{"id":16228,"date":"2017-07-10T14:48:27","date_gmt":"2017-07-10T14:48:27","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.cognifit.com\/?p=16228\/"},"modified":"2023-03-07T07:21:19","modified_gmt":"2023-03-07T07:21:19","slug":"bewusstseinsstoerungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.cognifit.com\/de\/bewusstseinsstoerungen\/","title":{"rendered":"Bewusstseinsst\u00f6rungen als Folge von Hirnsch\u00e4den"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>Ist Dir eigentlich bewusst, was Du gerade tust? Wenn Du diese Frage mit \u201eJa, ich lese gerade einen Artikel \u00fcber Bewusstseinsst\u00f6rungen.\u201c beantwortet hast, dann stehen die Chancen, dass Du gerade bei Bewusstsein bist, sehr gut. Aber ist jemand, der diese Frage nicht beantworten kann, automatisch bewusstlos? Und wenn nicht, in welchem Zustand befindet er sich dann? Die Begriffe Koma, Wachkoma, minimaler Bewusstseinszustand und Locked-In Syndrom sind den meisten gel\u00e4ufig. Aber wo genau liegen die Unterschiede und woher wei\u00df man, dass ein Mensch tats\u00e4chlich im Koma liegt und seine Umgebung nicht wahrnehmen kann? Dieser Artikel besch\u00e4ftigt sich mit Bewusstseinsst\u00f6rungen als Folge von <a href=\"https:\/\/www.cognifit.com\/de\/gehirnverletzung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hirnsch\u00e4den <\/a>und beschreibt die verschiedenen Zustandsformen des Bewusstseins und wie man diese erkennt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bewusstseinsst\u00f6rungen: Was ist Bewusstsein?<\/h3>\n\n\n\n<p>Bewusstsein ist&nbsp;die subjektive Wahrnehmung des Selbst und der Umwelt. Einige Beispiele sind, eigene Gedanken oder auch sein eigenes Magenknurren zu erkennen sowie in einem lauten Caf\u00e9 die Aufmerksamkeit auf das Gesagte des Gegen\u00fcbers richten zu k\u00f6nnen. Im Englischen lassen sich die Begriffe <em>awareness<\/em>, <em>attention<\/em> und <em>consciousness <\/em>unterscheiden. <em>Awareness<\/em>&nbsp;bezieht sich&nbsp;dabei auf all die Gef\u00fchle, Wahrnehmungen, Gedanken und Motive, die ins Bewusstsein treten k\u00f6nnen, sofern die Aufmerksamkeit (<em>attention<\/em>) auf sie gerichtet wird. Attention ist&nbsp;demnach der Prozess der bewussten Fokussierung. Und <em>consciousness<\/em> (Bewusstsein) bezeichnet&nbsp;schlie\u00dflich, dass etwas, zum Beispiel ein Ger\u00e4usch, nicht nur wahrgenommen wird, sondern dass es auch in das Zentrum der Aufmerksamkeit gelangt. Bewusstsein setzt demnach <em>awareness<\/em> voraus. Ein weiteres Zeichen von Bewusstsein ist die Erregung. Damit ist die Aktivierung des <a href=\"https:\/\/blog.cognifit.com\/de\/das-nervensystem\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">zentralen Nervensystems<\/a> gemeint. Hierzu geh\u00f6rt neben der Aufmerksamkeit auch die Wachheit und Reaktionsbereitschaft.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bewusstseinsst\u00f6rungen: Wie kommt es zu Hirnsch\u00e4den?<\/h3>\n\n\n\n<p>Neurologisch betrachtet, l\u00e4sst sich das Bewusstsein nicht im Sinne eines bestimmten Abschnittes im Gehirn lokalisieren, vielmehr handelt es sich um ein Zusammenspiel verschiedener Areale. Hirnsch\u00e4den, auch Hirnl\u00e4sionen genannt, k\u00f6nnen demnach ganz unterschiedliche Folgen f\u00fcr das Bewusstsein haben, je nachdem welche Bereiche betroffen sind. M\u00f6gliche Ursache f\u00fcr solche L\u00e4sionen sind unter anderem <a href=\"https:\/\/blog.cognifit.com\/de\/iktus-schlaganfall\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Schlaganf\u00e4lle<\/a>, Verletzungen mit <a href=\"https:\/\/www.cognifit.com\/de\/schadel-hirn-trauma\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sch\u00e4del-Hirn-Trauma<\/a> als Folge oder neurologische Erkrankungen. Schwere F\u00e4lle f\u00fchren h\u00e4ufig zu einem komat\u00f6sen Zustand zwischen zwei und vier Wochen. Das bedeutet, dass der Koma-Patient keine Erregung und keine <em>awareness<\/em> zeigt. Ein Zeichen f\u00fcr Erregung w\u00e4re zum Beispiel das Gesicht aufgrund eines Schmerzreizes zu verziehen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Welche Arten von Bewusstseinszust\u00e4nden gibt es und wie unterscheiden sie sich?<\/h3>\n\n\n\n<p>Je nach Art und Schwere der L\u00e4sion kann der Patient aus dem Koma erwachen oder in verschiedene Bewusstseinszust\u00e4nde verfallen. Hierbei werden das Locked-In Syndrom, der minimale Bewusstseinszustand, der vegetative Zustand (Wachkoma), das chronische Koma und der Hirntod unterschieden. Genau genommen, handelt es sich bei dem chronischen Koma und dem Hirntod nicht mehr um Bewusstseinszust\u00e4nde, da hier keinerlei oder nur noch minimale Gehirnaktivit\u00e4t vorliegt. Das bedeutet, dass sowohl die <em>awareness<\/em> als auch die Erregung nicht vorhanden beziehungsweise nicht messbar sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Patient im vegetativen Zustand kann hingegen auf einfache Umweltreize reagieren, zeigt aber keine <em>awareness<\/em> und damit kein Bewusstsein. Beim minimalen Bewusstseinszustand liegt neben der Reaktionsf\u00e4higkeit auf reflexartige Reize noch eine leichte <em>awareness<\/em> vor. Der Patient ist minimal bewusst und kann zum Beispiel minimale, gezielte Bewegungen ausf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei dem Locked-In Syndrom ist sowohl die Erregung als auch die <em>awareness<\/em> vorhanden. Der Patient ist bei Bewusstsein aber, abgesehen von der Augenbewegung, bewegungsunf\u00e4hig. Zusammengefasst lassen sich die Bewusstseinsst\u00f6rungen also am Grad der Erregbarkeit und der <em>awareness<\/em> messen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bewusstseinsst\u00f6rungen: Wie kann der Bewusstseinszustand eines Patienten \u00fcberpr\u00fcft werden?<\/h3>\n\n\n\n<p>Wenn ein Patient also nicht in der Lage ist, sich \u00fcberhaupt oder verst\u00e4ndlich, verbal \u00fcber seinen Zustand zu berichten, bietet die Neurologie eine Reihe von M\u00f6glichkeiten, um den Bewusstseinszustand zu messen und eine Diagnose zu stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Meistens werden bildgebende Verfahren, wie das EEG und das fMRT, eingesetzt, um die Aktivit\u00e4t der einzelnen Hirnregionen zu messen. Ein weiteres wichtiges, standardisiertes Vorgehen zur Einordnung des Bewusstseinszustandes ist die revidierte <em>Coma Recovery Scale&nbsp;<\/em>(CRS-R). Diese Skala unterscheidet unter anderem auditive, visuelle und motorische Funktionen. Dem Patienten wird zum Beispiel ein lautes Ger\u00e4usch direkt \u00fcber dem Kopf, aber au\u00dferhalb des Sehfeldes pr\u00e4sentiert. Bei einem anderen Test wird starker Druck auf die Nagelbetten der Extremit\u00e4ten ausge\u00fcbt. Anhand der Skala wird dann die St\u00e4rke der Reaktion auf die Reize anhand eines Punktesystems zugeordnet. Zum Schluss werden die Punkte aller Funktions-Skalen zu einer Gesamtpunktzahl aufsummiert. Diese Punktzahl liefert somit Hinweise darauf, wo sich der Patient auf der Skala von tiefstem Koma bis hin zu wach und voll kontaktf\u00e4hig befindet.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wie gro\u00df ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Patient erholt und das Bewusstsein wiedererlangt?<\/h3>\n\n\n\n<p>Die CRS-R ist nicht nur f\u00fcr die Einordnung des Bewusstseinszustandes und f\u00fcr die Planung der weiteren Behandlung n\u00fctzlich, sie hat auch einen prognostischer Wert und kann Hinweise zum weiteren Verlauf der St\u00f6rung liefern. Grunds\u00e4tzlich gilt, dass eine effektive und schnelle Behandlung zur Verbesserung des Zustandes wesentlich beitr\u00e4gt, da sie verhindert, dass weiteres Gehirngewebe besch\u00e4digt wird. Dies setzt eine akkurate Diagnostik voraus. Aktuell werden allerdings noch 30 bis 40% Fehldiagnosen gestellt, die die Wahl der richtigen Therapie erschweren. Weiterhin sind die ersten Wochen nach der Hirnsch\u00e4digung, hinsichtlich der Verbesserung des Zustandes, entscheidend. Es gibt aber auch Hinweise darauf, dass noch nach mehr als einem Jahr das Bewusstsein zur\u00fcckerlangt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Prinzipiell haben Patienten mit minimalen Bewusstseinszustand die besten Chancen sich teilweise oder ganz zu erholen. Die Chancen, dass sich der Zustand des Patienten verbessert, stehen bei traumatischen Ursachen bei knapp 50%. Der Hirntod ist hingegen irreversibel und auch beim Locked-In Syndrom ist nicht davon auszugehen, dass die L\u00e4hmungen zur\u00fcckgehen. Die meisten Patienten \u00fcberleben das erste Jahr nach der Hirnsch\u00e4digung nicht, es gibt aber immer wieder&nbsp;\u201eWunderpatienten\u201c, sogenannte Spontanerholungen, die die Wissenschaft dazu antreiben, weiter und intensiver zu der Diagnostik und den Behandlungsm\u00f6glichkeiten von Bewusstseinsst\u00f6rungen zu forschen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bewusstseinsst\u00f6rungen: Zusammenfassung<\/h3>\n\n\n\n<p>Zusammenfassend lassen sich das Koma, der vegetative Zustand, der minimale Bewusstseinszustand und Locked-In Syndrom als m\u00f6gliche Folgen von Hirnsch\u00e4den unterteilen. Die Lokalisierung der L\u00e4sion gibt nur bedingt Aufschluss \u00fcber die zu erwartenden Folgen und den Bewusstseinszustand des Patienten. Bildgebende Messverfahren zeigen unter anderen die Aktivierung der Hirnareale, die Hinweise zum Bewusstseinszustand liefern k\u00f6nnen. Weiterhin werden standardisierte Verfahren, wie die CRS-R, zur Testung der Reflexe und des Bewusstseins der Patienten eingesetzt. F\u00fcr eine Verbesserung des Zustandes sind vor allem schnell und effektiv eingesetzte Behandlungen entscheidend. Auch wenn die Forschung bereits viele Methoden zur Feststellung des Bewusstseinszustandes hervorgebracht hat, sind in diesem Bereich noch viele Untersuchungen und Erkenntnisse n\u00f6tig, um Fehldiagnosen zu reduzieren und bessere Heilungschancen zu erreichen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist Dir eigentlich bewusst, was Du gerade tust? Wenn Du diese Frage mit \u201eJa, ich lese gerade einen Artikel \u00fcber Bewusstseinsst\u00f6rungen.\u201c beantwortet hast, dann stehen die Chancen, dass Du gerade bei Bewusstsein bist, sehr gut. Aber ist jemand, der diese Frage nicht beantworten kann, automatisch bewusstlos? 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