Déjà-vu: Was bedeutet das und wie entsteht dieses Phänomen?

 

“Das hab ich doch schonmal gesehen”. Hattest du schon einmal das Gefühl eine Situation bereits erlebt zu haben? …Oder das Gefühl einen Ort zu kennen, obwohl du ihn in diesem Moment zum ersten Mal sahst? Was versteckt sich hinter einem Déjà-vu? Hier findest du wissenschaftliche Erklärungsansätze. 

Um das Phänomen des Déjà-vus ranken sich viele sagenumwobene Erklärungen. Manche behaupten, dass es sich um Zukunftsvisionen handelt, Erinnerungen aus vergangenen Leben, außerkörperliche Erfahrungen der Seele oder dass es sogar Außerirdische sind, die mit uns kommunizieren.

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Déjà-Vu: Das Gefühl etwas schon vorher gesehen oder erlebt zu haben

Neben diesen mysteriösen Ansätzen bietet die Wissenschaft ihre eigenen Theorien zu der Entstehung des Phänomens.

Was ist ein Déjà-vu?

Das Wort Déjà-vu kommt aus dem Französischen und bedeutet “schonmal gesehen” und beschreibt das Gefühl, dass einem eine Situation so bekannt vorkommt, als hätte man sie bereits erlebt, obwohl sie vollkommen neu ist. Etwa 60 bis 80% der Menschen erleben zumindest einmal in ihrem Leben dieses Phänomen.

Es lassen sich verschiedene Typen von Déjà-vus unterscheiden.

Déjà Senti (bereits gefühlt), Déjà Vecu (bereits gelebt) une Déjà Visité (bereits besucht). Diese Formen des Déjà-vus überlappen zum Großteil und sind sich sehr ähnlich.

Was verursacht ein Déjà-vu?

1 Theorie zum Déjà-vu

Obwohl es sich beim Déjà-vu um ein weit verbreitetes Phänomen handelt, ist es in der wissenschaftlichen Welt noch weitgehend unverstanden. Dadurch dass es keinen genauen Stimulus gibt, der das Déjà-vu auslöst, ist es sehr schwierig, es im Labor zu untersuchen.

Schon seit jeher hat man versucht das Auftreten des Déjà-vus zu erklären:

  • Bereits im Jahre 1878 wurde in einer deutschen psychologischen Zeitschrift Erschöpfung als mögliche Ursache genannt.
  • William H. Burnham postulierte 1889 das genaue Gegenteil. Ihm zufolge findet das Gehirn, im komplett ausgeruhten Zustand, eine Referenz zu den neuartigen Charakteristika der Situation, wodurch das Gefühl der Vertrautheit ausgelöst wird.
  • 1884 glaubten einige Psychologen, dass die Ursache des Déjà-vus in einer Art “Doppeltem Gehirn” liegt. Eine Hemisphäre empfängt die Information kurz vor der anderen Hemisphäre, was das Gefühl der Vertrautheit schafft.
  • 1895 postulierte Frederic Myres, dass die Ursache darin liegt, dass das Unterbewusstsein vor dem Bewusstsein die Information registriert.
  • Arthur Allin (1896) ging davon aus, dass ein Déjà-vu deshalb entsteht, da wir kurz die Aufmerksamkeit verlieren, wenn mir mit einem neuen Bild konfrontiert sind.
  • Die Psychoanalyse geht davon aus, dass es sich um einen Schutzmechanismus des Ichs handelt um sich vor dem Über-Ich und dem Es zu schützen.
  • Nach Carl Jung ist ein Déjà-vu das Produkt eines “kollektiven Bewusstseins”, das Fragmente der menschlichen Erfahrung zeichnet, um so von Generation zu Generation zu überdauern.

Was die Wissenschaft über Déjà-vus sagt

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Déjà-vu. Ein Phänomen das schwierig ist zu untersuchen

Fehlfunktion in der Gehirnaktivität

Die Episoden des Déjà-vu scheinen sehr stark damit zusammenzuhängen, wie das Gehirn die Information abspeichert. Das Behalten von Erinnerungen über lange Zeiträume, autobiographische Erlebnisse und Sachverhalte werden in bestimmten Bereichen der Temporallappen (die über den Ohren situiert sind) gespeichert. Die Temporallappen sind auch dafür zuständig Vertrautheit und die Erkenntnis von Ereignissen zu detektieren.

Die Verbindung zwischen den Déjà-vus und den Temporallappen ist nicht genau bekannt. Trotzdem konnten Untersuchungen mit Epilepsie-Patienten Hinweise auf Zusammenhänge aufzeigen. Bei der Epilepsie kommt es zu einer exzessiven und ungeordneten Neuronenaktivität im Hippocampus und der Amygdala. Die Erkenntnisse weisen darauf hin, dass ein Déjà-vu auf eine abnormale elektrische Aktivierung des Gehirns zurückzuführen ist.

Viele Patienten mit Epilepsie berichten, dass sie ein Déjà-vu vor einem epileptischen Anfall erleben, sozusagen wie ein Vorzeichen.

Wie ist das aber bei gesunden Menschen? Man geht davon aus, dass ein Déjà-vu bei Personen ohne Pathologien eine Art momentane Fehlfunktion des Gehirns ist. Die Aktivität der Neuronen, welche die Erinnerung und Vertrautheit verarbeiten, feuern in diesem Moment, was dazu führt, dass das Gehirn die Vergangenheit mit der Gegenwart verwechselt. Auch bei gesunden Menschen finden sich solche abnormalen elektrischen Impulse, die zur Epilepsie beitragen. Ein Beispiel hierfür sind die physiologischen Mykolonien, das Muskelzucken, das einige Menschen kurz vor dem Einschlafen erleben.

Gefühl der Vertrautheit

Laut einer Studie haben Déjà-vus mit dem Fehlen von Erinnerung und der Vertrautheit der Situationen zutun. Die Versuchspersonen wurden instruiert aufmerksam eine Zeichentrickserie anzugucken. Im Anschluss wurden den Teilnehmern eine Zeichentrickserie mit anderen Elementen gezeigt, aber in ähnlicher Anordnung wie zuvor präsentiert. Die meisten Teilnehmer hatten das Gefühl eines Déjà-vus. Dies war umso deutlicher ausgeprägt je weniger sich die Teilnehmer an die vorherige Serie erinnerten.

Als Menschen besitzen wir eine sehr gute und viel bessere Erinnerungsfähigkeit für Objekte als für Gesamtsituationen. Wenn wir beispielsweise ein Déjà-vu haben während wir die Pflanze in der Wohnung eines Freundes betrachten, kann die Ursache hierfür sein, dass unsere Großmutter eine ähnliche Pflanze hatte, wir uns aber schlicht nicht daran erinnern. Wir erinnern uns nur, das schonmal gesehen zu haben.

Somit wäre ein Déjà-Vu auf das Gefühl der Vertrautheit etwas schonmal gesehen zu haben zurückzuführen, aber ohne die spezifische Erinnerung daran.

Entdecke, wie du dein Gedächtnis mit diesen 10 Tipps verbessern kannst.

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Déjè-vu: Ein Gedächtnisfehler?

Verzögerung in der Verarbeitung

In dem System der sensorischen Informationsverarbeitung gelangt das, was wir wahrnehmen gleichzeitig über verschiedene Kanäle ins Gehirn. Eine andere Möglichkeit zur Erklärung für ein Déjà-vu ist, dass die Information eines dieser Kanäle verspätet ankommt und somit als eigenständiges Ereignis wahrgenommen wird. Wenn diese Information ankommt ist die restliche Information bereits verarbeitet, was das Gefühl entstehen lässt das Ereignis schon einmal erlebt zu haben.

Es gibt Menschen die ständig Déjà-vus erleben. Das kommt meistens bei älteren Menschen vor, die an einer Art von Demenz leiden. Diese Personen sind in der Regel deprimiert und niedergeschlagen, weil sie das Gefühl ereilt, alles schon gesehen und erlebt zu haben.

 

Im folgenden Video findet sich eine Zusammenfassung der verschiedenen Theorien zur Entstehung des Phänomens des Déjà-Vu.

Übersetzt aus dem Spanischen. Original: Andrea García Cerdán, Psychologin bei CogniFit.

Psicóloga General Sanitaria y sexóloga. Deseosa de mejorar la calidad de vida de las personas mediante la práctica clínica y la comunicación a través de la red.

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