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Adrenalin oder Epinephrin: ein nützlicher Leitfaden mit Fragen und Antworten

Erfahre alles über Adrenalin (Epinephrin): Was es ist; wozu es dient; seine Eigenschaften; Funktionen; Effekte; wie dieses Molekül freigesetzt wird; was passiert, wenn man ein Erfolgserlebnis hat; der Einsatz in der Medizin; Nebenwirkungen, usw… Entdecke hier einen nützlichen Leitfaden mit Fragen und Antworten

Jeder hat schon einmal von Adrenalin gehört. Es gibt eine Vielzahl von Aktivitäten oder Extremsportarten, bei denen eine große Menge Adrenalin freigesetzt wird. Wir wissen, dass wir diese Substanz produzieren, wenn wir starke Emotionen verspüren oder Extremsituationen erleben. Durch die Ausschüttung von Adrenalin verändert sich die Herzfrequenz und die Atmung. Wenn Adrenalin freisetzt wird können wir spüren, wie unsere Kraft und Energie steigt, wir fühlen uns euphorisch und unbesiegbar… Wenn wir aber mal beiseite lassen in welchen Situationen wir es ausschütten können, was wissen wir dann eigentlich über diese Substanz? Im folgenden werden alle Zweifel geklärt und Fragen beantwortet:

Was ist Adrenalin? Definition:

Adrenalin, synthetisch auch unter dem Namen Epinephrin bekannt, ist ein Molekül, welches unser Körper in Alarmsituationen freisetzt. Also dann, wenn wir eine Bedrohung wahrnehmen.

Diese Substanz ist dafür verantwortlich, dass bestimmte Körperprozesse ausgelöst werden, die dafür sorgen, dass unser Körper auf eine potentielle Gefahr reagieren kann. Die Effekte von Adrenalin (Epinephrin) dienen also einem bestimmten Zweck: Die Bereitstellung von Energie, damit unsere Muskeln und unser Körper auf einen potentiellen Angriff oder eine Gefahrensituation reagieren kann.

Adrenalin (Epinephrin) bereitet uns darauf vor schnell handeln und reagieren zu können. Es verändert unseren Körper kurzzeitig so, dass wir die größtmögliche Leistung erbringen können. Deshalb sagt man auch, dass diese Substanz die Überlebensmechanismen auslöst. Sie bringt uns auf Trab, damit man sich den Situationen stellen kann, die eine schnelle Reaktion erfordern.

Adrenalin (Epinephrin) hat verschiedene Funktionen in unserem Körper: Wenn es in den Blutkreislauf ausgeschüttet wird, wirkt es als Hormon und wenn es in den synaptischen Spalt (zwischen zwei Neuronen) freigesetzt wird, als Neurotransmitter.

  • Adrenalin als Hormon: Als Hormon gelangt Adrenalin über den Blutkreislauf durch unseren Organismus zu verschiedenen Zellen und Zonen des Körpers, wo es zahlreiche Reaktionen auslöst.
  • Adrenalin als Neurotransmitter: agiert als chemischer Nachrichtenüberbringer. Es ist in dem Fall dafür verantwortlich die Nachrichten des Nervensystems zu versenden. Diese Substanz überträgt die Information von einem Neuron zum nächsten. Die Effekte sind dabei stark mit der Aufmerksamkeit, dem Alarmzustand und dem Belohnungssystem des Gehirns verbunden.

Wenn wir uns in einer gefährlichen, risikoreichen oder stressigen Situation befinden, wird die andrenerge (eine Art von Rezeptormolekülen in den Zellen des Körpers, welche die Signale von Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin empfangen) Reaktion ausgelöst. Das Adrenalin wird über das Blut kanalisiert und wirkt in verschiedenen Organen und Teilen des Körpers. Dort löst es sehr konkrete Effekte aus, welche die Aktivierung des Körpers zur Folge haben: Die Ausdehnung der Atemwege, um die Sauerstoffaufnahme zu steigern; die Verengung der Blutgefäße; die Erhöhung des Pulses, usw…

Diese Substanz wird in der Regel in Stress-, Erregungssituationen oder Situationen der Anspannung produziert. Sie wird vor allem mit Extremsport oder risikoreichen Aktivitäten in Verbindung gebracht, doch auch in Alltagssituationen wird Adrenalin im Körper freigesetzt. Wenn wir eine Prüfung haben, wenn wir zufälligerweise jemanden auf der Straße treffen, bei einem wichtigen Treffen, oder am Tag der Hochzeit. Das Adrenalin (Epinephrin) macht es beispielsweise auch möglich, die ganze Nacht vor einer Prüfung zu lernen.

Ursprung des Wortes

Der Begriff stammt aus dem Latein ad (was soviel heißt wie “bei, neben”) und renes (was Niere bedeutet). Das Wort Adrenalin steht also für “neben den Nieren”. Ein polnischer Philosoph, Napoleon Cybulski, extrahierte aus den Nebennieren eine Substanz, welche Adrenalin enthielt. Jahre später entdeckte ein japanischer Chemiker, Jokichi Takamine, die Substanz. Das war im Jahre 1900.

Vier Jahre später gelang es Friedrich Stolz und Henry Drysdale Dankin die Substanz erstmals synthetisch in einem Labor herzustellen, das sogenannte Epinephrin.

Sind Adrenalin und Epinephrin das Gleiche?

Adrenalin ist eine körpereigene Substanz, das bedeutet, dass sie von unserem Körper auf natürliche Weise hergestellt wird. Das geschieht in den Drüsen der Nebennierenrinde, die sich direkt über den Nieren befinden. Die gleiche Substanz kann jedoch auch in Labors synthetisiert werden. In dem Fall verwendet man entsprechend den Namen Epinephrin (synthetisches Adrenalin), dieses findet in Pharmazeutika und Medikamenten Anwendung.

Die beiden Begriffen werden unabhängig von einander genutzt, um das Hormon zu bezeichnen, was in den Nebennieren in Stresssituationen produziert wird. Die Begriffe werden daher häufig synonym verwendet.

Funktion von Adrenalin: Aktivierungsmechanismus

Wozu dient es? Finde im Folgenden heraus, wie diese Substanz wirkt und welche Handlungsmechanismen dadurch ausgelöst werden. Die wichtigsten Prozesse, bei denen Adrenalin in relativ großen Mengen freigesetzt wird, sind die folgenden:  

1- Effekte von Epinephrin in den Lungen:

Adrenalin oder Epinephrin erweitern die Bronchien. Es ermöglicht, dass sich die Bronchien und die Lungenmuskulatur entspannen und erhöht die Atemfrequenz. Die Atemkapazität steigt, wodurch deutlich mehr Sauerstoff aufgenommen wird und mehr davon zu den Zellen gelangt. Ein sauerstoffreicheres Blut ermöglicht es körperlich leistungsstärker zu sein.

2- Effekte von Epinephrin auf das Herz und den Blutdruck:

Adrenalin oder Epinephrin wirken an den Rezeptoren des Herzens und führt so dazu, dass es sich stärker zusammenzieht und der Puls und Blutdruck steigt. Wenn das Herz mehr Blut durch den Körper pumpt, erhalten die Muskeln mehr Sauerstoff und können sich mehr anstrengen. Dadurch kann man schneller rennen, höher springen, stärker schlagen, usw…

3- Effekte von Epinephrin auf die Pupillen und die Sicht:

Adrenalin oder Epinephrin vergrößern die Pupillen, wodurch mehr Licht ins Auge gelangt. Dadurch werden die Sicht und die Wahrnehmung verbessert. Das ermöglicht es, sich bewusster darüber zu sein, was in der Umgebung passiert.

4- Epinephrin aktiviert Glykogen (Energiereserve der Muskeln und der Leber):

Adrenalin oder Epinephrin aktivieren die Energiereserven, die sich in den Glykogenmolekülen befinden. Wenn der Körper oder die Zellen in einem Notfall einen Energieschub benötigen, was in gefährlichen, angespannten oder alarmierenden Situationen der Fall ist, baut sich Glykogen in Glukose ab, welches dann für den energetischen Metabolismus zur Verfügung steht.

5- Epinephrin hemmt die Verdauungsfunktionen:

Unser Verdauungstrakt verbraucht eine große Menge an Energie, um die Nahrung zu verdauen. In alarmierenden Stresssituationen, in denen wir einer Gefahr gegenüberstehen, ist dieser Vorgang nicht gerade hilfreich, weshalb Adrenalin oder Epinephrin dafür sorgen, diesen Prozess zu hemmen. Dies geschieht, damit die Energie die benötigt wird, um effizient auf die Gefahr reagieren zu können nicht verschwendet wird.

6- Epinephrin löst Veränderungen im Metabolismus des Körpers aus:

Wenn Adrenalin oder Epinephrin in den Rezeptoren unseres Organismus synthetisiert wird, kommt es zu einer Reihe von metabolischen Veränderungen. Die Verbindung von Epinephrin mit den adrenergen Rezeptoren kann die Freilassung von Insulin in der Bauchspeicheldrüse hemmen, die Glykogenolyse in der Leber und den Muskeln stimulieren (Abbau von Glykogen zu Glukose), die Sekretierung von Glukagon in der Brauchspeicheldrüse anregen um den Blutzuckerspiegel im Blut zu erhöhen, die Ausschüttung des Hormons Adrenocorticotropin (ACTH) in der Hypophyse anregen und die Lipolyse (Aufspaltung von Fetten) im Fettgewebe erhöhen. Das alles um die energetischen Bedürfnisse zu decken.

All diese Effekte tragen dazu bei, dass sich die Konzentration von Fettsäuren im Blut erhöht und der Blutzucker steigt. Dadurch kann die Energieproduktion in den Zellen des Körpers erhöht werden.

Können wir Andrenalin willentlich freisetzen? Wie man einen Adrenalinstoß erhalten kann

Eine Art und Weise willentlich Adrenalin auszuschütten, ohne dabei eine Risikosituation aufzusuchen, ist es sich selbst dazu zu zwingen, seine eigene Komfortzone zu verlassen, neue Aktivitäten auszuprobieren, sich mit neuen unbekannten Menschen zu treffen, neue Orte kennenzulernen, usw… Diese Handlungen können dabei helfen einen zusätzlichen Energieschub zu bekommen.

Eine andere Form wie man einen höheren Adrenalinspiegel erhalten kann ist die Konfrontation mit erschreckenden Reizen (Horrorfilme, in eine Geisterbahn zu gehen, Achterbahn zu fahren) oder bestimmte körperliche Aktivitäten auszuführen. Man sollte dabei jedoch stets aufpassen und nichts tun, was einem Schaden hinzufügen kann, nur um das gewisse Extra zu verspüren.

Im Falle von Extremsportarten oder dem Achterbahnfahren wird im Gehirn ein Schwindelgefühl produziert, was einer Alarmsituation gleich kommt, weshalb der Körper daraufhin Adrenalin ausschüttet. Wenn wir dann wieder auf normalem Boden stehen fühlen wir uns euphorisch, erfüllt und sind positiv erregt.

Wieso gibt es Menschen, die das Bedürfnis nach einem Adrenalinkick haben? Viele Personen, die Angstsymptome oder Stress erleben suchen nach neuen Möglichkeiten große Mengen Adrenalin auszuschütten. Das passiert beispielsweise wenn man ganz schnell Auto fährt und dadurch euphorisch wird.

Eine Erklärung hierfür ist, dass die Freisetzung dieser Substanz einen (vorübergehenden) Zustand maximaler Energie, Euphorie und Handlungsfähigkeit hervorruft. Anschließen fühlt sich die Person auf angenehmen Weise entspannt.

Adrenalin freisetzen

Was passiert, wenn exzessiv Adrenalin freigesetzt wird?

Diese Substanz ist notwendig, um in gefährlichen oder angespannten Situationen handeln zu können. Vielen Leuten gefällt das euphorische Gefühl, was sie nach einem Andrenalinstoß verspüren. Es ist gut von Zeit zu Zeit Adrenalin freizusetzen, indem man beispielsweise Extremsport betreibt, einen Freizeitpark besucht oder sich einen Horrorfilm anschaut.

Leute die jedoch kontinuierlichem oder chronischem Stress ausgesetzt sind, schütten diese Substanz kontinuierlich aus, was sehr schädlich und belastend für die Gesundheit sein kann.

Exzessiv viel Adrenalin auszuschütten kann zu verschiedenen Pathologien führen wie beispielsweise Bluthochdruck, Kopfschmerzen, Schwindelgefühlen oder Schlafproblemen. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich dessen bewusst zu sein und auf die Anzeichen des eigenen Körpers zu hören und auf die Alarmsignale wie Müdigkeit und Abgeschlagenheit zu achten.

Eine andere mit einem hohen Adrenalinspiegel assoziierte Pathologie bezieht sich auf Menschen die sehr starke Emotionen verspüren (hauptsächlich negative) und eine extreme Gefühlswelt haben. Diese sind anfälliger für kardiovaskuläre Erkrankungen.

Auch gibt es einen Zusammenhang zu Übergewicht. Zusammen mit Cortisol fördert Adrenalin die Einlagerung von Zucker und Fett im Bauchgewebe.

Wenn sich eine Person an die regelmäßigen Adrenalinstöße gewöhnt treten Symptome wie bei einer Suchterkrankung auf (Kraftlosigkeit, Angst, Nervosität, Bedürfnis nach Aufputschmitteln).

In Extremfällen kann es dazu kommen, dass das Immunsystem versagt, was zur Chronifizierung vieler Krankheiten führen kann. Ein dauerhaft erhöhter Adrenalinspiegel kann dazu beitragen, dass Krankheiten wie chronische Müdigkeit oder Fibromyalgie auftreten.

Zusammengefasst sind die Symptome von einem erhöhten Adrenalinspiegel folgende:

  • Erhöhte Herzfrequenz
  • Erweiterte Pupillen
  • Erhöhung der Atmung (Der Sauerstoff gelangt schneller zu den Organen)
  • Erhöhter Blutdruck
  • Kontrolle und Verringerung der Verdauungsfunktionen

Einsatz in der Medizin von Adrenalin (Epinephrin)

Epinephrin (synthetisches Adrenalin) hat seit dem es entwickelt wurde viele Leben gerettet. Es findet in der Medizin in zahlreichen Bereichen, vor allem in der Notfallmedizin bei lebensbedrohlichen Bedingungen, Anwendung. Beim Kreislaufstillstand, einem anaphylaktischem Schock (Immunologische Reaktion auf Lebensmittel, Insektenstiche, Medikamente, etc…), einem Asthmaanfall, einer starken Blutung, einem Kreislaufkollaps, einem Bronchospasmus, um den Effekt einer Anästhesie zu verstärken, usw…

  • Bei einem Herzstillstand wird Epinephrin verwendet, um den Gefäßwiderstand mithilfe der Gefäßverengung zu erhöhen.
  • Bei der Anaphylaxie (starke allergische Reaktion/ allergischer Schock): wirkt Epinephrin durch seine immunologischen Eigenschaften gegen diese Reaktion.
  • Es wird auch in einige Lokalanästhetika beigefügt (Bupivacain und Lidocain): Durch die gefäßverengende Wirkung des Epinephrins wird die Absorption verlangsamt, was die Wirkung des Lokalanästhetikums verlängert.

Dieses Medikament sollten nur in Notfällen eingesetzt werden, da es zu starken Nebenwirkungen kommen kann. Wie alle Medikamente hat Adrenalin auch nachteilige Effekte und sollte bei Allergien, Menschen mit Herzproblemen, Atherosklerose, Engwinkelglaukom oder Phäochromozytom nicht angewendet werden.

Nebenwirkungen bei der Anwendung von Epinephrin?

Die Injektion von Epinephrin kann schwere Nebenwirkungen haben, wie beispielsweise Bluthochdruck, Tachykardie, Herzrhythmusstörungen (starker, schneller oder unregelmäßiger Puls), periphere Gefäßverengung, Gehirn Hämorrhagien, Lungenödeme, Arrhythmien, Brustschmerzen, Hautirritationen, Entzündungen, Hitze oder Hypersensiblität an der Injektionsstelle, Atemschwierigkeiten, Übelkeit, Erbrechen, Schwitzen, Schwindel, Angst, Nervosität, Unruhe, Blässe, Kopfschmerzen, Zittern, usw…

Wie entsteht Adrenalin? Wo wird Adrenalin produziert?

Der Hypothalamus (eine Gehirnstruktur) ist dafür zuständig, dass die Nebennieren Adrenalin ausschütten. In einer Gefahrensituation steigt sowohl die Kraft, als auch die Reaktionsgeschwindigkeit und die Schmerzwahrnehmung wird reduziert.

Adrenalin wird in den Nebennieren synthetisiert, welche die Aminosäure Tyrosin über einige Zwischenschritte in Adrenalin zerlegt. Diese Substanz gehört zu den Katecholaminen, eine Gruppe von Hormonen, die im Zusammenhang mit der körperlichen Antwort auf Stress stehen.
Der Prozess ist folgender: Tyrosin wird zu Levodopa hydroxiliert. Im Anschluss erfolgt eine Decarboxylierung und Dopamin entsteht. Dieses wird hydroxiliert und dadurch zu Noradrenalin weiter prozessiert. Anschließend erfolgt eine N-Methylierung die Synthetisierung von Adrenalin.

Wieso wird es ausgeschüttet? Die Hauptgründe für die Freisetzung dieser Substanz sind die körperliche Bedrohung, starke Emotionen oder eine hohe Umgebungstemperatur. Diese Reize werden im zentralen Nervensystem verarbeitet.

Übersetzt aus dem Spanischen. Original: Sara Morales Alonso, Klinische Neuropsycholgin bei CogniFit.

Nucleus accumbens: Funktionen, Anatomie, assoziierte Störungen,…

Der Nucleus accumbens ist eine Gehirnstruktur, die Teil des Belohnungs- und Lustzentrums ist. Sie ist für die Aktivierung unserer Motivation zuständig und macht es möglich, dass wir unseren Willen in die Tat umsetzen können. Sie spielt eine entscheidende Rolle beim Lernen, dem Gedächtnis, dem Lachen, der Angst, der Aggression, Abhängigkeiten, dem Placebo-Effekt, dem Sex, der Verdauung, usw. Entdecke im Folgenden alles über den Nucleus accumbens: Was diese Struktur ist, welche Funktionen sie hat, ihre Anatomie, Störungen die mit ihr assoziiert sind und vieles mehr. 

Nucleus accumbens: Anatomie und Funktionen

Was ist der Nucleus accumbens? Definition

Er ist ein Gehirnorgan welches an Funktionen wie der Motivation, der Belohnung oder der positiven Verhaltensverstärkung beteiligt ist.

Die Aufgabe des Nucleus accumbens ist es die Motivation und die motorische Ausführung zusammenzuführen. Seine Funktion ist die Umwandlung motivationaler Information, um so die motorischen Handlungen zu aktivieren (Diese sind notwendig, um eine bestimmtes Ziel oder eine gewünschte Belohnung zu erreichen).

Ein Ungleichgewicht der Aktivität des Nucleus wird mit vielen verschiedenen psychiatrischen und neurologischen Störungen in Verbindung gebracht wie der Depression, der Zwangsstörung, der bipolaren Störung, der Angststörung, dem Morbus Parkinson, der Krankheit Corea Huntington, Übergewicht oder auch Drogenabhängigkeit.

Wie wird der Nucleus accumbens aktiviert? Mithilfe von natürlichen positiven Verhaltensverstärkern, wie beispielsweise eine gesunde Ernährung, Geschlechtsverkehr, Geld, usw… Es werden die Neuronen des Nucleus aktiviert, wodurch automatisch Dopamin ausgeschüttet wird, was zu einer unmittelbaren Befriedigung führt.

Zu dieser Reaktion kommt es jedoch nicht nur durch natürliche positive Verhaltensverstärker, diese kann auch durch den wiederholten Konsum von Drogen (Kokain, Heroin, Nikotin, Ecstasy, usw…) ausgelöst werden. 

Grundlegende Neurobiologie des Nucleus accumbens 

Anatomie und Struktur. Dieses Hirnorgan befindet sich im unteren basalen Vorderhirn. Jede Hemisphäre besitzt einen Nucleus accumbens. Diese Struktur ist Teil der Basalganglien und erhält Verbindungen aus dem Area tegmentalis ventralis, welche für die Dopaminproduktion verantwortlich ist.

Anatomisch betrachtet setzt sich der Nucleus accumbens aus zwei Komponenten zusammen: Der Schalenregion (the shell) und der Kernregion (the core). Die Funktionen dieser beiden Teile sind unterschiedlich. Während die Schale mehr mit dem limbischen System (den Emotionen) verbunden ist, hat der Kern eine Verbindung zum motorischen System (die Ausführung der motorischen Handlungen). Diese Bereiche sind bei Nagetieren jedoch weitaus mehr differenziert als bei uns Menschen.

1. Die Schalenregion (Shell)

Der als Schale bezeichnete Bereich besitzt eine erhöhte Anzahl neuronaler Verbindungen, welche diesen Bereich mit anderen Hirnregionen, wie dem limbischen System oder dem Hippocampus vernetzen. Sowohl das limbische System als auch der Hippocampus sind dafür verantwortlich Dopamin, Serotonin und Glutamat zu empfangen. Aus diesem Grund ist die Schalenregion der Teil des Nucleus accumbens, der mit den Emotionen verbunden ist.

Außerdem enthält die Schalenregion ebenfalls wichtige neuronale Verbindungen die vom Frontallappen kommen, die dafür zuständig sind die vom Thalamus gesammelte Information zum zentralen Punkt des Nucleus zu leiten.

2. Kernregion (Core)

Der als Kern bezeichnete Teil zeichnet sich durch Funktionen aus, die hauptsächlich mit der Motorik verbunden sind. Die Kernregion (Core) ist mit den Basalganglien, der Substantia nigra und dem Motorkortex verbunden. Diese Hirnregionen werden in dem Moment aktiviert, in dem eine Handlung mit emotionalem Inhalt ausgeführt wird, die darauf abzielt ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Funktionen des Nucleus accumbens 

Die anatomische Struktur des Nucleus accumbens weist auf seine Funktion hin: die limbisch-motorische Integration. 

  • Emotionen: Der Nucleus erhält Verbindungen aus Bereichen des Gehirns, welche mit den Emotionen zusammenhängen, wie der Amygdala und dem Hypothalamus.
  • Gedächtnis und motorische Areale: Ebenfalls verbindet er sich mit dem Gedächtnis und den motorischen Arealen.

All dies verwandelt ihn in ein grundlegendes Organ für das Erlernen von Verhaltensweisen, die zu positiven Gefühlen führen oder durch welche negative Erfahrungen vermieden werden können.

1- Nucleus accumbens: Das Dopamin und seine Funktion im Belohnungssystem

Die bekannteste Funktion des Nucleus accumbens ist seine zentrale Rolle im Belohungssystem. Wenn wir angenehme Aktivitäten ausführen, wie beispielsweise zu essen oder sexuelle Handlungen auszuführen, werden unter anderem die Dopaminneuronen im Area tegmentalis ventralis aktiviert. Diese Neuronen steigern die Menge des Dopamins im Nucleus, was das Glücksgefühl hervorruft.

Die Verbindung zwischen angenehmen Erfahrungen und der Konzentration des Dopamins im Nucleus accumbens lies Neurowissenschaftlicher über lange Zeit glauben, dass die grundlegende Funktion dieses Organs die Belohnung ist und diese Hirnregion dementsprechend bei Prozessen wie der Abhängigkeit eine Rolle spielt. Auch heute noch wird der Nucleus accumbens als Belohungszentrum des Gehirns angesehen.

Doch durch diese Studie hat man entdeckt, dass er sowohl mit positiven als auch aversiven Reizen in Zusammenhang steht. Laut dieser Studie steigt die Dopaminkonzentration im Nucleus accumbens bei positiven Verstärken und sinkt drastisch ab, wenn aversive Reize wahrgenommen werden.

Dementsprechend ist der Dopaminkreislauf sowohl bei der Speicherung der Information von positiven als auch negativen Umweltreizen involviert. Dies ermöglicht es uns zu merken, wie wir positive Erfahrungen wiederholen und negative vermeiden können.

Aus diesem Grund spielt der Nucleus accumbens eine so wichtige Rolle bei Lernprozessen. Dank diesen Organs sind wir in der Lage Verbindungen zwischen dem was uns Freude oder Schmerzen bereitet herzustellen, um anschließend das eine zu vermeiden und das andere aktiv zu suchen.

2- Nucleus accumbens und der Placebo-Effekt

Gemäß einer Studie, könnte der Nucleus accumbens eine zentrale Rolle beim Placebo-Effekt spielen.

Der Placebo Effekt bezeichnet die psychische Erfahrung einer gesundheitlichen Verbesserung nachdem eine Substanz, Behandlung oder Operation appliziert wurde, die keinerlei Effekt besitzt (wie die Homöopathie und andere Pseudotherapien). Es kommt aber bei den Betroffenen zu einem realen Nutzen.

Dieser Effekt ist so stark, dass er bei Medikamentenstudien eine Variable darstellt, die genau kontrolliert werden muss.

In der besagten Studie wurde mit gesunden Probanden die Funktion des Nucleus accumbens im Zusammenhang mit dem Placebo-Effekt untersucht. Dabei konnte die Ausschüttung von Dopamin im Nucleus während der Verabreichung eines Placebo-Präparats nachgewiesen werden.

Die Wissenschaftler fanden ebenfalls heraus, dass mehr Dopamin ausgeschüttet wurde, wenn die Teilnehmenden im Vorhinhein die positiven Effekte der Substanz erwarteten. In diesem Fall verspürten sie auch eine größere Verbesserung.

3- Nucleus accumbens und die Verbindung zur Liebe und Bindung

Die grundlegende Funktion des Belohnungssystems und des Nucleus accumbens ist es, überlebenswichtige Verhaltensweisen wie die Nahrungsaufnahme, Geschlechtsverkehr und die Bindung zu garantieren. Obwohl dieses Hirnareal auch bei anderen Verhaltensweisen aktiviert wird, sind dies die primitivsten Funktionen.

Aus diesem Grund ist eine Aufgabe des Nucleus accumbens die Generierung von Genuss und Bindung in affektiven Beziehungen. Der Nucleus accumbens spielt bei der Bildung von affektiven Beziehungen und bei der Liebe (Familie, Freunde oder Partnerschaft) eine Rolle und wird auch dann aktiviert, wenn wir zurückgewiesen werden. Wir Menschen sind soziale Wesen und brauchen einander, weshalb es sehr wichtig ist ein solides Unterstützungsnetz zu besitzen. Der Nucleus accumbens hilft uns dabei. Seine Aktivierung versucht ebenfalls zu verhindern, dass wir uns von denen trennen (sowohl räumlich als auch psychisch) die wir lieben.

Bereits beim Betrachten eines Fotos einer nahestehenden Person (Familienmitglied, Partnerin oder Freundin) steigt die Aktivierung des Nucleus accumbens.

Laut einer Studie ist der Nucleus accumbens zusammen mit dem orbifrontalen Kortex dafür verantwortlich die möglichen Gewinne und Verluste, welche die Liebe und die Abneigung mit sich bringen bewertet.

Bei der romantischen Liebe steigt die Dopaminkonzentration im Nucleus, wenn wir mit einer Person zusammen sind, die wir anziehend finden. Das führt dazu, dass wir mehr Zeit mit ihr verbringen wollen und wir Freude und Zufriedenheit durch die reine Anwesenheit dieser Person verspüren. Dieses Phänomen ermöglichte evolutionär gesehen den Erhalt der Spezies.

4- Nucleus accumbens und die Rolle bei der Sucht

Der Nucleus accumbens spielt eine grundlegende Rolle bei der Entstehung von Abhängigkeiten bzw. Süchten. Drogen- oder Substanzmissbrauch führt dazu, dass Dopamin im Nucleus accumbens freigesetzt wird, wodurch Glück und Zufriedenheit verspürt wird. Wir stellen demzufolge eine Verbindung zwischen dem Glücksgefühl und der entsprechenden Substanz her, als Konsequenz wollen wir diese weiterhin konsumieren.

Eine weitere Funktionen des Nucleus ist der Handlungsimpuls bei der Planung und Inhibition von Verhalten. Dies lässt sich auf die Verbindung des Nucleus zum präfrontalen Kortex (Areal der Planung, Aufmerksamkeit…) zurückführen. Dadurch ist es möglich Verhalten auszuführen, das Glücksgefühle in uns auslöst.

5- Nucleus accumbens und das Motivationssystem

Der für die Motivation verantwortliche Neurotransmitter ist ebenfalls das Dopamin. Wie bereits erwähnt, sind das Dopamin und der Nucleus accumbens das perfekte Paar, um angenehme Belohnungsgefühle zu verspüren. Doch das funktioniert nicht nur, wenn wir die Belohnung erhalten haben, sondern auch wenn wir auf diese hinarbeiten. Wenn wir uns auf etwas Angenehmes freuen oder dieses erwarten, wird Dopamin im Nucleus accumbens freigesetzt. Dank der Verbindungen zum präfrontalen Kortex sind wir in der Lage Handlungspläne zu generieren, um die entsprechende Belohnung zu erhalten.

Der Nucleus accumbens hat also die Funktion, eine Belohnung zu antizipieren, um uns zu motivieren diese wirklich zu erhalten.

Können der Nucleus accumbens und das motivationale System verstärkt werden?

Ist es möglich die Motivation zu erhöhen, indem man den Kreislauf des Nucleus accumbens verstärkt? Man kann sein Gehirn dazu trainieren mehr Motivation zu haben und die Ausschüttung von Dopamin im Nucleus auszulösen.

Gestatte dir selbst dir regelmäßig positive Rückmeldung einzuholen, indem du deinen Fortschritt an einer Reihe von Zielen misst. Teile also deine Aufgaben in kleine Zwischenziele ein und belohne dich für das Erreichen jedes einzelnen Zwischenziels. Dabei muss man sich nicht jedes Mal mit einem Stück Torte belohnen, das wäre übertrieben und irgendwann schädlich für die Gesundheit. Belohne dich mit einer kleinen Pause und lobe dich für das was du schon geschafft hast.

Wenn du beispielsweise ein sehr großes Thema lernen musst, unterteile es in kleinere Unterthemen und belohne dich dafür, wenn du ein Unterthema abgeschlossen hast.

6- Die Funktion des Nucleus accumbens beim Lernen und Gedächtnis

Wie bereits erwähnt, fühlen wir uns durch die Dopaminausschüttung im Nucleus accumbens glücklich. Wenn wir mit etwas Negativem konfrontiert sind, sinkt der Dopaminspiegel im Nucleus accumbens deutlich ab. Das hilft uns dabei zu lernen, diese Situation in Zukunft zu vermeiden. Wenn man beispielsweise mit seiner Hand die Herdplatte berührt und sich verbrennt, erhält der Nucleus accumbens eine Antwort, die uns beibringt, dass man die Herdplatte nicht berühren sollte. Wenn ein Kind seinem Vater aber beispielsweise ein Bild malt und dieser sich darüber freut und es lobt, funktioniert das Dopamin im Gehirn als Belohnung. Dadurch lernt das Kind, dass es durch das Verschenken von gemalten Bildern Zuneigung und Lob erhält.

7- Der Nucleus accumbens und Musik

Musik zu hören ist eine der angenehmsten Erfahrungen für Menschen. Laut dieser theoretischer Abhandlung hat Musikhören einen Einfluss auf die Aktivität im Nucleus accumbens. Die musikalischen Reize können die Konzentration des Dopamins und anderer Neurotransmitter signifikant steigern. Auch das passive Hören von unbekannter Musik erhöht die Aktivität dieses Nucleus.

Welche Rolle spielt der Nucleus accumbens bei psychischen Störungen?

Seine Hauptfunktion ist die Intervention im Belohnungssystem. Wenn dieses jedoch nicht richtig funktioniert, sei es aus genetischen Gründen oder bestimmten Lebenserfahrungen, sind damit bestimmte psychische Störungen assoziiert.

Nucleus accumbens und Depression

Gemäß einer Studie ist die neuronale Aktivität des Nucleus mit dem Neurotransmitter Acetylcholin verbunden, welcher die depressiven Verhaltensweisen reguliert. Wenn die Werte dieses Neurotransmitters sinken, beobachteten die Forscher depressive Symptome. Das deutet darauf hin, dass diese Aktivität grundlegend für die Stimmunsregulierung und die Motivation ist.

Nucleus accumbens und Psychopathie

Laut dieser Studie besitzen Psychopathen, beziehungsweise Personen mit einer antisozialen Persönlichkeitsstörung, ein hyper-reaktives Belohnungssystem. Bei der Antizipation einer Belohnung wird eine größere Menge an Dopamin ausgeschüttet als bei Gesunden. Diese Tatsache kann das missbräuchliche und rücksichtslose Verhalten von diesen Menschen erklären.

Nucleus accumbens und ADHS

Bei ADHS ist die Funktionsweise des Nucleus accumbens ebenfalls verändert, wie diese Studie belegt. Die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung ist mit einer verringerten Dopaminkonzentration in dem Nucleus assoziiert. Damit stehen die Aufmerksamkeitsprobleme in Zusammenhang. Der Nucleus ist eng mit motivationalen Prozessen verbunden. Wenn dieser nicht aktiv genug ist, können sich Kinder mit ADHS sich nicht auf Handlungspläne konzentrieren und sich nicht für etwas anstrengen, das erst mittel- oder langfristig belohnt wird. Diese Kinder suchen deswegen nach der direkten Bedürfnisbefriedigung.

Übersetzt aus dem Spanischen. Original: Andrea García Cerdán: Psychologin bei CogniFit.

Antisoziale Persönlichkeitsstörung – zur Manipulation geboren?

Manipulativ, gefühlskalt und rücksichtslos, sie überrennt andere Personen und ihre Bedürfnisse geradezu, ohne dabei auch nur die geringste Reue zu empfinden – die antisoziale Persönlichkeitsstörung ist eine anerkannte Persönlichkeitsstörung, die noch weit über das typische Klischee des heimtückischen Managers oder manipulativen Vermögensberaters hinausgeht. Doch wo liegt die Grenze zwischen egozentrisch-berechnend und einer Persönlichkeitsstörung?

Personen mit einer antisozialen Persönlichkeitsstörung sind oft egozentrisch und manipulativ

Antisoziale Persönlichkeitsstörung – Symptome und Diagnose

Besonders auffällig und bezeichnend für die antisoziale Persönlichkeitsstörung – auch dissoziale Persönlichkeit genannt –  ist eine überdauernde Tendenz, mit dem eigenen Verhalten die Rechte anderer zu missachten oder zu verletzen. Mit Rechten sind dabei nicht unbedingt juristische Grundrechte gemeint, sondern es geht vor allem um gesellschaftliche Werte und Normen, die mitmenschliche Interaktionen regeln und den Umgang in sozialen Situationen regulieren.
Diese Tendenz ist in der Regel bereits in der Kindheit erkennbar, indem das Kind schon im Kindergarten oder in der Schule auffällig häufig Regeln missachtet, Unterricht schwänzt, zum eigenen Vorteil lügt, randaliert oder stiehlt.

Die antisoziale Persönlichkeitsstörung zieht sich häufig bis ins Erwachsenenalter durch, wo sie in schwerwiegenderer Kriminalität und Gewalt enden kann, aber nicht muss. Viele antisoziale Persönlichkeiten sind gut sozial eingebettet und sehr erfolgreich, da sie risikofreudig sind und es ihnen aufgrund ihrer Rücksichtslosigkeit nicht schwerfällt, andere Personen zu manipulieren oder zu übergehen. Dies wird dadurch erleichtert, dass betroffene Personen durchaus sehr charmant sein können, wenn es ihrem Vorteil dient, und die Emotionen anderer leicht wahrnehmen, auch wenn ihr eigenes Gefühlsspektrum eher beschränkt ist.

Im DSM-V, einem Klassifikationssystem von psychischen Störungen, ist die antisoziale Persönlichkeitsstörung dem 2. Teilbereich B zugeordnet, welcher dramatische und emotionale Persönlichkeitsstörungen beschreibt. Die hier klassifizierten Merkmale der antisozialen Persönlichkeitsstörung, von denen mindestens 3 zur Diagnose der Störung erfüllt sein müssen, lauten wie folgt:

  • Verletzung der Rechte anderer; hiermit ist vor allem die fehlende Rücksicht auf gesellschaftliche Normen und Regeln gemeint
  • Impulsivität oder Versagen, vorausschauend zu planen
  • mangelndes Verantwortungsbewusstsein, Verantwortungslosigkeit vor allem in Bezug auf finanzielle, berufliche oder soziale Verpflichtungen
  • Gefühllosigkeit, fehlende Reue
  • Reizbarkeit, erhöhte Aggressivität und häufige Beteiligung bei körperlichen Übergriffen
  • Rücksichtslosigkeit, keine Beachtung der Gefühle, Rechte und Sicherheit anderer Menschen
  • Falschheit, in der Regel ausgedrückt durch wiederholtes Lügen, falschen Identitäten oder Manipulation anderer zum eigenen Vorteil

Charakteristisch ist für Personen mit einer antisozialen Persönlichkeitsstörung, dass sie lediglich ihren eigenen Vorteil zu erfüllen versuchen. Sie empfinden kaum Schuldgefühle, wenn sie sich über Normen hinwegsetzten und andere Menschen dabei vor den Kopf stoßen, da sie sich kaum für die Empfindungen anderer verantwortlich fühlen – auch, wenn sie mit ihrem Verhalten erst für diese Empfindungen sorgen.

Nicht jeder, der ab und zu aufgrund einer rücksichtsloseren und manipulativeren Art sozial aneckt, leidet aber unter einer antisozialen Persönlichkeitsstörung.

Derzeit schätzt man, dass etwa 3% aller Männer und ca. 1% der Frauen die genannten Symptome ausreichend erfüllen und an einer antisozialen Persönlichkeitsstörung leiden. Besonders hoch ist die Konzentration antisozialer Persönlichkeiten aufgrund ihrer Reizbarkeit und der niedrigen Aggressionsschwelle unter Gefängnisinsassen; verschiedene Studien schätzen, dass zwischen 25 und 40% der Strafgefangenen darunter leiden.

Doch woher kommt diese extreme Ausprägung der Symptome überhaupt, die so weit geht, dass sie sogar als Persönlichkeitsstörung anerkannt ist?

Wie entsteht eine antisoziale Persönlichkeitsstörung?

Es gibt verschiedene Theorien, die die Entstehung einer antisozialen Persönlichkeitsstörung zu erklären versuchen. Die wahrscheinlichste und umfassendste Erklärung bietet dabei das Zusammenspiel von biologischen, sozialen/umweltbezogenen und psychischen Faktoren.

Verschiedene Untersuchungen legen nahe, dass die antisoziale Persönlichkeit genetisch beeinflusst zu sein scheint. Eine große Rolle wird hier dem sogenannten MAO-A-Gen zugesprochen, welches das Vorkommen verschiedener Stoffe wie Serotonin, Dopamin und Noradrenalin im Gehirn reguliert. Liegt dieses Gen in einer besonders schwachen Form vor, so kann es vermehrt zur Entwicklung einer antisozialen Persönlichkeitsstörung kommen.
Weiterhin stellten einige Forscher die These auf, dass Personen mit einer antisozialen Persönlichkeit Anomalien im Gehirn, vor allem im Frontalhirn, aufweisen. Diese Anomalien betreffen unter anderem das limbische System, die Amygdala, den Hippocampus und weitere Bereiche des Frontalhirns.
Familiäre Häufung spricht ebenfalls für einen genetischen Einfluss auf die antisoziale Persönlichkeitsstörung, da sie oft gehäuft bei mehreren Personen innerhalb einer Familie auftritt und auch Zwillingsstudien einen starken genetischen Einfluss bestätigen.

Diese familiäre Häufung und genetische Basis scheint durch Risikofaktoren aus der Umwelt weiter begünstigt zu werden. Es gibt demnach einige Umweltfaktoren, die die Entstehung einer antisozialen Persönlichkeitsstörung fördern. Dazu zählen unter anderem Missbrauch, elterliche Vernachlässigung und geringe Erziehungskompetenz, sowie das Aufwachsen in einer eher kriminellen Umwelt. Diese Umweltfaktoren können über Lernprozesse und Imitation dazu führen, dass das Kind eine antisoziale Persönlichkeit entwickelt. Mangelnde Liebe und Zuwendung in der Kindheit führt gemäß einiger psychoanalytischer Theorien dazu, dass kein Grundvertrauen zu anderen Menschen aufgebaut wird und deswegen kaum Beziehungen, Emotionen oder Mitgefühl entwickelt werden. Empfindungen anderer Menschen werden daher ebenso übergangen, wie die eigenen Gefühle in der Kindheit übergangen wurden.

Einige Forscher klassifizieren die antisoziale Persönlichkeitsstörung oft als eine Unterform der Psychopathie, wobei die beiden nicht identisch sind, sondern durchaus zu unterscheiden sind, da die Psychopathie eine noch sehr viel ausgeprägtere Form der antisozialen Persönlichkeit darstellt und noch weitere Diagnosekriterien enthält.

Die antisoziale Persönlichkeitsstörung tritt häufig zeitgleich mit anderen Störungen auf und geht oft mit Alkohol– und Drogenkonsum einher.

Therapie der antisozialen Persönlichkeitsstörung

Wie vorher erwähnt, findet sich ein Teil der Personen mit antisozialen Persönlichkeitsstörungen im Gefängnis wieder – dies ist für die Behandlung der Störung jedoch keine gute Alternative. Das einfache Wegsperren der Betroffenen hilft ihnen nicht zu lernen, wie sie mit ihren Charakterzügen umgehen können. Da Betroffene grundsätzlich wenig Reue empfinden bringen negative Erfahrungen, die aus dem gezeigten Verhalten resultieren, in der Regel keinerlei Lerneffekte mit sich, sondern erhöhen lediglich die mit der Störung einhergehende Aggression.
Bisher sind kaum Psychopharmaka bekannt, die bei dieser Störung zuverlässig und dauerhaft wirken.

Die Therapie der antisozialen Persönlichkeitsstörung gestaltet sich grundsätzlich als schwierig, da die Betroffenen – gegeben durch die Natur und die Merkmale der Störung – schlecht mitarbeiten, impulsiv und aggressiv reagieren, eine schlechte Compliance und hohen Widerstand gegen eine Therapie aufbringen und nur selten selbst eine Krankheitseinsicht zeigen – sie schätzen ihr Verhalten selbst eher als sehr normal und angemessen ein. Personen mit antisozialer Persönlichkeitsstörung haben daher in der Regel wenig Motivation, sich überhaupt für eine Therapie anzumelden – sie werden eher z.B. vom Arbeitgeber oder vom Gefängnispersonal dafür eingetragen –  geschweige denn dabei aktiv mitzuarbeiten.

Ist eine Person mit antisozialer Persönlichkeit doch willig, sich in therapeutische Behandlung zu begeben, ist vor allem Verhaltenstherapie, gezielt ausgerichtet auf spezifische Bereiche, sinnvoll, um die Persönlichkeitseigenschaften der Betroffenen langfristig zu modifizieren, Verhaltensmuster zu durchbrechen und so aggressive und gewalttätige Tendenzen zu reduzieren, damit ein besseres Sozialleben möglich ist. Diese spezifischen Bereiche umfassen zum Beispiel Trainings zu Aggressions – und Ärgerkontrolle, Problemlösetraining, Empathietraining und ethisches Training, um die soziale Kompetenz zu verbessern. Das Ziel ist hierbei ebenfalls, den Betroffenen alternative Handlungsmöglichkeiten nahezulegen, auf die sie in kritischen Situationen zurückfallen können.

Der Therapieerfolg ist daher abhängig von der Motivation der betroffenen Person, der Ausprägung der Störung, und der Art der Therapie – im Gegensatz zu vielen anderen psychischen Krankheiten und Störungen sind die Ergebnisse einer Therapie der antisozialen Persönlichkeitsstörungen jedoch leider von wenig Erfolg gekrönt.

Was ist die Borderline-Persönlichkeitsstörung? Merkmale, Ursachen und Behandlung

Zwischen 1,6% und 5,9% der Bevölkerung leiden an der Borderline-Persönlichkeitsstörung. Die Symptome entwickeln sich in der Regel zu Beginn des Erwachsenenalters, doch bereits in der Jugend weisen Betroffene emotionale Instabilität, Kontrollverlust und eine hohe Impulsivität auf. Viele bekannte Persönlichkeiten leiden oder litten unter diese Störung. Zu ihnen zählen beispielsweise Amy Winehouse, Angelina Jolie, Jim Carrey oder Winona Ryder. Willst du mehr über diese Störung erfahren?

Borderline-Persönlichkeitsstörung

Einordnung: Die Persönlichkeitsstörungen

Als Menschen leben wir mit anderen Menschen auf dieser Welt zusammen und schreiben unbewusst unsere ganz eigene Geschichte. Eingebettet in einen sozialen Kontext generieren wir in den ersten Jahren anhaltende Muster, die unsere Wahrnehmung, unser Verhalten und die Art mit anderen und uns selbst umzugehen, bestimmen. Diese Muster werden auch als Persönlichkeitsmerkmale bezeichnet.

Laut DSM (dem diagnostischen Leitfaden psychischer Störungen) definieren sich die Persönlichkeitsstörungen durch ein überdauerndes und maladaptives Muster der Persönlichkeitsmerkmale. Das innere Erleben und Verhalten ist durch diese Persönlichkeitsmerkmale dahingegend beeinflusst, dass diese deutlich von den Erwartungen der soziokulturellen Umgebung abweichen. Davon werden mindestens zwei der folgenden Bereiche beeinflusst: die Kognition (Wahrnehmung), die Affektivität (emotionales Erleben und Reaktionen), die Gestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen und die Impulskontrolle. Das Persönlichkeitsmuster ist bei diesen Störungen sehr inflexibel und erstreckt sich über viele soziale Situationen und löst ein klinisch relevantes Leiden aus. Dadurch kommt es zu Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen und anderen relevanten Lebensbereichen.

Im DSM werden die verschiedenen Persönlichkeitsstörungen in Abhängigkeit ihrer Merkmale in verschiedene Cluster unterteilt.

  • Cluster A: umfasst die schizophrenienahen Persönlichkeitsstörungen. Das sind solche, bei denen die Betroffenen exzentrisch, sonderbar, misstrauisch und affektarm wirken.
  • Cluster B : in dieser Gruppe befinden sich die Persönlichkeitsstörungen bei denen die Personen sich dramatisch, emotional und irritierbar zeigen. Die Borderline-Persönlichkeitsstörung wird zu diesem Cluster gezählt.
  • Cluster C: hierunter fallen die Persönlichkeitsstörungen bei welchen sich  die Betroffenen als ängstlich, vermeidend und furchtsam beschreiben lassen.

Was ist die Borderline-Persönlichkeitsstörung?

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung wird zum Cluster B der Persönlichkeitsstörungen gezählt (zum Cluster B zählen ebenfalls die histrionische Persönlichkeitsstörung, die narzisstische Persönlichkeitsstörung und die antisoziale Persönlichkeitsstörung).

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung zeichnet sich durch ein überdauerndes und unflexibles Muster der Persönlichkeitsmerkmale aus. Zu diesen Mustern zählt beispielsweise die Instabilität zwischenmenschlicher Beziehungen, die Instabilität des Selbstbildes und der Affektivität (die Gefühle und Emotionen). Außerdem weisen die Betroffenen eine hohe Impulsivität in ihrem Verhalten auf.

Marsha M. Linehan, eine US-amerikanische Psychologin und Expertin der Borderline-Persönlichkeitsstörung beschreibt Betroffene als “Personen mit emotionalen Unregelmäßigkeiten die aus einer nicht wertschätzenden Umgebung stammen“.

Das folgende Video zeigt die Geschichte von Personen, die an der Borderline-Persönlichkeitsstörung leiden und wie ihr Leben dadurch beeinflusst wird.

Merkmale der Personen mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung

Durch was zeichnen sich Personen mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung aus? Im folgenden werden die Hauptsymptome der Borderline-Persönlichkeitsstörung beschrieben:

  • Personen mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung zeigen sehr intensive emotionale Reaktionen. Dabei verfügen sie nicht über die Fähigkeit diese Emotionen zu identifizieren und richtig auszudrücken, was zu einem großen Leiden führt und sich deutlich auf ihre Lebensqualität auswirkt.
  • Ein weiteres Merkmal ist, dass Betroffene sehr instabile Gemütszustände haben. Dabei kommt es vor, dass die Personen in kürzester Zeit (Stunden oder Tagen) von einem tief depressiven Zustand in einen Zustand hoher Aufregung oder Wut wechseln. Unangemessene intensive Wut und Schwierigkeiten diese unter Kontrolle zu bekommen ist ebenso eine Charakteristik für diese Störung, wie eine fehlende Selbstkontrolle, schlechte Laune oder die Verwickelung in Streitereien.
  • Personen mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung fühlen sich oft leer und haben unkontrollierbare Angst davor verlassen zu werden, was dazu führt, dass sie sich verzweifelt bemühen das Verlassenwerden zu verhindern (sei  diese Annahme real oder eingebildet).
  • Betroffene drohen häufig ihren Suizid an und zeigen selbstverletzendes Verhalten, welches Ausmaße annehmen kann, die einem Suizidversuch gleichkommen. Das selbstverletztende Verhalten tritt häufig in Momenten auf in denen die Person dissoziiert. Es hilft den Betroffenen Schuldgefühle zu verringern oder gibt ihnen die Fähigkeit sich und ihren Körper zu spüren und so das Gefühl zu erlangen, dass dieser ihnen gehört. Ein Auslöser für dieses Verhalten kann vermeintliche Ablehnung sein. Beispielsweise wenn jemand ein Treffen absagt, sich verspätet oder die Partnerin/ der Partner eine Reise unternehmen muss oder die behandelnde Psychologin die Sitzung beendet.
  • Betroffene weisen sehr impulsive Verhaltensweisen auf, die schädlich für sie selbst sind. Beispielsweise äußern sie häufig ein impulsives Sexualverhalten, geben viel Geld aus oder haben ein exzessives Essverhalten. Ebenfalls zeigen sie Risikoverhalten in Form von rücksichtslosem Fahren oder Substanzmissbrauch von Kokain, Alkohol oder anderen Drogen.
  • Eine weitere Besonderheit der Personen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung ist, dass diese oft das Gefühl haben, dass sich ihre Identität wandelt. Das bedeutet, dass das Bild und das Gefühl, was sie von sich selbst haben instabil ist und sich leicht verändert.
  • In Stresssituationen haben Betroffene oft paranoide Züge, sie fühlen ungerecht behandelt oder gequält. Ebenfalls kann es zu schweren dissoziativen Symptomen kommen. Hierbei entsteht das Gefühl, dass ihr Körper nicht ihnen gehört, dass die Umgebung nicht real ist oder sie nicht mit dieser verbunden sind.
  • Aus all diesen Gründen haben Betroffene instabile und intensive zwischenmenschliche Beziehungen, wobei hier das Gegenüber in einem Moment idealisiert und in einem anderen komplett abgewertet wird. Die Meinung die Erkrankte über Menschen aus ihrem Umfeld haben ändert sich demnach ständig.

Ursachen der Borderline-Persönlichkeitsstörung

Statt von Ursachen sollte man besser von Risikofaktoren sprechen. Die Forschung hat gezeigt, dass sowohl genetische als auch familiäre Faktoren im Zusammenhang mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung stehen.

Genetische Faktoren: Es hat sich gezeigt, dass bei Verwandten ersten Grades von Personen mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung ein fünffach erhöhtes Risiko besteht, die Störung ebenfalls zu entwickeln. Für Menschen die Familienmitglieder haben, die an Substanzabhängigkeit, Depression, der bipolaren Störung oder der dissozialen Persönlichkeitsstörung leiden, ist die Prävalenz für die Borderline-Persönlichkeitsstörung ebenfalls erhöht.

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung wird deutlich häufiger bei Frauen (75%) als bei Männern diagnostiziert.

Ebenfalls scheint die Beziehung zu den primären Bezugspersonen aus der Kindheit eine wichtige Rolle bei der Entstehung dieser Persönlichkeitsstörung zu spielen, dabei vor allem die Beziehung zur Mutter.

Die Merkmale der Borderline-Persönlichkeitsstörung werden als Konsequenz des dysfunktionalen Musters gesehen, welches wenig adaptiv ist und während der Kindheit nicht in die familiären Beziehungen integriert wurde, woraus sich ein entsprechender Bindungsstil entwickelt.

Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung. Gibt es eine Heilung? 

Von allen Persönlichkeitsstörungen gibt es für die Borderline Störung am meisten wirksame psychologische Behandlungsformen.

Die derzeit im Zusammenhang mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung am besten untersuchte und wirksamste Therapieform, ist die von von M.M. Linehan entwickelte Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT, dialektische Verhaltenstherapie). Diese wurde speziell für die Borderline-Persönlichkeitsstörung entwickelt. Insbesondere die Behandlung der Suizidalität, des selbstverletzenden Verhaltens und der affektiven Instabilität stehen hier im Mittelpunkt.

Die Therapie besteht aus verschiedenen Techniken, die darauf ausgerichtet sind Fertigkeiten zur Emotionsregulation, Akzeptanz und Achtsamkeit (Mindfulness) zu verbessern. Ebenfalls werden Strategien zur Verbesserung der sozialen Fertigkeiten und zwischenmenschlichen Beziehungen erlernt. Auch wird an der Frustrationstoleranz und dem Unwohlsein gearbeitet.

Personen, die sich in psychotherapeutischer Behandlung befinden zeigen gelegentlich Verbesserungen im ersten Jahr. Die Tendenz zu extremen Emotionen, zur Impulsivität und Instabilität ist jedoch überdauernd.

Es kann also nicht von einer Heilung gesprochen werden, vielmehr geht es für Betroffene darum die Störung zu akzeptieren und Strategien zu lernen und zu assimilieren, welche die Lebensqualität verbessern können.

Wie kann man einer Person mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung helfen?

Das  Zusammenleben mit einem Menschen der an der Borderline-Persönlichkeitsstörung leidet kann für viel Verwirrung und Leiden bei Freunden und Familienmitgliedern führen. Merkmale wie die emotionale Instabilität oder Impulsivität werden oftmals mit exzentrischem, egoistischem, launischem und chaotischem Verhalten verwechselt. Die plötzlichen und abrupten Stimmungsschwankungen können zu großen Konflikten sowohl bei den Betroffenen und deren Angehörigen führen.
Die folgenden Empfehlungen können dabei helfen das Zusammenleben mit Menschen mit dieser Störung zu erleichtern. Wie unterstützt und hilft man Personen mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung? Mit diesen Tipps lässt sich die Beziehung zu ihnen verbessern:
  • Betroffene sind sehr extrem und impulsiv. Für sie sind die Dinge “schwarz oder weiß”. Aus diesem Grund kann es für Angehörige hilfreich sein, dieses Schwarz-Weiß-Denken nicht zu unterstützen und nicht das andere Extrem zu verkörpern. Wenn eine betroffene Person beispielsweise sagt “ich halte es nicht aus“, “ich kann nicht mehr“, “ich schaffe das nicht” sollten Angehörige darauf nicht das Gegenteil antworten wie “du überstehst das“, “du kannst das“, “du schaffst das“. In diesen Situationen kann es hilfreicher sein Dinge zu sagen wie “Es ist sehr kompliziert, aber wir glauben an dich, wir werden dir helfen das zu schaffen“. Dadurch hilft man den Betroffenen Facetten wahrzunehmen und aus dem extremen Denken “alles oder nichts”, “gut oder schlecht” herauszukommen.
  • Informationen suchen und dabei helfen eine Diagnose zu erhalten: Wenn man einer Person mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung helfen möchte, ist es sehr wichtig sich über die Störung zu informieren und diese gut zu verstehen. Wenn die betroffene Person noch keine Diagnostik beziehungsweise Therapie erhalten hat, ist es sinnvoll sie in diesem Prozess zu begleiten. Dabei kann man beispielsweise bei der Suche nach einer Expertin oder einem Experten helfen, damit eine angemessene psychotherapeutische Behandlung stattfinden kann. Ebenfalls sollte man emotionale Unterstützung anbieten und sich geduldig und mitfühlend zeigen. Es kann ebenfalls sehr hilfreiche sein zusammen eine Therapie zu machen, da einem dort Empfehlungen für den Umgang mit kritischen Situationen gegeben werden können. Dadurch kann der Umgang untereinander und die Beziehung gemeinsam verbessert werden. Auch wenn es für einen selbst schwierig ist das gezeigte Verhalten zu verstehen oder nachzuvollziehen, darf man nicht vergessen, dass die Menschen mit der Störung selbst am allermeisten unter ihr leiden. Ein Mensch mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung leidet. Emotional instabil zu sein, kann sehr bedrückend sein und im Grunde hegen Betroffene den Wunsch daran zu arbeiten, um nicht leiden zu müssen. Man sollte der betreffenden Person vermitteln, dass man für sie da ist und dass sie Willensstärke für die Veränderung aufbringen sollte.
  • Eine Familientherapie kann hilfreich sein, damit alle Familienmitglieder eine bessere Bindung zu der Patientin oder dem Patienten aufbauen: Informiert zu sein ist sehr wichtig, um die Situation der Patientin oder des Patienten zu verstehen. Das bedeutet nicht, dass man das Verhalten oder Handlungen akzeptieren muss. Wenn die betroffene Person beispielsweise selbstverletzendes Verhalten zeigt oder einen Wutanfall hat kann man versuchen die zugrundeliegende Bedeutung zu verstehen (Wut, Hilferuf, Ärger). Wenn man selbst einige Techniken erlernt, kann man dem Familienmitglied mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung helfen die Emotionen und Gefühle anders Kund zu tun: diese mit Wörtern auszudrücken, die Wut an einem Kissen auszulassen oder Sport zu machen, etc…
  • Es gibt Techniken und Übungen, um die Impulsivität zu kontrollieren: Diese Strategien können Betroffenen helfen weniger impulsive Entscheidungen zu treffen und voreilige Reaktionen zu vermeiden. Die Impulsivität und die Unfähigkeit Frustrationen auszuhalten kann dazu führen, dass die Betroffenen spontan emotionale und wenig rationale Entscheidungen treffen, welche sie selbst verletzten und in Gefahr bringen.
  • Keine Lügen, Erpressung oder Misshandlungen von Seiten der Person mit Borderline-Persönlichkeitsstörung tolerieren: Es ist wichtig, dass die Angehörigen den Personen mit dieser Störung verbalisieren, was ihre Handlungen in ihnen auslösen: Beispielsweise Mitleid, Trauer oder Besorgnis zu zeigen, vermittelt die echte Sorge, die man verspürt, wenn selbstverletzendes oder selbstschädigendes Verhalten gezeigt wird. Wenn eine Krisensituation herrscht ist es wichtig, die Dinge nicht persönlich zu nehmen. Man muss sich immer wieder vor Augen führen, dass die betroffene Person nicht so handelt weil sie das so möchte, sondern weil sie dieses Verhalten nicht vermeiden kann. Ebenso wenig sollte man sich jemals für ihr Verhalten verantwortlich fühlen.

Gerne kannst Du weitere Ratschläge für den Umgang mit Personen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung vorschlagen. Zögere nicht, deine Fragen, Vorschläge oder Kommentare unter dem Artikel zu posten.

Übersetzt aus dem Spanischen. Original: Rosa Calderón Vicente, Psychologin bei CogniFit.

Dysmorphophobie: die körperdysmorphe Störung. Das verzerrte Körperbild

Die körperdysmorphe Störung – An ihr leidende Personen, sind davon überzeugt, dass ein bestimmter Teil ihres Körpers verformt und hässlich ist. Sie wollen diesen verändern – koste es was es wolle. “Sind meine Brüste zu klein?”, “Meine Lippen zu schmal?”, Oder meine Oberarme zu unmuskulös?”… Im Folgenden findet sich ein komplettes Manual zur Dysmorphophobie: Was genau diese Störung ist, ihre Ursachen, Symptome, Folgen, die Behandlungsmöglichkeiten und Ratschläge.  

Fast jeder war schon einmal mit einem Teil seines Körpers unzufrieden. In den meisten Fällen lernt man jedoch mit den Stellen, die einem nicht gefallen umzugehen und sie bereiten einem dementsprechend keine großen Probleme. Personen die an der körperdysmorphen Störung leiden haben jedoch wiederkehrende Gedanken, die sich auf diesen Körperteil beziehen, was bei den Betroffenen viel Stress auslöst und ihr Leben stark einschränkt. Viele von ihnen suchen Schönheitskliniken auf, doch nur selten stellen die Operationen sie wirklich zufrieden.

Was ist die Dysmorphophobie?
Definition

Die Dysmorphophobie, auch körperdysmorphische Störung, Körperbildstörung oder Missgestaltsfurcht genannt, ist eine Störung bei welcher Betroffene sich übermäßige Sorgen bezüglich eines Körperteils, beziehungsweise eines Aspekts ihrer äußeren Erscheinung machen. Dabei bilden sie sich den Defekt entweder komplett ein, oder es ist ein minimaler Defekt, dem sie übertriebene Aufmerksamkeit schenken.

Was ist die Dysmorphophobie? Die Personen sind davon überzeugt, einen körperlichen Defekt zu besitzen. An der körperlichen Dysmorphie Erkrankte leben mit der beständigen Überzeugung eine hässliche Stelle am Körper zu haben: Sie nehmen eine Körperstelle als nicht perfekt, deformiert oder unproportional wahr oder schreiben ihr ein anderes Defizit zu.

Betroffene sind davon überzeugt, dass die Wahrnehmung, die sie von ihrem Körper und ihrem “körperlichen Defekt” haben absolut objektiv ist und sich nicht infrage stellen lässt. Auch wenn ihr Umfeld anderer Meinung ist und das Gegenteil behauptet, glauben sie, dass die Beurteilung der Anderen nicht objektiv ist. Sie gehen davon aus, dass diese ihren Defekt herunterspielen, um sie trösten oder täuschen zu wollen. Beispielsweise kann jemand davon überzeugt sein, dass seine kleine Narbe einen großen Defekt darstellt und andere diese fixieren und anstarren. Die betroffene Person sieht sich selbst sehr negativ, auch wenn andere ihr Komplimente machen.

Normalerweise zeigen Menschen mit der körperdysmorphischen Störung ritualisierte Verhaltensweisen: sie überprüfen ihre Erscheinung im Spiegel, machen sich aufwändige Frisuren oder schminken sich stark, vergleichen sich mit anderen oder suchen die Bestätigung durch andere.

Ungefähr eine von Hundert Personen leidet an dieser Störung, Frauen und Männer sind gleichermaßen betroffen. Die Dysmorphophobie tritt meistens in der Pubertät, beziehungsweise im Jugendalter auf.

Stellen des Körpers, die typischerweise von Betroffenen der körperdysmorphischen Störung als hässlich wahrgenommen werden sind folgende:

  • Eine nicht makellose Haut: Falten, Narben, Pickel und andere Abdrücke.
  • Die Haare: kann sowohl das Haupthaar betreffen, die Körperbehaarung oder das Fehlen von Haaren.
  • Gesichtszüge: häufig ist die Nase das als defekt wahrgenommene Körperteil, es kann aber die Form oder Größe jeden Gesichtszugs betroffen sein.
  • Körpergewicht: viele sind mit ihrem Gewicht oder ihrer Muskelverteilung nicht zufrieden.
  • Asymmetrie: manche Betroffene nehmen bestimmte Asymmetrien wahr. Sie glauben beispielsweise, dass eine Hand größer ist als die andere, oder ein Ohr kleiner als das andere, etc.

Die Sorgen können sich beispielsweise auch auf die Größe des Penis, der Muskeln, der Brüste, der Oberschenkel, des Hintern oder auch auf bestimmte Körpergerüche beziehen.

Die körperdysmorphische Störung steht in enger Verbindung zu Angstsymptomen, einer gedrückten Stimmung, sozialer Ängstlichkeit, Neurotizismus (emotionaler Instabilität), Perfektionismus, Introvertiertheit und einem niedrigen Selbstwertgefühl.

Muskeldysmorphie

Eine Form der Dysmorphophobie ist die muskeldysmorphe Störung oder Muskeldysmorphie, die häufiger bei Männern als bei Frauen vorkommt. Betroffene glauben ihr Körper sei zu klein, nicht muskulös oder definiert genug. Das glauben sie, obwohl sie einen normalen oder sogar muskulösen Körper besitzen. Nicht alle, aber viele der Betroffenen machen Diäten, Übungen und oder exzessiven Kraftsport, was dem Körper schaden kann. Einige nehmen Anabolika oder andere Steroide ein, die stark gesundheitsgefährdend sind.

Wahnhafte Dsymorphophobie

Betroffene können sich entweder darüber bewusst sein, dass ihre Sorgen grundlos sind, oder nicht. In der Regel ist die Einsicht sehr gering. Die Betroffenen haben teilweise wahnhafte Überzeugungen, bei denen sie keinen Anhaltspunkt dafür haben, dass diese wahr sind. Auch wenn man versucht sie vom Gegenteil zu überzeugen, rücken sie nicht von ihrer Vorstellung ab und sind überzeugt von diesem Gedanken.

Wie lässt sich die körperdysmorphische Störung von anderen Störungen unterscheiden?

Einige Eigenschaften der Dysmorphophobie sind auch bei Essstörungen oder der Zwangsstörung vorhanden. Mit den Essstörungen hat sie die Sorge um das eigene Körperbild gemeinsam. Bei Essstörungen bezieht sich diese Sorge jedoch auf die Form und das Gewicht des gesamten Körpers, während sich bei der Dysmorphophobie die Sorge auf einen ganz bestimmten Körperteil richtet.

Personen mit einer Zwangsstörung haben Stress auslösende wiederkehrende Gedanken, Ängste oder Bilder (Zwangsgedanken), die sie nicht kontrollieren können. Aufgrund dieser führen sie entsprechende Zwangshandlungen aus, um ihre Angst zu verringern (ritualartige, sich wiederholende Verhaltensweisen). Personen mit der körperdysmorphischen Störung führen ebenfalls Rituale durch, indem sie sich beispielsweise ständig im Spiegel betrachten oder schminken. Im Gegensatz zur Zwangsstörung beschränken sich die Zwangsgedanken jedoch auf den Körper und das äußere Erscheinungsbild und die Zwangshandlungen dienen alleinig dem Zweck, die wahrgenommenen Defekte zu kaschieren.
Ebenfalls kann die körperdysmorphische Störung mit der Sozialphobie verwechselt werden, da bei beiden Störungen soziale Kontakte gemieden werden. Bei der Dysmorphophobie ist der Grund hierfür jedoch die Angst, dass die anderen ihren Defekt wahrnehmen und sie deswegen abweisen könnten. Bei der Sozialphobie besteht die Angst vielmehr darin allgemein bewertet und verurteilt zu werden.

Symptome der Dysmorphophobie

Einige der Symptome, die ein Anzeichen für eine körperdysmorphische Störung sein können sind:

  • Repetitive Verhaltensweisen, die sehr zeitaufwändig sind wie: sich im Spiegel betrachten, der Versuch die wahrgenommenen Defekte mithilfe von Schminke oder Kleidung zu überdecken oder zu verstecken.
  • Die Suche nach Bestätigung durch andere und die Vergewisserung, dass man den Defekt nicht sieht oder dieser nicht sehr auffällt.
  • Die “defekte” Körperstelle wird immer wieder gemessen oder berührt.
  • Aufgrund der Unfähigkeit die Aufmerksamkeit auf etwas anderes als den wahrgenommen Defekt zu richten kommt es zu Problemen auf der Arbeit, in der Schule oder bei sonstigen sozialen Aktivitäten.
  • Ein übermäßiges Bewusstsein des “Defekts”, woraufhin der Kontakt zu anderen vermieden wird oder es in Anwesenheit anderer Personen zu großer Angst kommt.
  • Häufiges Aufsuchen von Ärzten, wie Schönheitschirurgen oder Hautärzten, um Mittel zu finden das äußere Erscheinungsbild zu “verbessern”.

Ursachen der Dysmorphophobie

Wie bei allen psychischen Erkrankungen gibt es keine genaue Ursache, ebenso wenig gibt es in den meisten Fällen eine einzelne Ursache für die Dysmorphophobie. Mehrere Faktoren können eine Rolle spielen.

Häufig trifft die körperdysmorphische Störung zusammen mit anderen psychologischen Störungen, wie der Angststörung oder Major Depression auf. Unter einer dieser Störungen zu leiden erhöht die Vulnerabilität für die Dysmorphophobie.

Andere Faktoren, die einen Einfluss auf das Auftreten dieser Störung haben, sind:

  • Das Erleben traumatischer Ereignisse oder emotionaler Konflikte während der Kindheit, insbesondere Missbrauch und Vernachlässigung.
  • Ein geringes Selbstwertgefühl
  • Eltern oder andere Bezugspersonen, die sich kritisch gegenüber dem Erscheinungsbild äußerten.
  • Der gesellschaftliche Druck eines perfekten Erscheinungsbild und einem bestimmten Schönheitsideal kann ebenfalls einen Risikofaktor für das Auftreten dieser Störung sein.

Behandlung der Dysmorphophobie

Die Behandlung der Dysmorphophobie findet meistens in einer psychologischen Einzeltherapie statt. Das Ziel ist es die Überzeugungen über den Körper zu verändern und das Zwangsverhalten zu reduzieren.

Die Gruppen- oder Familientherapie sind ebenfalls hilfreich. Es ist wichtig, dass die Familie die Störung versteht und ihre Anzeichen und Symptome erkennt. Ebenso ist es wichtig, die familiäre Kommunikationsweise und das Familienklima zu verbessern.

Obwohl es nicht immer notwendig ist, kann eine medikamentöse Behandlung ebenfalls nützlich sein. Hier kommen Antidepressiva und Antipsychotika zum Einsatz.

Die Heilungschancen von Betroffenen sind, bei Behandlung sehr gut. Das ist vor allem dann der Fall, wenn diese über eine hohe soziale Unterstützung verfügen.

Folgen und Komplikationen der Dysmorphophobie

Betroffene isolieren sich sozial oft sehr stark, aufgrund der Angst in die Öffentlichkeit zu gehen. Diese Isolation wirkt sich ebenfalls auf das Berufsleben oder die Schule aus.

Personen mit einer körperdysmorphischen Störung haben eine höhere Wahrscheinlichkeit an einer Depression zu erkranken und dementsprechend auch ein höheres Suizidrisiko.

Es handelt sich ebenfalls um eine Störung welche die Gesundheit gefährdet, da sich viele Betroffene chirurgischen Eingriffen unterziehen.

An Muskeldysmorphie erkrankte Personen konsumieren ebenfalls häufig Produkte, um an Muskelmasse zuzunehmen und erhöhen dadurch ihr Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen.

Was tue ich, wenn ich denke ich könnte an Dysmorphophobie leiden?

Viele Menschen mit Dysmorphophobie suchen keine Hilfe auf, weil sie große Scham verspüren.

Wichtig ist es professionelle Hilfe aufzusuchen, da die Symptome nicht nachlassen, wenn keine Behandlung erfolgt. Außerdem können Komplikationen und andere komborbide Störungen auftreten. Das macht eine Behandlung und Genesung schwieriger und Betroffene auch anfälliger für einen Rückfall.

Du bist dir nicht sicher, ob du an Dysmorphophobie leidest? Nachstehend findest du einige Fragen, die dir helfen können:

  • Machst du dir viele Sorgen um dein Aussehen und wünschst dir, weniger darüber nachzudenken?
  • Fällt es dir deswegen schwer deine Arbeit zu machen oder dich mit Freunden zu treffen?
  • Über welche speziellen Bereiche deiner Erscheinung machst du dir Sorgen?
  • Wie viele Stunden verbringst du an einem durchschnittlichen Tag damit über dein Äußeres nachzudenken?
  • Welche Auswirkungen hat das auf dein Leben?

Quelle: Andrea García Cerdán, Psychologin bei CogniFit.

Emotionaler Missbrauch: Wie erkennt man ihn und was sollte man tun?

Obwohl er nicht so offensichtlich ist wie die körperliche Misshandlung, kann emotionaler Missbrauch große Schäden anrichten, die oftmals genauso schlimm oder sogar noch schlimmer sind. Emotionaler Missbrauch wirkt sich auf die Gefühle, Gedanken und das Gefühl der Kontrolle über das eigene Leben aus. Psychische Gewalt kann dazu führen, dass man sich in seiner Umgebung, sogar zuhause, unsicher fühlt. Emotionaler Missbrauch kann Beziehungen oder Freundschaften und sogar die Beziehung zu sich selbst zerstören. In diesem Artikel wird erklärt, was emotionaler Missbrauch ist, wie dieser verhindert werden kann und wie man sich von ihm befreien kann. 

Emotionaler Missbrauch hinterlässt unsichtbare Wunden

Emotionaler Missbrauch ist meistens schwieriger zu erkennen als körperlicher Missbrauch. Körperliche Gewalt wird in den meisten Fällen von psychischer Gewalt begleitet. Sowohl die Opfer als auch die misshandelnde Person können eine Weile brauchen, bis sie bemerken was passiert, da es keine äußerlich sichtbaren Wunden gibt. Selbstverständlich gibt es aber Anzeichen, die helfen können psychische Gewalt und emotionalen Missbrauch zu erkennen.

In jeder Altersklasse und jeder Art von Beziehung kann es zu emotionalem Missbrauch kommen. Hervorzuheben sind Partnerschaften, aber auch in Freundschaften, auf der Arbeit (hier bekannt als Mobbing), zwischen Eltern und Kindern und in jeglicher Familienkonstellation kann es zu psychischer Gewalt kommen. Es sind sowohl Frauen als auch Männer betroffen und auch bei älteren Menschen kommt dies vor.

Emotionaler Missbrauch in der Kindheit kann schwerwiegende Folgen haben und stellt ein hohes Risiko für die psychische Entwicklung des Kindes dar. In Fällen von kindlichem emotionalem Missbrauch sollte immer und sofort professionelle Hilfe gesucht werden.

Was ist emotionaler Missbrauch?

Emotionaler Missbrauch zeichnet sich durch ein regelmäßiges Muster verbaler Angriffe, konstanter Kritik, Manipulation und weiteren ähnlichen Verhaltensweisen aus. Hierbei herrscht immer ein Ungleichgewicht zwischen Täter und Opfer.  Der Täter ist in einer übergeordneten Position und verfügt über mehr Macht.

Im folgenden Video erklärt Kati Morton die fünf Anzeichen, mit denen sich emotionaler Missbrauch erkennen lässt. (Im Video lassen sich Untertitel aktivieren).

Um einen Fall von emotionalem Missbrauch zu erkennen, sind die folgenden Aspekte von Bedeutung. So verhält sich jemand Dir gegenüber, der psychische Gewalt ausübt:

Erniedrigung, Kritik

  • Lacht in der Anwesenheit anderer über dich, oder macht sich über dich lustig.
  • Verspottet dich, beschimpft dich und nutzt Sarkasmus um dich zu erniedrigen.
  • Wenn du dich beschwerst, sagt er/sie dir, dass es “ein Witz war” und beschuldigt dich, dass du zu sensibel bist.
  • Sagt dir, dass deine Meinung und Gefühle falsch sind.
  • Ignoriert deine Gefühle, Meinung, Gedanken und Vorschläge.

Dominanz, Kontrolle

  • Du fühlst, dass er/sie dich wie ein Kind behandelt.
  • Korrigiert dich die ganze Zeit, weil dein Verhalten “unangemessen” ist.
  • Du fühlst, dass du um Erlaubnis bitten musst, bevor du ausgehst oder eine kleine Entscheidung treffen kannst.
  • Kontrolliert deine Ausgaben
  • Behandelt dich, als wärst du schlechter als sie/er
  • Gibt dir das Gefühl, dass er/sie immer Recht hat
  • Erinnert dich ständig an deine Fehler
  • Verachtet deine Erfolge, Ziele, Pläne und sogar deine Person.
  • Seine/ihre Blicke und die Art mit dir zu sprechen sind missbilligend, herablassend und abwertend.

Anschuldigungen, Schuld

  • Wirft dir Dinge vor, bei denen du weißt, dass sie nicht stimmen.
  • Ist nicht in der Lage über sich selbst zu lachen.
  • Ist sehr sensibel, wenn jemand ihn/sie verspottet oder einen Kommentar über ihn/sie macht, welcher respektlos erscheinen kann.
  • Ist unfähig sich die eigenen Fehler einzugestehen oder sich zu entschuldigen.
  • Hat nie die Schuld an irgendwas. Die anderen sind Schuld, er/sie trägt nie Verantwortung.
  • Beschuldigt dich für seine/ihre Probleme oder die eigene Unglücklichkeit
  • Überschreitet deine Grenzen und respektiert deine Bitten nicht.

Isolierung und emotionale Distanzierung

  • Wird sauer oder entzieht dir seine/ihre Aufmerksamkeit und Zuneigung.
  • Nutzt als Strafe den Entzug von grundlegenden Bedürfnissen oder die Vernachlässigung und Nachlässigkeit (das passiert vor allem gegenüber Kindern).
  • Bemerkt nicht, oder interessiert sich nicht dafür, wie du dich fühlst.
  • Zeigt keine Empathie und fragt nichts über dich oder wie es dir geht.

Co-Abhängigkeit

  • Statt dich wie eine Person zu behandeln, behandelt er/sie dich, als wärst du Teil von ihm/ihr.
  • Schützt deine persönlichen Grenzen nicht. Gibt Informationen über dich Preis, zu denen du nicht deine Erlaubnis gegeben hast.
  • Respektiert deine Bitten nicht und macht das, was er/sie denkt, was das beste für dich ist.

Profil des Opfers

Es ist ganz wichtig hervorzuheben, dass ein Opfer emotionaler Misshandlung keinerlei Schuld daran trägt, misshandelt zu werden. Die Person hat sich das weder ausgesucht, noch genießt sie es abgewertet oder beschimpft zu werden.

Es ist jedoch der Fall, dass sich die Täter, wenn es Erwachsene sind, meistens Personen als Opfer aussucht, die bestimmte psychologische Eigenschaften haben. Sie nutzen die Leute aus, bei denen sie wissen, dass sie sich nicht wehren werden. Es gibt also eine Gruppe von Menschen, die anfälliger dafür ist, emotionalen Missbrauch zu erfahren. Es ist wichtig, dass wir das in uns selbst und den Personen in unserem Umfeld wahrnehmen, um uns und ihnen helfen zu können, eine mögliche Misshandlung zu erkennen, sich zu verteidigen und sie so zu vermeiden.

Die Personen haben oft einige der folgenden Eigenschaften:

  • Sie haben oft ein niedriges Selbstwertgefühl
  • Fühlen sich nicht in der Lage problematische Situationen zu bewältigen und haben eine geringe Selbstwirksamkeit.
  • Neigen dazu von anderen abzuhängen, um Entscheidungen zu treffen.
  • Sind häufig emotional abhängige Personen.
  • Haben oft einen passiven Kommunikationsstil.
  • Verteidigen ihre Rechte nicht und es fällt ihnen häufig schwer nein zu sagen.
  • Beschuldigen sich oft für die Probleme anderer.

Profil des Täters

Selten sind sich die misshandelnden Personen wirklich darüber bewusst, was sie tun. Sie sehen es als normal an, so mit anderen umzugehen. Sie haben keine gesunden Bewältigungsstrategien gelernt, sondern reagieren schnell aggressiv. Sie haben gelernt auf diese Weise die eigenen Unsicherheiten und Ängste zu kompensieren. Indem sie die anderen misshandeln haben sie das Gefühl der Kontrolle, ein Gefühl, dass sie in anderen Lebensbereichen wahrscheinlich nicht verspüren.

Sie fühlen sich selbst unsicher, und sind deshalb darauf angewiesen, dass ihr Opfer komplett von ihnen abhängt. Jeden Akt des “Protests” sehen sie als eine Bedrohung für ihre privilegierte Situation an.

  • Sind kontrollsüchtig, besitzergreifend und eifersüchtig.
  • Haben eine niedrige Frustrationstoleranz.
  • Beschuldigen andere für ihre Probleme.
  • Sind sich in der Regel nicht darüber bewusst, welchen Schaden sie anrichten, wenn sie sich aber darüber bewusst sind, ist es ihnen egal.
  • Haben wenig Empathie.
  • Können ihre Emotionen schlecht regulieren.
  • Können in verschiedenen Situationen sehr liebenswert und charmant sein.
  • Häufig haben diese Menschen eine Persönlichkeitsstörung. Beispielsweise eine Borderline-Persönlichkeitsstörung, eine narzisstische Persönlichkeitsstörung oder eine antisoziale Persönlichkeitsstörung.

Das sind Eigenschaften, welche die misshandelnde Person haben kann. Es ist aber wichtig hervorzuheben, dass alle Menschen unterschiedlich sind und deswegen die Profile der Menschen die emotional misshandeln, ebenso unterschiedlich sein können, wie die Personen selbst.

Folgen emotionalen Missbrauchs

Psychische Folgen 

  • Geringes Selbstwertgefühl
  • Schuldgefühle
  • Hilflosigkeit
  • Trauer
  • Reizbarkeit
  • Depressionen
  • Angst

Soziale Folgen

  • Soziale Isolierung
  • Verlust der Kontakte zu Freunden und Verwandten
  • Verlust der sozialen und ökonomischen Unabhängigkeit
  • Verringerte Leistung im akademischen Bereich und auf der Arbeit

Körperliche Folgen

körperliche Störungen, als Folge der Angst:

  • Schlafstörungen
  • Verdauungsprobleme und -beschwerden
  • Kopfschmerzen

Emotionaler Missbrauch: Was tun?

Was sollte ich tun, wenn ich denke, dass ich jemanden misshandle?

Es ist schwierig sein Verhalten zu ändern, das über Jahre hinweg ausgeübt wurde und die einzige bekannte Art ist, mit anderen Menschen zu interagieren. Es ist wichtig zu wissen, dass niemand sich von heute auf morgen ändert, sondern eine Veränderung ein langer Prozess ist. Das Beste ist es, sich psychologische Hilfe zu suchen. Ergänzend können auch die folgenden Ratschläge helfen:

  • Das allerwichtigste ist, zu erkennen was man gemacht hat und sich des angerichteten Schadens bewusst zu werden und als solchen anzuerkennen.
  • Versuche aufzuhören Ausreden zu nennen und andere zu beschuldigen.
  • Versuche den angerichteten Schaden wieder gut zu machen.
  • Trage die Verantwortung, für das was du getan hast. Egal wie schlecht es dir ergangen ist oder wie hart dein Leben war, man hat die Wahl jemanden emotional zu missbrauchen oder es nicht zu tun.
  • Entferne dich von der Person, die du missbrauchst zumindest so lange, bis ein Psychologe dir hilft, mit ihr auf gesunde Weise zu interagieren.

Was sollte ich tun, wenn ich denke, dass ich misshandelt werde? 

  • Sei dir darüber bewusst, dass sich die Täter nicht ändern werden, wenn sie keine professionelle Hilfe aufsuchen, auch wenn sie dir das immer wieder glaubhaft versichern.
  • Umgib dich mit dir nahe stehenden Personen. Baue den Kontakt zu deinen Freunden und Verwandten wieder auf, wenn die misshandelnde Person dich von ihnen entfernt hat.
  • Hör auf die Person zu verteidigen, zu entschuldigen und zu rechtfertigen. Sie selbst ist für ihr Verhalten verantwortlich.
  • Entferne dich von der Person, die dich missbraucht. Brich den Kontakt ab. Diesen Schritt zu gehen ist vielleicht der schwierigste, aber er ist absolut notwendig. Eine schädliche Beziehung aufrechtzuerhalten führt zu nichts. Wenn du die Möglichkeit hast, spare Geld und suche dir einen eigenen Ort zum wohnen.
  • Suche psychologische Hilfe auf, um dein Selbstwertgefühl zu stärken und die Kontrolle über dein Leben zurückzugelangen.
  • Gib dir auf keinen Fall die Schuld für irgendetwas. Du hast keine Schuld dafür, dass er/sie dich misshandelt. Er/sie behandelt dich schlecht, weil er/sie nicht sich selbst schlecht behandeln kann, obwohl das eigentliche Problem in ihm/ihr liegt.

Emotionaler Missbrauch: Wie kann man ihn vorbeugen?

Emotionaler Missbrauch beziehungsweise psychische Gewalt ist eine Form der “Gehirnwäsche”, die Schritt für Schritt den Selbstwert und das Selbstvertrauen des Opfers zerstört. Dadurch kommt es zu emotionalen Narben und emotionalen Schmerzen und Leiden. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dagegen anzukämpfen und ihn zu verhindern. Es ist wichtig das eigene Selbstwertgefühl und das der eigenen Kinder zu pflegen. Die eigenen Sozialkompetenzen zu verbessern und Selbstbehauptungstechniken unseren Kindern schon von klein auf beizubringen, kann helfen emotionalen Missbrauch von vorne herein zu vermeiden.

 

Übersetzt aus dem Spanischen. Original: Andrea García Cerdán, Psychologin bei CogniFit.

Panikattacke: Symptome und Ursachen

“Ich kann nicht atmen”, “meine Füße und Hände werden taub”, “ich werde ohnmächtig”, “ich verliere die Kontrolle”, “mein Herz schlägt so schnell, dass ich einen Herzinfarkt bekommen werde”, “ich werde sterben”…. Hast Du schon einmal diese Gedanken und Gefühle gehabt? Oft wissen Personen, die eine Panikattacke erleiden nicht, was ihnen passiert. Im folgenden Artikel wird erklärt, was eine Panikattacke ist, welches ihre Symptome sind und welche Ursachen es für die Panikstörung gibt und wieso sie auftritt. 

Panikattacke

Was ist eine Panikattacke?

Panikattacken treten in der Regel unerwartet und ohne offensichtlichen Auslöser auf. Bei diesen Episoden empfindet die betroffene Person ein starkes Unwohlsein und unkontrollierbare Angst, wodurch es zu Verzweiflung kommen kann. Eine Panikattacke dauert in der Regel etwa 10 Minuten (diese Minuten erscheinen für die Betroffenen jedoch unendlich). Einige der Symptome können sich auf etwa 20 Minuten oder länger ausweiten.

Eine Panikattacke ist eine sehr starke Angstreaktion, bei der es zu einem Gefühl des kompletten Kontrollverlusts kommt. Es handelt sich um eine schreckliche und sehr unangenehme Erfahrung, bei welchen die Betroffenen teilweise davon überzeugt sind in diesem Moment zu sterben. Während einer Panikattacke kommt es zu starken körperlichen Symptomen: Das Atmen fällt schwer, Schwindel tritt auf, Betroffene zittern, schwitzen und verspüren einen Schmerz in der Brust, spannen ihre Muskulatur an und es kann zu Übelkeit kommen. Das Gefühl dieser Situation physisch nicht entkommen zu können, generiert eine extreme Angst in den Betroffenen, wodurch die erlebten Panik-Symptome noch stärker werden.

Eine Panikattacke kann in verschiedensten Situationen auftreten (auf der Straße, im Kino, beim Auto fahren, im Supermarkt, auf der Arbeit). Situationen die entsprechend vermieden werden, um auf jeden Fall zu verhindern, dass diese in uns eine neue Panikattacke auslösen. Das Vermeidungsverhalten, also das Handeln einzuschränken und bestimmte Situationen zu vermeiden, kann dazu führen, dass eine Agoraphobie entwickelt wird.

Das Gehirn besitzt die Fähigkeit eine Situation schnell wahrzunehmen und zu analysieren. Dabei werden wie bei einem Computer Ähnlichkeiten dieser Situation mit anderen gespeicherten “schon erlebten” Situationen gesucht. Wenn dabei ähnliche Erfahrungen gefunden werden, so wird gleich gehandelt.

Wie entsteht eine Panikattacke: die Ursachen

Einige Personen sind anfälliger dafür eine Panikattacke zu bekommen als andere. Von Grund auf ängstliche, um ihre Gesundheit besorgte oder nervöse Personen, haben eine größere Wahrscheinlichkeit, eine Panikattacke zu erleiden. Sie treten ebenso häufiger bei Frauen als bei Männern auf.

Die erste Panikattacke steht meistens mit einer psycholgischen Stressreaktion in Zusammenhang (viel Arbeit, ein wichtiger Termin der einen überfordert, Partnerschaftsprobleme, Prüfungsstress, etc.) und/ oder mit körperlichen Symptomen, die zuvor so nicht erlebt wurden und als unangenehm empfunden werden (niedriger Blutdruck, Unterzuckerung, Verdauungsprobleme, Hitzeschlag, etc.)

Der Auslöser einer Panikattacke ist meistens ein unangenehmes körperliches Gefühl (Angstsymptome). Dieses unangenehme körperliche Gefühl ist an sich weder negativ noch gefährlich. Wenn sich die Person jedoch erschrickt dieses zu verspüren (beispielsweise denkt, dass sie ohnmächtig wird oder eine Attacke erleidet), steigt die Angst, was dazu führt, dass der Organismus aktiviert wird und in den “Flight or Fight” (Fliehen oder Kämpfen) Zustand versetzt wird. Katastrophenartige Gedanken lösen die Alarmbereitschaft im Teufelskreis der Angst aus. Dadurch werden, ohne dass sich die Betroffenen darüber bewusst sind, körperliche Veränderungen hervorgerufen: der Adrenalinspiegel steigt, das Herz schlägt schneller, die Körpertemperatur wird höher, das Blut wird schneller durch die Adern gepumpt, etc… Ein Gefühl der extremen Gefahr überkommt die Betroffenen, das Alarmsystem wird aktiviert und dadurch lähmt der Teufelskreis der Angst die Person. Wie sich die Angstgefühle kontrollieren lassen, kann hier nachgelesen werden.

Es gibt drei verschiedene Ebenen, auf denen die Symptomen einer Panikattacke auftreten:

  • Kognitive Symptome einer Panikattacke: bezieht sich auf das, was wir “denken”. Konstante Besorgnis, generalisierte Angst, negative Gedanken, Gefühl der Derealisation, Schwierigkeit sich zu kontrollieren: Beispielsweise “und wenn genau das Thema in der Prüfung dran kommt, das ich nicht gelernt habe?” , “und wenn ich etwas gefragt werde und ins Stocken gerate?”…. etc.
  •  Physiologische Symptome einer Panikattacke: umfasst das, was in unserem Körper passiert: Herzrasen, Schweißausbrüche, Zittern, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Muskelanspannung, Hyperventilation,…
  • Verhaltenssymptome bei einer Panikattacke: Unruhe, Schlafstörungen, Vermeidungsverhalten, etc.

Aufrechterhaltung einer Panikattacke

Wer schon mal eine Panikattacke erlebt hat weiß, was auf ihn zukommt. Deshalb tendieren Betroffene dazu aus der Situation zu fliehen, indem sie beispielsweise den Raum verlassen, Beruhigungsmittel zu sich nehmen, Wasser trinken, etc.

Wer Unwohlsein verspürt und denkt, dass wie in vorherigen Situationen, die Konsequenz eine Panikattacke sein wird, versucht den Prozess zu unterbinden indem er flieht. Doch genau dieses Vermeidungsverhalten ist das, was den Prozess der Panikattacke aufrecht erhält. Beispielsweise: Erhöhter Puls – “ich sterbe” – der Puls steigt weiter→ es kommt zu einer Panikattacke.

Aufgrund der schlechten Erfahrung ergreifen viele Maßnahmen, um das zu vermeiden. Sie hören auf Kaffee zu trinken, Sport zu machen, um vermeintlich einer Angstattacke aus dem Weg zu gehen.

Durch die Unterbrechung diese Prozesses, verlieren die Personen die Möglichkeit zu überprüfen, dass die Angst, nachdem sie ansteigt und einige Zeit gleich bleibt, auch wieder abfällt.

Panikattacke Symptome

Die Angstattacken oder Panikattacken sind Teil der Angststörungen (Reaktion auf kognitiver, physiologischer und motorischer Ebene in bestimmten Situationen, die Unwohlsein auslösen und verschiedene Bereiche des Alltags der Person beeinträchtigen). Wenn sich diese Attacken wiederholen, kann von einer Panikstörung oder von einer Agopraphobie mit Panikattacken gesprochen werden.

ICD-10 Kriterien für eine Panikstörung:

Eine Panikstörung wird diagnostiziert, wenn Betroffene unter wiederholt auftretenden Panikattacken leiden, die weder auf eine spezifische Situation oder ein spezifisches Objekt bezogen sind und unvorhersehbar und spontan auftreten. Dabei treten die Paniksymptome in nicht gefährlichen und nicht lebensbedrohlichen Situationen auf.

Die Panikattacke selbst zeichnet sich durch folgende Kriterien aus: sie ist eine einzelne Episode intensiver Angst oder Unbehagen und beginnt abrupt. Sie erreicht ihr Maximum nach wenigen Minuten und dauert mindestens ein paar Minuten an. Es müssen mindestens vier der nachstehenden Symptome (davon mindestens ein vegetatives Symptom) in dieser Zeit auftreten:

  • Vegetative Symptome:
    • Schweißausbrüche
    • Herzklopfen, erhöhte Herzfrequenz, Palpitationen
    • Grob- oder feinschlägiger Tremor
    • Mundtrockenheit (nicht als Folge von Medikamenten oder Flüssigkeitsmangel)
  • Symptome in Abdomen oder Thorax:
    • Atembeschwerden
    • Thoraxmissempfindungen oder -schmerzen
    • Beklemmungsgefühl
    • Übelkeit (Nausea) oder abdominelle Missempfindungen
  • Psychische Symptome:
    • Gefühl von Unsicherheit, Schwäche, Schwindel oder Benommenheit
    • Angst davor verrückt zu werden oder auszuflippen, oder vor Kontrollverlust
    • Derealisation (Gefühl, dass Objekte unwirklich sind) oder Depersonalisation (Gefühl nicht man selbst oder nicht wirklich da zu sein)
    • Angst zu sterben
  • Allgemeinsymptome:
    • Taubheitsgefühl oder Gefühle des Kribbelns
    • Kälteschauer oder Hitzewallungen

die Symptome sind nicht die Folge einer körperlichen Störung und lassen sich nicht besser durch eine organische psychische Störung, affektive Störung, Schizophrenie oder somatoforme Störung erklären.

Panikattacke Schlussfolgerungen

  1. Eine Panikattacke zu vermeiden, führt nur zu mehr Leiden: Einige Personen konzentrieren ihr Leben darauf “gefährliche” Situationen zu vermeiden, durch welche eine Attacke ausgelöst werden kann. Dieses Verhalten ist hochgradig schädlich, da immer mehr Situationen oder Aktivitäten gemieden werden. Es ist wichtig zu lernen, die Ruhe zu bewahren und sich den Situationen nicht zu entziehen.
    2. Panikattacken entwickeln sich vor allem durch die Interpretation von dem was wir tun, fühlen oder denken. Bei jedem schlägt das Herz schneller, wenn er nervös ist, sich anstrengt, überrascht wird, etc… Doch wieso löst dieses Gefühl bei einigen Personen eine Panikattacke aus und bei anderen nicht? Das ist auf die Interpretation jedes einzelnen zurückzuführen. Wenn man davon ausgeht, dass der Stich in der Brust auf etwas Luft in der Speiseröhre zurückzuführen ist, ist es sehr viel weniger wahrscheinlich eine Panikattacke zu entwickeln, als wenn man davon ausgeht, dass dieses Gefühl nicht normal ist und das Anzeichen eines Herzinfarkts sein muss. 

Im Folgenden Video wird illustriert, wie eine erste Panikattacke ablaufen kann.

Bei Fragen oder Anregungen, kann gerne ein Kommentar hinterlassen werden.

Übersetzt aus dem Spanischen. Original: Patricia Sanchez Seisdedos, Psychologin bei CogniFit.

Noradrenalin: Alles rund um das “Stresshormon”

Wenn unser Puls steigt, spielt die Substanz Noradrenalin eine wichtige Rolle. Generell ist dieser Stoff in Prozesse der Aktivierung des Organismus eingebunden. Aber wieso schlägt unser Herz auf einmal ganz schnell, wenn wir nervös werden? 

Entdecke im folgenden Artikel alles Wichtige über Noradrenalin: Was es ist, welche Funktion es hat, wie es wirkt, welche psychischen Störungen mit diesem Stoff assoziiert sind und was Noradrenalin mit Sport zutun hat. Wenn man in einer unangenehmen Situation das Bedürfnis verspürt wegrennen zu wollen und plötzlich voller Energie steckt – dann sind das Effekte, die auf die Wirkung des Noradrenalin in unserem Organismus zurückzuführen sind.

Noradrenalin

Im Folgenden findet sich die wichtigste Information zu dieser chemischen Substanz, ihre Funktionen, wie sie uns beeinflusst und ein paar ihrer Besonderheiten.

Was ist Noradrenalin?

Noradrenalin gehört zur Gruppe der Katecholamine, das sind Moleküle, die aus der Aminosäure L-Tyrosin durch chemische Synthetisierung entstehen.

Es kann als Hormon (es wird als Stresshormon bezeichnet) und als Neurotransmitter wirken und dadurch physiologische und homeostatische Funktionen erfüllen.

Noradrenalin wird auch als Norepinephrin bezeichnet. Der Ursprung der ersten Bezeichnung stammt aus dem Latein und die Zweite aus dem Griechischen. Der Unterschied ist, dass die Bezeichnung Norepinephrin in der Regel für synthetisch hergestelltes Noradrenalin in der Pharmakologie verwendet wird, wohingegen Noradrenalin sich auf den körpereigenen Stoff bezieht.

Im Körper wird Noradrenalin im Nebennierenmark (Wirkung als Hormon) und im Locus caeruleus (Wirkung als Neurotransmitter) hergestellt. Es wird anschließend in den Organismus abgegeben und führt zur Aktivierung diesen und bereitet ihn auf eine Antwort vor (Fluchtreflex).

Die Wirkung von Noradrenalin

Wie bereits erwähnt wurde, kann es als Neurotransmitter oder als Hormon wirken. Von was hängt das ab?

Noradrenalin als Neurotransmitter

Es befindet sich in den Neuronenverbindungen des Nervensystems. Als Neurotransmitter überträgt es Informationen in Form von elektrischen Impulsen zu verschiedenen Teilen des Organismus.

Noradrenalin wird von adrenergen Neuronen ausgeschüttet. Diese Neuronen befinden sich in Teilen des zentralen Nervensystem (ZNS), dem Thalamus, Cerebellum, dem Rückenmark und vor allem in dem Bereich des Locus Coeruleus im Hirnstamm.

Der Locus Coeruleus ist die Hauptproduktionsstätte von Noradrenalin im ZNS. Doch nicht nur im ZNS finden wir adrenerge Neuronen, auch im autonomen Nervensystem (ANS), in welchem sich unsere Körperaktivität in Zusammenhang mit der Angst entwickelt, befinden sich solche.

Noradrenalin als Hormon

Es wird auch als Stresshormon bezeichnet. Nachdem es aus der Aminosäure Tyrosin im Nebennierenmark synthetisiert wurde, erfolgt die Ausschüttung ins Blut. Die Nebennieren befinden sich, wie der Name nahe legt, oberhalb der Nieren. Zu den Funktionen des Noradrenalins als Neurotransmitter gehören die Anregung der Adrenalinproduktion im Körper, was zu einer erhöhten Vigilanz führt. Diese erleichtert die fokussierte Aufmerksamkeit und verbessert die Fähigkeit adäquates Verhalten in gefährlichen Situationen zu zeigen.

Noradrenalin Funktion

Noradrenalin erfüllt verschiedene Funktionen:

1- Es spielt eine grundlegende Rolle in der Fight-or-Flight Reaktion (Kampf oder Flucht):

  • Erhöht die Herzfrequenz
  • Verengt oder erweitert die Pupillen.
  • Erhöht den Glukosegehalt im Blut, indem es Energiereserven anbricht.
  • Erhöht den Blutfluss in die Skelettmuskeln und die Sauerstoffversorgung des Gehirns, um eine schnelle Reaktionsfähigkeit zu ermöglichen.

2- Herz und Herzfrequenz: Wenn es zu einem Anstieg des Noradrenalingehalts im Körper kommt, hat das einen Anstieg der Herzfrequenz zur Folge. Ein Beispiel hierfür, könnte aus einer klassischen Szene einer Krankenhausserie stammen: “Der Patient erleidet einen Herzstillstand, woraufhin die Ärztin den Assistenten nach Norepinephrin bittet. Pi-pi-pi-pi. Stabiler Puls. Wir haben das Leben des Patienten gerettet.” Kommt diese Szene bekannt vor? Diese Substanz stabilisiert in diesem Fall die Herzfrequenz.

3- Es bereitet uns auf eine Reaktion vor: Eine weitere Funktion des Noradrenalins ist die Steigerung der Effekte der extrinsischen und intrinsischen Motivation, ebenso wie die Bereitschaft in stressigen Situationen schnell handeln zu können.

4- Beeinflusst die Alarmbereitschaft und die Regulierung des Schlaf-Wach-Rhythmus.

5- Reguliert das Sexualverhalten.

Lässt sich der Noradrenalinspiegel erhöhen?

Die nichtessenzielle Aminosäure Tyrosin wird benötigt, um Noradrenalin zu synthetisieren.

Das Wort Tyrosin stammt aus dem Griechischen und bedeutet Käse. Die Namensgebung beruht auf der Entdeckung dieser Aminosäure durch den deutschen Chemiker Justus von Liebig, der Tyrosin erstmals aus Käse isolierte. Die Substanz findet sich in großen Mengen in Casein.

Damit unser Körper Noradrenalin herstellen kann, müssen eine Reihe chemischer Prozesse durchlaufen werden, die im Folgenden beschrieben wird:

  1. Wir finden eine Phenylalaninquelle (die essentielle Aminosäure).
  2. Durch eine 4-Hydroxylierung entsteht aus L-Phenylalanin die proteinogene Aminosäure L-Tyrosin. Die Hydroxylierung bedeutet, dass eine OH-Gruppe (Hydrox-Gruppe) hinzugefügt wird. Wieso geschieht das?
  3. Das passiert, um Tyrosin (als Vorstufe von Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin) weiter synthetisieren zu können.

Um in unserem Körper die Verfügbarkeit von Noradrenalin in unserem Körper zu erhöhen, müssen wir proteinreiche Nahrung aufnehmen.

Lebensmittel wie Fisch, Fleisch, Käse und Hülsenfrüchte sind Tyrosinquellen.

Durch den Verzehr der oben genannten Produkte und wir zusätzlich noch Äpfel, Bananen, Rote Beete und Wassermelone zu uns nehmen, werden wir ausreichend mit der Aminosäure Tyrosin, die Vorstufe aller Katecholamine, versorgt sein.

Wenn wir diese Nahrungsstoffe zu uns nehmen, baut unser Verdauungstrakt die Proteine in Aminosäuren wie dem L-Tyrosin ab. Aus L-Tyrosin wird Dopamin sekretiert, aus welchem Noradrenalin sekretiert wird. Entdecke hier Nahrungsmittel, die Vitamine enthalten, die wichtig für das Gehirn sind.

Noradrenalin und psychische Störungen

Noradrenalin steht in Zusammenhang mit psychischen Störungen. Es spielt eine entscheidende Rolle bei der physiologischen Aktivierung und Deaktivierung des Organismus.

1. ADHS und Noradrenalin

Die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung charakterisiert sich durch ihren Beginn in der Kindheit und Jugend. Die Störung zeichnet sich durch Impulsivität, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsprobleme aus. Betroffene Kinder gelten als unruhig und bewegen sich viel, lassen sich leicht ablenken und haben eine beeinträchtigte Planungsfähigkeit.

Bei Betroffenen kommt es zu einer verringerten Ausschüttung von Dopamin, sodass die neuronalen Verbindungen beeinträchtigt sind. Es wird vermutet, dass auch die Signalübertragung durch Noradrenalin vermindert ist, dies konnte aber noch nicht endgültig nachgewiesen werden. Spezifische Medikamente, welche über adrenerge Rezeptoren wirken, werden aber bei ADHS eingesetzt und zeigen ihre Wirkung.

Die Medikamente, die bei ADHS eingesetzt werden sind Stimulanzien, die den Transport und die Wiederaufnahme von Dopamin und Noradrenalin hemmen und somit deren Verfügbarkeit im synaptischen Spalt erhöhen.

2. Depression und Noradrenalin

Eine Charakteristik der Depression ist der verminderte Antrieb. Die Motivation sinkt, die Latenzzeit bis zur Reaktion auf einen Stimulus vergrößert sich, der Puls fällt ab. Der Körper detektiert, dass etwas nicht in Ordnung ist und versetzt sich in den “Überlebensmodus”, in dem er versucht so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen. Diese Tatsache ist für den Zusammenhang der Depression mit Noradrenalin verantwortlich.

Bei einem Mangel an Noradrenalin passiert folgendes in unserem Körper:

  • Verringerte physiologische Aktivität
  • Diffuse Aufmerksamkeit oder Aufmerksamkeitsprobleme
  • Verringerung der Herzfrequenz
  • Dysthymia 
  • Verringerung der Motivation
  • Verlängerung der motorischen Reaktionszeit
  • Antriebslosigkeit
  • Apathie (Desinteresse und Fehlen von Enthusiasmus)

Noradrenalin spielt zudem eine Schlüsselfunktion in der Emotionsregulation. Eine Emotion, die sich körperlich stark widerspiegelt ist die Freude, bei ihr kommt es zu einer starken physiologischen Aktivierung.

Im Gegensatz dazu, lässt sich das Fehlen von Freude mit einem Gefühlszustand der Trauer beschreiben, welche zusammen mit der Demotivierung, Antriebslosigkeit, Apathie und weiteren Faktoren den Beginn einer depressiven Episode darstellen kann.

3. Angst und Noradrenalin

Um auf Situationen reagieren zu können, die wir als stressig oder gefährlich interpretieren, schüttet unser Körper Noradrenalin aus. Wenn dies geschieht, ist die Emotion, die wir verspüren, Angst. Es ist aus diesem Grund naheliegend, dass es einen Zusammenhang zwischen den Angststörungen und Noradrenalin gibt.

Die physiologische Reaktion der Angst entspricht dem Verhalten der Flucht oder des Kampfes (Fight-or-Flight) auf die vorhin bereits eingegangen wurde. Einige der Symptome der Angst sind die Pupillenerweiterung, ein höherer Glukosegehalt im Blut, Muskelkontraktion und ein schnellerer Puls. Der Neurotransmitter Noradrenalin sendet Signale durch unseren Körper, sodass wir uns für eine unmittelbare Reaktion bereit machen und aktivieren.

Den Angststörungen eigen sind die Panikattacken, welche mit einem schnellen Anstieg des Neurotransmitters im Körper einhergehen und zu einer erhöhten physiologischen Aktivierung führen, welche sich die Person nicht erklären kann. Durch die Unkenntnis der Ursache steigt die Angst weiter an.

Noradrenalin und Sport

Gemäß der Amerikanische psychologische Gesellschaft APA (American Psychological Association) kann körperliche Aktivität helfen die geistige Gesundheit zu stärken, indem dabei dem Gehirn geholfen wird den Stress besser zu bewältigen.

Es stehen noch viele Forschungsfragen offen, ein Zusammenhang zwischen Noradrenalin und den Emotionen gilt jedoch als gesichert.

Wenn wir Sport treiben reagiert unser Körper auf sehr ähnliche Weise, wie wenn wir uns aufgrund einer gefährlichen oder stressigen Situation anspannen. Wir bereiten uns darauf vor aufmerksam zu sein und auf effektive Weise reagieren zu können. Man stelle sich die konkrete Situation eines 11-Meters vor: Ein Torwart, der alleine im Tor vor seinem Rivalen steht. Wie wird wohl sein Aktivierungszustand sein? Erregung? Entspannung? Er wird sich in maximaler Alarmbereitschaft befinden, um den Ball so schnell wie nur möglich zu fangen.

Je nach der Intensität der Aktivität die wir ausführen, passt sich der Körper an:

  • Sendet über den Neurotransmitter Noradrenalin Informationen an unsere Skelettmuskulatur, um schnell reagieren zu können.
  • Unsere autonomes Nervensystem (ANS) erhöht die Herzfrequenz, steigert die Schweißproduktion und kontrahiert die Muskulatur.
  • Unsere Leber schüttet vermehrt Glukose in den Blutkreislauf aus, um die motorischen Reaktionen zu verbessern.

Diese Reaktionen hängen aber nicht nur von der Intensität der Aktivität ab, sondern auch von den Umständen. Dabei beeinflussen auch Faktoren, die die Person während des Sports stressen oder beängstigen können.

Gerade in Situationen wie dem erwähnten 11-Meter wird der Torwart deutlich gestresst sein und die Situation als Gefahr einschätzen. In Wettkämpfen spielen ebenfalls situative Einflüsse eine entscheidende Rolle.

Wie beeinflusst Sport die Noradrenalin-Produktion? Ein wichtiges Element des Lernens ist die Wiederholung. “Je öfter wir eine Verhaltensweise wiederholen, desto besser werden wir in ihrer Ausführung.” Aus diesem Grund kann Sport uns helfen stressige Situationen zu bewältigen. Denn wenn wir vom Sport gewöhnt sind uns diesen Situationen auszusetzen und in Folge dessen eine gute Stressbewältigungsstrategie haben, können wir dies auf andere Situationen übertragen.

Schlussfolgerungen

Fassen wir zusammen, was wir in diesem Artikel gelernt haben und konzentrieren uns hierbei auf die wichtigsten Punkte:

  • Noradrenalin: ist ein Hormon, das aus Tyrosin synthetisiert wird und ist gleichzeitig ein Neurotransmitter des ZNS und ANS.
  • Es aktiviert uns physiologisch und bereitet uns auf den Kampf oder die Flucht vor.
  • Ist bei Aufmerksamkeitsprozessen und motorischen Reaktionen beteiligt.
  • Spielt eine wichtige Rolle in psychologischen Störungen, wie der Depression, Angststörungen und vermutlich ADHS.
  • Entsprechend unserer Ernährung können wir dir Verfügbarkeit von Noradrenalin im Körper erhöhen, indem wir Nahrung zu uns nehmen, die reich an Tyrosin ist.
  • Es spielt beim Sport und der körperlichen Aktivierung eine wichtige Rolle.

Falls Fragen oder Anregungen zum Artikel bestehen, kann gerne die Kommentarfunktion genutzt werden. Wir versuchen alle Zweifel und Fragen zu klären.

Übersetzt aus dem Spanischen. Original: Patricia Sanchez Seisdedos, Psychologin bei CogniFit

Psychiater vs. Psychologe – Was ist der Unterschied? Zu wem soll ich gehen?

Psychiater vs. Psychologe? Wenn wir ein psychisches Problem haben, wissen wir oft nicht, wer der geeignetste Experte ist, der es besser lösen kann. Was ist der Unterschied zwischen einem Psychologen und einem Psychiater? Ist ein Coach das Gleiche wie ein Psychotherapeut?
Zu wem gehen wir? Dies ist eine häufig vorkommende Frage, auf die wir mit diesem Artikel eine Antwort geben wollen

Psychiater vs. Psychologe – Zu wem gehen wir?

Die Psychiatrie ist eine ärztliche Fachrichtung, die im 19. Jahrhundert zuerst in Erscheinung tritt. Sie wurde mit dem Ziel, psychische Erkrankungen zu behandeln, gegründet, und man nahm an, dass diese dieselben Charakteristika wie die physischen Krankheiten hatten.

Die Psychologie ihrerseits war immer mit der Philosophie vereint und in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert hat sie begonnen, die Behandlungsfunktion von geistigen Störungen und Problemen zu ergreifen.

Erst mit Sigmund Freud zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann man von der Medizin aus mit einer therapeutischeren Herangehensweise, dem ähnlicher, was wir heute als Psychotherapie kennen. In jener Epoche widmeten sich die Psychologie-Studenten der Untersuchung, sie behandelten die Menschen mit psychischen Problemen nicht direkt. Deswegen fand das erste Annähern an die geistigen Störungen und Probleme von der Psychiatrie aus statt.

Im gegenwärtigen Überblick gibt es viel Rivalität zwischen Psychiatern und Psychologen. Ein möglicher Grund ist, dass bis vor Kurzem die Psychologie kein geregelter gesundheitlicher Beruf war. Und es gibt immer noch viele Gesetzeslücken. Beide sind sehr ähnliche Disziplinen und ihre Kompetenzen überschneiden sich oft, was ihre Unterscheidung sehr schwierig macht.

Psychiater vs. Psychologe – Zu wem gehen wir?

Psychiater vs. Psychologe

Psychiater:

Der Psychiater ist ein Arzt, der Medizin studiert hat und danach als Spezialgebiet Psychiatrie. Nur Psychiater können Medikamente verschreiben und haben tiefgehendes Wissen über die biologische Struktur des Gehirns und seine Funktion.

Die Intervention der Psychiater zentriert sich auf die Physiologie und die Gehirnchemie. Das heißt, sie kümmern sich darum, Personen mit emotionalen Störungen oder psychischen Erkrankungen durch Medikation oder Verschreibung von medizinischen Rezepten zu behandeln.

Psychiater haben per se nicht die nötige Ausbildung, um Psychotherapie anzuwenden. Das heißt, die Behandlung, die sie bieten, kann nicht dazu bestimmt sein, den Patienten Strategien und Techniken zu zeigen, die ihnen bei der Lösung ihrer emotionalen Probleme und Verhaltensprobleme helfen.

Manche Psychiater machen eine zusätzliche Ausbildung in einer Art von Therapie, um auch in diesem Sinne Hilfe anbieten zu können.

Psychologe:

Die Psychologen sind Experten mit einer Ausbildung im Bereich der Psychologie. Sie sind auf die Behandlung von emotionalen Problemen und Verhaltensproblemen durch die Lehre von bestimmten Strategien und Techniken spezialisiert. Die Psychologen können keine Medikamente verschreiben.

Unterschiede zwischen Psychologe und Psychiater

So ist der Psychiater dafür zuständig, Medikamente zu verschreiben, führt aber keine Therapie durch und der Psychologe verschreibt keine Medikamente, kann aber, durch Therapie, dem Patienten Strategien und Techniken zeigen, damit dieser seine emotionalen Probleme und Verhaltensprobleme lösen kann.

Die Handlung des Psychiaters und des Psychologen findet oft gemeinschaftlich statt, denn die Behandlung von bestimmten Störungen kann nur so wirksam sein, aber es ist nicht immer notwendig.

Therapeut vs. Coach

Therapeut:

Ein Begriff, der oft für Verwirrung sorgt, ist der des Therapeuten. Ein Therapeut oder Psychotherapeut ist ein Mensch, der eine Art von Therapie durchführt (klar, oder?), egal welche, und egal mit welcher Gültigkeit und Effizienz. Deswegen muss man sehr vorsichtig sein, in wessen Hände man sich begibt und gut untersuchen, welche Art von Psychotherapeuten am effizientesten und vertrauenswürdigsten sind. Eine Person, die für sich nur als Psychotherapeut wirbt, hat mit größter Wahrscheinlichkeit weder eine Ausbildung noch die notwendigen Kenntnisse, um die psychischen Probleme der Menschen zu behandeln.

Coach:

Coach übersetzt man auf Deutsch wie Trainer. Das ist eine Person, deren Aufgabe es ist, uns dabei zu helfen, die Ziele zu erreichen, die wir uns vornehmen. Sie führt keine psychische Behandlung durch. Deshalb sollten die Menschen, die zu diesen Fachkräften gehen, keine Störungen oder psychischen Probleme haben. Ein kurioser Fakt ist, dass der Psychologe schon die Kompetenzen hat, um als Coach zu arbeiten, aber umgekehrt ist dies nicht der Fall. Dies weist darauf hin, dass die Kenntnisse des Coaches eventuell eingeschränkter sind.

 

Psychiater vs. Psychologe – Zu wem gehen wir?

Zu wem gehen wir: Psychiater, Psychologe, Therapeut oder Coach?

Die Entscheidung, zu einem Fachmann oder einer Fachfrau zu gehen, ist sehr persönlich. Jedoch werden wir nicht die Ergebnisse bekommen, die wir wollen, wenn wir nicht genug informiert sind. Daher meine Motivation für das Verfassen dieses Artikels.

Meine Empfehlung ist es, dass wir, wenn wir uns psychisch unwohl fühlen, ein bisschen über die effizientesten Therapien, die es gibt, recherchieren und an erster Stelle zu einem klinischen Psychologen gehen. Dieser kann uns, je nach Charakteristika des Problems, raten, zusätzlich zu unserer psychologischen Behandlung zu einem Psychiater zu gehen.

Wenn wir uns psychisch nicht unwohl fühlen und nur in irgendeiner Hinsicht besser werden wollen oder etwas schaffen wollen, können wir zu einem Coach oder einem Psychologen (klinisch oder nicht) gehen, denn beide haben die notwendige Ausbildung für diese Arbeit.

 

Quelle: Andrea García Cerdán, Psychologin bei CogniFit.

Besessen von der Suche nach dem perfekten Partner? Was ist das Märchenprinz-Syndrom?

Heute werden wir dir erklären, was das Märchenprinz-Syndrom ist. Es ist eine Variation des Aschenputtel-Syndroms, das uns idealisierte und wenig realistische Vorstellungen von einem Partner haben lässt.

Es entspricht einer gesunden Haltung, danach zu streben, eine Person zu finden, die man liebt und von der man auch zurück geliebt wird, aber wie in vielen anderen Aspekten des Lebens kann sich dies gegen uns wenden und unsere psychische Gesundheit beeinträchtigen, wenn es sich in etwas Obsessives verwandelt. Wenn du dieses Ziel aus der Sicht eines Erwachsenen anstrebst, als eine Person, die sich selbst schätzt, die Freundschaften und Interessen hat, die ihr Leben erfüllen, solltest du keine Komplikationen erleben. Im Gegenteil, wenn du danach strebst, die Liebe als eine unsichere, mit sich selbst und ihrem Leben unzufriedene Person mit einer kindlichen Einstellung zu finden, ist es wahrscheinlich, dass du all deine Lebens- und Liebesmängel darauf projizierst, jemanden zu finden und dass die Suche nach Liebe sich in etwas Toxisches verwandelt, dies passiert den Menschen mit dem Märchenprinz-Syndrom.

Was ist das Märchenprinz-Syndrom

Im Gegensatz zum Aschenputtel-Syndrom, das nur bei Frauen auftritt, findet man dieses Syndrom bei beiden Geschlechtern. Diejenigen, die unter dem Märchenprinz-Syndrom leiden, stellen sich ihren idealen Partner wie eine perfekten Menschen vor, praktisch ohne Defekte und mit einem Charakter oder einer Persönlichkeit, die ohne Probleme mit der ihrigen zusammenpasst. Außerdem, weil sie so wenig verlangen, glauben sie, dass diese Person überdurchschnittlich schön und unglaublich intelligent ist und sich in einer guten sozialen und finanziellen Lage befindet.

Die vom Märchenprinz-Syndrom Betroffenen suchen unbewusst nach jemandem wie ihrem Vater (wenn es Frauen sind) oder wie ihrer Mutter (wenn es Männer sind), denn in ihnen sehen sie die perfekte Person: die Väter sind lieb und behandeln ihre Töchter wie Prinzessinnen, während die Mütter ihre Söhne pflegen und beschützen.

Wegen dieser Suche nach Perfektion empfinden die Betroffenen vom Märchenprinz-Syndrom etwas Groll gegen die Personen mit dem gegenteiligen Geschlecht, da sie nie ihre Erwartungen erfüllen und sie misshandeln sie oft oder werfen ihnen ihre Schwächen ständig vor. Die Menschen, von denen sie sich angezogen fühlen, sind für gewöhnlich verlobt oder verheiratet und die von der Störung Betroffenen enden oft in der Rolle des Liebhabers oder der Liebhaberin.

Bewusst oder unbewusst misshandeln sie ihre Partner oder lassen sie wissen, dass sie nicht gut genug sind. Diese Misshandlung kann in Streitigkeiten bestehen, die aus lächerlichen Gründen verursacht werden, darin, andere Personen vor ihrem Partner zu loben, um ihn herabzuwürdigen, oder auch darin, mit anderen Menschen zu flirten, die ihrem Ideal näherkommen. Sie suchen weiter nach dem perfekten Partner außerhalb ihrer Beziehung oder versuchen, die Person, mit der sie zusammen sind, zu verändern, sie gehen soweit, sie zu bitten, dass sie ihre Persönlichkeit ändern, sich nach ihren Geschmäckern anziehen oder zurechtmachen, und sogar, dass sie sich operieren und ihren Körper umgestalten. Sie zerstören ihren Partner letztlich, indem sie ihn dazu bringen, sich von seinem Wesen loszusagen und sich in etwas zu verwandeln, was er/sie nicht ist.

Nachdem all dies durchlaufen wurde, ist es logisch, dass die Betroffenen vom Märchenprinz-Syndrom schließlich von ihren Partnern verlassen werden oder ihre Beziehungen selbst beenden, weil sie weiter nach jemand Besserem suchen wollen. Sie können nur ein normales und gesundes Leben führen, wenn sie es schaffen, diese Besessenheit von der Perfektion zu überwinden und akzeptieren, dass Menschen gute und schlechte Eigenschaften haben. Um dies zu schaffen, ist es notwendig, dass die Betroffenen die Hilfe eines Experten suchen und hart daran arbeiten, ihre Unsicherheiten, Ängste und Komplexe zu überwinden, und so können sie leben, ohne jemanden zu suchen, der ihre emotionale Leere füllt, denn wenn du die anderen akzeptieren möchtest, musst du zunächst einmal dich selbst akzeptieren.

Quelle: Borja Echeverría, Psychologe bei CogniFit.