Schlagwort-Archive: Empathie

Kommunikationsfähigkeit: Wie kann man sie verbessern?

Wolltest du schon immer besser kommunizieren? Fühlst du dich unsicher, wenn Du in der Öffentlichkeit sprichst? Hast du Probleme bei Formulierungen? Weißt du manchmal nicht, was du sagen sollst? In diesem Artikel werden wir erklären, was die Kommunikationsfähigkeit bedeutet, welche Art von kommunikativen Kompetenzen es gibt und was deren praktische Anwendung ist. Wir zeigen auch, wie sich diese verbessern lassen.

Kommunikationsfähigkeit

Kommunikationsfähigkeit: Definition und wofür wir sie benötigen

Die Kommunikationsfähigkeit hängt von den kommunikativen Kompetenz ab, die als eine Reihe von Fähigkeiten definiert werden, die es einer Person ermöglichen, angemessen zu kommunizieren. Die kommunikative Kompetenz besteht laut Hymes darin, zu wissen “wann man spricht, wann man nicht spricht, worüber man spricht, mit wem, wann, wo, und auf welche Weise”.

Wir stehen in ständigem Kontakt mit anderen Menschen und können nicht anders, als uns auszudrücken. Diese Fähigkeiten gut zu beherrschen ist daher für unsere persönliche und soziale Entwicklung von grundlegender Bedeutung. Wir nutzen sie beim Sprechen, Hören, Lesen und Schreiben.

Heutzutage ist es schwierig, sich von den Bildschirmen der Computer und Mobiltelefone zu lösen. Die Art der Kommunikation ändert sich mit rasender Geschwindigkeit und wir müssen uns auf diese Veränderungen einstellen. Die Kommunikationsfähigkeit setzen wir aber unabhängig vom Kommunikationskanal jederzeit ein.

Wir alle wissen, wie ärgerlich Missverständnisse sind. Ebenso kennt jeder das unangenehme Gefühl (oder kann es sich zumindest vorstellen), dass einem keine Beachtung geschenkt wird, während man spricht. Es ist unvermeidlich, dass das Gesagte manchmal nicht von Interesse ist oder dass es zu Fehlern im kommunikativen Prozess kommt. Im Folgenden finden sich jedoch einige Richtlinien, um diese Situationen so weit wie möglich zu vermeiden. Entdecke hier, wie du deine Kommunikationsfähigkeit verbessern kannst.

Kommunikationsfähigkeit: Andwendung der Kompetenzen

Wir können nicht aufhören zu kommunizieren, selbst wenn wir es versuchen. Eine einzige Geste verrät uns. Selbst wenn wir allein sind, reden wir mit uns selbst. Die richtigen Worte zu finden und die eigenen Gedanken auf eine kohärente Weise zu entfalten, ist für alle Lebensbereiche förderlich. Nachstehend werden die drei wichtigsten Bereiche erläutert.

1. Kommunikationsfähigkeit am Arbeitsplatz

Nicht immer erntet die Person die Lorbeeren, die am härtesten arbeitet. Manchmal kommt es darauf an, wie man die Ideen verkauft und die Überzeugungskraft mit derm an diese rüberbringt. Die Kommunikationsfähigkeit ermöglicht es Techniken weiterzuentwickeln und bei seinem Publikum besser anzukommen.

Auf professioneller Ebene ist es wichtig, mit den Kollegen richtig zusammenzuarbeiten, um auch in angespannten Situationen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Dies ist einer der Gründe, warum eine gute Kommunikationsfähigkeit im Lebenslauf zunehmend geschätzt wird.

Eine gute Kommunikationsfähigkeit zu haben ist praktisch genauso wichtig wie das Beherrschen von Fremdsprachen oder bestimmten Computerprogrammen. Eine Person mit guten Kommunikationsfähigkeiten hebt sich in einigen Bereichen von anderen ab und sticht bei Vorstellungsgesprächen heraus.

2. Kommunikationsfähigkeit in der Erziehung

Wir können diese Fähigkeiten und Kompetenzen von der Kindheit an trainieren. Dies ist auch der geeignetste Weg, um sie auf natürliche Weise zu entwickeln und sich optimal an die Umwelt anpassen zu können. Eine gute Kommunikation verbessert unsere persönlichen Beziehungen und unser Wohlbefinden. Wir fühlen uns dadurch kompetent.

Das Erlernen dieser Fähigkeiten sollte unbedingt in den Unterricht einbezogen werden. Wenn man sicherstellt, dass Kinder ohne Probleme kommunizieren können, werden sie zu unabhängigen, problemlösenden und zufriedenen Menschen. Dadurch lässt sich auch die Interaktion mit den Kindern verbessern, da sie das Gesagte besser verstehen, es verinnerlichen und lernen auch ihre eigenen Gedanken klar auszudrücken.

Um anderen eine gute Kommunikationsfähigkeit beizubringen, muss man selbst auch ein guter Kommunikator oder eine gute Kommunikatorin sein. Es ist unmöglich, dieses Wissen gut zu vermitteln, wenn man selbst kein gutes Vorbild ist.

3. Kommunikationsfähigkeit im Alltag

Wir brauchen diese Fähigkeiten, um unserem Mitbewohner respektvoll zu sagen, dass er das Geschirr nicht gewaschen hat, um einem Freund eine schlechte Nachrichten zu überbringen oder eine Postkarte an unsere Verwandten zu schicken. Von der einfachsten Interaktion bis hin zur kompliziertesten – es wird von uns verlangt, dass wir wissen wie wir uns auszudrücken haben. Eine gute Kommunikation spart uns Zeit, Mühe und macht das Leben angenehmer.

Kommunikationsfähigkeit im Alltag

10 Eigenschaften von Personen mit einer guten Kommunikationsfähigkeit

1. Sie beobachten

Die Theory of Mind (“Native Theorie”) erlaubt es, den mentalen Zustand einer anderen Person zu erahnen. Gute Kommunikatoren können die Reaktionen anderer voraussehen, sie erkennen und das was sie sagen entsprechend anpassen.

2. Sie können den Kontext interpretieren

Menschen mit guten kommunikativen Fähigkeiten sind geprägt von Neugier und passen sich individuellen, sozialen und kulturellen Unterschieden an. Man stelle sich vor, man würde in ein asiatisches Land reisen und merken, dass sich die Bewohner unbehaglich fühlen, wenn man mit ihnen spricht. Vermutlich deshalb, weil sie es für respektlos halten, jemandem direkt in die Augen zu gucken.

Man muss dabei aber nicht so weit gehen, um eine Situation einzuschätzen. Es ist in jedem Bereich unerlässlich. Die Umwelt muss berücksichtigt werden, um eine effiziente Kommunikation aufrechtzuerhalten.

3. Sie haben eine hohe Selbstwirksamkeit

Sie sehen Hindernisse als Herausforderungen an. An seine eigenen Möglichkeiten zu glauben hilft, sich auf das zu konzentrieren, was man zu sagen hat, ohne sich dabei von den eigenen Unsicherheiten ablenken zu lassen. Es ist ganz normal Zweifel zu haben (was gut ist, um die eigenen Fehler zu erkennen und zu verbessern), aber es gibt Möglichkeiten, die eigenen Kompetenzen mehr wertzuschätzen.

4. Sie sind respektvoll

Eine Person mit einer guten Kommunikationsfähigkeit ist in der Lage, mit Menschen zu sprechen, die anderer Meinung sind, ohne dabei unhöflich zu werden. Das kann kompliziert werden, wenn man über Politik oder Fußball spricht. Wie oft hat man schon Leute gesehen, die wegen Kleinigkeiten aus der Fassung geraten sind? Gute Kommunikatoren akzeptieren den Standpunkt des anderen und unterbreiten ihre eigenen Argumente auf respektvolle Weise.

5. Sie sind emotional intelligent

Diese Personen achten darauf, wie sich ihr Gesprächspartner fühlt. Sie haben ein hohes Durchsetzungsvermögen und sind empathisch. Sie wissen, welche Fragen sie dem Gegenüber stellen müssen, wie sie es ansprechen und wann sie schweigen sollten.

6. Sie sind organisiert

Diese Menschen sortieren ihre Gedanken, bevor sie diese äußern. Sie denken nach, bevor sie sprechen und haben kein Problem damit zuzugeben, wenn sie etwas nicht wissen. Sowohl das Sprechen als auch das Schreiben erfordern, dass man die eigenen Ideen kohärent organisiert. Auf diese Weise macht man es dem Gesprächspartner leichter der Konversation folgen zu können.

7. Sie sind kreativ

Personen mit guten Kommunikationsfähigkeiten besitzen verschiedene Mittel und Ressourcen, um die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu ziehen. Sie erzählen Geschichten, um eine emotionale Bindung zum Zuhörer aufzubauen, schaffen Metaphern und denken sich raffinierte bzw. einprägsame Beispiele aus. Sie sind flexibel und wissen, was in welcher Situation am Angebrachtesten ist.

8. Sie haben gute Vorbilder

Diese Personen achten, wenn auch nicht immer bewusst, auf die kommunikativen Kompetenzen anderer. Sie lernen schnell und perfektionieren so ihre eigenen Techniken. Wenn das nicht automatisch passiert, kann man sich das selbst als Übung vornehmen.

9. Sie haben keine Angst davor, Fehler zu machen

Man kann nicht alles unter Kontrolle haben, egal wie gut die eigene Kommunikationsfähigkeit ist. Exzellente Kommunikatoren sind nicht deshalb so gut, weil sie perfekt sind, sondern weil sie aus ihren Fehlern lernen, nicht aufgeben und die Dinge mit Humor nehmen. Fehler zu machen gehört zur Kommunikation einfach dazu.

10. Sie üben, üben und üben

Es scheint, als gäbe es Menschen, die eine übernatürliche Kommunikationsfähigkeit haben. Dieses Potenzial geht jedoch verloren, wenn man die kommunikativen Fähigkeiten nicht nutzt. Zu üben schadet nie.

Bist du ein guter Kommunikator oder eine gute Kommunikatorin?

Formen der Kommunikationsfähigkeit

1. Grammatikalische oder sprachliche Kompetenz

Das bezieht sich darauf, wie gut jemand die Sprache beherrscht. Dabei geht es um die Integration und die Bedeutung der Sprache, die in einer wechselseitigen Beziehung stehen. Diese Kompetenz umfasst die phonetische Ebene (Intonation, Rhythmus, usw.), die lexikalisch-semantische Ebene (Vokabular) und die grammatikalische Ebene (Struktur der Wörter, wie sie kombiniert werden, usw.). Diese Kompetenz ist die Grundlage der Kommunikation, ohne sie könnten wir nicht mal uns selbst verstehen.

2. Sozio-linguistische Kompetenz

Hiermit ist die Sprache und ihr Kontext gemeint. Die Sprache lässt sich nicht vom Kontext lösen. Um diese Kompetenz richtig einsetzen zu können, muss man in der Lage sein, verschiedene Ausdrücke in Abhängigkeit von der jeweiligen Situation richtig zu verstehen. Man kann den Unterschied der Bedeutung erkennen, wenn sich zwei Verliebte sich liebevoll “dumm” nennen oder wenn sich zwei streitende Leute mit dem gleichen Ausdruck kritisieren.

3. Diskursive Kompetenzen

Diese Kompetenz umfasst die Fähigkeit, Nachrichten richtig zu interpretieren und in verschiedenen Situationen unterschiedliche Inhalte vermitteln zu können. Dabei muss der Inhalt kohärent und zusammenhängend sein. Man setzt das in die Praxis um, wenn man (mündlich oder schriftlich) einer Gruppe von Freunden geordnet und einer logischen Struktur folgend von seinem Wochenende erzählt.

4. Strategische Kompetenz

Ermöglicht eine effektive Kommunikation. Dadurch können Fehler behoben werden, ohne den Gesprächsverlauf zu unterbrechen. Hierunter fallen eine Vielzahl von Taktiken, mit denen langes Schweigen oder Fehlinterpretationen vermieden werden können. Auch die nonverbale Sprache gehört hierzu. Ein Beispiel hierfür wäre es, das Gespräch auf ein angenehmeres Thema zu lenken (ohne dass es künstlich und abrupt wirkt), wenn man bemerkt, dass man ein unangenehmes Thema angeschnitten hat.

10 nützliche Tipps, um die Kommunikatiosfähigkeit zu verbessern

1. Analysiere dich

Suche nach Menschen in deiner Umgebung, die das, was sie sagen wollen, außergewöhnlich gut kommunizieren können und beobachte ihren Stil. Du wirst dir bewusster darüber werden, was du gut machst und wo du weiter dazu lernen solltest. Dieser Prozess automatisiert sich mit der Zeit. Dabei ist es nicht notwendig, dass du perfektionistisch bist, wenn du zu streng mit dir bist, macht dich das nur nervös. Es wird nicht lange dauern, bis dich die Ergebnisse selbst überraschen. 

2. Bleib simpel

Oft ist weniger mehr. Verschwende deine Zeit nicht mit hochtrabenden Ausdrücken oder gestelzten Satzkonstruktionen. Sie behindern den kommunikativen Prozess und kommen auch nicht immer gut an. Das bedeutet nicht, dass wir damit aufhören müssen, unseren Wortschatz zu erweitern. Wir müssen einfach nur wissen, wann wir welches Wort verwenden sollten.

3. Sei natürlich

Hattest du schon einmal das Gefühl, dass das Gegenüber in eine Rolle schlüpft, während es mit dir spricht? Manchmal versucht man eine Person zu sein, die man nicht ist. Das bedeutet nicht, dass man lügt. Manchmal versucht man lediglich sich anzupassen.

Stell dir eine Person bei einem ersten Date vor. Vielleicht ist sie unsicher und sucht vor allem die Bestätigung des Gegenüber. Es ist wahrscheinlich, dass sie versucht zu zeigen, dass sie bestimmte Eigenschaften oder Kenntnisse besitzt, die dem Gegenüber gefallen könnten. Selbst wenn wir die besten Absichten in der Welt haben, kann das erzwungen und wenig überzeugend wirken. Es ist wichtig, dass man sich selbst vertraut und sich wohl fühlt, um gut kommunizieren zu können.

4. Sei freundlich

Es mag offensichtlich erscheinen, doch manchmal vergisst man in der Eile, durch den Stress oder aufgrund der schlechten Laune das Lächeln auf den Lippen. Es ist genauso aufwendig beim Sprechen Positivität auszustrahlen, wie mit der Stirn zu runzeln. Nicht alle Umstände erfordern, dass man sich fröhlich gibt, aber man kann versuchen immer so empathisch wie möglich zu sein. Freundlich zu sein wirkt sich sowohl auf das eigene Wohlbefinden aus, als auch darauf, wie sich andere Personen einem gegenüber verhalten.

5. Pass dich deinem Gesprächspartner an

Jeder Mensch hat seine Realität im Laufe der Zeit auf eine andere Weise aufgebaut. Das bedeutet nicht, dass wir nicht alle auf ein und dem selben Planeten leben. Es ist nur möglich, dass wir uns auf der soziokulturellen Ebene unterscheiden, verschiedene Standpunkte vertreten oder eine andere mentale Repräsentation für dasselbe Wort haben. Dies kann zu Missverständnissen führen.

Diese Fehler lassen sich bei vielen Gelegenheiten vermeiden, wenn wir versuchen, die Reaktionen unserer Zuhörer zu beobachten und entsprechend handeln. Wenn du siehst, dass dich dein Gegenüber nicht versteht, suche nach erklärenden Beispielen oder verbinde deine Worte mit seiner Welt. Andererseits solltest du selbst nicht zögern nachzufragen wenn sich Zweifel oder Fragen auftun. Dadurch kannst du sicherstellen, dass die Kommunikation effektiv ist.

6. Probiere Entspannungstechniken aus

Wenn eine wichtige Bewertung ansteht, du ein anspruchsvolles Publikums hast oder einer Person gegenüber stehst, die dich unruhig macht, kann das die Kommunikationsfähigkeit beeinträchtigen. Es ist ganz normal, dass man unter diesen Umständen nervös ist. Dennoch gibt es Möglichkeiten, um in extremen Stresssituationen ruhig zu bleiben. So kann man beispielsweise still bis 10 zählen, bis man sich besser fühlt. Es mag wie ein Witz erscheinen, aber es kann helfen, sich auf etwas anderes zu konzentrieren und dem Problem zu entkommen.

7. Suche nach Inspiration

Es gibt eine Vielzahl von Artikeln und Büchern, die einem helfen können die Kommunikationsfähigkeit zu verbessern. Dabei werden Themen wie Körpersprache, das Storytelling oder das neuro-linguistische Programmieren (NLP) behandelt. Ebenfalls kann man im Internet nach Vorträgen suchen, deren Inhalt einen interessiert und anschließend auf den Vortragsstil des Experten achten.

8. Nutze die Macht der Bilder

Wenn man eine Präsentation gestalten muss, oder der Anlass es erlaubt, unterstütze das Gesagte visuell. Verwende Fotos, Illustrationen oder Infografiken, welche die Ideen bereichern. Dabei kann man sich auf die Farbpsychologie verlassen, um eine emotionale Bindung zum Publikum herzustellen. Es wird die Worte stärken und die Zuhörer werden sich im Anschluss besser daran erinnern können.

9. Hab Spaß bei der Kommunikation

Kommunikation ist nicht nur ein Mittel zum Zweck, sondern kann auch als solche genossen werden. Bei fast allen Situationen, die wir genießen, ist die Kommunikation ein Teil davon. Nicht jedem bereitet es Freude Geschichten zu schreiben oder ein sensibles Thema Hunderten von Menschen vorzutragen. Aber unsere kommunikativen Fähigkeiten sind auch in anderen Momenten gefragt, beispielsweise wenn wir einen Witz erzählen oder jemanden umarmen. Sie zu verbessern, wird diese Erfahrungen noch angenehmer machen.

Der Kommunikationsprozess macht übrigens dann mehr Spaß, wenn man nicht mehrere Dinge gleichzeitig tut. Dies kann nicht nur für die andere Person irritierend sein. Die Aufmerksamkeit nimmt ab und das Gespräch wird nicht richtig wertgeschätzt.

10. Hör zu

Übe das aktive Zuhören, sei einfühlsam und vermittle dem Gesprächspartner, dass du ihn verstehst. Gut zuhören zu können ist genauso wichtig wie grammatikalisch einwandfrei zu sprechen oder einen großen Wortschatz zu besitzen. Dadurch hört man nie auf zu lernen und bereichert seine zwischenmenschlichen Beziehungen.

Dieser TED-Talk von Celeste Headlee kann ebenfalls dazu beitragen, die Kommunikationsfähigkeit zu verbessern. 

Vielen Dank für das Lesen des Artikels. Bei Fragen und Anregungen kann gerne ein Kommentar hinterlassen werden.

Übersetzt aus dem Spanischen. Original: Ainhoa Arranz Aldana, Autorin bei CogniFit.

Was ist Altruismus? Ein Mythos oder gibt es das wirklich?

Altruismus: Anderen zu helfen ist eine bewusste Entscheidung, die man
jeden Tag treffen kann. Jemandem auf der Straße Geld zu geben, einem älteren Menschen über die Straße zu helfen, im Supermarkt etwas für jemanden aus dem Regal zu holen…. All das sind Beispiele für altruistisches Verhalten. Gibt es denn echten Altruismus, oder stehen am Ende immer eigenen Motive dahinter? Stellen wir andere an erste Stelle und handeln wirklich uneigennützig? Oder haben wir irgendeinen Nutzen davon, altruistisch zu handeln? Wenn ja, was? All diese Fragen versuchen wir im folgenden Artikel zu beantworten.

“Every man must decide whether he will walk in the light of creative altruism or in the darkness of destructive selfishness.” -Martin Luther King Jr.

Altruismus: Anderen zu helfen

Was bedeutet Altruismus?

Altruismus wird als uneigennütziges Verhalten definiert, welches zugunsten einer anderen Person gezeigt wird und nicht im Zusammenhang mit dem eigenen Wohlbefinden steht. Das sind großzügige Verhaltensweisen, Nettigkeit und Hilfsbereitschaft. Das Wort Altruismus stammt aus dem Latein, alter bedeutet “der Andere”.

Was ist Altruismus?

Altruistisches Verhalten sind selbstlose Taten, welche das Wohlbefinden anderer vor das eigene stellen und keine Gegenleistungen erwarten. Das kann jegliches Verhalten sein, von einer kleinen Hilfe im Supermarkt oder einer Knochenmarkspende. Altruismus wird von manchen Leuten als vorteilhaft für beide Seiten angesehen. Beispielsweise kann man als freiwilliger Helfer im Krankenhaus arbeiten, zieht selbst daraus dann den Vorteil es als Plus auf dem Lebenslauf stehen zu haben, was bei jeder Bewerbung gut ankommt. Was ist der Unterschied zwischen Empathie und altruistischem Verhalten?

Empathie ist das Verstehen der Perspektive des Gegenübers, beziehungsweise die Fähigkeit sich in seine Situation zu versetzen. Empathie setzt den Fokus mehr auf die Emotionen. Das Wort Empathie stammt aus dem Griechischen und lässt sich auf die Wörter em– und pathos zurückführen, die “Gefühle” und “Emotionen” bedeuten. Wie bereits erwähnt, basiert der Altruismus nicht auf Emotionen. Wenn aber jemand Empathie zeigt wird neurologisch das Emotionszentrum im Gehirn aktiviert. Es besteht aus der Amygdala, der Insula und dem Striatum. Dabei gibt es sogar spezielle Neuronen, die bei Empathie feuern: sogenannte Spiegelneuronen. Spiegelneuronen helfen Emotionen nachzuempfinden, die man bei anderen sieht.

Wie sieht Altruismus aus?

Nimm an, du fährst an einem regnerischen Tag mit dem Auto die Straße entlang und entdeckst auf einmal ein Auto, das umgekippt auf der Fahrbahn liegt. Automatisch fährst du rechts ran und rennst zum Auto, um zu helfen. Das wäre ein Beispiel für Altruismus, manche würden es auch als selbstlos oder einen Akt der Nettigkeit bezeichnen. Das ist ein extremes Beispiel, aber altruistisches Verhalten zeigen wir die ganze Zeit. Soziale Projekte durch Geld oder Hilfe zu unterstützen, gilt als altruistisch. Ein anderes Beispiel wäre beispielsweise die Spende einer Niere oder von Knochenmark.

Wie wird Altruismus in der Gesellschaft aufrecht erhalten?

Die Gesellschaft trägt dazu bei, dass bestimmtes Verhalten gezeigt, gefördert und aufrechterhalten wird. Darunter ist auch der Altruismus. Soziales Engagement und Freiwilligenarbeit machen sich heutzutage sehr gut im Lebenslauf und können einem Türen öffnen. Macht es altruistisches Verhalten weniger altruistisch? Gehen wir zurück zu dem Beispiel des Autounfalls. Wahrscheinlich wird in der Lokalzeitung und anderen Plattformen über diesen Fall berichtet. Das altruistische Verhalten könnte sogar als heldenhaft angesehen werden. Die Gesellschaft lobt und fördert altruistisches Verhalten tagtäglich, sodass anderen zu helfen einem selbst hilft.

Wieso Altruismus? Biologische Argumentation

Altruistisches Verhalten steht in Zusammenhang mit Empathie. Es hat einen starken Einfluss darauf, ob Altruismus gezeigt wird. Die Basis der Sympathie und moralischer Anliegen führt zu altruistischem Verhalten.

Wenn man Altruismus zeigt, fühlt man sich energetischer und erfüllter. Das gleiche Gefühl tritt auch auf, wenn man jemanden anderen sieht, wie er altruistisches Verhalten zeigt – dank der Spiegelneuronen. Obwohl Altruismus und Empathie nicht das Gleiche sind, sind sie miteinander verbunden.

Wieso zeigen wir altruistisches Verhalten? Evolutionäre Sicht

Menschen sind nicht die einzige Spezies, die altruistisches Verhalten zeigt. Bestimmte Fledermäuse helfen sich untereinander indem sie Blut erbrechen und es anderen Fledermäusen geben, die in jener Nacht nicht erfolgreich Blut saugen konnten. Oder auch die südliche Grünmeerkatze, eine Primatenart. Wenn Gefahr droht stoßen sie einen Schrei aus, um andere zu warnen, bringen sich selbst dadurch aber gleichzeitig in Gefahr. Auch bei Insekten wird Altruismus gezeigt: bei Insekten Kolonien steht das Leben der König von dem eigenen Leben. Sie stellen Futter bereit, beschützen das Nest und kümmern sich um die Larven. Aber wieso tun Tiere das? Wieso sollten sie anderen helfen und dabei selbst einen Nachteil von sich tragen?

Altruistisches Verhalten: Eine Grünmeerkatze stößt einen Warnschrei aus

Charles Darwin prägte den Begriff der natürlichen Selektion, “the survival of the fittest” (das Überleben des Stärksten). Laut dieser Annahmen verhalten sich Tiere so, dass sie selbst einen Vorteil haben und ihr eigenes Überleben sichern. Über Zeit und Spezies hinweg wurde diese Annahme bestätigt. Wieso sollten Tiere also altruistisch handeln, wenn es doch so weit weg vom Ideal der natürlichen Selektion ist? Was gewinnen Tiere aus evolutionärer Sicht durch altruistisches Verhalten? Haben sie denn etwas zu gewinnen?

Sowohl Mensch als auch Tier zeigen kooperatives Verhalten seit Anbeginn der Zeiten. Dieses Verhalten hat also zum Erhalt der Spezies beigetragen. Auf individueller Ebene ergibt das keinen Sinn. Wenn Individuen Altruismus zeigten, würden sie nicht überleben.

Wie konnte sich altruistisches Verhalten also bis zur heutigen Generation durchsetzen?

Wenn sich viele Individuen altruistisch verhalten, wird das zum Vorteil der gesamten Gruppe. Diese Art des selbstlosen Verhaltens trägt zum Überleben der Gruppe bei. Das wird Gruppenselektion genannt und hilft, weiteres altruistisches Verhalten zu generieren. Das Phänomen der Gruppenselektion galt zunächst als schwach und Biologen waren unsicher, ob es evolutionäre Ziele hat. Was häufig bei der Eigengruppenselektion auftritt, ist die Idee “des Überlebens von innerhalb“, bei welcher die Mitglieder möglicherweise durch die anderen Individuen der Gruppe ausgenutzt werden, die sich nicht altruistisch verhalten. Die egoistischen Individuen können Profit aus dem altruistischen Verhalten der anderen schlagen, ohne irgendwelche Kosten aufwenden zu müssen. Das kann dazu führen, dass die gesamte Gruppe aufgrund eines einzelnen Individuums unter Angstsymptomen und Stress leidet. Selbstaufopferung und Altruismus helfen nicht dem einzelnen Individuum, können aber in größeren Maßstäben, wie auf der Gemeinschaftsebene helfen.

Die Verwandtenselektion oder Sippenselektion ist die erweiterte Theorie der natürlichen Auslese, die 1964 durch William Hamilton entwickelt wurde. Dabei gingen sie einen Schritt weg von der Gruppenselektion und konzentrierten sich darauf, wie Altruismus sich innerhalb einer Sippe oder Familie entwickeln kann. Individuen zeigen eher altruistische Verhalten innerhalb ihrer Sippe, als außerhalb. Der Grad an Altruismus hängt von der Stärke der Beziehung ab. Dadurch können die altruistischen Gene innerhalb der Sippe von Generation zu Generation weitergegeben werden. Diese Theorie ergibt Sinn, wenn man aus Sicht der Genetik argumentiert. Das Ziel der Gene ist es, weitergegeben zu werden und in die nächste Generation zu gelangen. Foster et.al postuliert, dass bei den Insektengemeinschaften die Verwandtenselektion den Haupterklärungsansatz für die Entwicklung von Altruismus darstellt.

Gibt es echten Altruismus?

In der Friends-Folge “Harte Bedingungen” behauptet einer der Charaktere namens Joey, dass es keine selbstlosen Handlungen gebe und fordert Phoebe heraus. In dem folgenden Video könnt ihr sehen, wie sie versucht ihn vom Gegenteil zu überzeugen.

Nach all diesen Informationen: kann man davon ausgehen, dass es wahre altruistische Handlungen gibt? Es konnte belegt werden, dass es eine evolutionäre und biologische Basis für altruistisches Verhalten gibt, aber ist es wirklich selbstlos? Es gibt Menschen, die nicht an so etwas glauben und der Meinung sind, dass jeder -egal ob bewusst oder unbewusst- etwas tut um sich selbst zu helfen. Ob es dabei um Anerkennung geht, sich gut fühlen zu wollen, oder die Vorstellung, dass die andere Person einem nach der geleisteten Hilfe etwas schuldet… Auf der anderen Seite ergibt sich die Frage, ob es dementsprechend richtigen Egoismus gibt. Jemand kann etwas tun, das egoistisch wirkt, langfristig aber nicht nur der “egoistischen” Person sondern auch anderen hilft. Ist es dann wirklich egoistisch? Vielleicht sollte man, statt die Existenz von wahrem Altruismus infrage zu stellen, lieber altruistisches Verhalten fördern und Menschen dazu ermuntern, zumindest scheinbar Selbstloses zu tun.

Übersetzt aus dem Spanischen. Original: Rebekah Nerenberg, Psychologin bei CogniFit.

Referenzen:
“Altruism.” Merriam-Webster. Merriam-Webster, n.d. Web. 03 June 2017.

“Altruism.” Psychology Today. Sussex Publishers, n.d. Web. 03 June 2017.

“Why Do We Help Others? Reciprocal Altruism Explained.” Psychologist
World, http://www.psychologistworld.com/behavior/altruism. Accessed 4 June 2017.

“Empathy.” Psychology Today. Sussex Publishers, n.d. Web. 03 June 2017.

Farsides, Tom. “The psychology of altruism.” The psychology of altruism | The Psychologist. N.p., n.d. Web. 05 June 2017.

Gonzalez, Karin. “Altruistic Behavior: Definition & Examples.” Study.com. Study.com, n.d. Web. 04 June 2017.

Okasha, Samir. “Biological Altruism.” Stanford Encyclopedia of Philosophy. Stanford University, 03 June 2003. Web. 05 June 2017.

 

Spiegelneuronen: Imitation als Basis des Lernens

Spiegelneuronen. Die Imitation als wirksamste Form des Lernens. Das menschliche Gehirn verfügt über verschiedene Mechanismen, die es uns erlauben Handlungen nachzuahmen. Babys sind in der Lage Gesichtsausdrücke nachzumachen, später in der Entwicklung imitieren wir auch grundlegende Verhaltensweisen. Lachen ist ansteckend, ein emotionaler Film stimmt uns traurig… Es scheint so, als wären wir dafür gemacht, das zu fühlen was andere fühlen, um mit ihnen empathisch zu sein und sie besser zu verstehen. Was passiert in unserem Gehirn, damit es dazu kommt? Die Antwort liegt in den Spiegelneuronen.

In diesem Artikel wird erklärt, was die Spiegelneuronen sind, welche Rolle sie bei der Erziehung und der Empathie spielen, was passiert wenn uns die Gefühle anderer anstecken, Pathologien die mit einem Defizit in der Struktur der Spiegelneuronen zusammenhängen, und vieles mehr. 

Spiegelneuronen

Definition: Was sind Spiegelneuronen?

Im Gehirn des Menschen und des Affen finden sich sogenannte Spiegelneuronen. Diese Gehirnzellen werden aktiviert, wenn wir jemanden dabei beobachten, wie er etwas tut. Beispielsweise werden sie aktiviert, wenn ein Schimpanse seine Mutter beobachtet und sie später imitiert und es so schafft eine Nuss mit einem Stein zu öffnen. Die Spiegelneuronen stehen in Zusammenhang mit empathischem, sozialem und imitierendem Verhalten und bilden ein grundlegendes Werkzeug für das Lernen.   

“Wir sind soziale Wesen. Unser Überleben hängt davon ab, Handlungen, Intentionen und Emotionen von den anderen zu verstehen. Die Spiegelneuronen erlauben uns das Gegenüber zu verstehen. Das geschieht nicht nur durch konzeptuelles Denken, sondern ebenso anhand der direkten Simulation. Fühlend, nicht denkend”.
(frei übersetzt nach G. Rizzolatti)

In den 90’er Jahren entdeckte die Forschungsgruppe unter Leitung von Giacomo Rizzolatti der Universität von Parma in Italien etwas Erstaunliches. Eine bestimmte Gruppe von Neuronen in den Gehirnen von Makaken wurden nicht nur dann aktiviert, wenn ein Affe selbst eine Handlung ausführte, sondern auch dann, wenn er einen anderen Affen bei der Ausführung einer Handlung beobachtete. 

Spiegelneuronen lassen sich als eine Gruppe von Neuronen definieren, die bei Primaten und Menschen aktiviert werden wenn diese eine Handlung ausführen oder jemanden dabei beobachten, wie er diese Handlung ausführt.

Spiegelneuronen sind eine Schlüsselfunktion für das Lernen, sie sind unentbehrlich um andere imitieren zu können. 

Von Geburt an sind diese Gruppen von Neuronen aktiv, die es uns erlauben Essen und Sprechen zu lernen oder uns selbstständig anzuziehen. Die Spiegelneuronen sind ebenfalls sehr wichtig bei der Handlungsplanung und wenn es darum geht die Intention hinter einer Tat einer anderen Person zu verstehen.  

Im folgenden video erklärt der Neurowissenschaftler Ramachandran was Spiegelneuronen sind und weshalb diese so wichtig sind. 

Spiegelneuronen und Erziehung

Die Spiegelneuronen ermöglichen es durch Imitation zu lernen. Sie erlauben es, die Körpersprache, Gesichtsausdrücke und Emotionen widerzuspiegeln. Spiegelneuronen spielen eine zentrale Rolle in unserem Sozialleben. Sie sind für die kindliche Entwicklung, zwischenmenschliche Beziehungen und das Lernen unabdingbar.

Wir Menschen sind soziale Wesen und dafür geschaffen von anderen zu lernen. Wir alle kommen schneller und weiter voran, wenn wir mit anderen kooperieren. Zu sehen wie unsere Eltern, Lehrer oder andere Schüler eine kognitive Fähigkeit oder Fertigkeit zeigen, schafft uns eine viel komplettere Lernerfahrung, als es eine theoretische Erklärung tun würde. Deswegen sollten wir in der Erziehung immer mit Beispielen arbeiten. 

Wie greifen die Spiegelneuronen in unseren Alltag ein? 

  • Die Spiegelneuronen sind dafür verantwortlich, dass wir anfangen zu gähnen, wenn wir jemanden beobachten, der gähnt.
  • Diese Neuronen sind für das Gefühl der Trauer verantwortlich, die wir verspüren, wenn wir jemanden leiden oder weinen sehen.
  • Gleiches passiert, wenn wir anfangen zu lachen, weil wir jemanden lachen sehen, auch wenn wir den Grund gar nicht wissen. 
  • Einigen Studien zufolge wird eine bestimmte Hirnregion (die anteriore Insula) sowohl dann aktiviert wenn man Ekel verspürt, als auch wenn man eine andere Person mit dem Ausdruck von Ekel sieht. Die anteriore Insula ist für die Verarbeitung von Gerüchen verantwortlich.
  • Weitere Studien zeigen, dass sich ein Bereich des somatosensorischen Kortex bei den Studienteilnehmern aktiviert, wenn diese berührt wurden oder wenn sie jemanden anderen beobachteten, wie dieser berührt wurde.

8 Ratschläge: Wie beeinflussen die Spiegelneuronen die Erziehung? 

Dank der Spiegelneuronen haben die Emotionen die wir zeigen einen direkten Einfluss auf die Menschen, die uns umgeben. Dabei bilden das Klassenzimmer oder Wohnzimmer keine Ausnahme. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Lehrkräfte und Eltern ihre Emotionen kontrollieren, um die Spiegelneuronen als Verbündete nutzen zu können, der die Erziehung erleichtert – statt das Gegenteil zu tun. 

  1. Freude und Optimismus zeigen, da sich diese Gefühle auf die Kinder oder Schüler übertragen (Gefühlsansteckung).
  2. Negative Emotionen kontrollieren und vermeiden. Jeder hat mal schlechte Laune, man sollte aber versuchen den Einfluss auf die Kinder dabei so gering wie möglich zu halten, da sich das negativ auf deren Gemütszustand auswirkt. Dabei sollte man aber auch darauf achten, nicht die Unterdrückung der Gefühle zu fördern. Die Emotionen der Kleinen wahrnehmen und ihnen dabei helfen diese zu erkennen und so gut wie möglich zu kontrollieren.  
  3. So oft wie möglich visuelle Darstellungen und “Lernen durch Nachmachen” ermöglichen. Theorie im Unterricht oder zuhause durch beispielhafte Vorführungen begleiten und den Kindern erlauben diese nachzumachen. 
  4. Die Interaktion der Kinder mit so vielen Menschen wie möglich fördern. Die Spiegelneuronen werden sich dadurch deutlich mehr aktivieren und erhöhen das Erlernen von sozialen Fähigkeiten und Empathie.
  5. Das Vorstellungsvermögen bei jeder Aktivität nutzen, welche die Kinder erlernen sollen (die Zähne zu putzen, das Zimmer aufzuräumen…)
  6. Gewalt vermeiden. Kinder lernen das was sie sehen. Wenn sie in einer Umgebung groß werden, in der gewalttätiges Verhalten geäußert wird, werden die entsprechenden Spiegelneuronen aktiviert und es wird wahrscheinlicher, dass die Kinder das Verhalten nachahmen.
  7. Kindern beibringen, dass es wichtig ist auf die Körpersprache der anderen zu achten. So lernen Kinder, wann jemand etwas mit anderen teilen möchte oder wann jemand Hilfe braucht. Spiegelneuronen sind der Schlüssel für die Empathie
  8. Kindern beibringen ihre eigenen Gefühle und die der anderen zu identifizieren.

Spiegelneuronen und die Gefühlsansteckung

Bist du glücklich, wenn dich fröhliche Menschen umgeben? Deprimiert es dich, wenn du mit pessimistischen und negativen Personen zusammen bist? Das ist auf die Gefühlsansteckung zurückzuführen, die durch die Spiegelneuronen erleichtert wird.

Die Gefühlsansteckung ist ein Prozess durch welchen eine Person oder eine Gruppe die Emotionen und das affektive Verhalten einer anderen Person oder Gruppe, durch die bewusste oder unbewusste emotionale Induktion, beeinflusst.

Wir tendieren dazu die Gesten und die Mimik der Leute zu imitieren mit denen wir kommunizieren und in vielen Fällen fühlen wir das, was diese fühlen.

Obwohl sich der Einfluss der Gefühlsansteckung auf persönliche und arbeitsbezogene Beziehungen bestätigt hat, sind wir uns immer noch nicht darüber bewusst, welche Fähigkeit wir eigentlich besitzen. 

Die Spiegelneuronen erlauben uns wortwörtlich das zu spüren, was die andere Person spürt, ihre Emotionen “zu leben”. Spiegelneuronen sind die Basis der Empathie.

Die Empathie ist die Fähigkeit, welche die meisten Menschen besitzen, sich in die Situation einer anderen Person zu versetzen und zu verstehen was sie aus ihrer Perspektive heraus fühlt.

Sie ermöglicht es uns, die anderen als “nicht anders als wir selbst” anzusehen. Ein weiterer Beleg dafür, dass wir soziale Wesen sind. Die Empathie war schon immer grundlegend für das Überleben unserer Spezies, welche ohne die Bindung und den Schutz der anderen nicht in der Lage gewesen wäre zu überleben.

Wie können wir uns die Gefühlsansteckung zu Nutze machen?

Man kann es sich zum Vorteil machen, dass sich Emotionen auf andere übertragen lassen und sich von anderen auf uns übertragen.

  • Glücklicherweise ist Freude ansteckender als Trauer, weshalb es gut ist, sich mit fröhlichen Personen zu umgeben. Traurige oder depressive Person sollte man  deshalb aber nicht vermeiden, denn diese Leute brauchen die Unterstützung und Hilfe von nahestehenden Menschen, um gesunden werden zu können.
  • Imitiere fröhliche und glückliche Menschen. Tu das, was sie machen. Treibe Sport und lache mehr (obwohl du vielleicht keine Lust hast – im Anschluss wirst du dich besser fühlen). 
  • Denke nach bevor du handelst, vor allem dann, wenn du etwas Negatives über jemanden sagen wirst. Sag es auf ruhige und diplomatische Art, denn dein Ärger kann sich leicht auf das Gegenüber übertragen.
  •  

Eine Filmaufnahme aus der Berliner U-Bahn. Siehe hier, wie ansteckend Lachen sein kann:

https://www.youtube.com/watch?v=fM45JMTpkBU

Spiegelneuronen und Kultur

Hat die Kultur in der wir aufwachsen einen Einfluss auf unser Gehirn? Die Frage scheint sich mit “ja” beantworten zu lassen. 

Gemäß einer Studie, die an der Universität von Kalifornien – Los Angeles durchgeführt wurde, reagiert unser Netz an Spiegelneuronen unterschiedlich, je nachdem ob das Gegenüber aus der gleichen Kultur wie man selbst stammt, oder nicht. 

Die Forscher nutzten zwei Schauspieler, einen kaukasischen Amerikaner und einen Nicaraguaner, um einer Gruppe von amerikanischen Teilnehmern einige Gesten zu zeigen. (Amerikanische, nicaraguanische und andere Gesten ohne Bedeutung)

Mithilfe der Magnetresonanztomographie untersuchten die Wissenschaftler die Neuronenaktivität. Dabei zeigte sich, dass die amerikanischen Teilnehmer eine höhere Aktivität der Spiegelneuronen aufwiesen, wenn sie den Amerikaner im Vergleich zu dem Nicaraguaner die Gesten vollführen sahen. Wenn letzerer amerikanische Gesten vorzeigte sank die Aktivität der Spiegelneuronen drastisch.

Hier zeigt sich, dass die Kultur einen messbaren Einfluss auf unser Gehirn hat und sich folglich auch in unserem Verhalten widerspiegelt. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass wir besser darauf vorbereitet sind Personen unseres eigenen Kulturkreises zu verstehen und empathisch mit ihnen zu sein als bei Mitgliedern fremder Kulturen. Das erklärt auch, wieso wir leichter Beziehungen zu Personen aus der gleichen Kultur aufbauen.

Spiegelneuronen, Empathie und Psychopathie

Die Psychopathie ist eine Persönlichkeitsstörung (schwere Form der antisozialen Persönlichkeitsstörung) die sich durch einen oberflächlichen Charme, pathologisches Lügen und eine deutlich verringerte Kapazität Reue oder Empathie zu spüren, auszeichnet.

Es sticht hervor, dass viele psychopathische Personen eine kriminelle Laufbahn einschlagen, aber natürlich nicht alle. Viele sind sozialisiert und führen ein ganz normales Leben.

Aber wenn Psychopathen nicht in der Lage sind Empathie zu verspüren, funktionieren dann ihre Spiegelneuronen? Eine Studie hat dies untersucht.

In der Studie wurde die Gehirnaktivität von zwei Gruppen untersucht. (18 Teilnehmer mit Psychopathie, 26 Gesunde) während sie kurze Videos anschauten. Dabei wurde ein Hand gezeigt, die auf zärtliche, schmerzvolle, soziale Weise eine andere berührte, abwies oder neutral behandelte. Zunächst sahen die Teilnehmer das Video, anschließend erhielten sie die Instruktion, sich in die Lage der Person zu versetzten und zu versuchen, das zu spüren, was die Person spürt. Im dritten Teil der Studie wurden die Teilnehmer mit einem Lineal auf die Hand geschlagen, um die Gehirnregion zu lokalisieren, die bei Schmerzen aktiviert wird.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Gruppe der Personen mit Psychopathie nur dann eine Reaktion der Spiegelneuronen zeigte, wenn diese die Instruktion erhielten, empathisch zu sein. Dann zeigte sich ein Aktivierungsmuster der Spiegelneuronen, das genauso stark wie bei der Gruppe der Gesunden war. Ohne Instruktion jedoch, zeigten sie eine sehr geringe Aktivierung der Gehirnregionen, die mit Schmerzen assoziiert sind.

Daraus kann man schließen, dass Menschen mit Psychopathie nicht empathielos sind, sondern so etwas wie einen Schalter haben, der die Empathie aktiviert und deaktiviert. Dabei scheint diese normalerweise deaktiviert zu sein.

Spiegelneuronen und Autismus

Personen mit Autismus haben neben weiteren Symptomen einen verspäteten Spracherwerb und Probleme in der Emotionserkennung. Für sie ist es schwierig ihre eignen Gefühle und die Gefühle anderer Menschen zu erkennen.

Deshalb wurde in der Wissenschaft angenommen, dass bei Personen mit Autismus das System der Spiegelneuronen “kaputt” ist. Mittlerweile weiß man, dass dem nicht so ist. Das System ist nicht kaputt, es ist jedoch in seiner Entwicklung verzögert. Während die meisten von uns eine sehr hohe Aktivierung der Spiegelneuronen in der Kindheit haben, ist diese Aktivierung bei Kindern mit Autismus viel schwächer. Diese Aktivität steigt aber mit dem Alter bei Menschen mit Autismus an.

Andere Studien jedoch zeigen, dass diese Neuronengruppe bei Kindern mit Autismus nicht weniger aktiviert ist. Wenn das Experiment mit Personen durchgeführt wird, welche die Kinder kennen, ist die Aktivität ihrer Spiegelneuronen ganz normal.

Vielen Dank fürs Lesen! Bei Fragen oder Anregungen kann gerne ein Kommentar hinterlassen werden.

Übersetzt aus dem Spanischen. Original: Andrea García Cerdán, Psychologin bei CogniFit.

Referenzen:

Molnar-Szakacs, I., Wu, A. D., Robles, F. J., & Iacoboni, M. (2007). Do you see what I mean? Corticospinal excitability during observation of culture-specific gestures. PLoS One, 2(7), e626.

Meffert, H., Gazzola, V., den Boer, J. A., Bartels, A. A., & Keysers, C. (2013). Reduced spontaneous but relatively normal deliberate vicarious representations in psychopathy. Brain, 136(8), 2550-2562.