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Nucleus accumbens: Funktionen, Anatomie, assoziierte Störungen,…

Der Nucleus accumbens ist eine Gehirnstruktur, die Teil des Belohnungs- und Lustzentrums ist. Sie ist für die Aktivierung unserer Motivation zuständig und macht es möglich, dass wir unseren Willen in die Tat umsetzen können. Sie spielt eine entscheidende Rolle beim Lernen, dem Gedächtnis, dem Lachen, der Angst, der Aggression, Abhängigkeiten, dem Placebo-Effekt, dem Sex, der Verdauung, usw. Entdecke im Folgenden alles über den Nucleus accumbens: Was diese Struktur ist, welche Funktionen sie hat, ihre Anatomie, Störungen die mit ihr assoziiert sind und vieles mehr. 

Nucleus accumbens: Anatomie und Funktionen

Was ist der Nucleus accumbens? Definition

Er ist ein Gehirnorgan welches an Funktionen wie der Motivation, der Belohnung oder der positiven Verhaltensverstärkung beteiligt ist.

Die Aufgabe des Nucleus accumbens ist es die Motivation und die motorische Ausführung zusammenzuführen. Seine Funktion ist die Umwandlung motivationaler Information, um so die motorischen Handlungen zu aktivieren (Diese sind notwendig, um eine bestimmtes Ziel oder eine gewünschte Belohnung zu erreichen).

Ein Ungleichgewicht der Aktivität des Nucleus wird mit vielen verschiedenen psychiatrischen und neurologischen Störungen in Verbindung gebracht wie der Depression, der Zwangsstörung, der bipolaren Störung, der Angststörung, dem Morbus Parkinson, der Krankheit Corea Huntington, Übergewicht oder auch Drogenabhängigkeit.

Wie wird der Nucleus accumbens aktiviert? Mithilfe von natürlichen positiven Verhaltensverstärkern, wie beispielsweise eine gesunde Ernährung, Geschlechtsverkehr, Geld, usw… Es werden die Neuronen des Nucleus aktiviert, wodurch automatisch Dopamin ausgeschüttet wird, was zu einer unmittelbaren Befriedigung führt.

Zu dieser Reaktion kommt es jedoch nicht nur durch natürliche positive Verhaltensverstärker, diese kann auch durch den wiederholten Konsum von Drogen (Kokain, Heroin, Nikotin, Ecstasy, usw…) ausgelöst werden. 

Grundlegende Neurobiologie des Nucleus accumbens 

Anatomie und Struktur. Dieses Hirnorgan befindet sich im unteren basalen Vorderhirn. Jede Hemisphäre besitzt einen Nucleus accumbens. Diese Struktur ist Teil der Basalganglien und erhält Verbindungen aus dem Area tegmentalis ventralis, welche für die Dopaminproduktion verantwortlich ist.

Anatomisch betrachtet setzt sich der Nucleus accumbens aus zwei Komponenten zusammen: Der Schalenregion (the shell) und der Kernregion (the core). Die Funktionen dieser beiden Teile sind unterschiedlich. Während die Schale mehr mit dem limbischen System (den Emotionen) verbunden ist, hat der Kern eine Verbindung zum motorischen System (die Ausführung der motorischen Handlungen). Diese Bereiche sind bei Nagetieren jedoch weitaus mehr differenziert als bei uns Menschen.

1. Die Schalenregion (Shell)

Der als Schale bezeichnete Bereich besitzt eine erhöhte Anzahl neuronaler Verbindungen, welche diesen Bereich mit anderen Hirnregionen, wie dem limbischen System oder dem Hippocampus vernetzen. Sowohl das limbische System als auch der Hippocampus sind dafür verantwortlich Dopamin, Serotonin und Glutamat zu empfangen. Aus diesem Grund ist die Schalenregion der Teil des Nucleus accumbens, der mit den Emotionen verbunden ist.

Außerdem enthält die Schalenregion ebenfalls wichtige neuronale Verbindungen die vom Frontallappen kommen, die dafür zuständig sind die vom Thalamus gesammelte Information zum zentralen Punkt des Nucleus zu leiten.

2. Kernregion (Core)

Der als Kern bezeichnete Teil zeichnet sich durch Funktionen aus, die hauptsächlich mit der Motorik verbunden sind. Die Kernregion (Core) ist mit den Basalganglien, der Substantia nigra und dem Motorkortex verbunden. Diese Hirnregionen werden in dem Moment aktiviert, in dem eine Handlung mit emotionalem Inhalt ausgeführt wird, die darauf abzielt ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Funktionen des Nucleus accumbens 

Die anatomische Struktur des Nucleus accumbens weist auf seine Funktion hin: die limbisch-motorische Integration. 

  • Emotionen: Der Nucleus erhält Verbindungen aus Bereichen des Gehirns, welche mit den Emotionen zusammenhängen, wie der Amygdala und dem Hypothalamus.
  • Gedächtnis und motorische Areale: Ebenfalls verbindet er sich mit dem Gedächtnis und den motorischen Arealen.

All dies verwandelt ihn in ein grundlegendes Organ für das Erlernen von Verhaltensweisen, die zu positiven Gefühlen führen oder durch welche negative Erfahrungen vermieden werden können.

1- Nucleus accumbens: Das Dopamin und seine Funktion im Belohnungssystem

Die bekannteste Funktion des Nucleus accumbens ist seine zentrale Rolle im Belohungssystem. Wenn wir angenehme Aktivitäten ausführen, wie beispielsweise zu essen oder sexuelle Handlungen auszuführen, werden unter anderem die Dopaminneuronen im Area tegmentalis ventralis aktiviert. Diese Neuronen steigern die Menge des Dopamins im Nucleus, was das Glücksgefühl hervorruft.

Die Verbindung zwischen angenehmen Erfahrungen und der Konzentration des Dopamins im Nucleus accumbens lies Neurowissenschaftlicher über lange Zeit glauben, dass die grundlegende Funktion dieses Organs die Belohnung ist und diese Hirnregion dementsprechend bei Prozessen wie der Abhängigkeit eine Rolle spielt. Auch heute noch wird der Nucleus accumbens als Belohungszentrum des Gehirns angesehen.

Doch durch diese Studie hat man entdeckt, dass er sowohl mit positiven als auch aversiven Reizen in Zusammenhang steht. Laut dieser Studie steigt die Dopaminkonzentration im Nucleus accumbens bei positiven Verstärken und sinkt drastisch ab, wenn aversive Reize wahrgenommen werden.

Dementsprechend ist der Dopaminkreislauf sowohl bei der Speicherung der Information von positiven als auch negativen Umweltreizen involviert. Dies ermöglicht es uns zu merken, wie wir positive Erfahrungen wiederholen und negative vermeiden können.

Aus diesem Grund spielt der Nucleus accumbens eine so wichtige Rolle bei Lernprozessen. Dank diesen Organs sind wir in der Lage Verbindungen zwischen dem was uns Freude oder Schmerzen bereitet herzustellen, um anschließend das eine zu vermeiden und das andere aktiv zu suchen.

2- Nucleus accumbens und der Placebo-Effekt

Gemäß einer Studie, könnte der Nucleus accumbens eine zentrale Rolle beim Placebo-Effekt spielen.

Der Placebo Effekt bezeichnet die psychische Erfahrung einer gesundheitlichen Verbesserung nachdem eine Substanz, Behandlung oder Operation appliziert wurde, die keinerlei Effekt besitzt (wie die Homöopathie und andere Pseudotherapien). Es kommt aber bei den Betroffenen zu einem realen Nutzen.

Dieser Effekt ist so stark, dass er bei Medikamentenstudien eine Variable darstellt, die genau kontrolliert werden muss.

In der besagten Studie wurde mit gesunden Probanden die Funktion des Nucleus accumbens im Zusammenhang mit dem Placebo-Effekt untersucht. Dabei konnte die Ausschüttung von Dopamin im Nucleus während der Verabreichung eines Placebo-Präparats nachgewiesen werden.

Die Wissenschaftler fanden ebenfalls heraus, dass mehr Dopamin ausgeschüttet wurde, wenn die Teilnehmenden im Vorhinhein die positiven Effekte der Substanz erwarteten. In diesem Fall verspürten sie auch eine größere Verbesserung.

3- Nucleus accumbens und die Verbindung zur Liebe und Bindung

Die grundlegende Funktion des Belohnungssystems und des Nucleus accumbens ist es, überlebenswichtige Verhaltensweisen wie die Nahrungsaufnahme, Geschlechtsverkehr und die Bindung zu garantieren. Obwohl dieses Hirnareal auch bei anderen Verhaltensweisen aktiviert wird, sind dies die primitivsten Funktionen.

Aus diesem Grund ist eine Aufgabe des Nucleus accumbens die Generierung von Genuss und Bindung in affektiven Beziehungen. Der Nucleus accumbens spielt bei der Bildung von affektiven Beziehungen und bei der Liebe (Familie, Freunde oder Partnerschaft) eine Rolle und wird auch dann aktiviert, wenn wir zurückgewiesen werden. Wir Menschen sind soziale Wesen und brauchen einander, weshalb es sehr wichtig ist ein solides Unterstützungsnetz zu besitzen. Der Nucleus accumbens hilft uns dabei. Seine Aktivierung versucht ebenfalls zu verhindern, dass wir uns von denen trennen (sowohl räumlich als auch psychisch) die wir lieben.

Bereits beim Betrachten eines Fotos einer nahestehenden Person (Familienmitglied, Partnerin oder Freundin) steigt die Aktivierung des Nucleus accumbens.

Laut einer Studie ist der Nucleus accumbens zusammen mit dem orbifrontalen Kortex dafür verantwortlich die möglichen Gewinne und Verluste, welche die Liebe und die Abneigung mit sich bringen bewertet.

Bei der romantischen Liebe steigt die Dopaminkonzentration im Nucleus, wenn wir mit einer Person zusammen sind, die wir anziehend finden. Das führt dazu, dass wir mehr Zeit mit ihr verbringen wollen und wir Freude und Zufriedenheit durch die reine Anwesenheit dieser Person verspüren. Dieses Phänomen ermöglichte evolutionär gesehen den Erhalt der Spezies.

4- Nucleus accumbens und die Rolle bei der Sucht

Der Nucleus accumbens spielt eine grundlegende Rolle bei der Entstehung von Abhängigkeiten bzw. Süchten. Drogen- oder Substanzmissbrauch führt dazu, dass Dopamin im Nucleus accumbens freigesetzt wird, wodurch Glück und Zufriedenheit verspürt wird. Wir stellen demzufolge eine Verbindung zwischen dem Glücksgefühl und der entsprechenden Substanz her, als Konsequenz wollen wir diese weiterhin konsumieren.

Eine weitere Funktionen des Nucleus ist der Handlungsimpuls bei der Planung und Inhibition von Verhalten. Dies lässt sich auf die Verbindung des Nucleus zum präfrontalen Kortex (Areal der Planung, Aufmerksamkeit…) zurückführen. Dadurch ist es möglich Verhalten auszuführen, das Glücksgefühle in uns auslöst.

5- Nucleus accumbens und das Motivationssystem

Der für die Motivation verantwortliche Neurotransmitter ist ebenfalls das Dopamin. Wie bereits erwähnt, sind das Dopamin und der Nucleus accumbens das perfekte Paar, um angenehme Belohnungsgefühle zu verspüren. Doch das funktioniert nicht nur, wenn wir die Belohnung erhalten haben, sondern auch wenn wir auf diese hinarbeiten. Wenn wir uns auf etwas Angenehmes freuen oder dieses erwarten, wird Dopamin im Nucleus accumbens freigesetzt. Dank der Verbindungen zum präfrontalen Kortex sind wir in der Lage Handlungspläne zu generieren, um die entsprechende Belohnung zu erhalten.

Der Nucleus accumbens hat also die Funktion, eine Belohnung zu antizipieren, um uns zu motivieren diese wirklich zu erhalten.

Können der Nucleus accumbens und das motivationale System verstärkt werden?

Ist es möglich die Motivation zu erhöhen, indem man den Kreislauf des Nucleus accumbens verstärkt? Man kann sein Gehirn dazu trainieren mehr Motivation zu haben und die Ausschüttung von Dopamin im Nucleus auszulösen.

Gestatte dir selbst dir regelmäßig positive Rückmeldung einzuholen, indem du deinen Fortschritt an einer Reihe von Zielen misst. Teile also deine Aufgaben in kleine Zwischenziele ein und belohne dich für das Erreichen jedes einzelnen Zwischenziels. Dabei muss man sich nicht jedes Mal mit einem Stück Torte belohnen, das wäre übertrieben und irgendwann schädlich für die Gesundheit. Belohne dich mit einer kleinen Pause und lobe dich für das was du schon geschafft hast.

Wenn du beispielsweise ein sehr großes Thema lernen musst, unterteile es in kleinere Unterthemen und belohne dich dafür, wenn du ein Unterthema abgeschlossen hast.

6- Die Funktion des Nucleus accumbens beim Lernen und Gedächtnis

Wie bereits erwähnt, fühlen wir uns durch die Dopaminausschüttung im Nucleus accumbens glücklich. Wenn wir mit etwas Negativem konfrontiert sind, sinkt der Dopaminspiegel im Nucleus accumbens deutlich ab. Das hilft uns dabei zu lernen, diese Situation in Zukunft zu vermeiden. Wenn man beispielsweise mit seiner Hand die Herdplatte berührt und sich verbrennt, erhält der Nucleus accumbens eine Antwort, die uns beibringt, dass man die Herdplatte nicht berühren sollte. Wenn ein Kind seinem Vater aber beispielsweise ein Bild malt und dieser sich darüber freut und es lobt, funktioniert das Dopamin im Gehirn als Belohnung. Dadurch lernt das Kind, dass es durch das Verschenken von gemalten Bildern Zuneigung und Lob erhält.

7- Der Nucleus accumbens und Musik

Musik zu hören ist eine der angenehmsten Erfahrungen für Menschen. Laut dieser theoretischer Abhandlung hat Musikhören einen Einfluss auf die Aktivität im Nucleus accumbens. Die musikalischen Reize können die Konzentration des Dopamins und anderer Neurotransmitter signifikant steigern. Auch das passive Hören von unbekannter Musik erhöht die Aktivität dieses Nucleus.

Welche Rolle spielt der Nucleus accumbens bei psychischen Störungen?

Seine Hauptfunktion ist die Intervention im Belohnungssystem. Wenn dieses jedoch nicht richtig funktioniert, sei es aus genetischen Gründen oder bestimmten Lebenserfahrungen, sind damit bestimmte psychische Störungen assoziiert.

Nucleus accumbens und Depression

Gemäß einer Studie ist die neuronale Aktivität des Nucleus mit dem Neurotransmitter Acetylcholin verbunden, welcher die depressiven Verhaltensweisen reguliert. Wenn die Werte dieses Neurotransmitters sinken, beobachteten die Forscher depressive Symptome. Das deutet darauf hin, dass diese Aktivität grundlegend für die Stimmunsregulierung und die Motivation ist.

Nucleus accumbens und Psychopathie

Laut dieser Studie besitzen Psychopathen, beziehungsweise Personen mit einer antisozialen Persönlichkeitsstörung, ein hyper-reaktives Belohnungssystem. Bei der Antizipation einer Belohnung wird eine größere Menge an Dopamin ausgeschüttet als bei Gesunden. Diese Tatsache kann das missbräuchliche und rücksichtslose Verhalten von diesen Menschen erklären.

Nucleus accumbens und ADHS

Bei ADHS ist die Funktionsweise des Nucleus accumbens ebenfalls verändert, wie diese Studie belegt. Die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung ist mit einer verringerten Dopaminkonzentration in dem Nucleus assoziiert. Damit stehen die Aufmerksamkeitsprobleme in Zusammenhang. Der Nucleus ist eng mit motivationalen Prozessen verbunden. Wenn dieser nicht aktiv genug ist, können sich Kinder mit ADHS sich nicht auf Handlungspläne konzentrieren und sich nicht für etwas anstrengen, das erst mittel- oder langfristig belohnt wird. Diese Kinder suchen deswegen nach der direkten Bedürfnisbefriedigung.

Übersetzt aus dem Spanischen. Original: Andrea García Cerdán: Psychologin bei CogniFit.

Lerntheorien: Wie lernen wir eigentlich?

Ab dem ersten Tag unseres Lebens beginnen wir zu lernen. Gerade in den ersten Jahren machen wir fast täglich Fortschritte und erweitern unser Können. Doch wie funktioniert das Lernen eigentlich? Es gibt eine Vielzahl an Lerntheorien, welche die Lernvorgänge beschreiben und erklären. Im Folgenden Artikel findet sich eine Übersicht und Zusammenfassung bekannter Lerntheorien.

Lerntheorien: Wie lernen wir?

Definition Lernen

Der Begriff Lernen hat indogermanische Wurzeln, deren Bedeutung “Furche, Spur oder Bahn” ist. Bereits die Wortherkunft deutet also darauf hin, dass Lernen etwas damit zutun hat “Spuren zu hinterlassen”.

Lernen beschreibt den bewussten oder unbewussten Vorgang der Aneignung oder Änderung von kognitiven Strukturen oder Verhaltensweisen. Das Lernen ist also ein Prozess der Verhalten, Denken und Fühlen formt und den Erwerb von Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten beschreibt.

Welche Lerntheorien gibt es?

Es gibt eine Vielzahl an Modellen und Hypothesen, die versuchen den Prozess des Lernens zu beschreiben. Bei den meisten dieser lerntheoretischen Ansätze wird eine einzelne, besondere Form des Lernens beschrieben und erklärt. Im Folgenden geben wir eine Übersicht über die klassischen Lerntheorien.

Klassische Lerntheorien:

Die klassischen Lerntheorien lassen sich in zwei Hauptzweige unterteilen:

  • Bei den behavioristischen Lerntheorien steht das beobachtbare Verhalten im Vordergrund des Lernprozesses, wobei die mentalen Prozesse im Gehirn nicht von Interesse sind.
  • Dem gegenüber stehen die kognitivistischen Lerntheorien, bei welchen die Kognitionen und Emotionen mit in das Modell des Lernprozesses eingebunden werden.

Im nächsten Abschnitt werden die bekanntesten Lerntheorien des Behaviorismus und Kognitivismus beispielhaft erklärt.

Behavioristische Lerntheorien

Bei diesen lerntheoretischen Ansätzen steht der Mensch, als Ergebnis seiner Umwelt, im Fokus. Es wird zunächst das beobachtet, was das lernende Wesen aufnimmt (einen Reiz) und anschließend die Antwort auf den Reiz in Form von Verhalten. Was dazwischen passiert, also wie der Reiz im Gehirn bearbeitet wird, ist nicht von Bedeutung.

Klassische Konditionierung

Die klassische Konditionierung, die von dem russischen Physiologen Iwan Pawlow begründet wurde, wird auch als Reiz(Stimuli)-Reaktion(Response)-Lernen bezeichnet. Diese Lerntheorie besagt, dass zwei Reize aneinander gekoppelt werden können.

Das Experiment von Iwan Pawlow

Pawlow führte sein Experiment mit Hunden durch. Dabei ließ Pawlow Hunden Essen bringen (US: unconditiones stimulus – Unbedingter Reiz: löst ohne Konditionierung eine Reaktion aus), wodurch diese beim Anblick und Geruch des Essens Speichel produzierten. (UR: unconditioned response – Angeborene Reaktion: wird durch den US ausgelöst). Dieser Reiz ist von Natur aus mit dieser Reaktion verbunden.

Nun wurde das Erklingen eines Glöckchen vor der Essensausgabe hinzugefügt (NS: neutral Stimulus, Neutraler Reiz: zieht keine spezifische Reaktion mit sich). Das Erklingen des Glöckchens löste zu Beginn des Experiments keine Reaktion bei den Hunden aus, sie nahmen das Erklingen der Glocke jedoch wahr. Pawlow wiederholte nun den Ablauf einige Male, zuerst ließ er die Glocke erklingen, dann folgte die Essensausgabe. Nach einiger Zeit begannen die Hunde bereits beim Erklingen der Glocke Speichel zu produzieren. Sie hatten also gelernt, dass auf die Glocke das Essen folgte. Aus dem neutralen Reiz wurde demnach ein bedingter Reiz (CS: conditioned Stimulus: ehemals neutraler Reiz löst durch mehrmalige Koppelung an den US eine Reaktion aus) auf den eine bedingte Reaktion folgte (CR: conditioned response: erlernte Reaktion).

Klein Albert: Das Experiment von J.B Watson

Kurze Zeit nach dem Experiment von Pawlow wurde die klassische Konditionierung erstmals am Menschen untersucht. Das Experiment wurde mit einem 9 Monate alten Jungen namens Albert durchgeführt. Albert wurden mehrere Tiere präsentiert (eine weiße Ratte, ein Kaninchen, ein Affe…) und seine Reaktion beobachtet. Albert zeigte keine Angst und keine besondere Reaktion auf diese Reize (NS). Daraufhin wurde Albert die weiße Ratte in Verbindung mit einem lauten Knall (US) präsentiert, woraufhin Albert sich erschrak und anfing zu weinen (UR). Jedes Mal wenn Albert nach der Ratte griff wurde der laute Knall ausgelöst. Nach dieser Konditionierungsphase wurde Albert die Ratte wieder, diesmal ohne Knallen, präsentiert. Albert begann beim bloßen Anblick der Ratte zu weinen und versuchte sich von ihr zu entfernen. Der vorher neutrale Reiz wurde also zu einem konditionierten Angstreiz (NS-> CS) und löste Furcht (CR) bei Albert aus. Im Anschluss fürchtete sich Albert nicht nur vor der Ratte, sondern vor ähnlichen weißen pelzigen Gegenständen. Die Forscher glaubten, dass sie eine generalisierte Angstreaktion bei dem kleinen Albert konditioniert hatten.

Beispiel Klassischer Konditionierung im Alltag: Beim Anblick einer Zitrone, zieht sich einem der Mund zusammen. Obwohl man nur an etwas Saures denkt oder es sieht, entsteht das Gefühl, etwas Saures zu sich zu nehmen

 

Was kann die klassische Konditionierung nicht erklären? Es kann mithilfe der klassischen Konditionierung nicht die Entstehung von neuen Verhaltensweisen erklärt werden. Ebenso wenig lassen sich Verhaltensänderungen erklären, die unabhängig von vorangehenden Bedingungen des Reizes sind.

Operante Konditionierung

wird auch als Lernen durch Belohnung oder Bestrafung bezeichnet. Bei dieser Lerntheorie werden Reiz-Reaktions-Muster aus zunächst spontanem Verhalten gebildet. Die Häufigkeit des Verhaltens wird durch eine anschließende positive oder negative Konsequenz nachhaltig verändert. Die operante Konditionierung stellt im Vergleich zur klassischen Konditionierung einen selektiven Lernprozess dar. Hierbei können das Verhalten oder Handlungen auf Dauer geändert werden.

Das Experiment von Skinner

Frederik Skinner sperrte jeweils zwei Ratten in seine sogenannte “Skinner-Box”. In dieser Box befand sich ein Hebel und ein Fressnapf. Für beide Ratten hatte der Hebel eine unterschiedliche Funktion. Für die erste Ratte wurde durch das Betätigen des Hebels Futter in den Fressnapf gelassen und die zweite Ratte erhielt durch betätigen des Hebels einen Stromschlag. Die erste Ratte betätigte regelmäßig den Hebel, während die zweite Ratte den Hebel nach anfänglichem Ausprobieren nicht wieder antastete.

Die Ratten hatten also gelernt, dass nach dem Betätigen des Hebels eine Reaktion folgte und wussten dadurch, welche Funktion der Hebel hat. Bei einer positiven Reaktion (Futter) wurde das zunächst spontane Verhalten des Betätigen des Hebels verstärkt, wobei es bei einer negativen Reaktion (Stromschlag) verringert, beziehungsweise unterbunden wurde. Skinner bezeichnet diesen Lerneffekt auch als “Lernen am Erfolg” oder als “Lernen durch Verstärkung”. Der bei der zweiten Ratte ausgelöste Effekt wird auch als bedingte Hemmung bezeichnet.

Kognitivistische Lerntheorien

Zentraler Punkt des Kognitivismus ist die individuelle Informationsverarbeitung der lernenden Person. Dazu gehören sowohl die Verarbeitungs- und Denkprozesse. Die kognitivistischen Lerntheorien nehmen an, dass das Lernen von Prozessen beeinflusst wird, die zwischen dem Reiz und der Reaktion stattfinden. Im Gegensatz zum Behaviorismus sind die mentalen Prozesse und innerpsychischen Vorgänge also von zentraler Bedeutung. Dem Lernenden kommt außerdem eine aktivere Rolle zu. Der Prozess der Imitation hängt stark mit den Spiegelneuronen zusammen.

Die Sozial-kognitive Lerntheorie (Modelllernen)

Die auch Lernen am Modell genannte Lerntheorie von Albert Bandura beschreibt Lernvorgänge, die auf der Verhaltensbeobachtung von Vorbildern (Modellen) beruhen. Bandura spezifiziert in seiner Theorie des Modell-Lernens zwei verschiedene Phasen und vier Prozesse:

1. Aneignungsphase (Kompetenz, Akquisition): 

  • Aufmerksamkeitsprozesse: Die lernende Person richtet ihre Aufmerksamkeit auf die für sie wichtigen Bestandteile des Verhaltens des Modells. Die Aufmerksamkeitsprozesse sind einerseits abhängig von Eigenschaften des Modells (ist es sympathisch? ist die Handlung deutlich? ist die Handlung erfolgreich?) und zudem von Eigenschaften des Beobachters (seinen Fertigkeiten, seinen Erwartungen und seinem Erregungsniveau)
  • Gedächtnisprozesse, Behalten: Die Information wird dabei vom Beobachter sowohl sensorisch als auch symbolisch kodiert. Um diese Information zu behalten wird sie entweder kognitiv oder aktional wiederholt. Die symbolische als auch die motorische Nachahmung des Gelernten ist förderlich für das Erinnern.

2. Ausführungsphase (Performanz)

  • motorische Reproduktionsprozesse: Die lernende Person erinnert sich an das beobachtete Verhalten und ahmt dabei ihr vorteilhaft erscheinende Verhaltensweisen nach. Wie gut die Nachahmung gelingt hängt von ihren Fähigkeiten ab. Die Einübung des Modellverhaltens erfolgt dabei auch durch Selbstbeobachtung und es erfolgen Korrekturen, die auch von Feedback aus der Umgebung abhängen.
  • Verstärkungs- und Motivationsprozesse: Ob ein Verhalten überhaupt beachtet und imitiert wird, hängt von der Motivation ab. Diese spielt sowohl in der Aneignungs- als auch Ausführungsphase eine Rolle. Nur wenn eine Person davon ausgeht, dass ihr ein Verhalten einen Vorteil bringt, wird sie das entsprechende Verhalten nachahmen. Die Motivation hängt also eng mit der Verstärkung des Verhaltens zusammen. Es lassen sich nach Bandura vier verschiedene Arten der Verstärkung unterscheiden:
    • Externe Verstärkung: Das Verhalten wird belohnt oder dadurch wird einer Bestrafung entgangen.
    • Stellvertretende Verstärkung: Das Modell wurde für sein Verhalten belohnt (Hatte Erfolg). Die beobachtende Person nimmt dies wahr.
    • Direkte Selbstverstärkung: Die beobachtende Person belohnt sich selbst.
    • Stellvertretende Selbstverstärkung: Das Modell belohnt sich selbst für sein Verhalten. Die beobachtende Person nimmt dies wahr.

Im Folgenden Video ist das bekannte Rocky-Experiment von Bandura mit einer Puppe, exemplarisch für das Erlernen von aggressivem Verhalten am Modell, zu sehen.

Lerntheorie: die kognitive Entwicklung nach Piaget

Die Grundlage Piagets Theorie der kognitiven Entwicklung ist die Annahme zweier angeborener Tendenzen. Piaget geht davon aus, dass der Mensch sich an seine Umgebung anpasst (Adaptation). Um diese Anpassung zu erreichen kann entweder die Umwelt an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden (Assimilation) oder das eigene Verhalten an die Umwelt (Akkomodation). Die zweite Tendenz ist die zur Organisation, also die Einordnung des eigenen Verhaltens in kohärente Systeme. Der Mensch kann also zwei Verhaltensweisen integrieren. Ein Baby kann zunächst ein Objekt angucken oder nach ihm greifen, später kann es diese beiden Prozesse in einen integrieren und beides gleichzeitig ausführen. Menschen streben laut Piaget durch Adaptation und Assimilation ein Gleichgewicht an. Durch die grundlegenden Tendenzen schreitet nach Piagets Theorie die kindliche Entwicklung in Stufen voran. Die Theorie von Piaget kann hier im Detail nachgelesen werden.

Weitere Lerntheorien:

Neben den Lerntheorien des Behaviorismus und des Kognitivismus gibt es weitere lerntheoretische Ansätze, die sich vor allem im pädagogischen Rahmen wiederfinden. Von diesen sind vor allem die beiden folgenden Lerntheorien hervorzuheben:

Instruktionistische Lerntheorie:

Beim Instruktionalismus wird die lernende Person dazu aufgefordert etwas zu tun. Der Person wird Wissen vermittelt, was passiv aufgenommen wird. Das Wissen wird entsprechend durch Üben vertieft. Dabei wird häufig auf Methoden wie “Vormachen, Erklären, Nachmachen, Üben” zurückgegriffen. Die instruktionistische Lerntheorie folgt den Modellen des Behaviorismus. Auf einen bestimmten Reiz folgt eine bestimmte Reaktion. Die Vorteile an dieser Art des Lernens ist die Einfachheit des Prozesses. Es muss kaum Eigenverantwortung getragen werden, der Lernprozess ist vorgegeben und gut kontrollierbar, wovon gerade im akademischen Bereich sehr profitiert wird. Nachteilig an diesem Lernmodell ist, dass individuelle Erfahrungen, Stärken und Vorwissen kaum berücksichtigt werden. Das erlernte Wissen ist also sehr wenig individuell, wodurch es schlechter erinnert werden kann.

Konstruktivistische Lerntheorie:

Beim Konstruktivismus wird das menschliche Lernen als etwas gesehen, das bestimmten Konstruktionsprozessen unterworfen ist. Dabei beeinflussen soziale, neuronale, kognitive und Wahrnehmungs- Prozesse die Konstruktionsprozesse. Die lernende Person erschafft sich von der Welt eine individuelle Repräsentation. Der Lernprozess hängt also, im Gegensatz zum Lernmodell des Instruktionalismus, stark von der lernenden Person und ihren bisherigen Erfahrungen ab. Im Sinne des Konstruktivismus ist Lernen dann am effektivsten, wenn die Lernenden den Lernprozess selbst steuern können.

Konstruktivistische Lerntheorien: Die Lehrkraft berät den Lernprozess

Lerntheorien in der Pädagogik: Anwendung im Unterricht

Das Schulsystem wurde lange Zeit von instruktionistischen Verfahren dominiert. Doch seit Ende des 20. Jahrhunderts finden in Deutschland pädagogische Umstrukturierungen statt, bei welchen konstruktivistische Verfahren in allen Schulfächern und in jedem Schultyp implementiert werden. Der Konstruktivismus plädiert vor allem für Unterrichtsformen in denen die Lehrkraft nicht als bloße Wissensvermittlung dient, sondern vielmehr den Lernprozess berät. Dabei verändert sich die Aufgabe der Lehrkraft dahingehend, dass sich diese, im Vergleich zum Frontalunterricht, eher im Hintergrund hält. Die Lehrkraft soll Lehrangebote und Wissensquellen schaffen, beziehungsweise bereitstellen und den Lernprozess beobachten und unterstützen. Die Schüler lernen durch diese offenen Unterrichtssituationen das selbst konstruierte Wissen zu festigen und vor allem auch zu abstrahieren.

Lernen durch Lehren

Eine sehr bekannte konstruktivistisch Methode, die sich in Deutschland an großer Beliebtheit erfreut und daher redlich Anwendung findet, ist das Lernen durch Lehren. Bei dieser handlungsorientierten Unterrichtsmethode lernen die Schüler indem sie sich den Stoff gegenseitig vermitteln. Hierbei wird der Unterricht so strukturiert, dass sich das Wissen kollektiv konstruiert. Neben dem reinen Wissenserwerb werden durch diese Lernform auch die Empathie und das Miteinander gestärkt.

Umgang mit individuellen Stärken und Schwächen oder Lernschwierigkeiten im Unterricht

Obwohl konstruktivistische Lernverfahren das Lernen im Allgemeinen erleichtern, gibt es verschiedene Lernbehinderungen, durch welche die akademische Leistung einzelner Schüler beeinträchtigt werden kann. Dabei können beispielsweise gerade bei Kindern mit Legasthenie oder Dyskalkulie große Schwierigkeiten auftreten, wenn diese nicht individuell gefördert werden. CogniFit bietet spezielle kognitive Bewertungs- und Stimulationsprogramme an, von denen diese Kinder profitieren können. CogniFit bietet außerdem die Möglichkeit für Schulen und Lehrkräfte die kognitiven Fähigkeiten ihrer Schulklassen zu bewerten und speziell zu trainieren. Als Lehrkraft die Stärken und Schwächen der eigenen Schüler einschätzen zu können, kann helfen auf Grundlage des Konstruktivismus individuelle Lernerfahrungen für die Schüler zu schaffen.

Evaluative Konditionierung: Das Wie und Warum der Meinungsbildung ohne Wissensbasis

Es heißt, man soll ein Buch nicht nach seinem Umschlag beurteilen. Doch weshalb tun wir das und vor allem wie? Ein Prozess namens evaluativer Konditionierung gibt eine Erklärung weshalb das Buch mit dem hübschen Umschlag besser geschrieben ist.

Evaluative Konditionierung

Täglich sind wir einer Vielzahl von Eindrücken, darunter oftmals neue, ausgesetzt. Dies ist nicht weiter verwunderlich, schließlich leben wir in einer komplexen und dynamischen Welt mit den unterschiedlichsten Sachen, Zuständen und Situationen. Und dann ist morgen alles wieder ein Stückchen anders. Gerade gestern hat drei Blöcke weiter ein neuer Laden aufgemacht, Katie ist nun übrigens mit einem neuen Freund zusammen und das neuste Album unseres Lieblingsmusikers wurde endlich nach langem warten veröffentlicht. Doch diesmal ertappen wir uns dabei, wie wir mit selbstsicher Überzeugung und ohne jegliche faktische Grundlage behaupten: „Ich sag‘s dir, dieser neue Laden wird nicht länger als sein Vorgänger durchhalten bevor er pleite geht. Dafür ist Katies neuer Freund bestimmt ein sehr hübscher Bursche und das neue Album? Oh, das wird bestimmt unglaublich gut!“ Doch stimmt das? Werden sich unsere Prophezeiungen als wahr erweisen? Und auf welcher Basis äußern wir diese Behauptungen so selbstsicher? Für die psychologische und industrielle Wissenschaft sind diese Fragen von Interesse, denn die Bewertung unserer Umwelt beeinflusst unser Verhalten ihr gegenüber. Wer also den zugrunde liegenden Mechanismus der Bildung von Bewertungen versteht und es schafft ihn aktiv zu lenken, könnte entweder einen Patienten dazu bringen pathologisches Verhalten aufzugeben, oder einen Kunden dazu lenken ein bestimmtes Produkt zu kaufen.

Klassische Konditionierung: Lernen anhand von Erfahrungen

Klassische Konditionierung

Ein relevanter Mechanismus der Bildung von Bewertungen wurde evaluative Konditionierung getauft. Sie wurde in Anlehnung an die zuvor schon etablierte klassische Konditionierung nach Pavlov benannt. Die letztere beschreibt einen Lernprozess der Erwartungen auf der Basis wiederkehrender Muster generiert. Wenn auf ein bestimmtes Geschehen immer das selbe Ereignis folgt, reicht nach einiger Zeit schon das Erste als Indiz, dass das Zweite gleich folgt.

Wann immer wir zum Beispiel das Lichtsignal des linken Blinkers eines Autos wahrnehmen, wissen wir automatisch, dass dieses Auto gleich nach Links abbiegen wird. Wir sind erfahren genug um zu sagen: Wenn ein fahrendes Auto an einer Kreuzung blinkt, dann wird es in die Richtung abbiegen. Das ist die natürlich Abfolge: blinken, dann abbiegen.

Klassische Konditionierung

Die ersten empirischen Belege für diesen Mechanismus wurden wie folgend an Hunden erhoben: Vor jeder ihnen servierten Mahlzeit ertönte das selbe Klingeln einer Glocke. Die Hunde begrüßten die Nahrung natürlich freudig, schließlich ließ der bloße Anblick des Essens Ihnen den Speichel im Munde zusammenlaufen. Doch nach einiger Zeit wurde etwas Interessantes beobachtet. Schon der einfache Klang der Glocke brachte deren Speichel zum fließen. Sie hatten mit der Zeit gelernt, dass ihnen kurze Zeit nach dem ertönen der Glocke die nächste Mahlzeit serviert werden würde. Der Klang der Glocke wurde hinterher als konditionierter Stimulus (conditioned stimulus, CS) und das Essen als unkonditionierter Stimulus (unconditioned stimulus, US) kategorisiert. Die Funktionsweise der klassischen Konditionierung wurde so beschrieben: Sobald eine belanglose Sache, ein neutraler Stimulus, zuverlässig oft vor einem bedeutsamen Ereignis, einem unkonditionierten Stimulus, auftritt, wird die Bedeutung des folgenden unkonditionierten Stimulus auf den vorherigen neutralen Stimulus übertragen. Durch diesen Transfer löst der neutrale Stimulus nun auch die selbe Reaktion im Organismus aus, den der unkonditionierte Stimulus auslösen würde. Sobald diese Assoziation geknüpft ist wird der neutrale Stimulus als konditionierter Stimulus bezeichnet. Wenn wir dies nun auf unser Beispiel mit dem Auto übertragen, dann sieht das so aus: Das wenden des Autos ist der unkonditionierte Stimulus. Das wiederholte aufleuchten des Lichts eines Autoblinkers ist ein neutraler Stimulus. Da es aber vor jedem Wenden eines Autos erscheint, und somit zu einem Vorboten des Wendens wird, wird es zu einem konditionierten Stimulus. Würde dieses Lichtsignal jedoch nie vor dem Wenden eines Autos erscheinen, wäre das Leuchten vollkommen Bedeutungslos für uns.

Hinterher wurden mehrere Studien durchgeführt um die Eigenschaften der klassischen Konditionierung zu ergründen. Es stellte sich heraus, dass die Stimuli nicht jedes einzelne Mal in der gemeinsamen Kombination auftreten müssen damit konditioniert wird, jedoch oft genug. Wie häufig das sein muss hängt von der Natur der Stimulation ab. Manche Signale sind stärkere Indikatoren als andere. Auch wurde gezeigt, dass die Assoziation wieder getrennt werden kann, wenn die Stimuli zu selten gemeinsam erscheinen. Ab diesem Moment ist der konditionierte Stimulus wieder ein neutraler Stimulus.

Evaluative Konditionierung: Bewertung anhand von Erfahrungen

Evaluative Konditionierung

Obwohl die evaluative Konditionierung auf der Klassischen basiert, reicht ihre Geschichte weiter zurück. Sie geht aus der Erforschung von Einstellungen hervor und ist zu einem eigenständigen Forschungsthema geworden, als feststand, dass sie einen Einfluss auf die Bildung und Änderung von Einstellungen haben könnte. Die evaluative Konditionierung zeigt einige Parallelen zur klassische Konditionierung. Beide Mechanismen haben einen konditionierten und unkonditionierten Stimulus, jedoch treten bei der evaluativen Konditionierung beide Stimuli gleichzeitig auf, anstatt in zeitlicher Abfolge. Auch wird kein unmittelbares Ereignis vorhergesagt um die entsprechende Reaktion darauf vorzubereiten. Hier wird ein langfristiger Einfluss prophezeit und die entsprechende Haltung demgegenüber ausgewählt.

Wertungen beeinflussen das Verhalten

Die Bewertung einer Sache anhand einer zweidimensionalen Skala (z.B.: gut und schlecht, angenehm und unangenehm), die sogenannte Valenz die etwas für uns hat, beeinflusst unser Verhalten dem gegenüber. Wir nähern uns dem was uns gefällt und distanzieren uns von dem was uns missfällt. Da auch Verteidigungs- und Selbsterhaltungsmechanismen einen Einfluss auf das Verhalten des Individuums haben, müssen direkt schädliche oder sogar lebensbedrohliche Situationen in der gesamten Betrachtung außen vorgelassen werden, da sonst keine fehlerfreie Analyse der evaluativen Konditionierung möglich wäre. Wir fassen zusammen: Man nähert sich oder distanziert sich von Sachen die einen längerfristigen positiven oder negativen Einfluss auf einen haben könnten. Um dies zu verdeutlichen nehmen wir nun also an, wir hätten kürzlich einen Thomas kennen gelernt, mit dem wir uns leider nicht so gut verstehen. Er vertritt Ansichten die unseren widersprechen. Fairerweise sollte ich erwähnen, dass er keine Ansichten vertritt die gegen irgendein Grundrecht verstößt, trotz dessen denken wir, dass er einen „schlechten“ Einfluss auf uns haben könnte. Logischerweise versuchen wir also von ihm fern zu bleiben. (Ich bitte jeden Thomas um Verzeihung, dies ist nur ein Beispiel, nehmt es also nicht persönlich.)

Grundlose Annahmen?

Erscheint nun solch eine bereits bewertete Sache oder Situation gemeinsam mit einem neuen und unbekannten Faktor, so wird im Laufe der evaluativen Konditionierung die Wertung des Bekannten herangezogen um eine Vorhersage über den langfristigen Einfluss des Neuen zu generieren. Mit anderen Worten, anhand der Kategorisierung eines bekannten Sachverhalts wird ein damit zusammenhängender, aber neuer Reiz in die selbe subjektive zweidimensionale Skala eingeordnet (Also gut und schlecht, angenehm und unangenehm).

Um eine gewisse Vergleichbarkeit zu schaffen wurden die jeweiligen Aspekte der evaluativen Konditionierung ähnlich denen der klassischen Konditionierung benannt. So gibt es sowohl einen unkonditionierten Stimulus mit positiver oder negativer Valenz als auch einen konditionierten Stimulus mit einer neutralen Valenz, oder zumindest einer schwächeren positiven oder negativen Valenz als sein unkonditionierter Mitwirker. Sobald beide Stimuli zusammen erscheinen, und somit den Eindruck vermitteln miteinander verbunden zu sein, wird die Wertung des unkonditionierten Stimulus auf den Konditionierten übertragen.

Erneut muss ich mich bei Dir entschuldigen, Thomas, denn wir kommen auf unser vorheriges Beispiel zurück. Leider wird dieses Mal eine weitere unschuldige Seele hineingezogen, denn, wie wir unschwer erkennen, unterhält sich Thomas eifrig mit einem Freund. Wir werden wahrscheinlich nicht erpicht darauf sein, den zweiten im Bunde kennen zu lernen. Vermutlich vertritt er ähnliche Ansichten wie Thomas und würde demnach bestimmt auch ein „schlechter“ Einfluss auf uns sein. Folglich ist er uns genauso unlieb wie Thomas und auch von ihm halten wir uns fern. Dem zu Grunde liegt eine kognitive Assoziation zwischen den zweien, die den Fremden ähnlich kategorisiert wie den uns bekannten Thomas. Dadurch wird das selbe Verhaltensschema in uns ausgelöst. Trotz alledem gilt: Wir haben keine faktische Basis, dass dieser Unbekannte genauso „schlecht“ wäre, wie sein Kamerad. Nicht nur das, wir können nicht einmal nachweisen, dass Thomas für uns schädlich wäre.

Eigenschaften der evaluativen Konditionierung

Weiteren Analysen zu folge wird die Wertung extremerer Valenz auf die neutralere übertragen. Ein leicht negativer Stimulus wird hinterher positiver gewertet, wenn er mit einem starken positiven Stimulus gekoppelt wird. Sollte uns unsere beste Freundin Rebecca auf einmal einen neuen Bekannten vorstellt, überraschender Weise derselbe Fremde der sich vorhin kameradschaftlich mit Thomas unterhalten hat, werden wir wahrscheinlich unsere Meinung ändern und ihm eine Chance geben. Rebecca ist wirklich wunderbar! Unmöglich, dass er dann eine Enttäuschung ist. Klar, mit Thomas schien er sich zwar auch zu verstehen, aber da er auch mit Rebecca verkehrt muss er respektabel sein.

Vor allem in Anbetracht unseres Beispiels mit dem armen Thomas sollte man aber bedenken, dass die Frage ob die Änderung der Valenz bewusst oder unbewusst stattfindet zurzeit noch immer heiß diskutiert wird. Auch steht die Frage offen, ob man dem Prozess bewusst entgegenwirken kann. Es wurden auch keine stichhaltigen Beweise geliefert, wie positiv oder negativ konditionierte Stimuli nach wiederholter Präsentation mit neutralen Stimuli bewertet werden, also nach der sogenannten Extinktionsphase. Leider zeigten einige Studien, dass konditionierte Stimuli nach wiederholter Kopplung mit neutralen Stimuli wieder als neutral empfunden wurden, während andere Studien eine Stabilität der Wertung gegenüber der Extinktionsphase fanden. Zumindest scheint aber ein zeitlicher Aspekt eine Rolle zu spielen. Es wurde gezeigt, dass die Konditionierung am besten funktioniert, wenn beide Stimuli gleichzeitig präsentiert werden. Trotzdem kann noch konditioniert werden, wenn der konditionierte Stimulus kurz vor oder nach dem unkonditionierten Stimulus gezeigt wird.

Ausblick

Evaluative Konditionierung

Das Bewerten und Ändern von Wertungen ist ein ernst zu nehmendes Thema und muss, wie viele Andere, verantwortungsvoll gehandhabt werden. Wahrscheinlich forschen private Firmen schon in diesem Bereich, da das effiziente assoziieren eines Produktes mit etwas Angenehmen die Verkaufszahlen enorm steigern könnte. Hierbei ergeben sich jedoch zwei Hauptprobleme:

  1. Zum einen sind die hierbei erlangten Erkenntnisse sowohl für die Öffentlichkeit als auch für andere Wissenschaftler nicht einsehbar.
  2. Zum anderen können die Resultate der Forschung ungehindert angewendet werden um die Masse zu beeinflussen.

Da ein unvollständiges Bild der Eigenschaften der Konditionierung im nicht-industriellen Forschungssektor vorliegen, würde jeglicher Einsatz und dessen Folgen auch dem Auge eines Spezialisten entgehen. Nehmen wir an es stelle sich heraus, die evaluative Konditionierung finde nur unbewusst statt. In diesem Fall würden Werbungen in einem kleinen Nebenfenster parallel zur Fernsehserie laufen, anstatt zwischen den Programmen, oder Produkte würden vermehrt im Hintergrund eines Filmes auftauchen. Die Auswirkungen dieser kleinen Änderungen würden in den Augen eines unwissenden Betrachters nicht auffallen, während sie den Verkauf stark beeinflussen könnten. In Anbetracht dessen sollten Forschungsgelder in Themen wie diese fließen, um einen Missbrauch für persönliche Zwecke (in dem Fall sogar ein mögliches Propaganda-Werkzeug) zu verhindern.

Gleichzeitig könnte man sich dadurch deren enormes Potenzial zu nutze machen. Bedenken wir den therapeutischen Zugewinn. Durch die entsprechenden Assoziationen könnte ungesundes Verhalten (zum Beispiel verschiedene Abhängigkeiten) geheilt oder die Produktivität und Motivation einer Person erhöht werden. Sollte jemand also an einer schrecklichen Phobie leiden die seine Lebensqualität deutlich einschränkt, zum Beispiel der arme Botaniker Stefan mit seiner plötzlichen Spinnenphobie nach einem unerwarteten Urlaubsereignis, so könnten simple Assoziationen mit stark positiven Themen eine schnelle Heilung seiner unvorteilhaften Situation bewirken. Einsatz könnten diese Erkenntnisse auch an unserer heutigen Jugend finden. Da Mediale Abhängigkeit ein zunehmendes Problem darstellt, könnte man die Einstellung gegenüber realen Erfahrungen graduell verbessern und dadurch erneute Lebensfreude in den jungen Herzen entfachen. Auch könnten die Ergebnisse eine Gegenmaßnahme zu Vorurteilen bergen, wodurch der gesamten Menschheit ein Vorteil zu Nutze kommen würde.

Nichtsdestotrotz haben wir bis dahin noch einen langen Weg vor uns. Die derzeitigen Ergebnisse sind teilweise mehrdeutig oder widersprechen sich. Die meisten Versuche wurden an Menschen durchgeführt wodurch risikoreiche Ergebnisse zustande kommen. Wenn Teilnehmer zum Beispiel ahnen was von Ihnen verlangt wird, und entsprechend handeln, entstehen artifizielle Resultate. Im Englischen nennt man diesen Risikofaktor „demand awareness“, was so viel heißt wie „Bewusstsein über das Verlangte“. Studien aus anderen Bereichen wiederum betonen, dass auch Tiere Angenehmes und Unangenehmes empfinden und über das Können verfügen, darüber zu berichten. Deshalb schlage ich vor, zusätzliche Versuche am Tiermodell durchzuführen. Dadurch würde man einige Risiken umgehen und die Studien sowohl mit parallel laufenden Experimenten evaluativer Konditionierung, als auch mit bereits erhobenen Versuchen der klassischen Konditionierung vergleichbarer machen. Trotz allem müssen wir die bisherigen Erkenntnisse Wert schätzen und die Wissenschaftler dieses Bereiches weiterhin anfeuern bei deren fleißiger Arbeit zu bleiben, Kreativität zu bewahren und nicht aufzugeben, wenn alles wieder mal anders läuft als erwartet. Der erste Schritt den Weg zur oben genannten Vision zu verkürzen und den Missbrauch wichtiger Erkenntnisse zu verhindern ist ein Bewusstsein über dieses Thema zu vermitteln. Dadurch könnten weiteren Wissenschaftlern Gelder bereitgestellt werden um tiefer in die Materie einzudringen.

 

Schaut Euch folgende Artikel an, falls Ihr mehr über das Thema erfahren wollt und ihr den tapferen Wissenschaftler/innen die hart für diese Ergebnisse gearbeitet haben Anerkennung schenken möchtet:

Referenzen

Bethell, E. J. (2015). A “how-to” guide for designing judgment bias studies to assess captive animal welfare. Journal of applied animal welfare science, 18 Suppl 1, S18-42. doi:10.1080/10888705.2015.1075833

Bohner, G., & Dickel, N. (2011). Attitudes and attitude change. Annual review of psychology, 62, 391–417. doi:10.1146/annurev.psych.121208.131609

Davey, G. C. (1994). Is evaluative conditioning a qualitatively distinct form of classical conditioning? Behavior research and therapy, 32(3), 291–299.

De Houwer, J., Thomas, S., & Baeyens, F. (2001). Association learning of likes and dislikes: A review of 25 years of research on human evaluative conditioning. Psychological bulletin, 127(6), 853–869. doi:10.1037//0033-2909.127.6.853

Field, A. P. (2000). Evaluative conditioning is pavlovian conditioning: Issues of definition, measurement, and the theoretical importance of contingency awareness. Consciousness and cognition, 9(1), 41–49. doi:10.1006/ccog.1999.0412

Gawronski, B., & Bodenhausen, G. V. (2006). Associative and propositional processes in evaluation: An integrative review of implicit and explicit attitude change. Psychological bulletin, 132(5), 692–731. doi:10.1037/0033-2909.132.5.692

Havermans, R. C., & Jansen, A. (2007). Evaluative conditioning: A review and a model. Netherlands journal of psychology, 63(2), 31–41. doi:10.1007/BF03061060

Rozin, P., Wrzesniewski, A., & Byrnes, D. (1998). The elusiveness of evaluative conditioning. Learning and motivation, 29(4), 397–415. doi:10.1006/lmot.1998.1012

Kognitives Lernen: Ein pädagogischer Leitfaden

Kognitives Lernen ist grundlegend für unser Leben. Wir lernen durch Erfahrungen, Emotionen, durch unsere Beziehung zu Menschen und durch vieles mehr… Die Erziehung die wir erfahren und die Lernprozesse die wir durchlaufen, definieren wer wir sind. In dem folgenden Artikel werden die Entdeckungen über das Gehirn auf die Erziehung und Pädagogik angewendet. 

Neurodidaktik: Verstehen wie das Gehirn funktioniert, um besser lernen und lehren zu können. In diesem Artikel finden sich die verschiedenen Formen des kognitiven Lernens. 

Kognitives Lernen

In der Schule wird einem oft beigebracht Daten immer wieder zu wiederholen, bis man geschafft hat, sich die Informationen zu merken. Aber wie lernt unser Gehirn eigentlich? Informationen auswendig zu lernen hilft uns weder dabei uns in der Welt zurecht zu finden, noch unser Potential und unsere Persönlichkeit zu entfalten oder dabei bestimmte Herausforderungen anzugehen.

Unsere Erziehung und das was wir lernen, definiert wer wir sind. Aber trotz der Fortschritte und Entdeckungen die im Bereich “kognitives Lernen” beim Menschen gemacht werden, sind diese noch nicht in die Pädagogik und den Unterricht integriert. Wir müssen lernen die Charakteristika unseres Verstandes zu beachten, um so unser Gehirn richtig zu unterrichten.

Erfolgreiches kognitives Lernen geschieht mithilfe von Emotionen, Überraschung, Bewegung und spezifischen neuroedukativen Programmen, welche die individuelle kognitive Entwicklung begünstigen.

Kognitives Lernen: Der Begriff Lernen bezieht sich darauf, sich Wissen oder Fähigkeiten durch aktives Lernen oder Erfahrungen anzueignen. “Kognitiv” bezieht sich auf die “Kognition”. Das ist die Fähigkeit, Dinge mittels der Wahrnehmung und mentaler Prozesse kennen zu lernen. Das Konzept “kognitives Lernen” definiert die Prozesse der Informationsverarbeitung und beginnt bei der sensorischen Wahrnehmung, über das kognitive System bis hin zur produzieren Antwort.

Lernen ist vielleicht der Begriff, der die menschliche Spezies im Laufe ihrer Entwicklung am meisten geprägt hat. Wir sind der lebende Beweis dafür, dass kontinuierliches Lernen das menschliche Leben zu dem gemacht hat, was es heute ist. 

Unser Gehirn führt und leitet unsere Lernprozesse.

Je weiter wir Menschen vorankommen, desto mehr Wissen sammeln wir an. “Wir machen uns laufend intelligenter”. Das könnte uns zu dem Schluss kommen lassen, dass unser Gehirn sich immer weiter verfeinert, je weiter wir uns entwickeln – dem ist jedoch nicht so. Das was sich verändert ist die Form des Lernens. Da wir mittlerweile mehr darüber wissen, wie unser Gehirn funktioniert, können wir davon profitieren und das Potential des Gehirns besser ausschöpfen.

Lernformen

1. Implizites Lernen

Das implizite Lernen ist ein “blinder” Lernprozess, weil wir uns nicht darüber bewusst sind, dass wir lernen.

Das wichtigste Merkmal dieser Form des kognitiven Lernens ist, dass dieses nicht-intentional geschieht. Die lernende Person hat kein Bewusstsein darüber, dass sie gerade lernt. Zudem äußert sich das Erlernte durch eine automatische Ausführung motorischen Verhaltens.

Bestimmte Aktivitäten verlangen ein nicht-intentionales Lernen, wie beispielsweise das Sprechen oder Laufen. Vieles von dem was wir Lernen, tun wir auf implizite und unbewusste Art.

2. Explizites Lernen

Dem impliziten Lernen gegenüber steht das explizite Lernen, welches sich dadurch auszeichnet, dass es beabsichtigt und mit Bewusstsein über den Lernprozess geschieht. Für das kognitive Lernen in dieser Form gibt es viele Beispiele, unter anderem ist das Lesen dieses Artikels ein Beispiel für explizites Lernen, da eine Absicht zu Lernen dahinter steckt.

Da es sich beim expliziten Lernen um einen beabsichtigten Lernprozess handelt, braucht dieser Daueraufmerksamkeit. Also eine Anstrengung, um die Absicht zu lernen aufrecht zu erhalten.

3. Kollaboratives oder kooperatives Lernen 

Das kooperative Lernen ist eine Lernform in der Gruppe. Ein Schüler lernt beispielsweise zusammen mit seinen Klassenkameraden. Das Ziel dieser Lernform ist, dass jedes Gruppenmitglied in Abhängigkeit seiner Fähigkeiten lernt und außerdem die Arbeit in der Gruppe gefördert wird.

Die vier Grundpfeiler, die diese Form des kognitiven Lernens stützen, sind die positive Interdependenz, die persönliche Verantwortung, die ausgeglichene Beteiligung und die simultane Interaktion.

Eine Lernform, die dieser ähnlich ist (aber nicht identisch), ist das kollaborative Lernen. Bei dieser Lernform ist in der Regel eine Person (Lehrkraft oder Erzieher), die nicht zur Gruppe gehört, diejenige die ein Thema vorschlägt, das im Anschluss in der Gruppe entwickelt wird.

In Gruppen lernt es sich besser

4. Kumulatives Lernen

Bei dieser Lernform wird die kognitive, emotionale und emotionale Ebene angesprochen. Dieser Lernform liegt ein Prozess der Organisation der zu lernenden Informationen zugrunde. Zudem wird zwischen der neuen Information eine Verbindung zu Wissen und vorherigen Erfahrungen hergestellt. Die neue Information wird also in Zusammenhang mit unserer bisherigen Erfahrung gebracht. Das führt dazu, dass das neu erlangte Wissen für jede Person einzigartig wird, da jede Person es mit eigenen Erfahrungen verknüpft.

5. Assoziatives Lernen 

Wem die Hunde von Pavlov etwas sagen, der weiß vielleicht, worum es sich bei dieser Lernform handelt. Kognitives Lernen kann auch assoziativ geschehen. Diese Lernform zeichnet sich dadurch aus, dass es eine Verbindung zwischen einem bestimmten Reiz und einem präzisen Verhalten gibt. Im Falle des Experiments von Pavlov ist dies das Klingeln einer Glocke und die Fütterung. Dies führt dazu, dass die Hunde noch bevor das Essen kommt bereits beginnen Speichel abzusondern, sobald sie die Klingel hören.

6. Habituation und Sensibilisierung: Nicht-assoziatives Lernen

Diese beiden Prozesse gehören zur gleichen Lernform, dem nicht-assoziativen Lernen. Diese Lernform definiert eine Veränderung gegenüber eines kontinuierlichen Reizes.

Die Habituation ist eine primitive Lernform, die uns erlaubt uns an die Umwelt anzupassen. Sie ist ein alltägliches Phänomen. Dieser Prozess findet statt, wenn wir aufhören einem Reiz Aufmerksamkeit zu schenken, da dieser zu keiner relevanten Veränderung führt (die Reaktion auf den Reiz verringert sich). Ein Beispiel hierfür findet sich bei den Menschen, die an einer lauten Straße wohnen. Am ersten Tag hören sie den Straßenlärm, doch nach einiger Zeit sind sie in der Lage diesen gut auszublenden.

Dem gegenüber steht die Sensibilisierung als Lernform: Unsere Reaktion steigt durch die wiederholte Präsentierung des Reizes. Je öfter uns dieser Reiz präsentiert wird, desto häufiger werden wir die gleiche Reaktion zeigen. Die Sensibilisierung ist eine sehr adaptive und primitive Lernform.

7. Lernen durch entdecken

Wenn aktiv nach Informationen gesucht wird und das was uns antreibt die Neugierde ist, lernen wir durch Entdecken. Das kognitive Lernen in dieser Form zeichnet sich dadurch aus, dass das Individuum interessiert ist, entdeckt, lernt, Konzepte verknüpft und das Gelernte an das eigene kognitiven Schema anpasst.

8. Imitationslernen oder Lernen durch Beobachtung 

Bei dieser Lernform, wird eine Handlung bei einem Modell beobachtet, die im Anschluss imitiert wird. Kognitives Lernen in dieser Form hat einen engen Zusammenhang zu den Spiegelneuronen. Die Imitation, auch Modelllernen genannt ist eine sehr wichtige Lernform.

9. Emotionales Lernen

Das Kognitive Lernen impliziert in diesem Fall eine emotionale Entwicklung des Individuums. Die emotionale Intelligenz entwickelt sich von dieser Lernform ausgehend, welche erlaubt, die eigenen Emotionen zu regulieren(Test zur emotionalen Intelligenz).

Außerdem spielt die Emotion eine entscheidende Rolle bei der Lernform, die später erläutert wird.

10. Erfahrungsbasiertes Lernen 

Aus den Erfahrungen die wir im Laufe unseres Lebens machen, lernen wir unsere Lektionen. Durch unsere Erfahrungen lernen wir am besten. Das kognitive Lernen in dieser Form ist sehr stark, aber auch sehr subjektiv. Denn jeder Mensch macht seine eigenen Erfahrungen und interpretiert diese auch auf persönliche Weise.

11. Auswendiglernen 

Das Auswendiglernen ist eine Form des kognitiven Lernens bei der wir versuchen uns bestimmte Daten einzuprägen und zu merken. Im Gegensatz zum kumulativen Lernen zeichnet unser Gedächtnis einfach nur Informationen auf, ohne dass die betreffende Person zwangsläufig verstehen muss was sie lernt.

12. Rezeptives Lernen 

Kognitives Lernen in dieser Form ist rein passiv, die Person empfängt dabei nur die Information, die zu lernen ist. Ein Beispiel hierfür ist der Vortrag einer Lehrkraft, während die Schüler sitzen und zuhören.

13. Metakognitive Strategien

Es ist wichtig, diese Lernstrategie zu erwähnen, um unsere Art zu Lernen besser zu verstehen. Diese Strategien setzen die Kenntnis über den eigentlichen Lernprozess voraus. Das Lernen zu lernen.

Kenne Dich selbst und deine eigenen Einstellungen und Fähigkeiten, um zu wissen wie Du selbst am besten Lernen kannst.

Jede Person ist einzigartig. Es gibt keine ideale Lernmethode, die für alle Menschen am besten funktioniert. Deshalb ist es ein großer Vorteil beim Lernen, die eigenen Stärken und Schwächen zu kennen.

Kognitives Lernen: Wie lassen sich die Kenntnisse über das Gehirn auf die Pädagogik übertragen?

Obwohl die Erkenntnisse über das Gehirn und wie dieses lernt in den letzten 30 Jahren deutlich zugenommen haben, basieren die allermeisten Bildungssysteme auf einem fehlerhaften Lernmodell. Zu Lesen und sich Sätze aus einem Buch zu merken ist nicht der richtige Weg um zu Lernen. Die Studienlage ist klar: andere Dinge wie Sport, Emotionen, Überraschung, Experimentieren sind wichtige Faktoren, wenn es darum geht sich Wissen anzueignen.

Kognitives Lernen: Die Bedeutung der Emotionen

Emotionen sind die Basis, um sich erinnern zu können. Die Information, die wir über unsere Sinne aufnehmen, passiert das limbische System, bevor sie in der Hirnrinde landet. Im limbischen System befindet sich eine der primitivsten Teile unseres Organismus, die Amygdala. Diese wird in Situationen aktiviert, die als wichtig für das Überleben wahrgenommen werden. Die Amygdala ist elementar wichtig für die Gedächtniskonsolidierung.

Man erinnert sich wahrscheinlich besser an seinen letzten Geburtstag, als an den Arbeits- oder Schultag von vor zwei Wochen.

Kognitives Lernen: Sport machen und Lernen 

Studien haben gezeigt, dass Sport nicht nur die körperliche Leistungsfähigkeit stärkt, sondern auch die Leistungen des kognitiven Lernens verbessert. Durch Sport werden bestimmte Proteine freigesetzt, welche die Gehirnplastizität fördern. Dadurch werden neue Neuronen, Synapsen und Verbindungen generiert.

Körperliche Betätigung erhält und verbessert Aspekte, die mit der kognitiven Leistung und der mentalen Gesundheit zusammenhängen.

Unter den vielen Vorteilen von sportlicher Betätigung, ergeben sich auf kognitiver Ebene folgende:

– Eine bessere akademische Leistung und eine bessere Aufmerksamkeitskapazität

– Ein niedrigeres Risiko beispielsweise an Depressionen oder Angststörungen zu leiden.

– Eine bessere Laune und eine höhere emotionale Stabilität.

Sich zu bewegen ist wichtig, um zu Lernen.

Neben körperlicher Aktivität kann auch aktives Gehirntraining die Gehirnplastizität anregen und die kognitiven Fähigkeiten verbessern. Das kognitive Stimulationsprogramm von CogniFit bietet personalisierte Trainingseinheiten an, um schwächer ausgeprägte Fähigkeiten individuell zu fördern.

Neuronales Fenster

Wenn vom Lernen gesprochen wird, darf das neuronalen Fenster nicht unerwähnt bleiben. Dieses beschreibt die Zeitfenster, in denen bestimmte neuronale Entwicklungsprozesse ablaufen. Diese Zeiträume sind kritische Phasen der Entwicklung, in denen bestimmte Dinge schneller und besser gelernt werden können, als zu anderen Zeitpunkten.

Im Prinzip können wir das Sprechen in jedem Alter erlernen, jedoch ist zwischen dem 1 und dem 3 Lebensjahr der optimale Zeitpunkt. Das Sprechen später zu erlernen ist viel mühsamer und es ist unmöglich die gleichen Lernergebnisse zu erzielen.

Es ist bekannt, dass es sich negativ auf das Gehirn auswirkt, Kinder von Klein auf still in einem Klassenzimmer sitzen zu lassen. Entdecke hier die Entwicklungsstufen von Piaget.

Fehler in unserem Bildungssystem

Missachtung des neuronalen Fensters

Wenn man bedenkt, was über das Gehirn und optimale Lernstrategien bekannt ist, müsste man meinen, dass im Bildungssystem bereits grundlegende Reformen durchgeführt wurden. Das ist jedoch nicht der Fall. Wir lehren falsch. Wenn man die neuronalen Fenster beachten würde, säßen keine kleinen Kinder still auf dem Stuhl. Um zu lernen ist es für sich nämlich wichtig sich zu bewegen. Ebenso wenig gäbe es trockenen Physikunterricht für Jugendliche, denn deren Gehirn ist in diesem Alter sehr emotional.

Anwendung der immer gleichen Lernformen

Es scheint, als wären die dominierenden Lernformen in der Schule weiterhin das rezeptive Lernen und das Auswendiglernen. Die Pädagogik fördert also weiterhin hauptsächlich mechanische und passive Lernformen und macht sich die Art wie wir wirklich lernen nicht zu Nutzen.

Wie sollten wir lernen?

Das ist eine gute Frage. Es ist ganz klar, dass viele der nötigen Veränderungen schwer umzusetzen sind. Jedoch lassen sich mit dem Wissen darüber wie das Gehirn funktioniert, bereits viele Dinge in Angriff nehmen.

Die Bewegung, Emotionen und die Überraschung zu nutzen, um das Interesse im Kopf der Schüler zu wecken, hilft ungemein. Wir haben in den letzten Jahren viel über unser Gehirn gelernt. Es wird Zeit, das Gelernte anzuwenden und unser Gehirn richtig zu unterrichten.

Übersetzt aus dem Spanischen. Original: Mario de Vicente, Psychologe bei CogniFit.

Spiegelneuronen: Imitation als Basis des Lernens

Spiegelneuronen. Die Imitation als wirksamste Form des Lernens. Das menschliche Gehirn verfügt über verschiedene Mechanismen, die es uns erlauben Handlungen nachzuahmen. Babys sind in der Lage Gesichtsausdrücke nachzumachen, später in der Entwicklung imitieren wir auch grundlegende Verhaltensweisen. Lachen ist ansteckend, ein emotionaler Film stimmt uns traurig… Es scheint so, als wären wir dafür gemacht, das zu fühlen was andere fühlen, um mit ihnen empathisch zu sein und sie besser zu verstehen. Was passiert in unserem Gehirn, damit es dazu kommt? Die Antwort liegt in den Spiegelneuronen.

In diesem Artikel wird erklärt, was die Spiegelneuronen sind, welche Rolle sie bei der Erziehung und der Empathie spielen, was passiert wenn uns die Gefühle anderer anstecken, Pathologien die mit einem Defizit in der Struktur der Spiegelneuronen zusammenhängen, und vieles mehr. 

Spiegelneuronen

Definition: Was sind Spiegelneuronen?

Im Gehirn des Menschen und des Affen finden sich sogenannte Spiegelneuronen. Diese Gehirnzellen werden aktiviert, wenn wir jemanden dabei beobachten, wie er etwas tut. Beispielsweise werden sie aktiviert, wenn ein Schimpanse seine Mutter beobachtet und sie später imitiert und es so schafft eine Nuss mit einem Stein zu öffnen. Die Spiegelneuronen stehen in Zusammenhang mit empathischem, sozialem und imitierendem Verhalten und bilden ein grundlegendes Werkzeug für das Lernen.   

“Wir sind soziale Wesen. Unser Überleben hängt davon ab, Handlungen, Intentionen und Emotionen von den anderen zu verstehen. Die Spiegelneuronen erlauben uns das Gegenüber zu verstehen. Das geschieht nicht nur durch konzeptuelles Denken, sondern ebenso anhand der direkten Simulation. Fühlend, nicht denkend”.
(frei übersetzt nach G. Rizzolatti)

In den 90’er Jahren entdeckte die Forschungsgruppe unter Leitung von Giacomo Rizzolatti der Universität von Parma in Italien etwas Erstaunliches. Eine bestimmte Gruppe von Neuronen in den Gehirnen von Makaken wurden nicht nur dann aktiviert, wenn ein Affe selbst eine Handlung ausführte, sondern auch dann, wenn er einen anderen Affen bei der Ausführung einer Handlung beobachtete. 

Spiegelneuronen lassen sich als eine Gruppe von Neuronen definieren, die bei Primaten und Menschen aktiviert werden wenn diese eine Handlung ausführen oder jemanden dabei beobachten, wie er diese Handlung ausführt.

Spiegelneuronen sind eine Schlüsselfunktion für das Lernen, sie sind unentbehrlich um andere imitieren zu können. 

Von Geburt an sind diese Gruppen von Neuronen aktiv, die es uns erlauben Essen und Sprechen zu lernen oder uns selbstständig anzuziehen. Die Spiegelneuronen sind ebenfalls sehr wichtig bei der Handlungsplanung und wenn es darum geht die Intention hinter einer Tat einer anderen Person zu verstehen.  

Im folgenden video erklärt der Neurowissenschaftler Ramachandran was Spiegelneuronen sind und weshalb diese so wichtig sind. 

Spiegelneuronen und Erziehung

Die Spiegelneuronen ermöglichen es durch Imitation zu lernen. Sie erlauben es, die Körpersprache, Gesichtsausdrücke und Emotionen widerzuspiegeln. Spiegelneuronen spielen eine zentrale Rolle in unserem Sozialleben. Sie sind für die kindliche Entwicklung, zwischenmenschliche Beziehungen und das Lernen unabdingbar.

Wir Menschen sind soziale Wesen und dafür geschaffen von anderen zu lernen. Wir alle kommen schneller und weiter voran, wenn wir mit anderen kooperieren. Zu sehen wie unsere Eltern, Lehrer oder andere Schüler eine kognitive Fähigkeit oder Fertigkeit zeigen, schafft uns eine viel komplettere Lernerfahrung, als es eine theoretische Erklärung tun würde. Deswegen sollten wir in der Erziehung immer mit Beispielen arbeiten. 

Wie greifen die Spiegelneuronen in unseren Alltag ein? 

  • Die Spiegelneuronen sind dafür verantwortlich, dass wir anfangen zu gähnen, wenn wir jemanden beobachten, der gähnt.
  • Diese Neuronen sind für das Gefühl der Trauer verantwortlich, die wir verspüren, wenn wir jemanden leiden oder weinen sehen.
  • Gleiches passiert, wenn wir anfangen zu lachen, weil wir jemanden lachen sehen, auch wenn wir den Grund gar nicht wissen. 
  • Einigen Studien zufolge wird eine bestimmte Hirnregion (die anteriore Insula) sowohl dann aktiviert wenn man Ekel verspürt, als auch wenn man eine andere Person mit dem Ausdruck von Ekel sieht. Die anteriore Insula ist für die Verarbeitung von Gerüchen verantwortlich.
  • Weitere Studien zeigen, dass sich ein Bereich des somatosensorischen Kortex bei den Studienteilnehmern aktiviert, wenn diese berührt wurden oder wenn sie jemanden anderen beobachteten, wie dieser berührt wurde.

8 Ratschläge: Wie beeinflussen die Spiegelneuronen die Erziehung? 

Dank der Spiegelneuronen haben die Emotionen die wir zeigen einen direkten Einfluss auf die Menschen, die uns umgeben. Dabei bilden das Klassenzimmer oder Wohnzimmer keine Ausnahme. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Lehrkräfte und Eltern ihre Emotionen kontrollieren, um die Spiegelneuronen als Verbündete nutzen zu können, der die Erziehung erleichtert – statt das Gegenteil zu tun. 

  1. Freude und Optimismus zeigen, da sich diese Gefühle auf die Kinder oder Schüler übertragen (Gefühlsansteckung).
  2. Negative Emotionen kontrollieren und vermeiden. Jeder hat mal schlechte Laune, man sollte aber versuchen den Einfluss auf die Kinder dabei so gering wie möglich zu halten, da sich das negativ auf deren Gemütszustand auswirkt. Dabei sollte man aber auch darauf achten, nicht die Unterdrückung der Gefühle zu fördern. Die Emotionen der Kleinen wahrnehmen und ihnen dabei helfen diese zu erkennen und so gut wie möglich zu kontrollieren.  
  3. So oft wie möglich visuelle Darstellungen und “Lernen durch Nachmachen” ermöglichen. Theorie im Unterricht oder zuhause durch beispielhafte Vorführungen begleiten und den Kindern erlauben diese nachzumachen. 
  4. Die Interaktion der Kinder mit so vielen Menschen wie möglich fördern. Die Spiegelneuronen werden sich dadurch deutlich mehr aktivieren und erhöhen das Erlernen von sozialen Fähigkeiten und Empathie.
  5. Das Vorstellungsvermögen bei jeder Aktivität nutzen, welche die Kinder erlernen sollen (die Zähne zu putzen, das Zimmer aufzuräumen…)
  6. Gewalt vermeiden. Kinder lernen das was sie sehen. Wenn sie in einer Umgebung groß werden, in der gewalttätiges Verhalten geäußert wird, werden die entsprechenden Spiegelneuronen aktiviert und es wird wahrscheinlicher, dass die Kinder das Verhalten nachahmen.
  7. Kindern beibringen, dass es wichtig ist auf die Körpersprache der anderen zu achten. So lernen Kinder, wann jemand etwas mit anderen teilen möchte oder wann jemand Hilfe braucht. Spiegelneuronen sind der Schlüssel für die Empathie
  8. Kindern beibringen ihre eigenen Gefühle und die der anderen zu identifizieren.

Spiegelneuronen und die Gefühlsansteckung

Bist du glücklich, wenn dich fröhliche Menschen umgeben? Deprimiert es dich, wenn du mit pessimistischen und negativen Personen zusammen bist? Das ist auf die Gefühlsansteckung zurückzuführen, die durch die Spiegelneuronen erleichtert wird.

Die Gefühlsansteckung ist ein Prozess durch welchen eine Person oder eine Gruppe die Emotionen und das affektive Verhalten einer anderen Person oder Gruppe, durch die bewusste oder unbewusste emotionale Induktion, beeinflusst.

Wir tendieren dazu die Gesten und die Mimik der Leute zu imitieren mit denen wir kommunizieren und in vielen Fällen fühlen wir das, was diese fühlen.

Obwohl sich der Einfluss der Gefühlsansteckung auf persönliche und arbeitsbezogene Beziehungen bestätigt hat, sind wir uns immer noch nicht darüber bewusst, welche Fähigkeit wir eigentlich besitzen. 

Die Spiegelneuronen erlauben uns wortwörtlich das zu spüren, was die andere Person spürt, ihre Emotionen “zu leben”. Spiegelneuronen sind die Basis der Empathie.

Die Empathie ist die Fähigkeit, welche die meisten Menschen besitzen, sich in die Situation einer anderen Person zu versetzen und zu verstehen was sie aus ihrer Perspektive heraus fühlt.

Sie ermöglicht es uns, die anderen als “nicht anders als wir selbst” anzusehen. Ein weiterer Beleg dafür, dass wir soziale Wesen sind. Die Empathie war schon immer grundlegend für das Überleben unserer Spezies, welche ohne die Bindung und den Schutz der anderen nicht in der Lage gewesen wäre zu überleben.

Wie können wir uns die Gefühlsansteckung zu Nutze machen?

Man kann es sich zum Vorteil machen, dass sich Emotionen auf andere übertragen lassen und sich von anderen auf uns übertragen.

  • Glücklicherweise ist Freude ansteckender als Trauer, weshalb es gut ist, sich mit fröhlichen Personen zu umgeben. Traurige oder depressive Person sollte man  deshalb aber nicht vermeiden, denn diese Leute brauchen die Unterstützung und Hilfe von nahestehenden Menschen, um gesunden werden zu können.
  • Imitiere fröhliche und glückliche Menschen. Tu das, was sie machen. Treibe Sport und lache mehr (obwohl du vielleicht keine Lust hast – im Anschluss wirst du dich besser fühlen). 
  • Denke nach bevor du handelst, vor allem dann, wenn du etwas Negatives über jemanden sagen wirst. Sag es auf ruhige und diplomatische Art, denn dein Ärger kann sich leicht auf das Gegenüber übertragen.
  •  

Eine Filmaufnahme aus der Berliner U-Bahn. Siehe hier, wie ansteckend Lachen sein kann:

https://www.youtube.com/watch?v=fM45JMTpkBU

Spiegelneuronen und Kultur

Hat die Kultur in der wir aufwachsen einen Einfluss auf unser Gehirn? Die Frage scheint sich mit “ja” beantworten zu lassen. 

Gemäß einer Studie, die an der Universität von Kalifornien – Los Angeles durchgeführt wurde, reagiert unser Netz an Spiegelneuronen unterschiedlich, je nachdem ob das Gegenüber aus der gleichen Kultur wie man selbst stammt, oder nicht. 

Die Forscher nutzten zwei Schauspieler, einen kaukasischen Amerikaner und einen Nicaraguaner, um einer Gruppe von amerikanischen Teilnehmern einige Gesten zu zeigen. (Amerikanische, nicaraguanische und andere Gesten ohne Bedeutung)

Mithilfe der Magnetresonanztomographie untersuchten die Wissenschaftler die Neuronenaktivität. Dabei zeigte sich, dass die amerikanischen Teilnehmer eine höhere Aktivität der Spiegelneuronen aufwiesen, wenn sie den Amerikaner im Vergleich zu dem Nicaraguaner die Gesten vollführen sahen. Wenn letzerer amerikanische Gesten vorzeigte sank die Aktivität der Spiegelneuronen drastisch.

Hier zeigt sich, dass die Kultur einen messbaren Einfluss auf unser Gehirn hat und sich folglich auch in unserem Verhalten widerspiegelt. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass wir besser darauf vorbereitet sind Personen unseres eigenen Kulturkreises zu verstehen und empathisch mit ihnen zu sein als bei Mitgliedern fremder Kulturen. Das erklärt auch, wieso wir leichter Beziehungen zu Personen aus der gleichen Kultur aufbauen.

Spiegelneuronen, Empathie und Psychopathie

Die Psychopathie ist eine Persönlichkeitsstörung (schwere Form der antisozialen Persönlichkeitsstörung) die sich durch einen oberflächlichen Charme, pathologisches Lügen und eine deutlich verringerte Kapazität Reue oder Empathie zu spüren, auszeichnet.

Es sticht hervor, dass viele psychopathische Personen eine kriminelle Laufbahn einschlagen, aber natürlich nicht alle. Viele sind sozialisiert und führen ein ganz normales Leben.

Aber wenn Psychopathen nicht in der Lage sind Empathie zu verspüren, funktionieren dann ihre Spiegelneuronen? Eine Studie hat dies untersucht.

In der Studie wurde die Gehirnaktivität von zwei Gruppen untersucht. (18 Teilnehmer mit Psychopathie, 26 Gesunde) während sie kurze Videos anschauten. Dabei wurde ein Hand gezeigt, die auf zärtliche, schmerzvolle, soziale Weise eine andere berührte, abwies oder neutral behandelte. Zunächst sahen die Teilnehmer das Video, anschließend erhielten sie die Instruktion, sich in die Lage der Person zu versetzten und zu versuchen, das zu spüren, was die Person spürt. Im dritten Teil der Studie wurden die Teilnehmer mit einem Lineal auf die Hand geschlagen, um die Gehirnregion zu lokalisieren, die bei Schmerzen aktiviert wird.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Gruppe der Personen mit Psychopathie nur dann eine Reaktion der Spiegelneuronen zeigte, wenn diese die Instruktion erhielten, empathisch zu sein. Dann zeigte sich ein Aktivierungsmuster der Spiegelneuronen, das genauso stark wie bei der Gruppe der Gesunden war. Ohne Instruktion jedoch, zeigten sie eine sehr geringe Aktivierung der Gehirnregionen, die mit Schmerzen assoziiert sind.

Daraus kann man schließen, dass Menschen mit Psychopathie nicht empathielos sind, sondern so etwas wie einen Schalter haben, der die Empathie aktiviert und deaktiviert. Dabei scheint diese normalerweise deaktiviert zu sein.

Spiegelneuronen und Autismus

Personen mit Autismus haben neben weiteren Symptomen einen verspäteten Spracherwerb und Probleme in der Emotionserkennung. Für sie ist es schwierig ihre eignen Gefühle und die Gefühle anderer Menschen zu erkennen.

Deshalb wurde in der Wissenschaft angenommen, dass bei Personen mit Autismus das System der Spiegelneuronen “kaputt” ist. Mittlerweile weiß man, dass dem nicht so ist. Das System ist nicht kaputt, es ist jedoch in seiner Entwicklung verzögert. Während die meisten von uns eine sehr hohe Aktivierung der Spiegelneuronen in der Kindheit haben, ist diese Aktivierung bei Kindern mit Autismus viel schwächer. Diese Aktivität steigt aber mit dem Alter bei Menschen mit Autismus an.

Andere Studien jedoch zeigen, dass diese Neuronengruppe bei Kindern mit Autismus nicht weniger aktiviert ist. Wenn das Experiment mit Personen durchgeführt wird, welche die Kinder kennen, ist die Aktivität ihrer Spiegelneuronen ganz normal.

Vielen Dank fürs Lesen! Bei Fragen oder Anregungen kann gerne ein Kommentar hinterlassen werden.

Übersetzt aus dem Spanischen. Original: Andrea García Cerdán, Psychologin bei CogniFit.

Referenzen:

Molnar-Szakacs, I., Wu, A. D., Robles, F. J., & Iacoboni, M. (2007). Do you see what I mean? Corticospinal excitability during observation of culture-specific gestures. PLoS One, 2(7), e626.

Meffert, H., Gazzola, V., den Boer, J. A., Bartels, A. A., & Keysers, C. (2013). Reduced spontaneous but relatively normal deliberate vicarious representations in psychopathy. Brain, 136(8), 2550-2562.

Der Hippocampus: das Tor zum Gedächtnis

Hippocampus. Ein bekanntes Gefühl: auf einmal hat man einen Blackout und weiß nicht mehr, was man eigentlich sagen wollte. Unser Gehirn ist voller wichtiger Informationen und Daten, die wir über die Jahre dort abspeichern. Ab und zu haben wir so viel Informationen zur Verfügung, dass unser Gehirn einige davon ignoriert oder löscht.

Der Gehirnteil, der für solch wichtige Prozesse wie dem Lernen und Gedächtnis verantwortlich ist, heißt Hippocampus. Ohne diese Gehirnstruktur wäre es unmöglich sich an Dinge zu erinnern und die assoziierten Gefühle der Erinnerungen zu spüren. Im Folgenden wird erklärt, wie er, obwohl er so klein ist, eine so große Rolle für uns spielt.

Der Hippocampus: eine grundlegende Struktur im Gehirn

Was ist der Hippocampus?

Er verdankt seinen Namen dem Anatom Giulio Cesare Aranzio, der diese Hirnstruktur im 16 Jahrhundert entdeckte, die in ihrer Form einem Seepferdchen ähnlich sieht. Der Name stammt aus dem Griechischen und wird aus dem Wörtern Hippos (Pferd) und Kampos (Seeungeheuer) zusammengesetzt.

Bei seiner Entdeckung wurde dieser Gehirnteil mit dem Geruchssinn assoziiert und man ging davon aus, dass seine Hauptfunktion die Verarbeitung olfaktorischer Reize ist. Diese Annahme wurde bis zum Jahre 1890 verteidigt. In diesem Jahr konnte Vladimir Béjterev zeigen, dass die wahre Funktion des Hippocampus mit dem Gedächtnis und den kognitiven Prozessen zusammenhängt.

Der Hippocampus ist einer der wichtigsten Gehirnteile, weil er sehr weitläufig mit den Funktionsweisen des Gedächtnis und den Emotionen verbunden ist. Es handelt sich um ein kleines Organ welches im Temporallappen zu finden ist, das mit verschieden Teilen des Kortex kommuniziert.

Der Hippocampus  ist erwiesenermaßen die Hauptstruktur des Gedächtnisses.

Es handelt sich um ein kleines längliches und kurviges Organ. Im inneren unseres Gehirns haben wir zwei Hippocampi, einen in jeder Hemisphäre (linken und rechten).

Wo befindet sich der Hippocampus?

Er hat eine gute Lage, in welcher er mit verschiedenen Regionen des Gehirns verbunden ist. Er befindet sich im medialen Temporallappen.

Zusammen mit anderen Gehirnstrukturen, wie der Amygdala und dem Hypothalamus formt er das limbische System, welches die primitiven physiologischen Reaktionen reguliert.

Sie gehören zu den “ältesten, tiefen und primitiven” Teilen des Gehirns, welche auch als Archicortex bekannt ist und die älteste menschliche Gehirnregion darstellt und vor Millionen von Jahren in unseren Vorfahren erschien, um deren grundlegende Bedürfnisse erfüllen zu können.

Der Hippocampus befindet sich im mittleren Temporallappen

Wozu dient der Hippocampus?

Zu seinen Hauptfunktionen zählen die Gedächtnisprozesse, die mit der Konsolidierung von Erinnerungen, Lernprozessen und räumlicher Orientierung zusammenhängen. Zentral ist auch die Regulation und Produktion von emotionalen ZuständenWie lernt das Gehirn?

Einige Untersuchungen sehen ebenfalls einen Zusammenhang dieser Hirnstruktur mit der Inhibition von Verhalten, welcher aber noch nicht endgültig bestätigt werden konnte, da diese Befunde relativ neu sind.

Hippocampus und Gedächtnis

Er ist vor allem mit dem emotionalen Gedächtnis und dem deklarativen Gedächtnis verbunden.

Er erlaubt es uns Gesichter zu erkennen, Dinge zu beschreiben und positive oder negative Gefühle mit den Erinnerungen von erlebten Ereignissen in Zusammenhang zu bringen.

Der Hippocampus greift sowohl bei der Bildung von episodischen und autobiografischen Erinnerungen ein. Als Basis dienen die Erfahrungen, die wir erleben. Um all die Informationen über Jahre hinweg abzuspeichern benötigt unser Gehirn “Platz”. Aus diesem Grund überträgt der Hippocampus temporäre Erinnerungen an andere Gehirnbereiche, wo diese im Langzeitgedächtnis abgespeichert werden.

Wenn der Hippocampus beschädigt wird, verliert sich die Fähigkeit zu lernen und Informationen im Gedächtnis zu behalten. Neben der Übertragung der Informationen ins Langzeitgedächtnis, verbindet der Hippocampus die Gedächtnisinhalte mit den positiven oder negativen Bewertungen. Dies geschieht in Abhängigkeit davon ob die Erinnerungen mit guten oder schlechten Erfahrungen assoziiert sind.

Es gibt viele verschiedene Gedächtnisformen: das semantische Gedächtnis, das episodische Gedächtnis, das prozedurale Gedächtnis, das implizite Gedächtnis, das deklarative Gedächtnis… Im Falle des Hippocampus ist er konkret für das deklarativen Gedächtnis (umfasst unsere persönlichen Erfahrungen und Wissen über die Welt) zuständig und verwaltet die Inhalte, die verbal ausgedrückt werden können. Die verschiedenen Gedächtnisformen werden nicht nur vom Hippocampus beherrscht, sondern sind ebenfalls mit anderen Hirnregionen verbunden. Der Hippocampus ist nicht für alle mit Gedächtnisverlust assoziierten Prozesse verantwortlich, umfasst aber einen großen Teil davon.

Hippocampus und Lernen

Diese Gehirnstruktur ermöglicht das Lernen und das Behalten von Information, da es sich um eine der wenigen Gehirnregion handelt, in welcher Neurogenese das gesamte Leben lang stattfindet. Der Hippocampus besitzt die Fähigkeit, neue Neuronen zu produzieren und neue Verbindungen zwischen ihnen herzustellen – das ganze Leben lang.

Damit die neuen Informationen im Gedächtnis gefestigt (konsolidiert) werden können, müssen neue Verbindungen zwischen Neuronen entstehen. Aus diesem Grund spielt diese Gehirnstruktur eine entscheidende Rolle in Lernprozessen.

Kuriosität: Stimmt es, dass der Hippocampus von Taxifahrern in London größer beziehungsweise besser entwickelt ist? Weshalb? Taxifahrer in London müssen für ihre Lizenz eine schwierige Prüfung bestehen, bei der sie 25.000 Straßen und 20.000 Sehenswürdigkeiten auswendig kennen müssen. Im Jahre 2000 führten Maguire et al. eine Studie mit Londoner Taxifahrer durch. Es zeigte sich, dass ihr posteriorer Hippocampus vergrößert war. Dabei war die Größe des Hippocampus direkt proportional zu der Anzahl von Jahren, welche die Teilnehmer bereits als Taxifahrer arbeiteten. Das lässt sich darauf zurückführen, dass der Trainingseffekt, das Lernen und die Erfahrung das Gehirn verändern und modellieren.

Räumliche Orientierung und der Zusammenhang mit dem Hippocampus

Eine weitere wichtige Funktion, bei welcher diese Hirnstruktur eine Rolle spielt, ist die räumliche Orientierung.

Die räumliche Orientierung hilft uns, unseren Körper in einem dreidimensionalen Raum zu koordinieren. Dadurch können wir uns bewegen und mit der Welt um uns herum in Verbindung treten.

Unterschiedliche Studien mit Nagetieren haben gezeigt, dass der Hippocampus ein Gehirnareal ist, das von lebenswichtiger Bedeutung für die Orientierung und das räumliche Gedächtnis ist. Dank seiner korrekten Funktionsweise sind wir in der Lage uns an verschiedene Orte zu bewegen oder uns in Städten zurecht zu finden, die wir nicht kennen… Allerdings sind die Informationen in Bezug auf Befunde mit Menschen sehr limitiert. Hierzu muss weiter geforscht werden.

Was passiert, wenn sich der Hippocampus verändert?

Eine Läsion des Hippocampus kann zu Problemen führen, neue Gedächtnisinhalte zu generieren. Eine Läsion kann zu einer Amnesie führen, bei der die spezifischen Erinnerungen betroffen sind, jedoch das Erlernen von Fertigkeiten und Kapazitäten intakt bleibt.

Läsionen im Hippocampus können anterograde oder retrograde Amnesien auslösen . Diese beziehen sich auf die Erstellung oder dem Abruf von deklarativen Erinnerungen. Das non-deklarative Gedächtnis bleibt in diesen Fällen entsprechend unbeeinträchtigt und ohne Läsionen. Eine Person mit hippocampalen Schädigungen kann danach also beispielsweise lernen Fahrrad zu fahren, sich aber nicht daran erinnern jemals ein Fahrrad gesehen zu haben. Das bedeutet, Fähigkeiten sind weiterhin erlernbar, die betroffene Person wird sich jedoch nicht an den Prozess des Lernens erinnern können.

Die anterograde Amnesie ist ein Gedächtnisverlust, der sich auf Begebenheiten nach der Läsion bezieht. Es können also keine neuen Erinnerungen generiert werden. Im Gegensatz dazu können bei der retrograden Amnesie Dinge vor der Läsion nicht mehr erinnert werden.

An diesem Punkt stellt sich die Frage, wieso der Hippocampus geschädigt ist, wenn Amnesien auftreten. Das ist einfach: dieser Teil des Gehirns agiert wie eine Eingangstor zu den zerebralen Mustern. Diese speichern einen Teil der Ereignisse, bis diese in den Frontallappen übergehen.  Er spielt eine Schlüsselfunktion bei der Gedächtniskonsolidierung, in dem er die Gedächtnisinhalte von dem Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis überträgt. Wenn dieses “Tor” beschädigt ist und dadurch eine Abspeicherung der Informationen nicht möglich ist, können keine langfristigen Erinnerungen generiert oder abgerufen werden.

Neben dem Verlust der Fähigkeit Dinge zu erinnern, kann es auch passieren, dass es bei Schädigungen des Hippocampus zum Verlust der Fähigkeit kommt, die Emotionen zu verspüren, die mit den Erinnerungen assoziiert sind. Das bedeutet, dass man unfähig ist, die Erinnerungen mit den dazugehörigen Emotionen in Verbindung zu bringen.

Wieso entstehen Schäden im Hippocampus?

Die Großzahl der Veränderungen, die in diesem Hirnareal auftreten können sind Konsequenzen des Älterwerdens und der neurodegenerativen Erkrankungen, Stress, Schlaganfällen, Epilepsie, Aneurysmen, Enzephalitis, Schizophrenie….

Alterungsprozess und Demenzen

Beim Alterungsprozess allgemein und bei Demenzen wie der Alzheimer-Krankheit im speziellen ist der Hippocampus eine der Hirnregionen, die als erste betroffen ist. Neue Erinnerungen zu generieren oder relativ neue biografische Erinnerungen abzurufen ist schwierig, da sich diese Fähigkeit beeinträchtigt sieht. Die Gedächtnisprobleme sind in diesem Fall mit dem Tod der Neuronen im Hippocampus assoziiert. Wie kann man der Demenz entgegenwirken?

Die Mehrheit von uns kennt irgendeine Person, die an einer Form von Demenz leidet oder gelitten hat und bei der es zu Gedächtnisverlust gekommen ist. Dabei ist es interessant, dass die Erinnerungen, die bei diesen Menschen am ehesten erhalten bleiben, jene aus der Kindheit oder der Jugend sind. Wie kann das sein, wenn der Hippocampus beschädigt ist?

Selbst wenn diese Gehirnstruktur stark beschädigt ist (aufgrund von Demenz oder einer anderen Krankheit), sind die Erinnerungen die vorherrschen, die Ältesten und Relevantesten aus dem Leben der Person. Das hängt damit zusammen, dass sich diese Erinnerungen im Laufe der Zeit “unabhängig” vom Hippocampus gemacht haben. Sie werden Teil anderer Strukturen, die mit dem Langzeitgedächtnis assoziiert sind.

Hippocampus und Stress

Diese Hirnregion ist gegenüber Episoden von Stress sehr empfindlich, da der Stress die Neuronen im Hippocampus inhibiert und verkümmern lässt.

Vielleicht ist es schon einmal aufgefallen: Wenn wir sehr gestresst sind und tausend Dinge zutun haben, verspüren wir Gedächtnisprobleme.

Stress und insbesondere Cortisol (ein Hormon, das bei Stress ausgeschüttet wird) schädigt die Gehirnstrukturen, was zum Tod von Neuronen führen kann. Dieses Phänomen kann auch bei der posttraumatischen Belastungsstörung eine Rolle spielen. In Alltagssituation ist es wichtig zu lernen, die Ruhe zu bewahren und unsere Emotionen zu verwalten, um zu gewährleisten, dass unser Hippocampus stark und leistungsfähig bleibt.

Weiteres…

Wen das Thema interessiert: im Film “Momento” leidet der Protagonist an einer anterograden Amnesie, gegen die er während des Films ankämpft, um das was ihm widerfährt nicht zu vergessen.

Bei Fragen oder Anregungen kann gerne die Kommentarfunktion genutzt werden.

Übersetzt aus dem Spanischen. Original: Mairena Vázquez, Psychologin bei CogniFit.

Priming: Wie beeinflusst es uns, welche Formen gibt es?

In der Psychologie nennt man Priming den impliziten Gedächtniseffekt, bei dem ein präsentierter Stimulus die Antwort auf einen nachfolgenden Reiz beeinflusst. Im Folgenden werden die nachstehenden Fragen geklärt: Welche Formen des Priming gibt es? Welchen Effekt hat es auf das Gedächtnis und wie beeinflusst Priming unseren Alltag?

Ein dargebotener Reiz kann die Reaktion auf einen späteren Reiz beeinflussen

Was ist Priming ? – Definition 

In der Psychologie ist Priming die unbewusste Verarbeitung eines dargebotenen Reizes, welche zur schnelleren Verfügbarkeit eines Ereignisses, eines Items oder einer Person führen kann, wenn ein zweiter Reiz präsentiert wird. Die meisten Menschen sind sich im Moment des Primings nicht darüber bewusst, dass es passiert. 

Wenn viele Interpretationen und Verhaltensmöglichkeiten zur Verfügung stehen, kann die durch Priming bestimmte Zugänglichkeit zu einem Gedächtnisinhalt die Wahrnehmung, Kognition und Handlung einschränken.

Priming Beispiele

Wenn man Radio hört und dort in der Werbung ein Getränk angepriesen wird, man sich später in einem Café etwas zu trinken bestellt und Lust auf dieses Getränk bekommt,…

Wenn ein Freund von seinem letzten Urlaub in Thailand erzählt und man im Anschluss Lust hat, Thai Essen zu gehen,…

… ist das auf Priming zurückzuführen.

Das Gehirn wurde in diesen Fällen darauf programmiert, Verlangen nach etwas zu verspüren und kleine Dingen zu bemerken, die einem normalerweise nicht aufgefallen wären, oder denen man keine Beachtung geschenkt hätte – wäre man nicht im Vorhinein einem bestimmten Stimulus ausgesetzt worden. Die Reaktion auf den darauffolgenden Reiz kann sowohl positiv als auch negativ sein und wird dabei durch den vorherigen präsentierten Stimulus beeinflusst.

Das Denken und Handeln kann auf verschiedenste Arten beeinflusst werden

Formen von Priming

Es lassen sich verschiedene Formen unterschieden, die auf unterschiedliche Weise funktionieren und verschiedene Auswirkungen haben.

  • Positiv versus Negativ: Diese Eigenschaft des Primes hängt direkt mit der Verarbeitungsgeschwindigkeit zusammen. Verzögert oder beschleunigt der Prime die Verarbeitung des nachfolgenden Reizes? Während der positive Prime die Verarbeitungsgeschwindigkeit beschleunigt, bremst der negative Prime diese ab. Die Beschleunigung der Verarbeitungsgeschwindigkeit durch einen positiven Prime ist auf die Voraktivierung bestimmter Assoziationsmuster zurückzuführen. Das bedeutet, dass der Stimulus eine bestimmte Erinnerung oder Assoziation vor der Handlungsausführung aktiviert. Weil der Gedanke oder die Assoziation bereits voraktiviert ist, braucht man im Anschluss weniger Aktivierung um auf den späteren Zielreiz zu reagieren. Beim negativen Prime ist ein anderes Assoziationsmuster aktiviert, das deaktiviert werden muss, um eine adäquate Antwort zu geben. 
  • Semantisch: Der Prime und der Zielreiz sind aus der gleichen semantischen Kategorie und besitzen ähnliche Eigenschaften. Das bedeutet, wenn eine Person an ein einzelnes Item einer bestimmten Kategorie denkt, werden ähnliche Items in verschiedenen Gehirnregionen voraktiviert. Beispielsweise ist Löwe ein semantisches Wort für Tiger, da es sich um ähnliche Items handelt.
  • Konzeptuell und perzeptuell: Ein konzeptueller Prime basiert auf der Bedeutung des Stimulus und wird durch seine semantische Funktion verstärkt. Als Beispiel ist das Wort Gabel, das einen Effekt auf das Wort Löffel ausübt, weil sie zu der gleichen Kategorie gehören. Konzeptuelles und semantisches Priming sind sich sehr ähnlich. Perzeptuelles Priming bezieht sich auf die äußere Form des Stimulus und ist sehr sensitiv bezüglich seiner exakten Form und Beschaffenheit. 
  • Wiederholung: ist der positiven Form sehr ähnlich, wenn auch nicht das Gleiche. Es wird auch als direktes Priming bezeichnet, bei welchem der erlebte Stimulus selbst als Prime fungiert. Wenn dieser Reiz im Anschluss nochmals präsentiert wird, lässt sich dieser schneller im Gehirn verarbeiten und die Reaktionszeit verkürzt sich.
  • Freundlichkeit: Wenn eine Person einer freundlichen Geste oder einer freundlichen Tat ausgesetzt wird ist diese anfälliger für den Priming-Effekt, da der Schwellwert für die Aktivierung sinkt. Interessanterweise steigt die Resistenz gegenüber negativen Stimuli temporär an, wenn diese Art von Priming stattfindet.
  • Assoziatives Priming: Diese Kategorie ähnelt der des positiven oder semantischen Primings. In diesem Fall ist der Zielreiz ein Wort, das normalerweise mit dem Prime assoziiert ist, aber nicht zwangsläufig die gleichen semantischen Eigenschaften teilt. Der Zielreiz und der Prime sind zwei Dinge, die für gewöhnlich in einer Verbindung stehen und zusammen gesehen werden. Ein Beispiel sind Stift und Papier. Sie haben nicht die gleichen semantischen Eigenschaften, wie ein Tiger und ein Löwe, treten aber gemeinsam in Erscheinung. 
  • Response-Priming:  Bei einem klassischen Computerexperiment müssen bestimmte Tasten gedrückt werden, sobald bestimmte Formen auf dem Bildschirm erscheinen. Beispielsweise: Drücke die linke Pfeiltaste, wenn ein Kreis erscheint; die rechte Pfeiltaste, wenn ein Quadrat erscheint. In diesem Fall wird häufig das Response-Priming angewendet und wenige Millisekunden vor dem Zielreiz ein Prime dargeboten. Bei diesen Aufgaben wird anschließend die Zeit gemessen, die eine Person benötigt, um auf den Stimulus zu reagieren. 
  • Maskiertes Priming: Das maskierte Priming wird als “reinste” Form bezeichnet. Das 1984 von Forster & Davis vorgestellte Paradigma wird auch als Sandwich-Technik bezeichnet. Der Prime wird hierbei zwischen den Zielreiz und eine Maske eingebettet. Beispielsweise: ####, Prime: spielen, Zielreiz: FLIEGEN. 

Messung der verschiedenen Arten

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Psychologen die Priming-Effekte im Gehirn messen können. Dabei hängen die verschiedenen Messmethoden jeweils von dem zugrunde liegenden Typen bzw. Subtypen ab. Um beispielsweise die Effekte von maskiertem Priming zu messen, verwendet man eine andere Methode, als die Effekte positiven oder negativen Primings zu messen. 

Im Folgenden finden sich als Beispiel ein paar Methoden, welche entsprechend verwendet werden:

  • Positives und negatives Priming: wird anhand des ereigniskorrelierten Potentials (Event-related potential; ERP) im Elektroenzephalogramm (EEG) gemessen. Dieses im Gehirn ausgelöste Potential ist das direkte Ergebnis eines spezifischen sensorischen, kognitiven oder motorischen Ereignisses. Anhand diesen Potentials kann die Verarbeitungsgeschwindigkeit bestimmt werden, wodurch Rückschlüsse auf einen positiven oder negativen Priming-Effekt gezogen werden können.
  • Perzeptuelles Priming – Messung: Hier findet ein wahrnehmungs-bezogenes Verfahren Anwendung. Dabei kann die Aufgabe der Wortstamm-Vervollständigung verwendet werden. Hierbei muss in der Regel eine Liste mit Wörtern gelernt werden. Anschließend werden Silben präsentiert, die man entsprechend zu Wörtern ergänzen muss. Die Teilnehmer sind sich in der Regel nicht bewusst, dass sie die Silben zu den vorher präsentierten Wörtern ergänzen sollen. Hier verwenden die Teilnehmer ihr implizites Gedächtnis, wenn sie die Silben zu einem vorher präsentierten Wort ergänzen. Je nach Anzahl der Wörter die entsprechend der vorherigen Liste ergänzt wurden, kann man die Stärke des Priming-Effekts bestimmten.
  • Konzeptuell und Wiederholung – Messung: die lexikale Entscheidungsaufgabe (Lexical decision task; LDT) wird für psycho-linguistische Experimente verwendet. Hiermit wird gemessen, wie lange eine Person benötigt, festzustellen, ob eine Reihe von Buchstaben ein reales Wort ergeben, oder nicht.

Priming-Effekte aus der Sozialpsychologie 

Es gibt viele Möglichkeiten, das Verhalten durch Priming zu beeinflussen und sogar die Einstellung bestimmten Dingen gegenüber zu verändern.

  • So laufen Leute beispielsweise langsamer einen Flur entlang, wenn sie vorher auf das Wort “Alt” geprimet wurden.
  • Bringt man Leute dazu zu nicken oder den Kopf zu schüttel (indem man ihnen beispielsweise Kopfhörer aufsetzt und behauptet, man soll ihren Halt auf dem Kopf testen, indem man den Kopf entsprechend bewegt) hat dies einen Einfluss auf die affektive Bewertung von Dingen, die einem währenddessen angeblich zusammenhangslos präsentiert werden. So bewerten die Personen, die den Kopf schütteln während sie einen Schokoriegel sehen diesen im Anschluss als weniger appetitlich als Personen, die während sie den Schokoriegel sahen nickten.
  • Auch in der Werbung wird sich der Priming-Effekt zu Nutze gemacht. So werden die umworbenen Artikel mit positiven Dingen in Zusammenhang gebracht, die teilweise ganz offensichtlich nichts miteinander zutun haben. Das umworbene Produkt wird so aber als positiver wahrgenommen.

Priming ist ein interessantes Phänomen, das uns alle im tagtäglichen Leben beeinflusst, dieser Prozess lässt sich mit dem eigenen Verhalten und dem Verhalten von anderen Personen in Zusammenhang bringen. Das nächste Mal, wenn Du dir also einen Film anguckst, der an einem traumhaften Strand spielt und du danach beginnst dir anzugucken, wann es günstige Flüge ans Meer gibt, bist du nicht verrückt, sondern wurdest vorher lediglich greprimet.

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Dieser Artikel ist eine Übersetzung des englischen Artikels von Jessica Taylor, Psychologin bei CogniFit.

Heuristik – Die Basis für schnelle Entscheidungen in komplexen Umwelten

Jeden Tag müssen wir unzählige Entscheidungen treffen, oft ohne viel Zeit zu haben über sie nachzudenken. Doch welche Strategie wenden wir an, um uns in diesen Fällen zu entscheiden? Oft nutzen wir dafür eine sogenannte Heuristik. Umgangssprachlich als Daumenregel oder Faustregel bezeichnet, bieten diese heuristischen Strategien die Möglichkeit schnell und adaptiv auf die Umwelt reagieren zu können. Im folgenden Artikel wird erklärt, was eine Heuristik ist, Beispiele genannt und welche Vor- und Nachteile durch Heuristiken entstehen können.

Heuristik – Die Basis für schnelle Entscheidungen in komplexen Umwelten

Stellen wir uns einmal vor, wir stehen auf einem Platz und spielen Baseball. Das Gegenüber schießt den Ball hoch in die Luft – ein sogenannter Flyball –  daraufhin rennen wir über den Platz und fangen den Ball auf. Doch wie machen wir das? Berechnen wir die komplexe mathematische Flugkurve des Balles in unserem Gehirn in Sekunden schnelle? Nein, das tun wir nicht.

Die Lösung: eine Heuristik

Wir nutzen eine Heuristik – eine mentale Daumenregel – um den Ball zu fangen. In diesem Fall fixieren wir den Ball mit unseren Augen hoch oben am Himmel und rennen los. Dabei laufen wir so schnell, dass der Blickwinkel zwischen Auge und Ball gleich bleibt. Wenn wir sehen, dass der Ball sich nach unten bewegt, laufen wir nach vorne. Bewegt sich der Ball nach oben, laufen wir rückwärts. Dabei passen wir die Laufgeschwindigkeit so lange an, bis sich der Ball scheinbar nicht mehr bewegt und nur noch größer wird. Tun wir das kommen wir nämlich genau dort an, wo der Ball aufkommt und können ihn auffangen. Die Blick-Heuristik hat in diesem Fall geholfen die richtige Entscheidung zu treffen (uns in eine bestimmte Richtung zu bewegen) und das Ziel zu erreichen (den Ball aufzufangen).

Wir haben es geschafft mithilfe weniger Informationen (wir wissen weder wie viele Meter unser Gegenüber entfernt steht, noch den Abschusswinkel, die Geschwindigkeit des Balles oder den genauen Luftwiderstand) eine adäquate Lösung für unser Problem zu finden. Dank einer Heuristik!

Definition Heuristik

Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie auffinden oder entdecken und bezeichnet die Fähigkeit mit unvollständigen Informationen, begrenztem Wissen und wenig Zeit oder Motivation dennoch zu einer guten und passenden Entscheidung zu kommen. In der Psychologie werden einfache aber effiziente Regeln als Heuristik bezeichnet.

Heuristiken kommen eben dann zum Einsatz, wenn wir nicht alle Informationen über die Situation kennen und es somit unmöglich ist, eine perfekte Entscheidung zu treffen. Im Alltag haben wir so gut wie nie die Möglichkeit alle Handlungsalternativen abzuwägen oder alle Informationen über unsere Umwelt zu sammeln, sondern müssen spontan und schnell handeln. Eine Heuristik liefert uns in den meisten dieser Fälle ein gutes Ergebnis. Durch die Verwendung von Heuristiken können aber auch systematisch verzerrte Schlussfolgerungen entstehen.

Eigenschaften von Heuristiken

Wodurch zeichnen sich Heuristiken aus?

  1. Eine Heuristik nutzt intuitive oder erlernte kognitive Fähigkeiten. Das bedeutet, dass eine Heuristik einfach anzuwenden ist, weil sie auf einer individuell und evolutionär erworbenen Fähigkeit basiert. Beispielsweise ist es für uns Menschen verhältnismäßig einfach ein Objekt mit unseren Augen zu verfolgen. Diese Fähigkeit ist die Grundlage der Blick-Heuristik.
  2. Eine Heuristik macht sich die Struktur der Umwelt zu Nutze. Eine Heuristik ist nicht entweder gut oder schlecht, sondern funktioniert in Abhängigkeit der gegebenen Umwelt. Sie sind nicht per se rational, sondern ökologisch rational. Heuristiken lassen sich nur für bestimmte Situationen gut anwenden und sind bis zu einem bestimmten Punkt bereichsspezifisch.
  3. Durch Heuristiken lässt sich Verhalten vorhersagen. Würde man davon ausgehen, dass die Person die Flugbahn berechnet, um den Ball fangen, würde sich die Person in direktem Weg zu der Aufschlagstelle begeben, um dort auf den Ball zu warten. Bei der Verwendung der Blick-Heuristik ist die Grundlage jedoch die Konstanthaltung des Blickwinkels was zur Folge hat, dass der Ball im Laufen gefangen wird. Diese Annahme entspricht dem real gezeigten Verhalten.

Heuristiken sind sowohl mit der Umwelt, als auch mit unserem Gehirn und unseren kognitiven Fähigkeiten verbunden.

Heuristiken Beispiele

Im folgenden Abschnitt werden zwei bekannte und intensiv erforschte Heuristiken vorgestellt. Zusätzlich werden die kognitiven Verzerrungen (systematischen Fehler), die im Zusammenhang mit ihrer Verwendung häufig auftreten anhand von Beispielen erläutert.

Die Verfügbarkeitsheuristik

Diese Heuristik wird verwendet, um die Häufigkeit oder Wichtigkeit eines Ereignisses zu schätzen, wenn nicht auf statistische Daten zurückgegriffen wird. Die Entscheidung wird in diesem Fall auf Basis der Verfügbarkeit eines Ereignisses in unserem Gedächtnis getroffen. Ereignisse, die wir schnell aus unserem Gedächtnis abrufen können, oder bei denen wir eine hohe Anzahl an Beispielen kennen, erscheinen uns wahrscheinlicher als solche, an die wir uns nur mit Mühe erinnern, oder wir nur wenige Beispiele kennen. Für Schlussfolgerungen ziehen wir also bevorzugt die Ereignisse heran, die wir besonders leicht aus unserem Gedächtnis abrufen können.

Möglicher systematischer Fehler: Durch persönliche Erfahrungen oder den Konsum von Medien kann es dazu kommen, dass wir die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Ereignisses über- oder unterschätzen.

Beispiele: 

  • Ein Rettungssanitäter wird aufgrund seiner Arbeit die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Unfalls eher überschätzen, ein regulärer Verkehrsteilnehmer diese eher unterschätzen.
  • Nach dem 11 September 2001 wurde die Wahrscheinlichkeit eines Terroranschlags von vielen Menschen aufgrund der enormen Medienpräsenz deutlich überschätzt, sodass viele auf die Alternative Auto umstiegen. In Folge dessen kamen im Jahr nach dem Anschlag über Tausend Menschen mehr in den USA bei Autounfällen ums Leben als das Jahr zuvor.

Die Repräsentativitätsheuristik

Bei dieser Urteilsheuristik wird die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses danach bewertet, wie sehr dieses einem Prototypen entspricht. Auf Grundlage dieser prototypischen Information werden entsprechende Schlussfolgerungen gezogen.

Möglicher systematischer Fehler:  
Da bei Anwendung der Repräsentativitätsheuristik Basisraten und statistische Eintrittswahrscheinlichkeiten missachtet werden, kann es zu Fehleinschätzungen kommen.

Beispiele: 

  • Wenn wir Lotto spielen, erscheint uns die Kombination “12, 5, 33, 26, 17, 1” eine übliche und repräsentative Ziehung. Die Kombination “1, 2, 3, 4, 5, 6” erscheint uns dagegen wenig prototypisch, obwohl ihre Ziehung genauso wahrscheinlich ist. Die letzte Zahlenkombination wird entsprechend auch deutlich seltener getippt.
  • Kahnemann und Tversky (1983) übergaben ihren Probanden eine schriftliche Beschreibung einer Frau, in welcher ihre Tätigkeit als Frauenrechtlerin und ihr Kampf für Emanzipation beschrieben wurde. Im Anschluss mussten die Probanden die Wahrscheinlichkeit angeben, mit welcher sie glaubten, dass die Frau eine Bankangestellte, eine Feministin oder eine Bankangestellte und Feministin sei. Hierbei schätzen die meisten, dass es wahrscheinlicher sei, dass sie Bankangestellte und Feministin ist, als nur Bankangestellte. Dies ist jedoch falsch. Die Wahrscheinlichkeit für zwei gleichzeitig auftretende Ereignisse kann nicht höher sein, als die Eintrittswahrscheinlichkeit für nur eines der beiden Ereignisse.

Heuristik – eine gute Strategie?

Sowohl die Verfügbarkeitsheuristik als auch die Repräsentativitätsheuristik können bei ihrer Anwendung zu kognitiven Verzerrungen führen und somit zu weniger guten Entscheidungen. Die Blick-Heuristik dagegen scheint uns in unserem Beispiel auf effektive und akzeptable Art und Weise zu unserem Ziel zu führen. Diese Beispiele erwecken den Eindruck, dass Heuristiken generell zu einer schlechteren oder höchstens gleich guten Lösung führen, im Gegensatz zu einer Entscheidungsfindung bei der alle verfügbaren Informationen einbezogen werden.

In der Psychologie wurden Heuristiken lange Zeit hauptsächlich als verzerrende und fehleranfällige Daumenregeln angesehen, weil sie einen großen Teil der verfügbaren Information ignorieren. Wie kommt es dann aber dazu, dass wir Menschen im Alltag gut zurechtkommen?

Die Strategie, Informationen zu ignorieren und nur einen Teil dieser in die Entscheidungsfindung einzubeziehen kann mitunter zu besseren Ergebnissen führen.

Gerd Gigerenzer untersucht am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin schnelle und einfache Heuristiken. Die von ihm vorgeschlagene Wiedererkennungsheurisitk verdeutlicht, dass das Fehlen oder Ignorieren bestimmter Informationen sogar zu einer besseren Leistung führen kann.

Die Wiedererkennungsheuristik (Rekognitionsheuristik)

Wir stellen uns einmal vor wir säßen in einer Quizshow und müssten folgende Frage beantworten:

Welche dieser beiden Städte hat mehr Einwohner? San Diego oder San Antonio?

Da diese Städte in Amerika liegen, sollten Amerikaner eine gute Chance haben diese Frage richtig zu beantworten. In der Tat beantworteten etwa zwei Drittel der in einer Studie befragten Studenten aus Chicago diese Frage richtig.

Wie sieht es mit der gleichen Frage in Deutschland aus?

Die meisten Deutschen wissen wenig über San Diego und von San Antonio hat kaum jemand jemals gehört. Das scheint die Chancen auf eine richtige Antwort zu verringern.

Doch das Gegenteil ist der Fall, von den Befragten Deutschen gaben 100% die richtige Antwort – und das obwohl sie es eigentlich nicht wussten. Wie kann das sein?

Die Rekognitionsheuristik: “Wenn von zwei Objekten nur eines wiedererkannt wird, dann hat dieses Objekt einen höheren Wert auf dem Kriterium”

Ganz einfach, sie konnten auf die Rekognitionsheuristik (Wiedererkennungsheuristik) zurückgreifen, die es in dem Fall erlaubt eine richtige Entscheidung zu treffen. Wenn es zwischen dem Wiedererkennen und dem Kriterium (hier Einwohnerzahl) einen positiven Zusammenhang gibt, kann diese Heuristik nützlich sein.

In unserem Beispiel gibt es eindeutig einen positiven Zusammenhang. Je mehr Einwohner eine Stadt hat, desto wahrscheinlicher ist es, dass wir von dieser schon einmal gehört haben. Die meisten Amerikaner kennen in diesem Beispiel hingegen beide Orte, sodass sie zur Beantwortung der Frage ein anderes Kriterium heranziehen müssen, wobei es häufiger zu Fehlern kommt oder sie neben der Wiedererkennung keine anderen Kriterien haben und einfach raten müssen.

Fehlende Information kann zu besseren Entscheidungen führen

Gerd Gigerenzer und seine Forschungsgruppe gingen sogar noch einen Schritt weiter: Sie verglichen den Vorhersagewert zu Investitionen an der Börse. Dabei verglichen sie die Prognosen von Straßenpassanten, die einfach ihnen bekannte Börsenunternehmen nannten mit den Prognosen von Finanzexperten und Börsenanalytikern. Es zeigt sich, dass Passanten die Börsenentwicklung besser vorhersagen konnten als die Experten.

Heuristiken ignorieren einen Teil der verfügbaren Informationen

Heuristiken sind Strategien, die dabei helfen, zeitsparend und ohne ohne große Mühe, Entscheidungen zu treffen. Dies geschieht, indem Heuristiken Teile der Informationen ignorieren und sich basale Umwelt- und Gehirnstrukturen zu Nutzen machen. Durch die schnelle Verarbeitung und das Ignorieren von Informationen können kognitive Verzerrungen auftreten, was zu schlechten Entscheidungen führen kann. Andererseits gibt es auch Fälle, in denen Heuristiken zu besseren Ergebnissen führen, als Strategien, die alle verfügbaren Informationen mit einbezieht.

Es ist dementsprechend gut, sich bestimmte Heuristiken bewusst zu machen, um Fehler zu vermeiden. Andererseits verdanken wir Heuristiken die Tatsache, dass wir im Alltag mühelos Entscheidungen treffen können und teilweise mit weniger Information sogar bessere Leistungen erzielen.

Referenzen:

Gigerenzer, Gerd. “Einfache Heuristiken für komplexe Entscheidungen.” (2006).

Gigerenzer, Gerd, Peter M. Todd, and the ABC Research Group. Simple heuristics that make us smart. Oxford University Press, 1999.

Hertwig, Ralph. “Strategien und Heuristiken.” Handbuch der Psychologie. Hogrefe, 2006. 461-469.

Sivak, Michael, and Michael J. Flannagan. “Consequences for road traffic fatalities of the reduction in flying following September 11, 2001.” Transportation Research Part F: Traffic Psychology and Behaviour 7.4 (2004): 301-305.

Tversky, Amos, and Daniel Kahneman. “Extensional versus intuitive reasoning: The conjunction fallacy in probability judgment.” Psychological review 90.4 (1983): 293.

Intrinsische Motivation: Was uns antreibt, unsere Ziele zu verwirklichen

Was bringt uns dazu gerne zu Fotografieren oder uns in einem Tanzkurs anzumelden? Wieso beschäftigen sich manche Menschen mit Dingen, aus denen sie keinerlei finanziellen Nutzen ziehen? Und was gibt uns die Energie unsere Ziele zu verfolgen? Eine wichtige Rolle spielt die intrinsische Motivation. In dem folgenden Artikel wird über diese antreibende Kraft gesprochen. Sie trägt dazu bei, dass wir nicht aufgeben, um unsere persönlichen Ziele zu erreichen. 

intrinsische Motivation

Was ist die intrinsische Motivation?

Motivation ist ein psychischer Prozess, der es uns ermöglicht nach einer bestimmten Art und Weise zu handeln. Wir können motiviert sein an einem Wettbewerb teilzunehmen, einen Mittagsschlaf zu machen oder vor einer unangenehmen Situation zu fliehen. Die Motivation hilft uns, uns an die Umwelt anzupassen und den Herausforderungen unterschiedlicher Situationen zu begegnen.

Gründe für die motivationalen Prozesse sind hierbei je nach Person sehr verschieden. Auch innerhalb einer Person variieren diese je nach Situation und Umständen.

Definition Motivation

Es lassen sich zwei grundlegende Arten der Motivation unterscheiden, die intrinsische Motivation und die extrinsische Motivation.

Die intrinsische Motivation hat ihren Ursprung in unserem Inneren, wenn wir wirklich Interesse haben uns auf eine bestimmte Weise zu verhalten ohne dafür eine Belohnung zu erwarten. Ein Beispiel der intrinsischen Motivation wäre es, unsere Zeit einer NGO zu widmen, obwohl diese Tätigkeit weder vergütet ist noch sonst irgendeinen Vorteil für uns bringt – abgesehen von der persönlichen Zufriedenheit.

Im Gegensatz dazu ist die extrinsische Motivation auf äußere Anreize (oder der Vermeidung von Bestrafung) zurückzuführen. Ein Beispiel dafür ist eine hart arbeitende Person, die so eine Gehaltserhöhung bekommt.

Es gibt zahlreiche Unterschiede zwischen der extrinsischen und intrinsischen Motivation, der Hauptunterschied liegt aber darin, dass die extrinsischen Motivation an die Erwartung einer Belohnung oder die Vermeidung einer Bestrafung geknüpft ist.

Ein und dieselbe Aufgabenausführung kann sowohl durch extrinsische als auch intrinsische Gründe motiviert sein. So kann jemand regelmäßig ins Fitnessstudio gehen um eine Belohnung wie Gewichtsverlust zu erhalten, andere Leute treiben hingegen Sport des Sportes Willens.

Im Folgenden wird auf die intrinsische Motivation genauer eingegangen. Dabei werden die zentralen Aspekte beleuchtet und gezeigt, wie sich diese Art der Motivation erhöhen lässt.

Intrinsische Motivation: Charakteristika 

  • Wir können unsere intrinsische Motivation beeinflussen: Ab und zu fällt es uns schwer die Ziele zu identifizieren, bei denen wir das beste von uns geben würden. Nichtsdestotrotz sind wir allgemein in der Lage Tätigkeiten zu finden, die unsere Neugierde wecken.
  • Belohnung kann dazu führen, dass die intrinsische Motivation verschwindet: Es hat sich in mehreren Studien gezeigt, dass in verschiedenen Kulturen die materielle Belohnung bestimmter Tätigkeiten zu einer schlechteren Leistung der Personen führt. Wie ist das möglich? Gemäß der Theorie der Überrechtfertigung sinkt das Interesse für eine bestimmte Aufgabe, wenn man dafür extrinsisch belohnt wird. Wenn jemand gerne zeichnet, dann aber dafür bezahlt wird als Illustratorin zu arbeiten, ist es möglich, dass anschließend das Zeichnen mehr als Pflicht und nicht mehr als Leidenschaft wahrgenommen wird.
  • Ebenfalls gibt es Formen der Belohnung, welche die intrinsische Motivation erhöhen: Im Gegensatz zur eben genannten materiellen Belohnung, können gezeigte soziale Unterstützung oder Anerkennung geschätzter Personen sehr wohl die intrinsische Motivation erhöhen. Eine erwartete materielle Belohnungen ist jedoch das, was uns uns am meisten daran hindert unsere Fähigkeiten zu entwickeln und uns den Aufgaben zu widmen, die uns wirklich begeistern.
  • Der Schwierigkeitsgrad hat Auswirkungen auf die intrinsische Motivation: Unsere Ziele laden uns dazu ein unsere Fähigkeiten maximal zu entwickeln und zu erhalten. Nichtsdestotrotz müssen wir davon überzeugt sein, den entsprechenden Herausforderungen gewachsen zu sein. Andererseits erscheinen uns zu einfache Aufgaben langweilig und interessieren uns nicht. Wenn wir ein perfektes Gleichgewicht des Schwierigkeitsgrades finden und voll und ganz in unserer Aufgabe aufgehen, dann spricht man vom sogenannten Flow, wie Csikszentmihalyi ungarischer Psychologe, bestätigt.

Intrinsische Motivation: Anwendung und Beispiele

Intrinsische Motivation in der Schule

Während der schulischen Ausbildung werden wir regelmäßig mit Inhalten konfrontiert, die uns langweilig oder sogar unangenehm erscheinen. Doch selbst wenn wir uns dem widmen, was uns wirklich motiviert, stoßen wir auf Hindernisse. Was lässt sich tun, um nicht aufzugeben?

Erst einmal ist es wichtig das Lernverhalten des Kindes zu stärken, ohne dabei direkt auf materielle Verstärkung zurückzugreifen, wenn es beispielsweise die Hausaufgaben erledigt. Eine Bestrafung anzudrohen ist ebenfalls keine wirksame Methode. Grundlegend sollte dem Kind beigebracht werden, dass es sich um eine befriedigende Aktivität handelt und kein Mittel zum Zweck ist. Die Motivation ist im Lernprozess elementar wichtig.

Es ist einfacher signifikativ zu lernen, wenn wir: Wissen wertschätzen; Neugierde fördern; uns hilfreiche Lernmethoden angewöhnen; Verbindungen zwischen Lerninhalten und unserem Alltagsleben herstellen und so entdecken, dass die Lerninhalte eine praktische Relevanz haben, usw.

Intrinsische Motivation bei der Arbeit

Die intrinsische Motivation ist im Arbeitsleben ein Schlüssel zum Erfolg. Wir alle kennen das Gefühl, dass wir ständig auf die Uhr gucken und die Zeit nicht vergeht, weil die Aufgabe, die wir zu erledigen haben uns keinen Spaß macht und wir endlich etwas Schönes unternehmen wollen. Gleichzeitig wissen wir, dass wir mit diesem Verhalten nicht zu erfolgreichen Ergebnissen kommen. Diese Umstände führen dazu, dass wir noch weniger Lust haben weiterzuarbeiten.

Es ist nicht immer einfach die Möglichkeit zu haben seinen Traumjob auszuüben. Dennoch gibt es Wege, in unserem Arbeitsleben motiviert zu sein: indem wir adäquate Pausen machen; mit unseren Arbeitskollegen eine gute Beziehung aufbauen; nicht in der Routine stecken bleiben, indem wir neue Lösungsansätze für unsere Probleme finden; etc.

Am Arbeitsplatz freiwillig Aufgaben zu übernehmen, kann die allgemeine Arbeitsbereitschaft und Motivation aller Mitarbeiter zur Folge haben. Diese kooperative soziale Verantwortlichkeit erzeugt somit sowohl Vorteile für die Leute die sie empfangen, als auch für die Person, die sie sendet.

Es gibt noch weitere Techniken, die von Unternehmen angewandt werden, um die Motivation ihrer Mitarbeiter zu steigern: von Zeit zu Zeit den Raum für eigens entwickelte Projekte zu bieten; ihre Aus- und Weiterbildungen zu finanzieren und ihre Stärken anzuerkennen. Das ist äußerst nützlich, um zu erreichen, dass die Mitarbeiter zufriedener sind und sich anstrengen – anstatt die Minuten bis zum Feierabend zu zählen.

Intrinsische Motivation im Alltag

Es existieren unzählige Alltagsaufgaben die wir um einiges besser ausführen, wenn wir eine intrinsische Motivation verspüren. Wir kochen aufwendiger und besser, wenn uns die Tätigkeit an sich Freude bereitet und nicht ausschließlich dazu dient uns zu ernähren.

Persönliche Beziehungen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle für unsere intrinsischen Motivation. Eine Verbindung zu Leuten aufzubauen, kann entscheidend dazu beitragen uns für eine bestimmte Aktivität zu motivieren. Mit Freunden zusammen eine Wanderung zu unternehmen oder ins Museum zu gehen, kann unsere Lust nach Bewegung und Kultur deutlich steigern.

Intrinsische Motivation: Vorteile 

  • Steigert unsere Produktivität: Die intrinsische Motivation fördert unsere Assoziationsfähigkeit und Originalität bei der Lösung von Problemen. Das führt dazu, dass wir weniger schnell ermüden und eine positive Einstellung unseren Aufgaben gegenüber aufrechterhalten können.
  • Erhöht das Wohlbefinden: Zu Wissen welche Aufgaben uns Freude bereiten und diesen Zeit widmen zu können, ist eine unversiegbare Quelle persönlicher und professioneller Zufriedenheit.
  • Steigert unser Selbstbewusstsein und Selbstwirksamkeit: Der Aufwand, den wir für uns motivierende Aufgaben aufwenden, ist in der Regel durch große Fortschritte gekennzeichnet. Dies führt dazu, dass wir uns kompetent und zufrieden fühlen. Wen erfüllt es nicht mit Stolz und Freude, wenn er Fortschritte in der Aufgabe macht, die ihm gefällt?
  • Erleichtert die Autonomie: die intrinsische Motivation treibt uns dazu an unser Wissen in den Bereichen zu erweitern die uns interessieren; eine Aufgabe zu bearbeiten ohne dass uns jemand darum bittet; Eigeninitiative zu ergreifen, um eigene Werke zu erschaffen.
  • Ist stabiler als die extrinsische Motivation: Wenn eine Entlohnung für unsere Aufgabe erhalten, hören wir in zahlreichen Fällen auf das Ziel zu verfolgen, das wir hatten. Wenn beispielsweise unser Ziel war, die Biologieprüfung zu bestehen und wir eine 4 als Endnote bekommen, ist es sehr wahrscheinlich, dass wir, sobald wir unsere Note erfahren, dieses Fach vergessen. Wenn uns der Inhalt hingegen mitreißt, werden wir versuchen weitere Sachen zu lernen, auch wenn wir keine Prüfungen mehr haben.

Obwohl die intrinsische Motivation positiver erscheint als die extrinsische, ist diese trotzdem notwendig. Es ist beispielsweise nicht möglich, den Mitarbeitern im Unternehmen kein Gehalt mehr auszuzahlen, wenn sich ihre Leistung verringert.

Außerdem ist es möglich, beide Motivationsformen zu kombinieren. Beispielsweise kann es sein, dass wir beginnen in eine Yoga-Klasse zu gehen, um unsere Rückenschmerzen loszuwerden und am Ende gehen wir dorthin, weil es uns unheimlichen Spaß bereitet. Wichtig ist, die externe Belohnung nicht als Hauptziel anzusehen.

Wie lässt sich die intrinsische Motivation entwickeln? 5 grundlegende Tipps

1. Vermeide Routine

Das Gefühl von Monotonie führt zu Müdigkeit und Langeweile. Wenn du beispielsweise gerne morgens joggen gehst um aktiv zu werden, kannst du versuchen deine Route zu variieren und so neue Alternativen zu entdecken. Herausforderungen motivieren uns, Engagement für Aktivitäten aufzubringen, die uns begeistern.

2. Nimm eine positive Haltung ein

Grundlegend ist es wichtig, sich auf den Prozess zu konzentrieren ohne dabei Druck auf sich auszuüben perfekte Ergebnisse erzielen zu müssen. Uns selbst zu vertrauen und uns positiv zu bewerten, ist fundamental für unser Wohlbefinden. Des Weiteren sollten wir nicht vergessen, dass das Ziel der Aufgabe sein sollte, diese ohne Druck und negative Gedanken zu genießen, wenn wir diese durch intrinsische Motivation heraus begonnen haben.

3. Sei nicht zu anspruchsvoll mit dir selbst 

Uns unerreichbare Ziele zu setzen oder unsere Ergebnisse negativ zu bewerten, ist kontraproduktiv für unsere intrinsische Motivation. Trotzdem ist es gut, kritisch mit uns selbst zu bleiben, wir sollten versuchen uns objektiv zu bewerten. Dabei ist es von Vorteil, sich auf das zu konzentrieren was wir verbessern können und dabei konkrete Bereiche vor Augen haben, anstatt nur an unsere Fehler zu denken und uns für diese zu bestrafen.

4. Belohne deine Fortschritte

Obwohl angemerkt wurde, dass die intrinsische Motivation nicht auf Belohnung beruht, ist es wichtig, dass wir unsere Verdienste anerkennen. Ebenso sollten wir uns für das was wir erreicht haben loben. Dabei können wir uns kleine Pausen oder Gelüste für unsere geleistete Arbeit gewähren.

5. Umgebe dich mit Personen, die ähnliche Interessen haben wie du selbst 

Wenn wir an sich schon gerne Tanzen und zusätzlich aber auch noch einen Freundeskreis haben, der gerne neue Choreographien einstudiert, steigt mit Sicherheit unser Interesse. Es ist wichtig, dass wir unsere Erfahrungen mit Menschen teilen können, die sich für die gleichen Dinge begeistern wie wir. Heutzutage ist es glücklicherweise relativ einfach Leute zu finden, bei denen dies der Fall ist.

Intrinsische Motivation: Autoren

– Abraham Maslow

Maslow ist einer der bekanntesten Theoretiker der Motivationslehre. Dieser humanistische Psychologe ist vor allem für seine Bedürfnispyramide bekannt, in welcher die menschlichen Bedürfnisse hierarchisch angeordnet sind. Die intrinsische Motivation ist hierbei vor allem mit der Spitze der Pyramide assoziiert, basierend auf dem Bedürfnis der Selbstverwirklichung. In der Selbstverwirklichung erreicht unsere Existenz ihren maximalen Sinn und unser gesamtes Potential lässt sich verwirklichen.

– Albert Bandura

Dieser Psychologe entwickelte das Konzept der Selbstwirksamkeitserwartung. Es bezeichnet die Idee, dass die Meinung einer Person über eine Aufgabenausführung von der Erfolgserwartung, Ausdauer und wie viel Zeit sie dieser widmet, abhängt. Wenn wir zum Beispiel merken, dass wir durch große Anstrengungen unser Englisch verbessern können, werden wir uns stolzer und fähiger fühlen unsere Sprachkenntnisse zu perfektionieren. Personen, die an ihre eigenen Kompetenzen glauben, zeigen eine höhere Ausdauer bei der Aufgabenbewältigung.

– Eduard Deci und Richard Ryan

Die von diesen Autoren postulierte Selbstbestimmungstheorie geht davon aus, dass wir uns den Aufgaben widmen die uns interessieren, statt jenen die in uns kein Interesse hervorrufen. Diese Theorie ist besonders für den sportlichen Bereich wichtig. Wir müssen eine gewisse Autonomie besitzen wenn wir unsere Entscheidungen treffen. Unsere Vorlieben sind sehr verschieden und jede Person handelt entsprechend ihrer Präferenzen.

– Mihaly Csikszentmihalyi

Dieser Spezialist der positiven Psychologie untersucht den Zustand des Flows, der entsteht, wenn wir uns in eine Aufgabe vertiefen, die weder zu leicht noch zu schwierig für uns ist. In diesem Zustand konzentrieren wir uns ganz auf die Aufgabe und vergessen die Zeit und alles andere um uns herum. Ein Beispiel können Künstler sein, die in ihre Arbeit versunken ihre Werke erschaffen.

Csikszentmihalyi ist Experte auf dem Gebiet der Kreativität und untersucht mit seiner Forschung den Zustand des Flows. In dem folgenden Video erklärt er einen Teil seiner Entdeckungen und die entscheidende Rolle, welche die intrinsische Motivation darin spielt.

Falls Fragen oder Anmerkungen zum Artikel bestehen, kann gerne die Kommentarfunktion genutzt werden.

Übersetzt aus dem Spanischen: Ainhoa Arranz Aldana, Psychologin bei CogniFit.

Sprech- und Sprachstörungen: Welche gibt es, wie diagnostiziert und behandelt man sie?

Was sind Sprachstörungen? Sprachstörungen, Sprechstörungen oder Sprachbehinderungen beziehen sich auf Probleme der Kommunikation oder andere Bereiche, wie beispielsweise die oralen motorischen Funktionen, die ebenfalls mit der Sprache zusammenhängen. Sprech- und Sprachstörungen können sehr unterschiedliche Symptome aufweisen und reichen von Verständnisproblemen bis hin zu Logorrhoe. Außerdem können sie von Geburt an, oder erst im Erwachsenenalter in Erscheinung treten.

Ursachen von Sprech- oder Sprachstörungen

Es gibt diverse Ursachen für Sprech- oder Sprachstörungen. Wir können die Ursachen je nach Auslöser der Störung unterscheiden. Bei organischen Ursachen, welche sich auf jegliches für die Funktionsweise der Sprache wichtige Organ beziehen können, lassen sich folgende Ursachen unterscheiden:

  • Erbliche Ursachen: Wenn die Sprech- oder Sprachstörungen von den Eltern geerbt werden.
  • Angeborene Ursachen: Wenn die Sprech- oder Sprachstörungen durch den Gebrauch von Pharmazeutika oder Komplikationen während der Schwangerschaft auftreten.
  • Perinatale Ursachen: Die Sprech- oder Sprachstörungen entstehen durch Komplikationen während der Geburt
  • Postnatale Ursachen: Die Sprech- oder Sprachstörungen entstehen nach der Schwangerschaft, ein Beispiel sind die Sprech- oder Sprachstörungen, die durch eine Frühgeburt verursacht werden.

Zusätzlich zu den organischen Ursachen gibt es die funktionellen Ursachen, welche auf eine pathologische Funktionsweise der Organe zurückzuführen sind, die in die Sprache verwickelt sind. Ebenfalls gibt es hormonelle Ursachen, die vor allem die psychomotorische Entwicklung des Kindes beeinflussen. Ökologische Ursachen sind auch ein Faktor, der Einfluss auf die Sprache nehmen kann, das Umfeld kann hierbei die sprachlichen Fähigkeiten eines Individuums beeinflussen. Abschließend spielen die psychosomatischen Ursachen ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Sprachstörungen, da unser Denken einen großen Einfluss auf uns hat und es so zu einem anormalen Sprachgebrauch kommen kann. In gleicher Weise können Sprachschwierigkeiten auch unsere Gedanken beeinflussen. Beides kann die Fähigkeit des korrekten mündlichen Ausdrucks und Verständnisses erschweren.

Symptome von Sprech- oder Sprachstörungen

Verschiedene Symptome können eine mögliche Sprach- oder Sprechstörung, abhängig von der Störung und der betroffenen Sprachzone, vorhersagen. In der folgenden Klassifikation lassen sich verschiedene Symptome der allgemeinen Sprach- und Sprechstörungen unterscheiden:

  • Symptome einer Störung in der Ausdrucksentwicklung: Diese Störungen lassen sich beispielsweise durch einen extrem begrenzten Wortschatz erkennen, durch Schwierigkeiten beim Wörtermerken oder bei der Generierung von langen Sätzen (Sprachstörung).
  • Symptome einer Mischstörung der expressiv-rezeptiven Sprache: Hierbei zeigen sich die gleichen Symptome wie im vorherigen Abschnitt des Ausdrucks. Zusätzlich treten Probleme bei dem Sprachempfang auf, wie zum Beispiel das Verständnis von Wörtern oder Sätzen (Sprachstörung).
  • Symptome einer phonologischen Störung: Die Betroffenen zeichnen sich durch die Unfähigkeit aus, gewisse Sprachlaute verwenden zu können. Ebenfalls machen sie Fehler bei der Erzeugung, Darstellung und/oder Verwendung von Lauten (Sprechstörung).

Die Redeflussstörungen zeichnen sich durch Unterbrechungen, Pausen, Wiederholungen oder Einschübe aus. Zu diesen Störungen gehört das Stottern, eine der bekanntesten Sprechstörungen, bei der es zu einer Störung des Redeflusses und der Organisation der Worte kommt.

Obwohl Sprache an sich ein komplexer Prozess ist und diesbezügliche Störungen divers sind, lassen sich bestimmte Merkmale identifizieren, die eine mögliche Sprachentwicklungsstörungs anzeigen. Bei den Sprachstörungen bei Kindern, lassen sich die folgenden Anzeichen unterscheiden:

  • Die expressive Sprache betreffend: Ein Problem ist dann wahrscheinlich, wenn das Kind einen beschränkten aktiven Wortschatz hat als andere gleichaltrige Kinder, es dem Kind schwer fällt neue Wörter zu lernen, es verbale Zeiten verwechselt, es allgemeine statt spezifische Wörter nutzt, es selten spricht, es -obwohl es Wörter richtig aussprechen kann- sinnlose Sätze sagt, eine begrenzte Satzstruktur verwendet oder häufig bestimmte Phrasen verwendet.
  • Die rezeptive Sprache betreffendZeichen hierfür sind, dass das Kind desinteressiert wirkt wenn Menschen sprechen, es dem Kind schwer fällt bestimmte Anweisungen zu befolgen oder zu verstehen was gesagt/gesagt wird.

Für detaillierte Information über die kindliche Sprachentwicklung ist das untenstehende Video hilfreich:

Sprechstörungen: Klassifizierung und Typen

Die allgemeinen Typen der Sprechstörungen lassen sich folgendermaßen klassifizieren und unterscheiden:

1- Dysartrhien: 

Bei Dysarthrien handelt es sich um eine Reihe von Sprechstörungen, die aufgrund erworbener Hirnschäden bzw. Schädigungen der Hirnnerven und peripheren Gesichtsnerven entstehen. Diese Läsionen können sowohl die Ausführung als auch die Sprechbewegung einschränken.

2- Dyslalien:

Dyslalien umfassen Sprechstörungen der Aussprache beziehungsweise der Artikulation.  Hierbei kommt es zum Auslassen oder dem falschen Einsatz bestimmter Phoneme.

Es gibt hierbei verschiedene Ursachen von Dyslalien:

  • Physiologische Dyslalien: Die Ursache der Fehlartikulation ist, dass die Sprechorgane des Kindes noch nicht komplett ausgebildet sind, um bestimmte Worte zu artikulieren. Bis zu einem bestimmten Alter ist dies ganz normal und ist kein Anlass zur Sorge, insofern sich diese Probleme nicht über einen langen Zeitraum erstrecken.
  • Audiogene Dyslalien: Wie durch den Namen angedeutet, liegt die Ursache der Sprechstörung in einem Defekt im Hörvermögen des Kindes. Dadurch kann das Kind die Wörter nur eingeschränkt erkennen und imitieren, was dazu führt, dass das Kind sich nicht normal ausdrücken kann. Es ist naheliegend, dass wir schlecht sprechen, wenn wir schlecht hören.
  • Funktionelle Dyslalien: Diese Art der Dyslalie kann durch eine physiologische Dyslalie hervorgerufen werden. Hierbei bleibt die Sprechstörung bestehen, obwohl die Sprechorgane des Kindes bereits voll ausgebildet sind. Hierbei handelt es sich um einen Defekt in der Artikulierung der Botschaft.
  • Organische Dyslalien: Diese Art der Dyslalie wird auch Dysglossie genannt und ist auf Defekte der Sprechorgane zurückzuführen.

3- Dysglossien:

Die Dysglossie kann durch verschiedene organische Veränderungen ausgelöst werden. Hierbei kann es folgende Ursachen geben:

  • Labiale Dysglossien: Sie werden durch eine Veränderung der Form der Lippen verursacht. Zwei der bekanntesten Varianten sind die Hasenscharte oder das Lippenbändchen (Frenulum).
  • Mandibulare Dysglossien: Sie werden durch eine Veränderung der Form des Ober- oder/und Unterkiefers hervorgerufen. 
  • Dentale Dysglossien: Diese Art von Sprechstörung wird durch eine Veränderung der Form oder der Position der Zähne verursacht.
  • Linguale Dysglossien: werden durch Veränderungen der Zunge verursacht. Die Zunge ist ein Organ, das eine perfekte Synchronisierung zum Sprechen benötigt. Einige Störungen, die diese Art von Dysglossie auslösen können, sind die Ankyloglosson (angewachsenes Zungenbändchen), die Makroglossie (unverhältnismäßige Größe der Zunge) oder die einseitige oder beidseitige Lähmung der Zunge.
  • Nasale Dysglossien: werden durch Störungen verursacht, die verhindern, dass die Luft normal in die Lungen geleitet werden kann.
  • Palatale Dysglossien: werden durch Veränderungen des Gaumens verursacht.

4- Stottern

Das Stottern ist eine Sprechstörung des Redeflusses, die sich durch Spasmen und Wiederholungen aufgrund einer fehlerhaften Koordination der Ideomotrizität des Gehirns auszeichnet.

Weitere Störungen der Sprache: Klassifizierung und Typen

1- Aphasien

Diese Art der Sprachstörung tritt nach unterschiedlichen Erkrankungen auf, deren Ursache Verletzungen bestimmter Gehirnregionen ist, die mit der Sprache verbunden sind.

  • Broca-Aphasie: Die Borca-Aphasie wird durch eine Verletzung im Gyrus frontalis inferior, dem Broca-Areal und benachbarten Regionen verursacht. Betroffene leiden unter extremen Schwierigkeiten sich zu artikulieren und haben starke Wortfindungsstörungen. Sie sprechen meist in sehr kurzen Sätzen, hingegen bleibt das Verständnis größtenteils unversehrt oder wenig beschädigt.

  • Wernicke-Aphasie: Die Wernicke-Aphasie ist eine Sprachstörung, die durch Verletzungen im linken Temporallappen samt auditivem Cortex entsteht. Diese Störung ist auch als rezeptive Aphasie bekannt und zeichnet sich durch ein relativ flüssiges Sprechen aus, allerdings beinahe ohne informativen Wert. Es kommt zum semantischen Paraphasien (Wörterverwechslungen) und phonematischen Paraphasien (Lautverdrehungen) und Neologismen (Wortneuschöpfungen). Diese Symptome gehen mit Verständnisproblemen einher.

  • Leitungsaphasie: Diese Sprachstörung wird durch eine Verletzung im Fasciculus arcuatus und/oder anderen Verbindungen der Temporal- und Frontallappen verursacht. Diese Störung zeichnet sich durch einen relativ flüssigen spontanen Sprachgebrauch, ein gutes Verständnis aber mit Problemen des Nachsprechens aus. Die Leitungsaphasie beinhaltet manchmal Leseprobleme (verbessert sich beim lauten Vorlesen) und Schreibschwierigkeiten oder unter anderem Bezeichnungsfehler.

  • Transkortikale sensorische Aphasie: Diese Art von Störung wird durch eine Verletzung der Verbindungen zwischen den Parietal- und Temporallappen verursacht und sorgt für Verständnisschwierigkeiten einzelner Wörter, obwohl die Fähigkeit des Nachsprechens relativ intakt bleibt.
  • Anomische Aphasie: Sie wird durch Verletzungen in mehreren Teilen der Temporal- und Parietallappen verursacht und sorgt für Wortfindungsstörungen, wie beispielsweise Schwierigkeiten beim Benennen von Gegenständen. Die Sprache ist jedoch flüssig.
  • Globale Aphasie: Diese Aphasie ist die schwerste Form, es kommt zu Störungen bei allen Sprachfunktionen, sowohl der lautsprachlichen Äußerungen als auch des Sprachverständnisses. Die globale Aphasie wird meistens durch einen Totalinfarkt im Gebiet der Arteria cerebri media verursacht.

2- Legasthenie

Die Legasthenie, ist eine massive Störung des Schriftspracherwerbs. Da sie sehr bekannt ist, wird ihr nur ein kleiner Abschnitt in diesem Artikel gewidmet. Die auch als Lese-Rechtschreib-Schwäche oder LRS bezeichnete Störung  ist eine “Lernstörung des Lesens und Schreibens”, deren Ursprung in einem Problem der Nervenentwicklung des Individuums zu liegen scheint. Aktuell existieren professionelle Werkzeuge zur neuropsychologischen Bewertung der Legasthenie, zur Behandlung der Legasthenie im Klassenraum und Spiele zur kognitiven Stimulation für Kinder mit Legasthenie.

3- ADHS oder Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit Hyperaktivität

ADHS ist eine Störung, die Veränderungen der Sprache impliziert und bei den Betroffenen Probleme in zwei Bereichen hervorruft: beim Lernen und bei der Kommunikation. Laut einer Studie weisen Kinder mit ADHS Schwierigkeiten bei der phonologischen Organisation und der Syntax auf. Außerdem zeigen sie Probleme bei der semantischen Organisation und haben ein schlechteres auditives Gedächtnis. Heutzutage gibt es professionelle Werkzeuge für die neuropsychologische Bewertung von ADHS, Neurowissenschaftliche Werkzeuge zur Behandlung von Lernschwierigkeiten im Klassenraum und Übungen zur kognitiven Stimulation für Kinder mit ADHS.

4- Dyskalkulie

Ebenfalls soll die Dyskalkulie genannt werden, bei der es sich per se nicht um eine Störung der Sprache handelt, die aber das Verständnis einer “anderen Sprache” – der Mathematik – beeinflusst. Diese Störung beeinflusst die Fähigkeit mit Zahlen zu arbeiten und mathematische Konzepte zu verstehen. Diejenigen, die unter ihr leiden, verstehen die Logik mathematischer Prozesse nicht.

Heutzutage gibt es professionelle Werkzeuge für die neuropsychologische Bewertung der Dyskalkulie und Übungen zur kognitiven Stimulation für Kinder mit Dyskalkulie.

Wie Sprech- und Sprachstörungen diagnostiziert werden

Zur Diagnose von Sprachstörungen werden unter Beachtung bestimmter Richtlinien Tests durchgeführt. Bei der Betrachtung von Sprech- und Sprachstörungen bei Kindern müssen eine Reihe von Strategien verfolgt werden, um die Probleme zu identifizieren, die sich zu einer Störung entwickeln könnten.

Für eine professionelle Diagnose von einer Sprech- und Sprachstörung bei Kindern müssen zunächst die Eltern und die Schule beziehungsweise Lehrer befragt werden. Dadurch lassen sich wichtige Informationen zum Verhalten des Kindes und der Tragweite seiner Probleme erkennen. Außerdem muss das Kind selbst befragt werden, wobei hier Aufnahmen und ein Hörtest durchgeführt werden sollte. Um die Diagnose zu vervollständigen sollten sowohl die Eltern als auch die Lehrer spezielle Fragebögen ausfüllen und das Kind spezifische neuropsychologische Test durchgeführen.

Sprech- und Sprachstörungen: Wie man zuhause helfen kann

Wie im Laufe des Artikels deutlich gemacht wurde, gibt es keine allgemeine Symptome, da jede Sprech- beziehungsweise Sprachstörung bei Kindern unterschiedlich verläuft. Ebenfalls äußern sich diese mit verschieden Schweregraden, was jedes Individuum vor spezifische Probleme stellt. Im Folgenden werden einige allgemeine Ratschläge genannt, die befolgt werden können, wenn ein Kind an einer Sprech- oder Sprachstörung leidet.

Wichtig ist, da das Kind an einem Kommunikationsproblem leidet, dafür zu sorgen so viel wie möglich mit ihm zu kommunizieren. Dabei kann Musik gehört oder gesungen werden und dem Kind sollte Zeit gegeben werden seine Sätze beim sprechen selbst zu beenden.

Ebenfalls hilft es, mit dem Kind zu Lesen, dabei ist eine interaktive Gestaltung von Vorteil. Es kann über Inhalte gesprochen, Bilder beschrieben werden oder das Kind gebeten werden sich selbst ein alternatives Ende auszudenken. Diese Übungen helfen der sprachlichen Entwicklung des Kindes.

Wichtig ist ebenfalls, das Problem des Kindes gut zu verstehen. Hierbei ist es ratsam einen Experten aufzusuchen, der bei der Behandlung der spezifischen Störung helfen kann.

Je genauer die Störung des Kindes bekannt ist, desto spezifischere Interventionen können durchgeführt werden. Probleme wie Legasthenie, Dyskalkulie, ADHS oder eine andere spezifische Sprech- oder Sprachstörung besitzen spezielle Behandlungsansätze, die in den beigefügten Links zu finden sind.

Sprachstörungen: Wie kann man in der Schule helfen

Damit sich alle Schüler adäquat entwickeln können, ist es notwendig, Programme zur Erkennung von Sprachschwierigkeiten einzusetzen und zu fördern. Dies ermöglicht bei Bedarf ein frühzeitiges Eingreifen. Es gibt Bildungsplattformen für Schulen und Lehrer, die hierbei sehr nützlich sein können.

Die Rolle des Lehrpersonals spielt eine zentrale Rolle in der Entwicklung des Kindes. Die Lehrperson hat hierbei eine Vermittlerfunktion im Lernprozess und kann zur Verbesserung des Individuums im Schulleben beitragen.

Sprachstörung: Ein gutes Bildungsprogramm sorgt für ein umfassendes Lernen

Vorschläge des “Leitfaden zur pädagogischen Betreuung von Schülern mit Störungen in der mündlichen und schriftlichen Sprache” sind:

• Das Bildungszentrum sollte für Voraussetzungen sorgen, welche die sprachliche Stimulation und soziale Interaktion fördern.
• Die erzieherische Hilfestellung sollte vom selben Erziehungsteam kommen, das für das Kind zuständig ist.
• Beratungsteams und Beratungsabteilungen sollten diese Funktion unterstützen, aber niemals ersetzen.
• Es sollten mündliche Sprachprogramme sowohl zur Vorbeugung als auch zur Stimulation entwickelt werden.
• Die Organisation des Bildungszentrums sollte garantieren, dass eine Koordinierung zwischen dem unterstützenden Personal, dem Personal für Hör- und Sprachverstehen und dem Rest des erzieherischen Teams möglich ist, damit alle aufeinander abgestimmt und mit derselben Vorgehensweise arbeiten.

Quelle: Mario de Vicente, Psychologe bei CogniFit.

Wie lernt das Gehirn? Faktoren, die den Lernprozess unterstützen

Wie lernt das Gehirn? Neue Lernstrategien können wir dann entwickeln, wenn wir verstehen, wie das Gehirn lernt. Die traditionellen Lehrmethoden sind überholt und es ist Zeit, Alternativen in der Neurodidaktik zu suchen. In diesem Artikel wird erklärt, wie das Gehirn lernt. Außerdem finden sich einige Tipps, die das Lernen vereinfachen können.

Wie das Gehirn lernt. Bild: Natasha Connnell, Unsplash.com

Wie lernt das Gehirn? Immer wieder eine bestimmte Information zu wiederholen, bis wir es schaffen, sie auswendig zu lernen, ist nicht die beste Art zu lernen. Verschiedene wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Faktoren wie Überraschung, Motivation, Emotion, Sport, Neuheit oder Teamarbeit unentbehrliche Zutaten zur Unterstützung und Förderung des Lernen und der Kenntnisse sind.

Die Erziehungsstrategie, der wir zurzeit folgen, ist nicht die optimalste. Um dabei helfen zu erziehen und besser zu lernen, sollten wir beginnen, in den Schulen die Erkenntnisse darüber, wie unser Gehirn lernt, anzuwenden. Monotone Informationsfolgen lehren uns nicht, wie wir der Welt begegnen sollen. Wir lernen nicht beim Auswendiglernen, sondern beim Erleben, beim Involvieren und beim Üben mit unseren Händen.

Um zu lernen ist es notwendig eine neue Strategie einzuführen, die es schafft die Lethargie aus unseren Köpfen zu vertreiben. So unterstützen wir nicht nur die Aufmerksamkeit, sondern auch das Gedächtnis. Die neue und auffallende Information wird tiefer in unserem Gehirn gespeichert. Nach einer Studie des Technologischen Instituts von Massachusetts (MIT) liegt die Gehirnaktivität während einer Unterrichtsstunde im gleichen Bereich wie beim Fernsehen, das heißt, bei praktisch Null. Mit endlosen Vorträgen, bei denen die Schüler mit Information bombardiert werden, erreichen wir den gegenteiligen Effekt zu dem was wir eigentlich suchen.

Laut dem Neuropsychologen J.R. Gamo muss das Gehirn erregt sein, um zu lernen. Wenn das Gehirn neuartige Informationen aufnimmt, verarbeitet dies die rechte Gehirnhälfte (die mit der Intuition, den Bildern und dem kreativen Denken verknüpft ist).

Deswegen spielen die Sprache und der Vortrag, den ein Lehrer seinen Schülern im Unterricht hält, keine wichtige Rolle beim Lernen. Im Gegenteil, er sorgt dafür, dass die Schüler abschalten und sich leicht ablenken lassen.

Um zu verstehen, wie das Gehirn lernt, ist es wichtig zu wissen, wie es fühlt, und wie es Informationen verarbeitet und speichert.

Plattform Neurodidaktik von CogniFit: Wie lernt das Gehirn?

Neuerdings kann man immer häufiger das Präfix “Neuro-” in Verbindung mit verschiedenen Wissenschaften finden. Dies hat die Kreierung neuer Disziplinen wie dem Neuromarketing, der Neurotechnologie, der Neurolinguistik und der Neurodidaktik hervorgebracht. Dies ist so, da die Neurowissenschaft eine immer wichtigere Rolle bei der Erklärung der wissenschaftlichen Realität spielt. Die Funktionsweise des Gehirns zu kennen hilft dabei, Phänomene besser zu verstehen. Beispielsweise das Phänomen, mit dem wir uns gerade beschäftigen: wie das Gehirn lernt.

Die Neurodidaktik vereint die Kenntnisse und Methoden der Neurowissenschaften hin zur Unterstützung des Lernprozesses, um uns dabei zu helfen, besser zu lehren und effizienter zu lernen. Von CogniFit und um die Betreuung von verschiedenen Lernbedürfnisse zu unterstützen, wurde die neurodidaktische Plattform für Schulen und Lehrer gegründet. Es handelt sich um eine Plattform der Neurodidaktik, die von Experten der Neuropsychologie kreiert wurde. Sie hilft Lehrkräften, die nicht in Psychopädagogik spezialisiert sind, die Lernprozesse der Schüler zu bewerten und bessere Resultate bei ihnen zu erzielen.

Faktoren, die das Lernen unterstützen. Lernen zu lernen

1- Wie lernt das Gehirn? Beim Lernen ist ein Bild mehr wert als tausend Worte

In sehr bekannten oder Routine-Situationen wird das Gehirn faul. Der Schlüssel ist es, die Suche nach Neuheit des menschlichen Gehirns zu nutzen. Um zu lernen, benötigt unser Gehirn neue Reize.

Wie lernt das Gehirn? Eine gute Idee besteht darin, im Unterricht vom Linguistischen zum Visuellen zu wechseln. Den theoretischen mündlichen Vortrag durch einen Vortrag, der von Bildern, Concept-Maps, Videos und anderen audiovisuellen Materialien ersetzen, die den Schüler anregen und seine Beteiligung am Lernen unterstützen.

Bei neuartigen Reizen wird der komplette Cortex des Gehirns aktiviert. Es handelt sich um ein physiologisches Merkmal, das dazu dient, jede Art von Reiz, unabhängig seiner Natur, zu bewältigen. Diese Besonderheit kommt unserer Lernfähigkeit zugute. Es ist nicht schwieriger als Veränderungen in unseren Vortrag einzubauen, wie Gesten, Gesichtsausdrücke, Augenkontakt oder Veränderungen in der Intonation. Aber es gibt nichts, was das Gehirn mehr aktiviert als ein neues Bild oder ein unterhaltsames Video. Wenn wir es schaffen, dass der ganze Cortex aktiviert wird, unterstützen wir ein integraleres Denken, das wenig mit dem Zwangsauswendiglernen zu tun hat und stark mit einem effizienten und nachhaltigen Lernen verknüpft ist.

2- Wie lernt das Gehirn? Begeisterung ist wichtig für das Lernvermögen

Wir erinnern uns sicher alle noch an einen Lehrer oder Lehrerin, der oder die uns im Guten oder im Schlechten geprägt hat. Wenn wir berücksichtigen, wie das Gehirn nach der Neurowissenschaft lernt, gibt es dafür eine ganz einfache Erklärung.

Die Emotion und die Erkenntnis sind eng miteinander verknüpft und der anatomische Aufbau des Gehirns steht mit dieser Beziehung im Einklang. Die Information, die wir aufnehmen, reist zunächst durch Systeme wie das limbische System, der primitive oder emotionale Teil des Gehirns. Danach wird sie zum Cortex gesendet, dem analytischsten und phylogenetisch neuesten Teil.

Der emotionale Teil ist mit Strukturen die relevant für das Überleben sind, wie der Amygdala, verknüpft. Aus diesem Grund ist die Amygdala dafür verantwortlich, eine Erinnerung effizienter zu festigen. Es ist wichtig, zu diesem emotionalen Teil zu gelangen, damit die Information bleibt und das Lernen wirkungsvoll ist. Wie das Gehirn lernt: Zum Beispiel ist das Geschichtenerzählen eine wundervolle Art, subkortikale Strukturen zu aktivieren und besser zu lernen.

Diesbezüglich hat der mexikanische Neurologe Jaime Romano ein Modell, das als Neuropyramide bekannt ist, erstellt. Das Modell besteht aus sechs Stufen, auf denen dargestellt wird, was mit der sensoriellen Information geschieht, bis sie sich in etwas Gelerntes umwandelt. Er entdeckte, dass die Informationsverarbeitung stark mit emotionalen Vorgängen zusammenhängt.

Laut Romano: “Wir möchten die emotionalen und mentalen Fähigkeiten der Studenten verbessern, die Rechen- und Verständnisvorgänge und dies wird dazu führen, dass sie besser lernen zu rechnen, zu lesen und Texte zu verstehen, ihre Aufmerksamkeit aufrecht zu halten.”

2- Wie lernt das Gehirn? Mit anderen zu arbeiten stimuliert

Das Gehirn wird stimuliert, wenn wir mit anderen interagieren und die Motivation steigt. Wenn wir motivierte Schüler haben, haben wir aufmerksame Schüler; und wenn wir aufmerksame Schüler haben, ist es wahrscheinlicher, dass das Gelernte bedeutsam ist und sie es ihr Leben lang erinnern.

Wie das Gehirn lernt: Das kooperative Lernen erweist sich als sehr nützlich bei der Entwicklung von Sozialkompetenz, Gefühle der Selbsteffizienz, Begünstigung des Mitgefühls und der Fähigkeit, zuzuhören, unter anderem. Diese Art von Aufgabe hat viele Vorteile, vorausgesetzt, dass sie von einer kooperativen Perspektive aus erwogen wird und keiner kompetitiven oder individualistischen. Dafür ist es notwendig, dass jeder Einzelne seine Ziele nur dann erreicht, wenn die anderen auch ihre erreichen. Untersuchungen diesbezüglich haben schlussgefolgert, dass kooperative Situationen höher als kompetitive und individualistische stehen.

3- Wie lernt das Gehirn? Die IKT (Informations- und Kommunikationstechnologie), ein Alliierter beim Lernprozess

Die Informations- und Kommunikationstechnologie fördert die Haltung der Aufmerksamkeit und regt die kreativsten Teile unseres Gehirns an.

Marc Prensky, Fachmann für Bildung, bestätigt, dass das heutige Bildungssystem anachronistisch ist und durch ein anderes Zeitgemäßeres ersetzt werden sollte. Es ist nicht sinnvoll, die Technologie des 21. Jahrhunderts zur Verfügung zu haben und weiterhin wie vor 200 Jahren zu unterrichten.

Wie das Gehirn lernt: Um die Emotionen zu erreichen und Material zu nutzen, dass den Schülern bedeutsam erscheint, ist es unabdingbar, die IKT zu nutzen. Wir müssen uns bewusst darüber sein, dass wir mit Digital Natives arbeiten und somit das digitale Format am attraktivsten erscheinen wird.

Der interaktive Ansatz, den die Informations- und Kommunikationstechnologien verfolgen, unterstützt dabei, dass die Aufmerksamkeit nicht abfällt. Das audiovisuelle Material begünstigt außerdem die Informationsspeicherung.

All dies sind Vorteile, wenn wir die IKT richtig benutzen können, um den Lernprozess im Klassenraum anzuregen und zu ergänzen.

3- Wie lernt das Gehirn? Spielen oder Sport machen ist auch Lernen

Die körperliche Aktivität begünstigt, dass die Muskeln ein Protein absondern, dass im Gehirn die Neuronenplastizität unterstützt. Diese Plastizität schlägt sich in einer Erhöhung der Zahl von Neuronenverbindungen und Synapsen nieder.

Es ist ein Fehler, die Schüler von sportlichen Aktivitäten abzumelden, da diese den Lernprozess und die Speicherung begünstigen. Laut Professor David Bueno von der Universität von Barcelona ist es ebenso notwendig im Klassenraum zu lernen wie der Entwicklung und persönlichen Freizeit Gewicht zu verleihen.

4- Wie lernt das Gehirn? Das Gehirn lernt durch den Kontakt mit der Natur

Es ist problematisch, dass die Schule im Klassenzimmer auf einem Stuhl sitzend stattfindet. Unbeweglich wird auf einem Stuhl gesessen und die Information auf passive Art aufgenommen. Der Schüler sollte aktiv am Lernprozess teilnehmen. Aber genau so wie wir wollen, dass die Schüler intellektuell aktiv sind, ist es auch, dass sie körperlich aktiv sind. Deswegen ist es sehr vorteilhaft, im Rahmen der Möglichkeiten, aus dem Klassenraum zu gehen, um zu lernen. Schon mit dem Verlassen des Klassenraums beginnen wir neue Gehirnstrukturen zu aktivieren, die sehr positiv für den Lernprozess sind. Am idealsten ist es aber dies in der Natur durchzuführen.

Wenn wir darauf achten, wie das Gehirn lernt, ist die Natur die perfekte Umgebung zum Lernen, besonders in jungem Alter.

In der Welt der Natur können wir eine Vielzahl an Reizen finden, in unterschiedlichen Formen, Farben, Bewegung, Tiefen. Diese Unmenge an Eigenschaften, neben dem Vorteil, draußen zu sein, begünstigen das effiziente Lernen. So erreichen wir die besten Ergebnisse im Unterricht mit den geringsten Kosten.

5- Wie lernt das Gehirn? Gute Erholung ist fundamental für den Lernprozess

Gelegentlich übersehen wir die Wichtigkeit einer guten Ernährung für das Gehirn (das Gehirn braucht  Vitamine), oder die einer guten Erholung für den Lernprozess. Die Erholung hängt eng mit den Prozessen zusammen, die so wichtig für den Lernprozess sind, wie die Erinnerung, die Aufmerksamkeit und die Motivation.

Die akademischen Zeiten sind für gewöhnlich am Morgen und sind normalerweise nicht synchron zum biologischen Rhythmus der Schüler. Dies liegt teilweise daran, dass die Gewohnheiten (Fernsehen, Abendessen, Videospiele, spät schlafen gehen) nicht förderlich für die Erholung sind. Vor dem Schlafen Fern zu sehen bedeutet eine hohe Stimulierung des Nervensystems, was den Schlaf erschwert. Dies ist bei Videospielen, Computer, Handy und anderen technologischen Geräten ähnlich. Ein spätes Abendessen kurz vor dem Schlafengehen verhindert eine angemessene Verdauung, was die Erholung erschwert. Und spät schlafen zu gehen bringt weniger Schlaf mit sich und dies schädigt den Körper beim frühen Aufstehen.

So finden wir Schüler, die wie lustlose Zombies zur Schule kommen. Wir können vermeiden, dass es so negativ ist zur Schule zu gehen, indem wir eine Routine vor dem Schlafengehen erschaffen. Exzessive Stimulation, wenig Schlaf oder Essen vorm Schlafengehen sollten vermieden werden.

Danke fürs Lesen! Ich hoffe, dass ihr den Artikel darüber, wie das Gehirn funktioniert, interessant fandet. Zögert nicht, unten eure Kommentare und Fragen zu hinterlassen.

Quelle: Irene García Calvo, Psychologin bei CogniFit.

Motivation: Was ist das, wie beeinflusst sie das Lernen und 10 Tipps, um sie zu fördern

Die Wichtigkeit der Motivation: Sie ist der Motor, der unsere Welt antreibt. Oft sprechen wir von unseren Kindern und Schülern, die im Unterricht unmotiviert sind. Es fällt ihnen schwer, sich zum Lernen zu bewegen, man muss sie antreiben, damit sie ihre Aufgaben machen, wir kämpfen täglich, damit sie die Lektion lernen … Dennoch lernen sie wie durch ein Wunder die Namen von 300 unterschiedlichen Pokemons. In diesem Artikel erklären wir dir, was die Motivation ist, ihre Bedeutung beim Lernen und in der Erziehung und 10 Tipps, die es ermöglichen, die Motivation im Unterricht zu vergrößern und zu fördern.

Die Wichtigkeit der Motivation

Was ist die Motivation?

Sie ist ein interner Impuls, der der Handlung einem Zweck zuweist. Sie unterliegt einer Handlung und leitet diese Handlung. Ohne Motivation ensteht keine Handlung.

Die Motivation ist sehr wichtig, weil sie uns dazu führt, aktiv Mittel zu suchen, um unsere Existenz zu sichern. Wir sind dazu motiviert, Nahrung zu suchen und zu essen und einen Sexualpartner zu suchen. Dies sind die grundlegenden Motive, die angeboren sind und sich unabhängig von der Kultur zeigen.

Aber wir können auch motiviert sein, unseren Neigungen und Lieblingsaktivitäten nachzugehen und zu lernen. Dies sind die sekundären Motive, die von der Kultur abhängen.

Wir sind nicht dazu motiviert, alles zu lernen. Es kann sein, dass uns die Themen der Schule/Universität nicht motivieren, aber selbstverständlich gibt es Dinge, die unser Lernen motivieren, sei es das Leben der Delfine, ein neues Kochrezept oder einen Autoreifen zu wechseln.

Vielleicht kommt die Motivation von unserem eigenen Interesse am Thema oder weil wir das Wissen für etwas brauchen (für unsere Arbeit oder für das eigene Überleben, wie man einen Autoreifen wechselt).

In diesem Sinne können wir zwei Arten von Motivation unterscheiden: die intrinsische und die extrinsische. Diese Motivationsarten sind mehr als zwei Gegensätze auf einem Kontinuum und treten selten “pur intrinsisch” oder “pur extrinsisch” auf.

  • Intrinsische Motivation: ergibt sich, wenn die Menschen intrinsisch dazu motiviert sind, etwas zu machen, weil wir denken, dass es wichtig ist oder es uns Vergnügen bereitet. Die Schüler auf diese Art motiviert sind, sind gespannt darauf, ihre Aufgaben zu erledigen, weil sie die Herausforderung genießen, die ihnen ihre Erledigung bringt, mehr als jeder Reiz oder jede Belohnung. Die intrinsische Motivation lässt oft nach, je höher die Jahrgangsstufe des Schülers ist. Um diese zu vergrößern, kann man das abstrakte Material konkreter gestalten und es in einem Kontext verwenden.
  • Extrinsische Motivation: Erscheint, wenn ein Schüler eine Aufgabe aus externen Gründen erledigen möchte, wie Belohnungen oder Bestrafung. Jedoch hat man herausgefunden, dass Strafen mehr Schaden als Vorteile verursachen und Belohnungen ein Abhängigkeitspotenzial haben. Deswegen ist es besser, die Belohnungen nach und nach zu verringern und sie zu einer intrinsischeren Motivation überzuleiten.

Die Wichtigkeit der Motivation in der Erziehung

Sie ist der Impuls, der uns dazu bringt, zu handeln und zu schaffen, was wir uns vornehmen.

Die Motivation spielt eine wichtige Rolle beim Lernen. Laut einer Studie beeinflusst sie unsere Leistungen in Mathematik mehr als unser Intelligenzquotient.

Konkret fanden die Forscher heraus, dass die Intelligenz stark mit den Leistungen der Schüler in Mathematik zusammenhing, aber nur bei der anfänglichen Entwicklung der Kompetenz in der Materie. Die Wichtigkeit der Motivation und die Lernfähigkeiten waren die bedeutendsten Faktoren bei der Entwicklung der nachfolgenden Kompetenzen in Mathematik. Die Schüler, die sich kompetent fühlten, waren intrinsisch motiviert, nutzten Fähigkeiten wie Erklären, Zusammenfassen, Verbindungen zu anderen Materialen schaffen, vermieden das Lernen durch Auswendiglernen und wiesen eine größere Entwicklung in Mathematik auf als diejenigen, die sich nicht motiviert fühlten. Im Gegensatz dazu hing die Intelligenz der Schüler nicht mit der Entwicklung in Mathematik zusammen.

Warum ist es wichtig, dass die Kinder motiviert bleiben zu lernen?

Die Motivation:

  • erhöht ihr Anstrengung und Ausdauer bei der Aufgabe
  • erhöht ihre Initiative
  • verbessert ihre kognitiven Verarbeitungsfähigkeiten
  • verbessert ihre allgemeine Leistung

Wie können wir erkennen, ob unsere Kinder oder Schüler motiviert sind?

Laut Rodríguez Moneo  kann das Verhalten der Menschen als eine Anzeige zur Messung der Motivation dienen. Es ist eine ziemlich vertrauenswürdige Anzeige, die die Lehrer nutzen können, um die Motivation der Schüler einzuschätzen und danach zu handeln.

  • Die Präferenz oder Wahl einer Aktivität gegenüber einer anderen. Wenn ich es wähle, fernzusehen statt meine Hausaufgabe zu machen, spiegelt meine Wahl meine Motivation wider.
  • Die Latenz, das heißt, die Zeit, die ich benötige, um eine Reaktion zu zeigen, von dem Zeitpunkt an, an dem der Reiz erscheint. Je länger wir dazu brauchen, die Arbeit zu erledigen, die uns aufgetragen wurde, desto weniger Motivation für die Aufgabe haben wir.
  • Die Mühe, je größer die physischen und kognitiven Mittel sind, die bei der Entwicklung einer Aufgabe eingesetzt werden, desto mehr Motivation gibt es.
  • Die Ausdauer bei der Aufgabe. Es gibt mehr Motivation, je größer die Zeitspanne zwischen dem Beginn und der Beendigung einer Aufgabe ist. Je früher wir bei der Aufgabe aufgeben, desto weniger motiviert sind wir.
  • Die Anzeigen der Emotionsausdrücke. Die Handlungen, die wir durchführen, werden für gewöhnlich von emotionalen Ausdrücken begleitet, die das Vergnügen oder das Missfallen anzeigen, das die Aktivität in uns hervorruft. Wenn wir auf die Ausdrücke unserer Schüler achten, erhalten wir viel Information über deren Motivation.

Wir können wir erkennen, ob unsere Kinder motiviert sind?

Wie können wir die Motivation im Unterricht fördern?

1. Die Einstellung beeinflusst die Motivation

Die Forschung hat gezeigt, dass die Interaktion zwischen Lehrer und Schüler wichtiger für den Lernprozess als strukturelle Faktoren, wie erzieherische Mittel und die Klassengröße, ist. Diese Beziehung zwischen Lehrer und Schüler ist nicht nur in den ersten Schuljahren wichtig, sondern auch später, wenn die Herausforderungen größer werden.

Nach einer Studie der Universität von Ostfinnland erhöht eine vom Lehrer geschaffene positive und warme Atmosphäre die Motivation des Kindes zu lernen.

Eine empathische Einstellung auf Seiten des Lehrers schützt nicht nur das Bild, das die Kinder von sich selbst als Schüler haben, sondern hilft auch gegen die soziale Ausgrenzung seitens ihrer Mitschüler.

Wie können wir die Motivation fördern? Zeige eine positive Einstellung und Stimmung. Schaffe eine Bindung zu den Schülern. Zeige ihnen, dass du dich persönlich um sie und um ihren Lernprozess sorgst. Mach dich nie lustig, wenn sie etwas nicht wissen oder verstehen. Zeig dich empathisch und verständnisvoll ihnen gegenüber. Benutze Humor und lockere, entspannte Aktivitäten.

2. Schätze die Anstrengung

Es ist viel wichtiger, die Anstrengung zu schätzen als das Endprodukt. Wenn man das Ergebnis viel mehr schätzt, werden sie sich darauf konzentrieren und vergessen, dass man für ein gutes Produkt Mühe braucht. Außerdem hängt das Ergebnis oft von anderen Faktoren, wie dem Glück ab.

Wie kann man die Motivation fördern?: Konzentriere dich auf den Lernprozess der Kinder, ermutige sie, sich Mühe zu geben und belohne die, die sich sehr anstrengen: “Du bist sehr konzentriert, man merkt, dass du es genießt” oder “Du gibst dir Mühe, du wirst einen Haufen lernen”.

3. Beziehe die Kinder mit ein

Wenn die Kinder sich nützlich fühlen und Verantwortung übernehmen, werden sie sehr viel motivierter sein.

Wie kann man die Motivation fördern?: Gib den Schülern Verantwortung, mach die Teilnahme am Unterricht zu etwas Lustigem. Schreibe jedem eine Aufgabe zu, wie beispielsweise das Klassenzimmer ordentlich zu halten, die Tafel wischen, Material verteilen … wenn sie in Gruppen arbeiten, muss jeder eine Sache übernehmen.

4. Verwende Anreize

Auch wenn es wichtiger ist, die Anstrengung zu fördern und zu belohnen, brauchen Kinder gewisse greifbare Belohnungen für ein gutes Ergebnis. Kinder können die langfristigen Vorteile davon, gute Noten zu bekommen und zu lernen, nicht sehen, sie brauchen sofortigere Belohnungen. Die Anreize motivieren sie dazu, zu arbeiten und sich zu bemühen, indem sie ein Ziel vor Augen haben.

Wie kann man die Motivation fördern?: Denke dir kleine Belohnungen, je nach Erfolgen der Kinder aus, dies können spezielle Privilegien oder kleine Dinge, die Kinder lieben (wie Sticker) sein. Aber es ist nicht nötig, sie mit Belohnungen zu sättigen, da sie so ihren Wert verlieren. Ideal ist es, eine gewisse Zeit zwischen einer Belohnung und der nächsten vergehen zu lassen. Je älter die Kinder sind, desto leichter wird es ihnen fallen, sich ein Ziel auf lange Sicht vorzustellen. Wenn es Kinder in der ersten Klasse sind, ist eine Belohnung pro Klasse pro Tag angemessen. Für ältere Kinder ist eine Belohnung pro Woche gut. Optimal wäre es, diese Art von Belohnungen nach und nach zu reduzieren und sie durch soziale Ermunterungen wie Lob, Lächeln, ermutigende Worte zu ersetzen, da, wie gesagt, die Kinder sonst von ihnen abhängig werden.

 

 

5. In der Abwechslung liegt der Spaß

Kinder langweilen sich schnell, wenn es keine angemessene Stimulation im Klassenraum gibt. Und umso mehr in dieser technischen Welt, in der sie an eine massive Stimulation von Tablets und Smartphones gewohnt sind. Sogar viele Eltern nutzen die Technik, um die Kinder zu beruhigen. Deswegen muss man im Klassenzimmer vermeiden, in Routine zu verfallen.

Wie fördert man die Motivation?: Sei kreativ. Nutze unterschiedliche Strukturen im Unterricht. Unterrichte mit Spielen und Diskussionen, damit der Unterricht dynamisch wird und die Kinder miteinbezogen werden. Das passive Lernen, bei der die Kinder nur Informationen erhalten und sie nicht weiterentwickeln, ist nicht nur ineffektiver, sondern zerstört auch die Motivation. Man kann auch unterschiedliche Materialien verwenden, wie Wandbilder, Fotografien, Videos oder Filme …

6. Erkläre “Was soll ich damit?”

Oft verlieren wir die Motivation, wenn wir den Zweck in der “realen” Welt von dem, was wir gerade lernen, nicht verstehen. Deshalb ist es wichtig, das zu betonen.

Wie kann man die Motivation fördern?: Du kannst einen Abschnitt zu Beginn jedes Themas schaffen, in dem der Sinn des Lernens ebendieses Themas erklärt wird. Mach ihn so praktisch wie möglich. Wenn du Algebra erklärst, widme der Untersuchung, wofür man diese Kenntnisse braucht, zum Beispiel im Ingenieurswesen, etwas Zeit. Zu wissen, dass diese Kenntnisse jetzt gerade wirkliche Menschen bei ihrer Arbeit nutzen, erhöht die bewusste Bedeutung dieser Materie und motiviert sie zu lernen.

7. Geringschätze sie nicht

Die Kinder gering zu schätzen und ihnen Etiketten wie “langsam”, “faul”, “dumm” zu geben, zerstört ihre Motivation nur. Es lässt sie sich fühlen, als ob sie nichts können und es keine Heilung für sie gibt.

Wie fördert man die Motivation?: Vermeide Disqualifizierungen und negative Etiketten. Stattdessen hebe ihre Stärken, Fähigkeiten und positiven Eigenschaften hervor. Erhöhe ihre Mentalität des Wachstums, lass sie wissen, dass sie, obwohl sie etwas nicht so gut können, alles mit der Übung schaffen werden. Steigere ihr Selbstvertrauen. Lerne hier, wie du Kinder lobst, um ihr Selbstwertgefühl zu steigern.

8. Benutze CogniFit, das führende Programm in Neurodidaktik

Die Neurodidaktik basiert auf einer neuen Perspektive der Erziehung, die die Kenntnisse über das Gehirn nutzt, um die Lernprozesse bei Schülern zu analysieren und zu verbessern. CogniFit ist die führende Plattform für Neurodidaktik. Dieses Programm ist ein professionelles Instrument, das von Spezialisten für kindliche Neuropsychologie geschaffen wurde.

Die Technologie von CogniFit basiert auf der Neuroplastizität. Dieses Programm ist sehr einfach zu verwenden. Es besteht aus verschiedenen klinischen Spielen, die vom Computer aus gespielt werden können, und ermöglicht es, Lehrern, die nicht auf Psychopädagogik spezialisiert sind, die Lernprozesse zu analysieren und das Potenzial jeden Schülers zu entwickeln.

Wie fördert man die Motivation?: CogniFit identifiziert mit wissenschaftlicher Objektivität die kognitiven Schwächen und Stärken der Schüler und erstellt einen Zusammenhang ihrer schulischen Leistung, Verhalten und Motivation und ermöglicht es, personalisierte Lehrstrategien einzuleiten.

9. Hilf ihnen, ihre Angst zu regulieren

Vielen Kindern fällt es schwer, motiviert zu bleiben, weil sie viel Angst haben, sich vor dem Scheitern und dem Nicht-Erreichen der gewünschten Ergebnisse fürchten.

Wie fördert man die Motivation?: Vermittle ihnen Ruhe und lass sie wissen, dass das Scheitern nichts Negativen ist. Sich zu irren hilft uns dabei, mehr und besser zu lernen und zu wissen, was wir nicht machen sollten. Wenn die Angst sehr groß ist, kann man im Unterricht Entspannungsübungen ausprobieren.

10. Bring ihnen bei, sich selbst zu motivieren

Es ist sehr gut, die Kinder zu motivieren, aber sie müssen auch lernen, ihre eigene Motivation zu finden und sie selbst regulieren können.

Wie fördert man die Motivation?: Hilf ihnen, Gründe zu überlegen, wofür ihnen das, was sie lernen, dienen könnte. Wird es ihnen helfen, ihre Umgebung besser zu verstehen? Dient es ihnen, wenn sie zur Universität gehen? Hilft es ihnen in ihrem Alltag?

Wichtigkeit der Motivation bei der Erziehung: Schätze sie nicht gering

 

Quelle: Andrea García Cerdán, Psychologin bei CogniFit.

 

10 Strategien, um alles schneller zu lernen – So funktioniert dein Gehirn!

Schneller lernen – Meine Absicht ist, dass du dein Gehirn ein bisschen besser kennenlernst, weißt was es kann und wie es funktioniert, damit es einfacher wird, die Dinge schneller und mit weniger Anstrengung zu lernen. Schöpfe dein gesamtes Potenzial in Lernsituationen aus!

Alles schneller lernen

1. Schneller lernen: Mach einen guten Plan

Viele Menschen unterschätzen die Bedeutung der Planung, manchmal aus Zeitgründen oder weil die Aufgabe nicht sehr komplex ist. Die wichtigste Strategie, um die Dinge schneller und effizienter zu lernen, ist diese Anfangsphase: Die Planung. Wenn du deine Arbeit gut organisieren kannst, dir Prioritäten setzt und den Aufwand, den du für jede Aufgabe brauchst, gut einschätzt, wirst du eine höhere Leistung erbringen und Probleme besser lösen. Es ist normal, dass es dir am Anfang etwas schwerer fällt, angemessen zu planen, aber verzweifle nicht, diese kognitive Fähigkeit verbessert sich durch die Übung.

Wie kann ich schneller lernen?
1.- Sammle alle notwendigen Daten, untersuche und bereite alle Materialien vor, von denen du denkst, dass du sie brauchen wirst. Es ist wichtig, dass du diese Aufgabe erledigst, bevor du zur Tat schreitest. Es wird dir helfen mit Kriterien zu planen, wenn du die gesamte Information zusammenstellst.
2.- Eine schriftliche Prüfung ist nicht dasselbe wie ein Test: Wähle deine Ziele aus.
3.- Brainstorming. Suche unterschiedliche Wege, die dich zu deinem Ziel führen können.
4.- Berücksichtige die Stundenanzahl, die du zur Verfügung hast, die Fristen, mögliche Zwischenfälle, die Art Material … und erarbeite einen Studienplan.
5.- Setze dir Zwischenschritte und Tagesziele, um “Phasen zu verbrennen”.

2. Schneller lernen: Benutze eine Lernmethode, um schneller zu lernen

Es ist empfehlenswert, einem Schema oder Plan zu folgen, es gibt verschiedene Techniken zum Studieren und Auswendiglernen. Eine der Methoden, mit denen die besten Ergebnisse erzielt werden, ist der Klassiker PQRST (Initialen aus dem Englischen, die voraussehen, sich fragen, lesen, zusammenfassen und überprüfen bedeuten). Diese Strategie liefert gute Ergebnisse, sowohl bei normalen Lernern als auch bei Personen mit Lernschwierigkeiten wie Betroffene der Legasthenie, ADHS etc. ergeben.

Welche Methode kann mir dabei helfen, schneller zu lernen?
Die klassische PQRST-Methode besteht aus 5 Schritten:
1.- Suche die Grundidee des zu lernenden Textes oder Themas, zum Beispiel anhand einer Zusammenfassung oder einer Einleitung zum Thema, lies Informationen über den Autoren …
2.- Generiere Fragen darüber, was du von der Lektüre erwartest, bevor du beginnst.
3.- Lies den Text einmal, schau dir Tutorials an, etc. und versuch auf die Zielfragen zu antworten.
4.- Schreib eine Zusammenfassung mit den Hauptideen.
5.- Geh das gelernte Material noch einmal durch, um deine Erinnerung abzusichern.

3. Schneller lernen: Die Neugierde aktiviert dein Gehirn

Warum können wir uns ohne Mühe an eine ganze Menge Daten erinnern, wenn uns eine Geschichte erzählt wird, wir einen Film sehen oder einen interessanten Roman lesen? Die Antwort ist ganz einfach: Die Neugierde, die gemeinsam mit der Emotion der Schlüssel zum Lernen ist.

Dieser in Neuron veröffentlichte Artikel sagt aus, dass die Erwartung, die ein Thema in uns hervorruft, unser Gehirn so aktiviert, dass wir jede Art von Information lernen und behalten können. Neugierig auf etwas zu sein aktiviert das Belohnungssystem unseres Gehirns, indem Dopamin freigesetzt wird, eine Substanz, die mit den Vergnügungssystemen zusammenhängt.

Ohne Zweifel sind unsere “Kleinsten” die wissbegierigsten und neugierigsten Wesen, die wir kennen.

Wie schneller lernen? 

Stell dir vor, du bist ein kleines Kind voller Neugierde darauf, alles zu lernen und aufzusaugen. Frag dich leidenschaftlich darüber aus, was du lernen wirst. Was ist das? Was weißt du vom Thema? Was glaubst du, wirst du lernen? Wie kannst du das im wirklichen Leben anwenden? Wie schwierig wird es sein? Wem kannst du es erzählen? Wie hängt es mit anderen Dingen zusammen, die du lernst? …

4. Schneller Lernen: Achtsamkeit, Aufmerksamkeit

Die Achtsamkeitsübung oder volles Bewusstsein steigert die Funktion der höheren kognitiven Prozesse. Diese Technik beinhaltet zahlreiche Übungen wie die Körperreise, im gegenwärtigen Moment leben, die Nervosität zu kontrollieren und die Emotionen zu regulieren, oder die Konzentration auf die Atmung.

Wie integriert man die Achtsamkeitsübung in den Lernprozess?

 

Zum Beispiel kannst du versuchen die Atmung (Einatmung-Ausatmung) mit der Augenbewegung (Sakkaden, Sprünge) während des Lesens zu synchronisieren, um während der Aufgabe präsent zu bleiben.

5. Schneller Lernen: Besser mehrere Strategien anwenden als nur eine

Die Strategien sind Aktivitäten, die dazu dienen, die Leistung zu verbessern und Kontrolle über die Aufgabe verleihen. Die Verwendung von Lernstrategien ist ein Faktor, der direkt auf die Entwicklung des Gedächtnisses Einfluss nimmt.

Welche Arten von Strategien kann ich anwenden, um schneller zu lernen?
1. Die assoziativen Strategien sind die einfachsten. Ihr Ziel ist das Überholen des Materials mithilfe von Wiederholung: noch einmal durchgehen, unterstreichen, laut wiederholen, etc.
2. Die organisatorischen Strategien ermöglichen es, das zu studierende Material nach seiner Bedeutung zu gruppieren (“chunks” von Information). Die wichtigsten sind die Kategorien und Konzeptkarten.
3. Die Ausarbeitungsstrategien benötigen ein höheres Textverständnis deinerseits: Schemata, Zusammenfassungen, Verwendung von Schlüsselwörtern …
4. Die meta-kognitiven Strategien Planung, Monitorisierung, Bewertung und Überprüfung dienen dazu, Kontrolle und Bewusstsein über den Lernprozess zu bekommen.

6. Schneller Lernen: Verteiltes Lernen besser als durchgehendes

Egal, ob du zwei, vier oder acht Stunden am Tag lernst, die Zeiteinteilung und das Lernmaterial sind ein Schlüsselfaktor.

Wie kann ich schneller und effizienter lernen?
Zum Beispiel, das intensive Lernen desselben Themas für 5 Stunden ist schlechter als die die Wiederholung mit Zeitabständen für eine Stunde am Tag an 5 Tagen.

7. Schneller Lernen: Pausen sind heilig

Die Untersuchungen zur Aufmerksamkeit in der Psychologie zeigen, dass die Fähigkeit, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren, nach 20/25 Minuten abnimmt. Trink Wasser in deinen Pausen, ein hydratisiertes Gehirn ist unabdingbar, um konzentriert und aufmerksam zu bleiben.

Wie kann ich schneller lernen?
Diese Lernmethode, die auf der Pause basiert, wurde vom Neuropsychologen Frencesco Cirillo erschaffen. Cirillo benutzte eine Küchenuhr (mit Tomatenform), um Studienzeiten von 20 Minuten, gefolgt von einer kurzen Pause, abzumessen. In jeder Pause macht der Student etwas Stärkendes, wie sprechen, essen, E-Mails abrufen … und kehrt dann wieder zum Studieren zurück.

8. Schneller Lernen: Positive Emotion, positive Erfahrung

Die Emotionen sind der Schlüssel beim Lernen. Ein positiver emotionaler Zustand verbessert die Leistung des Gedächtnisses und erleichtert das Lernen.

Wie kann ich schneller durch positive Emotionen lernen?
Versuche, eine negative Haltung zur Lernmaterie zu vermeiden, auch wenn sie sehr umfangreich oder schwierig ist. Fühl dich gut mit dir selbst und mit dem, was du tust. Du wirst sehen, wie eine positive emotionale Aktivierung, gemäßigt, dem Lernen zugute kommt.

9. Schneller Lernen: Benutze jedes Mal Selbstbelohnungen, wenn du ein Ziel erreichst

Belohnungen sorgen dafür, dass wir die ausgeführte Tätigkeit als angenehmer empfinden.

Wie kann ich eine Selbstbelohnung anwenden, um schneller zu lernen? 

Sie werden direkt im Anschluss an die Aufgabe angewendet. Die Belohnung kann verbal oder körperlich sein: Von ein paar Worten der Beglückwünschung zur erfüllten Aufgabe bis zu einer Belohnung wie ein Eis, oder eine Kleinigkeit zu essen (es ist empfehlenswert, Nahrungsmittel zu wählen, die dir helfen, dein Gehirn zu schonen), oder einen Freund/eine Freundin anzurufen …

10. Schneller Lernen: Hab Vertrauen darin, was du tust – Du wirst es schaffen!

Du musst aufhören, negativ zu denken. Stell dir dein Ziel vor, wenn du eine schwierige Aufgabe bearbeitest, dir selbst zu vertrauen ist wichtig, um das zu erreichen, was du dir vornimmst.

Wie kann dir das Selbstvertrauen dabei helfen, schneller zu lernen?
In meiner Etappe als Student habe ich ein Jahr über ein Mantra wiederholt, um mich zu ermutigen und zu konzentrieren: “Vertrau dir, sei glücklich”. Ich habe das in alles Formen und Sinnen wiederholt, gesprochen oder gesungen: “Vertrau”, “Vertrau dir”, “Dir, vertrau”, “sei glücklich”, “dir, dir, dir, vertrau” … Du siehst in etwa, wie das funktioniert, oder?

Die kognitiven Prozesse können durch Training beschleunigt oder verbessert werden. Heutzutage existieren verschiedene neurowissenschaftliche Werkzeuge, die dir dabei helfen können, deine kognitiven Funktionen auf präzise Weise zu messen und verbessern. Wenn du dieses Feld genauer ergründen möchtest und deine kognitiven Prozesse auf professionelle Art trainieren möchtest, kannst du dich bei CogniFit, dem führenden Programm für kognitive Bewertung und Stimulierung, informieren. Dies ist nicht irgendein Gehirntraining, es ist ein Instrument, dass durch die wissenschaftliche Gemeinde, Schulen, Universitäten und diversen Bevölkerkungsgruppen weltweit validiert und verwendet wird. CogniFit passt sich an deine individuellen Lernbedürfnisse an.

Viel Glück beim Lernen!

 

Deutsche Übersetzung des spanischen Originalartikels.

Quelle: Pablo García Bartolomé, Psychologe bei CogniFit.