{"id":15035,"date":"2017-04-24T12:12:31","date_gmt":"2017-04-24T12:12:31","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.cognifit.com\/?p=15035\/"},"modified":"2024-08-20T12:25:12","modified_gmt":"2024-08-20T12:25:12","slug":"das-limbische-system","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.cognifit.com\/de\/das-limbische-system\/","title":{"rendered":"Das limbische System: Welche Funktion erf\u00fcllt es? Welche Bedeutung hat es f\u00fcr die Emotionen?"},"content":{"rendered":"\n<p><em><strong>Was ist das limbische System? &nbsp;<\/strong>Freude, Angst, Wut, Traurigkeit und Ekel: Emotionen. Obwohl wir manchmal von ihrer Intensit\u00e4t \u00fcberw\u00e4ltigt sind, k\u00f6nnten wir nicht ohne sie leben. <\/em><em>Was w\u00fcrden wir beispielsweise ohne Angst machen? <\/em><em>Wir w\u00fcrden wahrscheinlich auf leichtsinnige Art und Weise ums Leben kommen. In dem folgenden Artikel wird erkl\u00e4rt, was das limbische System ist, welche Funktionen es hat, aus was f\u00fcr Komponenten es besteht und welche Ver\u00e4nderungen auftreten k\u00f6nnen.&nbsp;<strong>Welche Bedeutung hat das limbische System f\u00fcr die Emotionen<\/strong><strong>?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was ist das limbische System? <\/strong>Seit Aristoteles wird die r\u00e4tselhafte Welt der Emotionen erforscht. Bis zum heutigen Tage wurden viele konfliktreiche Debatten \u00fcber sie gef\u00fchrt, bis schlie\u00dflich Einigung dar\u00fcber herrschte, dass Emotionen dem Menschen innewohnend sind. Dank jahrelanger Forschung wissen wir mittlerweile, dass es ein System im <a href=\"https:\/\/www.cognifit.com\/de\/gehirn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Gehirn <\/a>gibt, welches die Emotionen reguliert: das limbische System.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Begriff &#8220;limbisches System&#8221; pr\u00e4gte der amerikanische Hirnforscher Paul D. MacLean im Jahre 1952, indem er sich so auf das &#8220;viszerale Gehirn&#8221;&nbsp;f\u00fcr die Emotionen bezog (MacLean, 1952). Er entwickelte das Konzept des <em>Triune Brain.&nbsp;<\/em>Hier postuliert er, dass das menschliche Gehirn eigentlich aus drei Gehirnen bestehe: dem protoreptilische Gehirn, dem pal\u00e4omammalische Gehirn (das limbische System)&nbsp;und dem neomammalische Gehirn.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Komponenten des limbischen Systems<\/h2>\n\n\n\n<p>Das limbische System besitzt viele Zentren und Komponenten. Zur vereinfachten Darstellung werden im Folgenden nur diese wichtigen&nbsp;Strukturen vorgestellt, die unterschiedliche Funktionen haben: die Amygdala, der <a href=\"\/?p=121808\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hippocampus<\/a>, der <a href=\"\/?p=14683\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hypothalamus<\/a> und der cingul\u00e4re Cortex.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p id=\"__p1\" style=\"text-align: left;\">\u201cDer Hypothalamus, der Gyrus cinguli, der Hippocampus und die Verbindungen zwischen den Hirnstrukturen bilden einen harmonischen Mechanismus, der die zentralen emotionale Funktionen produziert&nbsp;und auch beim Ausdruck von Emotionen eine Rolle spielt.&#8221; <strong>James Papez, 1937<\/strong><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Funktionen des limbischen Systems<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das limbische System und die Emotionen<\/h3>\n\n\n\n<p>Emotionen werden von manchen Leuten im ersten Moment als etwas schlechtes abgelehnt. Diese Einstellung hat ihre Urspr\u00fcnge aus der Zeit, in der Emotionen als etwas dunkles angesehen wurden, die unseren Verstand und unsere Intelligenz vernebeln. Es herrschte&nbsp;auch die Ansicht, dass die Emotionen uns auf eine Stufe mit den Tiere stellen. Damit hatten die Leute in gewisser Hinsicht nicht unrecht, da genau wie in der Tierwelt die Emotionen f\u00fcr uns Menschen \u00fcberlebenswichtig sind! Emotionen sind&nbsp;als zusammenh\u00e4ngende Reaktionen definiert, die zum Zustand&nbsp;der Belohnung oder Bestrafung f\u00fchren. Belohnungen wie Zufriedenheit oder Wohlbefinden beg\u00fcnstigen adaptive Reaktionen.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Die k\u00f6rperliche und emotionale Reaktion h\u00e4ngt vom limbischen System ab:&nbsp;<\/strong>Der Zusammenhang zwischen den Emotionen und den k\u00f6rperlichen Reaktionen ist essenziell. Die Emotionen sind im Prinzip ein Dialog zwischen dem K\u00f6rper und dem Gehirn. Das Gehirn entdeckt einen bedeutenden Reiz und sendet anschlie\u00dfend Informationen an unseren K\u00f6rper um ad\u00e4quat auf diesen Reiz reagieren zu k\u00f6nnen. Die Ver\u00e4nderungen in unserem K\u00f6rper nehmen wir bewusst war, sodass wissen welche Emotion wir gerade versp\u00fcren. Beim Gef\u00fchl der Angst und der Wut werden im limbischen System Prozesse in Gang gesetzt, die das sympathische Nervensystem aktivieren. Die k\u00f6rperliche Reaktion ist hierbei massiv und als &#8220;Flight or Fight&#8221; (Kampf oder Flucht) bekannt. Das Individuum wird somit auf eine bedrohliche Situation vorbereitet, um entweder fliehen oder k\u00e4mpfen zu k\u00f6nnen. Die Herzfrequenz erh\u00f6ht sich und der Blutdruck und die Atemfrequenz steigen an.<\/li><li><strong>Das limbische System reguliert die Angst:&nbsp;<\/strong>Durch die Stimulierung des Hypothalamus und der Amygdala k\u00f6nnen Angstreaktionen hervorgerufen werden. Bei einer Zerst\u00f6rung der Amygdala bleiben&nbsp;die Angstreaktion und k\u00f6rperliche Konsequenzen aus. Beim Erlernen von Angst spielt die Amygdala ebenfalls eine wichtige Rolle. Durch Studien mit bildgebenden Verfahren konnte deutlich gemacht werden, dass bei Angst der linke Teil der Amygdala aktiviert wird.<\/li><li><strong>Wut&nbsp;und Gelassenheit werden durch das limbische System reguliert<\/strong>: Nach der Entfernung des Neocortex lassen sich Reaktionen von Wut&nbsp;bereits bei minimaler Reizpr\u00e4sentation beobachten. In Tierexperimenten f\u00fchrt die Zerst\u00f6rung von Bereichen des Hypothalamus, wie dem ventro-medialen Nucleus und der Septumkerne ebenfalls zu Reaktionen von Wut. Gleiches passiert bei einer Stimulierung gr\u00f6\u00dferer Bereiche des Mittelhirns (Mesencephalon). Bei bilaterealer Zerst\u00f6rung&nbsp;der Amygdala kommt es dagegen zu Gelassenheit und die&nbsp;Reaktion von Wut&nbsp;bleibt aus.<\/li><li><strong>Die Lust und Sucht&nbsp;werden durch das limbische System gesteuert:<\/strong>&nbsp;Der Kreislauf der Lust und des Suchtverhalten beinhaltet die Strukturen: die Amygdala, den Nucleus accumbens und den Hippocampus. Diese spielen eine wichtige Rolle beim Suchtverhalten, sowohl bei der Motivation Drogen zu nehmen, dem zwanghaften Verlangen nach der Substanz und dem R\u00fcckfall-Verhalten.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.cognifit.com\/cognifit\/training\/index\/t\/normal\/l\/de?utm_source=Blog&amp;utm_medium=Banner&amp;utm_campaign=Katja&amp;utm_term=Germany&amp;utm_content=Entrenamiento\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.cognifit.com\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/entrenamiento_general.gif\" alt=\"Gehirntraining\" class=\"wp-image-17701\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Nicht-emotionale Funktionen des limbischen Systems<\/h3>\n\n\n\n<p>Das limbische System ist&nbsp;ebenfalls in&nbsp;Funktionen des \u00dcberlebens wie dem Schlaf, dem Sexualverhalten oder dem Ged\u00e4chtnis involviert.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie sich vermuten l\u00e4sst ist das Ged\u00e4chtnis eine grundlegende \u00dcberlebensfunktion. Es gibt verschiedene Formen des Ged\u00e4chtnisses, wobei sich das emotionale Ged\u00e4chtnis &nbsp;auf Erinnerungen an vitale Reize oder Situationen bezieht. Die Amygdala, der pr\u00e4frontale Cortex und der Hippocampus sind beim Erwerb, der Aufrechterhaltung und der L\u00f6schung phobischer Erinnerungen von Bedeutung. Eine phobische Erinnerung kann beispielsweise die Angst vor Spinnen sein, die evolution\u00e4r gesehen das \u00dcberleben erleichtert.<\/p>\n\n\n\n<p>Das limbische System reguliert au\u00dferdem den Appetit und das Essverhalten, sowie das olfaktorische System (Riechsystem).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Klinische Implikationen. Ver\u00e4nderungen des limbischen Systems:<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1- <a href=\"https:\/\/www.cognifit.com\/de\/wissenschaft\/nimm-das-gehirntraining-ernst\/demenz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Demenz<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Ursachen&nbsp;<a href=\"\/?p=12465\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">neurodegenerativer Erkrankungen<\/a>&nbsp;sind mit dem limbischen System assoziiert. Vor allem bei Alzheimer und der Pick-Krankheit spielen Ver\u00e4nderungen des limbischen Systems eine wichtige Rolle. Vor allem im Hippocampus treten Atrophien auf. Bei der <a href=\"https:\/\/www.cognifit.com\/de\/alzheimerische-krankeit\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Alzheimer-Krankheit<\/a> kommt es beispielsweise zu charakteristischen Eiwei\u00dfablagerungen wie den senilen Plaques (Hirndr\u00fcsen) und Neurofibrillenb\u00fcndeln.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2- Angst<\/h3>\n\n\n\n<p>Angstst\u00f6rungen lassen sich auf Abnormalit\u00e4ten in der Regulation der Amygdalaaktivierung zur\u00fcckf\u00fchren. Es l\u00e4sst sich ein sogenannter neuronaler Kreislauf der Angst identifizieren. Dieser umfasst die Amygdala, den pr\u00e4frontalen Cortex und den anteriorern cingul\u00e4ren Cortex (Cannistraro, 2003).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3- Epilepsie<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Ursache f\u00fcr <a href=\"\/?p=19932\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Epilepsie<\/a> l\u00e4sst sich auf Ver\u00e4nderungen im limbischen System zur\u00fcckf\u00fchren. Die Epilepsie im Temporallappen ist die h\u00e4ufigste Form unter Erwachsenen und tritt aufgrund von Sklerose im Hippocampus auf. Es scheint, dass diese Form der Epilepsie auf eine Fehlfunktion des limbischen Systems zur\u00fcckzuf\u00fchren ist.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4- Affektive St\u00f6rungen<\/h3>\n\n\n\n<p>Studien zeigen, dass es bei affektiven St\u00f6rungen wie der Bipolaren St\u00f6rung oder der <a href=\"https:\/\/www.cognifit.com\/de\/depression\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Depression <\/a>zu Funktionsver\u00e4nderungen im limbischen Systems kommt. Funktionelle Studien haben bei affektiven St\u00f6rungen eine verminderte Aktivit\u00e4t im pr\u00e4frontalen Cortex und dem anteriorern cingul\u00e4ren Cortex festgestellt. Der&nbsp;anteriorer cingul\u00e4re Cortex ist das Zentrum der Integration von Aufmerksamkeit und &nbsp;Emotionen und greift bei der Emotionsregulation ein.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">5- Autismus<\/h3>\n\n\n\n<p>Bei Autismus und dem Asperger Syndrom zeigen&nbsp;sich Ver\u00e4nderungen auf den sozialen Bereich bezogen. Strukturen des limbischen Systems, wie dem Gyrus cinguli oder der Amygdala, sind bei diesen Erkrankungen ver\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbersetzt aus dem Spanischen:\u00a0<em><span style=\"color: #999999;\">Xabi Ansorena<\/span><\/em><span style=\"color: #000000;\">, Neuopsychologe bei CogniFit.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><em><span style=\"color: #999999;\"><strong>Quellen:<\/strong><\/span><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em><span style=\"color: #999999;\">Cannistraro ,P.A., y Rauch, S.L. (2003). Neural circuitry of anxiety: Evidence from structural and functional neuroimaging studies. <span class=\"ref-journal\">Psychopharmacol Bull,&nbsp;<\/span><span class=\"ref-vol\">37,&nbsp;<\/span>8\u201325<\/span><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em><span style=\"color: #999999;\">Rajmohan, V., y Mohandas, E. (2007).&nbsp;The limbic system.&nbsp;Indian Journal of Psychiatry 49 (2):132-139<\/span><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em><span class=\"element-citation\" style=\"color: #999999;\">Maclean PD. <span class=\"ref-journal\">The triune brain in evolution: Role in paleocerebral functions.<\/span> New York: Plenum Press; 1990<\/span><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em><span style=\"color: #999999;\">Roxo, M.; Franceschini, P.R.; Zubaran, C.; Kleber, F.; and Sander, J. (2011). The&nbsp;Limbic System Conception and Its Historical Evolution. TheScientificWorldJOURNAL, 11,&nbsp;2427\u20132440<\/span><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em><span class=\"fontstyle0\" style=\"color: #999999;\">Morgane, P.J., y Mokler, D.J. (2006). The limbic system: contiuing resolution. Neuroscience and Biobehavioral Reviews, 30:&nbsp;119\u2013125<\/span><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist das limbische System? &nbsp;Freude, Angst, Wut, Traurigkeit und Ekel: Emotionen. Obwohl wir manchmal von ihrer Intensit\u00e4t \u00fcberw\u00e4ltigt sind, k\u00f6nnten wir nicht ohne sie leben. Was w\u00fcrden wir beispielsweise ohne Angst machen? Wir w\u00fcrden wahrscheinlich auf leichtsinnige Art und Weise ums Leben kommen. 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