{"id":16932,"date":"2017-08-30T08:57:38","date_gmt":"2017-08-30T08:57:38","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.cognifit.com\/?p=16932\/"},"modified":"2023-03-06T16:27:11","modified_gmt":"2023-03-06T16:27:11","slug":"luzides-traeumen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.cognifit.com\/de\/luzides-traeumen\/","title":{"rendered":"Ich tr\u00e4ume, also kann ich. Luzides Tr\u00e4umen als Lebenshilfe"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><em>Luzides Tr\u00e4umen, auch &#8220;klar tr\u00e4umen&#8221; genannt, bezeichnet das Ph\u00e4nomen sich dar\u00fcber bewusst zu sein, dass man sich in einem Traum befindet und diesen wiederum steuern zu k\u00f6nnen. Im folgenden Artikel werden das luzide Tr\u00e4umen und die wissenschaftlichen Erkenntnisse hierzu n\u00e4her beleuchtet. Au\u00dferdem wird Schritt f\u00fcr Schritt erkl\u00e4rt, wie man das luzide Tr\u00e4umen lernen kann.<\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_16958\" style=\"width: 870px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16958\" class=\"size-large wp-image-16958\" src=\"https:\/\/cognifitblog.wpengine.com\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/luzides-Traumen-1024x683.jpg\" alt=\"luzides-Tr\u00e4umen\" width=\"860\" height=\"574\" srcset=\"https:\/\/blog.cognifit.com\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/luzides-Traumen-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blog.cognifit.com\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/luzides-Traumen-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.cognifit.com\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/luzides-Traumen-768x513.jpg 768w, https:\/\/blog.cognifit.com\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/luzides-Traumen-600x400.jpg 600w, https:\/\/blog.cognifit.com\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/luzides-Traumen-1200x801.jpg 1200w, https:\/\/blog.cognifit.com\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/luzides-Traumen-1400x934.jpg 1400w, https:\/\/blog.cognifit.com\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/luzides-Traumen.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 860px) 100vw, 860px\" \/><p id=\"caption-attachment-16958\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #999999;\">Luzides Tr\u00e4umen<\/span><\/p><\/div>\n<h2>Wenn der Lebensstil zur Therapie wird: Klartr\u00e4umen als Probleml\u00f6sung<\/h2>\n<h3>Klartr\u00e4umen (Luzides Tr\u00e4umen, lucid dreaming) \u2013 Was ist das?<\/h3>\n<p>Ein Klartraum (lucid dream) ist ein Traum, in dem man wei\u00df, dass man gerade tr\u00e4umt. Diese Erkenntnis kann man nutzen, um den Trauminhalt zu beeinflussen und den Traum nach seinen W\u00fcnschen zu gestalten. Tr\u00e4ume, was du tr\u00e4umen willst! Im Klartraum kann man fliegen, durch W\u00e4nde gehen oder Gegenst\u00e4nde telekinetisch bewegen \u2013 abseits von physikalischen und sozialen Gesetzeszw\u00e4ngen kann man alles tun, was man sich vorstellen kann. Die Klarheit dar\u00fcber, dass man tr\u00e4umt, ist dabei ein Kontinuum und nicht etwa an oder aus. Man kann w\u00e4hrend man tr\u00e4umt genauso fast klar sein (pr\u00e4luzid) wie richtig tr\u00fcb (unwissend) und v\u00f6llig klar (hellwach) sowie alles dazwischen. Klarheit ist dabei zu unterscheiden von Kontrolle. Beides h\u00e4ngt miteinander zusammen, aber es ist m\u00f6glich, v\u00f6llig klar zu sein und \u00fcberhaupt keine Kontrolle (Macht) \u00fcber den Trauminhalt zu haben, als auch v\u00f6llig tr\u00fcb zu sein und trotzdem in der Lage, die Traumumgebung zu beeinflussen. Klartr\u00e4umer nennen sich auch Oneironauten, von griechisch \u201eoneiros\u201c= Traum und \u201enautes\u201c=Seefahrer, also Traumreisende \u00fcbersetzt.<\/p>\n<blockquote><p>Ein &#8220;Funny Fact&#8221; ist: Man kann sich nie sicher sein, dass man wach ist. Man kann sich nur sicher sein, dass man tr\u00e4umt.<\/p><\/blockquote>\n<h3>Empirische Evidenz oder wie der Laie fragt: \u201eIst das wissenschaftlich bewiesen?\u201c<\/h3>\n<p>Vorneweg: Man kann wissenschaftlich nichts beweisen. Das wissen (fast) alle Wissenschaftler, aber sie h\u00e4ngen es verst\u00e4ndlicherweise nicht so gern an die gro\u00dfe Glocke. Man kann nur Wahrscheinlichkeitsaussagen machen. Das k\u00f6nnen Sie in der n\u00e4chsten Diskussion anbringen, wenn sich mal wieder jemand hinstellt und behauptet XY w\u00e4re doch aber wissenschaftlich bewiesen. Sollte das nicht helfen, habe ich hier eine zweite Keule f\u00fcr Sie: wissenschaftliche Aussagen sind <em>immer<\/em> falsch, wenn nur gen\u00fcgend Zeit ins Land geht. Das ist ja das Gute an der Wissenschaft: sie entwickelt sich und stellt sich bestenfalls selbst in Frage und auf den Kopf.<\/p>\n<p><strong>Aber nun zur Frage, was die Wissenschaft zum Klartr\u00e4umen (Luzides Tr\u00e4umen) sagt.<\/strong> Lange Zeit galt in der Wissenschaft und insbesondere in der Schlafforschung luzides Tr\u00e4umen als Mythos und Legende. Es wurde als esoterisch abgetan und nicht beachtet. Einige Wissenschaftler wie Keith Hearn und Stephen LaBerge wussten es aus eigener Erfahrung besser. Aber wie sollten sie \u201ebeweisen\u201c, dass Klartr\u00e4ume existieren? Es brauchte einen Pionier-Oneironauten, der ein Signal aus der Traumwelt in die Wachwelt senden w\u00fcrde \u2013 und genau das setzten beide um: Ende der 70er Jahre (Keith Hearn) und Anfang der 80er (Stephen LaBerge) wurde der \u201eBeweis\u201c erbracht \u2013 ein Oneironaut funkte zum ersten Mal Signale aus der Traumwelt in die Wachwelt.<\/p>\n<p>Wie war das m\u00f6glich? W\u00e4hrend der REM-Phase (rapid eye movement \u2013 Phase), in der f\u00fcr gew\u00f6hnlich die lebhaftesten und buntesten Tr\u00e4ume auftreten, ist die gesamte Muskulatur bei gesunden Menschen gel\u00e4hmt \u2013 die gesamte Muskulatur au\u00dfer der Atem- und der Augenmuskulatur (Das soll wahrscheinlich verhindern, dass die Traumbewegungen in real ausagiert werden). Die Augen springen in dieser Phase oft wild umher, so wie im Wachleben auch, wenn Menschen die Umgebung abscannen. Normalerweise folgen diese Augenbewegungen keinem Muster. Diese REM-Phase wurde mithilfe des von Berger 1929 entwickelten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Elektroenzephalografie\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">EEGs<\/a> von Aserinsky und Kleitman 1953 entdeckt. Man war also in der Lage, einigerma\u00dfen genau und verbindlich festzustellen, ob jemand schlief und tr\u00e4umte, wenn man ihn an ein EEG anschloss. Das machten sich Hearn und LaBerge zu Nutze und trugen ihren Oneironauten auf, sobald sie klar werden w\u00fcrden, die Augen rhythmisch von links nach rechts und wieder zur\u00fcck zu bewegen. Diese im EEG (und im EOG) erkennbaren Muster (LRLR) gab es vorher nicht. Somit war das Signal gesendet und das luzide Tr\u00e4umen \u201ebewiesen.\u201c Trotzdem wollte die Fachwelt davon nichts wissen. LaBerge hatte damit zu k\u00e4mpfen, dass seine Erkenntnisse publiziert wurden. Aber letztlich wurden sie es. [<em>Aktualierung vom 02.09.2017 17:09 h\u00a0<\/em>Ich habe gerade mit dem Co-Autor des Werkes &#8220;Sch\u00f6pferisch Tr\u00e4umen&#8221; Kaleb Utecht telefoniert. Nach seiner Aussage stammt die Idee f\u00fcr die Versuchsachanordnung weder von LaBerge noch von Hearn, sondern von Paul Tholey, der die Idee zu diesem Experiment schon 1975 in &#8220;Gestalttheory&#8221; ver\u00f6ffentlicht haben soll. <em>Aktualisierung Ende]<\/em> Und dann kam in Deutschland der legend\u00e4re Paul Tholey, hier zu sehen in einem der seltenen Fernsehauftritte, welche kontrovers diskutiert werden. Er lernte seinerzeit an der Uni, dass Tr\u00e4ume immer schwarz-wei\u00df w\u00e4ren. Das glaubte er nicht und brachte sich selbst das Klartr\u00e4umen bei, um (f\u00fcr sich selbst) den Gegenbeweis anzutreten.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Paul Tholey Interview am 08.08.1989\" width=\"500\" height=\"375\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/yLqMThyPojs?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Heute wei\u00df man, dass die Nachkriegsgeneration oft in schwarz-wei\u00df tr\u00e4umt, wahrscheinlich, weil diese Generation das Fernsehen in der Kindheit so erlebte. Der Professor von Tholey war offensichtlich einer dieser Schwarzwei\u00dftr\u00e4umer und schlussfolgerte von sich auf alle Menschen.<\/p>\n<p>Paul Tholey entwickelte strenge Klarheitskriterien. Ich muss gestehen, dass ich wahrscheinlich noch keinen einzigen Klartraum hatte, auf den alle diese Kriterien gleichzeitig zutrafen.<\/p>\n<p><strong>Die Kriterien f\u00fcr luzides Tr\u00e4umen sind:<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>Der Tr\u00e4umer ist sich dar\u00fcber im Klaren, dass er tr\u00e4umt.<\/li>\n<li>Der Tr\u00e4umer ist sich \u00fcber seine Entscheidungsfreiheit im Klaren.<\/li>\n<li>Das Bewusstsein ist klar, es gibt keine traumtypische Verwirrung oder Bewusstseinstr\u00fcbungen.<\/li>\n<li>Die Wahrnehmung der f\u00fcnf Sinne ist genau wie im Wachzustand.<\/li>\n<li>Es besteht Klarheit \u00fcber das Wachleben, also dar\u00fcber, wer man ist oder was man sich f\u00fcr den Klartraum vorgenommen hat.<\/li>\n<li>Nach dem Traum gibt es eine klare Erinnerung.<\/li>\n<li>Der Tr\u00e4umer ist sich \u00fcber den Sinn des Traums im Klaren.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Vor allem Punkt 3 und Punkt 7 sind meines Erachtens nur schwer zu erf\u00fcllen. Ich stelle mir das Klartraumbewusstsein wie eine farbige Brille vor. Wenn das Wachbewusstsein eine Sonnenbrille w\u00e4re, welche die Farbe Gelb h\u00e4tte, und das Traumbewusstsein eine Sonnenbrille mit der Farbe Blau w\u00e4re, dann stelle ich mir vor, das Klartraubewusstsein w\u00e4re eine Mischung: also gr\u00fcn, weil sich Wachbewusstsein und Traumbewusstsein \u00fcbereinander schieben. Nach diesem Modell w\u00e4re es unm\u00f6glich, Tholeys Punkt 3 (keine traumtypische Verwirrung oder Bewusstseinstr\u00fcbung) \u00fcberhaupt zu erreichen.<\/p>\n<p>Heute wei\u00df man dank MRT-Studien, dass im Klartraum Teile des pr\u00e4frontalen Kortexes zugeschaltet werden, gleichsam einer Kamera, die das Geschehen filmt (siehe Bild).<\/p>\n<p>Elisa Filevich und ihr Team fanden au\u00dferdem heraus, dass bei Klartr\u00e4umern das Brodmannareal 10 im pr\u00e4frontalen Kortex vergr\u00f6\u00dfert ist. Das Bordmannareal 10 macht man f\u00fcr Metakognition (also das Denken \u00fcber das Denken) verantwortlich. Es ist allgemeiner Konsens, dass, wenn das Bewusstsein irgendwo im Gehirn lokalisiert ist, es wohl im Kortex sein muss &#8211; dem evolutionsbiologisch j\u00fcngsten Teil des Gehirns. Vor allem der pr\u00e4frontale Kortex (hinter der Stirn) ist da ein hei\u00df gehandelter Kandidat.<\/p>\n<p>Heute arbeiten brilliante Wissenschaftler an der weiteren Erforschung des Klartr\u00e4umens, die noch in den Kinderschuhen steckt &#8211; zum Beispiel Martin Dresler in Nijmegen, Daniel Erlacher in Bern, Melanie Sch\u00e4dlich in Heidelberg, Michael Schredl in Mannheim und Brigitte Holzinger in Wien.<\/p>\n<h3>Wozu ist luzides Tr\u00e4umen gut?<\/h3>\n<h4>Luzides Tr\u00e4umen: Therapeutische Zwecke<\/h4>\n<blockquote><p>&#8220;Mein erster Klartraum (und das ist nicht un\u00fcblich) entstand aus einem Alptraum; Geister kreisten mich ein und bedrohten mich, indem sie den Kreis immer enger zogen. In diesem Moment sprang zum ersten Mal eine Metakognition an und fl\u00fcsterte mir zu: \u201eDas hier ist zu schrecklich! Das muss ein Traum sein!\u201c Ich dachte mir, wenn das ein Traum ist, dann kann ich mich vielleicht daraus wecken. Ich versuchte, mit meinen Fingern meine Augenlider auseinanderzuziehen, damit ich im realen Leben meine Augen \u00f6ffnen w\u00fcrde \u2013 und siehe da: ich wachte auf. Zu diesem Zeitpunkt war ich Vorschuldkind oder gerade erst eingeschult; h\u00e4tte ich gewusst, dass ich auch im Traum bleiben kann und angenehm weitertr\u00e4umen kann \u2013 dann w\u00e4re ich heute ein weitaus ge\u00fcbterer und erfahrener Klartr\u00e4umer als ich es jetzt bin. Aber diese wertvolle Information erhielt ich erst im Jahr 2013, im Alter von 37 Jahren.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn Sie j\u00fcnger sind und das hier lesen, k\u00f6nnen Sie sich freuen, dass Sie die frohe Botschaft fr\u00fcher erfahren. Wenn Sie \u00e4lter sind, machen Sie sich keine Sorgen: es ist selten zu fr\u00fch und nie zu sp\u00e4t! Ich denke nicht, dass das Alter irgendeine einschr\u00e4nkende Funktion hat, das Klartr\u00e4umen zu erlernen. Gut, man lernt generell schneller, wenn man jung ist \u2013 das will ich nicht abstreiten, aber das Alter sollte nicht als Ausrede herhalten m\u00fcssen, diese wunderbare M\u00f6glichkeit an sich vorbeiziehen zu lassen. Meine Oma hat immer gesagt: \u201eIch bin alt wie eine Kuh und lerne immer noch dazu!\u201c<\/p>\n<p>Nach der \u00fcberaus wirksamen Bek\u00e4mpfung von Alptr\u00e4umen k\u00f6nnte man das luzide Tr\u00e4umen auch therapeutisch bei der sogenannten PTBS (<strong>posttraumatischen Belastungsst\u00f6rung<\/strong>) einsetzen. Dar\u00fcber liegen leider noch keine Studien vor und es ist Vorsicht geboten \u2013 eine Retraumatisierung sollte nat\u00fcrlich beim Einsatz des Klartr\u00e4umens vermieden werden.<\/p>\n<p>Und zu guter Letzt k\u00f6nnte das luzide Tr\u00e4umen endlich eine wirksame psychologische Intervention bei <strong>Schizophrenie<\/strong> zu sein. Dar\u00fcber existieren auch noch keine Studien, aber der Schluss liegt nahe, dass bei Schulung der Metakognition auch die Einsicht in Wahnzust\u00e4nde verbessert werden kann. Au\u00dferdem legen MRT-Studien nahe, dass das Zusammenspiel dreier Netzwerke im Gehirn durch das Klartraumtraining ver\u00e4ndert und damit auch verbessert werden kann. Das ist zum einen das Ruhezustandsnetzwerk DMN\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Default_Mode_Network\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener noreferrer\">(default mode network)<\/a>, das beim Tagtr\u00e4umen aktiviert ist.\u00a0Bei einigen Erkrankungen kommt es zu Ver\u00e4nderugnen im DMN, hierunter auch die Schizophrenie.\u00a0 Das \u201cdorsal attention network\u201c ist sozusagen der Gegenspieler und wird aktiviert, wenn das Gehirn extern zugef\u00fchrte Reize und Aufgaben verarbeiten muss. Das \u201efrontoparietal(e) control system\u201c ist das dritte Netzwerk im Bunde, das die Aktivit\u00e4t der anderen beiden Netzwerke steuert. Scannerbefunde f\u00fchren zu der Vermutung, dass luzides Tr\u00e4umen das Zusammenspiel dieser Netzwerke positiv beeinflussen kann.<\/p>\n<p>Wie gesagt: bis jetzt sind das alles nur unbest\u00e4tigte Hypothesen basierend auf der Annahme, dass Psychosen und Tr\u00e4ume \u00e4hnliche neurophysiologische Korrelate haben und dass eine Psychose quasi ein \u201efehlgeleiteter\u201c Traum im Wachzustand ist, aber dieser Ansatz ist vielversprechend und es w\u00e4re m\u00f6glich, dass so endlich ein Heilmittel gegen Schizophrenie gefunden werden kann.<\/p>\n<h3>Luzides Tr\u00e4umen: Effekte<\/h3>\n<p>Im Netz finden sich viele Spiele, die vorgeben das Gehirn zu trainieren, das sind meist kleine Spiele oder Denk-, Merk- oder Rechenaufgaben, die das Gehirn trainieren sollen und so einen positiven Effekt auf die Gehirnleistung oder sogar das Wohlbefinden haben sollen. Vielen von diesen \u00dcbungen fehlt jedoch jegliche wissenschaftliche Grundlage, da sie weder\u00a0wissenschaftlich validiert wurden, noch in einen therapeutischen Rahmen eingebettet sind. Bei diesen Spielen ist es\u00a0wie wenn man Intelligenztests \u00fcbt, dann besser abschneidet und dann behauptet, intelligenter zu sein \u2013 ist man aber nicht, sondern nur ge\u00fcbter in Intelligenztests.<\/p>\n<p>Luzides Tr\u00e4umen hat Auswirkungen auf Selbstwirksamkeitserwartung, Wohlbefinden, Verbindung zur Intuition, Achtsamkeit und Metakognition. \u00c4hnlich wie Yoga oder Entspannungs\u00fcbungen hat das Luzide Tr\u00e4umen also positive Auswirkungen &#8211; es dauert nur l\u00e4nger, bis diese eintreten, daf\u00fcr erh\u00e4lt man diese dann aber geballt und nicht so allm\u00e4hlich wie beim Yoga.<\/p>\n<p>Fazit: Sport, Yoga, luzides Tr\u00e4umen \u2013 das alles sind m\u00fchsame T\u00e4tigkeiten, die viel \u00dcberwindung des inneren Schweinehundes erfordern (<a href=\"https:\/\/blog.cognifit.com\/de\/sport-motivation\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Erfahre hier, wie man Motivation f\u00fcr Sport aufbringen kann<\/a>). Das erzeugt <a href=\"https:\/\/blog.cognifit.com\/de\/kognitive-dissonanz\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">kognitive Dissonanz<\/a>, die wiederum Kognitionen erzeugt wie: \u201eDas ist alles nicht wirksam, nicht f\u00fcr mich, viel zu anstrengend, mache ich irgendwann mal, wenn ich Zeit und Mu\u00dfe habe.\u201c Oder \u201eIch bin zu alt, zu ungeeignet, zu irgendwas.\u201c<\/p>\n<p>Warum sonst wird Sporttherapie in den meisten Psychiatrien angeboten, kognitives Training aber nur vereinzelt? Das hat einen Grund. Und die Patienten sind oft nicht motiviert, sich in der Sporttherapie anzustrengen \u2013 davon k\u00f6nnen die Therapeuten und das Klinikpersonal ein Lied singen. Dabei ist es die Interventionsmethode mit der gr\u00f6\u00dften Effektst\u00e4rke und mit dem besten Aufwand-Nutzen-Verh\u00e4ltnis.<\/p>\n<h4>Luzides Tr\u00e4umen: Nicht-klinische Anwendungen<\/h4>\n<p>Luzides Tr\u00e4umen hat viele andere Auswirkungen. Man kann im Traum Sportarten und Bewegungsabl\u00e4ufe trainieren und es hat einen positiven Effekt auf den Gleichgewichtssinn. Man kann Instrumente schneller lernen. Man kann seine Kreativit\u00e4t steigern. Klartr\u00e4umen kann beim Probleml\u00f6sen helfen. Es steigert die Selbstwirksamkeit und das Wohlbefinden. Wenn Traumyogis und Buddhisten sagen, die Wirklichkeit w\u00e4re ein Traum, dann meinen sie, so denke ich, diese Selbstwirksamkeit und die Plastizit\u00e4t der Realit\u00e4t. Die Wirklichkeit ist plastischer und damit traum\u00e4hnlicher als wir denken.<\/p>\n<h3>Bewusstseinsforschung<\/h3>\n<p>Das Bewusstsein ist ein Mysterium. Klartraumforschung k\u00f6nnte helfen, dieses Mysterium wenigstens teilweise aufzuhellen. Der Begriff Bewusstsein wird oft mehrdeutig verwendet. Wenn wir etwas als bewusst bezeichnen, k\u00f6nnen wir intensiv, metakognitiv, absichtlich, aufmerksam und mit sich selbst identifizierend oder reflexiv meinen oder alles zusammen. In der Psychologie galt lange Zeit alles als bewusst, was verbalisierbar war und dementsprechend war ein notwendiges aber nicht hinreichendes Merkmal des Unbewussten die Unaussprechlichkeit. In der aktuellen Bewusstseinsforschung teilt man das Bewusstsein ein in \u201ebasal\u201c und \u201ehigher-order\u201c. Zum basalen oder prim\u00e4ren Bewusstsein geh\u00f6ren zum Beispiel Wahrnehmungen und Emotionen, wie sie im normalen Tr\u00fcbtraum auftreten. Higher-order Bewusstsein wie Metakognition und Traumeinsicht (bzw. die Einsicht in den aktuellen Bewusstseinszustand) treten im luziden Traum und im Wachbewusstsein bei Menschen auf.<\/p>\n<h3>Wie lerne ich das luzide Tr\u00e4umen (Klartr\u00e4umen)?<\/h3>\n<h3>4 Schritte zum ersten Klartraum<\/h3>\n<p><strong><em>Schritt 1:<\/em><\/strong> Ein Muss f\u00fcr jeden Oneironauten ist das Traumtagebuch. Damit f\u00e4ngt alles an und damit h\u00f6rt es auf, wenn man es vernachl\u00e4ssigt. Nehmen Sie Stift und Schreibblock und legen Sie beide neben ihr Bett, um der \u201eTrauml\u00f6schfunktion\u201c zuvorzukommen. Alternativ k\u00f6nnen Sie die Tr\u00e4ume in ein Diktierger\u00e4t oder eine entsprechende App sprechen, Hauptsache, sie zeichnen Sie irgendwie auf. Das \u00fcbt die Traumerinnerung und f\u00f6rdert die Erinnerung an das Traumbewusstsein und wie es sich \u201eanf\u00fchlt\u201c.<\/p>\n<p><strong><em>Schritt 2:<\/em> <\/strong>Setzen Sie sogenannte Wachposten, hei\u00dft, trainieren Sie das <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Prospective_memory\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener noreferrer\">prospektive Ged\u00e4chtnis<\/a>. Autosuggerieren Sie sich, aufzuwachen sobald Sie getr\u00e4umt haben, nehmen Sie sich vor, sich an Ihre Tr\u00e4ume zu erinnern und nat\u00fcrlich: nehmen Sie sich vor, den Traum als solchen zu erkennen. \u00dcben Sie das Setzen von Wachposten im Alltag. Nehmen Sie sich vor, das n\u00e4chste Mal, wenn Sie am Punkt X vorbeikommen, sich an Y zu erinnern. Das ist ein Wachposten. Ihr Gehirn speichert das ab und wird Sie mit erh\u00f6hter Wahrscheinlichkeit wissen lassen, dass Sie und was Sie sich vorgenommen haben. Einen gut gesetzten Wachposten erkennt man daran, dass er vorher schon immer wiederauftaucht, um sich aufzufrischen, bevor der Ernstfall dann eintritt.<\/p>\n<p><strong><em>Schritt 3:<\/em><\/strong> Machen Sie sogenannte Reality Checks (RCs). Ein RC testet, ob Sie gerade tr\u00e4umen. Es gibt eine Vielzahl von RCs \u2013 suchen Sie sich Ihren Liebling aus! Ich z\u00e4hle gern meine Finger, denn im Traum sind es meistens mehr oder weniger als 5 \u2013 keiner wei\u00df warum, aber es ist so. Eine andere M\u00f6glichkeit ist, sich die Nase zuzuhalten und zu versuchen, durch die geschlossene Nase zu atmen. Im Traum wird das funktionieren, weil Sie sich ja nur \u201evirtuell\u201c die Nase zu halten und tats\u00e4chlich weiteratmen. Sie k\u00f6nnen etwas lesen, wegschauen und es erneut lesen. Im Traum sollte es sich ver\u00e4ndert haben (das ist der Lieblingsrealitycheck von LaBerge). \u00a0Sie k\u00f6nnen versuchen zu schweben oder den Lichtschalter bet\u00e4tigen. Im Traum sollte das Licht nicht angehen. Oder fragen Sie sich, wo Sie vor Kurzem waren \u2013 im Traum fehlt Ihnen diese Erinnerung.<\/p>\n<p><strong><em>Schritt 4:<\/em><\/strong> Unterbrechen Sie Ihren Schlaf (sogenanntes Wake-back-to-Bed (WBTB)). Schlafunterbrechungen f\u00fchren nachweislich zu vermehrten Klartr\u00e4umen. Aber achten Sie darauf, mindestens einmal pro Nacht mindestens 4 Stunden zu schlafen, weil sonst das Somatropin (ein wichtiges Hormon f\u00fcr den Knochenerhalt) nicht ausgesch\u00fcttet werden kann und es wichtig f\u00fcr die Gesundheit ist, genug Schlaf zu bekommen.<\/p>\n<p><em>Kombinieren Sie diese Methode mit Schritt 2<\/em>, nehmen Sie sich vor, nach einem Traum aufzuwachen. Gelingt dies, schreiben Sie ihn auf und dann tun Sie Folgendes: Legen Sie sich wieder ins Bett und versuchen, m\u00f6glichst lange bewusst zu bleiben. Bewegen Sie sich nicht. Nach einiger Zeit sollten Lichtblitze vor Ihrem inneren Auge entstehen. Beobachten Sie diese. Sie werden zu Mustern, werden bunt und plastischer (sogenannte Hypnagogien) und wenn Sie Gl\u00fcck haben, k\u00f6nnen Sie auf diese Weise den gesamten Einschlafprozess bis in den Traum hinein bewusst verfolgen. Irgendwann in diesem Prozess setzt die Schlafparalyse ein, hei\u00dft, Sie sp\u00fcren, dass Ihre Muskeln v\u00f6llig erschlaffen. Kann sein, dass es sich wie ein Fallen oder wie ein Sog in den Traum anf\u00fchlt. Dann haben Sie es geschafft: Gratulation zu einem erfolgreichem WILD (wake-induced-lucid-dream)! Aber seien Sie nicht entt\u00e4uscht, wenn es nicht klappt. Kein WILD-Versuch ist umsonst, denn er steigert die Wahrscheinlichkeit enorm, dass Sie sp\u00e4ter im Traum bewusst werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr Interessierte gibt es ein deutsches <a href=\"http:\/\/www.klartraumforum.de\/forum\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener noreferrer\">Klartraumforum<\/a>.<\/p>\n<h3>Luzides Tr\u00e4umen: Zusammenfassung\/Fazit<\/h3>\n<p>Die meisten Menschen haben schon mal erlebt, dass es m\u00f6glich ist, im Traum zu wissen, dass man tr\u00e4umt. Einige wenige k\u00f6nnen sich diesen Zustand gar nicht vorstellen, andere &#8211; noch wenigere &#8211; kennen gar nichts anderes. Aber: Luzides Tr\u00e4umen kann man trainieren. Die Menschen, die sich diesem Hobby verschrieben haben, nennt man auch <a href=\"https:\/\/www.oneironauten.de\/oneironauten\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener noreferrer\">Oneironauten<\/a> (griechisch von: oneiros = Traum und naut\u0113s\u00a0 = Seefahrer) also \u00fcbersetzt: Traumreisende.<\/p>\n<p>Ein Klartraumtraining kann in vielerlei Hinsicht sinnvoll sein; am offensichtlichsten\u00a0 &#8211; und auch schon erforscht &#8211; ist der Einsatz gegen Alptr\u00e4ume. Niemand muss unter Alptr\u00e4umen leiden \u2013 das ist eine frohe Botschaft, die gar nicht so bekannt ist, wie man annehmen w\u00fcrde. Au\u00dferdem hat das Max-Planck-Institut in Berlin mithilfe von MRT-Studien herausgefunden, dass Hirnareale im pr\u00e4frontalen Kortex, die f\u00fcr Metakognition zust\u00e4ndig scheinen, bei Klartr\u00e4umern vergr\u00f6\u00dfert sind. Metakognition ist das Denken \u00fcber das Denken (und F\u00fchlen) und erinnert stark an den Begriff der Achtsamkeit. Und Achtsamkeit ist bekannterma\u00dfen ein ad\u00e4quates Mittel bei psychischen Problemen oder generell bei der Lebensbew\u00e4ltigung.<\/p>\n<p>Ein Klartraumtraining erfordert einigen zeitlichen Aufwand, Anstrengung und Willenskraft, aber eines soll hier nicht unerw\u00e4hnt blieben: es macht auch einen heiden Spa\u00df. Besonders wenn sich erste Erfolge einstellen, berichten viele von euphorischen Erlebnissen und ungeheurer Motivation und Energie \u00fcber das n\u00e4chtliche Erlebnis hinaus, die \u00fcber Stunden bis Tage anhalten. Stellen Sie sich vor, wie es sein wird, \u00fcber das Donautal zu fliegen einfach kraft Ihres Bewusstseins und Ihres Willens. Wie wird es sich k\u00f6rperlich anf\u00fchlen, das erste Mal durch eine Wand zu gehen? Wie f\u00fchlt es sich an, das Geschlecht zu wechseln? Oder als Tiger durch den Urwald zu streifen und von Fels zu Fels zu springen? All das und viel mehr \u2013 im Prinzip alles, was Sie sich vorstellen k\u00f6nnen \u2013 wird m\u00f6glich sein&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Luzides Tr\u00e4umen, auch &#8220;klar tr\u00e4umen&#8221; genannt, bezeichnet das Ph\u00e4nomen sich dar\u00fcber bewusst zu sein, dass man sich in einem Traum befindet und diesen wiederum steuern zu k\u00f6nnen. Im folgenden Artikel werden das luzide Tr\u00e4umen und die wissenschaftlichen Erkenntnisse hierzu n\u00e4her beleuchtet. Au\u00dferdem wird Schritt f\u00fcr Schritt erkl\u00e4rt, wie man das luzide Tr\u00e4umen lernen kann. 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