenn man selbst kein gutes Vorbild ist.

3. Kommunikationsfähigkeit im Alltag

Wir brauchen diese Fähigkeiten, um unserem Mitbewohner respektvoll zu sagen, dass er das Geschirr nicht gewaschen hat, um einem Freund eine schlechte Nachrichten zu überbringen oder eine Postkarte an unsere Verwandten zu schicken. Von der einfachsten Interaktion bis hin zur kompliziertesten – es wird von uns verlangt, dass wir wissen wie wir uns auszudrücken haben. Eine gute Kommunikation spart uns Zeit, Mühe und macht das Leben angenehmer.

Kommunikationsfähigkeit im Alltag

10 Eigenschaften von Personen mit einer guten Kommunikationsfähigkeit

1. Sie beobachten

Die Theory of Mind (“Native Theorie”) erlaubt es, den mentalen Zustand einer anderen Person zu erahnen. Gute Kommunikatoren können die Reaktionen anderer voraussehen, sie erkennen und das was sie sagen entsprechend anpassen.

2. Sie können den Kontext interpretieren

Menschen mit guten kommunikativen Fähigkeiten sind geprägt von Neugier und passen sich individuellen, sozialen und kulturellen Unterschieden an. Man stelle sich vor, man würde in ein asiatisches Land reisen und merken, dass sich die Bewohner unbehaglich fühlen, wenn man mit ihnen spricht. Vermutlich deshalb, weil sie es für respektlos halten, jemandem direkt in die Augen zu gucken.

Man muss dabei aber nicht so weit gehen, um eine Situation einzuschätzen. Es ist in jedem Bereich unerlässlich. Die Umwelt muss berücksichtigt werden, um eine effiziente Kommunikation aufrechtzuerhalten.

3. Sie haben eine hohe Selbstwirksamkeit

Sie sehen Hindernisse als Herausforderungen an. An seine eigenen Möglichkeiten zu glauben hilft, sich auf das zu konzentrieren, was man zu sagen hat, ohne sich dabei von den eigenen Unsicherheiten ablenken zu lassen. Es ist ganz normal Zweifel zu haben (was gut ist, um die eigenen Fehler zu erkennen und zu verbessern), aber es gibt Möglichkeiten, die eigenen Kompetenzen mehr wertzuschätzen.

4. Sie sind respektvoll

Eine Person mit einer guten Kommunikationsfähigkeit ist in der Lage, mit Menschen zu sprechen, die anderer Meinung sind, ohne dabei unhöflich zu werden. Das kann kompliziert werden, wenn man über Politik oder Fußball spricht. Wie oft hat man schon Leute gesehen, die wegen Kleinigkeiten aus der Fassung geraten sind? Gute Kommunikatoren akzeptieren den Standpunkt des anderen und unterbreiten ihre eigenen Argumente auf respektvolle Weise.

5. Sie sind emotional intelligent

Diese Personen achten darauf, wie sich ihr Gesprächspartner fühlt. Sie haben ein hohes Durchsetzungsvermögen und sind empathisch. Sie wissen, welche Fragen sie dem Gegenüber stellen müssen, wie sie es ansprechen und wann sie schweigen sollten.

6. Sie sind organisiert

Diese Menschen sortieren ihre Gedanken, bevor sie diese äußern. Sie denken nach, bevor sie sprechen und haben kein Problem damit zuzugeben, wenn sie etwas nicht wissen. Sowohl das Sprechen als auch das Schreiben erfordern, dass man die eigenen Ideen kohärent organisiert. Auf diese Weise macht man es dem Gesprächspartner leichter der Konversation folgen zu können.

7. Sie sind kreativ

Personen mit guten Kommunikationsfähigkeiten besitzen verschiedene Mittel und Ressourcen, um die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu ziehen. Sie erzählen Geschichten, um eine emotionale Bindung zum Zuhörer aufzubauen, schaffen Metaphern und denken sich raffinierte bzw. einprägsame Beispiele aus. Sie sind flexibel und wissen, was in welcher Situation am Angebrachtesten ist.

8. Sie haben gute Vorbilder

Diese Personen achten, wenn auch nicht immer bewusst, auf die kommunikativen Kompetenzen anderer. Sie lernen schnell und perfektionieren so ihre eigenen Techniken. Wenn das nicht automatisch passiert, kann man sich das selbst als Übung vornehmen.

9. Sie haben keine Angst davor, Fehler zu machen

Man kann nicht alles unter Kontrolle haben, egal wie gut die eigene Kommunikationsfähigkeit ist. Exzellente Kommunikatoren sind nicht deshalb so gut, weil sie perfekt sind, sondern weil sie aus ihren Fehlern lernen, nicht aufgeben und die Dinge mit Humor nehmen. Fehler zu machen gehört zur Kommunikation einfach dazu.

10. Sie üben, üben und üben

Es scheint, als gäbe es Menschen, die eine übernatürliche Kommunikationsfähigkeit haben. Dieses Potenzial geht jedoch verloren, wenn man die kommunikativen Fähigkeiten nicht nutzt. Zu üben schadet nie.

Bist du ein guter Kommunikator oder eine gute Kommunikatorin?

Formen der Kommunikationsfähigkeit

1. Grammatikalische oder sprachliche Kompetenz

Das bezieht sich darauf, wie gut jemand die Sprache beherrscht. Dabei geht es um die Integration und die Bedeutung der Sprache, die in einer wechselseitigen Beziehung stehen. Diese Kompetenz umfasst die phonetische Ebene (Intonation, Rhythmus, usw.), die lexikalisch-semantische Ebene (Vokabular) und die grammatikalische Ebene (Struktur der Wörter, wie sie kombiniert werden, usw.). Diese Kompetenz ist die Grundlage der Kommunikation, ohne sie könnten wir nicht mal uns selbst verstehen.

2. Sozio-linguistische Kompetenz

Hiermit ist die Sprache und ihr Kontext gemeint. Die Sprache lässt sich nicht vom Kontext lösen. Um diese Kompetenz richtig einsetzen zu können, muss man in der Lage sein, verschiedene Ausdrücke in Abhängigkeit von der jeweiligen Situation richtig zu verstehen. Man kann den Unterschied der Bedeutung erkennen, wenn sich zwei Verliebte sich liebevoll “dumm” nennen oder wenn sich zwei streitende Leute mit dem gleichen Ausdruck kritisieren.

3. Diskursive Kompetenzen

Diese Kompetenz umfasst die Fähigkeit, Nachrichten richtig zu interpretieren und in verschiedenen Situationen unterschiedliche Inhalte vermitteln zu können. Dabei muss der Inhalt kohärent und zusammenhängend sein. Man setzt das in die Praxis um, wenn man (mündlich oder schriftlich) einer Gruppe von Freunden geordnet und einer logischen Struktur folgend von seinem Wochenende erzählt.

4. Strategische Kompetenz

Ermöglicht eine effektive Kommunikation. Dadurch können Fehler behoben werden, ohne den Gesprächsverlauf zu unterbrechen. Hierunter fallen eine Vielzahl von Taktiken, mit denen langes Schweigen oder Fehlinterpretationen vermieden werden können. Auch die nonverbale Sprache gehört hierzu. Ein Beispiel hierfür wäre es, das Gespräch auf ein angenehmeres Thema zu lenken (ohne dass es künstlich und abrupt wirkt), wenn man bemerkt, dass man ein unangenehmes Thema angeschnitten hat.

10 nützliche Tipps, um die Kommunikatiosfähigkeit zu verbessern

1. Analysiere dich

Suche nach Menschen in deiner Umgebung, die das, was sie sagen wollen, außergewöhnlich gut kommunizieren können und beobachte ihren Stil. Du wirst dir bewusster darüber werden, was du gut machst und wo du weiter dazu lernen solltest. Dieser Prozess automatisiert sich mit der Zeit. Dabei ist es nicht notwendig, dass du perfektionistisch bist, wenn du zu streng mit dir bist, macht dich das nur nervös. Es wird nicht lange dauern, bis dich die Ergebnisse selbst überraschen. 

2. Bleib simpel

Oft ist weniger mehr. Verschwende deine Zeit nicht mit hochtrabenden Ausdrücken oder gestelzten Satzkonstruktionen. Sie behindern den kommunikativen Prozess und kommen auch nicht immer gut an. Das bedeutet nicht, dass wir damit aufhören müssen, unseren Wortschatz zu erweitern. Wir müssen einfach nur wissen, wann wir welches Wort verwenden sollten.

3. Sei natürlich

Hattest du schon einmal das Gefühl, dass das Gegenüber in eine Rolle schlüpft, während es mit dir spricht? Manchmal versucht man eine Person zu sein, die man nicht ist. Das bedeutet nicht, dass man lügt. Manchmal versucht man lediglich sich anzupassen.

Stell dir eine Person bei einem ersten Date vor. Vielleicht ist sie unsicher und sucht vor allem die Bestätigung des Gegenüber. Es ist wahrscheinlich, dass sie versucht zu zeigen, dass sie bestimmte Eigenschaften oder Kenntnisse besitzt, die dem Gegenüber gefallen könnten. Selbst wenn wir die besten Absichten in der Welt haben, kann das erzwungen und wenig überzeugend wirken. Es ist wichtig, dass man sich selbst vertraut und sich wohl fühlt, um gut kommunizieren zu können.

4. Sei freundlich

Es mag offensichtlich erscheinen, doch manchmal vergisst man in der Eile, durch den Stress oder aufgrund der schlechten Laune das Lächeln auf den Lippen. Es ist genauso aufwendig beim Sprechen Positivität auszustrahlen, wie mit der Stirn zu runzeln. Nicht alle Umstände erfordern, dass man sich fröhlich gibt, aber man kann versuchen immer so empathisch wie möglich zu sein. Freundlich zu sein wirkt sich sowohl auf das eigene Wohlbefinden aus, als auch darauf, wie sich andere Personen einem gegenüber verhalten.

5. Pass dich deinem Gesprächspartner an

Jeder Mensch hat seine Realität im Laufe der Zeit auf eine andere Weise aufgebaut. Das bedeutet nicht, dass wir nicht alle auf ein und dem selben Planeten leben. Es ist nur möglich, dass wir uns auf der soziokulturellen Ebene unterscheiden, verschiedene Standpunkte vertreten oder eine andere mentale Repräsentation für dasselbe Wort haben. Dies kann zu Missverständnissen führen.

Diese Fehler lassen sich bei vielen Gelegenheiten vermeiden, wenn wir versuchen, die Reaktionen unserer Zuhörer zu beobachten und entsprechend handeln. Wenn du siehst, dass dich dein Gegenüber nicht versteht, suche nach erklärenden Beispielen oder verbinde deine Worte mit seiner Welt. Andererseits solltest du selbst nicht zögern nachzufragen wenn sich Zweifel oder Fragen auftun. Dadurch kannst du sicherstellen, dass die Kommunikation effektiv ist.

6. Probiere Entspannungstechniken aus

Wenn eine wichtige Bewertung ansteht, du ein anspruchsvolles Publikums hast oder einer Person gegenüber stehst, die dich unruhig macht, kann das die Kommunikationsfähigkeit beeinträchtigen. Es ist ganz normal, dass man unter diesen Umständen nervös ist. Dennoch gibt es Möglichkeiten, um in extremen Stresssituationen ruhig zu bleiben. So kann man beispielsweise still bis 10 zählen, bis man sich besser fühlt. Es mag wie ein Witz erscheinen, aber es kann helfen, sich auf etwas anderes zu konzentrieren und dem Problem zu entkommen.

7. Suche nach Inspiration

Es gibt eine Vielzahl von Artikeln und Büchern, die einem helfen können die Kommunikationsfähigkeit zu verbessern. Dabei werden Themen wie Körpersprache, das Storytelling oder das neuro-linguistische Programmieren (NLP) behandelt. Ebenfalls kann man im Internet nach Vorträgen suchen, deren Inhalt einen interessiert und anschließend auf den Vortragsstil des Experten achten.

8. Nutze die Macht der Bilder

Wenn man eine Präsentation gestalten muss, oder der Anlass es erlaubt, unterstütze das Gesagte visuell. Verwende Fotos, Illustrationen oder Infografiken, welche die Ideen bereichern. Dabei kann man sich auf die Farbpsychologie verlassen, um eine emotionale Bindung zum Publikum herzustellen. Es wird die Worte stärken und die Zuhörer werden sich im Anschluss besser daran erinnern können.

9. Hab Spaß bei der Kommunikation

Kommunikation ist nicht nur ein Mittel zum Zweck, sondern kann auch als solche genossen werden. Bei fast allen Situationen, die wir genießen, ist die Kommunikation ein Teil davon. Nicht jedem bereitet es Freude Geschichten zu schreiben oder ein sensibles Thema Hunderten von Menschen vorzutragen. Aber unsere kommunikativen Fähigkeiten sind auch in anderen Momenten gefragt, beispielsweise wenn wir einen Witz erzählen oder jemanden umarmen. Sie zu verbessern, wird diese Erfahrungen noch angenehmer machen.

Der Kommunikationsprozess macht übrigens dann mehr Spaß, wenn man nicht mehrere Dinge gleichzeitig tut. Dies kann nicht nur für die andere Person irritierend sein. Die Aufmerksamkeit nimmt ab und das Gespräch wird nicht richtig wertgeschätzt.

10. Hör zu

Übe das aktive Zuhören, sei einfühlsam und vermittle dem Gesprächspartner, dass du ihn verstehst. Gut zuhören zu können ist genauso wichtig wie grammatikalisch einwandfrei zu sprechen oder einen großen Wortschatz zu besitzen. Dadurch hört man nie auf zu lernen und bereichert seine zwischenmenschlichen Beziehungen.

Dieser TED-Talk von Celeste Headlee kann ebenfalls dazu beitragen, die Kommunikationsfähigkeit zu verbessern. 

Vielen Dank für das Lesen des Artikels. Bei Fragen und Anregungen kann gerne ein Kommentar hinterlassen werden.

Übersetzt aus dem Spanischen. Original: Ainhoa Arranz Aldana, Autorin bei CogniFit.

Sprech- und Sprachstörungen: Welche gibt es, wie diagnostiziert und behandelt man sie?

Was sind Sprachstörungen? Sprachstörungen, Sprechstörungen oder Sprachbehinderungen beziehen sich auf Probleme der Kommunikation oder andere Bereiche, wie beispielsweise die oralen motorischen Funktionen, die ebenfalls mit der Sprache zusammenhängen. Sprech- und Sprachstörungen können sehr unterschiedliche Symptome aufweisen und reichen von Verständnisproblemen bis hin zu Logorrhoe. Außerdem können sie von Geburt an, oder erst im Erwachsenenalter in Erscheinung treten.

Ursachen von Sprech- oder Sprachstörungen

Es gibt diverse Ursachen für Sprech- oder Sprachstörungen. Wir können die Ursachen je nach Auslöser der Störung unterscheiden. Bei organischen Ursachen, welche sich auf jegliches für die Funktionsweise der Sprache wichtige Organ beziehen können, lassen sich folgende Ursachen unterscheiden:

  • Erbliche Ursachen: Wenn die Sprech- oder Sprachstörungen von den Eltern geerbt werden.
  • Angeborene Ursachen: Wenn die Sprech- oder Sprachstörungen durch den Gebrauch von Pharmazeutika oder Komplikationen während der Schwangerschaft auftreten.
  • Perinatale Ursachen: Die Sprech- oder Sprachstörungen entstehen durch Komplikationen während der Geburt
  • Postnatale Ursachen: Die Sprech- oder Sprachstörungen entstehen nach der Schwangerschaft, ein Beispiel sind die Sprech- oder Sprachstörungen, die durch eine Frühgeburt verursacht werden.

Zusätzlich zu den organischen Ursachen gibt es die funktionellen Ursachen, welche auf eine pathologische Funktionsweise der Organe zurückzuführen sind, die in die Sprache verwickelt sind. Ebenfalls gibt es hormonelle Ursachen, die vor allem die psychomotorische Entwicklung des Kindes beeinflussen. Ökologische Ursachen sind auch ein Faktor, der Einfluss auf die Sprache nehmen kann, das Umfeld kann hierbei die sprachlichen Fähigkeiten eines Individuums beeinflussen. Abschließend spielen die psychosomatischen Ursachen ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Sprachstörungen, da unser Denken einen großen Einfluss auf uns hat und es so zu einem anormalen Sprachgebrauch kommen kann. In gleicher Weise können Sprachschwierigkeiten auch unsere Gedanken beeinflussen. Beides kann die Fähigkeit des korrekten mündlichen Ausdrucks und Verständnisses erschweren.

Symptome von Sprech- oder Sprachstörungen

Verschiedene Symptome können eine mögliche Sprach- oder Sprechstörung, abhängig von der Störung und der betroffenen Sprachzone, vorhersagen. In der folgenden Klassifikation lassen sich verschiedene Symptome der allgemeinen Sprach- und Sprechstörungen unterscheiden:

  • Symptome einer Störung in der Ausdrucksentwicklung: Diese Störungen lassen sich beispielsweise durch einen extrem begrenzten Wortschatz erkennen, durch Schwierigkeiten beim Wörtermerken oder bei der Generierung von langen Sätzen (Sprachstörung).
  • Symptome einer Mischstörung der expressiv-rezeptiven Sprache: Hierbei zeigen sich die gleichen Symptome wie im vorherigen Abschnitt des Ausdrucks. Zusätzlich treten Probleme bei dem Sprachempfang auf, wie zum Beispiel das Verständnis von Wörtern oder Sätzen (Sprachstörung).
  • Symptome einer phonologischen Störung: Die Betroffenen zeichnen sich durch die Unfähigkeit aus, gewisse Sprachlaute verwenden zu können. Ebenfalls machen sie Fehler bei der Erzeugung, Darstellung und/oder Verwendung von Lauten (Sprechstörung).

Die Redeflussstörungen zeichnen sich durch Unterbrechungen, Pausen, Wiederholungen oder Einschübe aus. Zu diesen Störungen gehört das Stottern, eine der bekanntesten Sprechstörungen, bei der es zu einer Störung des Redeflusses und der Organisation der Worte kommt.

Obwohl Sprache an sich ein komplexer Prozess ist und diesbezügliche Störungen divers sind, lassen sich bestimmte Merkmale identifizieren, die eine mögliche Sprachentwicklungsstörungs anzeigen. Bei den Sprachstörungen bei Kindern, lassen sich die folgenden Anzeichen unterscheiden:

  • Die expressive Sprache betreffend: Ein Problem ist dann wahrscheinlich, wenn das Kind einen beschränkten aktiven Wortschatz hat als andere gleichaltrige Kinder, es dem Kind schwer fällt neue Wörter zu lernen, es verbale Zeiten verwechselt, es allgemeine statt spezifische Wörter nutzt, es selten spricht, es -obwohl es Wörter richtig aussprechen kann- sinnlose Sätze sagt, eine begrenzte Satzstruktur verwendet oder häufig bestimmte Phrasen verwendet.
  • Die rezeptive Sprache betreffendZeichen hierfür sind, dass das Kind desinteressiert wirkt wenn Menschen sprechen, es dem Kind schwer fällt bestimmte Anweisungen zu befolgen oder zu verstehen was gesagt/gesagt wird.

Für detaillierte Information über die kindliche Sprachentwicklung ist das untenstehende Video hilfreich:

Sprechstörungen: Klassifizierung und Typen

Die allgemeinen Typen der Sprechstörungen lassen sich folgendermaßen klassifizieren und unterscheiden:

1- Dysartrhien: 

Bei Dysarthrien handelt es sich um eine Reihe von Sprechstörungen, die aufgrund erworbener Hirnschäden bzw. Schädigungen der Hirnnerven und peripheren Gesichtsnerven entstehen. Diese Läsionen können sowohl die Ausführung als auch die Sprechbewegung einschränken.

2- Dyslalien:

Dyslalien umfassen Sprechstörungen der Aussprache beziehungsweise der Artikulation.  Hierbei kommt es zum Auslassen oder dem falschen Einsatz bestimmter Phoneme.

Es gibt hierbei verschiedene Ursachen von Dyslalien:

  • Physiologische Dyslalien: Die Ursache der Fehlartikulation ist, dass die Sprechorgane des Kindes noch nicht komplett ausgebildet sind, um bestimmte Worte zu artikulieren. Bis zu einem bestimmten Alter ist dies ganz normal und ist kein Anlass zur Sorge, insofern sich diese Probleme nicht über einen langen Zeitraum erstrecken.
  • Audiogene Dyslalien: Wie durch den Namen angedeutet, liegt die Ursache der Sprechstörung in einem Defekt im Hörvermögen des Kindes. Dadurch kann das Kind die Wörter nur eingeschränkt erkennen und imitieren, was dazu führt, dass das Kind sich nicht normal ausdrücken kann. Es ist naheliegend, dass wir schlecht sprechen, wenn wir schlecht hören.
  • Funktionelle Dyslalien: Diese Art der Dyslalie kann durch eine physiologische Dyslalie hervorgerufen werden. Hierbei bleibt die Sprechstörung bestehen, obwohl die Sprechorgane des Kindes bereits voll ausgebildet sind. Hierbei handelt es sich um einen Defekt in der Artikulierung der Botschaft.
  • Organische Dyslalien: Diese Art der Dyslalie wird auch Dysglossie genannt und ist auf Defekte der Sprechorgane zurückzuführen.

3- Dysglossien:

Die Dysglossie kann durch verschiedene organische Veränderungen ausgelöst werden. Hierbei kann es folgende Ursachen geben:

  • Labiale Dysglossien: Sie werden durch eine Veränderung der Form der Lippen verursacht. Zwei der bekanntesten Varianten sind die Hasenscharte oder das Lippenbändchen (Frenulum).
  • Mandibulare Dysglossien: Sie werden durch eine Veränderung der Form des Ober- oder/und Unterkiefers hervorgerufen. 
  • Dentale Dysglossien: Diese Art von Sprechstörung wird durch eine Veränderung der Form oder der Position der Zähne verursacht.
  • Linguale Dysglossien: werden durch Veränderungen der Zunge verursacht. Die Zunge ist ein Organ, das eine perfekte Synchronisierung zum Sprechen benötigt. Einige Störungen, die diese Art von Dysglossie auslösen können, sind die Ankyloglosson (angewachsenes Zungenbändchen), die Makroglossie (unverhältnismäßige Größe der Zunge) oder die einseitige oder beidseitige Lähmung der Zunge.
  • Nasale Dysglossien: werden durch Störungen verursacht, die verhindern, dass die Luft normal in die Lungen geleitet werden kann.
  • Palatale Dysglossien: werden durch Veränderungen des Gaumens verursacht.

4- Stottern

Das Stottern ist eine Sprechstörung des Redeflusses, die sich durch Spasmen und Wiederholungen aufgrund einer fehlerhaften Koordination der Ideomotrizität des Gehirns auszeichnet.

Weitere Störungen der Sprache: Klassifizierung und Typen

1- Aphasien

Diese Art der Sprachstörung tritt nach unterschiedlichen Erkrankungen auf, deren Ursache Verletzungen bestimmter Gehirnregionen ist, die mit der Sprache verbunden sind.

  • Broca-Aphasie: Die Borca-Aphasie wird durch eine Verletzung im Gyrus frontalis inferior, dem Broca-Areal und benachbarten Regionen verursacht. Betroffene leiden unter extremen Schwierigkeiten sich zu artikulieren und haben starke Wortfindungsstörungen. Sie sprechen meist in sehr kurzen Sätzen, hingegen bleibt das Verständnis größtenteils unversehrt oder wenig beschädigt.

  • Wernicke-Aphasie: Die Wernicke-Aphasie ist eine Sprachstörung, die durch Verletzungen im linken Temporallappen samt auditivem Cortex entsteht. Diese Störung ist auch als rezeptive Aphasie bekannt und zeichnet sich durch ein relativ flüssiges Sprechen aus, allerdings beinahe ohne informativen Wert. Es kommt zum semantischen Paraphasien (Wörterverwechslungen) und phonematischen Paraphasien (Lautverdrehungen) und Neologismen (Wortneuschöpfungen). Diese Symptome gehen mit Verständnisproblemen einher.

  • Leitungsaphasie: Diese Sprachstörung wird durch eine Verletzung im Fasciculus arcuatus und/oder anderen Verbindungen der Temporal- und Frontallappen verursacht. Diese Störung zeichnet sich durch einen relativ flüssigen spontanen Sprachgebrauch, ein gutes Verständnis aber mit Problemen des Nachsprechens aus. Die Leitungsaphasie beinhaltet manchmal Leseprobleme (verbessert sich beim lauten Vorlesen) und Schreibschwierigkeiten oder unter anderem Bezeichnungsfehler.

  • Transkortikale sensorische Aphasie: Diese Art von Störung wird durch eine Verletzung der Verbindungen zwischen den Parietal- und Temporallappen verursacht und sorgt für Verständnisschwierigkeiten einzelner Wörter, obwohl die Fähigkeit des Nachsprechens relativ intakt bleibt.
  • Anomische Aphasie: Sie wird durch Verletzungen in mehreren Teilen der Temporal- und Parietallappen verursacht und sorgt für Wortfindungsstörungen, wie beispielsweise Schwierigkeiten beim Benennen von Gegenständen. Die Sprache ist jedoch flüssig.
  • Globale Aphasie: Diese Aphasie ist die schwerste Form, es kommt zu Störungen bei allen Sprachfunktionen, sowohl der lautsprachlichen Äußerungen als auch des Sprachverständnisses. Die globale Aphasie wird meistens durch einen Totalinfarkt im Gebiet der Arteria cerebri media verursacht.

2- Legasthenie

Die Legasthenie, ist eine massive Störung des Schriftspracherwerbs. Da sie sehr bekannt ist, wird ihr nur ein kleiner Abschnitt in diesem Artikel gewidmet. Die auch als Lese-Rechtschreib-Schwäche oder LRS bezeichnete Störung  ist eine “Lernstörung des Lesens und Schreibens”, deren Ursprung in einem Problem der Nervenentwicklung des Individuums zu liegen scheint. Aktuell existieren professionelle Werkzeuge zur neuropsychologischen Bewertung der Legasthenie, zur Behandlung der Legasthenie im Klassenraum und Spiele zur kognitiven Stimulation für Kinder mit Legasthenie.

3- ADHS oder Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit Hyperaktivität

ADHS ist eine Störung, die Veränderungen der Sprache impliziert und bei den Betroffenen Probleme in zwei Bereichen hervorruft: beim Lernen und bei der Kommunikation. Laut einer Studie weisen Kinder mit ADHS Schwierigkeiten bei der phonologischen Organisation und der Syntax auf. Außerdem zeigen sie Probleme bei der semantischen Organisation und haben ein schlechteres auditives Gedächtnis. Heutzutage gibt es professionelle Werkzeuge für die neuropsychologische Bewertung von ADHS, Neurowissenschaftliche Werkzeuge zur Behandlung von Lernschwierigkeiten im Klassenraum und Übungen zur kognitiven Stimulation für Kinder mit ADHS.

4- Dyskalkulie

Ebenfalls soll die Dyskalkulie genannt werden, bei der es sich per se nicht um eine Störung der Sprache handelt, die aber das Verständnis einer “anderen Sprache” – der Mathematik – beeinflusst. Diese Störung beeinflusst die Fähigkeit mit Zahlen zu arbeiten und mathematische Konzepte zu verstehen. Diejenigen, die unter ihr leiden, verstehen die Logik mathematischer Prozesse nicht.

Heutzutage gibt es professionelle Werkzeuge für die neuropsychologische Bewertung der Dyskalkulie und Übungen zur kognitiven Stimulation für Kinder mit Dyskalkulie.

Wie Sprech- und Sprachstörungen diagnostiziert werden

Zur Diagnose von Sprachstörungen werden unter Beachtung bestimmter Richtlinien Tests durchgeführt. Bei der Betrachtung von Sprech- und Sprachstörungen bei Kindern müssen eine Reihe von Strategien verfolgt werden, um die Probleme zu identifizieren, die sich zu einer Störung entwickeln könnten.

Für eine professionelle Diagnose von einer Sprech- und Sprachstörung bei Kindern müssen zunächst die Eltern und die Schule beziehungsweise Lehrer befragt werden. Dadurch lassen sich wichtige Informationen zum Verhalten des Kindes und der Tragweite seiner Probleme erkennen. Außerdem muss das Kind selbst befragt werden, wobei hier Aufnahmen und ein Hörtest durchgeführt werden sollte. Um die Diagnose zu vervollständigen sollten sowohl die Eltern als auch die Lehrer spezielle Fragebögen ausfüllen und das Kind spezifische neuropsychologische Test durchgeführen.

Sprech- und Sprachstörungen: Wie man zuhause helfen kann

Wie im Laufe des Artikels deutlich gemacht wurde, gibt es keine allgemeine Symptome, da jede Sprech- beziehungsweise Sprachstörung bei Kindern unterschiedlich verläuft. Ebenfalls äußern sich diese mit verschieden Schweregraden, was jedes Individuum vor spezifische Probleme stellt. Im Folgenden werden einige allgemeine Ratschläge genannt, die befolgt werden können, wenn ein Kind an einer Sprech- oder Sprachstörung leidet.

Wichtig ist, da das Kind an einem Kommunikationsproblem leidet, dafür zu sorgen so viel wie möglich mit ihm zu kommunizieren. Dabei kann Musik gehört oder gesungen werden und dem Kind sollte Zeit gegeben werden seine Sätze beim sprechen selbst zu beenden.

Ebenfalls hilft es, mit dem Kind zu Lesen, dabei ist eine interaktive Gestaltung von Vorteil. Es kann über Inhalte gesprochen, Bilder beschrieben werden oder das Kind gebeten werden sich selbst ein alternatives Ende auszudenken. Diese Übungen helfen der sprachlichen Entwicklung des Kindes.

Wichtig ist ebenfalls, das Problem des Kindes gut zu verstehen. Hierbei ist es ratsam einen Experten aufzusuchen, der bei der Behandlung der spezifischen Störung helfen kann.

Je genauer die Störung des Kindes bekannt ist, desto spezifischere Interventionen können durchgeführt werden. Probleme wie Legasthenie, Dyskalkulie, ADHS oder eine andere spezifische Sprech- oder Sprachstörung besitzen spezielle Behandlungsansätze, die in den beigefügten Links zu finden sind.

Sprachstörungen: Wie kann man in der Schule helfen

Damit sich alle Schüler adäquat entwickeln können, ist es notwendig, Programme zur Erkennung von Sprachschwierigkeiten einzusetzen und zu fördern. Dies ermöglicht bei Bedarf ein frühzeitiges Eingreifen. Es gibt Bildungsplattformen für Schulen und Lehrer, die hierbei sehr nützlich sein können.

Die Rolle des Lehrpersonals spielt eine zentrale Rolle in der Entwicklung des Kindes. Die Lehrperson hat hierbei eine Vermittlerfunktion im Lernprozess und kann zur Verbesserung des Individuums im Schulleben beitragen.

Sprachstörung: Ein gutes Bildungsprogramm sorgt für ein umfassendes Lernen

Vorschläge des “Leitfaden zur pädagogischen Betreuung von Schülern mit Störungen in der mündlichen und schriftlichen Sprache” sind:

• Das Bildungszentrum sollte für Voraussetzungen sorgen, welche die sprachliche Stimulation und soziale Interaktion fördern.
• Die erzieherische Hilfestellung sollte vom selben Erziehungsteam kommen, das für das Kind zuständig ist.
• Beratungsteams und Beratungsabteilungen sollten diese Funktion unterstützen, aber niemals ersetzen.
• Es sollten mündliche Sprachprogramme sowohl zur Vorbeugung als auch zur Stimulation entwickelt werden.
• Die Organisation des Bildungszentrums sollte garantieren, dass eine Koordinierung zwischen dem unterstützenden Personal, dem Personal für Hör- und Sprachverstehen und dem Rest des erzieherischen Teams möglich ist, damit alle aufeinander abgestimmt und mit derselben Vorgehensweise arbeiten.

Quelle: Mario de Vicente, Psychologe bei CogniFit.