{"id":16219,"date":"2017-07-10T14:11:07","date_gmt":"2017-07-10T14:11:07","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.cognifit.com\/?p=16219\/"},"modified":"2023-03-06T16:31:15","modified_gmt":"2023-03-06T16:31:15","slug":"evaluative-konditionierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.cognifit.com\/de\/evaluative-konditionierung\/","title":{"rendered":"Evaluative Konditionierung: Das Wie und Warum der Meinungsbildung ohne Wissensbasis"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><em>Es hei\u00dft, man soll ein Buch nicht nach seinem Umschlag beurteilen. Doch weshalb tun wir das und vor allem wie? Ein Prozess namens evaluativer Konditionierung gibt eine Erkl\u00e4rung weshalb das Buch mit dem h\u00fcbschen Umschlag besser geschrieben ist.<\/em><\/p>\n<p>T\u00e4glich sind wir einer Vielzahl von Eindr\u00fccken, darunter oftmals neue, ausgesetzt. Dies ist nicht weiter verwunderlich, schlie\u00dflich leben wir in einer komplexen und dynamischen Welt mit den unterschiedlichsten Sachen, Zust\u00e4nden und Situationen. Und dann ist morgen alles wieder ein St\u00fcckchen anders. Gerade gestern hat drei Bl\u00f6cke weiter ein neuer Laden aufgemacht, Katie ist nun \u00fcbrigens mit einem neuen Freund zusammen und das neuste Album unseres Lieblingsmusikers wurde endlich nach langem warten ver\u00f6ffentlicht. Doch diesmal ertappen wir uns dabei, wie wir mit selbstsicher \u00dcberzeugung und ohne jegliche faktische Grundlage behaupten: \u201eIch sag\u2018s dir, dieser neue Laden wird nicht l\u00e4nger als sein Vorg\u00e4nger durchhalten bevor er pleite geht. Daf\u00fcr ist Katies neuer Freund bestimmt ein sehr h\u00fcbscher Bursche und das neue Album? Oh, das wird bestimmt unglaublich gut!\u201c Doch stimmt das? Werden sich unsere Prophezeiungen als wahr erweisen? Und auf welcher Basis \u00e4u\u00dfern wir diese Behauptungen so selbstsicher? F\u00fcr die psychologische und industrielle Wissenschaft sind diese Fragen von Interesse, denn die Bewertung unserer Umwelt beeinflusst unser Verhalten ihr gegen\u00fcber. Wer also den zugrunde liegenden Mechanismus der Bildung von Bewertungen versteht und es schafft ihn aktiv zu lenken, k\u00f6nnte entweder einen Patienten dazu bringen pathologisches Verhalten aufzugeben, oder einen Kunden dazu lenken ein bestimmtes Produkt zu kaufen.<\/p>\n<h2><strong>Klassische Konditionierung: Lernen anhand von\u00a0Erfahrungen<\/strong><\/h2>\n<div id=\"attachment_16270\" style=\"width: 6010px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16270\" class=\"Evaluative Konditionierung wp-image-16270 size-full\" title=\"Evaluative Konditionierung\" src=\"https:\/\/blog.cognifit.com\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/evaluative-Konditionierung-Pavlov.jpg\" alt=\"Evaluative Konditionierung\" width=\"6000\" height=\"4000\" \/><p id=\"caption-attachment-16270\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #808080;\">Klassische Konditionierung<\/span><\/p><\/div>\n<p>Ein relevanter Mechanismus der Bildung von Bewertungen wurde evaluative Konditionierung getauft. Sie wurde in Anlehnung an die zuvor schon etablierte klassische Konditionierung nach Pavlov benannt. Die letztere beschreibt einen Lernprozess der Erwartungen auf der Basis wiederkehrender Muster generiert. Wenn auf ein bestimmtes Geschehen immer das selbe Ereignis folgt, reicht nach einiger Zeit schon das Erste als Indiz, dass das Zweite gleich folgt.<\/p>\n<p>Wann immer wir zum Beispiel das Lichtsignal des linken Blinkers eines Autos wahrnehmen, wissen wir automatisch, dass dieses Auto gleich nach Links abbiegen wird. Wir sind erfahren genug um zu sagen: Wenn ein fahrendes Auto an einer Kreuzung blinkt, dann wird es in die Richtung abbiegen. Das ist die nat\u00fcrlich Abfolge: blinken, dann abbiegen.<\/p>\n<h3><strong>Klassische Konditionierung<\/strong><\/h3>\n<p>Die ersten empirischen Belege f\u00fcr diesen Mechanismus wurden wie folgend an Hunden erhoben: Vor jeder ihnen servierten Mahlzeit ert\u00f6nte das selbe Klingeln einer Glocke. Die Hunde begr\u00fc\u00dften die Nahrung nat\u00fcrlich freudig, schlie\u00dflich lie\u00df der blo\u00dfe Anblick des Essens Ihnen den Speichel im Munde zusammenlaufen. Doch nach einiger Zeit wurde etwas Interessantes beobachtet. Schon der einfache Klang der Glocke brachte deren Speichel zum flie\u00dfen. Sie hatten mit der Zeit gelernt, dass ihnen kurze Zeit nach dem ert\u00f6nen der Glocke die n\u00e4chste Mahlzeit serviert werden w\u00fcrde. Der Klang der Glocke wurde hinterher als konditionierter Stimulus (conditioned stimulus, CS) und das Essen als unkonditionierter Stimulus (unconditioned stimulus, US) kategorisiert. Die Funktionsweise der klassischen Konditionierung wurde so beschrieben: Sobald eine belanglose Sache, ein <strong>neutraler Stimulus<\/strong>, zuverl\u00e4ssig oft vor einem bedeutsamen Ereignis, einem <strong>unkonditionierten Stimulus<\/strong>, auftritt, wird <strong>die Bedeutung des folgenden unkonditionierten Stimulus auf den vorherigen neutralen Stimulus \u00fcbertragen<\/strong>. Durch diesen Transfer l\u00f6st der neutrale Stimulus nun auch die selbe Reaktion im Organismus aus, den der unkonditionierte Stimulus ausl\u00f6sen w\u00fcrde. <strong>Sobald diese Assoziation gekn\u00fcpft ist wird der neutrale Stimulus als konditionierter Stimulus bezeichnet.<\/strong> Wenn wir dies nun auf unser Beispiel mit dem Auto \u00fcbertragen, dann sieht das so aus: Das wenden des Autos ist der unkonditionierte Stimulus. Das wiederholte aufleuchten des Lichts eines Autoblinkers ist ein neutraler Stimulus. Da es aber vor jedem Wenden eines Autos erscheint, und somit zu einem Vorboten des Wendens wird, wird es zu einem konditionierten Stimulus. W\u00fcrde dieses Lichtsignal jedoch nie vor dem Wenden eines Autos erscheinen, w\u00e4re das Leuchten vollkommen Bedeutungslos f\u00fcr uns.<\/p>\n<p>Hinterher wurden mehrere Studien durchgef\u00fchrt um die Eigenschaften der klassischen Konditionierung zu ergr\u00fcnden. Es stellte sich heraus, dass die Stimuli nicht jedes einzelne Mal in der gemeinsamen Kombination auftreten m\u00fcssen damit konditioniert wird, jedoch oft genug. Wie h\u00e4ufig das sein muss h\u00e4ngt von der Natur der Stimulation ab. Manche Signale sind st\u00e4rkere Indikatoren als andere. Auch wurde gezeigt, dass die Assoziation wieder getrennt werden kann, wenn die Stimuli zu selten gemeinsam erscheinen. Ab diesem Moment ist der konditionierte Stimulus wieder ein neutraler Stimulus.<\/p>\n<h2><strong>Evaluative Konditionierung: Bewertung anhand von\u00a0Erfahrungen<\/strong><\/h2>\n<div id=\"attachment_16268\" style=\"width: 5770px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16268\" class=\"Evaluative Konditionierung wp-image-16268 size-full\" title=\"Evaluative Konditionierung\" src=\"https:\/\/blog.cognifit.com\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/evaluative-Konditionierung-assoziation.jpg\" alt=\"Evaluative Konditionierung\" width=\"5760\" height=\"3840\" \/><p id=\"caption-attachment-16268\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #808080;\">Evaluative Konditionierung<\/span><\/p><\/div>\n<p>Obwohl die evaluative Konditionierung auf der Klassischen basiert, reicht ihre Geschichte weiter zur\u00fcck. Sie geht aus der Erforschung von Einstellungen hervor und ist zu einem eigenst\u00e4ndigen Forschungsthema geworden, als feststand, dass sie einen Einfluss auf die Bildung und \u00c4nderung von Einstellungen haben k\u00f6nnte. Die evaluative Konditionierung zeigt einige Parallelen zur klassische Konditionierung. Beide Mechanismen haben einen konditionierten und unkonditionierten Stimulus, jedoch treten bei der evaluativen Konditionierung beide Stimuli gleichzeitig auf, anstatt in zeitlicher Abfolge. Auch wird kein unmittelbares Ereignis vorhergesagt um die entsprechende Reaktion darauf vorzubereiten. Hier wird ein langfristiger Einfluss prophezeit und die entsprechende Haltung demgegen\u00fcber ausgew\u00e4hlt.<\/p>\n<h3><strong>Wertungen\u00a0beeinflussen das Verhalten<\/strong><\/h3>\n<p>Die Bewertung einer Sache anhand einer zweidimensionalen Skala (z.B.: gut und schlecht, angenehm und unangenehm), die sogenannte <strong>Valenz<\/strong> die etwas f\u00fcr uns hat, beeinflusst unser Verhalten dem gegen\u00fcber. Wir n\u00e4hern uns dem was uns gef\u00e4llt und distanzieren uns von dem was uns missf\u00e4llt. Da auch Verteidigungs- und Selbsterhaltungsmechanismen einen Einfluss auf das Verhalten des Individuums haben, m\u00fcssen direkt sch\u00e4dliche oder sogar lebensbedrohliche Situationen in der gesamten Betrachtung au\u00dfen vorgelassen werden, da sonst keine fehlerfreie Analyse der evaluativen Konditionierung m\u00f6glich w\u00e4re. Wir fassen zusammen: Man n\u00e4hert sich oder distanziert sich von Sachen die einen l\u00e4ngerfristigen positiven oder negativen Einfluss auf einen haben k\u00f6nnten. Um dies zu verdeutlichen nehmen wir nun also an, wir h\u00e4tten k\u00fcrzlich einen Thomas kennen gelernt, mit dem wir uns leider nicht so gut verstehen. Er vertritt Ansichten die unseren widersprechen. Fairerweise sollte ich erw\u00e4hnen, dass er keine Ansichten vertritt die gegen irgendein Grundrecht verst\u00f6\u00dft, trotz dessen denken wir, dass er einen \u201eschlechten\u201c Einfluss auf uns haben k\u00f6nnte. Logischerweise versuchen wir also von ihm fern zu bleiben. (Ich bitte jeden Thomas um Verzeihung, dies ist nur ein Beispiel, nehmt es also nicht pers\u00f6nlich.)<\/p>\n<h3><strong>Grundlose Annahmen?<\/strong><\/h3>\n<p>Erscheint nun solch eine bereits bewertete Sache oder Situation gemeinsam mit einem neuen und unbekannten Faktor, so wird im Laufe der evaluativen Konditionierung die Wertung des Bekannten herangezogen um eine Vorhersage \u00fcber den langfristigen Einfluss des Neuen zu generieren. Mit anderen Worten, anhand der Kategorisierung eines bekannten Sachverhalts wird ein damit zusammenh\u00e4ngender, aber neuer Reiz in die selbe subjektive zweidimensionale Skala eingeordnet (Also gut und schlecht, angenehm und unangenehm).<\/p>\n<p>Um eine gewisse Vergleichbarkeit zu schaffen wurden die jeweiligen Aspekte der evaluativen Konditionierung \u00e4hnlich denen der klassischen Konditionierung benannt. So gibt es sowohl einen <strong>unkonditionierten Stimulus mit positiver oder negativer Valenz<\/strong> als auch einen <strong>konditionierten Stimulus mit einer neutralen Valenz<\/strong>, oder zumindest einer schw\u00e4cheren positiven oder negativen Valenz als sein unkonditionierter Mitwirker. Sobald beide Stimuli zusammen erscheinen, und somit den Eindruck vermitteln miteinander verbunden zu sein, wird <strong>die Wertung des unkonditionierten Stimulus auf den Konditionierten \u00fcbertragen<\/strong>.<\/p>\n<p>Erneut muss ich mich bei Dir entschuldigen, Thomas, denn wir kommen auf unser vorheriges Beispiel zur\u00fcck. Leider wird dieses Mal eine weitere unschuldige Seele hineingezogen, denn, wie wir unschwer erkennen, unterh\u00e4lt sich Thomas eifrig mit einem Freund. Wir werden wahrscheinlich nicht erpicht darauf sein, den zweiten im Bunde kennen zu lernen. Vermutlich vertritt er \u00e4hnliche Ansichten wie Thomas und w\u00fcrde demnach bestimmt auch ein \u201eschlechter\u201c Einfluss auf uns sein. Folglich ist er uns genauso unlieb wie Thomas und auch von ihm halten wir uns fern. Dem zu Grunde liegt eine kognitive Assoziation zwischen den zweien, die den Fremden \u00e4hnlich kategorisiert wie den uns bekannten Thomas. Dadurch wird das selbe Verhaltensschema in uns ausgel\u00f6st. Trotz alledem gilt: Wir haben keine faktische Basis, dass dieser Unbekannte genauso \u201eschlecht\u201c w\u00e4re, wie sein Kamerad. Nicht nur das, wir k\u00f6nnen nicht einmal nachweisen, dass Thomas f\u00fcr uns sch\u00e4dlich w\u00e4re.<\/p>\n<h3><strong>Eigenschaften der evaluativen Konditionierung<\/strong><\/h3>\n<p>Weiteren Analysen zu folge wird die Wertung extremerer Valenz auf die neutralere \u00fcbertragen. Ein leicht negativer Stimulus wird hinterher positiver gewertet, wenn er mit einem starken positiven Stimulus gekoppelt wird. Sollte uns unsere beste Freundin Rebecca auf einmal einen neuen Bekannten vorstellt, \u00fcberraschender Weise derselbe Fremde der sich vorhin kameradschaftlich mit Thomas unterhalten hat, werden wir wahrscheinlich unsere Meinung \u00e4ndern und ihm eine Chance geben. Rebecca ist wirklich wunderbar! Unm\u00f6glich, dass er dann eine Entt\u00e4uschung ist. Klar, mit Thomas schien er sich zwar auch zu verstehen, aber da er auch mit Rebecca verkehrt muss er respektabel sein.<\/p>\n<p>Vor allem in Anbetracht unseres Beispiels mit dem armen Thomas sollte man aber bedenken, dass die Frage ob die \u00c4nderung der Valenz <strong>bewusst oder unbewusst<\/strong> stattfindet zurzeit noch immer hei\u00df diskutiert wird. Auch steht die Frage offen, ob man dem Prozess bewusst entgegenwirken kann. Es wurden auch keine stichhaltigen Beweise geliefert, wie positiv oder negativ konditionierte Stimuli nach wiederholter Pr\u00e4sentation mit neutralen Stimuli bewertet werden, also nach der sogenannten <strong>Extinktionsphase<\/strong>. Leider zeigten einige Studien, dass konditionierte Stimuli nach wiederholter Kopplung mit neutralen Stimuli wieder als neutral empfunden wurden, w\u00e4hrend andere Studien eine Stabilit\u00e4t der Wertung gegen\u00fcber der Extinktionsphase fanden. Zumindest scheint aber ein zeitlicher Aspekt eine Rolle zu spielen. Es wurde gezeigt, dass die Konditionierung am besten funktioniert, wenn beide Stimuli gleichzeitig pr\u00e4sentiert werden. Trotzdem kann noch konditioniert werden, wenn der konditionierte Stimulus kurz vor oder nach dem unkonditionierten Stimulus gezeigt wird.<\/p>\n<h3><strong>Ausblick<\/strong><\/h3>\n<div id=\"attachment_16269\" style=\"width: 3946px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16269\" class=\"Evaluative Konditionierung wp-image-16269 size-full\" title=\"Evaluative Konditionierung\" src=\"https:\/\/blog.cognifit.com\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/evaluative-Konditionierung-Ausblick.jpeg\" alt=\"Evaluative Konditionierung\" width=\"3936\" height=\"2624\" \/><p id=\"caption-attachment-16269\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #999999;\">Evaluative Konditionierung<\/span><\/p><\/div>\n<p>Das Bewerten und \u00c4ndern von Wertungen ist ein ernst zu nehmendes Thema und muss, wie viele Andere, verantwortungsvoll gehandhabt werden. Wahrscheinlich forschen private Firmen schon in diesem Bereich, da das effiziente assoziieren eines Produktes mit etwas Angenehmen die Verkaufszahlen enorm steigern k\u00f6nnte. Hierbei ergeben sich jedoch zwei Hauptprobleme:<\/p>\n<ol>\n<li><span style=\"font-size: 0.95em;\">Zum einen sind die hierbei erlangten Erkenntnisse sowohl f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit als auch f\u00fcr andere Wissenschaftler nicht einsehbar.<\/span><\/li>\n<li>Zum anderen k\u00f6nnen die Resultate der Forschung ungehindert angewendet werden um die Masse zu beeinflussen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Da ein unvollst\u00e4ndiges Bild der Eigenschaften der Konditionierung im nicht-industriellen Forschungssektor vorliegen, w\u00fcrde jeglicher Einsatz und dessen Folgen auch dem Auge eines Spezialisten entgehen. Nehmen wir an es stelle sich heraus, die evaluative Konditionierung finde nur unbewusst statt. In diesem Fall w\u00fcrden Werbungen in einem kleinen Nebenfenster parallel zur Fernsehserie laufen, anstatt zwischen den Programmen, oder Produkte w\u00fcrden vermehrt im Hintergrund eines Filmes auftauchen. Die Auswirkungen\u00a0dieser kleinen \u00c4nderungen w\u00fcrden in den Augen eines unwissenden Betrachters nicht auffallen, w\u00e4hrend sie den Verkauf stark beeinflussen k\u00f6nnten.\u00a0In Anbetracht dessen sollten Forschungsgelder in Themen wie diese flie\u00dfen, um einen Missbrauch f\u00fcr pers\u00f6nliche Zwecke (in dem Fall sogar ein m\u00f6gliches Propaganda-Werkzeug) zu verhindern.<\/p>\n<p>Gleichzeitig k\u00f6nnte man sich dadurch deren enormes Potenzial zu nutze machen. Bedenken wir den therapeutischen Zugewinn. Durch die entsprechenden Assoziationen k\u00f6nnte ungesundes Verhalten (zum Beispiel verschiedene Abh\u00e4ngigkeiten) geheilt oder die Produktivit\u00e4t und <a href=\"https:\/\/blog.cognifit.com\/de\/wichtigkeit-der-motivation\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Motivation<\/a> einer Person erh\u00f6ht werden. Sollte jemand also an einer schrecklichen Phobie leiden die seine Lebensqualit\u00e4t deutlich einschr\u00e4nkt, zum Beispiel der arme Botaniker Stefan mit seiner pl\u00f6tzlichen Spinnenphobie nach einem unerwarteten Urlaubsereignis, so k\u00f6nnten simple Assoziationen mit stark positiven Themen eine schnelle Heilung seiner unvorteilhaften Situation bewirken. Einsatz k\u00f6nnten diese Erkenntnisse auch an unserer heutigen Jugend finden. Da Mediale Abh\u00e4ngigkeit ein zunehmendes Problem darstellt, k\u00f6nnte man die Einstellung gegen\u00fcber realen Erfahrungen graduell verbessern und dadurch erneute Lebensfreude in den jungen Herzen entfachen. Auch k\u00f6nnten die Ergebnisse eine Gegenma\u00dfnahme zu Vorurteilen bergen, wodurch der gesamten Menschheit ein Vorteil zu Nutze kommen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz haben wir bis dahin noch einen langen Weg vor uns. Die derzeitigen Ergebnisse sind teilweise mehrdeutig oder widersprechen sich. Die meisten Versuche wurden an Menschen durchgef\u00fchrt wodurch risikoreiche Ergebnisse zustande kommen. Wenn Teilnehmer zum Beispiel ahnen was von Ihnen verlangt wird, und entsprechend handeln, entstehen artifizielle Resultate. Im Englischen nennt man diesen Risikofaktor \u201e<strong>demand awareness<\/strong>\u201c, was so viel hei\u00dft wie \u201eBewusstsein \u00fcber das Verlangte\u201c. Studien aus anderen Bereichen wiederum betonen, dass auch Tiere Angenehmes und Unangenehmes empfinden und \u00fcber das K\u00f6nnen verf\u00fcgen, dar\u00fcber zu berichten. Deshalb schlage ich vor, zus\u00e4tzliche Versuche am Tiermodell durchzuf\u00fchren. Dadurch w\u00fcrde man einige Risiken umgehen und die Studien sowohl mit parallel laufenden Experimenten evaluativer Konditionierung, als auch mit bereits erhobenen Versuchen der klassischen Konditionierung vergleichbarer machen. Trotz allem m\u00fcssen wir die bisherigen Erkenntnisse Wert sch\u00e4tzen und die Wissenschaftler dieses Bereiches weiterhin anfeuern bei deren flei\u00dfiger Arbeit zu bleiben, Kreativit\u00e4t zu bewahren und nicht aufzugeben, wenn alles wieder mal anders l\u00e4uft als erwartet. Der erste Schritt den Weg zur oben genannten Vision zu verk\u00fcrzen und den Missbrauch wichtiger Erkenntnisse zu verhindern ist ein Bewusstsein \u00fcber dieses Thema zu vermitteln. Dadurch k\u00f6nnten weiteren Wissenschaftlern Gelder bereitgestellt werden um tiefer in die Materie einzudringen.<\/p>\n<p>Schaut Euch folgende Artikel\u00a0an, falls Ihr mehr \u00fcber das Thema erfahren wollt und ihr den tapferen Wissenschaftler\/innen die hart f\u00fcr diese Ergebnisse gearbeitet haben Anerkennung schenken m\u00f6chtet:<\/p>\n<h3><span style=\"color: #808080;\"><strong>Referenzen<\/strong><\/span><\/h3>\n<p><span style=\"color: #808080;\">Bethell, E. J. (2015). A &#8220;how-to&#8221; guide for designing judgment bias studies to assess captive <a href=\"https:\/\/blog.cognifit.com\/brain-training-for-dogs\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">animal<\/a> welfare. <em>Journal of applied animal welfare science<\/em>, <em>18 Suppl 1<\/em>, S18-42. doi:10.1080\/10888705.2015.1075833<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #808080;\">Bohner, G., &amp; Dickel, N. (2011). Attitudes and attitude change. <em>Annual review of psychology<\/em>, <em>62<\/em>, 391\u2013417. doi:10.1146\/annurev.psych.121208.131609<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #808080;\">Davey, G. C. (1994). Is evaluative conditioning a qualitatively distinct form of classical conditioning? <em>Behavior research and therapy<\/em>, <em>32<\/em>(3), 291\u2013299.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #808080;\">De Houwer, J., Thomas, S., &amp; Baeyens, F. (2001). Association learning of likes and dislikes: A review of 25 years of research on human evaluative conditioning. <em>Psychological bulletin<\/em>, <em>127<\/em>(6), 853\u2013869. doi:10.1037\/\/0033-2909.127.6.853<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #808080;\">Field, A. P. (2000). Evaluative conditioning is pavlovian conditioning: Issues of definition, measurement, and the theoretical importance of contingency awareness. <em>Consciousness and <a class=\"wpil_keyword_link\" href=\"https:\/\/www.cognifit.com\/cognition\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" title=\"cognition\" data-wpil-keyword-link=\"linked\">cognition<\/a><\/em>, <em>9<\/em>(1), 41\u201349. doi:10.1006\/ccog.1999.0412<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #808080;\">Gawronski, B., &amp; Bodenhausen, G. V. (2006). Associative and propositional processes in evaluation: An integrative review of implicit and explicit attitude change. <em>Psychological bulletin<\/em>, <em>132<\/em>(5), 692\u2013731. doi:10.1037\/0033-2909.132.5.692<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #808080;\">Havermans, R. C., &amp; Jansen, A. (2007). Evaluative conditioning: A review and a model. <em>Netherlands journal of psychology<\/em>, <em>63<\/em>(2), 31\u201341. doi:10.1007\/BF03061060<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #808080;\">Rozin, P., Wrzesniewski, A., &amp; Byrnes, D. (1998). The elusiveness of evaluative conditioning. <em>Learning and motivation<\/em>, <em>29<\/em>(4), 397\u2013415. doi:10.1006\/lmot.1998.1012<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es hei\u00dft, man soll ein Buch nicht nach seinem Umschlag beurteilen. Doch weshalb tun wir das und vor allem wie? Ein Prozess namens evaluativer Konditionierung gibt eine Erkl\u00e4rung weshalb das Buch mit dem h\u00fcbschen Umschlag besser geschrieben ist. T\u00e4glich sind wir einer Vielzahl von Eindr\u00fccken, darunter oftmals neue, ausgesetzt. 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