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Lerntheorien: Wie lernen wir eigentlich?

Ab dem ersten Tag unseres Lebens beginnen wir zu lernen. Gerade in den ersten Jahren machen wir fast täglich Fortschritte und erweitern unser Können. Doch wie funktioniert das Lernen eigentlich? Es gibt eine Vielzahl an Lerntheorien, welche die Lernvorgänge beschreiben und erklären. Im Folgenden Artikel findet sich eine Übersicht und Zusammenfassung bekannter Lerntheorien.

Lerntheorien: Wie lernen wir?

Definition Lernen

Der Begriff Lernen hat indogermanische Wurzeln, deren Bedeutung “Furche, Spur oder Bahn” ist. Bereits die Wortherkunft deutet also darauf hin, dass Lernen etwas damit zutun hat “Spuren zu hinterlassen”.

Lernen beschreibt den bewussten oder unbewussten Vorgang der Aneignung oder Änderung von kognitiven Strukturen oder Verhaltensweisen. Das Lernen ist also ein Prozess der Verhalten, Denken und Fühlen formt und den Erwerb von Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten beschreibt.

Welche Lerntheorien gibt es?

Es gibt eine Vielzahl an Modellen und Hypothesen, die versuchen den Prozess des Lernens zu beschreiben. Bei den meisten dieser lerntheoretischen Ansätze wird eine einzelne, besondere Form des Lernens beschrieben und erklärt. Im Folgenden geben wir eine Übersicht über die klassischen Lerntheorien.

Klassische Lerntheorien:

Die klassischen Lerntheorien lassen sich in zwei Hauptzweige unterteilen:

  • Bei den behavioristischen Lerntheorien steht das beobachtbare Verhalten im Vordergrund des Lernprozesses, wobei die mentalen Prozesse im Gehirn nicht von Interesse sind.
  • Dem gegenüber stehen die kognitivistischen Lerntheorien, bei welchen die Kognitionen und Emotionen mit in das Modell des Lernprozesses eingebunden werden.

Im nächsten Abschnitt werden die bekanntesten Lerntheorien des Behaviorismus und Kognitivismus beispielhaft erklärt.

Behavioristische Lerntheorien

Bei diesen lerntheoretischen Ansätzen steht der Mensch, als Ergebnis seiner Umwelt, im Fokus. Es wird zunächst das beobachtet, was das lernende Wesen aufnimmt (einen Reiz) und anschließend die Antwort auf den Reiz in Form von Verhalten. Was dazwischen passiert, also wie der Reiz im Gehirn bearbeitet wird, ist nicht von Bedeutung.

Klassische Konditionierung

Die klassische Konditionierung, die von dem russischen Physiologen Iwan Pawlow begründet wurde, wird auch als Reiz(Stimuli)-Reaktion(Response)-Lernen bezeichnet. Diese Lerntheorie besagt, dass zwei Reize aneinander gekoppelt werden können.

Das Experiment von Iwan Pawlow

Pawlow führte sein Experiment mit Hunden durch. Dabei ließ Pawlow Hunden Essen bringen (US: unconditiones stimulus – Unbedingter Reiz: löst ohne Konditionierung eine Reaktion aus), wodurch diese beim Anblick und Geruch des Essens Speichel produzierten. (UR: unconditioned response – Angeborene Reaktion: wird durch den US ausgelöst). Dieser Reiz ist von Natur aus mit dieser Reaktion verbunden.

Nun wurde das Erklingen eines Glöckchen vor der Essensausgabe hinzugefügt (NS: neutral Stimulus, Neutraler Reiz: zieht keine spezifische Reaktion mit sich). Das Erklingen des Glöckchens löste zu Beginn des Experiments keine Reaktion bei den Hunden aus, sie nahmen das Erklingen der Glocke jedoch wahr. Pawlow wiederholte nun den Ablauf einige Male, zuerst ließ er die Glocke erklingen, dann folgte die Essensausgabe. Nach einiger Zeit begannen die Hunde bereits beim Erklingen der Glocke Speichel zu produzieren. Sie hatten also gelernt, dass auf die Glocke das Essen folgte. Aus dem neutralen Reiz wurde demnach ein bedingter Reiz (CS: conditioned Stimulus: ehemals neutraler Reiz löst durch mehrmalige Koppelung an den US eine Reaktion aus) auf den eine bedingte Reaktion folgte (CR: conditioned response: erlernte Reaktion).

Klein Albert: Das Experiment von J.B Watson

Kurze Zeit nach dem Experiment von Pawlow wurde die klassische Konditionierung erstmals am Menschen untersucht. Das Experiment wurde mit einem 9 Monate alten Jungen namens Albert durchgeführt. Albert wurden mehrere Tiere präsentiert (eine weiße Ratte, ein Kaninchen, ein Affe…) und seine Reaktion beobachtet. Albert zeigte keine Angst und keine besondere Reaktion auf diese Reize (NS). Daraufhin wurde Albert die weiße Ratte in Verbindung mit einem lauten Knall (US) präsentiert, woraufhin Albert sich erschrak und anfing zu weinen (UR). Jedes Mal wenn Albert nach der Ratte griff wurde der laute Knall ausgelöst. Nach dieser Konditionierungsphase wurde Albert die Ratte wieder, diesmal ohne Knallen, präsentiert. Albert begann beim bloßen Anblick der Ratte zu weinen und versuchte sich von ihr zu entfernen. Der vorher neutrale Reiz wurde also zu einem konditionierten Angstreiz (NS-> CS) und löste Furcht (CR) bei Albert aus. Im Anschluss fürchtete sich Albert nicht nur vor der Ratte, sondern vor ähnlichen weißen pelzigen Gegenständen. Die Forscher glaubten, dass sie eine generalisierte Angstreaktion bei dem kleinen Albert konditioniert hatten.

Beispiel Klassischer Konditionierung im Alltag: Beim Anblick einer Zitrone, zieht sich einem der Mund zusammen. Obwohl man nur an etwas Saures denkt oder es sieht, entsteht das Gefühl, etwas Saures zu sich zu nehmen

 

Was kann die klassische Konditionierung nicht erklären? Es kann mithilfe der klassischen Konditionierung nicht die Entstehung von neuen Verhaltensweisen erklärt werden. Ebenso wenig lassen sich Verhaltensänderungen erklären, die unabhängig von vorangehenden Bedingungen des Reizes sind.

Operante Konditionierung

wird auch als Lernen durch Belohnung oder Bestrafung bezeichnet. Bei dieser Lerntheorie werden Reiz-Reaktions-Muster aus zunächst spontanem Verhalten gebildet. Die Häufigkeit des Verhaltens wird durch eine anschließende positive oder negative Konsequenz nachhaltig verändert. Die operante Konditionierung stellt im Vergleich zur klassischen Konditionierung einen selektiven Lernprozess dar. Hierbei können das Verhalten oder Handlungen auf Dauer geändert werden.

Das Experiment von Skinner

Frederik Skinner sperrte jeweils zwei Ratten in seine sogenannte “Skinner-Box”. In dieser Box befand sich ein Hebel und ein Fressnapf. Für beide Ratten hatte der Hebel eine unterschiedliche Funktion. Für die erste Ratte wurde durch das Betätigen des Hebels Futter in den Fressnapf gelassen und die zweite Ratte erhielt durch betätigen des Hebels einen Stromschlag. Die erste Ratte betätigte regelmäßig den Hebel, während die zweite Ratte den Hebel nach anfänglichem Ausprobieren nicht wieder antastete.

Die Ratten hatten also gelernt, dass nach dem Betätigen des Hebels eine Reaktion folgte und wussten dadurch, welche Funktion der Hebel hat. Bei einer positiven Reaktion (Futter) wurde das zunächst spontane Verhalten des Betätigen des Hebels verstärkt, wobei es bei einer negativen Reaktion (Stromschlag) verringert, beziehungsweise unterbunden wurde. Skinner bezeichnet diesen Lerneffekt auch als “Lernen am Erfolg” oder als “Lernen durch Verstärkung”. Der bei der zweiten Ratte ausgelöste Effekt wird auch als bedingte Hemmung bezeichnet.

Kognitivistische Lerntheorien

Zentraler Punkt des Kognitivismus ist die individuelle Informationsverarbeitung der lernenden Person. Dazu gehören sowohl die Verarbeitungs- und Denkprozesse. Die kognitivistischen Lerntheorien nehmen an, dass das Lernen von Prozessen beeinflusst wird, die zwischen dem Reiz und der Reaktion stattfinden. Im Gegensatz zum Behaviorismus sind die mentalen Prozesse und innerpsychischen Vorgänge also von zentraler Bedeutung. Dem Lernenden kommt außerdem eine aktivere Rolle zu. Der Prozess der Imitation hängt stark mit den Spiegelneuronen zusammen.

Die Sozial-kognitive Lerntheorie (Modelllernen)

Die auch Lernen am Modell genannte Lerntheorie von Albert Bandura beschreibt Lernvorgänge, die auf der Verhaltensbeobachtung von Vorbildern (Modellen) beruhen. Bandura spezifiziert in seiner Theorie des Modell-Lernens zwei verschiedene Phasen und vier Prozesse:

1. Aneignungsphase (Kompetenz, Akquisition): 

  • Aufmerksamkeitsprozesse: Die lernende Person richtet ihre Aufmerksamkeit auf die für sie wichtigen Bestandteile des Verhaltens des Modells. Die Aufmerksamkeitsprozesse sind einerseits abhängig von Eigenschaften des Modells (ist es sympathisch? ist die Handlung deutlich? ist die Handlung erfolgreich?) und zudem von Eigenschaften des Beobachters (seinen Fertigkeiten, seinen Erwartungen und seinem Erregungsniveau)
  • Gedächtnisprozesse, Behalten: Die Information wird dabei vom Beobachter sowohl sensorisch als auch symbolisch kodiert. Um diese Information zu behalten wird sie entweder kognitiv oder aktional wiederholt. Die symbolische als auch die motorische Nachahmung des Gelernten ist förderlich für das Erinnern.

2. Ausführungsphase (Performanz)

  • motorische Reproduktionsprozesse: Die lernende Person erinnert sich an das beobachtete Verhalten und ahmt dabei ihr vorteilhaft erscheinende Verhaltensweisen nach. Wie gut die Nachahmung gelingt hängt von ihren Fähigkeiten ab. Die Einübung des Modellverhaltens erfolgt dabei auch durch Selbstbeobachtung und es erfolgen Korrekturen, die auch von Feedback aus der Umgebung abhängen.
  • Verstärkungs- und Motivationsprozesse: Ob ein Verhalten überhaupt beachtet und imitiert wird, hängt von der Motivation ab. Diese spielt sowohl in der Aneignungs- als auch Ausführungsphase eine Rolle. Nur wenn eine Person davon ausgeht, dass ihr ein Verhalten einen Vorteil bringt, wird sie das entsprechende Verhalten nachahmen. Die Motivation hängt also eng mit der Verstärkung des Verhaltens zusammen. Es lassen sich nach Bandura vier verschiedene Arten der Verstärkung unterscheiden:
    • Externe Verstärkung: Das Verhalten wird belohnt oder dadurch wird einer Bestrafung entgangen.
    • Stellvertretende Verstärkung: Das Modell wurde für sein Verhalten belohnt (Hatte Erfolg). Die beobachtende Person nimmt dies wahr.
    • Direkte Selbstverstärkung: Die beobachtende Person belohnt sich selbst.
    • Stellvertretende Selbstverstärkung: Das Modell belohnt sich selbst für sein Verhalten. Die beobachtende Person nimmt dies wahr.

Im Folgenden Video ist das bekannte Rocky-Experiment von Bandura mit einer Puppe, exemplarisch für das Erlernen von aggressivem Verhalten am Modell, zu sehen.

Lerntheorie: die kognitive Entwicklung nach Piaget

Die Grundlage Piagets Theorie der kognitiven Entwicklung ist die Annahme zweier angeborener Tendenzen. Piaget geht davon aus, dass der Mensch sich an seine Umgebung anpasst (Adaptation). Um diese Anpassung zu erreichen kann entweder die Umwelt an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden (Assimilation) oder das eigene Verhalten an die Umwelt (Akkomodation). Die zweite Tendenz ist die zur Organisation, also die Einordnung des eigenen Verhaltens in kohärente Systeme. Der Mensch kann also zwei Verhaltensweisen integrieren. Ein Baby kann zunächst ein Objekt angucken oder nach ihm greifen, später kann es diese beiden Prozesse in einen integrieren und beides gleichzeitig ausführen. Menschen streben laut Piaget durch Adaptation und Assimilation ein Gleichgewicht an. Durch die grundlegenden Tendenzen schreitet nach Piagets Theorie die kindliche Entwicklung in Stufen voran. Die Theorie von Piaget kann hier im Detail nachgelesen werden.

Weitere Lerntheorien:

Neben den Lerntheorien des Behaviorismus und des Kognitivismus gibt es weitere lerntheoretische Ansätze, die sich vor allem im pädagogischen Rahmen wiederfinden. Von diesen sind vor allem die beiden folgenden Lerntheorien hervorzuheben:

Instruktionistische Lerntheorie:

Beim Instruktionalismus wird die lernende Person dazu aufgefordert etwas zu tun. Der Person wird Wissen vermittelt, was passiv aufgenommen wird. Das Wissen wird entsprechend durch Üben vertieft. Dabei wird häufig auf Methoden wie “Vormachen, Erklären, Nachmachen, Üben” zurückgegriffen. Die instruktionistische Lerntheorie folgt den Modellen des Behaviorismus. Auf einen bestimmten Reiz folgt eine bestimmte Reaktion. Die Vorteile an dieser Art des Lernens ist die Einfachheit des Prozesses. Es muss kaum Eigenverantwortung getragen werden, der Lernprozess ist vorgegeben und gut kontrollierbar, wovon gerade im akademischen Bereich sehr profitiert wird. Nachteilig an diesem Lernmodell ist, dass individuelle Erfahrungen, Stärken und Vorwissen kaum berücksichtigt werden. Das erlernte Wissen ist also sehr wenig individuell, wodurch es schlechter erinnert werden kann.

Konstruktivistische Lerntheorie:

Beim Konstruktivismus wird das menschliche Lernen als etwas gesehen, das bestimmten Konstruktionsprozessen unterworfen ist. Dabei beeinflussen soziale, neuronale, kognitive und Wahrnehmungs- Prozesse die Konstruktionsprozesse. Die lernende Person erschafft sich von der Welt eine individuelle Repräsentation. Der Lernprozess hängt also, im Gegensatz zum Lernmodell des Instruktionalismus, stark von der lernenden Person und ihren bisherigen Erfahrungen ab. Im Sinne des Konstruktivismus ist Lernen dann am effektivsten, wenn die Lernenden den Lernprozess selbst steuern können.

Konstruktivistische Lerntheorien: Die Lehrkraft berät den Lernprozess

Lerntheorien in der Pädagogik: Anwendung im Unterricht

Das Schulsystem wurde lange Zeit von instruktionistischen Verfahren dominiert. Doch seit Ende des 20. Jahrhunderts finden in Deutschland pädagogische Umstrukturierungen statt, bei welchen konstruktivistische Verfahren in allen Schulfächern und in jedem Schultyp implementiert werden. Der Konstruktivismus plädiert vor allem für Unterrichtsformen in denen die Lehrkraft nicht als bloße Wissensvermittlung dient, sondern vielmehr den Lernprozess berät. Dabei verändert sich die Aufgabe der Lehrkraft dahingehend, dass sich diese, im Vergleich zum Frontalunterricht, eher im Hintergrund hält. Die Lehrkraft soll Lehrangebote und Wissensquellen schaffen, beziehungsweise bereitstellen und den Lernprozess beobachten und unterstützen. Die Schüler lernen durch diese offenen Unterrichtssituationen das selbst konstruierte Wissen zu festigen und vor allem auch zu abstrahieren.

Lernen durch Lehren

Eine sehr bekannte konstruktivistisch Methode, die sich in Deutschland an großer Beliebtheit erfreut und daher redlich Anwendung findet, ist das Lernen durch Lehren. Bei dieser handlungsorientierten Unterrichtsmethode lernen die Schüler indem sie sich den Stoff gegenseitig vermitteln. Hierbei wird der Unterricht so strukturiert, dass sich das Wissen kollektiv konstruiert. Neben dem reinen Wissenserwerb werden durch diese Lernform auch die Empathie und das Miteinander gestärkt.

Umgang mit individuellen Stärken und Schwächen oder Lernschwierigkeiten im Unterricht

Obwohl konstruktivistische Lernverfahren das Lernen im Allgemeinen erleichtern, gibt es verschiedene Lernbehinderungen, durch welche die akademische Leistung einzelner Schüler beeinträchtigt werden kann. Dabei können beispielsweise gerade bei Kindern mit Legasthenie oder Dyskalkulie große Schwierigkeiten auftreten, wenn diese nicht individuell gefördert werden. CogniFit bietet spezielle kognitive Bewertungs- und Stimulationsprogramme an, von denen diese Kinder profitieren können. CogniFit bietet außerdem die Möglichkeit für Schulen und Lehrkräfte die kognitiven Fähigkeiten ihrer Schulklassen zu bewerten und speziell zu trainieren. Als Lehrkraft die Stärken und Schwächen der eigenen Schüler einschätzen zu können, kann helfen auf Grundlage des Konstruktivismus individuelle Lernerfahrungen für die Schüler zu schaffen.

Kognitives Lernen: Ein pädagogischer Leitfaden

Kognitives Lernen ist grundlegend für unser Leben. Wir lernen durch Erfahrungen, Emotionen, durch unsere Beziehung zu Menschen und durch vieles mehr… Die Erziehung die wir erfahren und die Lernprozesse die wir durchlaufen, definieren wer wir sind. In dem folgenden Artikel werden die Entdeckungen über das Gehirn auf die Erziehung und Pädagogik angewendet. 

Neurodidaktik: Verstehen wie das Gehirn funktioniert, um besser lernen und lehren zu können. In diesem Artikel finden sich die verschiedenen Formen des kognitiven Lernens. 

Kognitives Lernen

In der Schule wird einem oft beigebracht Daten immer wieder zu wiederholen, bis man geschafft hat, sich die Informationen zu merken. Aber wie lernt unser Gehirn eigentlich? Informationen auswendig zu lernen hilft uns weder dabei uns in der Welt zurecht zu finden, noch unser Potential und unsere Persönlichkeit zu entfalten oder dabei bestimmte Herausforderungen anzugehen.

Unsere Erziehung und das was wir lernen, definiert wer wir sind. Aber trotz der Fortschritte und Entdeckungen die im Bereich “kognitives Lernen” beim Menschen gemacht werden, sind diese noch nicht in die Pädagogik und den Unterricht integriert. Wir müssen lernen die Charakteristika unseres Verstandes zu beachten, um so unser Gehirn richtig zu unterrichten.

Erfolgreiches kognitives Lernen geschieht mithilfe von Emotionen, Überraschung, Bewegung und spezifischen neuroedukativen Programmen, welche die individuelle kognitive Entwicklung begünstigen.

Kognitives Lernen: Der Begriff Lernen bezieht sich darauf, sich Wissen oder Fähigkeiten durch aktives Lernen oder Erfahrungen anzueignen. “Kognitiv” bezieht sich auf die “Kognition”. Das ist die Fähigkeit, Dinge mittels der Wahrnehmung und mentaler Prozesse kennen zu lernen. Das Konzept “kognitives Lernen” definiert die Prozesse der Informationsverarbeitung und beginnt bei der sensorischen Wahrnehmung, über das kognitive System bis hin zur produzieren Antwort.

Lernen ist vielleicht der Begriff, der die menschliche Spezies im Laufe ihrer Entwicklung am meisten geprägt hat. Wir sind der lebende Beweis dafür, dass kontinuierliches Lernen das menschliche Leben zu dem gemacht hat, was es heute ist. 

Unser Gehirn führt und leitet unsere Lernprozesse.

Je weiter wir Menschen vorankommen, desto mehr Wissen sammeln wir an. “Wir machen uns laufend intelligenter”. Das könnte uns zu dem Schluss kommen lassen, dass unser Gehirn sich immer weiter verfeinert, je weiter wir uns entwickeln – dem ist jedoch nicht so. Das was sich verändert ist die Form des Lernens. Da wir mittlerweile mehr darüber wissen, wie unser Gehirn funktioniert, können wir davon profitieren und das Potential des Gehirns besser ausschöpfen.

Lernformen

1. Implizites Lernen

Das implizite Lernen ist ein “blinder” Lernprozess, weil wir uns nicht darüber bewusst sind, dass wir lernen.

Das wichtigste Merkmal dieser Form des kognitiven Lernens ist, dass dieses nicht-intentional geschieht. Die lernende Person hat kein Bewusstsein darüber, dass sie gerade lernt. Zudem äußert sich das Erlernte durch eine automatische Ausführung motorischen Verhaltens.

Bestimmte Aktivitäten verlangen ein nicht-intentionales Lernen, wie beispielsweise das Sprechen oder Laufen. Vieles von dem was wir Lernen, tun wir auf implizite und unbewusste Art.

2. Explizites Lernen

Dem impliziten Lernen gegenüber steht das explizite Lernen, welches sich dadurch auszeichnet, dass es beabsichtigt und mit Bewusstsein über den Lernprozess geschieht. Für das kognitive Lernen in dieser Form gibt es viele Beispiele, unter anderem ist das Lesen dieses Artikels ein Beispiel für explizites Lernen, da eine Absicht zu Lernen dahinter steckt.

Da es sich beim expliziten Lernen um einen beabsichtigten Lernprozess handelt, braucht dieser Daueraufmerksamkeit. Also eine Anstrengung, um die Absicht zu lernen aufrecht zu erhalten.

3. Kollaboratives oder kooperatives Lernen 

Das kooperative Lernen ist eine Lernform in der Gruppe. Ein Schüler lernt beispielsweise zusammen mit seinen Klassenkameraden. Das Ziel dieser Lernform ist, dass jedes Gruppenmitglied in Abhängigkeit seiner Fähigkeiten lernt und außerdem die Arbeit in der Gruppe gefördert wird.

Die vier Grundpfeiler, die diese Form des kognitiven Lernens stützen, sind die positive Interdependenz, die persönliche Verantwortung, die ausgeglichene Beteiligung und die simultane Interaktion.

Eine Lernform, die dieser ähnlich ist (aber nicht identisch), ist das kollaborative Lernen. Bei dieser Lernform ist in der Regel eine Person (Lehrkraft oder Erzieher), die nicht zur Gruppe gehört, diejenige die ein Thema vorschlägt, das im Anschluss in der Gruppe entwickelt wird.

In Gruppen lernt es sich besser

4. Kumulatives Lernen

Bei dieser Lernform wird die kognitive, emotionale und emotionale Ebene angesprochen. Dieser Lernform liegt ein Prozess der Organisation der zu lernenden Informationen zugrunde. Zudem wird zwischen der neuen Information eine Verbindung zu Wissen und vorherigen Erfahrungen hergestellt. Die neue Information wird also in Zusammenhang mit unserer bisherigen Erfahrung gebracht. Das führt dazu, dass das neu erlangte Wissen für jede Person einzigartig wird, da jede Person es mit eigenen Erfahrungen verknüpft.

5. Assoziatives Lernen 

Wem die Hunde von Pavlov etwas sagen, der weiß vielleicht, worum es sich bei dieser Lernform handelt. Kognitives Lernen kann auch assoziativ geschehen. Diese Lernform zeichnet sich dadurch aus, dass es eine Verbindung zwischen einem bestimmten Reiz und einem präzisen Verhalten gibt. Im Falle des Experiments von Pavlov ist dies das Klingeln einer Glocke und die Fütterung. Dies führt dazu, dass die Hunde noch bevor das Essen kommt bereits beginnen Speichel abzusondern, sobald sie die Klingel hören.

6. Habituation und Sensibilisierung: Nicht-assoziatives Lernen

Diese beiden Prozesse gehören zur gleichen Lernform, dem nicht-assoziativen Lernen. Diese Lernform definiert eine Veränderung gegenüber eines kontinuierlichen Reizes.

Die Habituation ist eine primitive Lernform, die uns erlaubt uns an die Umwelt anzupassen. Sie ist ein alltägliches Phänomen. Dieser Prozess findet statt, wenn wir aufhören einem Reiz Aufmerksamkeit zu schenken, da dieser zu keiner relevanten Veränderung führt (die Reaktion auf den Reiz verringert sich). Ein Beispiel hierfür findet sich bei den Menschen, die an einer lauten Straße wohnen. Am ersten Tag hören sie den Straßenlärm, doch nach einiger Zeit sind sie in der Lage diesen gut auszublenden.

Dem gegenüber steht die Sensibilisierung als Lernform: Unsere Reaktion steigt durch die wiederholte Präsentierung des Reizes. Je öfter uns dieser Reiz präsentiert wird, desto häufiger werden wir die gleiche Reaktion zeigen. Die Sensibilisierung ist eine sehr adaptive und primitive Lernform.

7. Lernen durch entdecken

Wenn aktiv nach Informationen gesucht wird und das was uns antreibt die Neugierde ist, lernen wir durch Entdecken. Das kognitive Lernen in dieser Form zeichnet sich dadurch aus, dass das Individuum interessiert ist, entdeckt, lernt, Konzepte verknüpft und das Gelernte an das eigene kognitiven Schema anpasst.

8. Imitationslernen oder Lernen durch Beobachtung 

Bei dieser Lernform, wird eine Handlung bei einem Modell beobachtet, die im Anschluss imitiert wird. Kognitives Lernen in dieser Form hat einen engen Zusammenhang zu den Spiegelneuronen. Die Imitation, auch Modelllernen genannt ist eine sehr wichtige Lernform.

9. Emotionales Lernen

Das Kognitive Lernen impliziert in diesem Fall eine emotionale Entwicklung des Individuums. Die emotionale Intelligenz entwickelt sich von dieser Lernform ausgehend, welche erlaubt, die eigenen Emotionen zu regulieren(Test zur emotionalen Intelligenz).

Außerdem spielt die Emotion eine entscheidende Rolle bei der Lernform, die später erläutert wird.

10. Erfahrungsbasiertes Lernen 

Aus den Erfahrungen die wir im Laufe unseres Lebens machen, lernen wir unsere Lektionen. Durch unsere Erfahrungen lernen wir am besten. Das kognitive Lernen in dieser Form ist sehr stark, aber auch sehr subjektiv. Denn jeder Mensch macht seine eigenen Erfahrungen und interpretiert diese auch auf persönliche Weise.

11. Auswendiglernen 

Das Auswendiglernen ist eine Form des kognitiven Lernens bei der wir versuchen uns bestimmte Daten einzuprägen und zu merken. Im Gegensatz zum kumulativen Lernen zeichnet unser Gedächtnis einfach nur Informationen auf, ohne dass die betreffende Person zwangsläufig verstehen muss was sie lernt.

12. Rezeptives Lernen 

Kognitives Lernen in dieser Form ist rein passiv, die Person empfängt dabei nur die Information, die zu lernen ist. Ein Beispiel hierfür ist der Vortrag einer Lehrkraft, während die Schüler sitzen und zuhören.

13. Metakognitive Strategien

Es ist wichtig, diese Lernstrategie zu erwähnen, um unsere Art zu Lernen besser zu verstehen. Diese Strategien setzen die Kenntnis über den eigentlichen Lernprozess voraus. Das Lernen zu lernen.

Kenne Dich selbst und deine eigenen Einstellungen und Fähigkeiten, um zu wissen wie Du selbst am besten Lernen kannst.

Jede Person ist einzigartig. Es gibt keine ideale Lernmethode, die für alle Menschen am besten funktioniert. Deshalb ist es ein großer Vorteil beim Lernen, die eigenen Stärken und Schwächen zu kennen.

Kognitives Lernen: Wie lassen sich die Kenntnisse über das Gehirn auf die Pädagogik übertragen?

Obwohl die Erkenntnisse über das Gehirn und wie dieses lernt in den letzten 30 Jahren deutlich zugenommen haben, basieren die allermeisten Bildungssysteme auf einem fehlerhaften Lernmodell. Zu Lesen und sich Sätze aus einem Buch zu merken ist nicht der richtige Weg um zu Lernen. Die Studienlage ist klar: andere Dinge wie Sport, Emotionen, Überraschung, Experimentieren sind wichtige Faktoren, wenn es darum geht sich Wissen anzueignen.

Kognitives Lernen: Die Bedeutung der Emotionen

Emotionen sind die Basis, um sich erinnern zu können. Die Information, die wir über unsere Sinne aufnehmen, passiert das limbische System, bevor sie in der Hirnrinde landet. Im limbischen System befindet sich eine der primitivsten Teile unseres Organismus, die Amygdala. Diese wird in Situationen aktiviert, die als wichtig für das Überleben wahrgenommen werden. Die Amygdala ist elementar wichtig für die Gedächtniskonsolidierung.

Man erinnert sich wahrscheinlich besser an seinen letzten Geburtstag, als an den Arbeits- oder Schultag von vor zwei Wochen.

Kognitives Lernen: Sport machen und Lernen 

Studien haben gezeigt, dass Sport nicht nur die körperliche Leistungsfähigkeit stärkt, sondern auch die Leistungen des kognitiven Lernens verbessert. Durch Sport werden bestimmte Proteine freigesetzt, welche die Gehirnplastizität fördern. Dadurch werden neue Neuronen, Synapsen und Verbindungen generiert.

Körperliche Betätigung erhält und verbessert Aspekte, die mit der kognitiven Leistung und der mentalen Gesundheit zusammenhängen.

Unter den vielen Vorteilen von sportlicher Betätigung, ergeben sich auf kognitiver Ebene folgende:

– Eine bessere akademische Leistung und eine bessere Aufmerksamkeitskapazität

– Ein niedrigeres Risiko beispielsweise an Depressionen oder Angststörungen zu leiden.

– Eine bessere Laune und eine höhere emotionale Stabilität.

Sich zu bewegen ist wichtig, um zu Lernen.

Neben körperlicher Aktivität kann auch aktives Gehirntraining die Gehirnplastizität anregen und die kognitiven Fähigkeiten verbessern. Das kognitive Stimulationsprogramm von CogniFit bietet personalisierte Trainingseinheiten an, um schwächer ausgeprägte Fähigkeiten individuell zu fördern.

Neuronales Fenster

Wenn vom Lernen gesprochen wird, darf das neuronalen Fenster nicht unerwähnt bleiben. Dieses beschreibt die Zeitfenster, in denen bestimmte neuronale Entwicklungsprozesse ablaufen. Diese Zeiträume sind kritische Phasen der Entwicklung, in denen bestimmte Dinge schneller und besser gelernt werden können, als zu anderen Zeitpunkten.

Im Prinzip können wir das Sprechen in jedem Alter erlernen, jedoch ist zwischen dem 1 und dem 3 Lebensjahr der optimale Zeitpunkt. Das Sprechen später zu erlernen ist viel mühsamer und es ist unmöglich die gleichen Lernergebnisse zu erzielen.

Es ist bekannt, dass es sich negativ auf das Gehirn auswirkt, Kinder von Klein auf still in einem Klassenzimmer sitzen zu lassen. Entdecke hier die Entwicklungsstufen von Piaget.

Fehler in unserem Bildungssystem

Missachtung des neuronalen Fensters

Wenn man bedenkt, was über das Gehirn und optimale Lernstrategien bekannt ist, müsste man meinen, dass im Bildungssystem bereits grundlegende Reformen durchgeführt wurden. Das ist jedoch nicht der Fall. Wir lehren falsch. Wenn man die neuronalen Fenster beachten würde, säßen keine kleinen Kinder still auf dem Stuhl. Um zu lernen ist es für sich nämlich wichtig sich zu bewegen. Ebenso wenig gäbe es trockenen Physikunterricht für Jugendliche, denn deren Gehirn ist in diesem Alter sehr emotional.

Anwendung der immer gleichen Lernformen

Es scheint, als wären die dominierenden Lernformen in der Schule weiterhin das rezeptive Lernen und das Auswendiglernen. Die Pädagogik fördert also weiterhin hauptsächlich mechanische und passive Lernformen und macht sich die Art wie wir wirklich lernen nicht zu Nutzen.

Wie sollten wir lernen?

Das ist eine gute Frage. Es ist ganz klar, dass viele der nötigen Veränderungen schwer umzusetzen sind. Jedoch lassen sich mit dem Wissen darüber wie das Gehirn funktioniert, bereits viele Dinge in Angriff nehmen.

Die Bewegung, Emotionen und die Überraschung zu nutzen, um das Interesse im Kopf der Schüler zu wecken, hilft ungemein. Wir haben in den letzten Jahren viel über unser Gehirn gelernt. Es wird Zeit, das Gelernte anzuwenden und unser Gehirn richtig zu unterrichten.

Übersetzt aus dem Spanischen. Original: Mario de Vicente, Psychologe bei CogniFit.

Spiegelneuronen: Imitation als Basis des Lernens

Spiegelneuronen. Die Imitation als wirksamste Form des Lernens. Das menschliche Gehirn verfügt über verschiedene Mechanismen, die es uns erlauben Handlungen nachzuahmen. Babys sind in der Lage Gesichtsausdrücke nachzumachen, später in der Entwicklung imitieren wir auch grundlegende Verhaltensweisen. Lachen ist ansteckend, ein emotionaler Film stimmt uns traurig… Es scheint so, als wären wir dafür gemacht, das zu fühlen was andere fühlen, um mit ihnen empathisch zu sein und sie besser zu verstehen. Was passiert in unserem Gehirn, damit es dazu kommt? Die Antwort liegt in den Spiegelneuronen.

In diesem Artikel wird erklärt, was die Spiegelneuronen sind, welche Rolle sie bei der Erziehung und der Empathie spielen, was passiert wenn uns die Gefühle anderer anstecken, Pathologien die mit einem Defizit in der Struktur der Spiegelneuronen zusammenhängen, und vieles mehr. 

Spiegelneuronen

Definition: Was sind Spiegelneuronen?

Im Gehirn des Menschen und des Affen finden sich sogenannte Spiegelneuronen. Diese Gehirnzellen werden aktiviert, wenn wir jemanden dabei beobachten, wie er etwas tut. Beispielsweise werden sie aktiviert, wenn ein Schimpanse seine Mutter beobachtet und sie später imitiert und es so schafft eine Nuss mit einem Stein zu öffnen. Die Spiegelneuronen stehen in Zusammenhang mit empathischem, sozialem und imitierendem Verhalten und bilden ein grundlegendes Werkzeug für das Lernen.   

“Wir sind soziale Wesen. Unser Überleben hängt davon ab, Handlungen, Intentionen und Emotionen von den anderen zu verstehen. Die Spiegelneuronen erlauben uns das Gegenüber zu verstehen. Das geschieht nicht nur durch konzeptuelles Denken, sondern ebenso anhand der direkten Simulation. Fühlend, nicht denkend”.
(frei übersetzt nach G. Rizzolatti)

In den 90’er Jahren entdeckte die Forschungsgruppe unter Leitung von Giacomo Rizzolatti der Universität von Parma in Italien etwas Erstaunliches. Eine bestimmte Gruppe von Neuronen in den Gehirnen von Makaken wurden nicht nur dann aktiviert, wenn ein Affe selbst eine Handlung ausführte, sondern auch dann, wenn er einen anderen Affen bei der Ausführung einer Handlung beobachtete. 

Spiegelneuronen lassen sich als eine Gruppe von Neuronen definieren, die bei Primaten und Menschen aktiviert werden wenn diese eine Handlung ausführen oder jemanden dabei beobachten, wie er diese Handlung ausführt.

Spiegelneuronen sind eine Schlüsselfunktion für das Lernen, sie sind unentbehrlich um andere imitieren zu können. 

Von Geburt an sind diese Gruppen von Neuronen aktiv, die es uns erlauben Essen und Sprechen zu lernen oder uns selbstständig anzuziehen. Die Spiegelneuronen sind ebenfalls sehr wichtig bei der Handlungsplanung und wenn es darum geht die Intention hinter einer Tat einer anderen Person zu verstehen.  

Im folgenden video erklärt der Neurowissenschaftler Ramachandran was Spiegelneuronen sind und weshalb diese so wichtig sind. 

Spiegelneuronen und Erziehung

Die Spiegelneuronen ermöglichen es durch Imitation zu lernen. Sie erlauben es, die Körpersprache, Gesichtsausdrücke und Emotionen widerzuspiegeln. Spiegelneuronen spielen eine zentrale Rolle in unserem Sozialleben. Sie sind für die kindliche Entwicklung, zwischenmenschliche Beziehungen und das Lernen unabdingbar.

Wir Menschen sind soziale Wesen und dafür geschaffen von anderen zu lernen. Wir alle kommen schneller und weiter voran, wenn wir mit anderen kooperieren. Zu sehen wie unsere Eltern, Lehrer oder andere Schüler eine kognitive Fähigkeit oder Fertigkeit zeigen, schafft uns eine viel komplettere Lernerfahrung, als es eine theoretische Erklärung tun würde. Deswegen sollten wir in der Erziehung immer mit Beispielen arbeiten. 

Wie greifen die Spiegelneuronen in unseren Alltag ein? 

  • Die Spiegelneuronen sind dafür verantwortlich, dass wir anfangen zu gähnen, wenn wir jemanden beobachten, der gähnt.
  • Diese Neuronen sind für das Gefühl der Trauer verantwortlich, die wir verspüren, wenn wir jemanden leiden oder weinen sehen.
  • Gleiches passiert, wenn wir anfangen zu lachen, weil wir jemanden lachen sehen, auch wenn wir den Grund gar nicht wissen. 
  • Einigen Studien zufolge wird eine bestimmte Hirnregion (die anteriore Insula) sowohl dann aktiviert wenn man Ekel verspürt, als auch wenn man eine andere Person mit dem Ausdruck von Ekel sieht. Die anteriore Insula ist für die Verarbeitung von Gerüchen verantwortlich.
  • Weitere Studien zeigen, dass sich ein Bereich des somatosensorischen Kortex bei den Studienteilnehmern aktiviert, wenn diese berührt wurden oder wenn sie jemanden anderen beobachteten, wie dieser berührt wurde.

8 Ratschläge: Wie beeinflussen die Spiegelneuronen die Erziehung? 

Dank der Spiegelneuronen haben die Emotionen die wir zeigen einen direkten Einfluss auf die Menschen, die uns umgeben. Dabei bilden das Klassenzimmer oder Wohnzimmer keine Ausnahme. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Lehrkräfte und Eltern ihre Emotionen kontrollieren, um die Spiegelneuronen als Verbündete nutzen zu können, der die Erziehung erleichtert – statt das Gegenteil zu tun. 

  1. Freude und Optimismus zeigen, da sich diese Gefühle auf die Kinder oder Schüler übertragen (Gefühlsansteckung).
  2. Negative Emotionen kontrollieren und vermeiden. Jeder hat mal schlechte Laune, man sollte aber versuchen den Einfluss auf die Kinder dabei so gering wie möglich zu halten, da sich das negativ auf deren Gemütszustand auswirkt. Dabei sollte man aber auch darauf achten, nicht die Unterdrückung der Gefühle zu fördern. Die Emotionen der Kleinen wahrnehmen und ihnen dabei helfen diese zu erkennen und so gut wie möglich zu kontrollieren.  
  3. So oft wie möglich visuelle Darstellungen und “Lernen durch Nachmachen” ermöglichen. Theorie im Unterricht oder zuhause durch beispielhafte Vorführungen begleiten und den Kindern erlauben diese nachzumachen. 
  4. Die Interaktion der Kinder mit so vielen Menschen wie möglich fördern. Die Spiegelneuronen werden sich dadurch deutlich mehr aktivieren und erhöhen das Erlernen von sozialen Fähigkeiten und Empathie.
  5. Das Vorstellungsvermögen bei jeder Aktivität nutzen, welche die Kinder erlernen sollen (die Zähne zu putzen, das Zimmer aufzuräumen…)
  6. Gewalt vermeiden. Kinder lernen das was sie sehen. Wenn sie in einer Umgebung groß werden, in der gewalttätiges Verhalten geäußert wird, werden die entsprechenden Spiegelneuronen aktiviert und es wird wahrscheinlicher, dass die Kinder das Verhalten nachahmen.
  7. Kindern beibringen, dass es wichtig ist auf die Körpersprache der anderen zu achten. So lernen Kinder, wann jemand etwas mit anderen teilen möchte oder wann jemand Hilfe braucht. Spiegelneuronen sind der Schlüssel für die Empathie
  8. Kindern beibringen ihre eigenen Gefühle und die der anderen zu identifizieren.

Spiegelneuronen und die Gefühlsansteckung

Bist du glücklich, wenn dich fröhliche Menschen umgeben? Deprimiert es dich, wenn du mit pessimistischen und negativen Personen zusammen bist? Das ist auf die Gefühlsansteckung zurückzuführen, die durch die Spiegelneuronen erleichtert wird.

Die Gefühlsansteckung ist ein Prozess durch welchen eine Person oder eine Gruppe die Emotionen und das affektive Verhalten einer anderen Person oder Gruppe, durch die bewusste oder unbewusste emotionale Induktion, beeinflusst.

Wir tendieren dazu die Gesten und die Mimik der Leute zu imitieren mit denen wir kommunizieren und in vielen Fällen fühlen wir das, was diese fühlen.

Obwohl sich der Einfluss der Gefühlsansteckung auf persönliche und arbeitsbezogene Beziehungen bestätigt hat, sind wir uns immer noch nicht darüber bewusst, welche Fähigkeit wir eigentlich besitzen. 

Die Spiegelneuronen erlauben uns wortwörtlich das zu spüren, was die andere Person spürt, ihre Emotionen “zu leben”. Spiegelneuronen sind die Basis der Empathie.

Die Empathie ist die Fähigkeit, welche die meisten Menschen besitzen, sich in die Situation einer anderen Person zu versetzen und zu verstehen was sie aus ihrer Perspektive heraus fühlt.

Sie ermöglicht es uns, die anderen als “nicht anders als wir selbst” anzusehen. Ein weiterer Beleg dafür, dass wir soziale Wesen sind. Die Empathie war schon immer grundlegend für das Überleben unserer Spezies, welche ohne die Bindung und den Schutz der anderen nicht in der Lage gewesen wäre zu überleben.

Wie können wir uns die Gefühlsansteckung zu Nutze machen?

Man kann es sich zum Vorteil machen, dass sich Emotionen auf andere übertragen lassen und sich von anderen auf uns übertragen.

  • Glücklicherweise ist Freude ansteckender als Trauer, weshalb es gut ist, sich mit fröhlichen Personen zu umgeben. Traurige oder depressive Person sollte man  deshalb aber nicht vermeiden, denn diese Leute brauchen die Unterstützung und Hilfe von nahestehenden Menschen, um gesunden werden zu können.
  • Imitiere fröhliche und glückliche Menschen. Tu das, was sie machen. Treibe Sport und lache mehr (obwohl du vielleicht keine Lust hast – im Anschluss wirst du dich besser fühlen). 
  • Denke nach bevor du handelst, vor allem dann, wenn du etwas Negatives über jemanden sagen wirst. Sag es auf ruhige und diplomatische Art, denn dein Ärger kann sich leicht auf das Gegenüber übertragen.
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Eine Filmaufnahme aus der Berliner U-Bahn. Siehe hier, wie ansteckend Lachen sein kann:

https://www.youtube.com/watch?v=fM45JMTpkBU

Spiegelneuronen und Kultur

Hat die Kultur in der wir aufwachsen einen Einfluss auf unser Gehirn? Die Frage scheint sich mit “ja” beantworten zu lassen. 

Gemäß einer Studie, die an der Universität von Kalifornien – Los Angeles durchgeführt wurde, reagiert unser Netz an Spiegelneuronen unterschiedlich, je nachdem ob das Gegenüber aus der gleichen Kultur wie man selbst stammt, oder nicht. 

Die Forscher nutzten zwei Schauspieler, einen kaukasischen Amerikaner und einen Nicaraguaner, um einer Gruppe von amerikanischen Teilnehmern einige Gesten zu zeigen. (Amerikanische, nicaraguanische und andere Gesten ohne Bedeutung)

Mithilfe der Magnetresonanztomographie untersuchten die Wissenschaftler die Neuronenaktivität. Dabei zeigte sich, dass die amerikanischen Teilnehmer eine höhere Aktivität der Spiegelneuronen aufwiesen, wenn sie den Amerikaner im Vergleich zu dem Nicaraguaner die Gesten vollführen sahen. Wenn letzerer amerikanische Gesten vorzeigte sank die Aktivität der Spiegelneuronen drastisch.

Hier zeigt sich, dass die Kultur einen messbaren Einfluss auf unser Gehirn hat und sich folglich auch in unserem Verhalten widerspiegelt. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass wir besser darauf vorbereitet sind Personen unseres eigenen Kulturkreises zu verstehen und empathisch mit ihnen zu sein als bei Mitgliedern fremder Kulturen. Das erklärt auch, wieso wir leichter Beziehungen zu Personen aus der gleichen Kultur aufbauen.

Spiegelneuronen, Empathie und Psychopathie

Die Psychopathie ist eine Persönlichkeitsstörung (schwere Form der antisozialen Persönlichkeitsstörung) die sich durch einen oberflächlichen Charme, pathologisches Lügen und eine deutlich verringerte Kapazität Reue oder Empathie zu spüren, auszeichnet.

Es sticht hervor, dass viele psychopathische Personen eine kriminelle Laufbahn einschlagen, aber natürlich nicht alle. Viele sind sozialisiert und führen ein ganz normales Leben.

Aber wenn Psychopathen nicht in der Lage sind Empathie zu verspüren, funktionieren dann ihre Spiegelneuronen? Eine Studie hat dies untersucht.

In der Studie wurde die Gehirnaktivität von zwei Gruppen untersucht. (18 Teilnehmer mit Psychopathie, 26 Gesunde) während sie kurze Videos anschauten. Dabei wurde ein Hand gezeigt, die auf zärtliche, schmerzvolle, soziale Weise eine andere berührte, abwies oder neutral behandelte. Zunächst sahen die Teilnehmer das Video, anschließend erhielten sie die Instruktion, sich in die Lage der Person zu versetzten und zu versuchen, das zu spüren, was die Person spürt. Im dritten Teil der Studie wurden die Teilnehmer mit einem Lineal auf die Hand geschlagen, um die Gehirnregion zu lokalisieren, die bei Schmerzen aktiviert wird.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Gruppe der Personen mit Psychopathie nur dann eine Reaktion der Spiegelneuronen zeigte, wenn diese die Instruktion erhielten, empathisch zu sein. Dann zeigte sich ein Aktivierungsmuster der Spiegelneuronen, das genauso stark wie bei der Gruppe der Gesunden war. Ohne Instruktion jedoch, zeigten sie eine sehr geringe Aktivierung der Gehirnregionen, die mit Schmerzen assoziiert sind.

Daraus kann man schließen, dass Menschen mit Psychopathie nicht empathielos sind, sondern so etwas wie einen Schalter haben, der die Empathie aktiviert und deaktiviert. Dabei scheint diese normalerweise deaktiviert zu sein.

Spiegelneuronen und Autismus

Personen mit Autismus haben neben weiteren Symptomen einen verspäteten Spracherwerb und Probleme in der Emotionserkennung. Für sie ist es schwierig ihre eignen Gefühle und die Gefühle anderer Menschen zu erkennen.

Deshalb wurde in der Wissenschaft angenommen, dass bei Personen mit Autismus das System der Spiegelneuronen “kaputt” ist. Mittlerweile weiß man, dass dem nicht so ist. Das System ist nicht kaputt, es ist jedoch in seiner Entwicklung verzögert. Während die meisten von uns eine sehr hohe Aktivierung der Spiegelneuronen in der Kindheit haben, ist diese Aktivierung bei Kindern mit Autismus viel schwächer. Diese Aktivität steigt aber mit dem Alter bei Menschen mit Autismus an.

Andere Studien jedoch zeigen, dass diese Neuronengruppe bei Kindern mit Autismus nicht weniger aktiviert ist. Wenn das Experiment mit Personen durchgeführt wird, welche die Kinder kennen, ist die Aktivität ihrer Spiegelneuronen ganz normal.

Vielen Dank fürs Lesen! Bei Fragen oder Anregungen kann gerne ein Kommentar hinterlassen werden.

Übersetzt aus dem Spanischen. Original: Andrea García Cerdán, Psychologin bei CogniFit.

Referenzen:

Molnar-Szakacs, I., Wu, A. D., Robles, F. J., & Iacoboni, M. (2007). Do you see what I mean? Corticospinal excitability during observation of culture-specific gestures. PLoS One, 2(7), e626.

Meffert, H., Gazzola, V., den Boer, J. A., Bartels, A. A., & Keysers, C. (2013). Reduced spontaneous but relatively normal deliberate vicarious representations in psychopathy. Brain, 136(8), 2550-2562.

18 effiziente Lerntechniken, um deine Prüfungen zu bestehen

Es nähern sich die Prüfungen und die Nervosität beginnt. Was sind die besten Lerntechniken und Techniken zum Auswendiglernen? Oft häufen sich die Prüfungen und wir denken, dass ein Lern-Marathon und einige Thermoskannen voll Kaffee genug sein werden, um uns sämtliche Themenbereiche auswendig zu lernen, zur Prüfung zu gehen und unsere gesamten Kenntnisse auf Papier zu speien, damit wir wieder zu unserem Leben frei von Beschäftigungen zurückkehren können. Diese “Strategie”, wenn man sie so nennen kann, ist in Wirklichkeit ziemlich kontraproduktiv, da wir uns darauf beschränken, Konzepte auf Druck in unser Gehirn zu pressen, die nicht gut verarbeitet worden sind und somit kaum erinnert werden.

Wenn die Prüfungsphase näher rückt, empfehlen wir dir verschiedene Lerntechniken und Techniken zum Auswendiglernen zu probieren, die dir dieses Prozess sehr viel erträglicher machen werden. Wir erzählen dir, worin diese bestehen.

Lerntechniken und Auswendiglerntechniken Prüfungen

María Luisa Delgado Losada, Doktorin der Psychologie und Dozentin in der Psychologie-Abteilung der Universidad Complutense Madrid erklärt uns:

Die Erinnerungsfähigkeit gilt als eine der Hauptvoraussetzungen für einen guten Studenten, aber Information auf Druck hineinzupressen, aber und abermals, ist nicht nützlich und kann oft die Ursache für wichtige Lernschwierigkeiten sein.

Das richtige Funktionieren der Erinnerung beinhaltet die Ausführung von drei Vorgängen oder Prozessen: Aufnahme, Speicherung und Abgabe von Informationen”.

Diese Prozesse können von der Benutzung von Lerntechniken, die ihre Funktionsweise begünstigen und verbessern, angetrieben werden. Diese Techniken vereinfachen die Verarbeitung der Information, indem sie die die Kodifizierung, Speicherung und Abgabe der Information anregen.

Aus all diesen Gründen ist es sehr empfehlenswert, dass wir Techniken anwenden, wenn wir für eine Prüfung lernen. Wenn du dich auf eine wichtige Prüfung vorbereitest, ist es sehr empfehlenswert, einige Methoden oder Tricks zu lernen, die deine Lernfähigkeit verbessern können. Möchtest du wissen, wie man eine Prüfung besteht? Diese Tipps werden dir helfen, das Beste aus dir herauszuholen.

Lerntechniken für Prüfungen

18 Lerntechniken

1. Fokussiere deine Aufmerksamkeit auf das, was du machst:

Damit die verarbeitete Information vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis fließen kann, ist es notwendig, sich auf diese Information zu konzentrieren. Die Aufmerksamkeit ist eine der wichtigsten Bestandteile des Gedächtnisses und deshalb ist es unerlässlich, dass wir uns beim Lernen an einem Ort befinden, an dem es keine Ablenkungen gibt, die unsere Aufmerksamkeit zerstreuen.

Lerntechniken: Finde einen ruhigen Ort, an dem du dich konzentrieren kannst, das kann die Bibliothek sein, dein Zimmer … Bring Dinge, die dich ablenken können, wie zum Beispiel elektronische Geräte, außer Reichweite und schalte sie stumm. Vermeide Geräusche. Du kannst Ohrstöpsel benutzen, wenn Lärm unvermeidbar ist.

2. Teile deine Studienzeit in regelmäßige Sitzungen ein:

Es ist erwiesen, dass Menschen, die regelmäßig lernen, viel besser behalten als diejenigen, die ein paar Tage vor der Prüfung Lernmarathons gemacht haben. Wenn du alles bis zum letzten Moment aufschiebst, überlädst du deinen Verstand und erschwerst ihm die Verarbeitung der Information. Kurze, aber regelmäßige Lerneinheiten ermöglichen es dem Gehirn, die Information zu verfestigen und sie langfristig zu behalten.

Lerntechniken: Lerne jeden Tag ein bisschen und wiederhole am Tag vor der Prüfung nur das Gelernte. Schaffe eine Lernroutine, damit es einfacher ist. Du kannst Erinnerungen benutzen, um dich daran zu erinnern, wann du lernen musst. Dies kann entweder ein Wecker sein oder Erinnerungen, die wie Spuren wirken, das heißt, wenn du jeden Tag nach dem Mittagessen lernst, ist das Essen die Spur, die dich zum Lernen führt. Wenn du im Gegensatz dazu sagst “Ich lerne am Nachmittag eine Weile”, hast du keine Spur, die dich zum Lernen führt und es ist wahrscheinlicher, dass du es vergisst.

3. Organisiere und strukturiere deine Aufzeichnungen:

Wissenschaftler haben bewiesen, dass das Organisieren der Information in Gruppen, die miteinander verbunden sind, uns beim Lernen hilft.

Lerntechniken: Verfasse deine Aufzeichnungen auf strukturierte Art und Weise. Gruppiere die Konzepte, die sich ähneln. So wird es deinem Verstand einfacher erscheinen, die Informationen zu assoziieren, die zusammenhängen.

4. Verbinde die neue Information mit der, die du schon kennst:

Die Informationen miteinander zu verbinden hilft uns, sie zu verarbeiten und zu integrieren und erleichtert so ihr Erlernen.

Lerntechniken: Wenn du dich mit neuem und unbekannten Lernmaterial auseinandersetzt, denke zuerst daran, wie du es mit dem, was du schon kennst, in Verbindung setzen kannst. Durch das Erstellen von Beziehungen zwischen den neuen Ideen und den schon vorher existenten Erinnerungen wirst du es schaffen, dich viel besser an die neue Information zu erinnern. Auch Mind Maps können dir helfen, Beziehungen zwischen Konzepten zu erstellen.

5. Stell dir die Konzepte vor:

Die Visualisierung ist eine sehr wirkungsvolle Technik zum Auswendiglernen von Konzepten.

Lerntechniken: Um diese Technik zum Auswendiglernen durchzuführen, ist es wichtig, dass deine Mitschriften mit visueller Information wie Fotos, Schemen und Grafiken ergänzt sind oder in verschiedenen Farben unterstrichen sind. Jede visuelle Hilfe, die eine Erinnerung in uns hervorruft, ist gültig.

6. Mit einer anderen Person noch einmal laut durchgehen:

Das laute Lesen der Information verbessert den Erinnerungsprozess. Viele Erzieher versichern, dass die Studenten, die die Mitschriften untereinander noch einmal laut durchgehen, weniger Zeit brauchen, um neue Konzepte zu verstehen und sich an sie zu erinnern.

Lerntechniken: Du kannst diese Technik zum Auswendiglernen nutzen, indem du dich mit einem Kommilitonen triffst oder indem du jemanden aus deiner Familie um Hilfe bittest. Falls du niemanden findest, der dir helfen kann, die Mitschriften noch einmal durchzugehen, kannst du den Themenbereich dir noch einmal selbst laut vorlesen oder sogar deine Kuscheltiere als Publikum benutzen. Am Anfang ist dir das vielleicht etwas peinlich, aber vielen Menschen hilft das.

7. Arbeite die Information aus

Ein Konzept zunehmen auszuarbeiten und zu vertiefen ist eine sehr wirkungsvolle Art, die Information zu verarbeiten und sie im Langzeitgedächtnis zu kodifizieren.

Lerntechniken: Du kannst damit anfangen, die Definition des Konzeptes zu lesen, um dich mit ihr vertraut zu machen und dann vertiefen, indem du weitere Information über den Begriff suchst. Ebenso kann es dir helfen mehr Information zum Thema zu suchen. Zum Beispiel kannst du erklärende Videos, Vorträge und Dokumentarfilme suchen, die es auf andere Art und Weise erklären und dir lustige Fakten und Anekdoten liefern.

 8. Ändere deine Lernroutine ab und zu:

Mit der Monotonie zu brechen und aus der Lernroutine auszubrechen kann die Effizienz deiner Erinnerung vergrößern un dir helfen, schneller Langzeitinformationen auszugeben.

Lerntechniken: Du kannst versuchen, den Ort zu wechseln, an dem du lernst, oder deine Wiederholungszeiten zu ändern. Es ist nicht notwendig, dass du eine radikale Veränderung in deinen Lerngewohnheiten vornimmst, es ist genug, ab und zu etwas Neues zu probieren, um deinen Verstand zu entspannen und deine Lust zu arbeiten zu erhöhen.

9. Finde heraus, welcher Typ von Student du bist:

Es gibt verschiedene Typen von Studenten mit verschiedenen Eigenheiten, einige Menschen haben morgens eine bessere Aufmerksamkeitsfähigkeit und andere haben nachts einen aktiveren Verstand.

Lerntechniken: Du musst dich gut kennen und wissen, in welchen Momenten du am meisten vom Studium profitierst, um einen Wiederholungszeitplan zu erstellen. Wenn es dir schwer fällt, morgens aufzustehen und du dazu neigst, spät schlafen zu gehen, bist du wahrscheinlich eher eine Abendperson und fühlst dich nachmittags oder abends besser. Wenn du ohne Probleme aufstehst und nachts sofort müde wirst, bist du eher eine Morgenperson und konzentrierst dich wahrscheinlich besser vormittags und frühnachmittags.

10. Schreib die Konzepte mit der Hand:

Normalerweise schreiben wir unsere Zusammenfassungen mit dem Computer, aber es ist erwiesen, dass es das Schreiben mit der Hand hilft, uns auf die Daten zu fokussieren, die am relevantesten sind und die Information zu synthetisieren, während wir uns beim Schreiben auf dem Computer nicht so sehr darauf konzentrieren, was wir schreiben, weil dieser Prozess eher automatisch stattfindet.

Lerntechniken: Schreibe die Konzepte, die du behalten willst, mehrmals auf. Du kannst dir helfen, indem du Zusammenfassungen erschaffst, verschiedene Typen von Schemata … mit der Hand mitzuschreiben kann dir auch dabei helfen, Information zu interpretieren und weiterzuverarbeiten, so lernst du sie einfacher.

11. Hör keine Musik

Musik zu hören aktiviert unser Gehirn, aber das ist nicht immer von Vorteil. Nach einer Untersuchung lenkt uns jede Art von Musik ab und erschwert das Auswendiglernen.

Lerntechniken: Du kannst versuchen, eine Weile, bevor du mit dem Lernen beginnst, ein bisschen Musik zu hören, um dein Gehirn zu aktivieren. Aber wenn du beginnst zu wiederholen, mach die Musik aus. Wenn die Stille unangenehm für dich ist, kannst du Umweltgeräusche probieren, wie Vogelgesang oder Geräusche in der Cafeteria.

12. Benutze die Kettenlerntechnik:

Diese Technik zum Auswendiglernen ist sehr nützlich und besteht darin, die Wörter einer Zusammenfassung miteinander in Verbindung zu bringen und einen einfachen Satz aus ihnen zu bilden.

Lerntechniken: Zum Beispiel, wenn du dich an die Elemente Lithium, Beryllium, Bor, Kohlenstoff, Sauerstoff, Fluor und Neon erinnern möchtest, kannst du den Satz “Liebestolle Bären brüllen kaum, sondern flirten nur” bilden. Du kannst diese Methode auch nutzen, um erfundene Worte zu bilden, die uns das Auswendiglernen von Inhalten erleichtern. Zum Beispiel, wenn du dich an den Verlauf des Flusses Tajo erinnern möchtest (Aranjuez, Toledo, Talavera de la Reina, Puente del Arzobispo, Alcántara), kannst du die Worte Aratota Puental erfinden.

13. Mach regelmäßige Pausen

Pausen sind grundlegend, um die Information zu festigen und damit sich unsere Aufmerksamkeit erholt. Es kann sein, dass du denkst, du hast keine Zeit, dich auszuruhen, aber eine Pause ist in Wirklichkeit die beste Investition, die du machen kannst.

Lerntechniken: Die Planung der Pausen hängt ein bisschen davon ab, wie viel Zeit am Stück du deine Aufmerksamkeit halten kannst. Es gibt Menschen, die nach 20 Minuten beginnen, sich abzulenken und andere, die eine ganze Stunde konzentriert sein können. Die Dauer der Pause sollte proportional zur Zeit sein, die du gelernt hast. Wenn du eine Stunde am Stück lernst, solltest du 10 oder 15 Minuten entspannen. Bei einer halben Stunde, sind 5-7 Minuten Erholung genug.

Sollte es dir schwer fallen, Pausen zu machen, kannst du versuchen, eine Flasche Wasser bei dir zu haben und regelmäßig zu trinken. So musst du öfter auf die Toilette gehen und zwingst dich, eine Pause zu machen. Du kannst den Moment nutzen, um eine Runde zu gehen oder deinen Rücken zu dehnen.

Du kannst dir auch Wecker stellen oder bestimmte Apps nutzen, die dich daran erinnern, dass du anhalten und eine Pause machen musst.

14. Schlafe gut

Genug Stunden zu schlafen ist essentiell zur Instandhaltung unserer Aufmerksamkeit und Erinnerung. Der Schlaf verfestigt das Gelernte. Es kann sein, dass du glaubst, dass du die Zeit nutzt, wenn du weniger schläfst, um zu lernen. Jedoch wird dein Verstand schlechter funktionieren.

Lerntechniken: Schlafe genug und mache sogar einen Mittagsschlaf. Es gibt viele Untersuchungen, die darauf hinweisen, dass ein kurzer Mittagsschlaf das Lernen und das Gedächtnis verbessert. Aber 15 oder 20 Minuten sind genug. Wenn dein Mittagsschlaf länger ist, kann es sein, dass die Schläfrigkeit deine nachfolgende Lernsitzung beeinträchtigt.

15. Wende die Leitner-Methode an

Die Leitner-Methode ist eine sehr effiziente und interaktive Art, die zu lernende Information vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis zu transportieren. Außerdem bringt sie uns dazu, uns besonders auf die Information zu konzentrieren, bei der es uns am schwersten fällt, sie zu lernen.

Lerntechniken: Schreibe das Lernmaterial nach Themen oder Konzepten aufgeteilt oder so strukturiert, wie du möchtest, auf Karteikarten oder Blätter. Wenn du alle Karteikarten beschrieben hast, ordnest du sie in Fach 1 ein.

Die Methode besteht darin, die Karteikarten nach und nach aus dem Fach 1 zu nehmen und die Information hervorzuholen. Wir sagen uns den Inhalt der Karteikarte selbst auf. Wenn wir ihn können, legen wir die Karte in Fach 2. Wenn nicht, bleibt sie in Fach 1. Das Ziel ist, am ersten Tag alle Karteikarten in Fach 2 zu legen.

Nach und nach legen wir alle Themen von einem Fach ins andere, bis wir zu Fach 5 kommen, wenn wir alles perfekt können. Wir müssen uns einen Kalender machen, um zu wissen, wie oft wir jedes Fach noch einmal durchgehen müssen. Zum Beispiel:

  • Fach 1: Heute durchgehen.
  • Fach 2: In einem Tag.
  • Fach 3: In zwei Tagen.
  • Fach 4: In einer Woche.
  • Fach 5: In einem Monat.

Dieser Plan muss so ausgeglichen sein, dass wir das Fach 5 Tage vor der Prüfung wiederholen. Wenn wir eine Karteikarte nicht richtig erinnern, legen wir diese zurück ins erste Fach, unabhängig davon, wo sie sich befand.

16. Mach Prüfungen um zu üben

Prüfungen oder Prüfungssimulationen zu machen hilft uns dabei, unsere Kenntnisse zu prüfen und sie zu festigen. Außerdem hilft es uns, zu wissen, wie gut wir die Lektion kennen.

Lerntechniken: Wenn es möglich ist, bitte deinen Professor um Prüfungsmodelle oder Fragen in dem Stil, wie sie in der Prüfung drankommen werden. Versuche auch die Übungen zu machen, die dir das Textbuch vorschlägt.

17. Meditiere, um dich besser zu konzentrieren

Die Meditation verbessert unsere Aufmerksamkeit, dient aber außerdem dazu, unser Stresslevel zu senken.

Lerntechniken: Zwischen 10 und 15 Minuten am Tag zu meditieren ist genug, um die Konzentration zu verbessern. Du kannst deine Lernpausen nutzen, um einige Minuten zu meditieren. Entdecke mehr zur Achtsamkeitsmeditation und wie man sie ausführt.

18. Probiere die Methode vom Gedächtnispalast

Eine der meist verwendeten Mittel zum Auswendiglernen ist der sogenannte Gedächtnispalast. Diese Lerntechnik kann die helfen, große Mengen an Information strukturiert zu speichern, indem du fiktive Orte in deinem Gehirn erschaffst. Mit Übung kann jeder lernen, sie zu verwenden. In diesem Video wird detailliert erklärt, wie du diese Lernmethode umsetzen kannst.

Denk daran, dass dir manchmal, auch wenn du viel lernen hast, die Nervosität die einen bösen Streich im Moment der Prüfung spielen kann. Wirf nicht deine ganze Mühe zu Boden, sondern geh noch einmal durch, wie du eine Prüfung richtig machst.

Quelle: Andrea García Cerdán, Psychologin bei CogniFit.