Das eidetische Gedächtnis? Hast du ein fotografisches Gedächtnis? Finde es heraus!

 

Das eidetische Gedächtnis, im Volksmund “fotografisches Gedächtnis” genannt, lässt sich als die Fähigkeit beschreiben, sich an Bilder, Geräusche oder Gegenstände sehr detailliert zu erinnern. Vielleicht kennst du den Fall von einer Person, die nach einmaligem Lesen eines Textes dessen Inhalt noch nach einiger Zeit mit erstaunlicher Genauigkeit wiedergeben kann. Jedoch findet sich dieses Phänomen und großes Mysterium des menschlichen Gehirns nur in einer reduzierten Gruppe von Kindern und man trifft es äußerst selten bei Erwachsenen an. Im Folgenden wird erklärt, worin dieses Gedächtnisphänomen besteht. Am Ende des Artikels findest du einen kleinen Test, um herauszufinden, ob du ein fotografisches Gedächtnis hast!

Kennst du das eidetische Gedächtnis? Entdecke dieses Mysterium des menschlichen Gehirns

Menschen mit eidetischem Gedächtnis erinnern sich an absolut alles

Was ist das eidetische Gedächtnis/ fotografische Gedächtnis? Etwas Theorie

Die Menschen, die ein eidetisches Gedächtnis besitzen, erinnern sich äußerst detailliert an Dinge. Beispielsweise, wo eine Person saß oder welche Worte sie gesagt hat. Sie können sich fast mühelos an jedes Wort aus Büchern von bis zu 500 Seiten erinnern, oder an die Geschehnisse eines bestimmten Tages vor Monaten oder sogar Jahren.

Wenn eine Person ein eidetisches Gedächtnis (oder fotografisches Gedächtnis) besitzt, zeigst du ihr ein Bild, das sie vorher noch nie gesehen hat und sie ist dazu fähig, dieses Bild im Geiste zu “sehen” und sich an alles zu erinnern, wie die Zahl der Fenster eines Gebäudes, wie viele Personen dort waren …

Außerdem ist für Personen mit einem eidetischen Gedächtnis charakteristisch, dass sich ihre Augen bewegen, als ob sie das Bild oder Buch, dass sie sehen oder hören, scannen würden.

Es hat Fälle gegeben, in denen sich diese Art von Gedächtnis spontan gezeigt hat, und die Person sich besonders detailliert an ein bestimmtes Thema erinnert, aber unfähig dazu ist, die Information eines anderen Themas zu behalten.

Zurzeit gibt es keine wissenschaftliche Erklärung zu diesem Phänomen, es existiert sogar eine große Debatte darüber, ob das eidetische Gedächtnis wirklich existiert.

Die aktuellste Studie, die es über das eidetische Gedächtnis gibt, wurde von Forschern der Universität von Malaga durchgeführt. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass das fotografische oder eidetische Gedächtnis einer Erhöhung der Produktion eines Proteins namens “RGS-14” zuzuschreiben ist. Dieses Protein nimmt Einfluss auf einen Bereich im Gehirn, der für die visuelle Informationsverarbeitung zuständig ist, indem es das Fassungsvermögen des Langzeitgedächtnisses erweitert.

Das Gedächtnis besitzt die kognitive Fähigkeit, die für das Speichern, Behalten und Erinnern der Information sorgt. Es gibt verschiedene Arten von Erinnerungen. Das eidetische Gedächtnis entsteht aus außergewöhnlichen Fähigkeiten sowohl im Kurzzeitgedächtnis als auch im Langzeitgedächtnis.

Kennst du das eidetische Gedächtnis? Entdecke dieses Mysterium des menschlichen Gehirns

Kinder und Menschen mit Asperger-Syndrom haben häufiger ein fotografisches Gedächtnis als der Rest der Bevölkerung

Eidetisches Gedächtnis: Kinder, Menschen mit Autismus und Asperger-Syndrom

Man hat beobachtet, dass das eidetische Gedächtnis oder fotografische Gedächtnis bei Kindern mehr ausgeprägt ist als bei Erwachsenen. Anscheinend können Kinder Bilder mit größerer Präzision auf eidetische Art abspeichern und haben somit höhere Speicherkapazitäten als Erwachsene.

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass sich die Verbindungen zwischen der rechten Gehirnhälfte (intuitives Denken) und der linken (rationales Denken) bei Kindern mit etwa 4 Jahren verändern.

Das Gehirn eines Kindes ist anders vernetzt als das Gehirn eines Erwachsenen, und es scheint, dass die Fertigkeit des eidetischen Gedächtnis gemeinsam mit der Fähigkeit des intuitiven Denkens mit etwa 4 Jahren verschwinden. Nur etwa 2 bis 10% der Kindern erleben in frühen Jahren diese Art von Gedächtnis.

Aus diesen Befunden lassen sich folgende Schlussfolgerung ziehen: Man nimmt an, dass Kinder mit dem Alter neue Methoden zur Informationsverarbeitung und Weiterentwicklung ihres Gedächtnisses erlernen. Dies scheint der Grund, weswegen das Phänomen des eidetischen Gedächtnisses so selten bei Erwachsenen vorkommt.

Die meisten Untersuchungen zeigen, dass Erwachsene nicht die Fähigkeit haben, eidetische Bilder zu erschaffen. Anscheinend liegt das daran, dass wir dazu neigen, das Beobachtete visuell und verbal zu verschlüsseln. Wir weisen den Dingen eine Bedeutung zu, um sie leichter abspeichern und später besser an sie erinnern zu können. Diese Verschlüsselung erschwert jedoch das Schaffen eines eidetischen Bildes.

Kennst du das eidetische Gedächtnis? Entdecke dieses Mysterium des menschlichen Gehirns

Es scheint Belege dafür zu geben, dass dieses magische Phänomen des Gedächtnisses existiert

Das eidetische Gedächtnis scheint häufiger bei Kindern und Jugendlichen vorzukommen. Mit dem Alter verringert sich die Fähigkeit, sich an Details erinnern zu können. Eine andere hervorzuhebende Tatsache ist, dass viele der Personen mit fotografischem Gedächtnis unter dem Asperger-Syndrom und Autismus leiden.

Autisten mit eidetischem Gedächtnis

Der Film Rain Man mit Dustin Hoffman und Tom Cruise in den Hauptrollen, zeigt das Phänomen des eidetischen Gedächtnisses auf beeindruckende Art und Weise.

Die von Dustin Hoffman gespielte Figur wurde von Kim Peek inspiriert. Kim Peek war ein damals 53-jähriger Mann, der mit einer Störung im autistischen Spektrum diagnostiziert wurde. Kim Peek konnte jede Seite der 9.000 Bücher, die er gelesen hat, auswendig.

Peek sagte, dass er zwischen 9 und 12 Sekunden brauchte, um eine Seite zu lesen und, dass jedes seiner Augen eine Seite unabhängig las.

Seine erstaunliche Gedächtnisleistung ist drauf zurückzuführen, dass bei Peek beide Gehirnhälften kaum miteinander verbunden waren. Dies hatte als Konsequenz, dass Informationen ungebremst ins Bewusstsein dringen konnten, da die rechte und linke Gehirnhemisphäre nicht miteinander intervenierten.

 

Ein anderer erstaunlicher Fall ist der von Stephen Wiltshire. Dieser kann in nur 10 Minuten alle Details seiner Umgebung aufnehmen und diese anschließen äußerst detailreich zeichnen. Dies kann er sogar an Orten mit vielen visuellen Reizen wie dem Piccadilly Circus in London, indem er sich nur auf sein Gedächtnis verlässt.

Stephen wurde mit 3 Jahren mit Autismus diagnostiziert und seitdem hat er ein natürliches Talent für das Zeichnen bewiesen. Zu Beginn begeisterte er sich für Tier- und Busbilder, aber später konzentrierte sich sein Interesse auf Gebäude und viel komplexere Themen. Auf seiner Webseite sind Bilder zu sehen, die er gezeichnet hat.

Test zum fotografischen Gedächtnis oder eidetischen Gedächtnis

Zum Abschluss ein kurzer Test. Wenn du wissen möchtest, ob du ein gutes eidetisches Gedächtnis besitzt, dann konzentriere dich 30 Sekunden auf das folgende Bild:
Kennst du das eidetische Gedächtnis? Entdecke dieses Mysterium des menschlichen Gehirns

Test zum eidetischen oder fotografischen Gedächtnis – Quelle: psicotecnicostest

Beantworte jetzt, ohne zu mogeln (schau das Bild nicht an), diese Fragen:
1. Wie viele Reifen waren auf dem Foto?
2. Welche Farbe hat der Anhänger des Traktors?
3. Wie viele Personen siehst du auf dem Bild?
4. Wie viele Linien sieht man auf dem Acker?
5. Wie viele Tiere gibt es auf dem Bild?
Überprüfe deine Antworten. Hast du alle richtig geraten?

Eidetisches Gedächtnis trainieren

Eine weitere Frage die sich dir stellen könnte ist, ob sich das fotografische Gedächtnis trainieren lässt. Wie eingangs erwähnt, verliert sich die Fähigkeit des eidetischen Gedächtnisses im Laufe der Kindheit bei den meisten Menschen, die diese Fähigkeit besaßen. Trotzdem lässt sich die visuelle Gedächtnisleistung trainieren und somit verbessern. Um uns in unserem Alltag gut zurecht zu finden, müssen wir keine detaillierte Skizze des Piccadilly Circus in London zeichnen können. Es reicht in der Regel, wenn wir es schaffen uns beim Einkaufen auf einem großen Parkplatz zu merken, wo wir unser Auto geparkt haben. Unsere Fähigkeit, uns visuelle Informationen einzuprägen lässt sich trainieren.
Quelle: Noemí Vega Ruíz, Psychologin bei CogniFit.

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