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Antisoziale Persönlichkeitsstörung – zur Manipulation geboren?

Manipulativ, gefühlskalt und rücksichtslos, sie überrennt andere Personen und ihre Bedürfnisse geradezu, ohne dabei auch nur die geringste Reue zu empfinden – die antisoziale Persönlichkeitsstörung ist eine anerkannte Persönlichkeitsstörung, die noch weit über das typische Klischee des heimtückischen Managers oder manipulativen Vermögensberaters hinausgeht. Doch wo liegt die Grenze zwischen egozentrisch-berechnend und einer Persönlichkeitsstörung?

Personen mit einer antisozialen Persönlichkeitsstörung sind oft egozentrisch und manipulativ

Antisoziale Persönlichkeitsstörung – Symptome und Diagnose

Besonders auffällig und bezeichnend für die antisoziale Persönlichkeitsstörung – auch dissoziale Persönlichkeit genannt –  ist eine überdauernde Tendenz, mit dem eigenen Verhalten die Rechte anderer zu missachten oder zu verletzen. Mit Rechten sind dabei nicht unbedingt juristische Grundrechte gemeint, sondern es geht vor allem um gesellschaftliche Werte und Normen, die mitmenschliche Interaktionen regeln und den Umgang in sozialen Situationen regulieren.
Diese Tendenz ist in der Regel bereits in der Kindheit erkennbar, indem das Kind schon im Kindergarten oder in der Schule auffällig häufig Regeln missachtet, Unterricht schwänzt, zum eigenen Vorteil lügt, randaliert oder stiehlt.

Die antisoziale Persönlichkeitsstörung zieht sich häufig bis ins Erwachsenenalter durch, wo sie in schwerwiegenderer Kriminalität und Gewalt enden kann, aber nicht muss. Viele antisoziale Persönlichkeiten sind gut sozial eingebettet und sehr erfolgreich, da sie risikofreudig sind und es ihnen aufgrund ihrer Rücksichtslosigkeit nicht schwerfällt, andere Personen zu manipulieren oder zu übergehen. Dies wird dadurch erleichtert, dass betroffene Personen durchaus sehr charmant sein können, wenn es ihrem Vorteil dient, und die Emotionen anderer leicht wahrnehmen, auch wenn ihr eigenes Gefühlsspektrum eher beschränkt ist.

Im DSM-V, einem Klassifikationssystem von psychischen Störungen, ist die antisoziale Persönlichkeitsstörung dem 2. Teilbereich B zugeordnet, welcher dramatische und emotionale Persönlichkeitsstörungen beschreibt. Die hier klassifizierten Merkmale der antisozialen Persönlichkeitsstörung, von denen mindestens 3 zur Diagnose der Störung erfüllt sein müssen, lauten wie folgt:

  • Verletzung der Rechte anderer; hiermit ist vor allem die fehlende Rücksicht auf gesellschaftliche Normen und Regeln gemeint
  • Impulsivität oder Versagen, vorausschauend zu planen
  • mangelndes Verantwortungsbewusstsein, Verantwortungslosigkeit vor allem in Bezug auf finanzielle, berufliche oder soziale Verpflichtungen
  • Gefühllosigkeit, fehlende Reue
  • Reizbarkeit, erhöhte Aggressivität und häufige Beteiligung bei körperlichen Übergriffen
  • Rücksichtslosigkeit, keine Beachtung der Gefühle, Rechte und Sicherheit anderer Menschen
  • Falschheit, in der Regel ausgedrückt durch wiederholtes Lügen, falschen Identitäten oder Manipulation anderer zum eigenen Vorteil

Charakteristisch ist für Personen mit einer antisozialen Persönlichkeitsstörung, dass sie lediglich ihren eigenen Vorteil zu erfüllen versuchen. Sie empfinden kaum Schuldgefühle, wenn sie sich über Normen hinwegsetzten und andere Menschen dabei vor den Kopf stoßen, da sie sich kaum für die Empfindungen anderer verantwortlich fühlen – auch, wenn sie mit ihrem Verhalten erst für diese Empfindungen sorgen.

Nicht jeder, der ab und zu aufgrund einer rücksichtsloseren und manipulativeren Art sozial aneckt, leidet aber unter einer antisozialen Persönlichkeitsstörung.

Derzeit schätzt man, dass etwa 3% aller Männer und ca. 1% der Frauen die genannten Symptome ausreichend erfüllen und an einer antisozialen Persönlichkeitsstörung leiden. Besonders hoch ist die Konzentration antisozialer Persönlichkeiten aufgrund ihrer Reizbarkeit und der niedrigen Aggressionsschwelle unter Gefängnisinsassen; verschiedene Studien schätzen, dass zwischen 25 und 40% der Strafgefangenen darunter leiden.

Doch woher kommt diese extreme Ausprägung der Symptome überhaupt, die so weit geht, dass sie sogar als Persönlichkeitsstörung anerkannt ist?

Wie entsteht eine antisoziale Persönlichkeitsstörung?

Es gibt verschiedene Theorien, die die Entstehung einer antisozialen Persönlichkeitsstörung zu erklären versuchen. Die wahrscheinlichste und umfassendste Erklärung bietet dabei das Zusammenspiel von biologischen, sozialen/umweltbezogenen und psychischen Faktoren.

Verschiedene Untersuchungen legen nahe, dass die antisoziale Persönlichkeit genetisch beeinflusst zu sein scheint. Eine große Rolle wird hier dem sogenannten MAO-A-Gen zugesprochen, welches das Vorkommen verschiedener Stoffe wie Serotonin, Dopamin und Noradrenalin im Gehirn reguliert. Liegt dieses Gen in einer besonders schwachen Form vor, so kann es vermehrt zur Entwicklung einer antisozialen Persönlichkeitsstörung kommen.
Weiterhin stellten einige Forscher die These auf, dass Personen mit einer antisozialen Persönlichkeit Anomalien im Gehirn, vor allem im Frontalhirn, aufweisen. Diese Anomalien betreffen unter anderem das limbische System, die Amygdala, den Hippocampus und weitere Bereiche des Frontalhirns.
Familiäre Häufung spricht ebenfalls für einen genetischen Einfluss auf die antisoziale Persönlichkeitsstörung, da sie oft gehäuft bei mehreren Personen innerhalb einer Familie auftritt und auch Zwillingsstudien einen starken genetischen Einfluss bestätigen.

Diese familiäre Häufung und genetische Basis scheint durch Risikofaktoren aus der Umwelt weiter begünstigt zu werden. Es gibt demnach einige Umweltfaktoren, die die Entstehung einer antisozialen Persönlichkeitsstörung fördern. Dazu zählen unter anderem Missbrauch, elterliche Vernachlässigung und geringe Erziehungskompetenz, sowie das Aufwachsen in einer eher kriminellen Umwelt. Diese Umweltfaktoren können über Lernprozesse und Imitation dazu führen, dass das Kind eine antisoziale Persönlichkeit entwickelt. Mangelnde Liebe und Zuwendung in der Kindheit führt gemäß einiger psychoanalytischer Theorien dazu, dass kein Grundvertrauen zu anderen Menschen aufgebaut wird und deswegen kaum Beziehungen, Emotionen oder Mitgefühl entwickelt werden. Empfindungen anderer Menschen werden daher ebenso übergangen, wie die eigenen Gefühle in der Kindheit übergangen wurden.

Einige Forscher klassifizieren die antisoziale Persönlichkeitsstörung oft als eine Unterform der Psychopathie, wobei die beiden nicht identisch sind, sondern durchaus zu unterscheiden sind, da die Psychopathie eine noch sehr viel ausgeprägtere Form der antisozialen Persönlichkeit darstellt und noch weitere Diagnosekriterien enthält.

Die antisoziale Persönlichkeitsstörung tritt häufig zeitgleich mit anderen Störungen auf und geht oft mit Alkohol– und Drogenkonsum einher.

Therapie der antisozialen Persönlichkeitsstörung

Wie vorher erwähnt, findet sich ein Teil der Personen mit antisozialen Persönlichkeitsstörungen im Gefängnis wieder – dies ist für die Behandlung der Störung jedoch keine gute Alternative. Das einfache Wegsperren der Betroffenen hilft ihnen nicht zu lernen, wie sie mit ihren Charakterzügen umgehen können. Da Betroffene grundsätzlich wenig Reue empfinden bringen negative Erfahrungen, die aus dem gezeigten Verhalten resultieren, in der Regel keinerlei Lerneffekte mit sich, sondern erhöhen lediglich die mit der Störung einhergehende Aggression.
Bisher sind kaum Psychopharmaka bekannt, die bei dieser Störung zuverlässig und dauerhaft wirken.

Die Therapie der antisozialen Persönlichkeitsstörung gestaltet sich grundsätzlich als schwierig, da die Betroffenen – gegeben durch die Natur und die Merkmale der Störung – schlecht mitarbeiten, impulsiv und aggressiv reagieren, eine schlechte Compliance und hohen Widerstand gegen eine Therapie aufbringen und nur selten selbst eine Krankheitseinsicht zeigen – sie schätzen ihr Verhalten selbst eher als sehr normal und angemessen ein. Personen mit antisozialer Persönlichkeitsstörung haben daher in der Regel wenig Motivation, sich überhaupt für eine Therapie anzumelden – sie werden eher z.B. vom Arbeitgeber oder vom Gefängnispersonal dafür eingetragen –  geschweige denn dabei aktiv mitzuarbeiten.

Ist eine Person mit antisozialer Persönlichkeit doch willig, sich in therapeutische Behandlung zu begeben, ist vor allem Verhaltenstherapie, gezielt ausgerichtet auf spezifische Bereiche, sinnvoll, um die Persönlichkeitseigenschaften der Betroffenen langfristig zu modifizieren, Verhaltensmuster zu durchbrechen und so aggressive und gewalttätige Tendenzen zu reduzieren, damit ein besseres Sozialleben möglich ist. Diese spezifischen Bereiche umfassen zum Beispiel Trainings zu Aggressions – und Ärgerkontrolle, Problemlösetraining, Empathietraining und ethisches Training, um die soziale Kompetenz zu verbessern. Das Ziel ist hierbei ebenfalls, den Betroffenen alternative Handlungsmöglichkeiten nahezulegen, auf die sie in kritischen Situationen zurückfallen können.

Der Therapieerfolg ist daher abhängig von der Motivation der betroffenen Person, der Ausprägung der Störung, und der Art der Therapie – im Gegensatz zu vielen anderen psychischen Krankheiten und Störungen sind die Ergebnisse einer Therapie der antisozialen Persönlichkeitsstörungen jedoch leider von wenig Erfolg gekrönt.

Was ist die Borderline-Persönlichkeitsstörung? Merkmale, Ursachen und Behandlung

Zwischen 1,6% und 5,9% der Bevölkerung leiden an der Borderline-Persönlichkeitsstörung. Die Symptome entwickeln sich in der Regel zu Beginn des Erwachsenenalters, doch bereits in der Jugend weisen Betroffene emotionale Instabilität, Kontrollverlust und eine hohe Impulsivität auf. Viele bekannte Persönlichkeiten leiden oder litten unter diese Störung. Zu ihnen zählen beispielsweise Amy Winehouse, Angelina Jolie, Jim Carrey oder Winona Ryder. Willst du mehr über diese Störung erfahren?

Borderline-Persönlichkeitsstörung

Einordnung: Die Persönlichkeitsstörungen

Als Menschen leben wir mit anderen Menschen auf dieser Welt zusammen und schreiben unbewusst unsere ganz eigene Geschichte. Eingebettet in einen sozialen Kontext generieren wir in den ersten Jahren anhaltende Muster, die unsere Wahrnehmung, unser Verhalten und die Art mit anderen und uns selbst umzugehen, bestimmen. Diese Muster werden auch als Persönlichkeitsmerkmale bezeichnet.

Laut DSM (dem diagnostischen Leitfaden psychischer Störungen) definieren sich die Persönlichkeitsstörungen durch ein überdauerndes und maladaptives Muster der Persönlichkeitsmerkmale. Das innere Erleben und Verhalten ist durch diese Persönlichkeitsmerkmale dahingegend beeinflusst, dass diese deutlich von den Erwartungen der soziokulturellen Umgebung abweichen. Davon werden mindestens zwei der folgenden Bereiche beeinflusst: die Kognition (Wahrnehmung), die Affektivität (emotionales Erleben und Reaktionen), die Gestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen und die Impulskontrolle. Das Persönlichkeitsmuster ist bei diesen Störungen sehr inflexibel und erstreckt sich über viele soziale Situationen und löst ein klinisch relevantes Leiden aus. Dadurch kommt es zu Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen und anderen relevanten Lebensbereichen.

Im DSM werden die verschiedenen Persönlichkeitsstörungen in Abhängigkeit ihrer Merkmale in verschiedene Cluster unterteilt.

  • Cluster A: umfasst die schizophrenienahen Persönlichkeitsstörungen. Das sind solche, bei denen die Betroffenen exzentrisch, sonderbar, misstrauisch und affektarm wirken.
  • Cluster B : in dieser Gruppe befinden sich die Persönlichkeitsstörungen bei denen die Personen sich dramatisch, emotional und irritierbar zeigen. Die Borderline-Persönlichkeitsstörung wird zu diesem Cluster gezählt.
  • Cluster C: hierunter fallen die Persönlichkeitsstörungen bei welchen sich  die Betroffenen als ängstlich, vermeidend und furchtsam beschreiben lassen.

Was ist die Borderline-Persönlichkeitsstörung?

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung wird zum Cluster B der Persönlichkeitsstörungen gezählt (zum Cluster B zählen ebenfalls die histrionische Persönlichkeitsstörung, die narzisstische Persönlichkeitsstörung und die antisoziale Persönlichkeitsstörung).

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung zeichnet sich durch ein überdauerndes und unflexibles Muster der Persönlichkeitsmerkmale aus. Zu diesen Mustern zählt beispielsweise die Instabilität zwischenmenschlicher Beziehungen, die Instabilität des Selbstbildes und der Affektivität (die Gefühle und Emotionen). Außerdem weisen die Betroffenen eine hohe Impulsivität in ihrem Verhalten auf.

Marsha M. Linehan, eine US-amerikanische Psychologin und Expertin der Borderline-Persönlichkeitsstörung beschreibt Betroffene als “Personen mit emotionalen Unregelmäßigkeiten die aus einer nicht wertschätzenden Umgebung stammen“.

Das folgende Video zeigt die Geschichte von Personen, die an der Borderline-Persönlichkeitsstörung leiden und wie ihr Leben dadurch beeinflusst wird.

Merkmale der Personen mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung

Durch was zeichnen sich Personen mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung aus? Im folgenden werden die Hauptsymptome der Borderline-Persönlichkeitsstörung beschrieben:

  • Personen mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung zeigen sehr intensive emotionale Reaktionen. Dabei verfügen sie nicht über die Fähigkeit diese Emotionen zu identifizieren und richtig auszudrücken, was zu einem großen Leiden führt und sich deutlich auf ihre Lebensqualität auswirkt.
  • Ein weiteres Merkmal ist, dass Betroffene sehr instabile Gemütszustände haben. Dabei kommt es vor, dass die Personen in kürzester Zeit (Stunden oder Tagen) von einem tief depressiven Zustand in einen Zustand hoher Aufregung oder Wut wechseln. Unangemessene intensive Wut und Schwierigkeiten diese unter Kontrolle zu bekommen ist ebenso eine Charakteristik für diese Störung, wie eine fehlende Selbstkontrolle, schlechte Laune oder die Verwickelung in Streitereien.
  • Personen mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung fühlen sich oft leer und haben unkontrollierbare Angst davor verlassen zu werden, was dazu führt, dass sie sich verzweifelt bemühen das Verlassenwerden zu verhindern (sei  diese Annahme real oder eingebildet).
  • Betroffene drohen häufig ihren Suizid an und zeigen selbstverletzendes Verhalten, welches Ausmaße annehmen kann, die einem Suizidversuch gleichkommen. Das selbstverletztende Verhalten tritt häufig in Momenten auf in denen die Person dissoziiert. Es hilft den Betroffenen Schuldgefühle zu verringern oder gibt ihnen die Fähigkeit sich und ihren Körper zu spüren und so das Gefühl zu erlangen, dass dieser ihnen gehört. Ein Auslöser für dieses Verhalten kann vermeintliche Ablehnung sein. Beispielsweise wenn jemand ein Treffen absagt, sich verspätet oder die Partnerin/ der Partner eine Reise unternehmen muss oder die behandelnde Psychologin die Sitzung beendet.
  • Betroffene weisen sehr impulsive Verhaltensweisen auf, die schädlich für sie selbst sind. Beispielsweise äußern sie häufig ein impulsives Sexualverhalten, geben viel Geld aus oder haben ein exzessives Essverhalten. Ebenfalls zeigen sie Risikoverhalten in Form von rücksichtslosem Fahren oder Substanzmissbrauch von Kokain, Alkohol oder anderen Drogen.
  • Eine weitere Besonderheit der Personen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung ist, dass diese oft das Gefühl haben, dass sich ihre Identität wandelt. Das bedeutet, dass das Bild und das Gefühl, was sie von sich selbst haben instabil ist und sich leicht verändert.
  • In Stresssituationen haben Betroffene oft paranoide Züge, sie fühlen ungerecht behandelt oder gequält. Ebenfalls kann es zu schweren dissoziativen Symptomen kommen. Hierbei entsteht das Gefühl, dass ihr Körper nicht ihnen gehört, dass die Umgebung nicht real ist oder sie nicht mit dieser verbunden sind.
  • Aus all diesen Gründen haben Betroffene instabile und intensive zwischenmenschliche Beziehungen, wobei hier das Gegenüber in einem Moment idealisiert und in einem anderen komplett abgewertet wird. Die Meinung die Erkrankte über Menschen aus ihrem Umfeld haben ändert sich demnach ständig.

Ursachen der Borderline-Persönlichkeitsstörung

Statt von Ursachen sollte man besser von Risikofaktoren sprechen. Die Forschung hat gezeigt, dass sowohl genetische als auch familiäre Faktoren im Zusammenhang mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung stehen.

Genetische Faktoren: Es hat sich gezeigt, dass bei Verwandten ersten Grades von Personen mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung ein fünffach erhöhtes Risiko besteht, die Störung ebenfalls zu entwickeln. Für Menschen die Familienmitglieder haben, die an Substanzabhängigkeit, Depression, der bipolaren Störung oder der dissozialen Persönlichkeitsstörung leiden, ist die Prävalenz für die Borderline-Persönlichkeitsstörung ebenfalls erhöht.

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung wird deutlich häufiger bei Frauen (75%) als bei Männern diagnostiziert.

Ebenfalls scheint die Beziehung zu den primären Bezugspersonen aus der Kindheit eine wichtige Rolle bei der Entstehung dieser Persönlichkeitsstörung zu spielen, dabei vor allem die Beziehung zur Mutter.

Die Merkmale der Borderline-Persönlichkeitsstörung werden als Konsequenz des dysfunktionalen Musters gesehen, welches wenig adaptiv ist und während der Kindheit nicht in die familiären Beziehungen integriert wurde, woraus sich ein entsprechender Bindungsstil entwickelt.

Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung. Gibt es eine Heilung? 

Von allen Persönlichkeitsstörungen gibt es für die Borderline Störung am meisten wirksame psychologische Behandlungsformen.

Die derzeit im Zusammenhang mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung am besten untersuchte und wirksamste Therapieform, ist die von von M.M. Linehan entwickelte Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT, dialektische Verhaltenstherapie). Diese wurde speziell für die Borderline-Persönlichkeitsstörung entwickelt. Insbesondere die Behandlung der Suizidalität, des selbstverletzenden Verhaltens und der affektiven Instabilität stehen hier im Mittelpunkt.

Die Therapie besteht aus verschiedenen Techniken, die darauf ausgerichtet sind Fertigkeiten zur Emotionsregulation, Akzeptanz und Achtsamkeit (Mindfulness) zu verbessern. Ebenfalls werden Strategien zur Verbesserung der sozialen Fertigkeiten und zwischenmenschlichen Beziehungen erlernt. Auch wird an der Frustrationstoleranz und dem Unwohlsein gearbeitet.

Personen, die sich in psychotherapeutischer Behandlung befinden zeigen gelegentlich Verbesserungen im ersten Jahr. Die Tendenz zu extremen Emotionen, zur Impulsivität und Instabilität ist jedoch überdauernd.

Es kann also nicht von einer Heilung gesprochen werden, vielmehr geht es für Betroffene darum die Störung zu akzeptieren und Strategien zu lernen und zu assimilieren, welche die Lebensqualität verbessern können.

Wie kann man einer Person mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung helfen?

Das  Zusammenleben mit einem Menschen der an der Borderline-Persönlichkeitsstörung leidet kann für viel Verwirrung und Leiden bei Freunden und Familienmitgliedern führen. Merkmale wie die emotionale Instabilität oder Impulsivität werden oftmals mit exzentrischem, egoistischem, launischem und chaotischem Verhalten verwechselt. Die plötzlichen und abrupten Stimmungsschwankungen können zu großen Konflikten sowohl bei den Betroffenen und deren Angehörigen führen.
Die folgenden Empfehlungen können dabei helfen das Zusammenleben mit Menschen mit dieser Störung zu erleichtern. Wie unterstützt und hilft man Personen mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung? Mit diesen Tipps lässt sich die Beziehung zu ihnen verbessern:
  • Betroffene sind sehr extrem und impulsiv. Für sie sind die Dinge “schwarz oder weiß”. Aus diesem Grund kann es für Angehörige hilfreich sein, dieses Schwarz-Weiß-Denken nicht zu unterstützen und nicht das andere Extrem zu verkörpern. Wenn eine betroffene Person beispielsweise sagt “ich halte es nicht aus“, “ich kann nicht mehr“, “ich schaffe das nicht” sollten Angehörige darauf nicht das Gegenteil antworten wie “du überstehst das“, “du kannst das“, “du schaffst das“. In diesen Situationen kann es hilfreicher sein Dinge zu sagen wie “Es ist sehr kompliziert, aber wir glauben an dich, wir werden dir helfen das zu schaffen“. Dadurch hilft man den Betroffenen Facetten wahrzunehmen und aus dem extremen Denken “alles oder nichts”, “gut oder schlecht” herauszukommen.
  • Informationen suchen und dabei helfen eine Diagnose zu erhalten: Wenn man einer Person mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung helfen möchte, ist es sehr wichtig sich über die Störung zu informieren und diese gut zu verstehen. Wenn die betroffene Person noch keine Diagnostik beziehungsweise Therapie erhalten hat, ist es sinnvoll sie in diesem Prozess zu begleiten. Dabei kann man beispielsweise bei der Suche nach einer Expertin oder einem Experten helfen, damit eine angemessene psychotherapeutische Behandlung stattfinden kann. Ebenfalls sollte man emotionale Unterstützung anbieten und sich geduldig und mitfühlend zeigen. Es kann ebenfalls sehr hilfreiche sein zusammen eine Therapie zu machen, da einem dort Empfehlungen für den Umgang mit kritischen Situationen gegeben werden können. Dadurch kann der Umgang untereinander und die Beziehung gemeinsam verbessert werden. Auch wenn es für einen selbst schwierig ist das gezeigte Verhalten zu verstehen oder nachzuvollziehen, darf man nicht vergessen, dass die Menschen mit der Störung selbst am allermeisten unter ihr leiden. Ein Mensch mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung leidet. Emotional instabil zu sein, kann sehr bedrückend sein und im Grunde hegen Betroffene den Wunsch daran zu arbeiten, um nicht leiden zu müssen. Man sollte der betreffenden Person vermitteln, dass man für sie da ist und dass sie Willensstärke für die Veränderung aufbringen sollte.
  • Eine Familientherapie kann hilfreich sein, damit alle Familienmitglieder eine bessere Bindung zu der Patientin oder dem Patienten aufbauen: Informiert zu sein ist sehr wichtig, um die Situation der Patientin oder des Patienten zu verstehen. Das bedeutet nicht, dass man das Verhalten oder Handlungen akzeptieren muss. Wenn die betroffene Person beispielsweise selbstverletzendes Verhalten zeigt oder einen Wutanfall hat kann man versuchen die zugrundeliegende Bedeutung zu verstehen (Wut, Hilferuf, Ärger). Wenn man selbst einige Techniken erlernt, kann man dem Familienmitglied mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung helfen die Emotionen und Gefühle anders Kund zu tun: diese mit Wörtern auszudrücken, die Wut an einem Kissen auszulassen oder Sport zu machen, etc…
  • Es gibt Techniken und Übungen, um die Impulsivität zu kontrollieren: Diese Strategien können Betroffenen helfen weniger impulsive Entscheidungen zu treffen und voreilige Reaktionen zu vermeiden. Die Impulsivität und die Unfähigkeit Frustrationen auszuhalten kann dazu führen, dass die Betroffenen spontan emotionale und wenig rationale Entscheidungen treffen, welche sie selbst verletzten und in Gefahr bringen.
  • Keine Lügen, Erpressung oder Misshandlungen von Seiten der Person mit Borderline-Persönlichkeitsstörung tolerieren: Es ist wichtig, dass die Angehörigen den Personen mit dieser Störung verbalisieren, was ihre Handlungen in ihnen auslösen: Beispielsweise Mitleid, Trauer oder Besorgnis zu zeigen, vermittelt die echte Sorge, die man verspürt, wenn selbstverletzendes oder selbstschädigendes Verhalten gezeigt wird. Wenn eine Krisensituation herrscht ist es wichtig, die Dinge nicht persönlich zu nehmen. Man muss sich immer wieder vor Augen führen, dass die betroffene Person nicht so handelt weil sie das so möchte, sondern weil sie dieses Verhalten nicht vermeiden kann. Ebenso wenig sollte man sich jemals für ihr Verhalten verantwortlich fühlen.

Gerne kannst Du weitere Ratschläge für den Umgang mit Personen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung vorschlagen. Zögere nicht, deine Fragen, Vorschläge oder Kommentare unter dem Artikel zu posten.

Übersetzt aus dem Spanischen. Original: Rosa Calderón Vicente, Psychologin bei CogniFit.