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Antisoziale Persönlichkeitsstörung – zur Manipulation geboren?

Manipulativ, gefühlskalt und rücksichtslos, sie überrennt andere Personen und ihre Bedürfnisse geradezu, ohne dabei auch nur die geringste Reue zu empfinden – die antisoziale Persönlichkeitsstörung ist eine anerkannte Persönlichkeitsstörung, die noch weit über das typische Klischee des heimtückischen Managers oder manipulativen Vermögensberaters hinausgeht. Doch wo liegt die Grenze zwischen egozentrisch-berechnend und einer Persönlichkeitsstörung?

Personen mit einer antisozialen Persönlichkeitsstörung sind oft egozentrisch und manipulativ

Antisoziale Persönlichkeitsstörung – Symptome und Diagnose

Besonders auffällig und bezeichnend für die antisoziale Persönlichkeitsstörung – auch dissoziale Persönlichkeit genannt –  ist eine überdauernde Tendenz, mit dem eigenen Verhalten die Rechte anderer zu missachten oder zu verletzen. Mit Rechten sind dabei nicht unbedingt juristische Grundrechte gemeint, sondern es geht vor allem um gesellschaftliche Werte und Normen, die mitmenschliche Interaktionen regeln und den Umgang in sozialen Situationen regulieren.
Diese Tendenz ist in der Regel bereits in der Kindheit erkennbar, indem das Kind schon im Kindergarten oder in der Schule auffällig häufig Regeln missachtet, Unterricht schwänzt, zum eigenen Vorteil lügt, randaliert oder stiehlt.

Die antisoziale Persönlichkeitsstörung zieht sich häufig bis ins Erwachsenenalter durch, wo sie in schwerwiegenderer Kriminalität und Gewalt enden kann, aber nicht muss. Viele antisoziale Persönlichkeiten sind gut sozial eingebettet und sehr erfolgreich, da sie risikofreudig sind und es ihnen aufgrund ihrer Rücksichtslosigkeit nicht schwerfällt, andere Personen zu manipulieren oder zu übergehen. Dies wird dadurch erleichtert, dass betroffene Personen durchaus sehr charmant sein können, wenn es ihrem Vorteil dient, und die Emotionen anderer leicht wahrnehmen, auch wenn ihr eigenes Gefühlsspektrum eher beschränkt ist.

Im DSM-V, einem Klassifikationssystem von psychischen Störungen, ist die antisoziale Persönlichkeitsstörung dem 2. Teilbereich B zugeordnet, welcher dramatische und emotionale Persönlichkeitsstörungen beschreibt. Die hier klassifizierten Merkmale der antisozialen Persönlichkeitsstörung, von denen mindestens 3 zur Diagnose der Störung erfüllt sein müssen, lauten wie folgt:

  • Verletzung der Rechte anderer; hiermit ist vor allem die fehlende Rücksicht auf gesellschaftliche Normen und Regeln gemeint
  • Impulsivität oder Versagen, vorausschauend zu planen
  • mangelndes Verantwortungsbewusstsein, Verantwortungslosigkeit vor allem in Bezug auf finanzielle, berufliche oder soziale Verpflichtungen
  • Gefühllosigkeit, fehlende Reue
  • Reizbarkeit, erhöhte Aggressivität und häufige Beteiligung bei körperlichen Übergriffen
  • Rücksichtslosigkeit, keine Beachtung der Gefühle, Rechte und Sicherheit anderer Menschen
  • Falschheit, in der Regel ausgedrückt durch wiederholtes Lügen, falschen Identitäten oder Manipulation anderer zum eigenen Vorteil

Charakteristisch ist für Personen mit einer antisozialen Persönlichkeitsstörung, dass sie lediglich ihren eigenen Vorteil zu erfüllen versuchen. Sie empfinden kaum Schuldgefühle, wenn sie sich über Normen hinwegsetzten und andere Menschen dabei vor den Kopf stoßen, da sie sich kaum für die Empfindungen anderer verantwortlich fühlen – auch, wenn sie mit ihrem Verhalten erst für diese Empfindungen sorgen.

Nicht jeder, der ab und zu aufgrund einer rücksichtsloseren und manipulativeren Art sozial aneckt, leidet aber unter einer antisozialen Persönlichkeitsstörung.

Derzeit schätzt man, dass etwa 3% aller Männer und ca. 1% der Frauen die genannten Symptome ausreichend erfüllen und an einer antisozialen Persönlichkeitsstörung leiden. Besonders hoch ist die Konzentration antisozialer Persönlichkeiten aufgrund ihrer Reizbarkeit und der niedrigen Aggressionsschwelle unter Gefängnisinsassen; verschiedene Studien schätzen, dass zwischen 25 und 40% der Strafgefangenen darunter leiden.

Doch woher kommt diese extreme Ausprägung der Symptome überhaupt, die so weit geht, dass sie sogar als Persönlichkeitsstörung anerkannt ist?

Wie entsteht eine antisoziale Persönlichkeitsstörung?

Es gibt verschiedene Theorien, die die Entstehung einer antisozialen Persönlichkeitsstörung zu erklären versuchen. Die wahrscheinlichste und umfassendste Erklärung bietet dabei das Zusammenspiel von biologischen, sozialen/umweltbezogenen und psychischen Faktoren.

Verschiedene Untersuchungen legen nahe, dass die antisoziale Persönlichkeit genetisch beeinflusst zu sein scheint. Eine große Rolle wird hier dem sogenannten MAO-A-Gen zugesprochen, welches das Vorkommen verschiedener Stoffe wie Serotonin, Dopamin und Noradrenalin im Gehirn reguliert. Liegt dieses Gen in einer besonders schwachen Form vor, so kann es vermehrt zur Entwicklung einer antisozialen Persönlichkeitsstörung kommen.
Weiterhin stellten einige Forscher die These auf, dass Personen mit einer antisozialen Persönlichkeit Anomalien im Gehirn, vor allem im Frontalhirn, aufweisen. Diese Anomalien betreffen unter anderem das limbische System, die Amygdala, den Hippocampus und weitere Bereiche des Frontalhirns.
Familiäre Häufung spricht ebenfalls für einen genetischen Einfluss auf die antisoziale Persönlichkeitsstörung, da sie oft gehäuft bei mehreren Personen innerhalb einer Familie auftritt und auch Zwillingsstudien einen starken genetischen Einfluss bestätigen.

Diese familiäre Häufung und genetische Basis scheint durch Risikofaktoren aus der Umwelt weiter begünstigt zu werden. Es gibt demnach einige Umweltfaktoren, die die Entstehung einer antisozialen Persönlichkeitsstörung fördern. Dazu zählen unter anderem Missbrauch, elterliche Vernachlässigung und geringe Erziehungskompetenz, sowie das Aufwachsen in einer eher kriminellen Umwelt. Diese Umweltfaktoren können über Lernprozesse und Imitation dazu führen, dass das Kind eine antisoziale Persönlichkeit entwickelt. Mangelnde Liebe und Zuwendung in der Kindheit führt gemäß einiger psychoanalytischer Theorien dazu, dass kein Grundvertrauen zu anderen Menschen aufgebaut wird und deswegen kaum Beziehungen, Emotionen oder Mitgefühl entwickelt werden. Empfindungen anderer Menschen werden daher ebenso übergangen, wie die eigenen Gefühle in der Kindheit übergangen wurden.

Einige Forscher klassifizieren die antisoziale Persönlichkeitsstörung oft als eine Unterform der Psychopathie, wobei die beiden nicht identisch sind, sondern durchaus zu unterscheiden sind, da die Psychopathie eine noch sehr viel ausgeprägtere Form der antisozialen Persönlichkeit darstellt und noch weitere Diagnosekriterien enthält.

Die antisoziale Persönlichkeitsstörung tritt häufig zeitgleich mit anderen Störungen auf und geht oft mit Alkohol– und Drogenkonsum einher.

Therapie der antisozialen Persönlichkeitsstörung

Wie vorher erwähnt, findet sich ein Teil der Personen mit antisozialen Persönlichkeitsstörungen im Gefängnis wieder – dies ist für die Behandlung der Störung jedoch keine gute Alternative. Das einfache Wegsperren der Betroffenen hilft ihnen nicht zu lernen, wie sie mit ihren Charakterzügen umgehen können. Da Betroffene grundsätzlich wenig Reue empfinden bringen negative Erfahrungen, die aus dem gezeigten Verhalten resultieren, in der Regel keinerlei Lerneffekte mit sich, sondern erhöhen lediglich die mit der Störung einhergehende Aggression.
Bisher sind kaum Psychopharmaka bekannt, die bei dieser Störung zuverlässig und dauerhaft wirken.

Die Therapie der antisozialen Persönlichkeitsstörung gestaltet sich grundsätzlich als schwierig, da die Betroffenen – gegeben durch die Natur und die Merkmale der Störung – schlecht mitarbeiten, impulsiv und aggressiv reagieren, eine schlechte Compliance und hohen Widerstand gegen eine Therapie aufbringen und nur selten selbst eine Krankheitseinsicht zeigen – sie schätzen ihr Verhalten selbst eher als sehr normal und angemessen ein. Personen mit antisozialer Persönlichkeitsstörung haben daher in der Regel wenig Motivation, sich überhaupt für eine Therapie anzumelden – sie werden eher z.B. vom Arbeitgeber oder vom Gefängnispersonal dafür eingetragen –  geschweige denn dabei aktiv mitzuarbeiten.

Ist eine Person mit antisozialer Persönlichkeit doch willig, sich in therapeutische Behandlung zu begeben, ist vor allem Verhaltenstherapie, gezielt ausgerichtet auf spezifische Bereiche, sinnvoll, um die Persönlichkeitseigenschaften der Betroffenen langfristig zu modifizieren, Verhaltensmuster zu durchbrechen und so aggressive und gewalttätige Tendenzen zu reduzieren, damit ein besseres Sozialleben möglich ist. Diese spezifischen Bereiche umfassen zum Beispiel Trainings zu Aggressions – und Ärgerkontrolle, Problemlösetraining, Empathietraining und ethisches Training, um die soziale Kompetenz zu verbessern. Das Ziel ist hierbei ebenfalls, den Betroffenen alternative Handlungsmöglichkeiten nahezulegen, auf die sie in kritischen Situationen zurückfallen können.

Der Therapieerfolg ist daher abhängig von der Motivation der betroffenen Person, der Ausprägung der Störung, und der Art der Therapie – im Gegensatz zu vielen anderen psychischen Krankheiten und Störungen sind die Ergebnisse einer Therapie der antisozialen Persönlichkeitsstörungen jedoch leider von wenig Erfolg gekrönt.

Entwicklungsstufen nach Piaget – Entwickelt sich mein Kind seinem Alter entsprechend?

Woher weiß ich, ob mein Kind seinem Alter entsprechend gewisse Fähigkeiten entwickelt? Wie denken Kinder und was sind die Phasen ihrer Entwicklung? Ist es normal, dass sie sprachliche oder logische Fehler machen? Die Entwicklungsstufen nach Piaget erklären die Phasen der Kindesentwicklung auf verständliche Art und Weise. Finde in diesem Post heraus, ob dein Kind sich seinem Alter entsprechend entwickelt. Wir klären all deine Zweifel!

Piagets Theorie: Entwicklungsstufen von Kindern

Piaget ist aufgrund seiner Erkenntnisse über die Kindheit und die Intelligenzentwicklung von Kindern einer der berühmtesten Psychologen der Geschichte. Sein Leben lang widmete er sich der Erforschung der verschiedenen Wachstumsphasen und wie sich in diesen Phasen unsere Lern-, Denk- und kognitiven Entwicklungsmodelle verändern. Dieser Artikel erläutert die Theorie Piagets zu den Entwicklungsstufen und bietet eine Erklärung zu den verschiedenen Phasen der Kindesentwicklung.

Piaget: Theorie

Piagets Theorie besagt, dass Kinder gemäß ihres Intellekts und ihrer Fähigkeit, reife Beziehungen wahrzunehmen, spezifische Phasen durchlaufen. Diese Phasen der Kindesentwicklung treten bei jedem Kind in jedem Land in einer festen Reihenfolge auf. Allerdings kann das Alter in welchem die Phasen auftreten von einem Kind zum anderen leicht variieren.

Es kommt häufig vor, dass Kinder in jungen Jahren sich nicht so in andere einfühlen können, wie es ein Erwachsener machen würde und “egozentrisch denken”. Dies tun sie ihrem Alter und Fähigkeiten entsprechend, genauso wie es normal ist, dass Kinder Fehler begehen.

In der Kindheit findet eine natürliche Entwicklung statt, bei der die Kinder “zu denken beginnen”, oder besser gesagt, mit der Welt, in der sie leben, zu interagieren. Das bedeutet eine Reihe von Entwicklungsveränderungen im Leben des Kindes, gekennzeichnet durch Phasen während der gesamten Kindheit, von der Geburt an bis zur Präadoleszenz. Diese Phasen, in denen sie gewisse Fertigkeiten entwickeln, sind gegenwärtig in die “Entwicklungsstufen von Piaget” unterteilt.

Was ist Piagets Theorie? Jean Piaget (schweizer Psychologe und Biologe) führte zahlreiche Studien zur Kindheit durch und teilte diese in Phasen ein, sogenannte Stadien. Piagets Theorie nimmt an, dass sich die Entwicklung des Kindes in entsprechende Phasen unterteilen lässt, die vom Alter des Kindes abhängen.

Piagets Stadien beschreiben eine Gesamtheit an relevanten Gegebenheiten im frühkindlichen Entwicklungsprozess. Beispielsweise kann die Sprechweise, die Kinder benutzen, mit dem Alter sehr stark variieren (Gebrabbel, erfundene Wörter, Pseudo-Wörter, in der dritten Person von sich selbst sprechen …), genau wie die Art des Denkens (egozentrisches Denken, bei dem alles sich um das dreht, was das Kind sieht oder glaubt), oder auch körperliche Fertigkeiten (Reflexe benutzen, krabbeln, dann gehen, laufen …). Diese komplette Entwicklung findet in den Stadien von Piaget kontinuierlich und fortschreitend in einem ungefähren Altersabschnitt statt.

Die Grundannahmen Piagets. Als Basis seines Entwicklungsmodells geht Piaget davon aus, dass wir Menschen mit zwei grundlegenden Tendenzen auf die Welt kommen. Die erste dieser beiden Tendenzen ist die Adaptation, sprich unsere Anpassungsfähigkeit an die Umwelt. Diese Fähigkeit gliedert sich wiederum in zwei komplementäre Prozesse: die Assimilation, hier verändert man die Umwelt um diese an die eigenen Wünsche und Bedürfnisse anzupassen und die Akkommodation, bei der das eigene Verhalten an die Umwelt angepasst wird. Laut Piagets Theorie streben alle Menschen danach durch Assimilation und Adaptation ein Gleichgewicht zwischen sich und ihrer Umwelt herzustellen um harmonisch leben zu können. Die zweite Tendenz die Piaget als Basis seiner Theorie postuliert ist die Organisation, bei der die eigenen Prozesse in kohärente Systeme integriert werden. Das bedeutet beispielsweise, dass ein Kleinkind nachdem es die Augen-Hand-Koordination gelernt hat, Beobachtungen und Handlung in ein System integrieren kann und nach etwas bestimmtem greift, während es danach schaut. Dies ist ein Prozess den Kinder erst erlernen müssen, Neugeborene können diese Integration noch nicht. Diese Annahmen bilden die Basis des Lernens und somit die Grundsteine für die Entwicklungsstufen Piagets.

Tritt in Piagets Theorie jede Entwicklungsphase oder jedes Entwicklungsstadium in einem exakten Moment auf?

Nein, sie müssen nicht in einem exakten Moment auftreten, aber wir können davon ausgehen, dass es sensible Zeiträume in jedem Alter gibt, in denen es wahrscheinlicher und üblicher ist, dass sich bestimmte Fähigkeiten entwickeln können. Es ist wahrscheinlicher, dass sich eine bestimmte Fähigkeit in einem bestimmten Alter entwickelt, zum Beispiel beim Spracherwerb wären das die ersten Worte, wenn das Kind in etwa 1 Jahr alt ist, aber die Sprache wird sich bis zum siebten Lebensjahr nicht vollständig entwickeln und auch dann noch einen beschränkten Wortschatz besitzen, der in den folgenden Jahren ansteigen wird.

Entwicklungsstufen des Kindes nach der Theorie von Piaget

Piaget schlug 4 Entwicklungsstufen von Kindern vor: 1. Stadium der sensomotorischen Intelligenz (Kinder von 0-2 Jahren), 2. Stadium der präoperationalen Intelligenz (Kinder von 2-7 Jahren), 3. Stadium der konkret-operationalen Intelligenz (Kinder von 7-11 Jahren), 4. Stadium der formal-operationalen Intelligenz (Kinder und Jugendliche ab 11 Jahren, bis ungefähr 19 Jahre). Im Folgenden beschreiben wir die Entwicklungsstufen von Piaget näher.

1. Kindesentwicklung: Stadium der sensomotorischen Intelligenz (Kinder von 0-2 Jahren)

Dieses Entwicklungsstadium Piagets zeichnet sich dadurch aus, dass das Kind ein Verständnis für seine Umwelt, in der es sich bewegt, entwickelt. Es koordiniert die sensorische Erfahrung mit seiner körperlichen Bewegung, diese Prozesse werden im Gehirn integriert. In diesem Zeitraum ereignet sich eine Weiterentwicklung der angeborenen Reflexe.

  • Es ist erwiesen, dass Kinder in diesem Alter eine Vorliebe für bunte Reize haben, die glänzen, sich bewegen und hohe Kontraste aufweisen.
  • Außerdem bilden sie Konzepte, indem sie ein Ereignis mit ihrem eigenen Körper nachzuahmen versuchen, zum Beispiel, indem sie ein Geräusch machen, während sie auf ein Spielzeug schlagen, einen Gegenstand werfen, oder an einer Decke ziehen um an einen Gegenstand, der auf der Decke ist, zu gelangen, etc. In diesem Alter ahmen die Kinder auf zufällige Art und Weise Ereignisse nach und experimentieren so mit ihrem eigenen Körper und es schärfen sich die Sinne.
  • Erster Kontakt des Babys mit der Sprache: Der erste Kontakt des Babys mit der Sprache findet im Mutterleib statt, während der Schwangerschaftsmonate beginnt es, sich an die elterlichen Stimmen zu gewöhnen. Untersuchungen belegen, dass sie den Klang der menschlichen Stimme in ihren ersten Lebenstagen allen anderen Geräuschen vorziehen. Es ist verwunderlich wie sehr sie an Sprache gewöhnt sind, denn von dem Moment an, in dem das Baby zur Welt kommt, hat es die erstaunliche Fähigkeit den Klang der Stimme zu erkennen. Untersuchungen von Casper und Spence zeigten außerdem, dass sich die Kinder besonders von der Sprechweise ihrer Mutter angezogen fühlen, die sie identifizieren, bevor sie die Stimme von Fremden erkennen.
  • Wie kommunizieren Kinder von 0 bis 2 Jahren? Direkt nach der Geburt ist die beste Art der Kommunikation des Babys das Weinen, da es keine anderen Laute von sich geben kann (es ist körperlich nicht dafür ausgestattet). Während der ersten Monate benutzt es unbeabsichtigt prälinguistische Ausdrücke durch Lächeln und Weinen, die später zielgerichtet werden, wenn sie lernen, diese zur Kommunikation zu nutzen. Auf alle Fälle interpretieren die Eltern, was das Kind macht, wenn es weint oder lächelt, und so findet eine erste nicht beabsichtige Kommunikation vom Baby aus statt. Mit etwa 6 Monaten kommt das erste Gebrabbel mit Konsonant-Vokal, zum Beispiel “bababa”. Die ersten flüssigen Worte bringt das Baby hervor, wenn es ungefähr 12 Monate alt ist.

2. Kindesentwicklung: Stadium der präoperationalen Intelligenz (Kinder von 2-7 Jahren)

Dies ist die zweite Entwicklungsstufe von Piagets Theorie. Ab 3 Jahren geschieht etwas Wichtiges im Leben des Kindes, die Einschulung bzw. die Aufnahme in den Kindergarten. Dies setzt eine sehr wichtige soziale Komponente voraus.

  • Das Kind beginnt mit anderen, besonders Gleichaltrigen, in Beziehung zu treten, da vor diesem Moment seine einzigen Beziehungen die zur Familie waren.
  • Wie kommunizieren die Kinder von 2 bis 7 Jahren? Obwohl zwischen 3 und 7 Jahren eine riesige Steigerung des Wortschatzes stattfindet, werden die Kinder in der frühen Kindheit durch ein “egozentrisches Denken” gelenkt, das heißt, das Kind denkt auf seine individuellen Erfahrungen bezogen, was verursacht, dass sein Denken noch statisch, intuitiv und nicht logisch ist. Deshalb kommt es häufig vor, dass Kinder bis 6 Jahre sowohl beim Interpretieren als auch beim Ausdrücken eines Ereignisses Fehler machen.
  • In der dritten Person zu sprechen während von sich selbst gesprochen wird ist ganz normal in dieser Phase, denn das “Ich”-Konzept, das es von dem Rest der Welt trennt, ist noch nicht ganz definiert.
  • Kinder in diesem Alter, zwischen 2 und 7 Jahren, sind sehr neugierig und lernfreudig, deshalb fragen sie ihre Eltern oft nach dem “Warum”.
  • In dieser Phase schreiben Kinder Gegenständen menschliche Gefühle oder Gedanken zu. Dieses Phänomen nennt man Animismus.

Das “egozentrische Denken” nach Piagets Theorie: Warum können sich die Kinder in dieser Entwicklungsstufe nicht in andere hineinversetzen? Diese Tatsache hängt mit der “Theory of Mind” zusammen, die sich auf die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen bezieht. Kinder haben diese Fähigkeit bis zum Alter von 4 oder 5 Jahren nicht. Deshalb denkt das Kind bis zu diesem Alter, dass “die anderen genau so wie es selbst sehen und denken”. Diese Theorie hilft uns zu erklären, warum Kinder bis 5 Jahre nicht lügen oder Ironie benutzen können.

Jede dieser Beschränkungen im prä-logischen Stadium wird nach dem 6. oder 7. Lebensjahr in der nächsten Entwicklungsstufe überwunden und festigt sich bis zum Alter von 14 oder 15 Jahren.

3. Kindesentwicklung: Stadium der konkret-operationalen Intelligenz (Kinder von 7-11 Jahren)

In diesem vorletzten Stadium von Piagets Entwicklungsstufen beginnen die Kinder logisches Denken in konkreten Situationen anzuwenden. In dieser Phase können sie Aufgaben, wie mathematische Vorgänge, auf komplexerem Niveau anhand von Logik ausführen. Nichtsdestotrotz, obwohl sie große Fortschritt im Vergleich zum prä-logischen Stadium gemacht haben, können sie in diesem Entwicklungsstadium die Logik nur mit gewissen Begrenzungen anwenden: Das Hier und Jetzt ist immer einfacher für sie. Das abstrakte Denken wird in diesem Alter noch nicht genutzt. Das bedeutet, es ist weiterhin kompliziert für Kinder in diesem Alter Kenntnisse auf ein Thema anzuwenden, dass sie nicht kennen.

4. Kindesentwicklung: Stadium der formal-operationalen Intelligenz (Kinder und Jugendliche ab 11 Jahren)

Diese letzte Phase der Entwicklungsstufen von Piaget zeichnet sich durch den Erwerb des logischen Denkens unter allen Umständen, inklusive des abstrakten Denkens, aus.

  • Die Neuheit in dieser letzten Phase im Bezug auf die Intelligenz des Kindes ist, wie Piaget hervorhebt, die Möglichkeit Hypothesen aufzustellen über etwas, was sie nicht konkret so gelernt haben.
  • Hier beginnt sich das Lernen als “ein Ganzes” zu etablieren, und nicht, wie im vorherigen Stadium, auf eine konkrete Art und Weise.

Phasen der Kindesentwicklung nach Piaget

Laut Piaget Verzögerung in der Entwicklung meines Kindes – Muss ich mir Sorgen machen?

  • Zuallererst: Geduld. Es ist wahr, dass es sensible Phasen für den Spracherwerb (entdecke hier die Vorteile von Zweisprachigkeit) gibt, genau wie für andere Arten von Fähigkeiten, wie Motorik, kognitive Entwicklung, Lesen etc. Aber nach Piagets Theorie darf man nicht vergessen, dass alles nach einem kontinuierlichen Prozess abläuft, der sich nach und nach bildet. Dabei können manche Kinder etwas länger brauchen um etwas zu lernen, andere hingegen etwas frühreif sein. Obwohl dies nur eine Zusammenfassung von Piagets Theorie ist und den verschiedenen Phasen der Kindesentwicklung, muss angemerkt werden, dass das angegebene Alter nur ein Richtwert ist um statistische Vergleiche anstellen zu können. Manchmal brauchen Kinder etwas länger, um eine Fähigkeit zu erlernen, dies muss keine negativen Konsequenzen zur Folge haben.
  • In anderen Fällen, wenn das Kind zum Beispiel eine längere Zeit nach der Einschulung wirklich Schwierigkeiten bei der Kommunikation, beim Spielen oder beim generellen Zurechtkommen mit den anderen hat oder auch sich auf eine ganz andere Weise Kenntnisse aneignet, als die anderen, ist es angebracht, das Kind zu einem Spezialisten zu bringen (Psychologe sowohl in der Schule als auch außerhalb und Kinderarzt zur Orientierung).
  • Sollte das Kind aber weder Probleme haben noch Pathologien aufweisen, sondern einfach etwas länger brauchen oder Schwierigkeiten in einem bestimmten Bereich haben, ist es wichtig das Kind zuhause und in der Schule zu motivieren und ihm die Hilfe zu bieten, die es braucht. Wenn das Kind länger braucht um seine Aufgaben zu erledigen oder in gewissen Momenten Schwierigkeiten hat oder seine Entwicklung nicht genau mit den Entwicklungsstufen von Piaget übereinstimmt, kein Grund zur Panik. Das bedeutet keinesfalls, dass das Kind in der Zukunft Probleme haben wird oder seine Fähigkeiten nicht erfolgreich ausbilden wird, wenn es dabei Hilfe bekommt und sich anstrengt.
  • Denk daran, dass ein dreijähriges Kind nicht lügen kann (daher kommt die Redensart “Kindermund tut Wahrheit kund”), sie teilen nur ein Stückchen ihrer Weltsicht mit, von “ihrem eigenen Fenster” aus. Deswegen ist es wichtig zu verstehen, dass sie keine Erwachsenen sind und erst lernen müssen sich in einer Welt zurechtzufinden in der sie Schritt für Schritt immer unabhängiger werden. Aber von Geburt machen Kinder große Fortschritte um etwas Neues zu lernen, und wir Erwachsenen sollten alles dafür tun um mehr über ihre Welt lernen und ihnen dabei zu helfen, voranzukommen und jede Hürde zu meistern.
  • Dabei können Eltern auch das Selbstwertgefühl ihrer Kinder fördern und ihnen so zu einer starken Persönlichkeit helfen.

Piagets Theorie der Entwicklungsstufen beschreibt neben der sehr vollständigen Erklärung der verschiedenen Entwicklungsstadien von Kindern auch die Magie die von Kindern ausgeht, mit ihrem egozentrischen Denken, ihrer Neugierde auf ihre Umwelt und ihre Unschuld. All dies sollte uns dazu anregen darüber nachzudenken, dass wir Erwachsenen lernen sollten, Kinder zu verstehen, zu unterstützen, zu motivieren und jede Phase mit ihnen zu genießen.

 

Quelle: Eva Rodriguez Weisz, Psychologin bei CogniFit.