Neurodegenerative Erkrankungen: Definition, Merkmale, Behandlung und Vorbeugung

Neurodegenerative Erkrankungen:  Welche Ursachen, Symptome und Merkmale haben sie, zu welchen Folgen kommt es und wie lassen sie sich behandeln? 

Die neurodegenerativen Erkrankungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie dem zentralen Nervensystem schaden. Dadurch kommt es zu kognitiven Beeinträchtigungen, die von Veränderungen im Verhalten und der Funktionsweise des Organismus begleitet werden. In diesem Artikel gehen wir auf diese Erkrankungen ein: welche neurodegenerativen Erkrankungen gibt es, was für Merkmale oder Symptome weisen sie auf, welche Folgen und Heilungsmöglichkeiten haben sie? …und weitere interessante Fakten.

Neurodegenerative Erkrankungen: Definition, Merkmale, Behandlung und Vorbeugung

Was sind neurodegenerative Erkrankungen? Neurodegenerative Erkrankungen lassen sich als eine Gruppe von Erkrankungen bezeichnen, die das Nervensystem auf eine besondere Art beeinträchtigen: Sie verursachen das Absterben von Neuronen und das führt wiederum zur Degeneration des Nervengewebes. Dies ruft diverse neuropsychologische Umstände hervor, die sich je nach Krankheit unterschiedlich ausdrücken. Es gibt zahlreiche neurodegenerative Erkrankungen, jede von ihnen mit spezifischen Symptomen. In diesem Artikel werden folgende neurodegenerative Erkrankungen näher beleuchtet:

  • Alzheimer
  • Morbus Parkinson
  • Multiple Sklerose
  • Chorea Huntington

Was verursacht das Erscheinen einer neurodegenerativen Erkrankung? Zurzeit existiert keine konkrete Ursache, von der wir wissen, dass sie die Entwicklung dieser Krankheiten hervorruft. Man weiß aber, dass es Zusammenhänge mit genetischen Faktoren und Umweltfaktoren gibt. Zudem heben die stetigen Untersuchungen zu diesen Erkrankungen als Hauptrisikofaktor das Alter hervor.

Neurodegenerative Erkrankungen: Welche Arten gibt es und wie zeigen sie sich

Im Folgenden werden neurodegenerative Erkrankungen und ihre Hauptmerkmale genannt. Außerdem wird gezeigt, wie sich trotz der ähnlichen Merkmale voneinander unterscheiden lassen und wie sie sich bei der Person manifestieren, die unter ihr leidet:

  • Alzheimer: die neurodegenerative Erkrankung Alzheimer wird als eine Gehirnerkrankung definiert, die den fortschreitenden Verlust des Gedächtnisses und der Art zu denken verursacht. Bei den Betroffenen ist der Gedächtnisverlust so stark, dass die Person ihrem Alltag nicht mehr nachgehen kann. Umgangssprachlich wird Alzheimer oft als Demenz bezeichnet, die Erkrankung Alzheimer umfasst aber neben der Demenz noch weitere Symptome. Die wichtigsten dieser Symptome sind: Gedächtnisveränderungen die den Alltag beschränken; Schwierigkeiten, Pläne zu machen oder Probleme zu lösen; Einschränkungen bei der Durchführung von Routineaufgaben oder -arbeiten; Orientierungslosigkeit; Schwierigkeiten bei der Sprache in Schrift und Wort; Verlust der Initiative oder Persönlichkeitsveränderungen. Im Folgenden ist ein Video zu sehen, in dem einige reale Fälle von Personen mit Alzheimer gezeigt werden. Das Video verdeutlicht, welche Belastungen auf Personen zukommen, die mit Betroffenen der Krankheit zusammenleben und verdeutlicht die Symptomatik der Krankheit. Es gibt neuropsychologische Bewertungen, die helfen können, kognitive Defizite zu erkennen und somit zur Unterstützung bei der Diagnose von Alzheimer beitragen können.

  • Morbus Parkinson.  Diese neurologische Erkrankung zeichnet sich durch den schnellen Verschleiß oder Tod von Nervenzellen aus. Die Hauptsymptome sind: Zittern in den Extremitäten (Tremor), die normalerweise während des Schlafes verschwinden; Muskelstarre, wobei die Muskulatur immer angespannt und verkrampft ist; Bradykinesie (Verlangsamung der Bewegung), welche so ihre alltäglichen Abläufe beeinträchtigt (sich waschen, anziehen, …), bei denen sie mehr Zeit brauchen; Haltungsinstabilität, wodurch Betroffene leicht hinfallen. Auch bei der Parkinson-Krankheit gibt es klinische Programme zur kognitiven Bewertung.
  • Multiple Sklerose. Diese Krankheit beeinträchtigt vollständig das zentrale Nervensystem und zeigt sich anhand verschiedener Symptome: Erschöpfung, Schmerzen, Zittern, fehlendem Gleichgewicht und sprachliche Einschränkungen. Es lassen sich verschiedene Arten von Multipler Sklerose, anhand ihrer Symptomatik unterscheiden. Die am häufigsten auftretende Form ist die schubförmig remittierende MS (RR-MS), bei der sich die in Schüben auftretenden Entzündungen im zentralen Nervensystem (ZNS) ganz oder teilweise zurückbilden.
  • Chorea Huntington. Die auch als Huntington-Krankheit bezeichnete neurodegenerative Erkrankung Chorea Huntington ist erblich. Im fortgeschrittenen Stadium sind die Symptome klar zu erkennen. Die Patienten zeigen eine Reihe unfreiwilliger, plötzlicher Bewegungen (die gewisse Ähnlichkeiten zu Tanzbewegungen aufweisen), gleichzeitig verändert sich die Mimik und unbequemen Körperhaltungen. Vor dem Erscheinen dieser Symptomatik zeigen sich bereits eine Reihe psychischer und kognitiver Störungen, welche für diese neurodegenerative Erkrankung typisch sind. Die Betroffenen zeigen Depressionen, Gedächtnisstörungen, Sprachverlust, Verschlechterung der Konzentration, etc. und entwickeln so eine Demenz. Die Krankheit schreitet langsam voran und führt etwa 15 bis 20 Jahre nach ihrem Auftreten zum Tod.

Parkinson-Test

Neurodegenerative Krankheiten: Gibt es eine Heilung?

Dr. Prusiner weist darauf hin, dass es wichtig sei die neurodegenerativen Krankheiten kontinuierlich zu erforschen, um so Heilungsmöglichkeiten für diese Gruppe von Krankheiten zu finden. Da viele Menschen von neurodegenerativen Erkrankungen betroffen sind, und die Auftretenswahrscheinlichkeit mit der höheren Lebenserwartung ansteigt, ist deren Erforschung besonders relevant. Momentan ist die Krankheit mit der höchsten Anzahl an Betroffenen Alzheimer, im Vergleich zu Morbus Parkinson und der Multiplen Sklerose.

Laut Dr. Prusiner ist es noch ein langer Weg, bis es Heilungsmöglichkeiten für diese Krankheiten geben werde. Durch die stetige Forschung konnten jedoch bereits Indizien gefunden werden, die dazu beitragen die Komplexität der neurodegenerativen Krankheiten besser zu verstehen. Es scheint, dass alle Erkrankungen, die der Gruppe der neurodegenerativen Erkrankungen zugeordnet werden, eine grundlegende Gemeinsamkeit haben: ein Defizit bei der Protein-Verarbeitung, obwohl bei jeder dieser Krankheiten die Proteine unterschiedlich verarbeitet werden.

Es kann nicht mit Klarheit gesagt werden, ob sich ein spezifisches Medikament finden lassen wird, um die genannten Krankheiten zu bekämpfen. Zahlreiche Untersuchungen deuten jedoch auf eine Behandlung mit Stammzellen hin. Es ist jedoch noch nicht klar, wie man die Stammzellen nach der Injektion ins Gehirn stimulieren muss, damit sie Verbindungen aufbauen. Ein viel versprechendes Indiz ist allerdings die frühzeitige Erkennung der Krankheit, da im Gehirn die Degeneration noch nicht so weit fortgeschritten ist und die Genesung der Zellen wahrscheinlicher macht.

Letztendlich hat die Forschung bei der Diagnose von neurologischen Krankheiten große Schritte nach vorne gemacht, was positiv für den Verlauf der neurodegenerativen Erkrankungen ist. So werden Bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT) und  die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) verwendet. Dank dieser Verfahren ist es möglich, die durch die Erkrankungen entstanden Degeneration zu erkennen und so eine frühzeitige Behandlung einzuleiten.

Abschließend lässt sich sagen, dass es bis heute keine konkrete Heilungsmethode für diese Krankheiten gibt. Aufgrund der stetigen und detaillierten Erforschung der Krankheiten besteht jedoch Hoffnung, weitere Indizien für die Entstehung der Krankheiten zu finden, um somit die Behandlungsmöglichkeiten zu verbessern und so den Verlauf der Krankheit zu verlangsamen.

Neurodegenerative Erkrankungen: wie kann man ihnen vorbeugen und sie behandeln?

Im Folgenden werden einige Richtlinien bezüglich des Verhaltens und der Kognition angegeben, die effizient sind, um entweder der Erscheinung dieser Krankheiten vorzubeugen oder aber um den Umgang mit der Krankheit zu erleichtern. Lerne die Bedeutung der kognitiven Reserve kennen, um der Erscheinung neurodegenerativer Krankheiten entgegenzuwirken.

  1. Parkinson. Zahlreiche Untersuchungen deuten darauf hin, dass Sport dabei helfen kann, den Folgen dieser neurodegenerativen Erkrankung entgegenwirken kann. Dabei sollte eine Sportart wie Laufen, Spazierengehen, ein Teamsport oder das Fitnessstudio gewählt werden. Zudem hilft Physiotherapie dabei, das richtige Gleichgewicht und Resistenz beizubehalten und Gehirngymnastik hilft ebenfalls. Außerdem finden Parkinson-Patienten eine gewisse Besserung der Symptome beim Tanzen. Ja, tatsächlich! Tanzen hat viele nützliche Effekte, wie geringere Erschöpfung, die Stärkung sozialer Beziehungen, was zu einem besseren Selbstwertgefühl führt. Es gibt klinisch validierte Übungen zur Gehirnstimulation bei Patienten Parkinson.
  2.  Alzheimer. Menschen, bei denen Alzheimer diagnostiziert wurde, steht eine lange Liste von Unterstützungsprogrammen zur Verfügung, die dem Patienten eine bessere Lebensqualität ermöglichen. Einige Beispiele sind folgende: Teilnahme an Gemütszustand verbessernden Aktivitäten (je nach Vorliebe der Person), Verhaltensinterventionen (gegen Aggressivität, zur Ordnung der Essens- und Schlafenszeiten). Betroffene können dabei von einer guten Zusammenarbeit verschiedener gesundheitlicher Einrichtungen profitieren. Programme zur kognitiven Rehabilitation für Alzheimerkrankte
  3.  Multiple Sklerose. Faktoren, mit denen man den Auswirkungen dieser Krankheit entgegenwirken kann, ist die Interaktion der genetischen Veranlagung mit den Umweltfaktoren. Aktuelle Forschungen haben die Detektierung einer möglichen Predisposition durch Analysen möglich gemacht. Bei Betroffenen der Multiplen Sklerose findet sich ein Antikörper, der bei Gesunden nicht nachgewiesen werden kann. In diesem Bereich bedarf es weiterer Nachforschungen, um so die Ursachen der Erkrankung ausfindig machen zu können. Welche Verhaltensweisen sind empfehlenswert für Menschen mit Multipler Sklerose? Es gibt eine Reihe an Leitlinien, die helfen die Lebensqualität der Patienten zu verbessern:  es ist ratsam Tabakkonsum zu vermeiden; beim Sport sollte auf Pausen geachtet werden, um Erschöpfung zu vermeiden; ebenfalls bieten sich Rehabilitationsprogramme für Betroffene an. Es gibt ebenfalls Programme zur kognitiven Stimulation für Patienten mit Multipler Sklerose.
  4. Chorea Huntington. Diese Krankheit lässt sich mithilfe einer genetischen Analyse bereits vor der Geburt (pränatal) nachweisen, auch wenn noch keine Symptome vorhanden sind. Leider gibt es für die Chorea Huntington bislang keine Form der Heilung oder Formen der Behandlung, die das Fortschreiten der Krankheit eindämmen können. Jedoch gibt es Medikamente, welche die motorischen und psychischen Symptome lindern. Für Patienten werden außerdem spezielle Rehabilitationsprogramme angeboten, bei denen Betroffene lernen mit der Krankheit und den Veränderungen, die diese mit sich bringt, umzugehen.

Übersetzung aus dem Spanischen: Noelia Chaves Castaño, Psychologin bei CogniFit.

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